Kontrollierter Andrang

Die Badeseen im Landkreis Esslingen ziehen in Corona-Zeiten (zu) viele Besucher an

Der Aileswasensee hat es  zu landesweiter Berühmtheit gebracht: Dem Badesee in Neckartailfingen drohte  kurzzeitig die Schließung, weil das Besucheraufkommen jegliche Corona-Abstandsvorschriften über den Haufen warf.  Die anderen Badegewässer im Landkreis Esslingen sind kaum weniger beliebt.  Fazit: Die Gemeinden müssen ihre Badeseen dieses Jahr sorgfältig  im Auge behalten.

Es war zu erwarten: Das Wetter ist sommerlich warm, der Besuch im Freibad nicht so einfach wie sonst. Da locken die Badeseen mehr noch als in den coronafreien Jahren. Zumal dem Aileswasensee, dem Bissinger  See und  dem Unteren See der Bürgerseen in Kirchheim jährlich eine gute bis sehr gute Wasserqualität bescheinigt wird. 

Vor wenigen Tagen ist der Gemeinderat Neckartailfingen in einer Sondersitzung zusammengekommen: Am Wochenende zuvor war der Aileswasensee  völlig überlaufen, es wurde außerdem wild geparkt, Autoschlangen schoben sich durch den Ort. Das ist für die Bürger von Neckartailfingen zwar ein bekanntes Problem, aber in diesem Jahr wurde die Situation dadurch verschärft, dass Abstandsregelungen nicht mehr eingehalten werden konnten. Nach der mehrheitlichen Entscheidung  des Gemeinderats und dem Erlass einer Allgemeinverfügung dürfen nun nur noch 1000 Besucher täglich an den See. Werden es mehr, werden die Zufahrten gesperrt. 

Ziel sei,  die aktuelle Überfüllung des Sees zu beenden, heißt es in einer Presseerklärung. Die Durchsetzung und Kontrolle der Hygienemaßnahmen seien  bei einem solchen Massenandrang auch mit Unterstützung der Polizei nicht mehr leistbar gewesen. Mit der Entscheidung des Gemeinderats  ist der See vorerst nur knapp einer Schließung entgangen.  Sollten sich die Besucher aber nicht an die Regeln halten, wird der See bis auf Weiteres komplett gesperrt und der Betrieb eingestellt, heißt es weiter aus dem Rathaus.

Auch in der Kirchheimer Verwaltung   hat man ein wachsames Auge auf das Badetreiben. Am  Unteren See der   Bürgerseen war an den vergangenen heißen Wochenenden auch sehr viel los. „Bisher ist die Situation noch beherrschbar“, sagt Robert Berndt, der Pressesprecher der Teckstadt. Noch setze man auf die Eigenverantwortung der Besucher, werde sich aber Maßnahmen vorbehalten. Berndt berichtet von überfüllten Parkplätzen. In der Folge würden die Besucher in den Feldwegen parken. „Der Vollzugsdienst und das örtliche Polizeirevier werden  öfter die Zustände an den Bürgerseen kontrollieren“, kündigt Berndt an.

Der See in Bissingen ist seit dem 25. Juni geöffnet. „In der Tat haben wir ja aktuell eine Schönwetterperiode“, sagt Bissingens Bürgermeister Marcel Musolf.  „Wir  können  aber feststellen, dass der Badebetrieb überwiegend gut läuft.“ Sowohl auf der Liegewiese als auch im See und in den Parkbereichen funktioniere der Ablauf ordentlich. Großer Andrang an den Wochenenden sei  ein jährliches Phänomen, so Musolf. „Dann werden sicherlich die Abstandsregeln zumindest zeitweise auch mal unterschritten.“  Besondere Vorkommnisse hat es  nach Musolfs und polizeilichen Erkenntnissen nicht gegeben. Auch dass die Parkplatzinfrastruktur an ihre Grenzen kommt, ist in Bissingen nicht neu. Der Bürgermeister verweist auf die Parkmöglichkeiten in der Ortsmitte, von wo es nur ein kleiner Fußweg zum See ist. „Wir appellieren seit der Öffnung des Sees  an die Einhaltung der allgemeinen Abstandsvorgaben und die gegenseitige Rücksichtnahme aller Besucherinnen und Besucher“, sagt Musolf. „Die weitere Entwicklung müssen und werden wir dabei natürlich im Blick behalten.“  bob / Foto: Holzwarth


Sommerlicher Spielespaß

Diese Neuheiten sorgen auch an trüben Ferientagen für gute Laune

Wer in den Sommerferien zu Hause bleibt, kann sich mit Gesellschaftsspielen wunderbar die Zeit vertreiben. Und auch denjenigen, die wegfahren, seien ein paar gelungene Neuheiten empfohlen.

• Für Glückspilze

Bei „Drachenland“ können die Spieler in kürzester Zeit ganz viel riskieren und entdecken. Ständig stehen sie vor der Qual der Wahl: Wie sortiere ich meine Karten? An welchem Ort will ich was genau machen und welche Karten spiele ich dafür aus? Als Regel gilt: Die Anzahl der ausgespielten Karten entspricht der Anzahl der Würfel, die man benutzen darf, um eine bestimmte Summe zu erwürfeln. Schafft der Spieler die am jeweiligen Ort geforderte Summe, darf er dort eine Figur platzieren. Und: Wer an einem Ort die Mehrheit an Figuren hat, siegt im Kampf um den höchsten Ertrag. Kniffelig ist, dass je Ort drei Summen zur Wahl stehen, die nur mit bestimmten Kartenkombinationen angegangen werden können. Fazit: sehr spannend, und Sonderkarten bringen zusätzlichen Pep ins Spiel.

