Kein „Goldgelb“ im nächsten Jahr

Die Corona-Auflagen machen die notwendigen Vorarbeiten für das Musikfestival in Aichwald unmöglich

Ursprünglich hätte eine Neuauflage des Goldgelb-Musikfestivals im nächsten Jahr  vom 19. bis zum 23. August in Aichwald-Krummhardt stattfinden sollen. Jetzt hat der Krummhardter Kulturverein, der die Veranstaltung alle zwei Jahre organisiert, das Event jedoch endgültig abgesagt. Das Festival wird nun um ein Jahr auf Sommer 2022 verschoben. Schuld daran ist die Corona-Pandemie mit den aktuellen Auflagen und der Unsicherheit, wie sich die Lage bis zum nächsten Sommer entwickeln wird. „Weder der Ausschuss noch die fünf Vorbereitungsteams können sich derzeit treffen“, begründet Rolf Doll, der Vorsitzende des Kulturvereins, die Entscheidung.

So hätte beispielsweise das Aufbauteam bereits im Dezember dringend zusammenkommen müssen, um aktuelle Veränderungen für das nächste Festival zu besprechen und vorzubereiten. Unter anderem müssen neue Parkplätze gesucht werden, als Ersatz für die Stellplätze, die am Festivalgelände wegen des Neubaugebiets Fuchsbühl wegfallen. Schwierig wäre es laut Doll auch für das Werbeteam geworden, Sponsoren für das nächste „Goldgelb“ zu finden. „Die Firmen haben in der derzeitigen wirtschaftlichen Lage ganz andere Sorgen“, sagt Doll. Zudem sei es eigentlich schon viel zu spät dafür gewesen. Doch ohne zu wissen, wer das Festival im nächsten Jahr finanziell unterstützt, können weder Flyer noch andere Broschüren gestaltet werden. Diese hätten spätestens im Mai in Druck gehen müssen.

Mit zwei Drittel der Bands hatte der Kulturverein bereits entsprechende Verträge abgeschlossen, doch waren diese vorsichtshalber mit einer Rücktrittsklausel versehen worden. Zwar hätten die Verträge auch erst im April gekündigt werden können, doch wollte der Kulturverein Planungssicherheit für alle Beteiligten und nicht zuletzt für die eigenen Mitglieder schaffen. So muss beispielsweise der Landwirt, der das Gelände für das Festival zur Verfügung stellt, wissen, ob er seine Felder bewirtschaften kann oder nicht.

Urlaubsplanung ermöglichen

Auch wollte der Kulturverein den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern eine frühe Urlaubsplanung ermöglichen. Zudem befürchteten Doll und seine Mitstreiter, dass weder das Landratsamt noch die Gemeinde die Veranstaltung zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt genehmigt hätten. Er selbst habe die aktuelle  Situation zwar vorhergesehen, doch nicht in dieser Dimension, sagt Doll im Hinblick auf die jüngste Entwicklung der Corona-Pandemie. Gefragt,  wie der Krummhardter Kulturverein die Verlegung des Festivals um ein Jahr finanziell verkraftet, verweist Doll auf die Rücklagen. „Wir haben in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet“, sagt er. Der Verein sei finanziell relativ gut aufgestellt und könne ein weiteres Jahr ohne „Goldgelb“ gut verkraften. Das Festival unter Corona-Bedingungen auszurichten, war für Doll und seine Leute nicht in Frage gekommen. „Das wäre dann nicht unser ‚Goldgelb’ gewesen“, sagt er. Noch abzuwarten und das Festival erst zu einem späteren Zeitpunkt abzusagen, hätte nur zu weiterer Verunsicherung und womöglich zu Frust geführt.

Sollte sich durch die Impfungen die Pandemie abschwächen, schließt Doll nicht aus, dass der Kulturverein nächstes Jahr im Spätsommer oder Herbst kurzfristig „ein Fest aus dem Bauch heraus schießt“. Irgendwas, das schnell gehe.  aka / Foto: aka


Impfungen starten am 15. Januar

An der Landesmesse und im Esslinger Gewerbegebiet Neckarwiesen entstehen Impfzentren – Arbeit im Zweischichtbetrieb

Im Kreis Esslingen startet  die Impfkampagne gegen  Covid 19 am 15. Januar zunächst an Hochbetagten. Zwei Impfzentren, die das Land genehmigt hat,  gibt es:  eines in Halle 9 an der Landesmesse auf den Fildern und eines in der Zeppelinstraße 112  im Esslinger Gewerbegebiet Neckarwiesen. Derzeit läuft noch die Suche nach Personal.

