Wertvoller Ackerboden

Ertragreiche Erde wird in Scharnhausen ab- und in Ruit aufgetragen – Ausgleich für neues Gewerbegebiet

Am westlichen Ortsrand des Ostfilderner Stadtteils Scharnhausen wird derzeit die Erschließung eines neuen Gewerbegebiets vorbereitet. Das Areal wird bisher noch landwirtschaftlich genutzt, der Boden weist eine hohe Qualität auf. Um ihn nicht zu verlieren, wird er nun abgegraben und südlich von Ruit auf bislang wenig ertragreichen Ackerflächen ausgebracht.

Gewerbeflächen sind auf den Fildern ein rares Gut. Wie in den anderen Kommunen steht der Flächenbedarf auch in Ostfildern zudem in Konkurrenz mit der Landwirtschaft, zumal es sich in der Regel um hochwertigen und sehr ertragreichen Ackerboden handelt. Dies trifft auch auf die Ebene am Westrand Scharnhausens zu. Dort wird derzeit die Erschließung einer drei Hektar großen Erweiterungsfläche für das Gewerbegebiet „Unter dem Plieninger Weg/Scharnhausen-West“ vorbereitet.

Wie Ostfilderns Erster Bürgermeister Rainer Lechner sagt, musste die Stadt wegen des Eingriffs in die Agrarlandschaft Ausgleichsmaßnahmen treffen. Um die ertragreiche Erde nicht zu verlieren, wurde bei einem Gutachter ein sogenanntes Bodenmanagementkonzept beauftragt. „Wir müssen schauen, was mit dem wertvollen Oberboden passiert. Der Gutachter hatte den Auftrag zu prüfen, wo im Stadtgebiet Böden mit minderer Qualität sind, wo also eine Bodenverbesserung möglich ist“, beschreibt  Lechner.

Zudem sollten die Ackerflächen, auf die die Erde umgesetzt werden kann,  möglichst nicht weit vom Abtragungsort entfernt liegen, um weite Transportwege zu vermeiden. Nachdem geeignete Flächen mit minderer Bodenqualität identifiziert waren,  folgten Gespräche mit Eigentümern und Pächtern. Und schließlich wurden Verträge mit den Bewirtschaftern abgeschlossen.

Den Auftakt der Umzugsaktion für den Ackerboden bildeten die ersten Arbeiten für die Erschließung des Gewerbegebiets. Dafür müssen zunächst zwei große Stromleitungen, die bislang über das Areal verlaufen, in den Boden verlegt werden. Zur Vorbereitung des Baus der Stromtrasse wurde nun in der vergangenen Woche auf dem Areal die Erde  rund 50 Zentimeter tief abgetragen. Etwa 5000 Kubikmeter Ackerboden wurden nach und nach ausgebaut, auf  Anhänger verladen und von  Traktoren auf eine Ackerfläche südlich des Sportgeländes Talwiesen in Ruit geschleppt. Dort wurde die Erde abgekippt und mit einer Planierraupe flächig auf dem Acker verteilt.

Zwar wäre der Transport mit Kipplastern zügiger möglich gewesen, doch dies hätte mehr Schaden als Nutzen gebracht. Um einen möglichst geringen Druck auf den neuen Ackerboden zu erzeugen, kamen nur Schlepper und Anhänger mit Ballonbereifung zum Einsatz. Das Verteilen der Erde auf der Fläche wurde mit einer speziellen Raupe mit überbreiten Ketten bewerkstelligt.

Der Großteil dieser Aktion ist nun erledigt, die Erdverkabelung der Stromleitungen soll im Juni starten. Die Landwirte in Ruit müssen  nun drei Jahre lang mit Einschränkungen leben, sagt Lechner. Auf den aufgewerteten Flächen müssten zunächst tief wurzelnde Pflanzen wachsen, um eine gute Durchmischung des alten mit dem neuen Boden zu erreichen. Erst danach können die Flächen frei bewirtschaftet werden. pst / Foto: pst


Platz für die Stadtgeschichte

Erweiterung des Wendlinger Stadtmuseums nahezu fertig – Historisches Pfarrhausensemble saniert

