Abgestimmt!

Vor zehn Jahren wurde über eine Volksabstimmung die Fortführung von Stuttgart 21 geregelt. Wurde mit dem Referendum der Konflikt um das Mammutprojekt befriedet?

Foto: dpa

Befriedet?

Ergebnis

Loading ... Loading ...


41 Jahre im Dienst des Waldes

Helmut Glowania verabschiedet sich als Revierförster von  Baltmannsweiler in den Ruhestand

Die Schlösslesseen mit ihren Wiesen und dem Wald drum herum sind  Helmut Glowanias  Lieblingsplatz in Baltmannsweiler. Zum Genießen dieses geschichtsträchtigen Ortes, wo einst ein Jagdschlösschen im königlichen Wildpark stand, hat der Revierförster  nun mehr Zeit. Nach 41 Jahren im Dienst des  Baltmannsweiler Waldes ist Glowania Ende November  in den Ruhestand gegangen und hat die Jahrhundertaufgabe an  Nachfolger Tobias Huning übergeben.

„Wir denken hier in großen Zeitspannen“, verdeutlicht  Glowania die forstlichen Dimensionen, denn es dauere bis zu 160 Jahre, bevor die Bäume geerntet werden können. In dem gut 1500 Hektar großen Staatswald reiche eine Förstergeneration natürlich nicht aus. „Man übernimmt die Arbeit immer vom Vorgänger“, erklärt der Waldfachmann, der den Beruf von der Pike auf gelernt hat. Mit 15 Jahren meldete  sich Glowania für   einen Waldarbeiterlehrgang, arbeitete dann in Winterbach,  bildetet sich  an forstlichen Bildungszentren weiter, bevor er sich für das Studium der Forstwirtschaft an der Hochschule Rottenburg entschied.

Die Arbeit sei  interessant und abwechslungsreich gewesen – von Anfang an, bekennt der Revierleiter und erzählt   eine Anekdote mit ernstem politischen Hintergrund  aus den  1980er-Jahren: Eines Tages stand er ohne Vorwarnung vor dem  abgesperrten Revier, weil  die amerikanischen Streitkräfte in Baden-Württemberg Baltmannsweiler als vorübergehenden Standort für die mobilen  Pershing-II-Raketen  ausgewählt hatten. In seinen Wald kam Glowania  schließlich  doch noch – mit einem Passierschein.

Neben Verantwortung und viel Arbeit bringe der Beruf des Försters viele   Freiheiten mit sich. Aber er habe auch zig Reformen erlebt, so gesehen könne ihn nichts mehr schrecken, meint Glowania. Sein Revier sei immer  gewachsen, zuletzt 2020, als ihm  stattliche Wälder des Hauses Württemberg in Schanbach, Krummhardt und Baach zugeschlagen wurden.

Viel Freude habe ihm der Waldbau, mit dem die Bestände verjüngt werden, und die Ausweisung von Habitatbaumbeständen   bereitet. Dabei gehe es immer auch ums Thema Gleichgewicht zwischen Ökologie und Ökonomie. Doch die Forstwirtschaft sei keine leichte Aufgabe in Zeiten, in denen Stürme, Hitze und Dürre dem Wald zusetzen, denn Forstwirtschaft verlange immer  auch wirtschaftliches Handeln.  Welche Arten vertragen die zunehmend heißen Sommer und welche kommen mit der Staunässe zurecht, die der Waldboden in manchen Lagen des  Schurwalds bereithält? „Wir brauchen die Mischung“, sagt Glowania  und verweist auf die standorttypischen Buchen, die gemeinsam mit Kiefern, Eichen und Lärchen die bekannte Schurwaldmischung ausmachen.  Der hiesige Forst setze auch auf  Douglasien, Nussbäume, Edelkastanien und   sogar  auf Tulpenbäume, die seit den 1960er-Jahren den  Schurwald artenreicher machen.   Aufgeforstet werde häufig nach Stürmen, von denen Glowania schon viele erlebt hat.  Gut erinnern kann er sich  noch an „Wibke“, „Vivien“ und vor allem „Lothar“ in den 1990er-Jahren. Letzterer habe am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999 immense Schäden hinterlassen.