Der Landkreis Esslingen hat mit seiner Einwohnerzahl von  rund einer halben Million   Anspruch auf zwei Impfzentren.  Die Auswahlkriterien gab das Land  vor: Es muss zum Beispiel ausreichend Platz vorhanden sein, und die Örtlichkeiten  müssen gut erreichbar sein.  „Es war nicht einfach, geeignete Lokalitäten zu finden“, erklärte Landrat Heinz Eininger vor wenigen Tagen bei einer  Pressekonferenz. Den  zwei  Kreisimpfzentren (KIZ) sind vier mobile Impfteams (MIT) angeschlossen. Die Bauarbeiten an beiden Standorten sind so gut wie abgeschlossen, die Betriebsbereitschaft ab dem 15. Januar sei sichergestellt.

Den Betrieb vor Ort, die Durchführung der Impfungen, übernehmen die Malteser. In den KIZ werden vom 15. Januar an bis voraussichtlich  30. Juni täglich von 7 bis 21 Uhr im Zweischichtbetrieb pro Stunde 60 Personen geimpft werden. Am Tag sollen es etwa 800 Personen sein.

Zwei mobile Teams, die die Johanniter koordinieren, sind in  Altenheimen und Behinderteneinrichtungen unterwegs. Ende November hat Marc Lippe, der Bezirksgeschäftsführer der Malteser, den Probelauf des  Ulmer Impfzentrums besucht, um sich einen weiteren Überblick zu verschaffen. Die  Aufgabe ist für die Malteser allerdings nicht neu: „Vor Jahren haben wir bereits Flüchtlinge in einer großen Aktion auf den Fildern geimpft“, rief Lippe in Erinnerung.

 Laut dem Malteser-Geschäftsführer wird sich ein Impfling etwa eine Stunde in einem KIZ aufhalten. Am Eingang – Eingang und  Ausgang sind getrennt –  passiert er die Temperaturmessung und die Befragung nach dem Befinden. So soll verhindert werden, dass bereits Infizierte eintreten. Am Eincheck-Schalter werden die Personendaten erfasst, die Berechtigung für die Impfung wird überprüft. Anschließend übernimmt ein dreiminütiges Video die Erstaufklärung, der eine etwas längere individuelle ärztliche Beratung folgt.

Die anschließende Impfung selbst dauert etwa fünf Minuten, daran anschließend werden die Geimpften für 15 bis 30 Minuten in einem Ruheraum auf etwaige allergische Reaktionen beobachtet. Es gibt auch Notfallräume, da bei der zu Beginn hochbetagten Klientel auch andere Notfälle wie Herz- und Kreislaufattacken zu erwarten sind. In angeschlossenen Laborräumen wird der auf minus 70 Grad gekühlte Impfstoff in Impfdosen aufbereitet – ein anspruchsvolles Unterfangen, denn das  aufgetaute Präparat  muss innerhalb von sechs Stunden verimpft werden. Reinigungskräfte, Fahrer  und Dolmetscher sind ebenfalls vor Ort. Die mobilen Teams arbeiten mit jeweils einem Arzt oder einer Ärztin, zwei medizinischen Fachkräften, zwei Helfern und Fahrer.

Für den Impfbetrieb ist ein Personal von 180 Vollzeitstellen in den beiden Zentren notwendig. Das Personal wird vom Land getragen, die Anwerbung für die sechsmonatige Beschäftigung haben Kreis und Malteser bereits übernommen. „Wir haben rund 400 Bewerbungen auf unsere erste Akquise erhalten“, erklärt Lippe. So habe man auch die Lufthansa, die  rund 29 000 Personen entlassen hat, direkt angeschrieben und auch von dort  Bewerbungen erhalten. Ansonsten ist Lippe sicher, intern  aus Malteser- und Johanniter-Kreisen das Personal zu bekommen.