„Drachenland“ von Darren Kisgen, erschienen bei Game Factory; zwei bis vier Spieler ab einem Alter von zehn Jahren, etwa 30 Minuten, circa 25 Euro.

• Für Krimifans

Wer hat den Tresor von Karl Valten aufgebrochen? Um diese und weitere Fragen geht es bei dem Krimispiel „Crime Story – Vienna“. Sieben Personen aus dem Umfeld des Wiener Millionärs kommen in Frage. Informationen zu ihnen und weitere Hinweise finden sich auf Karten. Allerdings haben die Spieler für ihre Ermittlungen nur begrenzt Zeit. Sprich: Sie können nicht allen Hinweisen nachgehen, nicht alle Tatverdächtigen oder Zeugen befragen. Welche Karten führen am besten voran? Welche Verhöre und Orte sollte man auslassen? Fazit: „Crime Story – Vienna“ fordert kommunikative Spieler, die durch schlaue Überlegungen und Querverbindungen auf die richtige Fährte stoßen. Cool!

„Crime Story – Vienna“ von Peter Prinz, erschienen bei Noris; ein bis sechs Spieler ab zwölf Jahren, circa 75 Minuten, etwa elf Euro. Im August werden in der Reihe zwei neue Fälle erscheinen: „Munich“ und „Berlin“.

• Für Gedächtniskünstler

Bei „Magic School“ schlüpfen die Spieler in die Rolle von Zauberlehrlingen, die Zauberer werden wollen. Gespielt wird im Team und quasi klassisches Memory. Kniffelig ist: Alle Spieler dürfen sich die soeben gezogene Karte anschauen. Danach wird sie verdeckt abgelegt und eine nächste Karte gezogen – und so weiter. Sobald eine Karte von der Symbolik her zu einer verdeckten Karte passt, wird sie offen auf diese verdeckte Karte platziert. Die Koppelung der Karten sollte allerdings nicht allzu oft falsch sein, denn erst zehn richtige Paare – oder mehr – bringen den Sieg. Fazit: „Magic School“ ist ein wunderschön illustriertes Kartenspiel, das zu immer neuen Partien reizt. Gute Konzen­tration ist von Vorteil.

„Magic School“ von Jonathan Favre-Godal, erschienen bei Djeco; ein bis sechs Spieler ab einem Alter von fünf Jahren, etwa zehn Minuten, circa neun Euro.

• Für Fingerfertige

Sprecht miteinander, seid laut und habt Spaß! Dieser Hinweis steht in der Anleitung von „Fringers“, einem hektischen Actionspiel, bei dem es darum geht, farbige Ringe in der richtigen Reihenfolge auf Finger zu bringen. Wie viele Ringe in welchen Farben wo platziert werden sollen, geben Karten vor. Herausfordernd ist, dass jeder Spieler mehrere Ringe auf der Hand hat und immer nur einen Ring an seinen jeweils linken Nachbarn und nie an sich selbst weitergeben darf. Hinzu kommt, dass die Spieler eine Sanduhr im Blick haben und immer wieder umdrehen müssen. Schaffen sie es in vorgegebener Zeit, das Kartenziel zu erreichen? Fazit: sehr turbulent und lustig; der Schwierigkeitsgrad ist beliebig steigerbar.

„Fringers“ von Asger Harding Granerud und Daniel Skjold Pedersen, erschienen bei Abacusspiele; drei bis zehn Spieler ab 8 Jahren, etwa 15 Minuten, circa 24 Euro.

• Für Kindergartenkinder

Wer hat am Schluss die größte Giraffe? Um diese Frage geht es bei dem pfiffigen Kinderspiel „Lucky Langhals“. Nett gemacht ist, dass die Spieler insbesondere bei knappen Ergebnissen am Ende der Partie ihre Giraffen mit einer speziellen Schnur „ausmessen“ können. Zählprofis merken aber auch an der Summe der Flecken auf dem Hals der Giraffen, welche am größten ist. Um seinem Tier einen möglichst langen Hals verpassen zu können, ist Glück nötig. Zwar sind manche Plättchen, die man sich aus der Tischmitte nehmen darf, größer oder kleiner. Letztlich zeigt sich aber erst auf der Rückseite, ob dort tatsächlich ein langer oder ein kurzer Hals zu sehen ist. Fazit: ein gelungenes Plättchen-Aneinanderbau-Spiel, bei dem die Jüngsten obendrein das Zählen lernen können.

„Lucky Langhals“ von Felix Beukemann, erschienen bei Haba; zwei bis vier Spieler ab drei Jahren, etwa zehn Minuten, circa sieben Euro.

Im Kasten:

Für unterwegs

Weitere Spielneuheiten, die sich wegen ihrer kompakten Verpackung auch gut fürs Reisegepäck eignen:

• „Bandida“ von Martin Nedergaard Andersen, erschienen bei Helvetiq; ein bis vier  Spieler ab sechs Jahren, etwa 15 Minuten, circa zehn Euro.

