Ein weicheres Bett für die Körsch

Umgestaltung in Denkendorf in vollem Gang – Danach wird Heinrich-Werner-Straße saniert – Hochwasserschutzwand kommt

Die Körsch bekommt in Denkendorf ein neues, naturnahes Bett. Das soll dem Hochwasserschutz sowie der Ökologie dienen. Nach der Umgestaltung wird auch noch die Heinrich-Werner-Straße umgestaltet. Das wird voraussichtlich bis in den Herbst andauern. Die Maßnahmen gehören zum Sanierungsprojekt Kloster/Körsch, das vom Land bezuschusst wird.

Im Bereich der Heinrich-Werner-Straße werden die Körsch und ihr Ufer auf einer Länge von rund 280 Metern naturnah umgestaltet. Die Bauarbeiten dazu sind in vollem Gange. Kürzlich wurde an einem Ufer eine Holzgrünschwelle – eine sogenannte Krainerwand –  als Böschungssicherung erstellt. Dabei werden Hölzer mehrlagig aufeinandergelegt und fest miteinander verbunden. Die Zwischenräume werden laut Mitteilung der Gemeinde mit „austriebsfähigen Busch- und Heckenlagen ausgelegt und mit Erdmaterial verfüllt“. Die naturnahen Materialien am Ufer  lösen die Steine ab. Die abgeflachten  Ufer und das Setzen von Steinen in den Bachlauf erhöhen  den Querschnitt des Bachs und verringern so die Fließgeschwindigkeit, erklärt Denkendorfs Ortsbaumeister Matthias Göser.

Ein befestigter Weg auf der Seite der Gartengrundstücke am Fluss wurde zurückgebaut, die für das flachere Ufer benötigten Flächen überließen die Grundstückeigentümer der Gemeinde im Rahmen einer Dienstbarkeit – das heißt, die Nutzung wurde gewährt, ohne dass die Gemeinde Flächen aufkaufen musste. Anstelle des befestigten Wegs wird auf  der gegenüberliegenden Seite ein Fußweg angelegt.  

 Die Arbeiten sollen laut Göser bis Ende Juli dieses Jahres beendet sein. Anschließend stehen die Sanierung der Heinrich-Werner-Straße und  der Wasserleitung an. Hierfür bleibt die Heinrich-Werner-Straße  voraussichtlich noch bis November gesperrt. Damit verschiebt sich auch die rund zweiwöchige Sperrung der Friedhofstraße voraussichtlich in den Herbst.

Die Sanierungsmaßnahme Kloster/Körsch wurde bereits im Jahr 2012 in das Landessanierungsprogramm aufgenommen. In den vergangenen  Jahren liefen etliche Arbeiten in diesem Bereich. Im öffentlichen Raum sind dort insbesondere der Neubau der Kindertagesstätte im Maierhof, die Sanierung der unteren Friedhofstraße mit Mauer und die Umgestaltungsmaßnahmen am Klostersee und im Klosterhof zu nennen. Daneben wurden  mit 35 Grundstückseigentümern Modernisierungsvereinbarungen abgeschlossen.

Neben der Umgestaltung der Körsch im Bereich der Heinrich-Werner-Straße wird im Rahmen des Sanierungsgebiets auch die Verbesserung der Wegeverbindungen nach Westen in Richtung Naherholungsgebiet angestrebt. Zusätzliche Parkplätze soll es auch geben.

Die Baukosten für Körsch und Heinrich-Werner-Straße belaufen sich laut Göser auf rund eine Million Euro. Das Land fördert die Baukosten an der Körsch mit 85 Prozent, die Straßenbaukosten mit 60 Prozent.

Zwischenzeitlich  wurden weitere Flächen ins Sanierungsgebiet Kloster/Körsch aufgenommen. Das Land  hat erst kürzlich nach einem Antrag der Gemeinde seine Finanzhilfe  um 400 000 Euro erhöht. Dadurch erhöht sich das Landesbudget für das Sanierungsgebiet auf insgesamt 2,55 Millionen Euro, der Förderrahmen liegt damit  bei 4,25 Millionen Euro. 

