Spielen, lernen, experimentieren

Neue Kita in Weilheim eröffnet – Betreuungsplätze für bis zu 90 Kinder – Stadt investiert rund 4,1 Millionen Euro

Die Stadt Weilheim wächst,  zudem wird seit einigen Jahren eine hohe Geburtenzahl registriert. Um der hohen Nachfrage nach Plätzen auch für kleine Kinder  in einer Kindertageseinrichtung gerecht zu werden, ist nun in der Schellingstraße eine weitere Kindertagesstätte mit vier Gruppen eröffnet worden. Während die beiden U-3-Gruppen bereits ausgebucht sind, gibt es in den Gruppen für über Dreijährige noch freie Plätze.

„Die konstant hohe Geburtenzahl und die immer stärkere Inanspruchnahme von Betreuungsplätzen ab der Vollendung des ersten Lebensjahrs erfordert einen Ausbau der Betreuungsplätze“, hatte Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle  in seinem Jahresrückblick 2019 festgestellt.

Die Stadt Weilheim war in den vergangenen Jahren mit drei Kindertagesstätten im Stadtgebiet, einer im Wohngebiet Egelsberg und einer Einrichtung im Teilort Hepsisau gut versorgt. Zudem bieten ein Waldkindergarten und der Verein Freier Kindergarten Betreuungsplätze an, außerdem besteht die Möglichkeit, Kinder  über die Vermittlung durch den Tageselternverein Esslingen von Tagesmüttern betreuen zu lassen.

Doch ein Zuwachs an jungen Familien und hohe Geburtenzahlen erforderten weitere Betreuungsplätze für Kinder ab dem ersten Lebensjahr. Dies war auch aus den Erkenntnissen des Entwicklungskonzepts 2025 abzuleiten, das das Planungsbüro Reschl für die Stadt erstellt hatte. Das Konzept betonte, dass „Weilheim wegen seiner Angebote an Bau-, Arbeits- und Kinderbetreuungsplätzen wie auch der Schulen vor allem für (junge) Familien mit ihren (Klein-)Kindern attraktiv ist und diese zum Zuzug bewegt hat“.

Entsprechend hatte  sich die Stadt um die Entwicklung der Infrastruktur bemüht.     In der Schellingstraße ist in rund einjähriger Bauzeit eine neue Kindertagesstätte entstanden. Die Einrichtung bietet zunächst Platz für zwei Kindergartengruppen und zwei Krippengruppen. Sollte in näherer Zukunft weiterer Bedarf an Betreuungsplätzen entstehen, kann die Einrichtung um eine fünfte Gruppe erweitert werden. Der dafür notwendige Gruppenraum wurde bereits beim Bau berücksichtigt, so dass die Einrichtung problemlos vergrößert werden kann. Bei einer Vollbelegung  wären so in der Schellingstraße bis zu 90 Kinderbetreuungsplätze möglich.

  Die Kita ist in Holzbauweise errichtet worden, was eine gute energetische Bilanz verspricht und das Gebäude auch optisch gut in das umgebende Grün des  Gartens der Einrichtung einfügt.  Alle Gruppenräume sind nach Südosten ausgerichtet. Daneben finden sich die Ruhe- und Schlafräume für die kleinen Kinder. Für die Älteren ist in der Kita auch eine Bibliothek mit Leseecke eingerichtet worden.

Da die Kita  einen naturwissenschaftlichen Schwerpunkt pflegt und die Kinder zum Forschen und Experimentieren anregen will, steht eine Werkstatt mit Arbeitstischen zur Verfügung. Ein  Gruppenraum ist für die Sprachförderung vorgesehen, außerdem gibt es ein separates Elternsprechzimmer. Schließlich verfügt die Kita noch über einen  Mehrzweckraum für Bewegungsangebote, der auch für Feste genutzt werden kann.

Die Kinder bekommen in der Schellingstraße ein warmes Mittagessen. Das wird in einer Küche zubereitet, die auch dafür ausgelegt ist, dass die Kinder  beim Kochen helfen können. Insgesamt hat die Stadt Weilheim rund 4,1 Millionen Euro in den Neubau und die Ausstattung investiert. pst / Foto: Carsten Ried


Ein Haus der Kreativität

Musikschule und Jugendkunstschule Nürtingen unter einem Dach vereint – Aus Gesundheitsamt wird „Haus der Künste“

Nach 29 Jahren haben die Musik- und die Jugendkunstschule der Stadt Nürtingen ein gemeinsames Domizil erhalten. Bei einer aufwendigen Sanierung wurde das frühere, denkmalgeschützte Gesundheitsamt in der Ersbergstraße auf den aktuellen Stand der Technik gebracht und zu einem „Haus der Künste“ umgerüstet, in dem auch die Stadtkapelle eine neue Heimat gefunden hat.

