Aussicht auf ruhigere Zeiten

Lärmbelastung für die Bürger der Stadt Owen soll sinken – Tempo 30 in absehbarer Zeit möglich

Die Bürger der Stadt Owen leiden seit Jahren unter dem Lärm des starken Verkehrs auf der B 465 und der L 1210. Im Jahr 2014 wurde ein   Lärmaktionsplan erstellt, der 2018 fortgeschrieben wurde. Laut dem Gutachten sind Hunderte von Einwohnern dauerhaft gesundheitsschädlichen Lärmpegeln ausgesetzt. Damit sind Bund und Land verpflichtet zu handeln. Owens Bürgermeisterin Verena Grötzinger geht davon aus, dass nun in absehbarer Zeit auf den Durchgangsstraßen die erlaubte Geschwindigkeit auf 30 Kilometer je Stunde gedrosselt werden kann.

Die Verkehrslast auf der B 465 und einem Teilstück der L 1210 in Owen bringt enorme gesundheitliche Gefahren für die Anwohner mit sich. Nach den  Berechnungen des Fachbüros Soundplan, die die Grundlage für die aktuelle Fortschreibung des Lärmaktionsplans der Stadt bilden, sind in den Nachtstunden 255 Einwohner einer Lärmbelastung von mehr als 60 dB(A) und damit  Gesundheitsgefahren ausgesetzt. Außerdem leben 138 Einwohner im gesundheitskritischen Bereich zwischen 55  und 60 dB(A). Am Tag  leben 184 Menschen mit einer gesundheitsgefährdenden Lärmbelastung von mehr als 70 dB(A). Zudem leben 193 Einwohner im gesundheitskritischen Bereich zwischen 65  und 70 dB(A).

Angesichts dieser Werte sind die Fachbehörden in der Pflicht zu handeln. Mit  dem Beschluss des Lärmaktionsplans 2014 durch den Gemeinderat hatte die Stadt bereits eine Geschwindigkeitsreduzierung auf Tempo 30 bei Nacht beantragt und dazu selbst einiges zur Lärmminderung getan. So wurde etwa der Fahrbahnbelag der B 465 saniert. „Dabei kann die Stadt Owen  Maßnahmen zur Lärmminderung  in so gut wie allen Bereichen nicht in eigener Zuständigkeit umsetzen, sondern ist von anderen Verantwortungs- und Entscheidungsträgern, etwa Fachbehörden und Straßenbaulastträgern abhängig“, sagt Grötzinger. Die Fortschreibung des Lärmaktionsplans,  mit der sich der Gemeinderat in Kürze beschäftigen wird, habe  bestätigt, „dass Tempo 30 bei Nacht umgesetzt werden muss. Die Lärmwerte ergeben ebenfalls, dass auch eine Überschreitung bei Tag vorliegt, weshalb eine dauerhafte Reduzierung der Geschwindigkeit zu empfehlen wäre“, betont die Bürgermeisterin.

Derzeit befindet sich der Entwurf der Fortschreibung des Lärmaktionsplans in der öffentlichen Auslegung und wird danach vom Gemeinderat   beschlossen. Diese Fassung stelle auch die von den Fachbehörden geforderte Ergänzung der Unterlagen zur beantragten Geschwindigkeitsreduzierung auf Tempo 30 bei Nacht dar. Sollte der Antrag positiv beschieden werden, könne mit einer  Verbesserung der Situation gerechnet werden, ist Grötzinger überzeugt. Die Stadt rechne mit einer Zeitspanne von etwa sechs Monaten bis zur Entscheidung über den Antrag auf Tempo 30.

