Kein Lockdown für die Gesundheit

Kampagne der Krankenhäuser und Ärzte  im Kreis Esslingen: Patienten sollen Behandlungen nicht aufschieben

Die Coronakrise hat viele Menschen davon abgehalten, Kliniken oder Arztpraxen aufzusuchen – aus Angst vor einer möglichen Ansteckung oder auch aus Rücksichtnahme  auf überlastetes  medizinisches Personal. Die Folge davon sind unbehandelte oder zu spät behandelte Erkrankungen und nicht wahrgenommene Vorsorgetermine. Diesem – insbesondere für die Patienten – gefährlichen Trend  wollen Ärzte und Kliniken im Landkreis Esslingen mit einer gemeinschaftlichen  Sensibilisierungskampagne  entgegen treten.

Mit Zeitungsanzeigen, Großflächenplakaten und Kampagnen in den Social-Media-Kanälen möchten die Initiatoren der Medius-Kliniken in Kirchheim, Nürtingen und Ostfildern-Ruit, dem Klinikum Esslingen und der Kreisärzteschaft  die Menschen dahingehend sensibilisieren, die eigene  Gesundheit nicht in den Lockdown zu schicken, wie es auf einem der Plakate heißt. Zugleich soll den Menschen versichert werden, dass die Kliniken und Praxen sicher sind. „Bei uns ist die Ansteckungsgefahr deutlich  geringer als etwa in der S-Bahn, im Fußballstadion oder bei einer Geburtstagsfeier“, betont Matthias Ziegler, der Geschäftsführer des Klinikums Esslingen.

Sein Kollege Sebastian Grupp, der  Geschäftsführer der Medius-Kliniken, springt ihm bei: „Bei uns in den Klinken herrscht Herdenimmunität, bei der hohen Impfrate, die wir haben.“ Der Nürtinger Mediziner Wolf-Peter Miehre berichtet von seinen Erfahrungen mit Patienten, die ihre Behandlung aufgeschoben haben. Da habe ein Infarktpatient drei Tage abgewartet, bevor er sich behandeln ließ: Er müsse nun mit einer Narbe  am Herzgewebe leben. Eine weitere Patientin hatte Probleme mit der Hüfte. Anstatt den Arzt aufzusuchen, schluckte sie viele starke Schmerztabletten, bis sie einen Magendurchbruch erlitt.

Folgenreich sind auch verschleppte Krebsdiagnosen. Stefan Krämer, der ärztliche Direktor und Chefarzt der Radiologie und Nuklearmedizin in Esslingen, beklagt: „Wir sehen jetzt Krankheiten, die so fortgeschritten sind, wie wir es noch nie gesehen haben, wie beispielsweise ein durchgebrochenes Mammakarzinom.“ Krämer und sein Kollege, Bodo Klump, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Tumormedizin an der Medius-Klinik in Ruit, weisen darauf hin, dass Krebs und viele andere Krankheiten keine Pause wegen Corona machen.

Das machen auch Studien deutlich: Die AOK stellt deutschlandweit einen Rückgang der Krebsdiagnosen um 20 Prozent fest –  als Folge von nicht wahrgenommenen Untersuchungen. Ebenso wurden im Jahr 2020 hunderttausende Vorsorgeuntersuchungen in Deutschland abgesagt. Laut der DAK ist dadurch  ein Rückgang der Krebsvorsorge bis September 2020 um 17 Prozent zu verzeichnen. Auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die Zahlen eindrücklich: Schlaganfälle und Herzinfarkte wurden um 19 beziehungsweise um 31 Prozent weniger stationär behandelt. Klump zitiert eine britische Studie, nach der künftig 15 Prozent mehr Tote durch Darmkrebs zu befürchten seien, da  wirksame Früherkennungsuntersuchungen nicht wahrgenommen worden sind.

Die  Mediziner betonen, dass die Zustände in den Krankenhäusern nicht zu vergleichen seien mit temporären Zuständen während der ersten und der zweiten Welle. „Es gibt keinen Grund, eine notwendige Behandlung oder eine Vorsorgeuntersuchung auszulassen“, sagt Matthias Ziegler. Die Mediziner schauen auch ziemlich gelassen in die Zukunft: Derzeit liegen keine Corona-Patienten auf den Stationen, und für kommende eventuelle Verschärfungen sei man gut vorbereitet.  bob  / Foto: Ines Rudel


Die Reihen haben sich gelichtet

Bei der OB-Wahl in Esslingen läuft es auf einen Zweikampf Töpfer gegen Klopfer hinaus – Auch Letzing macht weiter