Auf einer Nutzfläche von rund 1600 Quadratmetern finden sich nun unter einem Dach diverse Ateliers und Werkstatträume für junge Künstler, Unterrichtsräume, ein Theaterraum und ein Band-Probenraum für die Musikschule sowie ein Vortrags- und Konzertsaal mit Platz für etwa 100 Besucher. Außerdem hat die Stadtkapelle einen Probenraum und Nebenräume für das Lagern von Instrumenten und Noten erhalten. Als verbindendes Element dient das großzügige, zweigeschossige Foyer, das als Begegnungsraum und Ort für gemeinsame und fächerübergreifende Veranstaltungen genutzt werden kann.

Die Musikschule und die Jugendkunstschule Nürtingens sind zwar beide städtische Bildungseinrichtungen,   waren aber über viele Jahre in verschiedenen Räumen über die Stadt verteilt. Die Chance zur Zusammenführung ergab sich, als die Ersbergschule das Gebäude des alten Gesundheitsamts nicht mehr benötigte, das sie  für die Ganztagsbetreuung und den Mensabetrieb genutzt hatte.  Die Verwaltung war überzeugt, dass die gemeinsame Nutzung große Synergieeffekte für die Kunstszene und den künstlerischen Nachwuchs der Stadt bringe. Dies sah auch  der Gemeinderat so und genehmigte das Projekt einstimmig.

Doch zunächst musste das Haus saniert werden.  Insbesondere mussten der Brandschutz aktualisiert, Rettungswege angelegt, Barrierefreiheit gewährleistet und neue Decken eingebaut werden. Dazu kamen  Einbauten für die Akustik und den Schallschutz. Die Kosten für die Sanierung wurden mit etwa 600 000 Euro veranschlagt. Allerdings wurde  klar, dass dieses Budget nicht zu halten sein würde. Denn das Gesundheitsamt, erbaut in den Jahren 1963/1964, ist als Kulturdenkmal eingetragen. Errichtet wurde es nach den Plänen der Architekten Max Bächer und Harry Lie, die als führende Vertreter des Baustils des „Brutalismus“ gelten. Der Begriff  leitet sich vom französischen béton brut, zu Deutsch Sichtbeton, ab. Das frühere Gesundheitsamt wird als architektonisch „herausragendes Beispiel für einen Verwaltungsbau“ jener Zeit bezeichnet.

Entsprechend musste die Sanierung daher in enger Abstimmung mit  dem Landesdenkmalamt   angegangen werden. Dies betraf auch die  Veränderung des Zuschnitts einzelner Räume, die nur gemeinsam mit den Denkmalexperten umgesetzt werden konnte, da der bauliche Charakter des Gebäudes nicht gestört werden durfte. All dies verzögerte die Fertigstellung und den Einzugstermin um rund ein Jahr. Überdies stiegen die Kosten auf etwa 1,3 Millionen Euro. Etwa 37 000 Euro steuerte das Land aus dem Denkmalförderprogramm bei, weitere 40 000 Euro kamen von der Denkmalstiftung. Laut Nürtingens Oberbürgermeister Johannes Fridrich hat sich der Aufwand gelohnt. Das Gebäude stelle „Nürtingens Statement der kulturellen Bildung“ dar. „Hier vereinen sich Kunst und Musik in einem Haus der Kreativität – bemerkenswert und bedeutungsvoll für unsere Stadt“, stellte Fridrich zur Eröffnung fest.  pst / Jürgen Holzwarth


Närrischer Partymarathon

Ab dem „Schmotzigen Doschdig“ steuert die Fasnet ihren Höhepunkt an

Die Narren sind schon eine Weile los. Ab  Donnerstag, dem „Schmotzigen Doschdig“, beginnt die heiße Phase der Fasnet. Vor allen in den Hochburgen Neuhausen und Wernau, aber auch in anderen Gemeinden, werden dann Tage und Nächte durchgefeiert.