• „Push“ von Prospero Hall, erschienen bei Ravensburger; zwei bis sechs Spieler ab acht Jahren, circa 20 Minuten, etwa 13 Euro.

• „KaZock“ von Reiner Knizia, erschienen bei Piatnik; zwei bis fünf Spieler ab sechs Jahren, circa 15 Minuten, etwa zwölf Euro.

• „Duck“ von Johannes Krenner, erschienen bei HUCH!; drei bis fünf Spieler ab acht Jahren, etwa 15 Minuten, circa neun Euro.

• „Mapigami“ von Nicholas Cravotta, erschienen bei Blue Orange/Asmodee; ein Spieler ab sieben Jahren, etwa 30 Minuten, circa zehn   Euro.

• „Sherlock – Der Butler von Dani Segui und Eugeni Castano“, erschienen bei Abacusspiele; ein bis acht Spieler ab zwölf Jahren, etwa 60 Minuten, circa sieben Euro.

• „Point Up“ von Katrin Abfalter, erschienen bei Schmidt Spiele; zwei bis 66 Spieler ab sechs Jahren, circa 15 Minuten, etwa 13 Euro.

• „Chip it“ von Chikasuzu, erschienen bei Amigo; drei bis sechs Spieler ab acht Jahren, etwa 15 Minuten, circa acht Euro.

• „Elfmeter!“,  erschienen bei Kosmos; zwei Spieler ab sieben Jahren, etwa 15 Minuten, circa acht Euro.


Von Tanja Liebmann-Décombe / Foto: Liebmann-Décombe


Großprojekt mitten im Ort

Deizisau sorgt in Sachen Kinderbetreuung vor – Erstmals kommunale Trägerschaft geplant

Der Name steht schon fest: Kinderhaus „Himmelblau“ soll das neue Gebäude heißen, das in der Deizisauer Ortsmitte gebaut wird. Neben einer Kindertagesstätte entstehen fünf Wohnungen und eine Tiefgarage, in der auch öffentliche Parkplätze angelegt werden. Das Projekt erfüllt also gleich drei Zwecke, ist aber mit Gesamtkosten von sechs Millionen Euro auch das teuerste kommunale Bauvorhaben in der Deizisauer Geschichte.

Gebaut wird ein dreigeschossiges Gebäude. Sein Kern ist die Kita, deren Name aufs Deizisauer Heimatlied anspielt: In dessen Refrain heißt es „Jetzt geht’s nach Deizisau, da ist der Himmel blau. . .“ Die Einrichtung wird die einzige kommunale Kindertagesstätte in der Gemeinde sein, alle bisherigen sind in kirchlicher Trägerschaft. Sie ist auf vier Gruppen ausgelegt, deren Räume sich über zwei Stockwerke erstrecken. Der Betrieb werde aber zunächst mit zwei Gruppen beginnen, erklärt Bürgermeister Thomas Matrohs. Die seien fürs Erste ausreichend, aber man könne dann kurzfristig reagieren, wenn die Gemeinde weiter wächst – wovon er ausgeht – oder die Betreuung stärker in Anspruch genommen wird.

Allerdings „sind wir arg enttäuscht und auch ein bisschen verärgert, dass wir keinen Zuschuss für den Kindergarten bekommen“, sagt der Rathauschef. Das liege daran, dass das Land ein Programm für die Jahre 2017 bis 2020 aufgelegt habe, das bereits komplett ausgeschöpft sei. Bei einer Pflichtaufgabe wie der Kinderbetreuung nach dem „Windhundprinzip“, also rein nach zeitlicher Reihenfolge vorzugehen, hält er für eine „Fehlsteuerung“. Die Gemeinde verliere damit eine halbe Million Euro.

Rund 400 000 Euro Förderung bekommt sie aber für die fünf Wohnungen im obersten Geschoss des Gebäudes. Die Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen sollen 30 Prozent unter der ortsüblichen Miete vermietet werden, wobei die Vergabekriterien genau geregelt seien, so Matrohs. Möglicherweise werde die Gemeinde auch einen Teil davon für Kindergartenpersonal vorhalten – sie hätte damit einen Trumpf bei der schwierigen Suche nach Erzieherinnen oder Erziehern.

Die Kombination von Wohnen und Kinderbetreuung unter einem Dach ist recht ungewöhnlich. „Wir sind der Meinung, dass es funktionieren kann und funktionieren wird“, sagt Matrohs. Zwar sei eine Kita nicht leise, aber die Nutzungszeiten seien ja genau definiert. Unter dem Gebäude entsteht eine Tiefgarage, die neben den privaten 18 bis 20 öffentliche Stellplätze aufweist. Das werde den Parkdruck in der Nachbarschaft von Gemeindehalle, Sporthalle und Freibad etwas mindern, hofft zumindest der Deizisauer Gemeinderat.