„Das Land entscheidet über den Impfstoff“, sagte Jochen Herkommer, der ärztliche Leiter der Malteser. „Wir hoffen, dass es künftig einfacher zu handhabende Impfstoffe geben  wird.“ Das wäre auch für Arztpraxen besser:  Denn ab Mitte des Jahres sollen die Impfungen von den niedergelassenen Ärzten  übernommen werden.  bob   / Foto: hr


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Die Mehrwertsteuersenkung von 19 auf 16  beziehungsweise von sieben auf fünf Prozent läuft Ende dieses Jahres aus. War diese für Sie Anreiz, größere Anschaffungen vorzuziehen?

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Christbaumverkauf mit Abstand

Verkaufsstellen für Weihnachtsbäume  im Landkreis gut besucht – Nordmanntanne bleibt Lieblingsbaum

Wieder ist es die Nordmanntanne, die sich die Deutschen am liebsten zu Weihnachten in die Stube stellen. Das ist auch schon fast die einzige Gemeinsamkeit mit dem Weihnachtsbaumverkauf  im vergangenen Jahr. Ohne Glühwein  und trautem Zusammenstehen werden die Christbäume heute  auf Abstand und ohne Begleitprogramm verkauft.

Eine der bekanntesten Verkaufsstellen im Landkreis Esslingen ist die Lichtung im Tiefenbachtal bei Nürtingen, wo die Familie Kaplick mittlerweile zum 16. Mal ein „Weihnachtswunderland“ aufgebaut hat. Harald Kaplick, Inhaber einer Elektrofirma in Nürtingen, betreibt den Christbaumverkauf mit seiner Familie hobbymäßig, aber  mit viel Herzblut. Auf der Lichtung mit den Nordmann-,  Rot- und Blautannen stehen Hütten, alle sind festlich dekoriert, auch wenn sich  in diesem Jahr niemand darin aufhalten darf. Bewirtung gibt es  nicht, lediglich Kinderpunsch darf Kaplick  ausschenken. Die Wege sind breit angelegt, eine Einbahnstraßenregelung soll  Begegnungen unterbinden. Kaplick hat einen Schafstall gebaut, aus dem neugierig Shropshire-Schafe schauen. „Sie sind die einzige Rasse, die nicht an den Nadelbäumen beißt. Und knuffig sehen sie auch noch  aus.“  Kaplick hatte zunächst Bedenken, ob genug Kunden den Weg ins Tiefenbachtal finden würden. Schließlich würden in diesem Jahr die Weihnachtsfeiern ausfallen, zu denen Firmen ihren Mitarbeitern Christbäume schenkten.  „Nun kommen diese Leute privat, um sich ihren Christbaum zu holen“, freut sich Kaplick. Und die Leute kommen  auch aus dem Reutlinger und dem Stuttgarter Raum.   Vielleicht auch, weil Kaplick, wie er sagt, seine Preise entgegen den allgemeinen Ankündigungen  halten konnte.

In Kirchheim haben Tamara und Albert Kling am Schlierbacher Eck ihren Baumverkauf aufgebaut – wie in den vergangenen beiden Jahren auch. Nur ist in diesem Jahr der  Verkaufsplatz ein wenig größer, um Abstände einhalten zu können. Klings, die einen Bioladen in Kirchheim betreiben, verkaufen Nordmanntannen sowie  erstmalig die intensiv duftende Nobilistanne.  Alle Bäume stammen aus ökologischem Anbau im Odenwald und werden einmal in der Woche frisch geschlagen. „Auch Allergiker kommen mit unseren Bäumen gut klar“, sagt Albert Kling, der  weiß, dass es den völlig pestizidfreien Baum nicht gibt. Übrig gebliebene Bäume zerschneiden und verfüttern Klings an Tiere – nichts soll unverwertet bleiben.