Nach den Arbeiten an der Körsch   und der Heinrich-Werner-Straße wird auch noch eine Hochwasserschutzwand gebaut. Diese entsteht gegenüber der Heinrich-Werner-Straße entlang der Bebauung Kirchstraße 26 bis 28 in der Dorfwiese durch den Zweckverband Hochwasserschutz Körsch.  Die Wand wird etwa 270 000 Euro kosten und soll mit 67 Prozent Landeszuschüssen gefördert werden.  bob / Foto: bob


Zusammenschluss ausgebremst

Wernauer Sportvereine wegen Corona ohne die  formal notwendigen Beschlüsse – Projekt  um ein Jahr verschoben   

Aus der geplanten Verschmelzung der vier Wernauer Sportvereine wird dieses Jahr nichts mehr. Damit verzögert sich auch das Projekt Sportpark im Neckartal um mindestens ein Jahr. „Das wirft uns völlig zurück“, bedauert der Vorsitzende des Turn- und Sportvereins (TSV), Manfred Leutz.

Der Handballclub (HC), der Tennisclub und die Wernauer Sportfreunde (WSF) schlüpfen unters Dach des TSV, der schon jetzt der größte Verein in der Stadt ist. Dieser gibt sein Gelände auf dem Kehlenberg auf und zieht ins Tal, wo die bestehenden Sportanlagen umstrukturiert und zum modernen Sportpark erweitert werden.

Keine Hauptversammlungen

Das ist nach wie vor der Plan, der eigentlich in einer Bürger-Info am 31. März hätte vorgestellt werden sollen. Diese wurde aber aufgrund der Corona-Beschränkungen abgesagt. Ebenso haben die Vereine ihre außerordentlichen Hauptversammlungen, auf denen sie Ende Juni die formalen Beschlüsse ihrer Mitglieder für den Zusammenschluss einholen wollten, abgeblasen.

Einfach um ein paar Monate ins zweite Halbjahr verschieben kann man das Prozedere aber auch nicht, denn zum Termin des vertraglichen Zusammenschlusses müssen alle Vereine einen Jahresabschluss vorlegen, der nicht älter als ein halbes Jahr ist. Folglich verschiebt sich alles um ein ganzes Jahr.

Das Ziel „Verschmelzung“ wird aber weiterverfolgt. Oliver Bartsch, Vorsitzender des WSF, sieht eine große Entlastung, wenn nicht mehr in vier, sondern nur noch in einem Verein die Ämter besetzt werden müssen. Damit haben die Sportfreunde schon seit längerem ihre Probleme. „Das Vereinsleben wird von wenigen Schultern getragen, und diese Schultern werden immer älter“, sagt er. Wenn sich die Arbeit im Großverein besser verteilen würde, mache sie auch Spaß.

Für den TSV sind fehlende Kapazitäten bei den Sportanlagen ein wichtiges Argument. „Wir haben in Wernau ein Problem mit den Hallen“, sagt Manfred Leutz. Besonders davon betroffen seien beim TSV die Turner und die Abteilung „Fit und gesund“, aber auch bei anderen seien die Trainingszeiten knapp. Im Rahmen des Sportparks ist eine kleinere Halle mit festen Geräten für die Turner geplant, was in der bestehenden Neckartalhalle Luft für andere Sporttreibende schaffen würde. Die zeitliche Verzögerung sei da schon schmerzlich, sagt Leutz. Zumal niemand weiß, ob die kommunalen Finanzen nach Corona das Projekt Sportpark überhaupt erlauben.

Für die Handballer sei die Verschiebung kein Beinbruch, sagt ihr Vorsitzender Markus Mangold: „Wir treten eben noch mal als HC Wernau an.“ Aber die fehlenden Hallenkapazitäten kennt auch er. Aktuell in der Corona-Krise haben die Handballer beim WSF angefragt, ob sie draußen auf einem seiner Spielfelder trainieren könnten. Ebenso hätten die Volleyballer vom TSV Interesse am Training im Tal, berichtet Bartsch. Andere Abteilungen kooperieren schon länger, so die Tennisspieler und die Fußballer, die mittlerweile allesamt in die Mannschaften des TSV integriert sind und auf dem Kehlenberg kicken.