Seit den 1990er-Jahren habe im  Forst Baden-Württemberg daraufhin ein Umdenken stattgefunden.  Standort- und Bodenuntersuchungen läuteten die Abkehr von der Fichte ein, die als besonders sturmanfällig gilt. Aber wer auf mehr Edelholz wie Eiche setze, müsse auch den Wildverbiss  in den Griff bekommen. So sorgt auch   Glowania, wie viele  seiner Zunft, in der Freizeit als Jäger für das Gleichgewicht im Wald. Außerdem setzt der Förster vermehrt auf Naturverjüngung durch die natürliche Aussaat.  „Da steht der Wald von morgen“, lenkt der Revierleiter den Blick auf die jungen Buchen und Eichen im Unterholz, deren Herbstlaub rund um die Schlösslesseen verheißungsvoll leuchtet. Künftig werde er wieder häufiger  mit Hündin  Bärbel zum Jagen durchs Revier streifen oder ein gutes Buch lesen, reisen oder mit dem Motorrad übers Land fahren, hofft Glowania. 

com/Foto: Roberto Bulgrin


Frischekur für ein Wahrzeichen

Ab kommenden Sommer wird die Plochinger Stadtkirche St. Blasius saniert –   Spendenkampagne gestartet

Dass die  Stadtkirche, zuletzt 1961/1962 renoviert, Sanierungsbedarf hat, ist schon lange klar. Seit 15 Jahren hat  man sich darüber hinter den Kulissen Gedanken gemacht. Allerdings hatte die Evangelische Kirche in Plochingen zunächst einige andere „Baustellen“ mit ihren Kindergärten und dem Dietrich-Bonhoeffer-Haus zu bewältigen, wie Pfarrer Gottfried Hengel  sagte. Aber jetzt rückt die Kirchensanierung in den Fokus. Das spätgotische Gotteshaus hat nicht nur für die evangelischen Christen, sondern für die ganze Stadt eine hohe Bedeutung. Weithin sichtbar auf dem Kirchberg stehend, ist es ein Plochinger Wahrzeichen, für zahllose Vorbeifahrende eine Landmarke und für die Plochinger das Signal, dass sie zu Hause angekommen sind. Die Identifikation mit der Stadtkirche sei sehr groß, auch unabhängig von Religion und Konfession, so Hengel.

Eine äußerliche Frischekur, die der Kirche durchaus guttäte, ist vorläufig aber kein Thema. In den kommenden Jahren geht es um den Innenraum, die Orgel und vor allem die Dachkonstruktion. „Im Wesentlichen ist das noch der gotische Dachstuhl von vor 500 Jahren“, berichtete Hengel. Untersuchungen ergaben, dass die Tannenbalken zu großen Teilen in einem guten Zustand sind. Aber einige Schäden haben sie doch. Diese sollen ab Sommer 2022 Stück für Stück behoben werden. Das ist Schritt eins der Sanierung.

Im zweiten Schritt (ab Herbst 2022) soll der Innenraum heller, freundlicher, barrierefrei und flexibler nutzbar werden, erklärte Gerhard Nölle, der gewählte Vorsitzende des Kirchengemeinderats. Die Elektrik und die Medien- und Tontechnik müssen ebenso erneuert werden wie die Heizung. Anstelle der Warmluftgebläse ist eine innovative und umweltfreundliche Luft-Wärme-Pumpe mit elektrischer Zusatzheizung geplant. Für Licht und Weite werden dunkle Holztäfelungen durch hellere Wände ersetzt und die Decke aufgehellt. Um einen durchgängigen Raum auf einer Ebene zu erhalten, senkt man den Chorraum ab und entfernt die Podeste der Kirchenbänke. Statt der fest verbauten Bänke unter der Empore gibt es dort künftig eine flexible Bestuhlung – oder Freiraum zum Zusammenkommen, ob bei neuen Gottesdienstformen, beim Ständerling oder beim Kirchencafé.