Die erste Runde der Esslinger Oberbürgermeisterwahl ist gelaufen – und mittlerweile haben sich die Reihen gelichtet: Der parteilose Bewerber Gebhard Mehrle hatte schon kurz nach Auszählung der Stimmen am 11. Juli erklärt, dass er im zweiten Wahlgang am 25. Juli nicht mehr antreten werde. Tags darauf hatte Vittorio Lazaridis (Grüne) seine Kandidatur zurückgezogen, nachdem sein Ergebnis deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben war. Wiederum einen Tag später hat Martin Auerbach (Linke) seinen Rückzug erklärt. Damit hat sich das Bewerberfeld von sechs auf drei Namen reduziert: Neben Daniel Töpfer  und Matthias Klopfer, die sich im ersten Wahlgang ein  Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert hatten, macht auch Gabriela Letzing weiter.

Die beiden Erstplatzierten des ersten Wahlgangs haben sich in den vergangenen Tagen gemeinsam mit ihren Unterstützern nochmals mächtig ins Zeug gelegt, um das Rennen für sich zu entscheiden. Während Daniel Töpfer von Anfang an die Unterstützung von CDU, Freien Wählern und FDP hatte, darf SPD-Kandidat Matthias Klopfer nun mit zusätzlichem Rückenwind rechnen, nachdem Vittorio Lazaridis zurückgezogen hatte und die Grünen erkennen ließen, dass sie inhaltlich mit Klopfer und seinem Wahlprogramm die größte Schnittmenge sehen. Auch Gebhard Mehrle, der am 11. Juli mit fast zehn Prozent der Stimmen einen Achtungserfolg erzielt hatte, hat sich mittlerweile positioniert. Der parteilose Bewerber spricht davon, dass sich die beiden führenden Kandidaten in den zurückliegenden Wochen als faire und freundliche Gesprächspartner erwiesen hätten. Aufgrund seiner Erkenntnisse und persönlichen Erfahrungen im Wahlkampf empfehle er im zweiten Wahlgang aber die Wahl von Matthias Klopfer: „In den zentralen Bereichen hat er das klarere Angebot an uns“, begründet Mehrle seine Entscheidung.

Mit 1,9 Prozent der Stimmen war Gabriela Letzing im ersten Wahlgang nur Platz sechs geblieben. Die parteilose Bewerberin war mit unkonventionellen Positionen im Wahlkampf angetreten. Ihre zentrale Botschaft – „Wollen wir nicht alle gut und in Frieden, Harmonie und Liebe leben?“ – möchte  Letzing nun auch in den zweiten Wahlgang tragen. „Ich mache weiter, schließlich habe ich nichts zu verlieren“, erklärt sie.

Eine gewisse Enttäuschung konnte Martin Auerbach (4,2 Prozent der Stimmen) am Abend des ersten Wahlgangs nicht verbergen:  Der OB-Kandidat der Linken hatte auf seine Erfahrung als Gemeinderat, auf lokale Detailkenntnis und auf pointierte Kommentare gesetzt. Seine Kandidatur habe sich aber  gelohnt: „Unser Ziel war es, im OB-Wahlkampf möglichst viele linke Themen zu positionieren.“ Eine Empfehlung für einen anderen Bewerber mochte Auerbach nicht abgeben.   adi/ch / Foto: Roberto Bulgrin


Kindergarten in der Alten Schule

Bis zur Fertigstellung sollen neben der ehemaligen neuapostolischen Kirche in Altbach Container aufgestellt werden

Der Bedarf an Betreuungsplätzen wächst. In Altbach soll deshalb ein neuer Kindergarten in der Alten Schule eröffnet werden. Für den Umbau des Schulhauses an der Ecke Hof- und Schillerstraße möchte die Gemeinde mehr als vier Millionen Euro in die Hand nehmen. Der Gemeinderat gab während seiner jüngsten Sitzung grünes Licht für das Vorhaben. Nun werden die Vergaben für die Architektenleistungen vorbereitet. „Wir sind ganz am Anfang des Prozesses“, betonte der Ortsbaumeister Jens Korff. Bis der neue Kindergarten bezugsfertig ist, könnte es noch   drei Jahre dauern.

Die neuen Kinderbetreuungsplätze werden allerdings schon früher benötigt. Deshalb soll ein zweigruppiger Kindergarten in Containerbauweise auf dem gemeindeeigenen Grundstück neben der ehemaligen neuapostolischen Kirche an der Esslinger Straße im Osten Altbachs gebaut werden. Ab März 2022 sollen die neuen Kindergartenplätze dort zur Verfügung stehen.

