Kulturveranstalter senden Alarmsignal

Mit der „Night of Light“ wird auf die prekäre Lage während der  Corona-Krise aufmerksam gemacht

Mit leuchtenden Mahnmalen hat die Veranstaltungsbranche am Montagabend der vergangenen Woche auf ihre Lage in der Corona-Krise hingewiesen. Dafür wurden in zahlreichen Städten wichtige Bauwerke in rotes Licht getaucht. „Die Veranstaltungswirtschaft steht auf der Roten Liste der akut vom Aussterben bedrohten Branchen“, hieß es zur Begründung. Deutschlandweit wurden zahlreiche Gebäude angestrahlt, in Berlin etwa das Maxim Gorki Theater oder das Brandenburger Tor. Im Land  Baden-Württemberg   und auch im Landkreis Esslingen gab es eine breite Resonanz. So wurde etwa die SAP-Arena in Mannheim in rotes Licht getaucht, auch Stuttgart, Ulm, Karlsruhe und Heidelberg beteiligten sich an der Aktion. In Esslingen wurden das Neckar Forum, das Komma, das Dick, Kultur am Rande, der Dicke Turm und das Kunstdruck Central Theater angestrahlt. Auch  das Naturtheater Grötzingen, das Alte Rathaus in Wernau, das Jugendhaus Köngen, das „3K“ in Kirchheim und die Firma Fohhn im Nürtinger Gewerbegebiet „Großer Forst“ machten mit.

Arbeitsgrundlage entzogen

 Auf der Internetseite der Veranstalter waren bundesweit und im angrenzenden Ausland rund 8900 Gebäude verzeichnet, die angestrahlt wurden.  Beteiligt haben sich unter anderem Betreiber von Eventlocations, Hallen, Kinos und Kleinkunst-Theatern sowie Technikausstatter, Messebauer, Zeltverleiher und Tagungshotels.

Wegen der behördlichen Auflagen im Zuge der Corona-Krise sei einem riesigen Wirtschaftszweig praktisch über Nacht die Arbeitsgrundlage entzogen worden, hatten die Organisatoren rund um den Essener Eventlocation-Betreiber Tom Koperek im Vorfeld berichtet. Seit Mitte März mache die Veranstaltungswirtschaft quasi keinen Umsatz mehr. Dagegen setzten die Betroffenen „ein leuchtendes Mahnmal und einen flammenden Appell der Veranstaltungswirtschaft zur Rettung unserer Branche“, statt der existierenden Kredit-Programme sei „echte Hilfe“ nötig.  dpa/red / Foto: bul


Schwimmen im Schichtbetrieb

 Freibäder in Reichenbach, Wernau, Deizisau und Wendlingen haben geöffnet – Ähnliche Hygienekonzepte und Preise

Man kann wieder schwimmen gehen, wenn auch unter nie dagewesenen Bedingungen. Die Freibäder in Reichenbach, Wernau und Deizisau haben nahezu gleichzeitig geöffnet und auch ihre Hygienekonzepte aufeinander abgestimmt. Wendlingen ist mittlerweile auch dabei, hier gelten ähnliche Regeln.

Das Reichenbacher Freibad steuerte am vergangenen Wochenende auf 21 Grad Wassertemperatur und 1500 Besucherinnen und Besucher zu. „Wir sind zufrieden“, sagte Kämmerer Wolfgang Steiger im Hinblick auf diese Zahlen, zumal die ersten Tage nach der Öffnung nicht gerade Badewetter gebracht hatten. Insgesamt müssen alle Bäder davon ausgehen, dass ihr Defizit in diesem Jahr noch größer wird als sonst. Zum einen, weil die Besucherzahl begrenzt und der Ticketkauf erschwert sind, zum anderen, weil zusätzliches Personal zum Überwachen und Reinigen benötigt wird.

Die Hygienekonzepte der Bäder sind eng aufeinander abgestimmt, ebenso haben alle je zwei Bade-Schichten eingerichtet. Die Zeitfenster betragen vier Stunden in Reichenbach und 4,5 Stunden in Deizisau, Wernau und Wendlingen. Teils kann man schon ab 9 Uhr schwimmen, teils ab 10  Uhr, und abends ist je nach Bad zwischen 18.30 und 20 Uhr Schluss.