Vor dem Hintergrund der Dreifachnutzung mit Kinderbetreuung, Wohnen und Parken sei das Projekt „auf jeden Fall wirtschaftlich“, ist der Bürgermeister überzeugt. Man gehe zudem sparsam mit gemeindeeigenem Grund und Boden um. Die ersten Kostenschätzungen vor über zwei Jahren lagen noch bei rund 4,5 Millionen Euro. Nach genauerer Berechnung und den Preissteigerungen der vergangenen Jahre geht man nun von rund sechs Millionen Euro aus, die Außenanlagen inbegriffen. Die aktuellen Ausschreibungsergebnisse lägen auch tatsächlich im berechneten Rahmen, sagt der Bürgermeister. Die Fertigstellung des Gesamtprojektes ist für November 2021 vorgesehen.  aia / Foto: aia


Abgestimmt

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Der Funke soll überspringen

Mit der Aktion „Sommer-Funkeln“ wollen Esslinger Stadtmarketing und Händlergemeinschaft die Innenstadt beleben

Die lange Einkaufsnacht „ES funkelt“ wird in diesem Jahr coronabedingt nicht stattfinden. Dennoch soll die Esslinger Innenstadt  funkeln.  Mit der  Aktion „Sommer-Funkeln“ wollen die Fachgeschäfte der City Kunden, Gästen und Besuchern aus Esslingen und der Region  den Sommer versüßen. Bei vielen kleinen und feinen Aktionen soll der Funke überspringen.

Von Ende Juli bis in den September hinein gibt es besondere Aktivitäten: Von Kinder-, Spiel- und Sportaktionen über Modenschauen und Fotosessions  bis hin zu Such- und Gewinnspielen in den Schaufenstern oder überraschenden Events vor den Geschäften. Sieben Wochen lang soll die Innenstadt das Ziel zum Schauen, Schlendern, Einkaufen und Schlemmen sein.  „Urlaub in der City“ lautet das Motto, das sich die Esslinger Stadtmarketing und Tourismus  GmbH (EST) und die Händlergemeinschaft City Initiative Esslingen (CIE) gegeben haben.

Handel und Gewerbe  leiden auch nach den Lockerungen noch. „Wir vom  Nonfood-Handel sind noch lange nicht bei unseren normalen Umsätzen, obwohl wir aus den Nachrichten raus sind “, erklärt CIE-Sprecher Alexander Kögel. „Uns fehlen vor allem die Familien-Events in der Stadt wie die verkaufsoffenen Sonntage und die lange Einkaufsnacht.“  Eine Alternative musste her.

 Beim „Sommer-Funkeln“  wolle jeder Teilnehmer jeden Tag etwas anderes anbieten, sodass die Leute gerne in die Stadt kämen. „Wir denken  auch, dass viele  nicht verreisen, und wir hoffen, dass auch Touristen nach Esslingen kommen“, sagt Kögel.   „Wir wollen den Fokus  auf Esslingen als sympathische Stadt mit hoher Aufenthaltsqualität richten“, fügt Citymanager Thomas Müller hinzu.  Es gehe weniger darum, den Besuchern ein „kauft, kauft, kauft“ zuzurufen, als vielmehr zu zeigen, wie sich entspannte Tage in der Innenstadt erleben lassen – unter sicheren Hygiene-Bedingungen. „Und das macht es auch leichter, die Maske überzuziehen und einen Laden zu betreten.“

 Läden dürfen nun auch den Straßenraum vor ihren Geschäften bespielen: Das können Vorführungen  der eigenen Arbeit  sein oder einfach aufgestellte Liegestühle, die  Schlenderer zum Verweilen einladen. Statt der Konzentration an einem zentralen Ort verteilen sich die Angebote in der gesamten City – und zwar über mehrere Wochen. „Ähnlich wie  ‚ES funkelt’, aber eben räumlich und zeitlich gestreckt“, erklärt Müller. Mit dem „Sommer-Funkeln“ sollen auch weitere Akteure der Stadt mit einbezogen werden – wie Kulturschaffende, die  ebenfalls am zurückgenommenen öffentlichen Leben leiden. Dabei sind Musiker, bildende Künstler, Til Maehr als Märkteveranstalter und Hartmut Lies, der  das Heiges-Spieleparadies organisiert. Letzteres soll an vier Samstagen in kleinerer Form am Postmichelbrunnen stattfinden.  Til Maehr wird Stände mit Kunsthandwerk und Upcycling  in der Bahnhofstraße und mit Nützlichem aus zweiter Hand am Blarerplatz  aufbauen. Nicht nur an den Wochenenden, auch unter der Woche zeigen die wechselnden Anbieter aus der Region ihre Angebote.

Fest stehen auch bereits das Open-Air-Stummfilmkonzert „Tom & Bild“ vom Kollektiv „Drei Orangen“ (31. Juli und 28. August, im Maille-Park, siehe Meldung nebenan)   und  das Straßenkunst-Festival Straku vom 24. bis 26. September. Und Thomas Müller kann sich vorstellen, dass zum Ende des „Sommer-Funkelns“ eine Lichtshow mit Peter Krotz inszeniert wird. Der Tübinger Lichtkünstler  ist bei „ES funkelt“ einer der zentralen Akteure.  bob

Info: Über www.sommerfunkeln-es.de und über die Social-Media-Kanäle von Stadtmarketing und Citymanagement wird informiert und berichtet. Jede und jeder ist eingeladen, mit dem Hashtag #sommerfunkeln dazu Bilder und Filme auf Instagram, Facebook und YouTube zu posten. bob / Foto: bul


Neustart

Die Kirchheimer Teck-Realschule zieht auf den Rauner-Campus – „Lernformen der Zukunft“

Für die  Kirchheimer Teck-Realschule beginnt mit dem neuen Schuljahr eine neue Ära. Nach 55 Jahren an ihrem bisherigen Standort in der Aichelbergstraße zieht die Schule auf den Rauner-Campus in der Limburgstraße um. Dort wird sie in einem neuen Schulgebäude, mit neuen Lernformen und eng verknüpft mit der Rauner-Gemeinschaftsschule zeitgemäße pädagogische Möglichkeiten bieten. Die beiden Schulen bilden mit insgesamt etwa 860 Schülern den nach den Gymnasien drittgrößten Schulstandort in städtischer Trägerschaft. Die Kosten für den Campus werden etwa 27,4 Millionen Euro betragen.

