Blitzschnelle Krisenintervention

Demonstration im Backhaus Zoller: Landesteam für Lebensmittelsicherheit stellt seine Arbeit vor – Regionübergeifende Überwachung


Großer Bahnhof beim Backhaus Zoller: Menschen in Schutzkleidung und Klemmbrett unterm Arm bewegten sich in den Produktionsräumen, schauten Mitarbeitern über die Schulter und machten sich Notizen. Das Landeskontrollteam Lebensmittel Baden-Württemberg (LKL) war bei der Esslinger Bäckerei unterwegs – mit dabei der baden-württembergische  Verbraucherschutzminister Alexander Bonde sowie Landtagsabgeordnete. Doch der Einsatz diente nicht dem Zweck, Mängel beim Esslinger Bäcker aufzudecken, sondern die Arbeitsweise der neu gegründeten Spezialeinheit zu demonstrieren.

„Um den immer komplexeren Anforderungen an die Lebensmittelüberwachung in einer globalisierten Welt besser gerecht zu werden, haben wir das Landeskontrollteam Lebensmittelsicherheit eingerichtet“, sagte Bonde beim Vor-Ort-Termin in der Großbäckerei.

Lebensmittelskandale wie Dioxin-Eier, Ehec-Keime, Pferdefleisch in Rindfleischgerichten, aber auch Betrug bei Herkunftsbezeichnungen verunsichern die Verbraucher immer wieder. Nicht zuletzt aus diesem Grund hat das Land im Oktober vergangenen Jahres das LKL eingerichtet. Das LKL versteht sich als eine Art „schnelle Eingreiftruppe“, wenn es darum geht, in der Futtermittel- und Lebensmittelüberwachung rasch zu handeln. Zum anderen soll das LKL auch überregional eingreifen können, zum Beispiel, wenn Betriebe überregional Kunden beliefern oder Zutaten aus anderen Regionen beziehen. Ebenso gehört  die Vernetzung von Kontrolltätigkeiten mit benachbarten Bereichen wie Futtermittel und Tierschutz zum Aufgabenbereich.

Auch die zuständigen Behörden vor Ort sollen unterstützt und gemeinsame Kontrollen koordiniert werden.

Zum LKL gehören Fachleute wie Lebensmittelingenieure, Lebensmittelchemiker oder auch Agrarwissenschaftler. Bei Bedarf sollen weitere Experten zum Team stoßen – Schädlingsbekämpfer, IT-Spezialisten oder Toxikologen. In Großbäckereien sollen beispielsweise maschinentechnische Expertisen wichtige Erkenntnisse liefern. Auch Schnittstellen zur Futtermittelkontrolle können so bearbeitet werden, wenn beispielsweise Altbrot als Tierfutter genutzt wird – was Zoller früher angeboten hat. Der Chef der neuen Truppe ist Wolfram Martens. Der Professor leitete zuvor das Amt für Lebensmittelüberwachung und Veterinärwesen im Landkreis Emmendingen.

Das Landeskontrollteam Lebensmittel  wird sich vorerst auf zwei Bereiche konzentrieren: Zum einen werden Großbäckereien überprüft, zum anderen gilt die Kontrolle dem Label der regionalen Herkunft. „Wir haben Gott sei Dank keine Rückrufaktionen aus hygienischen Gründen“, erklärte Achim Zoller, mit seinem Bruder Jörg Inhaber des Unternehmens. Aber man sei auf solche Fälle vorbereitet und trainiere den Ablauf einer Rückrufaktion.

Im Notfall greift laut Zoller das Warnsystem über die vernetzten Kassen. Binnen weniger Minuten sei dann das Produkt komplett aus allen 24 Filialen im Landkreis entfernt.

Die Möglichkeit, den Weg eines Produkts und seiner Zutaten verfolgen zu können, stellt laut Minister Bonde ein wichtiges Instrument zur Überwachung dar. Er erinnerte an den Ehec-Skandal, zu dessen Aufdeckung zunächst die Herkunft der Keime erforscht werden musste. Die Einrichtung des LKL Baden-Württemberg erfolgte zusätzlich zur bisherigen personellen Verstärkung in der Lebensmittelüberwachung – von 2011 bis 2016 gab es Stellen für insgesamt 132 neue Lebensmittelkon­trolleure. Das LKL ist seit Oktober 2015 sukzessive im Aufbau und hat Mittel für bis zu 17,5 Stellen zur Verfügung.    bob / Foto: bob

Info: mehr unter www.mir.baden-wuerttemberg.de.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.