Die Arbeiten zur Sanierung der Drittelscheuer und der Pfarrscheuer beim ehemaligen Pfarrhaus im Wendlinger Stadtteil Unterboihingen, in dem das Wendlinger Stadtmuseum untergebracht ist, neigen sich dem Ende entgegen. Zwar sind noch etliche kleinere Arbeiten zu erledigen und an manchen Stellen muss noch letzte Hand angelegt werden, doch die großen Gewerke sind abgearbeitet. Damit rückt auch die Erweiterung der Ausstellungsfläche des Museums näher. Ob das im September geplante Eröffnungsfest stattfinden kann, steht derzeit allerdings noch in den Sternen.

Das denkmalgeschützte ehemalige Pfarrhausensemble in der Ortsmitte Unterboihingens wandelt sich zusehends zu einem historischen Schmuckstück. Der Komplex  besteht aus einem barocken Pfarrhaus, einer im Jahr 1751 errichteten Pfarrscheuer und  einer Drittelscheuer, deren älteste Bauteile auf das Jahr 1457 datiert werden. Dazu gehören auch ein großer Pfarrgarten mit Wasch- und Backhaus, das aus dem Jahr 1811 stammt, und eine  Gartenlaube.

Im Jahr 2004 hat das Wendlinger Stadtmuseum im Pfarrhaus seinen Platz gefunden. Dort ist die stadtgeschichtliche Sammlung mit Exponaten  seit dem Mittelalter aus den drei Stadtteilen Wendlingen, dem Rittergut Bodelshofen und dem Dorf Unterboihingen untergebracht.

Die beiden Scheunen wurden  als Erweiterungs- und Ergänzungsflächen für das Museum eingeplant, blieben zunächst jedoch weiter ungenutzt. Ihr baulicher Zustand war in Teilen so schlecht, dass  eine Sanierung unumgänglich war. Zunächst nahmen sich die Bauleute die barocke Pfarrscheuer vor. Deren sehr aufwendig ausgeführte Fachwerkkonstruktion hatte sich als akut gefährdet herausgestellt. Manche Balken waren morsch, andere bei einigen Umbauten in früheren Jahrhunderten ohne Rücksicht auf die Statik abgesägt worden, so dass Einsturzgefahr drohte. Zudem hatte sich die Wand zur Straße hin nach außen geneigt, und das Fundament musste stabilisiert werden.

Ab Ende 2017 folgte die denkmalgerechte Sanierung der Drittelscheuer. Auch dabei galt es, die Holzkonstruktion des Dachstuhls und Teile des Fachwerks vor dem Einsturz zu bewahren sowie Außenwände zu sichern. Zudem musste das Dach neu gedeckt werden.

Mittlerweile sind die Arbeiten nahezu erledigt. „Die Zimmerleute und die Schlosser sind fertig, Fenster und Treppe sind eingebaut, der Eingangsbereich und die Elektrik sind fertig. Es sind nur noch einige Kleinigkeiten zu erledigen“, berichtet Alexander Koch, stellvertretender Leiter des Stadtbauamts Wendlingen. Restliche Arbeiten wie etwa die Fertigstellung des Heubodens oder der Einbau von Treppenstufen würden die Zeitplanung zwar etwas verzögern, „doch auf einige Wochen kommt es bei so einem Projekt nicht an“, sagt Koch. Er rechne damit, dass das Museumsensemble im Juni zur Verfügung steht. Dann wird auch die Vielzahl der derzeit noch eingelagerten Funde  von der Mittleren Steinzeit bis hin zu den Grabfunden aus einer alemannischen Siedlung eine angemessene Ausstellungsfläche erhalten.     pst / Foto: Holzwarth


Busse sollen nahtlos weiterfahren

Stadt Esslingen und Verkehrsbetriebe stricken an einer Interimslösung nach Rexer-Rückzug

Der  Calwer Busunternehmer  Rexer, der seit 2018 ein Drittel der Esslinger Buslinien bedient, kann ab 1. Juli seinen  Vertrag nicht mehr erfüllen.   Der Städtische Verkehrsbetrieb (SVE) soll den Betrieb der zehn Rexer-Linien  bis zum Sommer 2021 übernehmen. Doch dazu müssen juristische Hürden überwunden werden.