Neuhausen: Die Neuhausener werden am „Schmotzigen Doschtig“ zeitig geweckt: Um 4.30 Uhr in der Frühe sorgt am 20. Februar die Party- und Showband „Waschlappen-Glunker“ dafür, dass keiner verschläft. Die Jugend kann sich auf den Schulsturm und die anschließenden Partys im Jugendzentrum und im Keller des Narrenbund-Vereinshauses freuen. Parallel dazu feiern die Senioren im katholischen Gemeindehaus und verschiedene Narrengruppen und Vereine an diversen Orten. Auf dem Schlossplatz tanzen ab 19.11 Uhr die Feuerteufel um die lodernden Flammen: Die Häsgruppen des Narrenbundes Neuhausen führen, musikalisch begleitet vom Spielmannszug, den traditionellen Hexentanz auf und bringen sich in Stimmung, um anschließend das Rathaus zu stürmen und wie viele andere die Nacht durchzumachen. Am Freitag, 21. Februar, ruft abends die „Fang-das-Licht-Fasnetsparty“ ins Vereinsheim des Narrenbundes. Auf dem Programm stehen verschiedene Masken- und Brauchtumstänze.

Der große Umzug durch Neuhausen findet am Sonntag, 23. Februar, ab 13.33 Uhr statt. Erwartet werden rund 80 Gruppen aus dem süddeutschen Raum, darunter auch das Prinzenpaar aus Neuhausen sowie einige Wagen der Wagenbaugruppe. Der Eintritt zur Deckung der Kosten liegt bei drei Euro und wird vor Ort erhoben.

Wernau: Während es in Neuhausen „Auf die Pauke haut se – Bauze, Bauze!“ heißt, tönt es in Wernau „Hecka, Heala – hoi, hoi, hoi!“. Dort stehen ab dem „Schmotzigen Doschdig“ sechs Tage Fasnet nonstop auf dem Programm. Am Donnerstag werden die Schulen gestürmt und ihre Rektorinnen vorgeführt, während Schülerinnen und Schüler um die Wette tanzen. Es gibt Narrensupp’, die „Geesgassdeifl“ stellen den Narrenbaum, dann geht es mit Worten und Taten beim Rathaussturm dem Schultes an den Kragen. Ab 19 Uhr wird die Party in der Narrenbar „Hölle“, dem „Gugg-Rock-Café“ und in vielen Wernauer Lokalen fortgesetzt.

Am „Ruaßiga Freidig“ steigt ab 19 Uhr die Alemannische Nacht, zunächst vor dem Quadrium, wo Schultes und Stadträte vom Wernauer Büttel vor das hohe Narrengericht geladen werden. Die Narrenweihe für Neulinge findet statt, später der Hexentanz der „Laichleshexa“ in mystischer Atmosphäre – und all das bei musikalischer Begleitung durch die „Bodenbachsymphoniker“. Ab 20 Uhr spielt dann in der Stadthalle die Band „Friends Live“.

Zehntausende Zuschauer werden zum großen Umzug am Samstag erwartet. Ab 14 Uhr machen die rund 3200 Hästräger und Guggenmusiker die Straßen unsicher. Im Rahmen der Aktion „Feiern mit Vernunft! – Fasnet ist mehr als Vollrausch!“, an der sich auch die Neuhausener Narren beteiligen, wird es auch in diesem Jahr eine Allgemeinverfügung der Stadt Wernau geben, die in der Zeit von 10 bis 20 Uhr das Mitführen und Konsumieren harter Alkoholika untersagt. Wer dagegen verstößt, erhält einen Platzverweis. Damit möchten die Veranstalter und Helfer Alkoholexzessen vorbeugen. Sie raten außerdem zur Anfahrt mit der S-Bahn. Neu in diesem Jahr ist, dass die beiden Party-Locations „Hölle“ und „Gugg-Rock-Café“ nach dem Umzug durchgehend bis 1 Uhr nachts geöffnet haben.

Weitere Gemeinden: In Wolfschlugen wartet ebenfalls ein heißes Fasnetswochenende. Die Wolf­schlugener Narren – „Hexabanner“ und „Herdhauhexen“ mit den Guggen „Hexenbusters“ – sind vom „Schmotzigen Doschdig“ bis zum Aschermittwoch voll beschäftigt. Aufs Fasnetswecken folgen Narrenbaumstellen und Rathaussturm am Donnerstag, Schulsturm, Kinderfasnet und der Hexenbannertanz am Freitag. Am Dienstag heißt es dann Narrenbaumfällen.

