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Parken wird deutlich teurer

In Esslingen werden die Gebühren vom kommenden Frühjahr an erhöht – Einführung des digitalen Parkscheins

Die Esslinger müssen sich auf höhere Parkgebühren auf städtischen Stellplätzen einstellen. Im gesamten Stadtgebiet werden die Tarife ab März 2023 pauschal um jeweils einen Euro pro Stunde angehoben. So kostet das Parken in der Innenstadt künftig drei statt bislang zwei Euro pro Stunde, in den Außenbereichen steigt die Gebühr von 1,50 auf 2,50 Euro pro Stunde. Lediglich am Schulzentrum in Zell bleibt es wie bislang bei 50 Cent pro Stunde.
Der Entscheidung, die der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich getroffen hat, gingen heftige Diskussionen voran. Während vor allem Freie Wähler, CDU und FDP befürchten, dass die Erhöhung der Parkgebühren dem Einzelhandel in der Innenstadt schadet, befürworten Grüne, SPD und Linke diese als Schritt in Richtung Verkehrswende. Sie hoffen, dass dadurch der Parksuchverkehr reduziert wird, weil mehr Autos in den Parkhäusern abgestellt werden – und dass letztlich mehr Menschen vom Auto auf andere Verkehrsmittel umsteigen.
Größere Diskussionen gab es um einen Antrag der Freien Wähler, die forderten, künftig auch auf den Parkplätzen an E-Ladesäulen Gebühren zu erheben, da es inzwischen genügend andere Anreize zum Kauf eines E-Autos gebe. Damit wolle man auch die Fluktuation auf diesen Parkplätzen erhöhen. Nachdem die Verwaltung dazu spontan einige Fakten präsentiert hatte, wurde dieser Forderung letztlich ebenso mehrheitlich zugestimmt wie der Erhöhung der Parkgebühren.
Erst vor wenigen Monaten hat die Stadt Esslingen die Gebühren für das Anwohnerparken drastisch erhöht. Diese Preissteigerungen sind Teil eines groß angelegten Sparpakets, mit dem die Stadt ihren Haushalt entlasten will. Im Rathaus erhofft man sich durch die jetzt beschlossene Erhöhung der Parkgebühren (diese sind seit dem Jahr 2017 unverändert geblieben) Mehreinnahmen von knapp 250 000 Euro im Jahr. Dabei wird auch auf steigende Kosten für die Parkplätze verwiesen. Letztere ergäben sich unter anderem, weil durch die Neuordnung der Umsatzbesteuerung der Kommunen ab 2023 Entgelte für größere Parkplatzflächen umsatzsteuerpflichtig sind. In Esslingen treffe das auf 22 Prozent der städtischen Parkflächen zu. Für diese müssen laut dem Rathaus künftig voraussichtlich rund 28 000 Euro Umsatzsteuer abgeführt werden. 

Der digitale Parkschein: In Esslingen wird das digitale Bezahlen der Parkgebühren ermöglicht. Das hat der Gemeinderat jüngst auf Empfehlung des Verwaltungsausschusses beschlossen. In den nächsten Wochen werden nun die vertraglichen Details zwischen den Anbietern und der Stadt geregelt. Voraussichtlich ab dem ersten Quartal 2023 werden in Esslingen alle gängigen Park-App-Betreiber angeboten. Bei der Bezahlung per App wird ein Rabatt von rund zehn Prozent des Preises im Vergleich zum Kauf am Parkscheinautomat gewährt. Dies soll einen Anreiz zur Nutzung der Handy-Apps schaffen, war aber unter den Gemeinderäten umstritten. Werden viele digitale Tickets gelöst, müssen die Parkscheinautomaten weniger oft geleert und könnten teils sogar abgebaut werden, so das Kalkül. Allerdings: Laut Stadtverwaltung zeigen Erfahrungen aus vergleichbaren Kommunen wie Tübingen oder Ulm, dass nur etwa zehn Prozent der Parkscheine auch digital bezahlt werden. Und erst ab einer Quote von etwa 30 Prozent rechnet man mit Einsparmöglichkeiten.
Über die Initiative „Smart Parking“, ein Zusammenschluss verschiedener Anbieter elektronischer Zahlungssysteme für bargeldloses Parken, stehen in Esslingen künftig sieben verschiedene Handy-Apps zur Verfügung, über die ein digitaler Parkschein gelöst werden kann. Damit ist die minutengenaue Abrechnung und die einfache Verlängerung der Parkzeit für diese Form der Bezahlung möglich. Der Stadt sollen durch die Einführung des App-Bündels keine Kosten entstehen. Allerdings verlangen die Betreiber eine Service-Gebühr vom Kunden – auch deshalb sei der Rabatt für digitale Parkscheine sinnvoll.