Bislang würde der Abverkauf gut laufen, haben Klings festgestellt. Und: „Die Leute sind definitiv früher dran als sonst, sie  sind vielfach im Homeoffice und haben Zeit und Lust, es sich zu Hause gemütlich zu machen.“ Unter den Kunden seien auch vermehrt Mitbürger mit türkischen Wurzeln, hat Kling festgestellt. „Sie fahren nicht in die Heimat und möchten ihren Kindern dieses Jahr diese besondere Atmosphäre bieten.“  Klings verkaufen  bis zum 24. Dezember, 14 Uhr.

Auch die Firma Nordstern  hat Verkaufsstellen in Nürtingen (Real-Markt, Freibad), Kirchheim (Rewe-Markt), Wendlingen (Rathaus), Neckartenzlingen (Adler-Markt), Neckartailfingen (Bauspezi Müller) und Ostfildern-Ruit (Kreuzung Kemnat). In Wernau verkauft die Gärtnerei Böbel Bäume. Sie produzierten CO2-neutrale Christbäume, sagen Jürgen und An­dreas Hermann, die  die Baumzucht von Onkel und Tante, Herbert und Kunigunde Böbel, übernommen haben. Am 20. Dezember kann man die Bäume  an der Kreisstraße 1205 zwischen Freitagshof und Notzingen selbst einschlagen. Am Mittwoch, 23. Dezember, 13.30 Uhr,  steigt eine Baumversteigerung. Der Erlös daraus geht an Wernauer Vereine.  bob  / Foto: Kaplick


Leo lebt

Der  Wirt  der Nürtinger Gaststätte Neckarau war nach einer Corona-Infektion schon totgesagt – Jetzt ist er  zurück im Leben

Es gibt Geschichten, die müssen zwingend von ihrem Ende her erzählt werden. Von ihrem guten Ende her. Wie die Geschichte von Leonitas Kotaidis. Das gute Ende ist: Leo lebt.

Die  frohe Botschaft gehört auch deshalb an den Beginn dieses Textes, weil Leo, der über die Nürtinger Stadtgrenzen hinaus bekannte Wirt der Gaststätte Neckarau, von manchen nach seiner Corona-Infektion schon totgesagt worden war. „Als ich auf der Intensivstation lag, haben Leute  bei meinen Söhnen angerufen und  ihr Beileid ausgedrückt“, sagt er.   Jetzt ist er seit einigen Tagen aus der Rehabilitationsbehandlung  zurück und sagt von sich: „Das ist noch nicht der alte Leo, wie ihn die Leute kennen. Aber ich bin auf dem Weg,  ganz gesund zu werden.“

Der, den er den alten Leo nennt, hat   20 Jahren lang als Wirt in der Neckarau seinen Mann gestanden. Die Karte der Vereinsgaststätte der TG Nürtingen, des größten Sportvereins in der Stadt, wirbt mit griechischen und schwäbischen Spezialitäten. Bevor Leo das Regiment in der Neckarau übernommen hatte,  haben ein paar versprengte Sportler dort nach dem Training ihren Durst mit einer Apfelschorle und zwei Bier gelöscht. Jetzt läuft der Laden. Zwar hat Leo die Geschäftsführung des Restaurants  vor ein paar Jahren  an seinen ältesten Sohn Panajotis übergeben, aber die Stammgäste sagen: Die Neckarau ohne Leo ist wie ein Gyros ohne Tsatsiki.

 Beinahe wäre das Horrorszenario eingetreten. Der vor 57 Jahren in Bad Cannstatt geborene Wirt mit den griechischen Wurzeln, den alle nur mit dem Vornamen anreden, hat dem Tod ins Auge geschaut. Hohes Fieber, Krankenhaus, Atemnot, Erstickungsangst, Intensivstation, künstliches Koma, Beatmungsmaschine – das volle Corona-Programm.  „Es hat schlagartig begonnen, am Mittwoch, 23. September.  Den Tag weiß ich noch genau, aber nicht, wo und bei wem ich mich angesteckt haben könnte“, sagt er.  Am Freitag darauf  hat er das Ergebnis des Corona-Tests erfahren, die Gaststätte zugemacht und sich mit der Familie in die häusliche Quarantäne verabschiedet.