Bei den „Täleshexen“ in Aichtal geht’s am Donnerstag mit Schul- und Rathaussturm und großer Hexennacht in der Festhalle rund. Die „Kloster-Deifel“ Kirchheim übernehmen ebenfalls am Donnerstag die Macht auf dem Rathaus und halten sie bis zur Häs-Beerdigung am Dienstag, gefolgt von ihrer Geldbeutelwäsche am Aschermittwoch. Am Donnerstag, 20. Februar, werden noch zahlreiche weitere Rathäuser gestürmt, zum Beispiel in Nürtingen (erstmals nach fast zehn Jahren wieder, ab 17.17 Uhr),  Wendlingen, Deizisau, Hochdorf, Oberlenningen und Frickenhausen, einen Tag später in Baltmannsweiler. In Nürtingen tagt am Donnerstag ab 19 Uhr im Schlachthof das Narrengericht und es gibt anschließend eine Party. In Wendlingen wird im Treffpunkt Stadtmitte am Donnerstag, Freitag und Samstag (jeweils ab 19 Uhr) gefeiert. In Altbach findet zudem am Samstag, 22. Februar, 19.30 Uhr, in der Gemeindehalle die TVA-Faschingsparty statt.  aia / Fotos: bul


Abgestimmt

Papst Franziskus hat den Diskussionen um eine Lockerung des Zölibats ein Ende gesetzt. Doch was meinen Sie: Soll die Katholische Kirche das Priesteramt auch Verheirateten öffnen?

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Mehr Transparenz

Nürtingen, Frickenhausen, Aichtal und Wolfschlugen bringen qualifizierten Mietspiegel auf den Weg

Wohnraum ist knapp, das bekommen auch Wohnungssuchende in und um Nürtingen zu spüren. Das Angebot an Mietwohnungen ist dünn, die Preise sind gepfeffert. Um für eine bessere Vergleichbarkeit und mehr Transparenz zu sorgen, legt die Stadt Nürtingen nun zusammen mit den Nachbarkommunen Aichtal, Wolfschlugen und Frickenhausen einen qualifizierten Mietspiegel auf.

Rund 66 400 Menschen leben laut dem jüngsten Mikrozensus in den vier Städten und Gemeinden. Tendenz steigend. Kein Wunder, meint Nürtingens Oberbürgermeister Johannes Fridrich. Gelegen im Herzen der Region bieten Nürtingen und sein Umland eine gute Infrastruktur und Arbeitsplätze, dazu ein gutes Bildungsangebot. Aber auch für die ältere Generation sei man attraktiv.

Der Anteil der Haushalte, die zur Miete wohnen, liegt in den vier Kommunen bei 37,94 Prozent – und damit deutlich unter dem bundesdeutschen Durchschnitt von 48,1 Prozent. Der geringste Mietanteil findet sich mit 34,21 Prozent in Frickenhausen, am höchsten ist er in Nürtingen mit 39,53 Prozent.

Wer mietet, muss derzeit dafür rund die Hälfte seines Einkommens aufbringen. Und genau darin sieht Fridrich ein großes Problem. Wenn es wenig Wohnraum gebe und der verfügbare auch noch teuer ist, fallen die Einkommensschwächsten unten raus, warnt der OB.

Mit dem interkommunalen, qualifizierten Mietspiegel, kurz qMS, wollen die Kooperationspartner nun ein Instrument schaffen, um den Markt für Mietwohnungen transparenter zu machen. Die sogenannte ortsübliche Vergleichsmiete, die in den kommenden Wochen zusammen mit den Statistikern vom Institut für empirische Marktanalysen (EMA) ermittelt werden soll, schaffe Rechtssicherheit, so Fridrich. Er schütze Mieter vor zu hohen Mieten, diene aber zugleich auch als Orientierung für Vermieter bei der Vermarktung ihrer Objekte. Die Kommunen wollen den qMS zudem künftig als Basis für die Sozialquote im Geschossbau heranziehen.

Wie sich ein solcher Mietspiegel aufbaut, das erklärte Oliver Trinkaus von EMA den Akteuren der Auftaktveranstaltung. Die Kommunen holten dazu Vertreter der großen Wohnungsbaugesellschaften und Banken, von „Haus und Grund“ sowie des Mietervereins mit an den Tisch. Um die ortsübliche Vergleichsmiete ermitteln zu können, werden im Rahmen einer Bürgerbefragung eine Vielzahl von Daten erhoben. Baujahr, Wohnfläche, Ausstattung und Lage sind Faktoren, die im Zuge der Aktion abgefragt werden.