Auch kritische Stimmen

An vielen Stellen hat man sich also schon angenähert. Kritische Stimmen gibt es zwar auch: Bei den Sportfreunden, in denen es nun noch die Abteilungen Kegeln, Tischtennis und Breitensport gibt, gegen die Aufgabe ihres Namens; beim TSV gegen die Aufgabe des Geländes. Allerdings haben die TSV-Mitglieder bei der Hauptversammlung im vergangenen Jahr mehrheitlich klare Signale in Richtung Zusammenschluss gegeben.

Und man gebe den Kehlenberg erst dann auf, wenn man unten im Tal etwas Besseres bekomme, betont Leutz. Für die Vorstände steht jedenfalls fest, dass die Zukunft in einem gemeinsamen Verein liegt.  aia / Foto: Stadt Wernau


Abgestimmt

Trotz zuletzt sportlich wenig überzeugender Leistung hat der VfB Stuttgart den Vertrag mit Trainer Pellegrino Matarazzo vorzeitig bis 2022 verlängert. Können Sie das nachvollziehen?

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Um die Ecke einkaufen gehen

CAP-Markt in Denkendorf eröffnet am 28. Mai – Neuhausen sucht weiter nach Lösungen für Laden in der Ortsmitte

Am Donnerstag, 28. Mai, eröffnet in Denkendorf ein Cap-Markt im oberen Ortsteil.  In Neuhausen hingegen sind die Verhandlungen um einen Bonus-Markt als Nahversorger gescheitert.

Der CAP-Markt in Denkendorf wird von der NintegrA Unternehmen für Integration gGmbH betrieben werden.  Eigentlich sollte der Markt in der Berkheimer Straße 1  bereits im April  eröffnet werden. Aber die Corona-Pandemie legte das Vorhaben   auf Eis.   Nun steht  der 28. Mai als Eröffnungstermin fest. Ab 8 Uhr kann im neuen Nahversorger in Denkendorf eingekauft werden.  Allerdings: Die dazu geplante  Eröffnungsfeier soll  im Rahmen eines CAP-Fests zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

„Wir unterstützen das Projekt und freuen uns auf die  Eröffnung“, betont  Denkendorfs Bürgermeister Ralf Barth. Die Gemeinde gewährt  NintegrA für die Eröffnung des Markts einen einmaligen Investitionszuschuss in Höhe von 150 000 Euro und bürgt für weitere 100 000 Euro zur Absicherung eines Darlehens zur Beschaffung der Erstausstattung. Die Betreiberin sichert wiederum zu, den Lebensmittelmarkt zehn Jahre zu betreiben, andernfalls bei vorzeitiger Betriebsaufgabe den Investitionszuschuss anteilig zurückzubezahlen.

Die Öffnungszeiten  des Denkendorfer CAP-Markts sind montags bis freitags von 8 bis 20 Uhr und samstags von 8 bis  18 Uhr. Die Kunden erwartet  ein umfangreiches Lebensmittelvollsortiment mit vielen Frischwaren. CAP wird von Edeka beliefert, führt auch „Gut & Günstig“-Artikel und regionale Produkte. Zum Service gehören begleitetes Einkaufen für gehbehinderte und ältere Menschen, telefonische  Warenbestellung und auf Wunsch ein kostenloser Lieferservice nach Hause ab einem Warenwert von 30 Euro.

Im Markt arbeiten zwölf  Personen, 40 Prozent sind Menschen mit Handicap.  CAP  bildet Verkäuferinnen und Verkäufer aus. Der Markt zieht in die Räume, die zuvor ein Treff-3000-Markt von Edeka Südwest  genutzt hatte. Die Gemeinde hat sich nach dem Wegzug von Treff 3000 im Juli des vergangenen Jahres um einen Nachfolger bemüht, um die wohnortnahe Versorgung mit Lebensmitteln  im oberen Teil  Denkendorfs zu sichern.