meb/hin / Foto: Ines Rudel


Fast zehn Millionen Euro mehr

Preissteigerungen machen Sanierung des Plochinger Gymnasiums teurer – Umzugstermine werden nicht eingehalten

Dass es bei der Sanierung und Erweiterung des Plochinger Gymnasiums nicht rund läuft, ist bereits vor wenigen Wochen bei der öffentlichen Kritik des Projektsteuerers an der Bauleitung deutlich geworden. Der aktuelle Bericht zum Baufortschritt, der in der Vorlage für den Gemeinderat zusammengestellt war, fasste die Belastungen für das auf mehrere Jahre angelegte Großprojekt zusammen: Wegen Pandemie und Ukrainekrieg kam es zu massiven Problemen in der Personal- und Materialverfügbarkeit, zu Lieferengpässen und Preissteigerungen. Die Verzögerungen brachten den Bauablauf durcheinander. Zudem verließen der Gesamtprojektleiter sowie der Projektleiter für das Gewerk Sanitär das koordinierende Unternehmen, dem Bodenleger wurde gekündigt, die Montagetermine für die Fachräume wurden verschoben.
Weil die Arbeiten am Hauptbau von der Fertigstellung des Kupfer- und Neubaus abhängig sind, wurden auch diese bereits mehrmals zurückgestellt. Dazu kommen teils strittige Nachträge aus „fehlerhaften Ausschreibungen, Messfehlern, Preissteigerungen, Terminzwängen“. Hohe Nachträge in den Roh-, Stahl- und Trockenbauarbeiten ließen die Planansätze überschreiten.
Weil sich die Stadt Plochingen teilweise im Zahlungsverzug befindet, war der Gemeinderat gefragt. Zudem musste dieser die Arbeiten für den Rohbau sowie für die Baustelleneinrichtung des Hauptbaus vergeben. Aufgrund der davongaloppierenden Kosten beantragte die CDU-Fraktion ein „Projekt-Reset“, weil sie den finanziellen Handlungsspielraum der Stadt gefährdet sieht. Zudem bemängelt sie eine unzureichende Förderung durch das Land.
Bürgermeister Frank Buß betonte, dass die Schwierigkeiten beim größten Bauprojekt in der Geschichte der Stadt in den komplexen, ineinandergreifenden Arbeiten liegen. Er habe Ende Juli ein Gespräch mit dem Architekturbüro geführt, das ihm „spürbare Verbesserungen“ und eine personelle Verstärkung zugesagt habe. Um das Projekt enger zu begleiten, hat er nun einen „Steuerungskreis Gymnasium“ ins Leben gerufen. Vorgesehen war, dass der Kupfer- und Erweiterungsbau im Sommer 2022 hätte fertiggestellt sein sollen. Buß: „Wir planen jetzt mit einem Umzug im März 2023.“
Was die Kosten anbelangt, sei man ursprünglich von 3,5 Prozent Steigerung ausgegangen, doch „die Welt hat sich verändert“, so Buß. Der Baupreisindex stieg 2021 wegen der Pandemie bereits um circa sechs, 2022 wegen des Ukrainekrieges um etwa 19 Prozent. Die neue Prognose der Architekten gehe von Mehrkosten von rund 9,7 Millionen Euro aus. Die Gesamtkosten beliefen sich dann auf 58 Millionen Euro. Das werde auch die Fortschreibung des Investitionsplans 2030 der Stadt beeinträchtigen, worauf reagiert werden müsse, so der Plochinger Rathauschef.
Reiner Nußbaum (CDU) forderte, den Fertigstellungstermin verbindlich festzuschreiben. In Bezug auf förderfähige Leistungen, die teils bis Ende 2023 abgerechnet werden müssen, gehe die CDU davon aus, „dass die Stadtverwaltung diese Problematik im Griff hat“. Und: Das Land könne kein sechszügiges Gymnasium vorschreiben und sich mit nicht einmal 25 Prozent der Kosten beteiligen. Thomas Fischle (SPD) befürchtet, dass Prozesse auf die Stadt zukommen. Er betonte, die Schulleitung rechtzeitig zum Umzugstermin zu informieren, in dieser Zeit fänden Prüfungen und das Abitur statt. „Der Sachstand erschreckt“, meinte Lorenz Moser (OGL). Doch aufkündigen wäre noch schlechter, „wir wollen auch keine Bauruine haben“. Harald Schmidt (ULP) befürchtet, dass die 60 Millionen Euro „nicht das Ende vom Lied“ sein werden.
„Obwohl wir Bauchweh haben“, so Buß, empfehle die Stadtverwaltung die Vergabe weiterer Gewerke, wie die Rohbauarbeiten am Hauptbau im Umfang von rund 932 000 Euro sowie der Baustelleneinrichtung in Höhe von circa 217 000 Euro. Bis auf Schmidt stimmten alle Stadträte zu. „Wir haben keine bessere Alternative“, sagte Buß.