Allerdings hält Grötzinger es  für „zwingend erforderlich“, zudem die Anzahl der Fahrzeuge in der Ortsdurchfahrt zu reduzieren. „Einige Maßnahmen, wie auch das 24-Stunden-Durchfahrtsverbot für Lkw, wurden allerdings von der zuständigen Fachbehörde abgelehnt“, beklagt Grötzinger. Der große Wurf indes, die Verbannung des Durchgangsverkehrs aus der Stadt mittels einer Umgehungsstraße, wird weiter auf sich warten lassen. Als Vorhaben aus dem Bundesverkehrswegeplan werde frühestens 2025 in die Planungen dafür eingestiegen, sagt Verena Grötzinger.   pst / Foto: pst


Teuerstes Projekt für die Stadt

Neubau der Sporthalle Nellingen startet – 950 Zuschauerplätze maximal – Für Leistungs- und Schulsport

Für die Stadt Ostfildern startet mit dem Neubau der Sporthalle in Nellingen die größte Investition der Stadtgeschichte. Für 12,65 Millionen Euro baut Ostfildern eine Sporthalle für Schul- und Leistungssport, die die Sporthalle 1 ersetzt. Ab Dezember soll das Baufeld freigemacht werden.

In der vergangenen Woche hat der Gemeinderat Ostfildern einen Knopf an die Sache gemacht: Er stimmte einstimmig   dafür, den Stuttgarter Bauunternehmer Rommel und die Zoll Architekten aus Stuttgart mit dem Bau der Halle zu beauftragen. Damit setzten die Gemeinderäte auch den Schlusspunkt unter    gut zehn Jahre andauernde Planungen.

Die neue Halle, die im Dezember 2022 fertig sein soll, wird neben dem Anlagensee errichtet. Der zweigeschossige barrierefreie Bau wird sowohl leistungs- als auch schulsporttauglich geplant.   950 Zuschauerplätze sind vorgesehen, aufgeteilt  auf 750 Sitzplätze auf einer Tribüne und einer bei Bedarf aufgebauten Teleskoptribüne sowie weiteren 200 Stehplätzen. Die  Halle  ist dreigeteilt, es gibt einen teilbaren Multifunktionsraum mit Anbindung an eine der beiden Theken, der auch als sogenannter VIP-Raum genutzt werden kann.

Ein zusätzlicher Raum ist als Besprechungs- und Dopingkontrollraum ausgewiesen. Dieser innovative Raum kann dann außerhalb des Leistungssportbetriebs  vom Schulsport genutzt werden – als Theorieraum für Lehrer und Schüler beim Sport-Abitur beispielsweise. „Die Baumaterialien sind Holz, Beton, Sichtbeton und Linoleum“, erklärt Peter Heinzmann,  der Leiter der Abteilung Technisches Gebäudemanagement im Fachbereich 4 der Stadtverwaltung (Bauen, Immobilien). Eine blendfreie helle Außenfassade werde überdies viel Licht ins Innere fluten lassen. Technisch ist die Halle auf Energieersparnis konzipiert. Das Dach wird mit Fotovoltaik ausgestattet. Vier Lüftungsanlagen sorgen für Frischluft. Mehrere Heiztechniken wärmen das Gebäude: Es werden klassische Heizkörper sowie Fußbodenheizungen und auch Deckenstrahlplatten verbaut.

„Das Gebäude ist nahezu CO2-neutral“, erklärt Heinzmann. „Energetisch eine gute Halle.“

Ein Übriges tut die Anbindung an die Nahwärmeversorgung des  Hallenbads Nellingen. Die Fotovoltaik-Anlage wird künftig  in Kooperation mit der Bürgerenergie betrieben –  wie bei der Grundschule in Ruit. Die gute energetische Bilanz war denn auch ausschlaggebend für die günstigen Konditionen bei der KfW-Bank. „Wir bekommen einen Kredit zu 0,01 Prozent Zinsen“, sagt Oberbürgermeister Christof Bolay.  Noch besser wäre es, würden   Fördergelder aus dem Bundestopf fließen. Dafür habe sich die Stadt nun zum dritten Mal beworben, sagt Bolay. Das erste Mal vor fünf Jahren erhielt die Stadt Esslingen die Fördersumme für den Sportpark Weil. Beim zweiten Versuch flossen die Gelder nach Filderstadt. Große Chancen auf  Förderung sieht Bolay auch jetzt nicht. Das Projekt sei aber nicht mehr aufschiebbar, da die alte Sporthalle 1  aufgrund ihrer Mängel nicht mehr lange betrieben werden könne.