In den vergangenen vier Jahren sind auf dem Areal der alten Raunerschule in zwei Abschnitten neue Schulgebäude entstanden. Nachdem die Gemeinschaftsschule bereits 2018 ihre neuen Räume bezogen hatte, nimmt nun auch die Teck-Realschule zum neuen Schuljahr ihren Betrieb auf.

Mit dem neuen Standort werden auch neue Lernformen möglich. Beide Schulen werden  zunächst als eigenständige Einrichtungen weitergeführt, doch die Schüler beider Schulen werden  sowohl die naturwissenschaftlichen als auch die sonstigen Fachräume und die Mensa gemeinsam nutzen. „Die Räume und Lernformen sind so angelegt, dass sie zeitgemäßen Unterricht ermöglichen. Zu den Voraussetzungen für die Lernformen der Zukunft gehören beispielsweise die Differenzierungsräume, die jeweils zwei Klassenzimmern zugeordnet sind. Dort sollen einzelne Schüler oder Gruppen separat außerhalb des Klassenverbunds lernen können. Ein ähnliches Konzept verfolgen die Lernateliers in Klassenzimmergröße, von denen es auf jedem Stockwerk eines gibt“, beschreibt Kirchheims Pressesprecher Robert Berndt das Prinzip. Die neuen Lern- und Raumkonzepte seien vereinzelt bereits im kleinen Rahmen  erprobt worden und hätten sich bewährt.

Die Teck-Realschule will auf dem Campus auch künftig ihr Sportprofil schärfen. Dabei soll mit Kooperationen eine bessere Vernetzung von Schul- und Vereinssport erreicht werden. Hintergrund dabei ist, dass viele Schüler aufgrund des Ganztagsbetriebs an der   Schule  kaum mehr in einem Verein aktiv sind.   „Vereine  sind verstärkt darauf angewiesen, an den Schulen zu arbeiten – das soll hier künftig ermöglicht werden“, sagt Berndt.

Die gesamte Bauzeit sei ohne Verzögerungen über die Bühne gegangen, berichtet der Stadtsprecher. Coronabedingt habe es lediglich einige zeitliche Verschiebungen gegeben. „Bis zum Ende der Sommerferien sind noch Restarbeiten und Mängelbehebungen auszuführen. Einem Schulbeginn im September steht aber nichts im Weg“, sagt Berndt.

Als dritter und letzter Bauabschnitt steht nun noch die Sanierung der alten Mensa an. Sie wird im kommenden Schuljahr vorerst weiter betrieben, die Sanierung soll in den nächsten Wochen beginnen und zum Schuljahr 2021/2022 abgeschlossen sein.

Die Gesamtkosten des Projekts werden mit 27,4 Millionen Euro beziffert, die Stadt rechnet mit einer Förderung in Höhe von etwa 6,8 Millionen Euro. Berndt ist zuversichtlich, dass es finanziell keine bösen Überraschungen geben wird, auch wenn das gesamte Vorhaben noch nicht abgeschlossen ist. „Momentan bewegen wir uns innerhalb dieses Budgetrahmens und halten ihn ein“, sagt er.  
pst / Foto: Stadt Kirchheim


So gelingt der Urlaub auf Terrassien

Buchtipps für den Sommer: Lesestoff für junge und ältere Bücherwürmer

Urlaubszeit ist Reisezeit. So war es zumindest bevor die Corona-Krise dieser Regel die Unbeschwertheit nahm. Aber auch auf Balkonien oder Terrassien lässt sich der Sommer genießen, und günstig sind diese Reiseziele obendrein. Das gesparte Geld könnte in Lesestoff investiert werden. Die Redaktion des Wochenblatts ECHO hat unter den Neuerscheinungen von regionalen Autorinnen und Autoren sowie Verlagen Lesenswertes ausgesucht.

Es sieht nicht gut aus für Johann Haug: Alle Indizien sprechen dafür, dass er seine Pflegemutter Ines Schneider ermordet hat. Zudem gibt es einige Zeugen, die ihn zur Tatzeit in der Nähe der Wohnung des Opfers gesehen haben wollen. Kein einfacher Fall für Linn Geller, die als Pflichtverteidigerin die Unschuld ihres Mandanten beweisen soll. Zumal im Verlauf ihrer Recherchen ein weiterer Fall auftaucht. Haug soll vor 15 Jahren seine damalige Freundin Vanessa auf brutalste Weise ermordet haben, was ihm jedoch nicht nachgewiesen werden konnte. Für die Dorfgemeinschaft in Ochsenwang steht fest: Haug ist schuldig und gehört eingesperrt. Und wer sich für ihn einsetzt, lebt gefährlich. Spannender „Who-done-it“-Fall der Stuttgarter Autorin Julia Hofelich.