mdr / Foto: Matthias Drißner


Nur wenige Sirenen heulen

Beim Warntag am 8. Dezember wird es im Kreis Esslingen nicht sehr laut werden – Handy unbedingt einschalten

Deutschland, betont die Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD), müsse sich für die Zukunft besser für Krisenlagen wie Wetterextreme, Großbrände oder Hochwasser wappnen. Dazu gehöre vor allem, die Bevölkerung bei Gefahren schnell und zielgerichtet zu warnen. Am Donnerstag, 8. Dezember, wird es deshalb erneut einen bundesweiten Warntag geben, um die verschiedenen Informationskanäle auf ihre Funktion und mögliche Schwachstellen zu überprüfen. Unter anderem werden um 11 Uhr die Sirenen ertönen – eine Minute lang mit einem auf- und wieder abschwellenden Heulton.
Auch der Landkreis Esslingen beteiligt sich nach Angaben des Landratsamtes am Warntag. Dennoch könnte es im Kreisgebiet eher ruhig bleiben. Was daran liegt, dass es hier kaum noch Sirenen gibt. Die einst in Zeiten des Kalten Krieges flächendeckend installierten Zivilschutzanlagen sind seit der Deutschen Einheit fast vollständig demontiert worden – man hielt sie politisch und kommunikationstechnisch für überflüssig. Laut dem baden-württembergischen Innenministerium wurden im Kreis Esslingen bis zum Jahr 2002 ganze 187 Sirenen abgebaut, übrig geblieben waren noch 95 Anlagen. Und deren Anzahl reduzierte sich weiter: auf 43 im Jahr 2015 und 32 im Jahr 2020. Über die Technik verfügen demnach nur noch 17 von 44 Kreiskommunen. Wie viele Sirenen zum jetzigen Zeitpunkt tatsächlich betriebsbereit sind, ist unklar. „Momentan läuft eine Erhebung der aktuellen Daten“, sagt Andrea Wangner, die Sprecherin der Esslinger Kreisverwaltung.
Die Flutkatastrophe im Ahrtal im Sommer des vergangenen Jahres hat zu einem Umdenken geführt. Bund und Länder sprachen sich in der Folge für den Ausbau des Zivilschutzsirenennetzes aus. Mit knapp 90 Millionen Euro wurde die Anschaffung neuer Sirenen sowie moderner Steuerungstechnik zur Wiederinbetriebnahme noch vorhandener Anlagen vom Bund gefördert. Aus diesem Topf erhielt Baden-Württemberg Anfang des Jahres rund 11,2 Millionen Euro. Viel zu wenig: Laut dem Innenministerium haben die Städte und Gemeinden im Land insgesamt 571 Anträge auf Förderung im Volumen von rund 37 Millionen Euro gestellt.