Bestehen bleiben die Emporen, die Ausrichtung und die Bildgestaltung der Kirche. Ohnehin entsteht all das in enger Abstimmung mit der Landeskirche und dem  Landesamt für Denkmalpflege. Für die Neuanordnung der historisch bedeutenden Elemente Taufstein, Altar und Kanzel wird  sogar ein Künstlerwettbewerb ausgerufen. Die Orgel zeigt schon seit ihrem Einbau einige Schwächen und soll nicht nur überholt, sondern besser an den Kirchenraum angepasst werden. Die Arbeiten ab Sommer 2022 sind auf eineinhalb Jahre veranschlagt, Weihnachten 2023 hofft man, in der Stadtkirche feiern zu können. Die Orgelsanierung dauert aber deutlich länger.

Unterm Strich stehen für die drei Sanierungsschritte Kosten von 1,9 Millionen Euro zu Buche, wovon der Löwenanteil von knapp 1,4 Millionen Euro auf den Innenraum entfällt. Für diesen muss die Kirchengemeinde 540 000 Euro an Spenden auftreiben. Weitere 200 000 Euro braucht es für die Orgel, die komplett aus Spendengeld zu bezahlen ist. Das sind enorme Beträge, aber die Ausgangslage ist dank der langen Vorlaufzeit eher ermutigend. „Seit 15 Jahren sammeln wir schon“, so Nölle. So kamen für die Innenraumsanierung bereits 320 000 Euro zusammen. Da das mehr als 50 Prozent der geforderten Spendensumme sind, dürfen die Arbeiten schon begonnen werden. Ferner greift die Kirchengemeinde auf Rücklagen (470 000 Euro) zurück und bekommt Zuschüsse von der Landeskirche (650 000 Euro) und vom  Landesdenkmalamt (30 000 Euro). Eine große Spendenkampagne soll helfen, das restliche Geld zusammenzubringen. Dafür hat sich die Kirchengemeinde den Fundraiser Julian Feil ins Boot geholt, der nun mit der Öffentlichkeitsarbeit beginnt. 

aia/Foto: Karin Ait Atmane


Schulhaus wird bald abgerissen

Die Wärmeversorgung der Zollberg-Realschule wird neu organisiert – Marode Leitungen werden erneuert

Die Zollberg-Realschule bekommt eine neue Nahwärmeversorgung. Mit der Sanierung der höchst maroden Leitungen soll die Schule künftig wieder zuverlässig und gleichmäßig beheizt werden können – und zwar aus regenerativen Energiequellen. Zudem will man den im Frühjahr anstehenden Abriss und anschließenden Neubau des schadstoffbelasteten Hauptgebäudes der Schule nutzen, um die Wärmeversorgung in dem Bereich  neu zu ordnen.

Die Stadtverwaltung macht keinen Hehl daraus, dass   die Leitungen des sogenannten Nahwärmenetzes „Zollberg – Traifelberg“ marode sind. Wegen undichter Stellen und des insgesamt sehr schlechten Zustands der Leitungen komme es immer wieder zu Ausfällen bei der Wärmeversorgung der Zollberg-Realschule, der Rohräckerschule und der nahe gelegenen Außenstelle der Württembergischen Landesbühne (WLB), die ebenfalls an diesem Netz hängt, heißt es  aus dem Rathaus.  Zudem würden die Gebäude nicht immer gleichmäßig warm. Deshalb sei eine Sanierung der Leitungen dringend notwendig.

Schon im Jahr 2018 hatten sich die bisherigen Vertragsparteien  – neben der Stadt Esslingen auch die WLB, die Stadtwerke sowie der Landkreis – zusammengesetzt und beschlossen, den bestehenden gemeinsamen Wärmeliefervertrag aufzuheben und jeweils neue Verträge abzuschließen. Eigentlich war die Sanierung und Neuordnung der Nahwärmeleitungen dann für 2020 und 2021 geplant. Doch als klar wurde, dass das Hauptgebäude der Zollberg-Realschule wegen der Belastung mit dem Schadstoff PCB abgerissen und neu gebaut werden muss, wurde der Sanierungsstart auf das Frühjahr 2022 verschoben.