Derweil schaut man in Neuhausen neidisch nach  Denkendorf. In der Marktstraße 11  in Neuhausen  steht  das Ladenlokal für den einst geplanten Lebensmittel-Markt   weiter leer. Der Gemeinderat hatte zwar  beschlossen, den dortigen CAP-Markt mit einer Investitionssumme von 300 000 Euro zu unterstützen, dennoch sprang  der Betreiber, der Reha-Verein,  ab. Mit der SBR gGmbH  wurde daraufhin eigentlich ein neuer Betreiber für einen Bonus-Markt gefunden. Allerdings hat sich auch dieser nach kurzer Zeit zurückgezogen, als klar wurde, dass die Immobilie  umfassend saniert werden muss und mit dem Vermieter keine Einigung erzielt wurde.    Derzeit wird saniert. Wie lange dies  dauern wird,  sei der Verwaltung nicht bekannt, so Elke Eberle von der Pressestelle der Gemeinde. 

 Auf Vermieterseite wurde ein Gewerbemakler  beauftragt, Nutzungsmöglichkeiten zu eruieren und einen Nachmieter für das Objekt zu finden. Die Gemeinde dürfe  gerne Vorschläge für eine Folgenutzung machen, sei aber selbst in der Verantwortung, dann auch einen entsprechenden Nutzer dafür zu finden, heißt es weiter.   Vermieterseite und Verwaltung seien   in positiven Gesprächen. In der Verwaltung geht man  jedoch davon aus, dass im Jahr 2020 keine finanziellen Mittel  für einen Laden benötigt werden.  bob / Foto: bob


„In Gegensätzen leben“

Stadtmuseum Nürtingen zeigt Ausstellung „Friedrich Hölderlin. Die letzte Nürtinger Zeit“

Die Stadt Nürtingen hatte geplant, den 250. Geburtstag des Dichters Friedrich Hölderlin mit einem Veranstaltungsreigen über das gesamte Jahr hinweg zu feiern. Die strikten Beschränkungen des öffentlichen und damit auch des kulturellen Lebens haben das Vorhaben jedoch jäh gestoppt. Im Nürtinger Stadtmuseum kann nun zumindest die Sonderausstellung „Friedrich Hölderlin. Die letzte Nürtinger Zeit“ besucht werden.

Friedrich Hölderlin verbrachte einen Großteil seiner Kindheit und Jugend, aber auch drei Jahre seines Erwachsenenlebens in Nürtingen. Die Veranstaltungsreihe anlässlich seines 250. Geburtstags musste allerdings kurz nach dem Auftakt vorläufig gestoppt werden. „Das ist bedauerlich, da Kultur von der analogen Begegnung lebt“, sagt Nürtingens Kulturamtsleiterin Susanne Ackermann. Dass nun Museen wieder besucht werden können, sei daher hoch zu schätzen, zumal die aktuelle Ausstellung „Friedrich Hölderlin. Die letzte Nürtinger Zeit“ seine vielleicht wichtigste Schaffensperiode beleuchte.

Die Ausstellung zeigt Aspekte des Lebens, der Arbeit und der fortschreitenden Zerrüttung Hölderlins zwischen den Jahren 1801 und 1804, der Zeit, in der sich Hölderlin „auf dem Höhepunkt seines Schaffens“ bewegte, wie  Museumsleiterin Angela Wagner-Gnan sagt.

Die Schau präsentiert auf großen, wenngleich recht textlastigen Tafeln einen zwischen vielen Widersprüchen zerrissenen jungen Dichter. Literarisch ambitioniert und ökonomisch erfolglos leidet und zerbricht Hölderlin am Spannungsverhältnis zwischen seinem Lebensentwurf als exaltiertem intellektuellen Bohemien und den gesellschaftlichen Konventionen jener Zeit.