Allein aus dem Landkreis Esslingen wurden demnach 24 Anträge beim zuständigen Regierungspräsidium Stuttgart eingereicht, gerade mal eine Handvoll davon konnte die Behörde bei der Mittelverteilung berücksichtigen: Zuschüsse erhielten Filderstadt, Altbach, Wernau, Bissingen und Kohlberg. Zum Vergleich: Im Kreis Ludwigsburg erhielten 16 Kommunen (32 Anträge) Fördergelder, ebenso viele profitierten im Rems-Murr-Kreis (31 Anträge) vom Sonderprogramm. Der Kreis Böblingen wollte zunächst erst mal ein Ausbaukonzept ausarbeiten. Und auch die Landeshauptstadt Stuttgart verzichtete „mangels Planungsreife“ auf eine   Antragstellung.
Vor diesem Hintergrund, räumt man in den Innenministerien von Bund und Land ein, genüge es nicht, allein auf Sirenen zu setzen. Vielmehr sei ein „Warnmix“ erforderlich, um möglichst viele Menschen über verschiedene Kanäle zu erreichen, etwa über Radio, Fernsehen und Smartphone. Das soll in diesem Jahr besser funktionieren als 2020 – beim ersten bundesweiten Warntag war einiges schief gelaufen. Unter anderem gingen Meldungen über Warnapps mit reichlich Verspätung raus. Wäre es tatsächlich ein Ernstfall gewesen, hätten viele Bürger davon wohl nicht rechtzeitig etwas mitbekommen. Zudem blieben mancherorts die Sirenen stumm. Denn viele von ihnen waren technisch nicht in der Lage, die Signale für die Warnung zu empfangen.
Im Kreis Esslingen, erläutert Andrea Wangner, seien die Sirenen bisher noch nicht an das vorhandene Modulare Warnsystem (Mowas) angeschlossen. Ob die Kommunen ihre Sirenen heulen lassen oder nicht, entscheiden sie selbst – die Teilnahme am bundesweiten Warntag ist freiwillig. Nach den Worten von Wangner erhofft sich das Amt für Katastrophenschutz und Feuerlöschwesen im Esslinger Landratsamt vom Warntag zwei Dinge: „Zum einen die Sensibilisierung der Bevölkerung und der Kommunen für die Warnung der Bevölkerung, zum anderen einen guten und erkenntnisreichen Test des Warnsystems.“
Beim diesjährigen Testlauf kommt nämlich etwas Neues dazu: Erstmals soll die Warnung via Cell Broadcast getestet werden. Bei diesem System muss man keine Warn-App auf dem Smartphone haben, um benachrichtigt zu werden. Ein eingeschaltetes Gerät im Mobilfunknetz genügt. Die Testmeldung, zentral vom Bund gesteuert, wird deutschlandweit verschickt.