Unterdessen soll in den kommenden Jahren auch der Ersatzneubau des Hauptgebäudes der Zollberg-Realschule über die Bühne gehen.  Derzeit wird der Abriss des bestehenden Gebäudes geplant. Dieser soll im Frühjahr nächstes Jahr starten und sechs bis sieben Monate dauern.  Gleichzeitig beschäftige man sich zurzeit mit der Vorentwurfsplanung  für den Neubau des Hauptgebäudes. Darüber hinaus sei die Interimsversorgung während der Bauphase mit Strom, Telefon, Wasser und Nahwärme sowie die Entsorgung des Abwassers derzeit Thema. Wenn alles läuft wie geplant, soll das neue Gebäude zum Schuljahr 2024/2025 fertig sein.

Der Neubau wurde notwendig, nachdem vor etwa drei Jahren ans Licht kam, dass das bestehende Hauptgebäude der Realschule so stark mit dem Schadstoff PCB (polychloriertes Biphenylen) belastet ist, dass dort kein Unterricht mehr stattfinden soll.   Der Grenzwert für den Schadstoff, der als krebserregend gilt, wurde bei Messungen in den Schulräumen teilweise um ein Vielfaches überschritten.  Selbst Mobiliar und Unterrichtsmaterialien waren teils so stark kontaminiert, dass sie nicht mehr genutzt werden konnten.  Zwar hatten die zuständigen Gesundheitsämter stets betont, dass trotz der erhöhten Werte keine Gesundheitsgefährdung für die Nutzer der Zollberg-Realschule bestanden hätte.  Dennoch musste die Stadt wegen der Überschreitung der sogenannten Vorsorgewerte reagieren.

Angesichts der massiven Schadstoffbelastung beschloss man im Rathaus, das Hauptgebäude zu räumen und die Schülerinnen und Schüler stattdessen in Containern unterrichten zu lassen.  Seit Herbst 2019 steht das Containerdorf, in dem nicht nur zahlreiche Klassenzimmer, sondern auch die Schulverwaltung untergekommen sind.   Wenn das neue Hauptgebäude der Schule tatsächlich zum Schuljahr 2024/2025 fertig wird, wird der  Interimscampus ganze fünf Jahre lang genutzt worden  sein.

Derzeit beschäftigt Schüler und Lehrer im Containerdorf   aber  wohl noch ein anderes Thema: Offenbar kühlen die Container durch das wegen der Corona-Pandemie notwendige regelmäßige Lüften extrem schnell aus, wie die SPD-Rätin Christa Müller in der jüngsten Sitzung des Betriebsausschusses der Städtische Gebäude Esslingen (SGE) zu berichten wusste. Man werde sich des Themas annehmen und eventuell zusätzliche Heizlüfter aufstellen, versprach die Stadtverwaltung daraufhin. 

meb/Foto: Roberto Bulgrin


Abgestimmt!

Die Inzidenzen steigen: Kontaktbeschränkungen, 2 G oder 2 G plus, auch mehr Impfangebote sollen helfen. Reichen diese Maßnahmen aus?

Foto: dpa

Reicht das aus?

  • Ja! (50% )
  • Nein! (50% )
Loading ... Loading ...


Die Trauer hat nun einen Platz

Im Wernauer Stadtwald erinnert eine Lindenallee an die Toten, die der Pandemie im Landkreis zum Opfer gefallen sind

Knapp 30 neu gepflanzte Winterlinden säumen den idyllischen Waldweg im Gewann Sulzhau oberhalb von Wernau. Eine Linde steht für 20 Corona-Tote im Landkreis Esslingen. Bisher – denn über der kleinen Gedenkstunde, in deren Verlauf der Esslinger Landrat Heinz Eininger, tatkräftig unterstützt vom Wernauer Bürgermeister Armin Elbl, vergangene Woche die Allee mit der Pflanzung des letzten Baumes komplettierte, schwebte unausgesprochen eine Befürchtung: Das Verhältnis von 1:20 könnte sich, bis die vierte Welle der Pandemie endlich  überstanden sein wird, noch dramatisch verschlechtern.