Die Interimslösung soll für etwa 2,5 Jahre bestehen. Vorgesehen ist ein einstöckiger Bau aus gemieteten Containern mit Gruppen und Nebenräumen, Sanitärbereich und Küche. Ebenfalls in der Containeranlage sollen ein Büro für die Kindergartenleitung, ein Elternsprechzimmer, Garderoben, ein behindertengerechtes WC und ein Putzraum eingerichtet werden.

Das ehemalige Kirchengebäude soll bei Bedarf genutzt werden. Dort sollen die bestehenden Toiletten saniert und ein Materialraum eingerichtet werden. Außerdem sollen dort ein Pausen- und Besprechungsraum, ein Personalbüro und eine Teeküche zur Verfügung stehen. Die Kosten für den Interimskindergarten beziffert die Gemeinde auf 955 500 Euro. Einen großen Teil davon kostet allein die Miete der Container, nämlich 430 000 Euro.

Dass nun ein Interimskindergarten eingerichtet werden muss, liegt laut Gemeindeverwaltung an der langen Suche nach einem geeigneten Standort für einen neuen Kindergarten. Eine Überraschung waren die zu betreuenden Kinder nicht. Die Gemeindeverwaltung hätte gerne bereits Anfang 2020 eine Machbarkeitsstudie für die Alte Schule in Auftrag gegeben, dafür im Gemeinderat aber keine Mehrheit gefunden, erklärt der Bürgermeister Martin Funk. Die Mehrheit des Gemeinderates wollte zunächst nach freien Grundstücken für einen Neubau suchen. Diese Suche sei aber bislang nicht erfolgreich verlaufen.

Nun soll für den neuen Kindergarten die Alte Schule umgebaut werden, und sie soll einen Anbau bekommen. Derzeit wird das Gebäude unter anderem als Lager für die Feuerwehr genutzt. Auch das DRK hat dort derzeit  einen Vereinsraum, die VHS nutzt ebenfalls einige Räume. Nach dem Umbau soll der Kindergarten  drei Gruppen aufnehmen können.

Ob der neue Kindergarten nun tatsächlich in der Alten Schule eingerichtet wird, dahinter machte  Funk während der jüngsten Sitzung des Gemeinderates allerdings trotz des nun gefassten Beschlusses noch ein Fragezeichen. Es gebe noch laufende Grundstücksverhandlungen, sagte er. Falls diese erfolgreich verlaufen sollten, könne wieder über einen Neubau nachgedacht werden.

Wie die Gesamtkosten von mehr als fünf Millionen Euro für den Interimskindergarten plus Umbau der Alten Schule in den kommenden Jahren gestemmt werden könnten, dazu machte die Gemeindeverwaltung einige Vorschläge. Demnach könnte sich die Finanzierung durch drei Bausteine zusammensetzen: Einmal könnte ein Darlehen über einen bestehenden Bausparvertrag beantragt werden. Hinzu könnte ein Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) kommen. Und zuletzt könnte die Gemeinde noch in den Genuss eines KfW-Zuschusses kommen.

Die nötigen Darlehen könnten nach der Fertigstellung des Kindergartens zumindest teilweise durch den Erlös des Verkaufs des Grundstücks der ehemaligen neuapostolischen Kirche wieder getilgt werden.  Was in Zukunft auf dem Kirchengelände geschehen soll, wird der Gemeinderat zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden.  bra / Foto: Philipp Braitinger


Abgestimmt

Mehr Infektionen, geringere Impfbereitschaft: eine Impfpflicht zumindest für einzelne Berufsgruppen kommt ins Spiel. Richtig so?

Foto: dpa

Impfpflicht?

Ergebnis

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OB-Wahl ohne Entscheidung

Töpfer gewinnt in Esslingen die erste Runde knapp vor Klopfer – Lazaridis zieht zurück – Zweiter Wahlgang am 25. Juli

Bei  der Oberbürgermeisterwahl in Esslingen konnte sich in der ersten Runde am vergangenen Sonntag  niemand durchsetzen. Es hätte einer absoluten Mehrheit bedurft, doch der Wahlsieger der ersten Runde, Daniel Töpfer, erreichte mit 31,8    Prozent der Stimmen nicht diese Mehrheit. Er wird von einem Bündnis aus Freien Wählern, CDU und FDP unterstützt. Knapp dahinter landete mit 30,7 Prozent der Stimmen Matthias Klopfer, der für die SPD antrat. Vittorio Lazaridis (Grüne) konnte 21,6  Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Der enttäuschte Lazaridis kündigte dann am Montag an, dass er zum zweiten Wahlgang am 25. Juli nicht mehr antreten werde. Er sei gestartet, um zu gewinnen. Da er hierfür keine Chancen mehr sehe, ziehe er seine Kandidatur zurück.