Unterschiede gibt es bei der Zahl der erlaubten Badegäste, bei der sowohl die vorhandenen Wasserflächen als auch die Liegeflächen eine Rolle spielen. Deizisau als kleinstes der drei Bäder darf maximal 192 Personen pro Schicht zulassen, Reichenbach maximal 630 und Wernau 740. Davon darf aber immer nur ein Teil tatsächlich ins Wasser; auch diese Zahlen sind genau definiert. Geregelt wird der Zugang zum Becken über farbige Armbänder, die man sich vor dem Sprung ins Wasser überzieht. Ist kein Band mehr im Eimer, heißt es warten.

Um den Mindestabstand im Becken zu gewährleisten, wird auf den Bahnen ohne „Gegenverkehr“ im Kreis geschwommen und zwischendrin ist immer mal wieder eine Bahn gesperrt. Auch außerhalb der Becken geht es mit gekennzeichneten Fußwegen und Richtungspfeilen sehr geordnet zu. Die Hygieneordnung schreibt darüber hinaus viele weitere Details fest: dass kein Spielzeug verliehen wird, ebenso keine Sonnenliegen – die kann man sich allenfalls mitbringen. Sammelumkleiden und -duschen bleiben geschlossen, die kalte Dusche am Becken ohne Seife bleibt aber erwünscht. Toiletten können mit Einschränkungen genutzt werden. Die Kioske machen Thekenbetrieb, geben also Speisen und Getränke zum Verzehr auf der Liegewiese aus. In ihrem Bereich muss eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden.

Tickets gibt es dieses Jahr nur für den Einzeleintritt, sie kosten drei Euro für Erwachsene und 1,50 oder 2 Euro für Kinder ab sechs Jahren und Jugendliche. Reichenbach und Wendlingen bieten ausschließlich den Online-Verkauf an, in Wernau und Deizisau besteht daneben – aber nur für den Notfall – die Möglichkeit, zu bestimmten Zeiten eine Eintrittskarte auf dem Rathaus zu erwerben. So oder so werden die persönlichen Daten registriert, damit die Badegäste verständigt werden können, wenn sich herausstellt, dass sie mit einer infizierten Person gleichzeitig im Bad waren.

Der Online-Verkauf hat die Rathausteams ganz ordentlich beschäftigt: Zunächst musste man innerhalb kürzester Zeit „ein Bezahlsystem etablieren“, wie Nadine Jud von der Gemeindeverwaltung Deizisau berichtet, dann liefen die Telefone mit hilfesuchenden Nachfragen heiß. Aber nachdem das Wetter sich gebessert hat, gingen die Verkaufszahlen deutlich in die Höhe, vergangene Woche waren beispielsweise in Deizisau mehrere Nachmittagsschichten ausgebucht.  aia / Foto: aia


Bahnen ziehen im Schichtbetrieb

Freibad Denkendorf mit Beschränkungen geöffnet –  Neuhausens Bädle wartet auf Gemeinderatsbeschluss

Der Sommer ist da, die Freibadsaison wurde in Corona-Zeiten förmlich herbeigesehnt. In Denkendorf hat das Freibad seit  zwei Wochen geöffnet, Auflagen regeln das Badevergnügen. Das Bädle in Neuhausen ist noch geschlossen, das weitere Vorgehen noch unklar.

Am 18. Juni  hatte das Freibad in Denkendorf zum ersten Mal seine Türen geöffnet. Eine Woche später vermeldete die Verwaltung erstmalig die Vollbelegung mit 750 Besuchern. Die Beschränkung auf 750 Gäste ist nur  eine der Auflagen, unter denen ein Freibadbetrieb derzeit erlaubt ist. Sammelduschen und Sammelumkleiden bleiben  geschlossen, im Schwimmbecken sind  Bahnen abgetrennt, sodass sich nur eine begrenzte Anzahl von Schwimmern in den  Becken aufhalten kann. Auch die Nutzung der Rutsche oder des Sprungturms ist nur eingeschränkt möglich. An den Spielstätten außerhalb der Schwimmlandschaft  wie dem Volleyballfeld oder der Tischtennisplatte dürfen sich jeweils nur zwei Personen betätigen. Der Freibad-Kiosk unter der Leitung von Julia Lange   ist  geöffnet, es gibt aber nur einen Thekenverkauf und keine Bestuhlung.

„Wir arbeiten mit zwei Schichten“, erklärt Denkendorfs Hauptamtsleiter Fritz Berner.   „Zeitfenster eins läuft von 9 bis 14 Uhr, Zeitfenster zwei von 14.30  bis 20 Uhr.“ Nach jeweils einer Schicht wird das Bad geschlossen und umfassend gereinigt, bevor der nächste Schwung Schwimmer   eintreten darf.