„Nur selten machen wir uns im Alltag bewusst, dass hinter jedem Todesfall in Folge einer Covid-19-Erkrankung ein Mensch, ein Schicksal steht“, sagte der Kreischef unter Hinweis auf die 594 Menschen, die dem Virus im Landkreis Esslingen bis Ende vergangener Woche  zum Opfer gefallen waren. Ihnen allen zum Gedenken, aber auch in Würdigung all jener, die an vorderster Front gegen das Virus kämpfen, die Sterbende begleitet haben, die Hinterbliebene unterstützen, die unter den Einschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit leiden, deren Seele Schaden genommen hat, die um ihre wirtschaftliche Existenz bangen oder die mit den Folgen einer Infektion zu kämpfen haben, ist die Lindenallee gepflanzt worden.

Am Anfang und am Ende der Baumreihe laden zwei Holzbänke zum Innehalten und Verweilen ein. Zwei Stelen erinnern zudem an die Bestimmung der Gedenkallee. „Der Ort soll Trauer einen Platz geben und Trost spenden in der Natur“, sagte Eininger. Der Landrat nutzte das Gedenken,  um angesichts der sich zuspitzenden Situation in den Krankenhäusern eindringlich an die Impfbereitschaft der Menschen im Landkreis zu appellieren. Die Kapazität an Intensivbetten im Landkreis sei  erschöpft. Meist lägen dort Ungeimpfte. „Lassen Sie sich impfen. Impfen ist mehr denn je eine Bürgerpflicht! Wer sich impft, schützt nicht nur sich selbst, sondern übernimmt auch Verantwortung für andere“, so der Kreischef.

Viel zu viele hätten auf den Intensivstationen um ihr Leben gekämpft und seien gestorben, oftmals einsam. „Sterben in der Pandemie, das ist oft ein Tod ohne Abschied, ohne Beistand, ohne eine letzte Umarmung geliebter Menschen“, erinnerte der Landrat. Aber auch die Angehörigen hätten nicht Abschied nehmen können von ihren geliebten Menschen und seien  ohne ein letztes Wort, einen letzten Wunsch, eine letzte Berührung, einen letzten Gedanken zurückgeblieben. Mit der Allee im Wernauer Stadtwald setze der  Landkreis ein Zeichen der Verbundenheit und der Hoffnung, sagte Eininger: „Ich möchte die Trauernden in unserem Landkreis einladen, hierher nach Wernau zu kommen und die Allee des Gedenkens zu besuchen. Setzen Sie sich auf die Bänke. Verweilen Sie, halten Sie inne. Trauern Sie. Suchen Sie Trost unter den Bäumen.“ 

adt/Foto: Ines Rudel


Die Diskussion dreht sich im Kreis

Der Kreisverkehr in Altbach soll schöner werden – Gemeinde redet geraume Zeit mit der falschen Stelle im Landratsamt

Im Altbacher Gemeinderat hat am Dienstag vergangener Woche der Tagesordnungspunkt 8 für Aufregung gesorgt.  Formulierungen  und Begrifflichkeiten wie  „schlampig“, „unakzeptabel“, „katastrophal“,  „ehrenkäsig“, „trauriges Kapitel“ und „völlig für die Katz“ fielen, als es um den einzigen Kreisverkehr im Ort ging. Den Kreisel, der nicht weit vor dem  Ende der Ortsdurchfahrt in Richtung Plochingen angelegt ist.

Fazit der Sitzung: Alle Überlegungen und Bemühungen, die bisher gemacht worden sind, um die Mittelinsel des Kreisels ansprechend zu gestalten, sind offensichtlich Makulatur. Die Vorschläge, die im Rahmen eines Bürgerbeteiligungsprozesses  im  Frühsommer 2020 gesammelt und ausgewählt  worden sind,  sollen  sich, wie es heißt,  aus rechtlichen Gründen nicht umsetzen lassen, weil starre Hindernisse der Verkehrssicherheit zu wider liefen. Dies wurde den Gemeinderäten schon vor einiger Zeit signalisiert, nachdem das örtliche Bauamt mit den Preisträgerentwürfen beim Landratsamt als unterer Verkehrsbehörde vorstellig geworden war.