Einen Achtungserfolg errang der unabhängige Kandidat Gebhard Mehrle mit 9,8 Prozent. Der Kandidat der Linken, Martin Auerbach, kam auf 4,2 Prozent, die unabhängige Kandidatin Gabriela Letzing schaffte 1,9  Prozent. Insgesamt waren etwa 70 000  Wahlberechtigte aufgerufen, abzustimmen. Die Wahlbeteiligung lag mit 41,2  Prozent eher niedrig. Beim zweiten Wahlgang am 25. Juli reicht dem Sieger eine einfache Mehrheit.

Die beiden Erstplatzierten Töpfer und Klopfer zeigten sich zufrieden und erklärten, auch in der zweiten Runde antreten zu wollen. Lazaridis und die Esslinger Grünen machten nach dem eigenen Rückzug zumindest indirekte Wahlwerbung für SPD-Bewerber Klopfer. Mit ihm und seinem Wahlprogramm gebe es die größte inhaltliche Schnittmenge, sagte Carmen Tittel. Die Grünen-Fraktionssprecherin im Esslinger Gemeinderat erkennt eine „starke ökosoziale Mehrheit“. 

„Sehr zufrieden“ äußerte sich Mehrle, der im zweiten Wahlgang ebenfalls nicht mehr antreten wird. Eine angekündigte Wahlempfehlung hatte Mehrle  bis Redaktionsschluss noch nicht abgegeben.

Töpfer  sieht in dem Ergebnis ein klares Signal in Richtung Aufbruch. „Ein großer Teil der Esslinger will kein ‚Weiter so’.“ Das Ergebnis sei für ihn ein klarer Auftrag, nun mit Vollgas weiter zu machen, um in zwei Wochen den Sieg davonzutragen, sagte der 32-Jährige, der seit 2014 Bürgermeister in Weissach (Kreis Böblingen) ist und sich dort einen Ruf als „Aufräumer“ erarbeitet hat. Das bürgerliche Lager  verspricht sich von dem dynamisch-forschen Jungpolitiker mehr Bewegung in dem von vielen als wenig bürgernah empfundenen  Verwaltungsapparat.

„Ich mache keine Jubelsprünge, aber das Ergebnis ist okay“, sagte  Klopfer am Abend des Wahl-Sonntags. „Da ist noch viel drin“, erklärte er  mit Blick auf den  zweiten Wahlgang. Der amtierende Oberbürgermeister von Schorndorf, der in der Daimler-Stadt viele Erfolge vorzuweisen hat, hatte als Erster seinen Hut in den Ring geworfen.   Die Strategie seines Wahlkampfteams, vor allem auf seine 15-jährige Erfahrung als  Rathauschef und seine Vernetzung in der Regionalpolitik zu setzen, scheint nur bedingt aufgegangen zu sein. Vermutlich auch deshalb, weil er für viele dem Noch-OB zu nahe steht.

Mehrle, der 51-jährige Jurist, der mit Kommunalpolitik bislang nichts am Hut hatte, konnte mit Sachverstand und   Unabhängigkeit manchen Kritiker überzeugen. „Ein zweistelliges Ergebnis wäre klasse gewesen“, sagte er. Doch auch so „kann ich mich blicken lassen“.  Mehrle will der Kommunalpolitik nun treu bleiben. Mit mehr als seinen 4,2  Prozent hatte   Auerbach nicht rechnen können. Der 44-jährige Linke sammelte mit  seiner direkten Art Sympathiepunkte. Dass die Wenigsten bei  Gabriela Letzing (55, parteilos) ihr Kreuzchen machten, verwundert nicht. Ihre Vorstellungen wurden von vielen als zu  wolkig wahrgenommen. Auerbach und Letzing hatten sich bis Redaktionsschluss noch nicht entschieden, ob sie nochmals antreten.

Notwendig geworden war die Wahl in Esslingen, weil der jetzige OB Jürgen Zieger (SPD) im März seinen Abschied verkündet hatte. Seine Amtszeit endet am 30. September mit seiner Versetzung in den Ruhestand. Zieger stand   23 Jahre lang an der Spitze des Esslinger Rathauses.  jmf/hf / Foto: Roberto Bulgrin


Kunst, Krimis und Konzerte

Stadt Nürtingen stellt ein vielfältiges Kulturprogramm vor – Planungen unter Pandemie-Bedingungen

Die Kulturszene der Stadt Nürtingen geht wieder an den Start. Trotz der Einschränkungen und sehr vielen Unwägbarkeiten durch die Corona-Pandemie hat das Kulturamt der Stadt Nürtingen in den vergangenen Monaten ein vielfältiges und anspruchsvolles Kulturprogramm mit Theater und Ausstellungen, Krimizeit und Musiknacht, Meisterkonzerten und den Kinder- und Jugendkulturwochen ausgearbeitet.