 Es gibt nur Einzelkarten zu kaufen, die über die   Website www.denkendorf.de gebucht werden können. Der Schwimmfreund entscheidet sich für ein Badevergnügen morgens oder nachmittags. Im Internet kann er sehen, ob in  dem ausgewählten Zeitraum noch Tickets vorhanden sind. Die Eintrittskarte für  fünf Stunden Freibadzeit kostet vier Euro für Erwachsene und zwei Euro für Jugendliche  bis 18 Jahre, für Kinder unter sechs Jahren bleibt der Eintritt frei.

Dauer- oder Mehrfachkarten gibt es in diesem Jahr keine, bestehende Zehnerkarten behalten ihre Gültigkeit für die  Badesaison 2021. Wer keinen Zugang zum Internet hat, kann das Ticket auch montags von 10  bis 12 Uhr und mittwochs von 14 bis 16 Uhr im Rathaus im Zimmer  E.08 gegen Barzahlung buchen.

„Da wir zunächst eher mäßig gutes Wetter hatten, gab es Zeit, sich an die neue Situation  zu gewöhnen“, sagt Berner. Mittlerweile habe man schon nachgebessert und noch eine weitere Bahn für die sportlich ambitionierten Schwimmer eingezogen.  Insgesamt seien die Rückmeldungen positiv, so Berner,  der auch weiß, dass der Badebetrieb auf dieser Grundlage „eine enorme Herausforderung für alle Beteiligten“ darstellt. Rein betriebswirtschaftlich dürfe man diese Saison nicht betrachten, sagt der Hauptamtsleiter. „Wir haben  mit höchstens 750 Besuchern  deutlich weniger Nutzer in unserem Bad, das an heißen Tagen bis zu 5000 Besucher verzeichnet. Die Fixkosten bleiben aber in etwa die gleichen.“   Allenfalls der Wasseraustrag aus den Becken verringere sich bei weniger Schwimmern. „Das Defizit wird erheblich sein.“ Die Verwaltung sucht noch zusätzliches Personal, das auf die Umsetzung des Hygienekonzepts achtet. „Im Grundsatz ist der Betrieb gut angelaufen“, sagt auch Julia Förster von der Pressestelle der Gemeinde, wenngleich es immer mal wieder Badegäste gebe, die die Regelungen nur wenig interessierten.   Berner appelliert „an die Vernunft eines jeden, dann kann es ein angenehmer Badesommer werden“. 

In Neuhausen warten die Bädlenutzer auf die Entscheidung des Gemeinderats. „Wir sind für eine Öffnung vorbereitet“, sagt Sylvia Hayn, im Rathaus zuständig für das kleine Familienbad. „Wir haben ein Hygiene- und Wegekonzept entworfen.“  Das Neckarfreibad in Esslingen hat in der vergangenen Woche ebenfalls unter Auflagen geöffnet. Das Bad in Berkheim bleibt allerdings wegen Sanierungsarbeiten diese Saison geschlossen.  bobDer Sommer ist da, die Freibadsaison wurde in Corona-Zeiten förmlich herbeigesehnt. In Denkendorf hat das Freibad seit  zwei Wochen geöffnet, Auflagen regeln das Badevergnügen. Das Bädle in Neuhausen ist noch geschlossen, das weitere Vorgehen noch unklar.   bob / Foto: Gemeinde Denkendorf


Badespaß mit Abstand

Zahlreiche Vorgaben und Regeln in den Freibädern – Eintrittskarten nur im Vorverkauf – Schwimmen im Schichtbetrieb

Fast alle Freibäder in der Region haben seit einigen Tagen wieder geöffnet. Die Bäder in Kirchheim und Weilheim haben vor rund zwei Wochen den Betrieb aufgenommen, das Freibad in Lenningen folgt am Montag, 6. Juli. Der Badebetrieb ist  in Corona-Zeiten an  Hygienevorgaben geknüpft, die Badegäste müssen sich, wie auch in vielen anderen Lebensbereichen, mit  Einschränkungen arrangieren. So darf sich nur eine bestimmte Zahl an Gästen gleichzeitig im Bad aufhalten, für die Nutzung der Becken gibt es klare Vorgaben, ebenso für Duschen und Toiletten. Um Warteschlangen an den Kassen zu vermeiden, gibt es Eintrittskarten nur im Vorverkauf über das Internet.