Julia Hofelich: Nebeljagd, Bastei-Lübbe

Bodensee-Begeisterte kennen Überlingen als mediterran anmutendes Kleinod mit pittoresker Altstadt. Dass sich hier auch das Zentrum der Literatur am See befand, beweist die Geschichtensammlung „Überlingen literarisch“. Waltraud Liebl und Siegmund Kopetzki haben Texte und Gedanken von renommierten Autorinnen und Autoren zusammengetragen, die der ehemaligen Reichsstadt und der Umgebung Tribut zollen. Anette Droste-Hülshoff, Justinus Kerner, Alfred Düblin, Robert Gernhardt und Martin Walser, um nur einige wenige zu nennen, nehmen ihre Leser und Leserinnen mit auf eine poetische Mentalreise ans Schwäbische Meer. Wenn sich ein Buch als Lesestoff für den nächstens Bodensee-Aufenthalt empfiehlt, dann ist es dieses.

Waltraud Liebl, Siegmund Kopetzki: Überlingen, literarisch, Gmeiner Verlag, Meßkirch

Die freiberufliche Reisereporterin und Krimi-Autorin Lisa Langer wird von dem dänischen Verleger Jens Hoven angeheuert, in einer verzwickten Erbschaftsangelegenheit auf Lolland zu recherchieren. Lisa freut sich auf eine unangestrengte Zeit in beschaulicher Atmosphäre. Doch der Job entpuppt sich als düstere Sache, die in einem Mordkomplott mündet und die Heldin tief in die Kreise von verfeindeten Gangs in Kopenhagen zieht. Die in Stuttgart gebürtige Hanne Holms schickt ihre sympathische Ermittlerin zum vierten Mal auf Reise, um in der Fremde ihr detektivisches Gespür zu beweisen. Spannende Geschichte, leseleicht erzählt.

Hanne Holms: Kriminelles Kopenhagen, Piper-Verlag, München

Gibt es etwas besseres als eine spannende Geschichte, die ihre Leserschaft fesselt? Ja, eine Geschichte, bei der die Lesenden gefordert sind, etliche Rätsel zu lösen, um zu erfahren, wie die Geschichte weitergeht. Das ist das Prinzip der Exit-Buchreihe aus dem Kosmos-Verlag. Im Ferienlager werden Jakob, Nelli und Marek von seltsamen Geräuschen zu einem Piratenmuseum gelockt. Sie beobachten vermummte Gestalten, die offenbar einen Einbruch planen, werden entdeckt und gefangen gehalten. Ob es ihnen gelingen kann, zu entkommen? Und werden sie auch das Rätsel des Piraten Neunauge lösen können? Das wird nicht verraten, nur so viel: Dies gelingt nur, wenn die jungen Hobby-Detektive auf der anderen Seite des Buchs miträtseln.

Baumeister, I. und M. Brand: Exit: Das Geheimnis der Piraten, Kosmos Verlag Stuttgart

Richtig kriminell geht es auch in diesem Werk zu. Allerdings handelt es sich bei Toni Fellers Erzählungen um wahre Geschichten, die er in seiner langen Zeit als Hauptkriminalkommissar erlebt hat. Im unterhaltsamen Plauderton berichtet er über seine spektakulärsten Fälle, die er während seiner Dienstzeit im Polizeipräsidium Karlsruhe zu lösen hatte: Eine Geiselnahme entpuppt sich als unbeholfener Fluchtversuch eines verzweifelten Ehemanns. Ein Mann stirbt durch eine Kugel im Kopf, bei dem jedoch kein Einschussloch zu finden ist. Er erinnert sich aber auch an Fälle, die schonungslos offenbaren, zu welchen unglaublichen Gewalttaten Menschen fähig sind. Feller gibt einen profunden Einblick in die Arbeit eines Kriminalbeamten, dem nichts Menschliches fremd ist, und der weiß, dass nichts mehr trügt als der Schein.

Toni Feller: Im Dienste der Gerechtigkeit, Gmeiner Verlag, Meßkirch

Anton Goldfall, der in den 90er-Jahren in den deutschen Pop-Charts zuhause war, ist reich, hat eine erfolgreiche Ehefrau, einen Sohn, und lebt mit vielen Angestellten im Palladio, einem prunkvollen Renaissance-Bau. Eigentlich könnte er mit seinem Leben zufrieden sein, wenn da nicht diese innere Zerrissenheit wäre, dieser Wunsch, an kreativere Zeiten anzuknüpfen und die Erkenntnis, dass er diesem Vorhaben selbst im Weg steht. Zu satt, zu träge, zu hoher Anspruch und auch die Angst vor der eigenen Courage machen dem Künstler zu schaffen. Und so verbringt er seine Zeit, wandert durch die Zimmer seiner Wohnung und monologisiert: Über seinen Erfolg, über Freundschaft, über seine Ehe, die Beziehung zu seinem Sohn und das Leben. Am Ende bleibt es den Lesenden überlassen, ob sie mit Goldfall Mitleid haben oder Unverständnis entgegen bringen. Vielschichtiges Werk des Tübinger Autors Peter Ertle.