Überspanntes Genie

So werde das „Missverhältnis zwischen überspanntem Genie und der Enge der pietistischen Kleinstadt mit hoher sozialer Kontrolle“ deutlich, erläutert Wagner-Gnan. „Die Ausstellung zeigt das Moderne an Hölderlin: In Gegensätzen denken und in Gegensätzen leben, eine moderne Dialektik.“

Dies erschließt sich auch aus der Schautafel, die Hölderlins Liebesbeziehung mit der verheirateten Susette Godard beschreibt. Diese Beziehung verschärft auch die problematische Spannung zwischen ihm und  seiner Mutter, deren pietistisches Weltbild damit unvereinbar ist.

Nürtingens Stadtarchivar Reinhard Tietzen sieht darin auch einen weiteren  Widerspruch. „Der Aspekt der Heimat ist noch wenig beleuchtet. Es ist aber weniger die Stadt als vielmehr die Familie, die ihm Halt versprach“, beschreibt Tietze. In der Familie freilich erfährt Hölderlin nur noch Befremden, während er sich in der Stadt „dem Pöbel exponiert“ sieht.

Phase emsiger Arbeit

So illustriert die Ausstellung eine Phase emsiger Arbeit Hölderlins bei fortschreitendem psychischem Verfall. Er übersetzt das Werk „Antigone“ des griechischen Dramatikers Sophokles und bearbeitet seine „Nachtgesänge“, die im sogenannten „Homburger Folioheft“ niedergelegt sind und schafft damit laut Wagner-Gnan ein „poetisches Gesamtwerk“, das aber auch ein „letztes Aufbäumen seiner dichterischen Kraft“ darstelle.   pst / Foto: pst

Info: „Friedrich Hölderlin. Die letzte Nürtinger Zeit“; Stadtmuseum Nürtingen, Öffnungszeiten der Ausstellung: dienstags, mittwochs und samstags 14.30 bis 17 Uhr, sonntags 11 bis 18 Uhr; mehr unter www.stadtmuseum- nuertingen.de


Abgestimmt

Der Bußgeldkatalog für den Straßenverkehr wurde verschärft. Nach Kritik wird überlegt, Strafen für zu schnelles Fahren zu entschärfen. Geht  der Bußgeldkatalog zu weit?

Foto: dpa

Zu scharf?

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Millionen für die Brückensubstanz

Plochinger Verkehrsachse wird saniert – Baustart im Sommer oder Herbst

Die Brücken von der B 10 zur Karlstraße sind der Plochinger „Haupteingang“. Hier fließt ein Großteil des Verkehrs in Richtung Innenstadt. Nach der Sanierung des ersten, kleineren Abschnitts vor vier Jahren stehen nun weitere Arbeiten an. Dabei sollen aber immer eine Fahrspur für Autos und eine Fahrradspur befahrbar bleiben.

Genaugenommen fährt man zwischen Plochingen und der Kurve Richtung Deizisau über drei Brücken. Der südlichste Teil wurde von Bund und Land bereits 2016 saniert. Für die aktuellen Arbeiten ist die Stadt Plochingen zuständig. Sie betreffen sowohl die 120 Meter lange Otto-Konz-Brücke über den Neckar und den Hafen als auch die „Verlängerte Hafenbrücke“, also das rund 150 Meter lange Stück über die Bahnschienen bis zum Kreisverkehr. Darüber hinaus soll auch die Rampe zum Nordkai des Hafens ausgebessert werden.

Beton- und Fahrbahnschäden

Nachdem bei einer turnusmäßigen Prüfung verschiedene Schäden an Verschleißteilen festgestellt wurden, hat man die Brücken genauer untersucht. Das Fazit, dass „die Grundsubstanz gut erhalten ist“, so Joachim Kohler vom Tiefbauamt der Stadt, klingt erfreulich. Damit das so bleibt, müssen aber die vorliegenden Schäden an der Fahrbahn und den Übergängen sowie teilweise am Beton behoben werden.