Mitte vergangenen Jahres wurde bekannt, dass die Firma Rexer Insolvenz angemeldet hat. Der Betrieb in Esslingen lief aber zunächst ohne Einschränkung weiter. Nun aber ist ein Finanzierungspartner abgesprungen, so dass  Rexer  die 24  Busse für den Esslinger Busverkehr  ab dem 1. Juli nicht mehr zur Verfügung stehen.

Nur befristete Verträge möglich

Jetzt soll der SVE einspringen. An einem Plan, wie das gelingt, wird gerade gearbeitet. Denn dazu müssen Fahrzeuge und Personal zur Verfügung stehen.  „Das Problem sind nicht die Busse, sondern die Fahrer“, erklärt Bürgermeister Ingo Rust.  Rust ist sicher, dass der SVE als solventer Partner die  Busse anstelle von Rexer übernehmen kann.

Die 20 Fahrer allerdings haben bei Rexer unbefristete Arbeitsverträge, Esslingen könnte ihnen aber nur zeitlich befristete Verträge geben, da im nächsten Jahr das Linienbündel neu ausgeschrieben werden muss. „Das ist sehr kompliziert und wirft eine Menge juristischer Probleme auf“, sagt Rust.

Der SVE  habe sich bereits seit Mitte vergangenen Jahres, als bekannt wurde, dass die Firma Rexer Insolvenz angemeldet hat, in verschiedenen Szenarien auf die Situation vorbereitet, berichtet der Technische Werksleiter Johannes Müller. Auch die Einstellung des Betriebs, wie sie jetzt zum 1. Juli angekündigt wurde, sei  dabei ein Szenario gewesen. „Der SVE ist ein gesundes Unternehmen, wir haben auch einen ordentlichen Puffer, aber kein Verkehrsbetrieb  hält 24 Busse und 20 Fahrer für einen Notfall vor“, macht  Müller deutlich.

Sollte sich das Personalproblem nicht zeitnah  lösen lassen, kann sich Rust vorstellen, dass man lokale Busunternehmer bei der Personalfrage auf Unterstützung anspricht.  So oder so ist die Übernahme der Rexer-Strecken durch den Städtischen Verkehrsbetrieb nur eine Interimslösung. „Eine sogenannte Notvergabe, wie wir es jetzt anstreben, hat nur eine Gültigkeit von 24 Monaten“, erklärt Andreas Clemens, der Kaufmännische Werkleiter bei den SVE. Ab  Juli 2021 soll wieder ein privater Anbieter fahren, der durch eine europaweite Ausschreibung ermittelt wird. Eine solche Ausschreibung jetzt schon zu initiieren, habe keinen Sinn. Dafür sei die Zeit bis zum 1. Juli zu knapp. Eine komplette, zeitlich nicht befristete  Übernahme des  Rexer-Loses ist laut Rust ebenfalls nicht möglich.

Gemeinderatsbeschluss

„Auch wenn immer mal wieder Stimmen laut werden, die den kompletten Betrieb des Esslinger Busverkehrs in Eigenregie  fordern, sind wir an Gesetze  gebunden. Schließlich hat der Gemeinderat beschlossen, das Los europaweit auszuschreiben“, verdeutlicht Finanzbürgermeister Rust, der auch für den öffentlichen Nahverkehr der Stadt zuständig ist.

„Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass der Betrieb zu 100 Prozent weiterläuft und es keine Ausfälle  gibt“, sagt Rust. „Das ist ein hehres Ziel, und dazu alles andere als üblich.“ Rusts Plan sieht vor, dass die Fahrgäste gar nicht erst merken, dass Rexer nicht mehr fährt. Dazu müssen jedoch noch ein paar offene Fragen geklärt werden.   bob / Foto: bul


Abgestimmt

Mit Auftreten der Corona-Pandemie ist der Händedruck zur Begrüßung den Hygieneregeln zum Opfer gefallen. Werden Sie dauerhaft aufs Händeschütteln verzichten?