Peter Ertle: Palladio, klöpfer.narr, Tübingen

Im Auftrag ihres Arbeitgebers, einer Werbeagentur, führt Bea Pelzer eine Gruppe von Verlagsmitarbeitern durch einen Stuttgarter Weinberg und lädt sie im Anschluss in die Laube des Weinguts Keppler auf dem Weindorf ein. Die Verkostung hat es in sich: Drei Männer brechen mit Krämpfen zusammen, einer davon stirbt im Krankenhaus. Tod durch Vergiftung lautet die Diagnose. Kommissar Gabriel begibt sich auf Spurensuche, und Bea Pelzer  gerät in unmittelbaren Verdacht. Denn sie hat das Gebäck, das zum Wein gereicht wurde, hergestellt. Bei dem Versuch, ihre Unschuld zu beweisen, stößt die Werberin auf einige ominöse Konstellationen bei dem Weingut Keppler, die mehr als verdächtig sind. Und das scheint einigen Leuten nicht zu gefallen.  Erfrischendes Krimiwerk mit vielen kunstvoll eingeflochtenen Informationen zur Landeshauptstadt von der in Stuttgart lebenden Badenerin Martina Fiess.

Martina Fiess: Trollingertod, Emons Verlag, Köln

red/Foto: on


Abgestimmt

Mehr illegale Autorennen werden angezeigt – oft auf grenznahen Autobahnen. Kann ein generelles Tempolimit die Raser ausbremsen?

Foto: dpa

Ausbremsen?

  • Nein! (67% )
  • Ja! (33% )
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Grüne Stadt am Fluss

Nürtingen bewirbt sich um Landesgartenschau – Großer Schub für Stadtentwicklung erwartet

Die Bewerbung der Stadt Nürtingen als Austragungsort einer Landesgartenschau in den Jahren 2031 bis 2036 biegt auf die Zielgerade ein. Am Dienstag, 28. Juli, wird eine Fachkommission im Auftrag der Landesregierung die Stadt besuchen und die bisherigen Pläne und die Potenziale begutachten. Die Entscheidung wird das Landeskabinett fällen.

Nürtingen unternimmt mit der Gartenschaubewerbung bereits den dritten Anlauf. 1996 und 2009 scheiterte die Stadt mit ihren Konzepten, in diesem Jahr sehen der Gemeinderat und die Verwaltung hingegen große Chancen. Gleichzeitig ist die Bewerbung mit großen Hoffnungen verknüpft. Denn eine Gartenschau ist weit mehr als eine bloße Blümchen-Ausstellung. Vielmehr haben die Veranstaltungen in der jüngeren Vergangenheit etwa in Ostfildern, in Plochingen oder im Rems-Murr-Kreis gezeigt, dass eine Gartenschau eine enorme Schubkraft für innovative Stadtentwicklungsprojekte entfalten kann.

So gründet die Nürtinger Bewerbung auf dem Konzept einer nachhaltigen, ökologischen und sozialen städtebaulichen Entwicklung, die das neue Quartier Bahnstadt jenseits der Bahnlinie im Osten über die Alleenstraße, das Neckarufer an der Westseite der Altstadt mit dem Galgenbergpark jenseits des Neckars verbindet. Dafür denken die Planer an einen grünen Brückenschlag über die trennende Bahnlinie ebenso wie an einen Stadtboulevard anstatt der stark befahrenen Alleenstraße. Der Bereich zwischen der Echazmündung und dem Kreisverkehr bei der Stadtbrücke könnte autofrei und zur Promenade umgestaltet werden. Statt der  Ufermauern könnte eine Treppenanlage im Sinn eines Stadtbalkons einen direkten Bezug der Altstadt zum Neckar herstellen und den Fluss zugänglich machen.

Ein weiterer Brückenschlag mit einem Steg über den Neckar könnte den Galgenbergpark und die westlichen Uferzonen anbinden. Die Idee einer grünen Stadt am Fluss soll sich nach den Vorstellungen der Planer in Nord-Süd-Richtung entlang dem Neckar zwischen Zizishausen und Neckarhausen fortsetzen. Die Uferareale sollen zugänglich sein,  Grünanlagen die Wohngebiete einrahmen; Biotope, Streuobstwiesen, Flachwasserzonen und Rückhalteflächen für Hochwasser könnten entstehen.

Die Nürtinger Hochschule für Wirtschaft und Umwelt war mit  ihrer Expertise in Landschafts- und Stadtplanung sowie Umwelt- und Naturschutz an den Gartenschauplanungen, nicht zuletzt für die Schaffung von ökologisch qualitätvollen Freiflächen, mit hoher Attraktivität beteiligt.

Viele der Konzeptbausteine gehen jedoch auf die Ergebnisse einer intensiven Bürgerbeteiligung im Vorfeld zurück. So sind in die Bewerbung mehr als 600 Anregungen,  Wünsche und Hinweise zur Belebung der Innenstadt, zur  Vernetzung der Stadtbereiche, zur Schaffung eines urbanen Flairs, zur  Aufwertung des öffentlichen Raums und zur Mobilität eingeflossen. Auch die Idee des Brückenschlags über die Bahn und den Fluss sowie eines nicht durch die B 313 behinderten Zugangs zum Galgenberg geht letztlich auf Bürgervorschläge zurück. Oberbürgermeister Johannes Fridrich sprach in diesem Zusammenhang von „Barrieren innerhalb der Stadt“, die es zu überwinden gelte, und hob die  Chance für die Stadtentwicklung hervor, die ein Gartenschaugelände in der Stadt biete: Die Stadt werde „eine Perle am Neckar“. pst / Foto: pst

Info: www.nuertingen.de


Der Hellste seit vielen Jahren

Komet Neowise ist mit bloßem Auge zu sehen – Andreas Philipp von der Schurwaldsternwarte in Aichwald gibt Beobachtungstipps

Nach etlichen Jahren ist wieder ein Komet am Himmel zu sehen, der mit bloßem Auge beobachtet werden kann. Neowise C/2020 F3 heißt der Himmelskörper, der im März dieses Jahres entdeckt wurde.