Die Stadt kommt dabei dennoch mit einem blauen Auge davon, denn Betonsanierungen unterhalb der Abdichtung sind noch nicht erforderlich. Sie wären weitaus kostenintensiver als die 4,9 Millionen Euro, die jetzt angesetzt sind. Davon können 1,8 Millionen Euro mit einem Landeszuschuss gedeckt werden. Im vergangenen Jahr hat die Stadt den Bewilligungsbescheid aus dem Programm „Kommunaler Sanierungsfonds Brücken“ erhalten.

Im Januar hat der Gemeinderat nun den Baubeschluss gefasst. Somit wird diese Investition weiter vorangetrieben. Andere Baumaßnahmen, die zwar im Haushalt stehen, bei denen aber der Baubeschluss noch aussteht, sind vorerst aufgrund der Corona-Krise  auf Eis gelegt. Denn wenn die Konjunktur einbricht, brechen auch die Steuereinnahmen der Kommunen ein und das Geld wird knapp.

Die Arbeiten an den Brücken sollen demnächst ausgeschrieben werden und nach der Vergabe zügig – im Sommer oder Herbst – starten. Konkret geht es darum, die Fahrbahnen instandzusetzen, den Oberflächenschutz und die Entwässerung zu verbessern, das Geländer zu erhöhen, die Beleuchtung auf LED umzustellen, Maßnahmen zum Korrosionsschutz und zur Betonsanierung vorzunehmen sowie Leerrohre fürs Breitbandnetz zu verlegen.

Die Stadt und das mit der Planung beauftragte Ingenieurbüro MSing rechnen mit 18 Monaten Bauzeit. Währenddessen soll durchgehend eine Fahrspur in Richtung Innenstadt bestehen bleiben. Das ist auch wegen des Schwerlastverkehrs in Richtung Hafen wichtig. Der müsste sonst bereits an der Querspange Reichenbach beziehungsweise in Wernau die Bundesstraßen verlassen und den Weg über die Plochinger Innenstadt nehmen, verbunden mit zusätzlichen Belastungen fürs Zentrum.

Mit Stau ist zu rechnen

Staus und Behinderungen dürften während der Bauzeit kaum ausbleiben. Wenn eine Seite der Brücken saniert ist, will man die Fahrbahn verlegen und auf der anderen Seite weitermachen. Aus der Stadt heraus sollen Autofahrer auf einer der anderen Routen geführt werden. Erfahrungsgemäß finde man den Weg aus Städten heraus leichter als in sie hinein, sagt Benjamin Treiber, der in der Plochinger Verwaltung für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Umleitungen würden natürlich trotzdem ausgeschildert.  aia / Foto: aia


„Nachhaltig lebenswert“

Busse mit Elektro-Hybrid-Technik auf drei Esslinger Linien – Ausbau  geplant – 40 Kilometer Laufleistung mit Batterie

Seit Ende April sind sie auf den Straßen Esslingens unterwegs: Die neuen Elektro-Hybrid-Busse des Städtischen Verkehrsbetriebs Esslingen (SVE). Die Oberleitungsbusse sind Teil der Strategie, die Elektromobilität im Esslinger Busverkehr zu stärken. Die Stadt, die Stadtwerke Esslingen (SWE) sowie der SVE haben die Neuen mit den Esslinger  Motiven kürzlich vorgestellt.