Obwohl das Fieber steigt   und die Mattigkeit nicht weichen will,  wehrt sich der  sonst vor Vitalität strotzende Mann  lange dagegen, ins Krankenhaus zu gehen. „Ich hatte Angst“, sagt er rückblickend. Marc Lippe, der Geschäftsführer der Nürtinger Malteser und Stammgast in der Neckarau,  hat ihm wohl das Leben gerettet. „Er hat, als es mir schlecht  ging,  zweimal am Tag angerufen und schließlich ein Machtwort gesprochen: Leo, es hilft nichts,  du musst ins Krankenhaus“, erinnert sich der Wirt.

  Die Erinnerung setzt aus

Schließlich beugt er sich dem Unvermeidlichen – ob jetzt auf Drängen des Malteser-Chefs oder, weil er, der sonst mit einem gesunden Appetit gesegnet war, zwei Tage lang keinen Bissen runtergebracht hat, macht im Nachhinein keinen Unterschied. Er wird auf der Covid-Station aufgenommen. Es geht ihm jeden Tag schlechter. Das Atmen fällt schwer, die Lunge droht zu versagen. Am Donnerstag, 8. Oktober, muss  er nachts um 1 Uhr auf die Intensivstation verlegt werden. „Das war der Tag, an dem meine Erinnerung ausgesetzt hat“, sagt er.  Zwei Wochen später, am 22. Oktober,  ist er wieder zurück im Leben. Es ist der zweite Geburtstag seines Enkels. Der Kleine heißt Leo, wie sein Opa. „Von da an ging es bergauf“, erinnert sich der große Leo.

Nach einem negativen Corona-Test wird er auf die normale Station verlegt. Ein Bild hat sich ihm da ins Gedächtnis eingebrannt: „Der Arzt und die Schwestern standen in der Tür und haben gejubelt, dass sie es geschafft haben, mich am Leben zu halten.“ Leo antwortet mit der Siegerfaust. Noch einmal wird er unter Vollnarkose operiert. Die Fäden an seinem Hals müssen entfernt werden. Ein paar Tage später wird er entlassen.

 Er hat 24 Kilogramm abgenommen und ist so schwach auf den Beinen, dass er beim Gehen gestützt werden muss. Kaum zuhause,  gibt er eine Anzeige in der Lokalzeitung, der Nürtinger Zeitung, auf: „Liebes Team der Medius-Klinik, ich weiß nicht, wie ich euch genug DANKE sagen kann. Ihr habt euch 30 Tage lang, Tag und Nacht, mit  Leib und Seele um mich gekümmert …“

Er macht das,  weil es ihm ein Bedürfnis ist, sich bei  seinen Lebensrettern zu bedanken –  aber auch, um aller Welt zu zeigen,  dass er noch lebt. Und er macht das,  „um allen, die immer noch nicht wahrhaben wollen, wie gefährlich Corona ist, die Augen zu öffnen“. Was er durchlitten habe, das wünsche er seinem allerschlimms­ten Feind nicht.

Obwohl die  Ärzte sagen, er werde nichts zurückbehalten, bekommt er die   Angst, das Gefühl des Ausgeliefertseins,  immer noch nicht aus seinem Kopf.  Und mit der Erinnerung kommen die Tränen.     Dann sagt er noch:  „Mein Bettnachbar  auf der Covid-Station im Krankenhaus ist genauso alt gewesen wie ich.  Er  hat es nicht überlebt.“  adt / Foto: hr


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Dauerbaustelle

Technisches Zentrum Kirchheim wird erst 2024 fertig – Kosten steigen auf 12,3 Millionen Euro

Die Sanierung des Technischen Zentrums der Stadt Kirchheim dauert erheblich länger als gedacht. Die Modernisierung der Einrichtungen der Feuerwehr und der Wohnungen sollte nach den ursprünglichen Planungen in diesem Jahr abgeschlossen werden. Nun geht die Verwaltung davon aus, dass sich die Arbeiten bis zum Jahr 2024 ziehen. Grund dafür ist, dass die Sanierung unter laufendem Betrieb abgewickelt wird. Die lange Bauzeit bringt auch eine Kostensteigerung mit sich. Derzeit wird davon ausgegangen, dass das Gesamtprojekt statt wie 2014 geschätzt rund 7,5 Millionen Euro nun etwa 12,3 Millionen Euro kosten wird.