Seit Anfang Juli erfreuen sich Hobbyastronomen an dem seltenen Schauspiel, so mancher Sternengucker  hat sich  schon mal den Wecker gestellt. Denn in den ersten Tagen seines Erscheinens am Firmament war Neowise ausschließlich in den frühen Morgenstunden, kurz vor Sonnenaufgang, tief am nordöstlichen Horizont zu sehen. Seit einigen Tagen  jedoch kann man ihn  kurz nach Sonnenuntergang im Nordwesten beobachten.

Neowise war erst am 27. März 2020 vom Nasa-Weltraumteleskop „Neowise“ entdeckt worden und trägt die ergänzende Bezeichnung C/2020 F3. Das Neowise-Teles­kop    erforscht Kleinplaneten, die sich in Erdnähe befinden. Im Rahmen dieser permanenten Himmelsdurchmusterung wurde auch der neue Komet entdeckt – ein Zufallsfund also.

 Staub und Eis

Der  benötigt mehrere Jahrtausende für einen Umlauf um die Sonne und ist dieser nur für wenige Monate so nah, dass Gase und Staub freigesetzt werden und einen sichtbaren Schweif bilden können.

Der Schweif entsteht durch die Wärme der Sonne. „Kometen bestehen aus Staub und Eis. Kommen sie in Sonnennähe, erwärmt sich der Komet, Gas tritt aus und bildet eine Koma und später einen Schweif, der immer entgegengesetzt zur Sonne gerichtet ist“, erklärt  Andreas Philipp, der Vorstand der Schurwaldsternwarte im Aichwalder Jugendhaus, das derzeit allerdings wegen der Corona-Pandemie geschlossen ist.

Wer den Kometen sehen will, sollte sich einen hohen Aussichtspunkt suchen, der freie Sicht nach Nordwesten erlaubt. Philipp rät, sich am besten  eine „Aufsuchkarte“ aus dem Internet zu besorgen, zum Beispiel auf der Homepage der Vereinigung der Sternenfreunde (www.vds-astro.de), da nicht jeder ihn mit bloßem Auge gleich erspähen könne. Der Komet  ist  am Abendhimmel tief am Horizont zu sehen, in der Folge wird er zirkumpolar, das heißt,  er ist die ganze Nacht Richtung Norden zu sehen. Dabei wandert er täglich ein Stück in Richtung Großer Wagen, erklärt Philipp weiter.    „Neowise hat die Sonne umrundet und  bewegt sich nun wieder von der Sonne weg“, sagt der Leiter der Sternwarte. „Seine Bahn ist aber nicht annähernd kreisförmig, sondern eine stark ausgeprägte Ellipse oder  auch eine Hyperbel.“

Am 23. Juli hat Neowise seinen erdnächsten Punkt erreicht. „Er ist dann mit über 100 Millionen Kilometern etwa 260 Mal weiter entfernt als der Mond.“  Oder anders gesagt: Das entspricht ungefähr zwei Dritteln des mittleren Abstands der Erde zur Sonne. Mit der Entfernung von der Sonne nimmt die Helligkeit des Kometen kontinuierlich ab. Bis in den August hinein soll der Komet zu sehen sein, dann aber laut Philipp nicht mehr  mit bloßem Auge.  Überhaupt sind Kometen  unzuverlässig. Wie hell der leuchtende Punkt mit seinem Schweif bei seiner größten Annäherung an die Erde sein wird, ist   noch  unklar. „Kometen sind immer ein bisschen unberechenbar. Das müssen wir einfach abwarten“, sagt die Wissenschaftlerin Carolin Liefke vom Haus der Astronomie in Heidelberg.

Der Rekordhalter

 Das Warten auf einen hellen Schweifstern hat Sternguckern zuvor viel Geduld abgefordert. Die bislang letzten  von der Nordhalbkugel aus mit freiem Auge gut sichtbaren Kometen waren „Hyakutake“ und „Hale-Bopp“ Mitte der 1990er-Jahre. Hale-Bopp war von 1996 bis 1997 mehr als 18 Monate mit bloßem Auge sichtbar und hält damit den Rekord unter allen bekannten Kometen. Seither erschienene Kometen blieben meist so lichtschwach, dass sie ohne optische Hilfsmittel entweder nicht oder nur mit viel Geduld beobachtet werden konnten. Zuletzt war im Jahr 2013 der Komet „Panstarrs“ mit freiem Auge sichtbar.

Andere angekündigte Kometen enttäuschten – so wie Atlas, der  seinen Vorbeiflug an der Sonne im vergangenen Jahr nicht überlebte und gänzlich zu Staub zerfiel. Auch Komet C/2020 F8 (SWAN) im Mai dieses  Jahres konnte die Helligkeitsentwicklung bei Annäherung an die Sonne nicht durchhalten und war  am Ende auch nicht mehr mit dem Fernglas zu erkennen. bob / Foto: dpa