Erst in der jüngsten Sitzung jedoch haben die konsternierten Kommunalpolitiker erfahren, dass das Rathaus fast  eineinhalb Jahre lang mit der falschen Stelle gesprochen hat. Ortsbaumeister Jens Korff erklärte, dass ihm erst am Nachmittag des Sitzungstags mitgeteilt worden sei, dass in solchen Fallen nicht die untere Verkehrsbehörde, sondern das Straßenbauamt zuständig ist.  Bürgermeister Martin Funk stellte klar, „dass es natürlich  ärgerlich ist, dass man uns das erst jetzt gesagt hat“.  Allerdings seien die geltenden Regeln – unabhängig davon – genau die, die man kundgetan habe.

Der Kreisverkehr ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Gemeinde, täglich fahren dort Tausende Autos vorbei. Früher zierten drei Blauglockenbäume den Kreisel, zwei davon wurden allerdings umgefahren. „Es gab den Wunsch, den Kreisverkehr schön zu gestalten“, sagte Funk. Im vergangenen Jahr fand  ein offener Ideenwettbewerb statt. Beinahe 20 Vorschläge wurden eingereicht. 

Die Idee, die Flächen innerhalb eines Kreisverkehrs zu gestalten, ist nicht neu. Im benachbarten Plochingen legen sich die Mitarbeiter der Stadt beispielsweise regelmäßig bei der Bepflanzung des Kreisels an der Kreuzung der Karl-, Fabrik- und Eisenbahnstraße ins Zeug. Im Frühling und Sommer ist dort eine bunte Blütenpracht in den Stadtfarben zu bewundern. Die Große Kreisstadt Eislingen im Landkreis Göppingen hat sich sogar bundesweit einen Namen als Stadt der Kreisverkehrskunst gemacht. Dort zieren große Kunstwerke die Kreisverkehre.

In Altbach hätte die Verwaltung gerne  Motive aus dem Ideenwettbewerb aufgestellt. Unter den Vorschlägen waren künstlerische Ideen mit der Gestaltung der Ortssilhouette aus Stahl, die Abbildung des Gemeindewappens mit vielen Pflanzen oder die Andeutung der Himmelsrichtungen mit Hinweisen auf den Neckar, Streuobstwiesen, den Schurwald und die Industrie. Bei allen Ideen wurde jedoch bereits früh eine Gefahr für den Straßenverkehr gesehen. Nun soll überlegt werden, welche Ideen aus dem Wettbewerb vielleicht in abgewandelter Form umgesetzt werden können. Laut Ortsbaumeister Korff werden zunächst Stauden im Innern des Kreisels gepflanzt. Einig war man sich in der vergangenen Gemeinderatssitzung letztlich darin, dass an das ­Thema endlich ein Knopf gemacht werden muss. Auf welche Weise dies geschehen soll, wird allerdings erst die nächste Zeit zeigen – und vielleicht das Gespräch mit der richtigen Behörde. 

eas/bra/Foto: Philipp Braitinger


Aus in letzter Minute

Die Stadt Esslingen hat den Mittelalter- und Weihnachtsmarkt einen Tag vor der geplanten Eröffnung abgesagt

Am Dienstag hätte er eröffnet werden sollen: der Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt. Wenn auch in abgespeckter, coronakonformer Form. Einen Tag vor der geplanten Eröffnung hat die Stadt  doch noch die Reißleine gezogen. Grund sei, dass sich die pandemische Lage in Esslingen und der Region zugespitzt habe, heißt es in einer Pressemitteilung.

Dabei war am Freitag noch bekräftigt worden, der Budenzauber werde stattfinden –  mit einem verschärften Hygienekonzept, das eine Umzäunung und den Einlass nur für Geimpfte und Genesene vorsah. Was sich übers Wochenende geändert habe? Die Belegung der Intensivstationen am Klinikum Esslingen, teilt die Stadt mit.  „Die Auslastung war schon vorher hoch“, räumt Niclas Schlecht, Sprecher der Stadtverwaltung, auf Nachfrage ein. Aber nun seien die Kapazitäten ausgelastet. Sollte es zu einem Unfall auf der B 10 kommen mit drei Schwerverletzten, dann könne nur noch einer von ihnen im Esslinger Krankenhaus versorgt werden.  „Wir sind dringend darauf angewiesen, dass sich die Anzahl der Covid-Patienten nicht noch weiter erhöht und müssen die medizinischen Versorgungs­kapazitäten sicherstellen“, wird der Geschäftsführer des Klinikums, Matthias Ziegler, in der Mitteilung zitiert.