Wie andernorts werden im  Freibad Kirchheim die Wasserflächen als maßgebliche Größe für die Ermittlung der maximalen Gästezahl zugrunde gelegt. Damit ergibt sich dort  eine Anzahl von 480  Gästen, die sich gleichzeitig im Bad aufhalten dürfen. Um möglichst vielen Menschen einen Besuch zu ermöglichen, wurde ein Zwei-Schicht-Betrieb eingeführt. Karten  können für die Zeit zwischen 8.30 und 12 Uhr und von 14 bis 19 Uhr gekauft werden. Am Dienstag und Donnerstag startet der Schwimmbetrieb  um 7 Uhr. Täglich wird zwischen 12 und 14 Uhr eine Reinigungs- und Desinfektionsphase  eingeschoben. Das Schwimmerbecken wird  in sieben Bahnen unterteilt, es gilt eine Einbahnregelung. Pro Bahn dürfen höchstens zehn Personen, im gesamten Becken maximal 70 Personen schwimmen. Im Nichtschwimmerbecken dürfen sich höchstens 130 Menschen tummeln. Der Eintritt kostet 2,50 Euro.

Auch für das  im vergangenen Jahr modernisierte Freibad in Weilheim gelten strikte Regeln. Die Besucherzahl ist auf 150 Personen beschränkt, im Schwimmerbecken dürfen sich 32, im Nichtschwimmerbecken 48  Gäste gleichzeitig aufhalten. Schwimmen ist im Einbahnverkehr möglich. Die Abstandsregel von 1,50 Meter gilt auch auf den Liegeflächenoder dem Volleyballfeld. Badbesuche sind in den Zeitzonen 9 bis 12 Uhr, 13 bis 17 Uhr und 18 bis 20 Uhr möglich. Karten kosten 4,50 Euro für Erwachsene und 2,50 Euro für Jugendliche und können nur online gekauft werden.

Das Freibad in der Gemeinde Lenningen wird erst am 6. Juli geöffnet. Bürgermeister Michael Schlecht bedauert dies zwar, erklärt  jedoch, dass die Gemeinde mit einer sehr dünnen Personaldecke bereits jetzt  am Limit arbeite. Zunächst stehe die Eröffnung der sieben Kindergärten für den Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen und der drei Grundschulen an. „Das hat für uns oberste Priorität“, sagt er. So müsse das Freibad etwas zurückstehen, „damit der Druck auf die Mitarbeiter nicht ungesund wird“.

Im Oberlenninger Freibad wird die Besucherzahl zunächst auf 100 beschränkt. Badegäste können in den Zeiträumen von 10 bis 14 Uhr und von 15 bis 19 Uhr ins Freibad kommen. Höchstens 25 Schwimmer dürfen gleichzeitig im Becken sein, die Abstandsregel von 1,50 Meter  muss überall eingehalten werden. Das Kinderbecken  und der Sandspielplatz sind gesperrt. Karten kosten für Jugendliche einen Euro, für Erwachsene 2,50 Euro und können nur online erworben werden.  pst / Foto: Carsten Riedl

Info: Weitere Informationen und Eintrittskarten gibt es im Internet unter www.stadtwerke-kirchheim.de, www.weilheim-teck.de und www.lenningen.de


Abgestimmt

Der VfB Stuttgart hat den  Wiederaufstieg in die Fußball-Bundesliga geschafft. Dabei hat er nicht immer überzeugt. Ist der VfB reif genug für die erste Liga, schafft er den Klassenverbleib?

Foto: dpa

Reif genug?

Ergebnis

Loading ... Loading ...


Punkthaus kann gebaut werden

Bebauungsplan für Plochinger Bruckenwasen ist rechtskräftig – Gegner haben viele Unterschriften gesammelt

Im Mai hat der Plochinger Gemeinderat den vorhabenbezogenen Bebauungsplan für ein sechsstöckiges „Punkthaus“ im  Bruckenwasen beschlossen. Das Projekt hatte zuvor für Verwerfungen in der Stadt gesorgt, die Väter der Gartenschau 1998  auf den Plan gerufen und für eine Unterschriftensammlung gesorgt.