Mit den Baunebenkosten und dem Abbruch der alten Sporthalle rechnet Bolay mit insgesamt 14 Millionen Euro.  bob / Foto: Visualisierung Reinraum


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Viel Verbesserungspotenzial

Die Diskussionen zur Entwicklung des Plochinger Bahnhofs drehen sich um Vorplatz, Busbahnhof und Verkehrsführung

Der  Plochinger Bahnhof soll zur Mobilitätsdrehscheibe werden, die öffentliche und private Verkehrsmittel miteinander verknüpft. Er soll attraktiver und barriereärmer werden, ebenso wie sein Vorplatz und der Busbahnhof. Und dann ist noch die entscheidende Frage zu klären, die Plochingens Bürgermeister Frank Buß so formuliert: „Welcher Verkehr soll künftig in diesem Bereich fließen?“ In ihrer Entscheidungsfindung wurde die Stadt gerade zum zweiten Mal durch Corona ausgebremst.

Derzeit wird die Fassade des Bahnhofs renoviert. Im Rahmen des Bahnhofsmodernisierungsprogramms II geht es aber auch um Wegebeziehungen, Barrierefreiheit und eine generelle Modernisierung. Ein weiterer Baustein betrifft die Übergänge zu anderen Verkehrsmitteln, also beispielsweise Park- und Halteplätze, Elektroladesäulen oder Fahrradstellflächen. Die Stadt müsste sich bei diesem Programm finanziell beteiligen, bekäme aber auch Fördermittel in erheblichem Umfang. Weil diese bis Ende Oktober 2021 beantragt sein müssen, muss sie sich sputen.

Weiterentwickelt werden soll aber auch das Bahnhofsumfeld, wobei die Verkehrsführung die zentrale Frage ist. Schon vor Jahren hat der Gemeinderat die Idee diskutiert, die Verkehrsachse aus der Esslinger Straße hierher zu verschieben, und zwar ab der ehemaligen Gaststätte Lamm. Vom Bahnhofsparkhaus bis zur Robert-Bosch-Straße ist die Eisenbahnstraße bereits entsprechend ausgebaut, und auch der aktuelle Umbau der Kreuzung zur Wilhelmstraße geht von einem Hauptverkehrsstrom in dieser Richtung aus. Zudem wird eine Abbiegespur eingerichtet, die Parkhauszufahrt ist bereits verlegt – beides soll einem reibungslosen Busverkehr dienen.

In ihrem westlichsten Teil müsste die Eisenbahnstraße noch ausgebaut werden, vor allem aber im östlichen Teil, der jetzt eine Einbahnstraße ist. Dort hat die Stadt nach langwierigen Verhandlungen die Grundstücke zwischen Fahrbahn und Gleis eins von der Bahn erworben  und im Sommer die nicht mehr genutzten Gebäude abgebrochen. Lediglich ein Haus ist noch im Privatbesitz. Dieses wäre einem zweispurigen Ausbau im Weg, aktuell steht aber ohnehin nur eine Interimsnutzung der freigeräumten Flächen an: Sie sollen für Pkw- und Bus-Stellplätze und für ein Fahrradparkhaus hergerichtet werden.

Die Verlagerung des Verkehrs in die Eisenbahnstraße würde die dort wohnenden Menschen stärker belasten. Es sind aber weitaus weniger als in der Esslinger Straße entlastet würden. Das Zentrum hätte weniger Verkehr, die Esslinger Straße könnte zur attraktiven Fahrradroute werden. Aber zu einem Bahnhofsvorplatz mit Aufenthaltsqualität passt diese Verkehrsführung wiederum nicht. Die Offene Grüne Liste hat deshalb eine andere Idee ins Gespräch gebracht: die Esslinger Straße als Einbahnstraße in Richtung Altbach auszuweisen, die Eisenbahnstraße als Einbahn in der Gegenrichtung. Damit habe man lediglich eine Fahrspur vor dem Bahnhof und mehr Gestaltungsspielraum.