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„Echo“ legt Corona-Pause ein

Esslingen. Das Wochenblatt „Echo“, das im Verlag der Eßlinger Zeitung erscheint, legt eine mehrwöchige Pause ein. Der Grund sind die Corona-Epidemie und die damit verbundenen Beschränkungen, die das Wirtschaftsleben auch in der Region weitgehend lahmgelegt haben. „Das Echo finanziert sich vollständig über Werbeplatzierungen der lokalen Geschäfte und Betriebe“, so Andreas Heinkel, Geschäftsführer des Verlags der Eßlinger Zeitung, „damit fehlt unserem Wochenblatt jegliche wirtschaftliche Grundlage, um es weiter produzieren zu können“. Von dieser Woche an wird das „Echo“ bis auf weiteres eingestellt. Wie lange die Pause ist, hängt vom weiteren Verlauf der Corona-Epidemie ab.    


Mehr Unfälle mit Radlern und Fußgängern

Polizei legt Verkehrsunfallbilanz für das vergangene Jahr vor – Junge Fahrer und Senioren haben große Anteile – Häufig machen sich die Verursacher aus dem Staub

Es ist eine Bilanz mit bedenklichen Entwicklungen, positiven Tendenzen und  auch einem Hoffnungsschimmer bei einer traurigen Konstanten: Die Polizei hat die Verkehrsunfälle des vergangenen Jahres im Landkreis Esslingen einer detaillierten Betrachtungsweise unterzogen. Heraus kamen: etwas mehr Unfälle auf den Straßen des Kreises, mehr Schwerverletzte, weniger Tote, Rückgänge und weniger schwere Folgen bei den Motorradunfällen, mehr Fahrrad- und viel mehr Fußgängerunfälle. Während die Zahl der Unfälle mit Beteiligung von Kindern gesunken ist, ist die der Senioren gestiegen.

Das Polizeipräsidium Reutlingen ist für die Landkreise Esslingen, Reutlingen und Tübingen sowie neuerdings auch für den Zollernalbkreis zuständig. In den Betrachtungen der einzelnen Kreise gibt es in der nun vorgelegten Verkehrsunfallbilanz durchaus Unterschiede. Beispiel: Während im gesamten Zuständigkeitsbereich die Zahl der Verkehrstoten im Jahr 2019 gestiegen ist (um einen auf 34), ist diese im Landkreis Esslingen von 16 auf zehn gesunken. Im hiesigen Kreis wurden im vergangenen Jahr insgesamt  16 273 Unfälle gezählt, was gegenüber dem Vorjahr einem Plus von 5,5 Prozent entspricht. Dabei wurden 248 Personen schwer (plus sieben) und 1546 (minus zehn) leicht verletzt. Über alle vier Landkreise hinweg schätzen Experten den bei den insgesamt 35 494 Unfällen angerichteten Sachschaden auf 543 Millionen Euro.

Zehn Tote im Straßenverkehr

Unter den zehn Verkehrstoten im Kreis Esslingen waren fünf Autoinsassen, drei Radfahrer, ein Fußgänger und ein Motorradfahrer. Bei zwei dieser Unfälle mit Todesfolge war Alkohol im Spiel. Betrunkene haben insgesamt 195 Unfälle verursacht, dabei wurden 18 Personen schwer und 58 leicht verletzt. 25 Unfallverursacher standen unter Drogen (plus zehn). Ernüchternd wiederum: Bei gut 23 Prozent aller Unfälle machten sich die Verursacher aus dem Staub, 3763 Mal (plus 207) lautete die Diagnose Unfallflucht. Knapp jede Dritte dieser Straftaten wurde aufgeklärt. 

Als häufigste Unfallursache gibt die Polizei  Fehler beim Abbiegen an, gefolgt von Wendemanövern/Rückwärtsfahren, Vorfahrtsverstößen, zu geringem Abstand und überhöhter Geschwindigkeit. Wobei: Je schwerer die Unfallfolgen sind, desto häufiger wird dabei zu schnell gefahren. Das heißt, jeder fünfte Verkehrsunfall mit schweren Folgen (Toten oder Schwerverletzten) geht auf das Konto Geschwindigkeit.