eh / Foto: dpa


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Die Klima-Bewegung „Letzte Generation“ blockiert in ihrem Kampf Straßen und attackiert Kunstwerke. Dürfen Klimaaktivisten so weit gehen?

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Auf beschränktem Raum

Deutlich abgespeckte Pläne für die Esslinger Stadtbücherei finden bei den meisten Gemeinderatsfraktionen Zustimmung

Der Countdown läuft: Bis Jahresende wollen Gemeinderat und Stadtverwaltung Klarheit, wie es mit der Esslinger Stadtbücherei weitergeht. Angesichts der Finanzlage und einer von 25 auf 61 Millionen Euro korrigierten Kostenschätzung will der Oberbürgermeister Matthias Klopfer nur noch eine „kleine, feine Sanierung“ – die geplante Erweiterung soll es nicht geben. In einer intensiven gemeinsamen Sitzung von Verwaltungs- und Kulturausschuss wurden die Pläne vergangene Woche konkretisiert – und die Zuhörerplätze im Ratssaal knapp.
Unerlässlich sind „Mindestmaßnahmen zur Aufrechterhaltung des Büchereibetriebs“. Hinzukommen könnten „weitere Sanierungsbausteine zur Verbesserung der Raum- und Aufenthaltsqualität“ sowie der „konzeptionellen Verbesserung der Bibliotheksarbeit“. Bis auf die Linken ließ keine Fraktion erkennen, dass sie mehr tun will als die Verwaltung.
Klopfer verwies auf das hohe Ansehen der Bücherei. Man biete „eine sehr gute Lösung“, über die Details werde man mit den Bürgern und der künftigen Büchereileitung diskutieren. Mehr als maximal 15 Millionen Euro, verteilt auf die Jahre 2023 bis 2029, seien nicht machbar. Der Baubürgermeister Hans-Georg Sigel sprach von einer „komplexen Planung“. Die Kostensteigerung sei nicht nur der Baupreisentwicklung geschuldet. Gegenüber dem Wettbewerbsentwurf hat die Stadt zusätzliche 840 Quadratmeter Fläche eingeplant, die mit 27,7 Millionen Euro kalkuliert sind. Die Stadt wolle Sanierungsbedarf, konzeptionelle Anforderungen und finanzielle Möglichkeiten in Einklang bringen. Der Kulturbürgermeister Yalcin Bayraktar glaubt, dass die „kleine, feine Sanierung“ die Situation der Bücherei deutlich verbessern wird. Auch ohne zusätzliche Flächen wolle man mehr Barrierefreiheit, eine Stärkung der Familienbibliothek und der Möglichkeiten als Lernort sowie eine bessere Aufenthaltsqualität. Die Bürgerschaft solle mitreden, was innerhalb des Finanzrahmens sinnvoll und nötig sei.
Oliver Wannek, der Chef der Städtischen Gebäude, versicherte, die Kostenschätzung der Stadt sei „plausibel und nicht schlechtgerechnet“. Die geplanten Maßnahmen wurden in drei Kategorien eingeteilt: In Kategorie eins ist aufgelistet, was teils seit Jahren im Argen liegt und was „zum weiteren Betrieb der Bücherei zwingend und vollständig umgesetzt werden muss“. Dafür sind 7,6 Millionen Euro eingeplant. Maximal weitere 7,4 Millionen sollen zur Aufwertung der Raum- und Aufenthaltsqualität etwa durch einen barrierefreien Eingang von der Webergasse (Kategorie zwei) und in die qualifizierte Bibliotheksarbeit (Kategorie drei) investiert werden.
Tim Hauser (CDU) und Sven Kobbelt (FDP) hatten indes festgestellt, dass die Addition aller Punkte deutlich weniger als 15 Millionen Euro ergibt. „In unserer Vorlage sind noch nicht alle Bausteine enthalten“, räumte Finanzbürgermeister Ingo Rust ein. Und Oliver Wannek unterstrich: „Nur das erste Sanierungspaket von 7,6 Millionen Euro ist nicht zu streichen. Alles Weitere ist jederzeit zu stoppen.“
Carmen Tittel (Grüne) sprach von einem „atmenden Modell“ und fand es „sehr gut, wie die Verwaltung das Thema aufgearbeitet hat“. Ulrike Gräter (SPD) findet ein Baukastensystem „angemessen“ und legt Wert auf Barrierefreiheit und Familienfreundlichkeit. Annette Silberhorn-Hemminger (Freie Wähler) möchte Synergien nutzen und fragte mit Blick auf den Zeitraum von 2023 bis 2029, ob manches nicht schneller gehe. Sven Kobbelt signalisierte Zustimmung zu den unverzichtbaren Punkten. Vom Nachbarhaus Heugasse 11, das für die Erweiterung vorgesehen war, könne sich die Stadt „zeitnah trennen“. Tim Hauser vermisste in den Plänen einen roten Faden. Martin Auerbach (Linke) forderte „eine zeitgemäße und für die Größe unserer Stadt angemessene Bibliothek“. Für einen „dritten Ort“ der Identifikation – neben Wohnung und Arbeitsplatz – sei die Heugasse 11 unverzichtbar.

adi / Foto: Roberto Bulgrin


Gotteshaus auf Betonsäulen

In der Köngener Peter-und-Paulskirche bilden sich tiefe Risse – Gebäude wird ab dem Frühjahr 2023 saniert