Die Entscheidung ist in Absprache mit der Stadt Ludwigsburg gefallen, die zeitgleich ihren Weihnachtsmarkt abgesagt hat. „Ludwigsburg und Esslingen haben gemeinsam entschieden, dass ihre Weihnachtsmärkte nicht stattfinden“, sagte Oberbürgermeister Matthias Klopfer in der Gemeinderatssitzung am Montag. „Angesichts der sich dramatisch entwickelnden Situation in den Kliniken können wir es nicht mehr vertreten, die Märkte stattfinden zu lassen. Wir sind überzeugt, dass das die richtige und leider notwendige Entscheidung ist. Wir haben eine gesundheitliche Fürsorgepflicht und wissen, dass das Personal in den Kliniken mit dem Rücken zur Wand steht, das hat uns zu diesem Schritt bewogen.“

Die Absprache mit Ludwigsburg sei auch deswegen erfolgt, weil bei einseitiger Absage der Druck von steigenden Besucherzahlen auf den anderen Weihnachtsmarkt groß gewesen wäre, so Schlecht. Als weiteren Grund für die Absage nennt der Pressesprecher die verschärften 2-G-Plus-Regeln, die das Land Baden-Württemberg für Weihnachtsmärkte einführt. Der Zutritt soll nur für Geimpfte und Genesene möglich sein, die zusätzlich einen negativen Test vorweisen können. Damit lohne sich der Betrieb für die Händler jedoch vermutlich nicht mehr.

In die Entscheidung involviert waren neben der Rathausspitze  und der Esslingen Markt und Event GmbH (EME) auch der Gemeinderat und Vertreter der Marktbeschicker. Die Marktbeschicker wurden am Montag in E-Mails und in persönlichen Gesprächen über die Absage informiert. „Wer uns kennt, weiß, dass der Weihnachtsmarkt eine echte Herzenssache für uns ist“, sagte Michael Metzler, Geschäftsführer der EME, in der Gemeinderatssitzung am Montag. „Es tut uns von Herzen weh, diese Entscheidung jetzt so treffen zu müssen, wo der Aufbau in vollem Gange ist.“

„Seit Februar arbeite ich auf die Eröffnung des Weihnachtsmarkts zu. Fünf Tage habe ich aufgebaut. Und jetzt baue ich wieder ab“, verdeutlicht  Marktbeschicker Gerald Ritter, der  seit 25 Jahren seine kleinen Tonhäuser auf dem Marktplatz verkauft, das Dilemma. Auch   in Ludwigsburg und Leipzig wäre er dabei gewesen – aber auch diese Märkte  sind abgesagt. Und auch die EME  hat  schon gewaltig in die Vorbereitungen investiert.

Im Zuge der zunehmenden Absagen in der Region und im gesamten Bundesgebiet appelliert Michael Metzler an die Verantwortlichen von Bund und Land, für die Händler und Betroffenen der Weihnachtsmärkte wirtschaftliche Hilfsprogramme aufzulegen, zumal es sich vornehmlich um Familien- und Einzelunternehmen handelt. 

gg/meb/biz/Foto: Roberto Bulgrin


Abgestimmt!

Die Qualifikation zur Weltmeisterschaft in Katar hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft souverän gemeistert. Ist sie aber auch gerüstet, um in den Titelkampf einzugreifen?

Foto: dpa

Für WM gerüstet?

  • Nein! (60% )
  • Ja! (40% )
Loading ... Loading ...


Im Notfall zählt jede Minute

Seit 20 Jahren leisten in Baltmannsweiler und Lichtenwald ehrenamtliche Helfer vor Ort professionelle Erste Hilfe

Bei einem Unfall oder einem medizinischen Notfall können manchmal Minuten über das Schicksal des Patienten entscheiden. Im ländlichen Raum, in dem der Rettungsdienst einen weiten Anfahrtsweg hat, kann dies zum Problem werden. Wie andernorts wurden daher in einigen Kommunen im Kreis Helfer vor Ort installiert – professionell ausgebildete ehrenamtliche Ersthelfer, die die Zeit zwischen Notruf und Eintreffen des Rettungsdiensts überbrücken. In Baltmannsweiler und Lichtenwald sind diese Helfer seit 20 Jahren im Einsatz.