Neuer Wohnraum wird gebraucht, aber zu hohe Verdichtung oder Vernichtung von Grünflächen tun weh. Auch bei dem geplanten Neubau im Bruckenwasen gingen die Meinungen weit auseinander, obwohl an dieser Stelle eigentlich schon immer ein Gebäude geplant war. Architekt Ivano Gianola und Landschaftsplaner Jörg Stötzer, die in den 90er-Jahren das Gelände als Wohngebiet und Landschaftspark entwickelt haben, sahen von Anfang an mehr Gebäude vor als heute stehen. Im ursprünglichen Bebauungsplan waren generell fünf Stockwerke möglich, errichtet hat man allerdings nur vier. Dafür sollte nun das Punkthaus – in der Art eines „kleinen Ausrufezeichens“, wie Verbandsbaumeister Wolfgang Kissling es einmal formulierte – zunächst auf sieben Stockwerke gehen. Das sah die Planung des Plochinger Architekturbüros Geiselmann + Hauff für den Bauträger, die r:con GmbH, vor. Sie möchte das Grundstück bebauen, das die Stadt ebenso wie ein weiteres, zwischen den bestehenden Häusern im Bruckenwasen liegend, zum Verkauf angeboten hatte.

Doch sieben Stockwerke waren aus Sicht vieler Bürger  zu viel. Das Haus, das diametral zur Alten Spinnerei in der freigebliebenen Ecke entstehen soll, wäre damit rund zehn Meter höher als die Nachbargebäude, wobei der oberste Stock eine etwas zurückgesetzte Penthouse-Etage sein sollte. Die Verfasser der Unterschriftensammlung gegen das Projekt kritisierten diese Höhe, sie verstoße auch gegen den „Eckpfeiler“, dass die Alte Spinnerei das höchste Gebäude bleiben solle. 1400 Personen unterschrieben schließlich Anfang 2019 online oder auf Papier gegen das Projekt. Zu den Wortführern zählten Altbürgermeister Eugen Beck sowie zwei weitere Väter der Plochinger Gartenschau, Hartmut Strobel, damals Kämmerer, und Andreas Sättele, damals Verbandsbaumeister. Weitere Kritikpunkte der Gegner waren die Verschattung der Nachbarwohnungen oder negative Auswirkungen auf das Lokal „Steiner am Fluss“.

Wichtigste Argumente der Befürworter waren der Bau von dringend benötigtem Wohnraum ebenso wie die Tatsache, dass dort von jeher Wohnbebauung vorgesehen war. Verbandsbauamt und Stadtverwaltung beurteilten auch die Qualität des Projektes anders, Bürgermeister Frank Buß sprach von einer städtebaulich absolut vertretbaren Planung. Als Entgegenkommen hat der Bauträger nun das Gebäude um ein Stockwerk reduziert, eine weitergehende Verkleinerung sei aber im Hinblick auf den Grundstückspreis wirtschaftlich nicht tragbar, betont er. Somit bleiben sechs Geschosse, diese jedoch alle komplett – die Penthouse-Etage fällt weg. Damit werden 18 neue Eigentumswohnungen mit Tiefgarage entstehen. Der vorhandene oberirdische, derzeit provisorische Schotterparkplatz soll vergrößert und befestigt werden.

Diesen Plänen stimmte der Gemeinderat nun mehrheitlich mit drei Gegenstimmen und einer Enthaltung zu. Seit Ende vergangener Woche ist der Bebauungsplan rechtskräftig. Einen Bauantrag müssen die Architekten trotzdem noch einreichen, das dürfte aber, da der Bebauungsplan ja darauf abgestimmt ist, reine Formsache sein. Wie schnell gebaut wird, hängt auch davon ab, wie der Verkauf der Wohnungen jetzt anläuft. „Wir gehen zur Zeit davon aus, dass wir nächstes Frühjahr beginnen können“, sagen die Architekten.  aia / Foto: Architekturbüro Geiselmann + Hauf


Bahn darf auf den Fildern bauen

Bundesverwaltungsgericht weist Klagen von Umweltschützern gegen S-21-Planungen ab

Die Bauarbeiten für das Großprojekt Stuttgart 21 im Bereich des Landesflughafens können weitergehen. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig wies vergangene Woche Klagen des Umweltverbands Nabu und der Schutzgemeinschaft Filder gegen die Planungen für das Teilstück zurück. Die Revisionen der Kläger gegen ein vorheriges Urteil des Verwaltungsgerichtshofs (VGH) in Mannheim seien unbegründet, so die Bundesrichter. Der Abschnitt umfasst den Bau eines neuen Tiefbahnhofs am Flughafen und die Südumgehung Plieningen.