„Wir sind froh, dass die lange Zwangspause langsam zu Ende geht. Sowohl beim Publikum wie auch bei den Künstlern ist ein wahrer Hunger nach Kultur spürbar“, sagte die Nürtinger Kulturamtsleiterin Susanne Ackermann kürzlich bei der Vorstellung des Kulturprogramms der Stadt. Hinter den Kulissen hatten Ackermann und ihre Mitarbeiter lange geplant, Programme und Engagements ausgetüftelt und immer wieder aufgrund veränderter Bedingungen verschieben müssen. „Es war eine große Kraftanstrengung für alle Beteiligten“, sagte Ackermann.

Die Hoffnungen auf einen Neustart des Kulturlebens haben sich dank der sinkenden Inzidenzzahlen nun erfüllt. In den kommenden Wochen und Monaten wird die Reihe Meisterkonzerte ebenso wieder aufgenommen wie die Kunstausstellungen in der Kreuzkirche, auch die Kinder- und Jugendkultur-Wochen sollen wieder laufen, Gastspiele hochkarätiger Theaterensembles, die Nürtinger Krimizeit, die Musiknacht und nicht zuletzt einige bereits verschobene Programmpunkte zum Hölderlin-Jahr sind geplant.

Die Theatersaison bietet sechs Vorstellungen und wird  am 18. Oktober mit einem Gastspiel der Württembergischen Landesbühne Esslingen und dem Klassiker „Antigone“ gestartet. Den Abschluss bildet im Mai 2022 „Unser Mann in Havanna“ nach Graham Greene mit der Badischen Landesbühne Bruchsal und kubanischer Live-Musik.  „Unsere Abonnenten sind uns treu geblieben, das ist ein gutes Zeichen für die Wertschätzung, für unser Programm, und so freuen wir uns auf ein volles Haus“, berichtete Ackermann. Die Kinder- und Jugendkultur-Wochen werden vom 23. Oktober bis 7. November mit einem umfangreichen Programm laufen, für Kinder kommen überdies „Der Grüffelo“, eine Weihnachtsgeschichte und „Die kleine Hexe“ auf die Bühne.

Für die Meisterkonzert-Reihe hat das Kulturamt  preisgekrönte  Ensembles für fünf Konzerte verpflichtet.  Den Auftakt  bestreitet am 11. Oktober das Vokalensemble Octavians,   zum Abschluss gastiert im Frühjahr das Pablo Barragán Trio. Beim „Forum junger Künstler“ werden sich Nürtinger Nachwuchsmusiker präsentieren, die Musiknacht ist für den 14. Mai 2022 geplant. Im Frühjahr 2022 wird eine weitere Ausgabe der Nürtinger Krimizeit mit Lesungen, Konzerten und einem Krimispaziergang für kurzweilige Unterhaltung sorgen. In der Kreuzkirche sind mehrere Ausstellungen zeitgenössischer bildender Künstler vorgesehen.

„Wir gehen davon aus, dass wir alles wie geplant durchführen können. Aber wir planen die Veranstaltungen auch parallel unter Corona-Bedingungen. Doch wir hoffen, dass die breite Bevölkerungsmehrheit bald geimpft ist und uns die Infektionsszenarien nach der Fußball-EM und der Urlaubszeit nicht noch einholen“, sagte Ackermann.  pst / Foto: Mario Marzo

Info: Das vollständige Programm und aktuelle Regelungen werden unter www.nuertingen.de veröffentlicht.


Hohes Potenzial

Esslinger Kreistag lässt die Machbarkeit für einen Filder-Radschnellweg prüfen –  Bei Neckartalstrecke gibt es Probleme

Den staugeplagten Autofahrern im Filderraum winkt Entlastung – ausgerechnet durch die viel gescholtenen Radfahrer. Der geplante Bau einer Radschnellverbindung zwischen Kirchheim und Stuttgart hat die nächste Hürde genommen. Nachdem schon das Land Baden-Württemberg dem Korridor ein hohes Potenzial für eine Radautobahn bescheinigt hatte, hat vor Kurzem der Landkreis Esslingen nachgelegt. Der Ausschuss für Technik und Umwelt hat der Verwaltung grünes Licht für die Durchführung einer Machbarkeitsstudie gegeben.