Der Weg für die Sanierung der spätgotischen Peter-und-Paulskirche im Frühjahr ist frei. In dem Mauerwerk der Köngener Kirche aus dem 16. Jahrhundert zeigten sich in den vergangenen Jahren immer mehr Risse, in Gottesdiensten bröckelte sogar der Putz. „Es ist uns wichtig, die spätgotische Pfarrkirche für künftige Generationen zu erhalten“, sagt der Köngener Pfarrer Ronald Scholz. Zwar wurde die Kirche erst 2011 umfassend saniert. Durch die Trockenheit kam es jedoch zu Setzungen im Untergrund. Nach Probegrabungen stimmten die Archäologen des Landesdenkmalamts dem Projekt nun zu.
Mit einem Düsenstrahlverfahren soll nun Beton unter die Fundamente eingespritzt werden. Diese Säulen stabilisieren den Untergrund. „Mit diesem Verfahren gelingt es uns, die Setzung auszugleichen“, sagt der Stuttgarter Architekt Urban Kreuz, der das aufwendige Sanierungsprojekt realisiert. Die vom Landesdenkmalamt geforderten Probegrabungen sind seit Mitte Oktober abgeschlossen. Mittlerweile steht der Zeitplan. „Im Frühjahr würden wir mit den Arbeiten beginnen, die dann voraussichtlich sechs bis acht Wochen dauern“, sagt Ronald Scholz. Ob das in dem sportlichen Zeitrahmen klappt, hänge nicht zuletzt von den Angeboten ab, die die Kirchengemeinde auf die Ausschreibung der Tiefbauarbeiten erhält. Wenn das Gebäude mit unterirdischen Betonsäulen unterfangen ist, können die Risse an den Wänden jedoch noch nicht gleich repariert werden. Diese Arbeiten stehen Anfang 2024 auf dem Plan.
Die Risse in den Wänden werden nach den Worten des Bauingenieurs Andreas Rau immer größer. Der Fachmann betreut das Projekt für die evangelische Kirchengemeinde ehrenamtlich. Nach der Sanierung der Kirche im Jahr 2011 waren nach Raus Worten keine Risse in den Wänden zu sehen. Jetzt klaffen diese nicht nur in der Außenfassade. Gottesdienstbesucher betrachten mit Sorge, dass die Innenwände an einigen Stellen reißen. „Die Risse werden größer“, sagt Rau. Es sei an der Zeit, das statische Problem zu beheben. Durch das Einspritzverfahren wird das Fundament auf lange Sicht gesichert. „Der Kirchturm, der im 18. Jahrhundert gebaut wurde, liegt sehr viel tiefer in der Erde“, sagt Urban Kreuz. Deshalb bildeten sich dort keine Risse.
Dass der Handlungsbedarf groß ist, steht für Pfarrer Scholz außer Zweifel. Die Kosten für die Sanierung belaufen sich auf 1,2 Millionen Euro. Das bestreitet die Kirchengemeinde unter anderem aus Mitteln der Ehmann-Stiftung, für die sich Altbürgermeister Hans Weil als deren Vorsitzender stark gemacht hatte. Man stelle auch einen Antrag bei der Bürgerstiftung, ergänzt Andreas Rau. Mit Benefizaktionen hat die Gemeinde einen beträchtlichen Eigenanteil beigesteuert.
„Die Peter-und-Paulskirche ist ein wichtiges Gebäude für alle Menschen in Köngen“, sagt die Pfarrerin Ursula Ullmann-Rau. Dort finden Konzerte und Vorträge statt. Dass viele Künstlerinnen und Künstler die Sanierung mit Benefizkonzerten unterstützen, freut die Theologin. Auch für Menschen anderer Konfessionen ist die weithin sichtbare Kirche, die Köngens Wahrzeichen ist, ein Ort der Begegnung. Nicht zuletzt ist das Gebäude ein kunsthistorisches Denkmal. Das wunderschöne Kreuzrippengewölbe über dem Chor hat der Baumeister Stephan Waid im 16. Jahrhundert entworfen. Sein Schwager und Nachfolger Dionysos Beblinger vollendete das Werk.
Anfang des Jahres 2023 geht das Köngener Gotteshaus in die Winterpause. Um Energiekosten zu sparen, zieht die evangelische Gemeinde in den Wintermonaten vom 8. Januar bis 21. März 2023 ins Gustav-Werner-Gemeindehaus um. Dort finden auch die Gottesdienste während der Bauzeit statt.

eli / Foto: Ines Rudel


Glasflaschen werden Mangelware

Weingärtner und Schnapsbrenner im Kreis Esslingen befürchten, ihre Produkte in untypische Gefäße abfüllen zu müssen