Der VGH hatte den Planfeststellungsbeschluss für das Teilstück 2018 zwar für rechtswidrig und nicht vollziehbar erklärt –  allerdings wegen eines formellen Fehlers. Das Eisenbahn-Bundesamt habe die Planungen für den Flughafenbahnhof samt Anbindung an die Schnellfahrstrecke nach Ulm und die Straßenverlegung unzulässig vermengt, urteilte der VGH damals. Es handele sich um zwei selbstständige Projekte.

Danach wurden die Planungen nachgebessert –  und sind nun aus Sicht des Bundesverwaltungsgerichts nicht mehr zu beanstanden. Die Umweltschützer hatten unter anderem die Verkehrsprognose der ergänzten Planungen für den Straßenbau bemängelt, die Genehmigung für die Umgehungsstraße von Plieningen sei nicht ordnungsgemäß zustande gekommen. „Die Abwägung der für und gegen das Straßenbauvorhaben sprechenden Belange ist nicht zu beanstanden“, erklärte jedoch das Bundesverwaltungsgericht (Aktenzeichen: BVerwG 3 C 2.19 und 3 C 3.19). Es hatte schon in diesem März Eilanträge des Nabu Stuttgart und der Schutzgemeinschaft Filder für einen Stopp der Bauarbeiten am Flughafen zurückgewiesen.

Verantwortliche der Bahn begrüßten die Entscheidung. Ronald Pofalla, Vorstand für Infrastruktur, sagte: „Endlich können wir am Flughafen bauen wie geplant.“ Das sei ein entscheidender Schritt zur Inbetriebnahme des gesamten Bahnprojekts. Laut Manfred Leger, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der DB Projekt Stuttgart-Ulm GmbH, soll unverzüglich mit dem Bau des Tunnels zum künftigen Flughafenbahnhof begonnen werden. „Alles ist bereit“, sagte er.

Mit dem Urteil kann nun  am Anschluss des Stuttgarter Flughafens am Schienenfern- und Regionalverkehr  weitergebaut werden. Die Genehmigung des Eisenbahn-Bundesamts hierfür sei nun  nach einem vier Jahre währenden Rechtsstreit abschließend bestätigt, heißt es in einer Pressemitteilung der Bahn. Der S-21-Abschnitt umfasst den fünf Kilometer langen Teil der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm entlang der A 8 zwischen dem Fildertunnel und  Wendlingen, den neuen Fern- und Regionalbahnhof am Flughafen samt zuführendem Tunnel sowie die Verlegung der Landesstraße 1204. Mit vorbereitenden Arbeiten etwa entlang der A 8 war trotz der noch anstehenden Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht bereits begonnen worden. Die Streckenführung der Gäubahn auf den Fildern ist allerdings noch Gegenstand eines laufenden Planfeststellungsverfahrens.

Mit der künftigen Anbindung des Flughafens und der Messe an das Schienennetz entsteht laut Bahn auf den Fildern eine Verkehrsdrehscheibe, von der 250 000 Einwohner alleine im unmittelbaren Einzugsgebiet profitierten. Die Fahrzeit mit der Bahn vom Flughafen zum Stuttgarter Hauptbahnhof verkürze sich künftig von 27 auf acht Minuten.

S 21 und die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm umfassen die komplette Neuordnung des Bahnknotens Stuttgart und die Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen Stuttgart und Ulm. Der Abschnitt am Flughafen ist nur ein Teil des Projekts. Gebaut werden laut Deutscher Bahn insgesamt fünf neue Bahnhöfe, 120 Kilometer Tunnel sowie 81 Brücken.  lsw/ch / Foto: Arnim Kilgus/Deutsche Bahn


Großes Theater vor 99 Zuschauern

WLB stellt Spielplan für die nächste Saison vor – Junge Bühne unter neuer Leitung – Stücketausch wegen Corona

Es hätte ein hervorragendes Jahr für die Württembergische Landesbühne (WLB) in Esslingen werden können, die Besucherzahlen bewegten sich auf einem ausgesprochen hohen Niveau.  Doch Corona beendete im März den Höhenflug. Jetzt hat das Theater  einen eingeschränkten Betrieb aufgenommen – und den neuen Spielplan vorgestellt.