Im Einzugsbereich der 20 Kilometer langen Strecke von der Stuttgarter Stadtgrenze  bis in die Innenstadt von Kirchheim  liegen nicht nur zahlreiche Bildungseinrichtungen, sondern auch eine Reihe von Gewerbegebieten und der Flughafen als einer der größten Arbeitgeber in der Region. Zusätzlichen Reiz gewinnt die Strecke, die für schnelles und kreuzungsfreies Radfahren ausgelegt ist, durch ihren Verlauf in Siedlungsnähe. Einen zusätzlichen Zugewinn an umweltfreundlicher Mobilität verspricht sich die Politik durch den Bau von Querspangen. Wenige Kilometer Radweg würden genügen, um die neue, über Wendlingen, Denkendorf und Ostfildern geführte Trasse einerseits mit dem Radschnellweg im Neckartal zu verbinden und andererseits den Anschluss an den Radschnellweg Stuttgart herzustellen.

Unter dem Strich gehen die Planer davon aus, dass jeden Tag rund 2300 Radfahrerinnen und Radfahrer die Schnellverbindung über die Filder nutzen könnten. Zum Vergleich: Die weiter fortgeschrittenen Planungen für den durch das Fils-und Neckartal führenden Radschnellweg beruhen derzeit auf der Annahme, dass dort ungefähr  2100 Nutzer täglich in die Pedale treten.

Schon in seiner Haushaltsrede vor dem Esslinger Kreistag hatte der Landrat Heinz Eininger (CDU) das Thema raus aus der Radlerecke und auf die politische Tagesordnung gelupft. „Ende nächsten Jahres wollen wir eine weitere Studie für eine durchgehende Radschnellverbindung von Kirchheim über Denkendorf nach Ostfildern angehen“, kündigte der Kreischef im vergangenen Herbst an. Dabei kann sich die Verwaltung jetzt des Rückenwinds aus dem Kreistag sicher sein. „Radfahren soll Alltag werden und nicht nur am Wochenende stattfinden“, unterstreicht die SPD-Sprecherin Angelika Matt-Heidecker. Was die zu erwartenden Diskussionen über die künftige Trassenführung anbelange, habe sie ein „leicht besseres Gefühl“ als beim derzeit diskutierten Radschnellweg durch das Neckartal. Zumindest der Einschätzung, dass die umweltfreundliche Fortbewegung auch den Alltag erobern solle, stimmte Günter Riemer (Freie Wähler) zu. Allerdings hat der bekennende Radfahrer auf der Testfahrt vom Fuße der Teck an den Flughafen noch viele Stolperstellen ausgemacht.  „Ampeln, Bordsteine, Schotter, Poller, Baustellen, verschmutzte Wege – das war kein Spaß“, fasste er die Tour zusammen. „Wenn wir sichere und durchgängige Wege anbieten, dann bringen wir 60 Prozent mehr Menschen aufs Rad“, verweist Riemer  auf einschlägige Untersuchungen.

Die Anregung von Jürgen Menzel (Grüne), auch die Untersuchung einer  Querverbindung  von Nellingen nach Esslingen hinunter ins Pflichtenheft der Machbarkeitsstudie aufzunehmen, stieß auf einhellige Zustimmung. Ebenfalls wohlwollend aufgenommen wurde die Nachricht, wonach die Machbarkeitsstudie den Landkreis billiger kommt als noch in der Verwaltungsvorlage vermerkt. Nachdem für die Gesamtkosten nicht 240 000 Euro, sondern lediglich noch 80 000 Euro angesetzt sind und das Land ohnehin für 80 Prozent aufkommt, muss der Landkreis nur noch 16 000 Euro, verteilt auf zwei Haushaltsjahre, in die Hand nehmen. Liegen die Ergebnisse vor, kommt die Trasse auf den Prüfstand der Anrainer, der Träger öffentlicher Belange und der Bürgerschaft.  adt / Foto: dpa


Abgestimmt

Im Elfmeterschießen hat Italien im Finale der Fußball-EM England bezwungen. Sind die Italiener ein verdienter Europameister?

Foto: dpa

Verdient?