Um das abwägen zu können, hätten Verwaltung und Gemeinderäte gerne Zahlen, die sie sich vom bereits begonnenen Verkehrskonzept MOVE erhoffen. Dieses soll unter anderem ein Rechenmodell liefern, mit dem verschiedene Szenarien durchgespielt werden können. Bürgermeister Frank Buß bedauert deshalb sehr, „dass wir die Bürgerbeteiligung für MOVE zweimal verschieben mussten“. Zwingend ist sie zwar nicht, aber bei „so einer wichtigen Zukunftsfrage“ einfach angemessen, meint er. Jetzt ist die Stadtverwaltung gerade dabei, eine alternative Form der Bürgerbefragung, online oder auf Papier, vorzubereiten.  aia / Foto: aia


Insektensterben äußerst dramatisch

Eine Langzeitstudie am Randecker Maar bringt laut Forschern niederschmetternde Ergebnisse – „Völlig verfehlte Agrarpolitik“

Das Insektensterben hat weit größere Dimensionen erreicht, als das Experten bislang angenommen haben. Das belegt eine Studie, die Wulf Gatter, der langjährige Leiter der Forschungsstation für Vogel- und Insektenzug am Randecker Maar (Landkreis Esslingen), vor Kurzem  vorgestellt hat. Sie weist bei den  Schwebfliegen-Arten, deren Larven sich von Blattläusen sowie weiteren kleinen Insekten und Milben ernähren, seit dem Jahr 1970 einen Rückgang von 97 Prozent nach. Bei den ebenfalls erfassten Waffenfliegen und den parasitischen Schlupfwespen ist das Minus mit 84 beziehungsweise 86 Prozent nicht viel geringer.

„Was wir heute noch sehen ist niederschmetternd“, sagte Gatter  bei der Landespressekonferenz im baden-württembergischen Landtag in Stuttgart. „Eigentlich lohnt es sich gar nicht mehr, Fangreusen für Insekten aufzustellen, weil  es so wenige sind.“ Wo noch vor 40 oder 50 Jahren mit Tausenden nach Süden ziehender Schwebfliegen  die Luft regelrecht flimmerte, stoße man  heute nur noch auf wenige Exemplare, sagt der 76-Jährige, der für seine Verdienste Anfang des Jahres zusammen mit seiner Frau Dorothea mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden war.

Große Aussagekraft

Für Professor Lars Krogmann vom Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart hat die europaweit einmalige Langzeitstudie, die auf einem standardisierten Zählverfahren basiert und Vergleiche zwischen den 1970er- und den 2010er-Jahren zieht, große Aussagekraft. Die Ergebnisse repräsentierten nicht nur die lokale Insektenwelt rund um die Forschungsstation und nicht nur wenige dort vorkommende Lebensraumtypen. Sie zeigten vielmehr, dass es sich bei den drastischen Rückgängen um ein großräumiges Phänomen handele. Krogmann sprach von einer „dramatischen Verarmung der Insektenfauna“. In Deutschland gibt es nach seinen Angaben rund 33 000 Insektenarten. Diese seien „enorm wichtig für unser Ökosystem und damit für unser aller Überleben“. Das Verhältnis der Menschen zu den Insekten sei zwiespältig, meist würden die Tiere, beispielsweise Wespen, als ausgesprochen lästig empfunden.

2017 hatte die sogenannte Krefeldstudie nicht nur die Fachwelt, sondern die ganze Öffentlichkeit aufgeschreckt. Sie zeigte damals auf, dass die Insekten-Biomasse in nur 27 Jahren um 75 Prozent zurückgegangen sei. Die Politik habe zwar gleich im  Jahr darauf begonnen, mit Gesetzen und Förderprogrammen gegenzusteuern, berichtete Krogmann. Doch die jetzige Studie belege: „Nichts ist auf einem guten Weg.“ Ursache des Übels ist für den Insekten-Fachmann, der als Experte für parasitische Wespen auch an der Universität Hohenheim tätig ist, eine „völlig verfehlte Agrarpolitik“, die intensive Nutzung fördere statt bremse.