Die drei neuen Fahrzeuge der Marke „Solaris Trollino 18“ sind Gelenkbusse mit niedrigem Einstieg. Mitfahren können – zumindest in normalen Zeiten – auf je 45 Sitz- und 66 Stehplätzen bis zu 111 Fahrgäste. Andreas Clemens, kaufmännischer Werkleiter der SVE, ist stolz auf seine Flotte und betont den Komfort für die Fahrgäste: „Die Gelenkbusse haben einen niedrigen Einstieg. Sie sind klimatisiert, leise und mit WLAN ausgestattet.“ Die 25 Tonnen schweren Busse sind mit einem Oberleitungssystem ausgestattet, können  jedoch auch mit Batterie fahren. Vier Batterieblöcke sitzen hinten im Bus, dort wo bei herkömmlichen Bussen der Dieselmotor zu finden ist. Johannes Müller, der Technische Werkleiter des SVE, erklärt, dass darüber Antriebsstrom für bis zu 40 Kilometer bereit gehalten wird. Auch lädt sich die Batterie beim Bergabfahren unter der Oberleitung auf, Bremsenergie wird in Strom umgewandelt. Außergewöhnlich ist auch das Innere der Busse. Ganz neu für die Fahrgäste ist die Darstellung der Energieströme im Fahrzeug auf zwei separaten Monitoren. Auf ihnen wird gezeigt, wie viel Batterieleistung aktuell noch vorhanden ist, ob der Fahrstrom aus der Oberleitung kommt oder der Omnibus auf Batteriebetrieb fährt.

Insgesamt sind mittlerweile zehn Elektro-Hybridbusse auf Esslingens Straßen  unterwegs, und zwar auf den Linien 101, 113 und 118. „Die neuen Busse verstärken die bereits bestehende Elektro-Hybrid-Flotte und ersetzen die bisherigen O-Busse. Sie sind Teil unserer Strategie, den elektrisch gefahrenen Anteil im Busverkehr in den nächsten vier Jahren zu verdreifachen“, sagt Esslingens für den Nahverkehr  zuständiger Bürgermeister Ingo Rust. Den Strom für die Busse liefern die SWE, und dieser stammt aus regenerativer Erzeugung. SWE-Geschäftsführer Jörg Zou weist darauf hin, dass seit  Jahren sämtliche O-Busse in Esslingen  mit Ökostrom der SWE  unterwegs sind.

Rein äußerlich sind die Busse ebenfalls Hingucker: Sie sind mit Esslinger Ansichten  designt, die der  Esslinger Illustrator Florian Bayer im Auftrag der SWE gestaltet hat. Zu sehen sind Motive aus Esslingen wie das Alte Rathaus, die Burg und die Neckarkanäle samt den Menschen, die dort leben. „Nachhaltig lebenswert“ lautet das Motto der Motive, die  die lebens- und liebenswerten Seiten  Esslingens zeigen sollen. Nachhaltige Mobilität spielt dabei ebenso eine Rolle wie bewusster Konsum und umweltfreundliche Stromerzeugung: So ist ein Vater mit seinen Kindern mit E-Lastenrad unterwegs, eine Familie geht auf dem Wochenmarkt einkaufen. Auf den Dächern der Neuen Weststadt sind viele Fotovoltaikanlagen zu erkennen.

Ingo Rust erläutert, dass  das Oberleitungssystem in Esslingen weiter  ausgebaut werden soll. Begonnen wird mit dem Altstadtring bis zum Hirschlandkopf sowie in der  Pliensauvorstadt.  Bis in fünf Jahren soll dann der Esslinger Busverkehr komplett elektrisch laufen – „als erster in Deutschland“, sagt Rust. Schon jetzt könnte der Bus nach Obertürkheim dank seiner Batteriekapazität bis Untertürkheim weiterfahren, darüber werde gerade verhandelt. Die Oberleitung reicht nur bis Obertürkheim. 

Florian Bayer ist gebürtiger Esslinger und   arbeitet seit 2007 als freischaffender, preisgekrönter Illustrator und doziert an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Würzburg. Er  arbeitet für das„Süddeutsche Zeitung Magazin“, „Die Zeit“, „Der Spiegel“ und weitere Magazine und Zeitungen aus dem In- und Ausland.  red/bob / Foto: Tom Weller


Kulturgeschichte zum Anfassen

Freilichtmuseum Beuren vor 25 Jahren eröffnet – Dörflicher Alltag in vergangenen Zeiten

Am 12. Mai 1995 wurde das Freilichtmuseum des Landkreises Esslingen in Beuren  als siebtes regionales ländliches Freilichtmuseum in Baden-Württemberg eröffnet. Aus dem Ensemble von anfänglich acht historischen Häusern hat sich in den vergangenen 25 Jahren ein kleines Dorf mit 25 Gebäuden entwickelt, in dem die ländliche Alltagskultur vergangener Jahrhunderte erfahrbar wird.