Bis zum 12. März hatte die WLB in dieser Saison 77 663 Besucher gezählt, das waren deutlich mehr als im gleichen Zeitraum in der vorangegangenen Spielzeit (64 823). Doch dann  wurden der  Spielbetrieb eingestellt und  die geplante Freilichtproduktion „Shakespeare in Love“ auf der Maille abgesagt. Diese  findet sich nun in der Spielzeit 2020/2021 als Freilichtstück, „The Black Rider“ rutscht in den Sommer 2022. Verschiebungen können auch noch andere Produktionen betreffen, da vieles  in diesen Zeiten unklar ist. Derzeit darf die WLB vor 99 Zuschauern spielen.

Die WLB wird mit einer Uraufführung (am 25. September im Schauspielhaus) in die neue Saison starten: Bernhard Schlinks „Der Vorleser“ ist von ihm und der Regisseurin Mirjam Neidhart für die Bühne bearbeitet worden. Eine weitere Uraufführung ist mit „Wagner und Fritz“ geplant, ein szenisches Gedankenspiel über den Stuttgarter Massenmörder Ernst August Wagner (27. September im Podium 2). Der Romanautor Robert Seethaler  liefert mit „Heartbreakin’ – die Biene und der Kurt“ Stoff für die Uraufführung im Schauspielhaus am 9. Oktober.

„New York Marathon“, eine deutsche Erstaufführung, ist ab 18. November im Podium 1 zu sehen. Das Stück lief erfolgreich am Broadway und auch im Londoner Westend. Ein Klassiker, Lessings „Minna von Barnhelm oder Das Soldatenglück“,  steht für den 5. Dezember im Schauspielhaus auf dem Programm.  Molnars Vorstadtlegende „Liliom“ läuft am 15. Januar im Schauspielhaus an. Am 11. Februar wird erstmalig „Der Diener zweier Herren“ nach Goldoni im Schauspielhaus gegeben. Die Esslinger Dramaturgin Anna Gubiani hat  gemeinsam mit Stephanie Serles das Stück aus dem Italienischen neu ins Deutsche übersetzt.

„Vom Suchen und Finden der Liebe“ wird am 18. März im Schauspielhaus uraufgeführt. „Das ist ein weiteres Stück von Helmut Dietl,  das wir nach ‚Schtonk’ bearbeiten  durften“, sagt WLB-Intendant Friedrich Schirmer nicht ohne Stolz. Das Thema hat Dietl  mit Patrick Süskind geschrieben. Die Bühnenfassung stammt von Marcus Grube, dem Co-Intendanten an der WLB.  Im Stück „Amsterdam“ (26. März, Podium 2) geht es um das Selbstverständnis einer jungen Israelin, die in  Europa lebt, und die  Aufarbeitung nationalsozialistischer Vergangenheit.

Die Junge WLB hat mit Jan Müller einen neuen Leiter. Fünf Stücke für junge Menschen im Alter ab  vier Jahren bis 14 Jahre aufwärts hat  Müller im Programm, darunter den Shakespeare-Klassiker „Romeo und Julia“ am 27. März (Podium 2). Das Stück (ab zwölf Jahre) lebt von einer „entstaubten, aber dennoch Shakespeare-authentischen Sprache“ und lasse Julia überleben, erklärt Müller. Am 18. Juni findet im Schauspielhaus die Uraufführung von „Was man von hier aus sehen kann“ (ab 14 Jahre)  nach dem Roman von Mariana Leky als Gemeinschaftsproduktion von  Junger WLB und WLB statt, bei der Müller auch Regie führt und die er als Highlight bezeichnet.

Die theaterpädagogische Abteilung der WLB hat Corona-bedingt neue Formate erschaffen, wie der Leitende Theaterpädagoge Tobias Metz erklärt.  Elf Filme und Podcasts seien  entstanden, weitere  folgten. Das Klassenzimmerstück „Die Menschheit ist hier“ steht nach den Ferien den Schulen zur Verfügung. Schulen quer durchs Land  hätten vor Corona Termine gebucht, etliche wurden abgesagt, ebenso wie  Workshops und Veranstaltungen innerhalb des Esslinger „Kulturrucksacks“.  bob / Foto: bul

Info: www.wlb-esslingen.de, dort sind auch kurzfristige Änderungen zu erfahren. 


Abgestimmt

Um den Konsum anzukurbeln, fällt die Mehrwertsteuer ab 1. Juli von 19 auf 16 Prozent. Haben Sie auch schon eine Anschaffung geplant?

Foto: dpa

Anschaffung geplant?

  • Nein! (100% )
  • Ja! (0% )
Loading ... Loading ...