Als „einen katastrophalen Spiegel unseres menschlichen Umgangs mit der Natur“ bezeichnet Markus Rösler die Studie. Er gehörte früher selbst zu den mittlerweile rund 600 Ehrenamtlichen, die seit den 1970er-Jahren in der Forschungsstation Randecker Maar mithelfen, Vögel und Insekten zu erfassen. Heute ist er als naturschutzpolitischer Sprecher der Grünen im baden-württembergischen Landtag tätig. Die Studie über  Schwebfliegen sei exemplarisch für den Verlust von Quantität und Vielfalt der Insekten zu werten. Das  auf der Albhochfläche gelegene Maar wirke wie ein Trichter.

Die dramatischen Verluste sind nach seiner Überzeugung Spiegel für die „großflächige Artenverarmung in unseren Kulturlandschaften über Tausende von Quadratkilometern“. Als wesentliche Ursache dafür sieht Rösler, dass die Streuobstflächen als wichtiger Lebensraum für die Insekten seit den 1950er-Jahren um etwa 80 Prozent zurückgegangen seien. Problem Nummer zwei sei die zunehmende Überdüngung der Böden.

Artenreiche Blumenwiesen

Baden-Württemberg habe die artenreichsten Blumenwiesen in ganz Deutschland und trage damit für deren Erhalt europaweit eine hohe Verantwortung. Rösler hält es für unabdingbar, sich stärker denn je für den Ausbau des Bio-Landbaus und den Verzicht auf Pestizide einzusetzen. Auch das Förderprogramm für biologische Vielfalt müsse fortgeführt werden.

Der Grünen-Politiker fordert deshalb, den Naturschutzetat des Landes von  100 auf 150 Millionen Euro aufzustocken. Das seien gerade mal 0,3 Prozent des Haushalts. „Der Stopp des Artenschwundes wird eine der zentralen Aufgaben für die nächste Landesregierung sein müssen, sagte Markus Rösler. Als „unsäglich“ bezeichnete er die aktuelle EU-Agrarreform. Seiner Ansicht nach müssten mindestens 30 Prozent der Fördergelder aus dem Agrarhaushalt der EU an Umweltleistungen gebunden sein.  hf / Foto: Wulf Gatter


„Sterben gehört zum Leben“

Arbeitsgemeinschaft Hospiz Kirchheim bietet Begleitung und Unterstützung – „Letzte Hilfe“-Kurs für Angehörige

Seit 26 Jahren begleiten Ehrenamtliche der Kirchheimer Arbeitsgemeinschaft Hospiz Menschen am Ende ihres Lebens, ob im Pflegeheim, im Krankenhaus oder aber zuhause. Für die ausgebildeten Begleiter steht im Vordergrund, sterbenden Menschen einen würdevollen Abschied zu ermöglichen. Daneben bietet die AG Hospiz Unterstützung und Beratung für Trauernde, Kurse für Pflegekräfte und nun auch Seminare für „Letzte Hilfe“. Dabei können Angehörige das Basiswissen für die Sterbebegleitung zuhause erwerben

„Unsere Arbeit will   Menschen  am Ende ihres Lebens  ein würdevolles Sterben ermöglichen, im Pflegeheim oder im Krankenhaus und möglichst in der vertrauten Umgebung zuhause.  Sterben gehört zum Leben, und wir müssen lernen, damit umzugehen“, sagt San­dra Beck,  die gemeinsam mit ihrer Kollegin Angelika Bauer als hauptamtliche Koordinatorin  der AG Hospiz arbeitet.

Die AG ist im Raum Kirchheim, Weilheim, Wendlingen und Lenninger Tal im Einsatz. Neben den beiden ausgebildeten Palliativfachkräften engagieren sich 35 ehrenamtliche Sterbebegleiter für die AG Hospiz. Sie besuchen und begleiten Sterbende in Pflegeheimen, Kliniken und zuhause, schulen Pflegekräfte, bieten  Spaziergänge und Gesprächsgruppen sowie ein Café für Trauernde, aber auch Beratung zu Vorsorgepapieren an. „Wir arbeiten eng mit zwölf Pflegeheimen zusammen, sie können auf uns zurückgreifen und sie informieren Angehörige, dass es uns gibt und dass wir sie ein wenig entlasten können“, sagt Beck.