Kategorisiert nach Baujahr und Größe wird aus den Zahlen die Durchschnittsmiete ermittelt. Die Daten betrachtet das In­stitut zusätzlich unter anderen Aspekten: So können gewisse Merkmale Pluspunkte für ein Mietobjekt darstellen – heißt, sie rechtfertigen eine höhere Miete. Dabei schauen die Experten jedoch ganz genau hin. „Eine Wohnung mit Balkon ist nicht automatisch hochwertiger, wenn Balkone in der Region ein Standard sind“, erklärt Trinkaus. Und: Es werden ebenso Punkte ermittelt, die sich mietmindernd auswirken können. Dass die Lage den Preis bestimmt, verneint Trinkaus eindeutig: „Vor allem die Größe und das Baujahr sind die entscheidenden Faktoren.“

Insgesamt plant Trinkaus, für den qMS 11 500 Haushalte in Nürtingen, Frickenhausen, Aichtal und Wolfschlugen zu befragen. Wahlweise per Brief oder online können die Teilnehmer auf die Fragen antworten. Mindestens 750 Datensätze brauchen die Statistiker, um fundierte Aussagen im Mietspiegel treffen zu können. Notfalls könnten in einer zweiten Runde weitere Fragebögen versendet werden. „Erfahrungsgemäß erzielen wir aber die nötige Quote ohne Probleme“, versichert Trinkaus.

Voraussichtlich im Herbst soll der qMS von den Gemeinderäten beschlossen werden. Zudem könne er auch von den Mieter- und Eigentümerverbänden anerkannt werden, sagt Trinkaus. „Am bestens ist es, wenn beide Gremien ihn qualifizieren“, rät er.  mo / Foto: dpa


Adler hat seine Schwingen wieder

Nach der Restaurierung hat die Holzfigur am Alten Rathaus in Esslingen ihre Flügel zurückbekommen

Der ehemaligen Reichsstadt war für einige Monate der Adler abhanden gekommen, zumindest ist dieser kräftig gestutzt worden. Das Holz der zur astronomischen Uhr am Alten Rathaus  gehörenden Figur hatte in den zurückliegenden Jahrzehnten unter der Witterung gehörig gelitten. Dem Federvieh aus Birnbaumholz mussten die morschen Schwingen abmontiert und in einer Art Notoperation gerettet werden, zurück blieb in dieser Zeit lediglich der gerupfte Torso. Der Eingriff war  aufwendig, es dauerte ein halbes Jahr, bis  der Adler sich wieder an vertrauter Stelle zeigte. Vor wenigen Tagen war es aber so weit: Die Experten der Turmuhrenbaufirma Eisenhart aus Möglingen  setzten ihn mit Hilfe eines Steigers hoch droben am Alten Rathaus wieder in seinen Horst. Seitdem, so lautet die Nachricht der Verwaltung, breitet er seine Schwingen wieder schützend über die Stadt Esslingen. 

Über der astronomischen Uhr des Alten Rathauses sitzt der Adler, das Wahrzeichen freier Reichsstädte im Mittelalter. Er blickt von oben auf die beiden äußeren Figuren, die für die Esslinger damals die Werte ihrer Stadt symbolisierten – Justitia (Gerechtigkeit) und Temperantia (Mäßigkeit). Der Flügelschlag des Adlers zu jeder vollen Stunde wird als Befreiung von Kaiser und Fürsten interpretiert.

Die astronomische Uhr von Marx Schwarz und Jacob Diem wurde im Jahr 1589 eingebaut und schlägt der Stadt bis heute die Stunde. Bei Wartungsarbeiten am Glockenspiel vergangenes Jahr hatte sich gezeigt, dass sich Teile der Adlerflügel zu lösen drohten. Daraufhin wurden die Flügel abmontiert. Laut Mitteilung der Stadt galt es, niemanden durch herabfallende Teile zu gefährden.

Der Holzrestaurator Thorsten Weil aus Fellbach reparierte an den Schwingen unter anderem  die Metallbeschläge, besserte Schäden im Holz aus, ergänzte den Goldüberzug  und brachte eine Schutzschicht auf. Vorgehen und Ergebnis fanden auch das Gefallen des Denkmalschutzes. Dabei ist zu erwähnen, dass es durchaus ungewöhnlich ist, solch eine Figur aus dem Holz eines Birnbaums zu arbeiten. Allein die Restaurierungsarbeiten haben rund 3000 Euro gekostet, die Montage am Alten Rathaus nicht mitgerechnet. Doch nun ist es wieder so weit: Der Adler breitet seine Flügel zu jeder vollen Stunde schützend über der Stadt aus.  ch / Foto: bul


Das neue Gesicht der Gemeinde

Modernes Corporate Design soll in Denkendorf Einheitlichkeit schaffen – Wenig Begeisterung im Gemeinderat