Der Sanierungs- und Umbaubedarf des Technischen Zentrums in der Kirchheimer Henriettenstraße war bereits  2014 in einer Entwicklungsstudie  festgestellt worden. Wie Jana Reichle von der Stadtverwaltung Kirchheim mitteilt,  müssen  die Umkleiden für die Jugendfeuerwehr, die Duschen und der sogenannte Schwarz-Weiß-Bereich umfassend saniert und umgestaltet werden, um den aktuellen Anforderungen und Vorschriften gerecht zu werden. Die Leitzentrale, Büros, Umkleiden für Frauen und Männer sowie Schulungs- und Ausbildungsräume müssen modernisiert werden, die energetische Sanierung der Fassade und die Erneuerung der Haustechnik sind nötig.

Zusätzlich zur ursprünglichen Planung wird eine zweigeschossige Kalthalle  errichtet, um dringend benötigte Lagerflächen für die Feuerwehr zu schaffen, die während der Bauphasen auch als Interimsflächen dienen. „Schließlich soll der Aufwand auch Anforderungen der kommenden Jahre  abbilden. Dabei muss mit neuen und veränderten Anforderungen an die Tätigkeiten der Feuerwehr gerechnet werden“, sagt Reichle. Ziel sei, das Technische Zentrum zu einem „zukunftsfähigen und im Einsatz- und Katastrophenfall strukturell funktionsfähigen Standort“ zu entwickeln. Auch die Wohnungen in den Obergeschossen müssen saniert werden. Neben der Haustechnik steht dort der Brandschutz auf der Aufgabenliste. Die Sanierung muss im laufenden Betrieb und in mehreren Bauabschnitten abgewickelt werden. Dies sei mit  organisatorischen Herausforderungen  verbunden, die Verzögerungen beim Bauablauf mit sich bringen, sagt Reichle.

Die Verwaltung geht von Gesamtkosten einschließlich der Wohnungssanierung in Höhe von  voraussichtlich 12,3 Millionen Euro aus. Die Kostenschätzung  lag Anfang 2014 bei rund 7,5 Millionen Euro. Wie Reichle erläutert, hängt diese Kostensteigerung mit den allgemeinen Entwicklungen im Bausektor zusammen. „Der Index für Baupreissteigerungen liegt von 2014 bis 2020  bei 18,5 Prozent. Zusätzlich muss bis zur Vergabe der Bauleistungen mit weiteren acht Prozent Preissteigerungen gerechnet werden, sodass die Kostenschätzung heute bei etwa 9,7 Millionen Euro liegen würde“, erklärt sie. Bei einer Kostenschätzung müsse dazu ein Risiko von 30 Prozent einkalkuliert werden. „Damit passen die Zahlen zueinander.“ Nun sei davon auszugehen,  dass die Kosten eingehalten werden können. Nach dem aktuellen Stand der Planungen soll die Generalsanierung des Technischen Zentrums bis Mitte 2024, die der Wohnungen bis Ende 2024 abgeschlossen sein. „Vorausgesetzt, die verschiedenen Bauabschnitte können ohne unvorhergesehene Verzögerungen abgearbeitet werden“,  sagt Reichle.   pst / Foto: Carsten Riedl


Geschichte(n) aus Neuhausen

Gebäude und Familien: Zwei neue Heimatbücher beleuchten Kultur und Vergangenheit der Gemeinde 

Ein kulturgeschichtliches Buch ist bereits erschienen, ein weiteres  Buch aus der Heimatgeschichte Neuhausens erscheint demnächst. Der vierte Band der Edition Kulturgeschichte  nimmt sich  „Historische Gebäude in Neuhausen“ vor. Der elfte Band der  Gemeinschaft für Heimatgeschichte  widmet sich den  Neuhausener Familien Fuchs, Lang und Kull.