Um den Menschen die Angst vor dem nahenden Tod eines Angehörigen zu nehmen und damit auch das Abschiednehmen zuhause zu erleichtern, bietet die AG Hospiz nun auch „Letzte Hilfe“-Kurse an.  Analog zu Erste-Hilfe-Kursen stehen dabei die Vermittlung von Basiswissen über das Sterben und den Tod sowie einfache Hilfestellungen im Umgang mit dem Sterben im Vordergrund. Damit sollen Angehörige schwerstkranke und sterbende Menschen in ihren letzten Stunden zuhause in der gewohnten Umgebung angstfrei begleiten können.

Sterbebegleitung sei „keine Wissenschaft, sondern praktizierte Mitmenschlichkeit“, für die man kein Krankenhaus benötige, sondern die  mit dem entsprechenden Grundwissen auch in der Familie möglich sei, weiß Beck. „Dazu kann man lernen, was auf einen zukommen kann. So ein Kurs kann es vorstellbar machen, was es heißt, einen geliebten Menschen in den Tod zu begleiten“, sagt die Fachfrau. Zu einem Lebensende gehöre auch der Lernprozess für die Angehörigen, dass das Sterben und der Tod eines Menschen „eine wertvolle Zeit für die Familie ist und der Angehörige ein Teil davon ist“, sagt Beck.

 Angehörige könnten lernen,  dass der Prozess des Sterbens emotional positiv besetzt ist. „Das bedeutet auch, Wertschätzung für den Sterbenden auszudrücken“, betont Beck. „Die Menschen können lernen, mit der Trauer umzugehen und zu verstehen, dass das Sterben dazugehört und dass jemand eines Tages nicht mehr da ist. Der Abschiedsprozess gehört zum Begreifen, und das kann man bewusst gestalten“, sagt Sandra Beck.  pst / Foto: Archivfoto „AG Hospiz Kirchheim“

Info: AG Hospiz Kirchheim, Telefon 0 70 21/9 20 92 27; Bereitschaftsdienst, Telefon 01 72/7 45 52 94, täglich 9 bis 18 Uhr; das Trauer-Café ist aus Infektionsschutzgründen derzeit geschlossen, der nächste „Letzte Hilfe“-Kurs kann erst im Frühjahr stattfinden (www.hospiz-kirchheim.de).


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Joe Biden, der nächste Präsident der USA, muss ein gespaltenes Land wieder einen. Wird er das schaffen? Stimmen Sie hier ab.

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Schwieriger als im Frühjahr

Corona-Pandemie: 150 Personen arbeiten im Landratsamt an der Kontaktpersonennachverfolgung

Es sind mittlerweile 150 Männer und Frauen, die beim Gesundheitsamt des Landkreises Esslingen arbeiten, um  Kontaktpersonen von Corona-Infizierten nachzuverfolgen. Unter den Mitarbeitern sind 15 Soldaten  der Bundeswehr. Nach wie vor gilt  das Ausfindigmachen und das Unterbrechen von Infektionsketten als ein wichtiges Instrument im Kampf gegen das Virus.

 Der Landkreis Esslingen hat mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 163,9 (Stand Montag) mit die  höchsten Werte    im Land  Baden-Württemberg  – und  auch eine der höchsten in Deutschland. Mit den exponentiell steigenden Infektionszahlen steigt auch die Zahl der Kontaktpersonen an. „Diese Zahlen haben sich im Vergleich zur ersten Welle deutlich erhöht“, sagt Dominique Scheuermann, die Leiterin des Gesundheitsamts im Kreis.  Waren es in der Zeit der ersten Pandemie-Welle im Schnitt zwei bis vier Kontakte pro Infiziertem, so haben es die  Kontaktpersonenmanager nun mit zehn bis 30 Personen zu tun. „Da sich die Zahl der Neuinfizierten  zuletzt  im Wochenrhythmus verdoppelt hat, haben wir als erster Landkreis  in Baden-Württemberg um Amtshilfe bei der Bundeswehr ersucht“, erklärt Landrat Heinz Eininger. Seit 14. Oktober sind nun auch 15 Soldatinnen und Soldaten mit der telefonischen Kontaktaufnahme mit Infizierten und deren Kontaktpersonen beschäftigt.