Bei ihren Geschwindigkeitskontrollen registrierte die Polizei im Jahr 2019 in den vier Landkreisen insgesamt mehr als 71 000 Verstöße, was zu 972 Fahrverboten führte. Außerdem deckten die Beamten bei ihren Gurtkon­trollen 16 730 Verstöße auf. Zudem waren 532 Kinder nicht ordnungsgemäß gesichert. 7680 Mal wurden Autofahrer mit dem Handy am Ohr erwischt. Bei  Verkehrskon­trollen saßen zudem 1603 Fahrzeugführer alkoholisiert hinterm Steuer, 695 hatten Drogen genommen.

Im Bereich der Unfälle mit motorisierten Zweirädern (vom Mofa bis zum schweren Motorrad) wurden im Landkreis Esslingen 326 registriert (minus zwölf). Sowohl die Zahl der Schwerverletzten dabei (auf 53),  als auch die der Leichtverletzten (auf 172) gingen zurück. Bei rund der Hälfte der Motorradunfälle waren die Biker selbst schuld. Bei den von Motorradfahrern verursachten Unfällen mit Toten oder Schwerverletzten ragen die Ursachen Geschwindigkeit und Überholen mit etwa 50 Prozent signifikant heraus.

Vielfach auf E-Bikes

Fahrradfahrer waren im Kreis Esslingen 505 Mal (plus 16) in Unfälle verwickelt, drei starben dabei, 73 wurden schwer, 334 leicht verletzt. Die Zahl der Unfälle mit Elektrofahrrädern schnellte um knapp 57 Prozent auf 105 nach oben. Deutlich mehr Unfälle mit Fußgängern wurden registriert: Waren es 2018 noch 158, wurden vergangenes Jahr 195 gezählt.

106 Kinder im Alter bis 13 Jahre (minus fünf) waren in Verkehrsunfälle verwickelt, eines starb dabei (in der Silvesternacht auf der B 27 bei Aichtal), elf wurden schwer verletzt. 27 Schüler (minus vier) verunglückten im Landkreis Esslingen auf dem Weg zur Bildungsstätte.

Junge Erwachsene im Alter von 18 bis 24 Jahren sind nach wie vor eine Risikogruppe – für andere und sich selbst. 1201 Unfälle (plus 22) mit ihnen wurden gezählt. Noch häufiger sind aber Senioren ab 65 Jahren beteiligt: 1421 Mal (plus 82). In knapp zwei Drittel der Unfälle waren die Senioren selbst schuld. Sieben Personen aus dieser Altersgruppe starben an den Unfallfolgen.

Technische Mängel

Die Unfälle, an denen Lastwagen beteiligt waren, gingen um acht Prozent auf 536 zurück. In mehr als 70 Prozent der Unfälle lag die Ursache bei den Lkw-Fahrern. Erstaunlich: Bei den Verkehrskontrollen  der Polizei wurden fast dreimal so viele einzelne Verstöße wie kontrollierte Lastwagen gezählt. Vielfach wurden technische Mängel festgestellt, aber auch etliche Verstöße gegen die Vorschriften zu Lenk- und Ruhezeiten.  ch / Foto: dpa


Innovativ und familiär

In Nellingen eröffnet eine Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz  – Möglichst großes Maß an Selbstbestimmung

Ein  würdiges Leben für seine Frau, trotz ihrer Demenzerkrankung, wünscht sich Eberhard Bitzer. Der 85-Jährige, der seit 20 Jahren in Nellingen wohnt, hat seit geraumer Zeit realisiert, dass er seine Frau nicht mehr alleine betreuen kann. Auch weil er selbst pflegebedürftig geworden ist. Nun hat er für seine Frau ein passendes Objekt gefunden, und zwar in einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft am Ort. Diese WG   mit dem Namen „Zusammen(H)alt“ bietet auf einer Etage und einer Gesamtfläche von rund 400 Quadratmetern ihren Bewohnern private Bereiche – die Zimmer sind 16 bis 20 Qua­dratmeter groß –, aber auch Gemeinschaftsräume wie die offene Küche,  den Essbereich und eine große Terrasse – sowie ein innovatives Konzept, in dem den Bewohnern ein möglichst großes Maß an Selbstbestimmung eingeräumt wird und eine gemeinsame Alltagsgestaltung im Vordergrund steht. Am 18. April ziehen bereits alle neun Bewohner im Alter von 68 bis 90 Jahren in der Esslinger Straße in Nellingen ein. Die meisten von ihnen kommen aus Nellingen und haben wie Eberhard Bitzers Frau auch Gedächtnis- und Orientierungsprobleme.