Bürgerbus bald wieder unterwegs

Aichwald investiert 110 000 Euro in  neues Fahrzeug – Betrieb soll am 6. Juli  aufgenommen werden

Seit dem 16. März steht der neue Bürgerbus auf einem Parkplatz im Aichwalder Ortsteil Aichelberg und wartet auf seinen ersten Einsatz. Der alte Bus war in die Jahre gekommen und musste durch ein neues Fahrzeug ersetzt werden. Voraussichtlich ab 6. Juli wird der neue Bus verkehren.

Während die Gemeinde Aichwald den  Mercedes-Sprinter und dessen Umbau zum behindertengerechten Fahrzeug bezahlte – unterm Strich eine Investition in Höhe von 110 000 Euro   –  übernimmt der Bürgerbusverein mit seinen rund 30 ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrern wieder den Betrieb. Wegen der Corona-Krise fährt der Bürgerbus allerdings seit Mitte März  nicht mehr.

Wie Albert Kamm, der Vorsitzende des Bürgerbusvereins mitteilt, soll der neue Bus am Montag, 6. Juli, zum ersten Mal wieder seine Runden drehen. An diesem Tag soll der reguläre Betrieb nach Fahrplan wieder aufgenommen werden. „Vorher müssen wir aber alle Fahrer neu einweisen“, sagt Kamm, der darauf hofft, dass mindestens 20 der 30 ehrenamtlichen Fahrer mitziehen werden. Immerhin gehören viele von ihnen schon allein altersbedingt zur Risikogruppe, manche haben Vorerkrankungen. „Wenn aber eine zweite Infektionswelle kommt, dann haben wir keine Chance“, sagt Kamm. Wie im Bus der geforderte Mindestabstand eingehalten werden kann, ist derzeit noch offen. „Möglicherweise können vorerst nur vier Fahrgäste mitgenommen werden“, sagt Kamm.

Bis zum 6. Juli soll der Bus auch noch mit einer Plexiglasscheibe ausgestattet werden, der die Fahrer zur Minimierung des Infektionsrisikos von den Fahrgästen abschottet. „Es ist niemandem zuzumuten, den ganzen Tag mit einer Maske zu fahren“, sagt der Vereinsvorsitzende, der regelmäßig selbst am Steuer sitzt und im Jahr 2009 in Aichwald den Bürgerbusverein ins Leben gerufen hat. Seither ist Kamm Vorsitzender des Vereins und dessen Betriebsleiter.

Der Bus ergänzt inzwischen seit elf Jahren den öffentlichen Personennahverkehr und verbindet die Ortsteile untereinander. Die feierliche Einweihung des neuen Busses will Kamm übrigens im Oktober auf dem Aichwalder Dorffest nachholen. Um seine Erfahrung an andere weiterzugeben, hat er vor vier Jahren den landesweit tätigen Verein „proBürgerBus“ mitgegründet. Noch heute gehört er dem Vorstand als Beisitzer an.

Der neue Aichwalder Bürgerbus hat gegenüber dem alten Fahrzeug einen entscheidenden Vorteil: Rollstuhlfahrer können leichter einsteigen. Der Bus hat seitlich zwei große Flügeltüren, durch die ein Rolli unkompliziert ins Fahrzeug gehoben werden kann. Der Vorgänger hatte am Heck einen Rollstuhllift, der viel umständlicher zu handhaben war. Anstatt wie früher fünf Minuten, dauert es beim neuen Bus künftig höchstens zwei Minuten, bis ein Rollstuhlfahrer sicher sitzt. Insgesamt können acht Fahrgäste mitfahren, darunter ein Rollstuhlfahrer.

Unverändert kostet eine Fahrt mit dem  Bürgerbus einen Euro. Der Bus fährt  montags bis freitags jeweils zweimal am Vormittag und zweimal am Nachmittag nach einem festen Fahrplan immer in einen der Ortsteile und dann wieder zurück ins Zentrum nach Schanbach. Insgesamt gibt es in Aichwald 35 Haltestellen.

Finanziert wird der Betrieb durch Sponsoren, Werbepartner und öffentliche Zuschüsse. Kinder bis zum sechsten Lebensjahr werden kostenlos mitgenommen, ebenso Fahrgäste mit einem Schwerbehindertenausweis.  Zudem fahren Menschen mit der Aichwald-Card gegen Vorlage des Ausweises bis zu zehnmal im Jahr ebenfalls kostenlos mit. aka / Foto: Kaier