  • Ja! (80% )
  • Nein! (20% )
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Spannung vor der OB-Wahl

In Esslingen wird am 11. Juli ein neues Stadtoberhaupt gewählt – Sechsköpfiges Bewerberfeld

Esslingen hat die Qual der Wahl: Fünf Kandidaten und eine Kandidatin gehen ins Rennen, wenn die Bürgerinnen und Bürger am kommenden Sonntag, 11. Juli, einen neuen Oberbürgermeister oder eine neue Oberbürgermeisterin wählen. Seit Wochen ist die Bewerberriege – soweit es Corona erlaubt – in der Stadt und im Internet präsent, um sich und die eigenen Programme publik zu machen.

Zahlreiche Themen wurden in verschiedenen Diskussionsformaten beleuchtet, vieles war nur virtuell möglich. Nun haben die Wählerinnen und Wähler das Wort. Vittorio Lazaridis (Grüne), Martin Auerbach (Linke), Matthias Klopfer (SPD), Gebhard Mehrle (parteilos), Gabriela Letzing (parteilos) und Daniel Töpfer (CDU, Freie Wähler und FDP) bewerben sich um die Nachfolge des scheidenden Stadtoberhaupts Jürgen Zieger.

Mehr als 23 Jahre war Zieger in Esslingen Oberbürgermeister – nun geht er Ende September in den Ruhestand. Regulär hätte  seine Amtszeit im kommenden Jahr geendet. Er wolle mit seiner Frau Angela nach dem 30. September ein Leben ohne ausgefüllten Terminkalender und Sieben-Tage-Woche führen, hatte Zieger bei der Ankündigung seines Abschieds im März dieses Jahres gesagt. Coronabedingt habe er die Entscheidung noch um ein Jahr verschoben, nun ist die Zeit der OB-Rente aber gekommen.

Nicht zuletzt die Gemeinderatsfraktionen hat Zieger mit seiner Ankündigung überrascht. Doch diese sind auf ihrer Suche nach Kandidaten recht zügig fündig geworden. Am schnellsten war die SPD. Die Genossen schicken den Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer ins Rennen um den Chefsessel im Esslinger Rathaus. Nach 15 Jahren als OB in Schorndorf wolle er sich einer neuen Herausforderung stellen, mit  reichlich Energie, Gestaltungswillen und Ideen, sagte der 53-Jährige bei seiner Vorstellung. Martin Auerbach (44), der in einer Jugendhilfe-Einrichtung arbeitet, sitzt für die Linken im Esslinger Gemeinderat und im Kreistag. Bei Themen wie Klimaschutz, Verkehrswende, bezahlbarem Wohnraum und Stärkung des kulturellen Lebens  will Auerbach Akzente setzen. Der von den Grünen unterstützte Vittorio Lazaridis ist seit 2009 Stadtrat in Stuttgart und derzeit Ministerialdirigent und Leiter der Abteilung „Allgemeinbildende Schulen, Elementarbildung“ im baden-württembergischen Kultusministerium. Er wolle die Zukunft der „attraktivsten Stadt der Region“ mitgestalten, sagte der 53-Jährige.

CDU, Freie Wähler und FDP haben sich auf einen gemeinsamen Kandidaten verständigt: Daniel Töpfer, den 32-jährigen Bürgermeister der 8000 Einwohner zählenden Gemeinde Weissach. In Esslingen will Töpfer Herausforderungen wie Digitalisierung, Mobilität, Klimaschutz und serviceorientierte Verwaltung anpacken. Zum Schluss der Bewerbungsphase warfen noch zwei Unabhängige aus Esslingen ihre Hüte in den Ring. Die 55-jährige Kommunikationsdesignerin und vegane Köchin Gabriela Letzing hat  ihr Programm an den Zielgrößen Fülle, Frieden, Gerechtigkeit, Gesundheit und Freiheit ausgerichtet. Der Rechtsanwalt Gebhard Mehrle (51) fordert, dass insbesondere der Informationsfluss zwischen Gemeinderat, Verwaltung und Bürgerschaft besser werden müsse.

Das Kandidatenfeld hatte im coronabedingt eingeschränkten Wahlkampf teilweise auch an digitalen Podiumsdiskussionen zu unterschiedlichen Themenfeldern Stellung bezogen. Nun geht es in den Wahlkampfendspurt, ehe am Sonntag die Wählerinnen und Wähler zur Urne schreiten. Sollte es am Sonntag niemand auf den Chefsessel im Esslinger Rathaus schaffen, findet am 25. Juli der zweite Wahlgang statt.  ch / Foto: Ines Rudel


Vom Ausflugsziel zum Zuhause

Die  Gaststätte Krone in Aichschieß soll  einem Wohnbauprojekt weichen – Änderung des Bebauungsplans ist Voraussetzung

Es sei „ein Teil der Aichschießer Geschichte“, der womöglich bald zu Ende gehe, sagt Stefan Felchle, der Hauptamtsleiter der Gemeinde Aichwald, mit Blick auf die „Krone“.  Der alte Landgasthof soll abgerissen werden und Wohnungen weichen. Die erste Hürde haben die Pläne der Eigentümer genommen: Einstimmig hat der Aichwalder Gemeinderat  in seiner jüngsten Sitzung grundsätzlich zugestimmt, den Bebauungsplan für die Grundstücke, auf denen die „Krone“ steht, zu ändern. Die Verwaltung hat nun den Auftrag, ein entsprechendes Verfahren einzuleiten und einen städtebaulichen Vertrag mit den Investoren vorzubereiten.