Das Redaktionsteam „Junges Forum und Kulturgeschichte“ um Markus Dewald schreibt  über  ortsbildprägende Gebäude. Dazu gehört das Obere Schloss, wo sich  500 Jahre Ortsgeschichte widerspiegeln. Es war herrschaftlicher  Wohnsitz der Ritter von Neuhausen,  kurbadischer  Verwaltungssitz,  Rathaus, Schulhaus sowie Polizeirevier. Aktuell dient es als Bildungszentrum der Öffentlichen Katholischen Bücherei sowie der Musikschule. Ebenso im Fokus der Beschreibungen steht seine  Tragwerkkonstruktion, die  seinerzeit das Modernste war, was konstruktiv möglich war, wie Dewald schreibt. Auch das Untere Schloss, zwischen 1560 und 1566 im Stil der Renaissance errichtet, war Wohn- und Verwaltungssitz der Ritter von Neuhausen, aber auch Kameralamt, Tapetenfa­brik,    Verwaltungssitz und Polizeirevier der Gemeinde.

Seit 1706 existiert das Gasthaus Ochsen.  Bau- wie kulturgeschichtlich wesentlich interessanter sei laut Dewald der Ochsensaal, der 1903 an das Gasthaus angebaut wurde.   Stilelemente des Historismus und des Jugendstils sind dort verbaut.  Das Buch widmet sich auch dem Saalbau.  Die Saalbaugesellschaft hat 1899 den Bau eines großen Festsaals geplant, der im Jahr 1900 fertiggestellt war und seitdem der Ort für Konzerte, Vereins- und Sängerfeste, Fasnetsveranstaltungen und Theateraufführungen ist. Für den Betrieb des Festsaals sorgte die  Saalbaugesellschaft.

Des Weiteren geht es im Band um Bürgerhäuser aus der Jahrhundertwende, an denen sich gutbürgerliches Wohn- und Lebensgefühl erkennen lasse.

Dewald und sein Redaktionsteam bedauern den  Verlust des ältesten Wohnhauses des Orts  in der Bahnhofstraße. Es wurde 1996 im Zuge der Ortskernsanierung  abgerissen. Das Haus stammte aus der Zeit des Wiederaufbaus nach dem großen Ortsbrand von 1526. „Hätte man es erhalten, dann wäre es heute noch eines der ältesten Bauten im Ort“, heißt es. 

Voraussichtlich am 15. Dezember wird der elfte Band der Gemeinschaft für Heimatgeschichte erscheinen. Er widmet sich den Familien Fuchs, Lang und Kull. „Das Buch umfasst 423 Seiten und enthält mehr als 600 Fotos, die zum Teil noch nie veröffentlicht wurden“,  erklärt Karl Bayer.  Er leitet ehrenamtlich das Archiv der  Gemeinde und hat sich im neuen Band auch um die Beschaffung der Fotos gekümmert.  Die Reihe „Anno-Da-Zu-Mal“ stellt die Geschichte Neuhausener Sippen vor, basierend auf dem Heimatbuch von Eugen Efinger aus den 1930er-Jahren.  Bayer pflegt zum einen gute Kontakte zu den alteingesessenen Neuhausenern, zum anderen recherchiert er in Einwohnermeldeämtern und Standesämtern. Das gehe zum Teil auch über die Landesgrenzen hinaus, sogar bis in die USA. „Viele Familien wissen gar nicht mehr, dass sie Wurzeln in Neuhausen haben“, berichtet Bayer. Das Buch wird im Vierfarbdruck in Polen in einer kleinen Auflage und mit Fadenbindung  hergestellt.  „Es ist ein wirklich  hochwertiges familiengeschichtliches Buch“, betont Bayer.    bob / Foto: Archivfoto: bul

Info: „Historische Gebäude in Neuhausen“, 19,90 Euro, erhältlich  bei: Schreibwaren Knoblauch in Neuhausen,  Buchhandlung Straub in Bernhausen, Kreissparkasse Neuhausen und über geschichtenundkultur@aol.com. „Anno-Da-Zu-Mal“ zu Fuchs, Lang und Kull, 58 Euro, erhältlich im Rathaus und in der Bäckerei Fuchs. Geplant ist überdies ein Verkaufstermin im Vereinsheim des Musikvereins. Der Termin wird noch bekannt gegeben.