Die Gemeinde Denkendorf will sich nach außen ein moderneres Gesicht geben. Deshalb wurde ein Grafikbüro mit der Entwicklung eines neuen Corporate Designs beauftragt. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus Gemeinderat und Verwaltung hatte die unterschiedlichen Entwürfe begutachtet und sich schließlich für eine Version entschieden, die dann dem Gemeinderat vorgelegt wurde. Im Gremium hielt sich die Begeisterung allerdings in Grenzen. Von blanker Ablehnung bis zu einem eher zurückhaltenden „kann damit leben“ reichten die Reaktionen auf die Präsentation des neuen Logos der Gemeinde, das zentraler Bestandteil des Corporate Designs sein wird.

Im Mittelpunkt steht ein großes, schwungvolles „D“. Darunter der Schriftzug „Denkendorf“ und der Slogan „Wir leben Zusammenhalt“. Die Schwünge sollen Wasser und Aktivität visualisieren, erklärte Geschäftsführerin Rosangela Aurea vom Grafikbüro Burkert Gestaltung aus Ulm. Gehalten ist das Logo in Grau, einem hellen Blau und Gelb. Letztere greifen die Wappenfarben der Gemeinde auf. Das bisherige Logo, das das Wappen mit Doppelkreuz sowie den Schriftzug „Denkendorf“ trägt, stammt aus den 1980-Jahren und wurde seither kaum verändert. Zudem haben einige kommunale Einrichtungen wie das Freibad, die Bücherei oder der Generationentreff jeweils eine von der Gemeinde abweichende Darstellung nach außen. Jede einzelne Einrichtung – Rathaus, Freibad, Bauhof, Bücherei, Generationentreff – wird künftig das Logo in einer ihr zugeordneten Farbgebung verwenden.

„In diesem Entwurf ist viel wiederzufinden, was uns ausmacht“, befand Bürgermeister Ralf Barth bei der Präsentation. Wichtig sei es gewesen, ein Logo zu finden, mit dem sich möglichst viele Bürger identifizieren könnten. Schlicht, solide und modern sei das neue Corporate Design, zeigte sich der Rathauschef vom Entwurf begeistert.

Anders fielen die Meinungen  im Gemeinderat aus. Am Slogan gab es keine Kritik. „Der passt absolut“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Wilhelm Brandner. Auch das Logo sei „ganz nett“. Was jedoch fehle, sei der Bezug zum Kloster. Während Brandner zugesteht, „ich könnte mich damit anfreunden“, geht für andere ohne Kloster oder Kreuz gar nichts.  So sagte Markus Deu­schle   (FWV): „Ich kann mich daran nicht gewöhnen.“ Der FWV-Fraktionschef Frank Obergöker dagegen meinte, er könne mit dem neuen Logo leben. Auch seine Fraktionskollegin Hanna Clauss findet nach anfänglicher Ablehnung inzwischen, „dass es ein durchdachtes Zeichen ist“. Allerdings fehle ihr die Tradition. „Etwas kühl“ findet Christa Brockhaus-Henzler (SPD) den Entwurf, räumte aber ein: „Man kann es nicht jedem recht machen.“ Über Kunst könne man eben immer streiten, sagte ihr Fraktionskollege Matthias Schöllkopf. Wenn man schon das Alte ändern wolle, müsse man etwas komplett Neues machen, erklärte Günther Ludwig (FWV). „Wir werden mit jedem Entwurf in der Öffentlichkeit kritisiert werden“, vermutet er. Für Wolfgang Schabert (FWV) hat der Entwurf eine positive Ausstrahlung: „Man kann ihn schon verwenden“, war aber auch er zurückhaltend.

Dass das neue Logo nicht bedeute, das Wappen der Gemeinde aufzugeben, machte CDU-Fraktionschef Peter Nester klar. Er findet den Entwurf „einfach ideal – charmant und gelungen“. Alles Hoheitliche wie etwa das Siegel der Gemeinde werde weiterhin das Wappen tragen, betonte der Bürgermeister. Das Logo sei für den Schriftverkehr und andere Druckprodukte gedacht. Bei drei Gegenstimmen billigte der Gemeinderat schließlich das neue Corporate Design.  urh / Foto: urh


Abgestimmt

Im Jahr 2016 hat ein Spieler aus  dem Ländle 90 Millionen Euro gewonnen, kürzlich einer aus NRW  im Euro-Jackpot erneut 90 Millionen. Spielen  auch Sie Lotto?