Rund 1,7 Millionen Euro zahlt die Erich und Liselotte Gradmann-Stiftung für die Räumlichkeiten der WG, weitere 200 000 Euro investiert sie in die Einrichtung, erläuterte Ostfilderns Ex-OB Herbert Rösch, der Geschäftsführer der Stiftung ist. Er möchte mit diesem Projekt bewusst innovative Wege gehen, „denn ambulante Wohngemeinschaften scheinen die Antwort auf die wachsende Nachfrage und den Mangel an Fachkräften in der Pflege zu sein“. Seine Vision sei es, dass es in Ostfildern irgendwann 15 solcher Wohngemeinschaften geben werde, verteilt auf die einzelnen Quartiere. Die „Demenz-WG“ in Nellingen ist die zweite dieser Art in Ostfildern, seit acht Jahren gibt es im Nachbarschaftshaus im Scharnhauser Park die Wohngemeinschaft „Lichtblick“.

In dem Gebäude der „Demenz-WG“ in Nellingen entstehen oben drüber Wohnungen, im Erdgeschoss soll ein Drogeriemarkt eröffnen.

Betreut wird die WG in Nellingen vom Pflegedienst Nikolaus-Cusanus-Haus, der die Bewohner mit Fachkräften und Alltagsbetreuern rund um die Uhr unterstützt. Diesen Pflegedienst hat die Angehörigengemeinschaft der Bewohner ausgewählt, denn die Angehörigen sollen sich in dieser innovativen und doch familiären Wohnform aktiv einbringen.

Altenhilfeplanerin Gabriele Beck hat die Projektleitung inne und erläutert: „Diese Wohnform soll die Selbstbestimmung und Eigenverantwortung der Bewohner gewährleisten. Dabei gibt es zwei markante Unterschiede zu einem Pflegeheim: Die Angehörigen haben ein hohes, vertraglich festgelegtes Mitsprache- und Mitgestaltungsrecht und können mitreden, was den Alltag der Bewohner angeht. Außerdem entscheiden sie, wer in die Wohngemeinschaft einziehen darf. Und sie wählen selbst den Pflegedienst, der die Bewohner versorgen soll.“

Birgit Schult vom Pflegedienst Nikolaus-Cusanus-Haus, beschreibt den WG-Alltag: „Vom Aufstehen bis zum Abend werden die Bewohner von Alltagsbetreuern betreut, auch nachts ist eine Betreuerin im Einsatz.“ Die Bewohner jedoch bestimmen ihren Tagesablauf –  alle Wege, wie etwa der Gang zum Zeitung  holen an den Briefkasten oder in die Küche zum Frühstück oder gemeinsamen Kochen, werden zusammen unternommen. Es gehe darum, bei den Bewohnern verschüttete Ressourcen freizulegen, sie regelrecht aufblühen zu lassen.  aro/ch / Foto: aro

Info: Der Verein „Zusammen (H)alt“ fördert und begleitet die Wohngemeinschaft ideell und finanziell und sucht Sponsoren und Spender. Auch Patenschaften für Bewohner, die keine Angehörigen haben, sind willkommen. Weitere Informationen haben der Vorsitzende Wolfgang Maier (Maier.W@gmx.de) oder Projektleiterin Gabriele Beck (g.beck@ostfildern.de).


Abgestimmt

In Corona-Zeiten ist „Zu Hause bleiben“ das Gebot der Stunde. Herausforderungen wie Vereinsamung und ungewohnt enges Familienleben eingeschlossen. Haben Sie sich gut zu Hause arrangiert?

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Ende der Platanen steht bevor

Ein Teil der Reichenbacher Hauptstraße wird neu gestaltet – Kranke Bäume sollen durch andere Arten ersetzt werden

Bäume sind wichtig fürs Klima, für gute Luft und für Wohlfühl-Atmosphäre. In Reichenbach empfiehlt ein Baumgutachter dennoch – oder gerade deswegen –, die Platanen in der Hauptstraße zu fällen. Stattdessen sollten andere Baumarten gepflanzt werden.