Maximilian Kusterer hat Glück gehabt. Durch Zufall hat der Inhaber des gleichnamigen Esslinger Weinguts im vergangenen Jahr sehr viele Weinflaschen bestellt – und konnte bis dato abfüllen wie geplant. Doch ob das so bleibt, ist ungewiss. Denn wegen des Ukraine-Kriegs sind Glasflaschen hierzulande inzwischen Mangelware. Zum einen, weil diese zuvor zum großen Teil aus Glashütten in Russland und der Ukraine kamen. Zum anderen, weil der Krieg die Energiepreise in die Höhe getrieben hat – und sich das auf die energieintensive Glasproduktion auswirken könnte. Kusterer ist längst nicht der Einzige, der das zu spüren bekommt.
Früher habe er zwei Wochen vor der Abfüllung beim Lieferanten angerufen und alles bekommen, was er brauchte, erzählt Kusterer. In diesem Jahr hingegen habe er bereits im Juli die Bestellung für den Winter aufgegeben – und sei immer noch nicht sicher, ob tatsächlich wie gewünscht geliefert werde. Auch in anderen Bereichen müsse man immer mehr vorausplanen: Angesichts von Aluminiumknappheit müssten die Schraubverschlüsse für Weinflaschen statt wie zuvor wenige Monate inzwischen ein Dreivierteljahr im Voraus bestellt werden. Wer etwas an seinem Produkt verändern wolle – und sei es nur das Etikett – müsse das bald anderthalb Jahre vorher planen.
Abgesehen davon werde auch alles teurer: neben Flaschen und Verschlüssen auch das Material für den Weinanbau, die Kartons für die Online-Bestellungen sowie der Versand selbst. Daher glaubt Maximilian Kusterer: „Bei den Weinpreisen wird sich sicher noch etwas tun.“
Davon ist auch Ramona Fischer, Geschäftsführerin der Esslinger Weingärtnergenossenschaft Teamwerk, überzeugt: „Wir müssen die Preise erhöhen, auch wenn die Frage ist, ob der Verbraucher das mitmacht.“
Der Mangel an Glasflaschen betrifft die Genossenschaft zwar nur bedingt, weil das Gros des Rebensafts der rund 100 Mitglieder in der Württembergischen Weingärtner-Zentralgenossenschaft (WZG) in Möglingen abgefüllt wird. Doch viele der Weingärtner haben auch Sonderflaschen im Repertoire, die sie selbst befüllen. Angesichts der Lage habe man vorgesorgt und jetzt noch einige Sonderflaschen auf Lager – aber niemand wisse, wie sich die Situation entwickele, so Ramona Fischer. „Es steht ein ganz großes Fragezeichen über dem nächsten Jahr.“ Denkbar sei durchaus, dass einige Hochöfen in den Glashütten wegen der enormen Energiepreissteigerungen heruntergefahren würden und der Flaschenmangel sich verschärfe, sagt Fischer.
Bei der WZG, wo auch die Mitglieder der Weingärtnergenossenschaft Hohenneuffen ihren Rebsaft abfüllen lassen, sorgt man sich aktuell weniger um den Flaschenmangel als vielmehr um die exorbitant steigenden Preise. „Wir befinden uns nicht in einer Glasmangellage“, betont Daniel Schäufele, Betriebsleiter der Produktion bei der WZG – noch nicht.
Die Versorgung der Zentralgenossenschaft mit ausreichend Weinflaschen sei vertraglich abgesichert, und zumindest in diesem Jahr könne der Bedarf gedeckt werden. Aber angesichts von Preissteigerungen bis zu 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr müssten die Weinpreise zwangsläufig steigen, glaubt Schäufele. Unklar sei, wie es weitergehe: Selbst die Glashütten könnten derzeit keine belastbaren Aussagen über die Zukunft treffen.
In anderen Bereichen hingegen macht sich der Mangel an Glasflaschen bereits deutlich bemerkbar. So berichtet etwa Immanuel Gruel, Inhaber einer Whisky-Destillerie in Owen, dass die Flaschen für seine Destillate inzwischen oft schwer erhältlich und teils doppelt so teuer seien wie vergangenes Jahr: „Manche Flaschenformen sind seit Frühjahr nicht zu bekommen.“ Dass er gar keine Flaschen mehr beziehen kann, hält Gruel für unwahrscheinlich. Aber es sei möglich, dass er seinen Whisky in braune oder grüne Apothekerflaschen füllen müsse statt in hohe, elegante Weißglasflaschen. Das habe er von anderen Destillerien gehört – ebenso von Whiskybrennern, die auf Halbliter-Bierflaschen zurückgreifen mussten. Gruel hält es für sehr unwahrscheinlich, dass für das Weihnachtsgeschäft noch die richtigen Flaschen kommen. Dass das den Verbraucher abschrecke, glaubt er zwar nicht. Schwieriger aber seien die starren Strukturen im Lebensmittelhandel: Dort seien die Regale genau auf die Produktgrößen abgestimmt – Abweichungen könnten zu Problemen führen. „Es bleibt spannend“, sagt Gruel.

meb / Foto: Roberto Bulgrin


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Baden-Württemberg hebt neben Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein die Isolationspflicht für Corona-Infizierte auf. Ist das der richtige Weg?