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Auf gute Nachbarschaft

Die Gemeinde Deizisau möchte gemeinschaftliches Wohnen unterstützen – Interessenten sollen Konzept einreichen

Gute Nachbarschaft ist ein Geschenk,  manchmal kann man aber  auch nachhelfen. Die Gemeinde Deizisau will in ihrer Ortsmitte ein Bauprojekt anstoßen, bei dem ein gutes Miteinander zwischen Nachbarn und zwischen Generationen von vornherein angelegt ist. Unter dem Titel „Bauen in Gemeinschaft“ haben Privatleute die Chance, zusammen mit anderen ein eigenes Konzept und im vorgegebenen Rahmen auch ihr Gebäude zu entwickeln.

Die Stadt Tübingen ist Vorreiterin beim „Bauen in Gemeinschaft“, das dort schon seit zwei Jahrzehnten praktiziert wird. Der Grundgedanke ist, dass auch bei größeren Bauprojekten nicht nur Unternehmen und Bauträger, sondern Privatleute zum Zug kommen. Sie haben als Bauherren mehr Möglichkeiten, ihre spätere Wohnung mitzugestalten und können möglicherweise auch Kosten sparen. Wer allerdings vor allem „ein Schnäppchen“ machen möchte, sei trotzdem nicht an der richtigen Adresse, sagt Deizisaus Bürgermeister Thomas Matrohs. Denn „billig“ bauen gebe es zurzeit schlicht nicht, und die beiden in Deizisau vorgesehenen Grundstücke finden sich in bester Lage zwischen dem Alten Rathaus und der evangelischen Kirche, an der Schulstraße und der Kirchstraße. Sie sollen mit zehn bis zwölf Wohneinheiten bebaut werden.

Aus einem städtebaulichen Wettbewerb im Jahr 2016 liegt ein Entwurf vor, der mit zwei großen Gebäuden und einer Freitreppe dazwischen den Rahmen feststeckt. Im Erdgeschoss des einen Hauses ist an einen Gemeinschaftsraum gedacht, der auch von Externen oder öffentlich genutzt werden könnte. Ebenso würde sich die Gemeinde an einem Aufzug beteiligen, wenn er für die Öffentlichkeit zugänglich ist, denn mit ihm ließe sich ein steiles Wegstück überwinden.

Der Gemeinderat wird demnächst in einer Sitzung über den Verkaufspreis entscheiden und ihn dann auch bekannt geben. Die Hauptmotivation der Beteiligten sollte aber nicht finanzieller, sondern ideeller Natur sein. Es geht darum, als Nachbarn, als Alt und Jung, den Alltag miteinander zu organisieren. Die Bewohner sollen ein Konzept haben, wie sie zusammenleben möchten. Das bedeutet, dass Interessierte schon jetzt Gruppen bilden und überlegen, was ihnen wichtig ist und wie man sich gegenseitig unterstützen kann. Diese „Planungsgemeinschaften“ können sich mit ihrem fertigen Konzept bei der Gemeinde bewerben. Erst wenn eine davon den Zuschlag bekommen hat, wird es für sie verbindlicher: Dann heißt es, die Baugenehmigung zu beantragen. Mit deren Vorliegen wird eine Bauherrengemeinschaft gegründet und der Kaufpreis fürs Grundstück fällig. Ganz allein sind die Interessenten in diesem Prozess aber nicht, sie können sich von Projektbegleitern unterstützen lassen.

Bei einem Bürger-Workshop zu dem Thema kamen mehr als 40 Interessierte, bei vielen überwog am Ende aber doch die Skepsis. Immerhin: Um die 15 haben grundsätzliches Interesse bekundet. „Auf die können wir aufbauen“, sagt der Bürgermeister. Bei zwei bis drei Personen sei das Interesse sogar „handfest“ gewesen: Diese hätten nun die Möglichkeit, weitere Interessierte ins Boot zu holen. Die Gemeinde will eine Kontaktbörse ins Leben rufen, damit potenzielle Bewerber sich finden können. Es sei nicht Voraussetzung, dass man bereits in Deizisau wohne.