18 stattliche Bäume fällen, das ist eine harte Entscheidung. Doch Baumsachverständiger Martin Müller hat sich die Platanen genau angeschaut und als nicht gesund eingestuft. Zwar sei der Zustand nicht so kritisch, dass man sie aus Sicherheitsgründen sofort fällen müsste. Aber da die Hauptstraße ohnehin umgestaltet wird, hält er es für sinnvoll, andere Bäume zu pflanzen und für diese bessere Rahmenbedingungen zu schaffen.

Müller, Inhaber des Büros „Kompetenz für Bäume“, nannte im Reichenbacher Gemeinderat mehrere Gründe für den unerfreulichen Zustand der Platanen in der Hauptstraße. Auch wenn man diese Bäume von südländischen oder Pariser Plätzen in stark gestutzter Form kennt, sind sie von Natur aus starkwüchsig. Sie mussten deshalb in der Hauptstraße teilweise stark beschnitten werden und haben dabei die charakteristischen „Knubbel“ an den Ästen gebildet.

Diese Stellen seien teilweise zerfurcht und verwachsen, erklärte Müller, und damit ein Angriffspunkt für Feuchtigkeit, Fäulnis und Pilzbefall. Der Gutachter hat auch abgestorbenes Geäst in den Kronen gefunden, was daran liegen könnte, dass den Bäumen zu wenig Wurzelraum und zu wenig Wasser zur Verfügung steht. Zur Zeit der Pflanzung in den 70er-Jahren habe man nach damaligem Kenntnisstand alles richtig gemacht, betonte der Fachmann. Heute sieht man manches anders, und der Klimawandel bringe Bäume zusätzlichen Stress. „Jetzt ticken die Uhren ganz anders“, sagte Müller. „Wir haben jetzt Mitte Februar plötzlich fast 20 Grad.“ Wenn man die Platanen durch andere, geeignetere Bäume ersetze und ihnen bessere Voraussetzungen schaffe, habe man langfristig einen ökologischen Gewinn.

Auf bestimmte Arten wollte sich der Fachmann aber nicht festlegen, denn das kommt auf die einzelnen Standorte an. Die Hauptstraße soll zwischen der Kreuzung mit der Wilhelm-/Karlstraße und dem Rathaus neu gestaltet werden. Das schwebt dem Gemeinderat schon seit einigen Jahren vor; das Gremium möchte eine Verbesserung der Parkplatzsituation erreichen, vor allem aber mehr Komfort für Fußgänger. Der Poryphor-Belag sei für Rollatoren oder Rollstühle nicht geeignet, sind sich die Ratsmitglieder einig, zudem sei die Querung der Straße unübersichtlich. Und auch das Nebeneinander der verschiedenen Verkehrsteilnehmer sei nicht klar definiert – ein Indiz dafür ist, dass häufig von der Reichenbacher „Fußgängerzone“ die Rede ist, obwohl es sich lediglich um einen verkehrsberuhigten Bereich handelt, sagte Bürgermeister Bernhard Richter. Wie die Regelung in Zukunft aussehen wird, ob möglicherweise ein „Shared Space“ in Frage kommt, in dem alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind, ist noch offen.

Landschaftsarchitekt Harald Fischer und das Büro Bolz und Partner legten einen Entwurf vor, der die Grundzüge der neuen Planung zeigt: So soll es auf der einen Straßenseite wieder eine Baumreihe geben, gegenüber – im Bereich der Hausnummern 13 bis 17, die etwas zurückgesetzt sind – ist an einen kleinen Platz mit Sitzmöbeln, vielleicht Spielmöglichkeiten für Kinder und Baumquartiere gedacht. Je nachdem könnten dort Hochstämme oder niedrigere Sträucher gepflanzt werden. Die aktuellen Parkplätze in diesem Bereich fallen dann zwar weg, unterm Strich kann man aber die Zahl der Stellplätze nahezu halten.  aia / Foto: aia