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Das Marktvolk kehrt zurück

Nach zwei Jahren Zwangspause findet der Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt wieder statt

In Esslingen gehört die Adventszeit wieder den Gauklern und Feuerspuckern, den Händlern und Stelzenläufern, den Handwerkern, Musikanten und Wirtsleuten – und den rund eine Million Besucherinnen und Besuchern, die hier leben, die die S-Bahn am Bahnhof ausspuckt oder die aus den Überlandbussen quellen. Nach dem Lockdown im ersten Coronajahr und der Absage in letzter Minute 2021 ist Esslingens Oberbürgermeister Matthias Klopfer zuversichtlich, am Dienstag, 22. No­vember, um 17 Uhr, den Mittelalter- und Weihnachtsmarkt tatsächlich eröffnen zu können.
„Damit können wir wieder die historische Qualität unserer Stadt in Szene setzen“, betont Michael Metzler, als Chef des Stadtmarketings und der Esslingen Markt und Event für das Großereignis verantwortlich. Dabei geht es nicht nur um die Außenwahrnehmung der Stadt. Zwei Jahre lang hat dem Handel und Gewerbe in der Innenstadt ein wichtiger vorweihnachtlicher Wirtschaftsfaktor gefehlt. Im Vorjahr mussten Metzler und Klopfer das Marktvölkchen einen Tag vor Eröffnung wieder nach Hause schicken, obwohl man intensiv an Pandemiekonzepten gebastelt hatte. „Das war bitter“, bewerten die beiden noch im Nachhinein die Absage.
Dabei hatten die Verantwortlichen an einem Entwurf nach dem anderen gestrickt, wie Markt-Architekt Jörg Schall berichtet. Der Mittelalter- und Weihnachtsmarkt 2022 wird zwar nicht ganz so luftig, wie das Event 2021 geworden wäre – hätte es stattgefunden. Aber einzelne Bausteine des Konzepts vom vergangenen Jahr finden sich in der Buden- und Zeltlandschaft 2022 durchaus wieder. So verschafft beispielsweise die Einbeziehung des Straßenraums vor der Stadtkirche dem Weihnachtsmarkt mehr Platz. Auch auf dem Rathausplatz und hinunter zum Hafenmarkt soll es nicht mehr so eng zugehen. Insgesamt kommt Markt-Architekt Schall auf zehn Prozent mehr Fläche bei zehn Prozent weniger Ständen. Denn nicht alle Händler und Gaukler haben die Pandemie und die Absage im Vorjahr überstanden. „Vor allem für die Mittelalterleute, die für ihre Waren teils Kredite aufgenommen hatten, war es schwierig. Denn noch im September hatte es geheißen, dass man alle Märkte betreiben könne“, erinnert sich Metzler. Zudem haben einige aufgehört, etwa ein Großgastronom aus Leipzig.
Insgesamt werden die Weihnachtsmarkt-Beschicker zwischen Kielmeyerhaus und St. Dionys 70 Stände aufbauen. Das Mittelaltervolk wird am Alten Rathaus und auf dem Hafenmarkt 68 Zelte und Bretterbuden aufschlagen. „Wir haben zwölf Stände weniger als vor der Pandemie“, rechnet Metzler vor. Das tue der Qualität keinen Abbruch, betont Marktchefin Petra Pfeiffer und verweist auf das ausgewogene Verhältnis zwischen Gastro- und Verkaufsbuden. Neben Klassikern wie Spielmann Bijan oder den Stelzen- und Feuerkünstlern Marco und Lidia treten neue Künstler wie die tschechische Musikgruppe Braagas beim täglichen Programm auf.
Während das Märchenzelt aus Pandemiegründen sicherheitshalber nicht aufgeschlagen wird, freut sich die Betreiberin des Badezubers auf dem Hafenmarkt über eine große Nachfrage nach Terminen. Über Social Media soll der Markt etwa nach Singapur und Japan getragen werden. Auch mit analogen Gästen aus ganz Deutschland und der Schweiz wird gerechnet.
Flankiert wird der Mittelalter- und Weihnachtsmarkt von gut 30 Ständen, die Organisator Til Maehr an den Adventswochenenden in die Ritterstraße holt. Zudem gibt es die Weihnachtsinsel rund um den Postmichel – mit Lebendiger Krippe und Glühweinausschank für den guten Zweck. Das Sicherheitskonzept für das Markttreiben ist ausgefeilt. Ordnungsamtsleiter Jochen Schilling rät allen Gästen dringend, mit Bussen und Bahnen anzureisen. „Es wird rigoros abgeschleppt“, droht er Falschparkern. 

Info: Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt vom 22. November bis 22. Dezember, geöffnet Sonntag bis Donnerstag 11 bis 20.30 Uhr, Freitag bis Samstag 11 bis 21.30 Uhr.

biz / Foto: Ines Rudel