Die 25 Gebäude des   Museumsdorfs stammen aus verschiedenen Ortschaften der Region, wo sie, teilweise vernachlässigt oder baufällig, vom Abbruch bedroht waren. Für ihre Umsetzung wurden sie in ihre Einzelteile zerlegt und zunächst denkmalgerecht aufgearbeitet. Erst nach ihrem Wiederaufbau in Beuren zeigte sich dem Laien der historische  Wert der Häuser. Die Gebäude stammen aus verschiedenen Jahrhunderten und spiegeln so diverse architektonische und bauhistorische Perioden zwischen dem Spätmittelalter und dem 19. Jahrhundert wieder. Dazu zeigen sie auch die Vielfalt und funktionalen Unterschiede der Bauten in einem Dorf in der Vergangenheit. So finden sich im Freilichtmuseum die Häuser von vermögenden Bauern ebenso wie die ärmlichen Unterkünfte der Tagelöhner und Kleinbauern, Scheunen, Ställe, Werkstätten und ein Backhaus, aber auch ein Tante-Emma-Laden, ein Fotoatelier und als jüngster Zuwachs der Tanzsaal einer ehemaligen Gaststätte.

Das Alltagsleben der früheren Bewohner und Nutzer einiger Gebäude wird durch zeittypische Möbel, Einrichtungen und Gebrauchsgegenstände illustriert. Das Bild vom dörflichen Leben früherer Zeiten wird zudem durch Gärten, Wiesengrundstücke und auch einige Tiere wie Schafe oder Hühner abgerundet.

Damit die Kulturgeschichte des ländlichen Alltags für die mehr als 70 000 Besucher pro Saison fassbar wird, nimmt das Freilichtmuseum darüber hinaus einen  pädagogischen Auftrag wahr. Mit der Unterstützung Ehrenamtlicher aus dem Museums-Förderverein werden mehr als 400 Führungen für Gruppen, Schulklassen und Familien durchgeführt. Bei Thementagen werden einzelne Aspekte des dörflichen Lebens etwa durch handwerkliche Vorführungen, Kurse oder auch durch Backtage im Backhaus vertieft. Überdies kümmert sich das Freilichtmuseum um den Erhalt und die Pflege alter Obstsorten, früher im Albvorland typischen Gemüses und auch die Zucht einer alten und vom Aussterben bedrohten Hühnerrasse.

„Mit seinen begehbaren Originalgebäuden eingebettet in die Kulturlandschaft des Albtraufs, der attraktiven Aufbereitung regionaler ländlicher Alltagsgeschichte und einem ambitionierten Kulturprogramm ist das Freilichtmuseum einzigartig in der Region und genießt einen ausgezeichneten Ruf“, sagte Landrat Heinz Eininger anlässlich des 25. Geburtstags des Museumsdorfs, der aus Infektionsschutzgründen ohne Gäste gefeiert worden war.

Seit dem vergangenen Dienstag kann das Freilichtmuseum wieder besucht werden. Aufgrund der geltenden Abstands- und Kontaktbeschränkungen werden nicht alle Museumsgebäude zugänglich sein. Veranstaltungen dürfen derzeit nicht durchgeführt werden. Geöffnet wird dienstags bis sonntags, jeweils von 11 Uhr bis 18 Uhr.  pst / Foto: Landkreis Esslingen

Info: Freilichtmuseum Beuren, Auskünfte über Angebote oder die Museumsgastronomie unter Telefon 0 70 25/9 11 90-90 (www.freilichtmuseum-beuren.de). =b


Abgestimmt

Corona drohte den Deutschen den Urlaub komplett zu verhageln. Nun scheinen Sommer-Reisen zumindest innerhalb Europas möglich. Haben Sie wieder Hoffnung, verreisen zu können?

Foto: dpa

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