So wie Levin Kammerer. Der 22-jährige Stabsgefreite ist derzeit für den Erstanruf bei Infizierten zuständig. „Ich kontaktiere die sogenannten Indexfälle und vervollständige mit ihren Angaben die Akte“, erklärt er. So werde festgehalten, wann jemand welche Symptome hatte,  mit welchen Menschen er zwei Tage vor  dem Abstrich oder zwei Tage vor den ersten Symptomen Kontakt hatte, wo er sich  in der fraglichen Zeit aufgehalten hat und anderes mehr.  Dadurch entsteht  eine Liste, die dann  an einen sogenannten Kontaktpersonenmanager  weitergereicht wird. Diese  befragen wiederum das Umfeld nach Art des Kontakts. Unterschieden wird  zwischen Kontakt-Kategorie 1 oder 2, was wiederum entscheidend für die Notwendigkeit der Quarantäne ist.  „Die meisten Menschen reagieren freundlich und verständig“, sagt  Stephanie  Faßbender, im Rang eines Hauptgefreiten. Man müsse  immer  höflich und menschlich sein, fügt sie hinzu. Sie mag ihre Tätigkeit: „Sie ist anstrengend, aber abwechslungsreich. Jeder Fall ist anders.“  

Die Bundeswehrangehörigen sind Teil des Artilleriebataillons 295, das in Stetten am kalten Markt stationiert ist. Sie arbeiten in zwei Sieben-Tage-Schichten und wohnen momentan noch in einem Hotel in Fellbach. Es laufen derzeit Bemühungen, sie in fußläufiger Nähe  zum Einsatzort im Esslinger Landratsamt unterzubringen, wie Eininger ankündigt.

Trotz sogenanntem kleinen  Lockdown steigt die Zahl der Infizierten im Landkreis derzeit weiter an. Gesundheitsdezernent Christian Baron nennt das Infektionsgeschehen „größtenteils diffus“. Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen würden zudem im Kreisgebiet verzeichnet. In  Flüchtlingsunterkünften und im Frachtzentrum in Köngen hingegen flauten  die Ansteckungen ab. „Die Ansteckungen finden nun größtenteils  im häuslichen Bereich statt.“

 Pro Tag werden so bis zu 600 Kontakte nachverfolgt. Jedes Telefonat dauert etwa eine halbe Stunde. „Wir können  den Großteil der Kontakte nachverfolgen, häufig   mit Verzögerungen, stoßen aber mitunter an unsere Grenzen“, sagt Scheuermann. „Es ist schwieriger geworden.“  Für Scheuermann ist es wichtig, „dass wir die Qualität unserer Arbeit nicht herunterschrauben“.  Umso wichtiger sei die Kooperation der Kontaktpersonen.

150 Mitarbeiter sind derzeit im Kreis mit der Kontaktverfolgung beschäftigt.  Darunter sind 15 Kräfte der Bundeswehr, zeitweise 66 Mitarbeitende aus anderen Bereichen der Kreisverwaltung, fünf Mitarbeiter eines Callcenters sowie 15 Mitarbeiter des Callcenters der Kreissparkasse. Es sollen vier weitere Ermittler und acht Kontaktpersonenmanager eingestellt werden. Laut Landrat Eininger laufen Gespräche mit dem Flughafen. Von dort sollen Mitarbeiter mit diversen Sprachkenntnissen gewonnen werden.  bob / Foto: bul


Abgestimmt

Der „sanfte Lockdown“ in Zeiten hoher Corona-Infektionszahlen beinhaltet unter anderem das Herunterfahren des Kulturbetriebs und das Schließen der Gastronomie. Eine angemessene Reaktion?