Plochingen wird ein Stück fairer

Am Samstag hat der Weltladen in der Fußgängerzone eröffnet – Kooperation mit den Werkstätten Esslingen-Kirchheim

Fairer Handel, faire Arbeitslöhne, Inklusion – all das spielt im neuen Weltladen in Plochingen eine Rolle. Am vergangenen Samstag hat das kleine Geschäft in der Marktstraße 30 in der Plochinger Fußgängerzone eröffnet.

Lebens- und Genussmittel finden sich in den Regalen des neuen Weltladens ebenso wie Kunsthandwerkliches, Unicef-Karten, Deko-Stücke und andere schöne Geschenke. Der Großteil wird über Fairhandelsverbände eingekauft, es sollen aber auch direkt importierte Dinge aus Madagaskar, Tansania und Eritrea angeboten werden: alle aus Projekten, die einen Bezug zu in Plochingen lebenden Menschen haben. Auch nachhaltig Hergestelltes aus der Region ist vorgesehen, ebenso wie Produkte der Werkstätten Esslingen-Kirchheim (WEK).

Die Beteiligung vieler verschiedener Akteure ist eine Besonderheit des Plochinger Weltladens. Getragen wird er vom neu gegründeten Verein Einewelt, aber auch die Stadt als zertifizierte Fairtrade-Town unterstützt das Projekt, unter anderem mit einem Zuschuss für die Erstausstattung. Den WEK ist es zu verdanken, dass das Projekt so zügig umgesetzt werden konnte. Sie betreiben  auf dem Stumpenhof sowohl das Café Morlock als auch das Lebensmittelgeschäft Ums Eck – beides Inklusionsbetriebe, in denen Menschen mit und ohne Behinderung zusammenarbeiten. Als Anlaufstelle vor Ort und als Büro haben sie einen Raum in der  Marktstraße angemietet und boten dem Verein Einewelt kurzerhand die gemeinsame Nutzung an: Er darf mit seinem Laden auf ihrer Fläche unterschlüpfen, und zwar zweieinhalb Jahre lang mietfrei. „Das ist gigantisch“, freut sich der Vorsitzende Jörg Eberle.

In dieser Zeit könne man sich etablieren und herausfinden, was in Plochingen möglich ist, meint Susanne Martin. Sie ist seitens der Stadtverwaltung für das Projekt zuständig, unterstützt es aber auch privat. Die Idee eines Weltladens spukte schon länger durch die Köpfe der Fairtrade-Steuerungsgruppe, die sich im Zusammenhang mit der Zertifizierung als Fairtrade-Town gebildet hat. Konkret diskutiert wurde sie im vergangenen Sommer, und dann ging dank der Initiative der WEK alles ganz schnell.

Jörg Eberle und sein Stellvertreter Harald Elmer freuen sich über die bunte Zusammensetzung des Vorstandes und des Vereins. Verschiedene Parteien und Kirchen sind vertreten und „schaffen super zusammen“, wie der Vorsitzende sagt. Eine weitere mögliche Kooperation wäre, dass WEK-Beschäftigte mit Behinderung in irgendeiner Form im Weltladen mitwirken. Mittlerweile hat der Verein knapp 50 Mitglieder; seine Gemeinnützigkeit ist anerkannt. Die Satzung geht weit über den Betrieb eines Weltladens hinaus: Es geht um Projekte, die Völkerverständigung und Gerechtigkeit fördern, um Aufklärung und Bildungsarbeit.

Im Vorstand wird die Arbeit auf verschiedene Schultern verteilt: Einige kümmern sich um den Einkauf, andere  machen Dienst im Büro oder Geschäft. Im Vorfeld der Öffnung haben zwei Mitglieder Möbel aufgebaut und teilweise komplett selbst gebaut. Ziel war, so schnell zu öffnen, dass der neue Laden noch vom Weihnachtsgeschäft profitiert.

Unterstützt wurde Einewelt Plochingen auch von anderen Weltläden und deren Trägervereinen in der Region. In Altbach gibt es schon seit vielen Jahren einen Weltladen, in Köngen seit 2013 und in Hochdorf seit 2017. Geöffnet ist vorläufig am Dienstag- und Donnerstagnachmittag sowie am Freitag- und Samstagvormittag, längerfristig würde der Verein diese Zeiten gerne ausweiten.  aia / Foto: Matthias Drißner