„Die Zeit ist während eines Notfalls unser Gegner, manchmal zählt jede Minute“, sagt Martin Kuhn, der Vorsitzende des Ortsvereins Baltmannsweiler des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Im Wissen darum hat das DRK Baltmannsweiler im Oktober 2001 die Helfer vor Ort installiert. Die sogenannten First Responder sind professionell im Sanitäts- oder Rettungsdienst ausgebildete Ehrenamtliche aus der Kommune, die im Fall der Fälle innerhalb weniger Minuten bei einem Patienten sein  können.

Arbeits- und Verkehrsunfälle überwiegen,  aber auch medizinische Notfälle wie Herzinfarkt, Schlaganfall, starke allergische Reaktionen und Kindernotfälle sind die Notrufstichworte. Mehr als 3200 Einsätze sind die Helfer in den vergangenen 20 Jahren auf dem mittleren Schurwald gefahren, wobei in den vergangenen Jahren die Einsatzzahlen stark zugenommen haben. „Statistisch waren wir schon mindestens ein Mal in jedem Haushalt in Baltmannsweiler und Lichtenwald“, rechnet Kuhn vor.

„Wir sind vom Ort, wir kennen die Straßen und wissen, wo die Häuser sind, die nicht direkt an der Straße stehen. Wir können also den Rettungsdienst dirigieren“, beschreibt Fabian Günther, Bereitschaftsleiter beim DRK Baltmannsweiler, den Vorteil ortskundiger Helfer. Ohne sie werde es bei Notfällen in der Natur problematisch. „Wir können uns die Umgebung oder die Waldwege beschreiben lassen und haben dann eher ein Bild vor Augen als der Rettungsdienst, der sich nicht auskennt und nicht weiß, wo er hinfahren muss.“ Ähnliches gelte bei medizinischen Notfällen im Haushalt oder beim Sport, wenn der Rettungswagen den Weg nicht findet oder keine Erste Hilfe durch Angehörige oder Nachbarn geleistet werde. „Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand sinkt die Überlebenschance pro Minute um zehn Prozent. Wir sind bis zu sieben Minuten vor dem Rettungsdienst beim Patienten. Der Helfer vor Ort rettet Leben“, sagt Günther.

Sie ergänzen dies mit statistischen Zahlen. Durchschnittlich sind die First Responder binnen vier Minuten nach dem Notruf beim Patienten in Baltmannsweiler, binnen sieben Minuten in Lichtenwald. Der Rettungsdienst benötige doppelt so lange. „Wenn der Rettungswagen kommt, ist vieles in die Wege geleitet, die Anamnese erledigt, adäquate und professionelle Erste Hilfe geleistet. In 24 Prozent aller Einsätze sehen wir eine Verbesserung des Patientenzustands beim Eintreffen des Rettungsdiensts. Bei 3200 Einsätzen in 20 Jahren kann man sagen, dass uns viele Leute  ihr Leben verdanken“, sagt Günther.

Für den DRK-Ortsverein hat der Dienst eine Schattenseite. „Unsere Hilfe ist nicht nur ehrenamtlich, sondern unentgeltlich. Wir bekommen keinerlei Unterstützung oder Zuschüsse von Krankenkassen oder vom Land“, berichtet Kuhn. 10 000 Euro müsse der Ortsverein jährlich aufbringen, um den Helfer vor Ort zu gewährleisten.

Größere Anschaffungen sind da  nicht mehr zu stemmen. Als das Einsatzfahrzeug im Juni mit Motorschaden in die Knie ging und der Ortsverein dann 42 000 Euro für ein neues Auto berappen musste, war das nur durch Spenden möglich. „Die Bevölkerung, Unternehmen und Vereine auf dem Schurwald haben uns ganz grandios unterstützt“, freut sich Kuhn. „Die Menschen in unseren Gemeinden wissen, dass sie vom Helfer vor Ort profitieren und unterstützen uns.“ 

pst/Foto: Peter Stotz