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„Großer Mehrwert für die Stadt“

Sanierung des Schillerplatzes in der Nürtinger Kernstadt ist abgeschlossen – Ochsenbrunnen neu gestaltet

Die Sanierung der Fußgängerzone in der Nürtinger Innenstadt ist nahezu abgeschlossen. Nach eineinhalb Jahren Bauzeit und fast ein halbes Jahr früher als ursprünglich geplant, haben Nürtingens Oberbürgermeister Johannes Fridrich und der Technische Beigeordnete Andreas Neureuther den zentralen Schillerplatz und den neu gestalteten Ochsenbrunnen wieder eröffnet. Die umfangreiche Sanierung und die Erneuerung sämtlicher Versorgungsleitungen im Untergrund werden insgesamt rund 3,6 Millionen Euro kosten.

Die Wiedereröffnung des Schillerplatzes ohne förmliches Zeremoniell und im kleinen Kreis fiel wesentlich bescheidener aus, als noch zu Beginn der Sanierung im Frühjahr 2019 gedacht.  Dennoch stellt sie laut OB Fridrich einen bedeutsamen Beitrag zur Steigerung der Attraktivität der Kernstadt dar. „Wir setzen einen weiteren großen Mosaikstein zur Belebung Nürtingens“, sagte Fridrich.

Die Arbeiten zum zweiten Bauabschnitt der Innenstadtsanierung starteten im Juni 2019 und umfassten die Fußgängerzone von der Strohstraße bis zum östlichen Ende des Schillerplatzes. Dazu wurde  die marode Technik des Ochsenbrunnens komplett erneuert, der Brunnen selbst umgestaltet. Wie  im ersten Bauabschnitt in der Kirchstraße und der Brunnsteige stand ein fußgängerfreundlicher Bodenbelag im Zentrum der Arbeiten. So ist der Schillerplatz nun ebenerdig und damit barrierefrei.  Das Niveau des Platzes wurde etwas angehoben, damit die Wurzeln der Bäume bessere Wachstumsbedingungen vorfinden und den Belag nicht aufbrechen. Zwar mussten vor der Kreuzkirche  vier Bäume gefällt werden, doch als Ersatz wurden elf neue Großbäume gepflanzt. Neue Sitzbänke wurden aufgebaut und eine bessere Beleuchtung des Platzes installiert.

Die Sanierung wurde für umfangreiche Tiefbauarbeiten genutzt. So wurden Hauptversorgungsleitungen für Gas und Wasser  verlegt und Stromleitungen erneuert. Damit wird die Stromversorgung bei  Veranstaltungen verbessert, und auch die Beschicker des Wochenmarkts, der wieder auf den Schillerplatz zurückkehrt, können künftig angemessen mit Strom versorgt werden.

Der 1987 von dem Künstler Gunther Schilling installierte Ochsenbrunnen war bereits seit einiger Zeit wegen einer maroden Technik nicht mehr in Betrieb. Nun wurde er nicht nur instand gesetzt, sondern auch wesentlich umgestaltet.  Auf die dunkle und eher abweisende Einfassung wurde verzichtet, sodass die markanten Brunnenelemente und der Wasserbereich jetzt nahtlos in den Schillerplatz integriert und zugänglich sind.

Nun müssen im Bereich nördlich der Kreuzkirche noch einige Arbeiten erledigt werden, im kommenden Frühjahr soll auch das abgeschlossen sein. Die Gesamtkosten für das Projekt werden mit etwa 3,6 Millionen Euro kalkuliert, die Stadt rechnet mit einer Förderung von rund 750 000 Euro. Laut  Neureuther rechnet sich die Investition  mittelbar. „Es wird mit großer Sicherheit eine hohe Summe an privaten Investitionen nach sich ziehen“, insofern sei „ein großer Mehrwert für die Stadt“ zu erwarten.   Auch Fridrich sah in der Sanierung „einen wertvollen Impuls für die Innenstadt“. Es sei zu erwarten, „dass der Schillerplatz schon bald von den Bürgern genutzt wird und sich mit Leben füllt“.  pst / Foto: pst