An der Änderung des Bebauungsplans war das Projekt bei seinem ersten Anlauf vor drei Jahren gescheitert. Die Kosten für das Verfahren werden die Investoren tragen.  Angesichts des großen Wohnraumbedarfs in der ganzen Region und dem schlechten Zustand des in die Jahre gekommenen Landgasthofes begrüßen die Verwaltung und der Gemeinderat das Projekt. Das Areal zieht sich vom Kreisverkehr Remstal-/Alte Dorfstraße bis zur Straße Im Holderbett. Das letzte Wort ist freilich noch nicht gesprochen. Im weiteren Verlauf bedürfen der neue Bebauungsplanentwurf und der Bauantrag noch der Zustimmung.

Die „Krone“ hat offensichtlich schon bessere Tage gesehen. Der helle Putz bröckelt von der Fassade, der Herd im Lokal ist laut Felchle seit etwa vier Jahren kalt, die Metzgerei steht mittlerweile Jahrzehnte leer. Nur die Fremdenzimmer sind noch vermietet.

Nachdem Christof Schefenacker im Jahr 1900 die Genehmigung für den Bau und Betrieb der Gastwirtschaft bekommen hatte, sah die Lage noch anders aus. Er wollte „in Aichschieß als einem der schönsten Ausflugspunkte des Schurwaldes“ Ausflüglern, Sommergästen, Fuhrleuten und Holzhändlern ein „wirklich angenehmes Local“ bieten, wie die Aichwalder Ortschronik (1999 beim DRW-Verlag erschienen) aus seiner Antragsbegründung zitiert. Die Rechnung ging auf, Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Aichschieß zum Luftkurort für Menschen aus der Umgebung, im Winter fuhr man hier Ski. Schon 1905 wechselte der Besitzer der „Krone“, Wilhelm Wilhelm, Metzger aus Strümpfelbach, übernahm. 1954 wurden im Hinterhof ein Schlachthaus und Garagen errichtet.

Als Felchle 1991 zur Gemeindeverwaltung kam, lief der Gaststättenbetrieb noch gut. „Wer weiß, wie es einmal war, findet es schon  schade, dass die ‚Krone’ abgerissen werden soll“, sagt der Hauptamtsleiter. Andererseits biete das Areal heute keinen schönen Anblick mehr, die Gebäude hätten ihr bauliches und technisches Lebensende erreicht. Und es gebe einen großen Bedarf an Wohnraum. Eine Neugestaltung des Krone-Areals entspreche den Zielen der Regionalplanung, innerörtlich nachzuverdichten.

Auf dem etwa 2700 Quadratmeter großen Areal  sollen nach dem Entwurf der Eigentümer 30 Neubauwohnungen entstehen. Bereits 2018 hatten die Inhaber der „Krone“ einen Bauantrag eingereicht. Der Technische Ausschuss des Gemeinderates stimmte dem Vorhaben zu. Es scheiterte dennoch. Die untere Baurechtsbehörde im Kreis Esslingen sah in den Entwürfen zu große Abweichungen von den geltenden Bebauungsplänen. Im zweiten Anlauf soll nun der Bebauungsplan geändert werden, um die Realisierung zu gewährleisten.

Der neue Planungsentwurf des Stuttgarter Büros Der Plan sieht eine Überbauung des Geländes zu 40 Prozent vor: mit vier Mehrfamilienhäusern sowie einer Tiefgarage mit 43 Stellplätzen. Die Wohngebäude mit Satteldach umfassen je zwei Vollstockwerke und zwei  Dachgeschosse und entsprechen in der Höhe dem jetzigen Kronen-Gebäude. Im Zuge des Bebauungsplanverfahrens und weiterer Genehmigungsprozesse werden nun einige Monate ins Land ziehen. Frühestens Ende 2022, so schätzt Felchle, könnte die Neugestaltung des Krone-Areals dann beginnen.  gg / Foto: Roberto Bulgrin