Allerdings dürfen sich auch Bauträger mit ihren Konzepten bewerben – nicht ausgeschlossen, dass am Ende dann doch einer von ihnen zum Zug kommt. Das Exposé zu dem Projekt ist auf den Internetseiten www.deizisau.de unterm Stichwort Wohnen/Kirchstraße – Bauen in Gemeinschaft zu finden.  aia / Foto: Citiplan


Wo Klinsmann kicken lernte

Das Waldhaus der Landessportschule Ruit ist nach Sanierung wieder geöffnet  – Renovierung des Schwimmbads läuft

Die Landessportschule im Ostfilderner Stadtteil Ruit und die Landessportschule in Albstadt bilden zwei wichtige Säulen in der Ausbildung von Sportlern  und in der Weiterbildung von im Sport tätigen Personen. Um so wichtiger ist es, die Schulen nach und nach zu modernisieren und zeitgemäß auszustatten. Kürzlich  ist ein weiterer Teil der Sportschule in Ruit, das Waldhaus,  nach Sanierung wieder eröffnet worden.

 Nach 15 Monaten Umbauzeit, in denen das aus den 1930er-Jahren stammende Gebäude zunächst komplett ausgebeint worden war, wurde das Waldhaus vor Kurzem wieder eröffnet.  Und das Waldhaus macht seinem Namen dabei  alle Ehre:  Die Besucher sehen beim Betreten des Hauses nicht nur eine riesige Fototapete mit Waldmotiv, die 48 Zimmer mit insgesamt 93 Betten wurden auch mit viel Holz ausgestaltet. „Eine alte Liegenschaft in völlig neuem Gewand“, sagt  Andreas Felch­le, der Präsident des Württembergischen Landessportbunds (WLSB).

Das für etwa fünf Millionen Euro zeitgemäß umgestaltete Waldhaus ist jetzt  nicht nur barrierefrei, sondern verfügt auch über einige behindertengerechte Zimmer für Seminarteilnehmer und Referenten. Zudem sind die vier Schulungsräume mit großen Screens auf dem neuesten digitalen Stand, sodass Ausbildungsinhalte per Video vermittelt werden können. „Heute sind Räume gefragt, die Gruppenarbeit und Kommunikation ermöglichen“, sagt Landessportschulleiter Jürgen Heimbach. Er betont aber auch: „Trotz E-Learning muss man sich auch treffen.“ Auch Präsident Felchle verweist auf die Wichtigkeit der Begegnung und des Austausches. Insgesamt verfügt die Ruiter Landessportschule nun über 111 Zimmer mit 206 Betten.

Die Sanierung des Waldhauses ist ein wichtiger Baustein des Sanierungs- und Entwicklungsprogramms  der beiden Landessportschulen in Ruit und Albstadt. 40 Millionen Euro hat dafür das WLSB-Präsidium vor Jahren bereitgestellt.

Das Campus-Gebäude als Aushängeschild von Ruit wurde bereits fertiggestellt, ebenso das Schulungszentrum des Württembergischen Schützenverbands und die neue Sporthalle in Albstadt. Bereits im Gang ist die Sanierung des Ruiter Schwimmbades, als Nächstes erfolgt die Sanierung des Wiesenhauses. Auf der anderen Seite können nun auch die alten Fußballhäuser abgerissen werden. Ersetzt werden muss auch die alte Spielhalle durch eine Zwei-Feld-Sporthalle.

 Im Jahr 2018 fanden 585 Aus- und Fortbildungsmaßnahmen sowie 273 Lehrgänge von Landeskadern in Ruit statt. Insgesamt kam die Landessportschule auf 30 985 Übernachtungen.

Als im Mai 1948 auf dem Areal die „Jugend- und Sportleiterschule Ruit“ errichtet wurde, war von der damaligen US-Verwaltung als deren Ziel vorgegeben, der Jugend demokratische Ideale zu vermitteln. Um staatlichen Einfluss auszuschließen, wurde dafür eigens der Verein Jugend- und Sportleiterschule Ruit gegründet.

„Mehr als Sport“

Mittlerweile führt der WLSB die Schule. Im Grunde hat dieses Ziel auch heute noch Gültigkeit, indem den Gästen dort  in der Landessportschule  nicht nur Sportpraxis, sondern auch Persönlichkeitsbildung und die Werte des Sports vermittelt werden. „Was an den Sportschulen vermittelt wird, passt alles hervorragend zu unserer neuen Kampagne ‚Mehr als Sport“, sagt Felchle.

 Obwohl mehrere Fachverbände die Landessportschule als Schulungsstätte nutzen, hat sie sich im Laufe der Zeit als Fußballschule einen Namen gemacht. Uli Hoeneß, Jürgen Klinsmann oder Otmar Hitzfeld haben  in Ruit  Lehrgänge besucht, auch viele Nationalmannschaften haben die Einrichtungen schon für Trainingslager genutzt. red/ras / Foto: bul