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Protest der Eltern verhallt

Der Schulausschuss stellt die Weichen für höhere Betreuungskosten in Esslingen – Trotz Erhöhung bleibt riesiges Defizit

Dass die Ratsmitglieder im stillen Kämmerlein beraten, konnte man für den Esslinger Schulausschuss am Mittwoch vergangener Woche wahrlich nicht sagen. Mit Trillerpfeifen und Mikrofondurchsagen brachten Eltern und Kinder lautstark ihren Ärger über die geplanten Erhöhungen der Betreuungsgebühren zum Ausdruck. Selbst in die öffentliche Sitzung des Ausschusses wurde der Protest getragen. „Kita darf kein Luxus sein, wir sagen zur Erhöhung nein“, skandierten die Eltern. Gebracht hat es am Ende nichts. Bis auf die Linken stimmten alle Fraktionen den Erhöhungen zu. Der Gemeinderat wird nun voraussichtlich am 17. Oktober sein Votum endgültig abgeben.
„Es war eine schwere Abwägung, und wir haben es uns nicht leicht gemacht“, sagte Sozialbürgermeister Yalcin Bayraktar über die geplanten Erhöhungen. Der Kritik, die unter anderem der Gesamtelternbeirat Kita (GEB) im Vorfeld geäußert hat, dass Eltern den Esslinger Haushalt sanieren müssten, trat er mehrfach entschieden entgegen. Allein beim Teilhaushalt Kita liege das Defizit trotz Erhöhungen 2023 bei über 40 Millionen Euro. „Es ist nur ein kleiner Beitrag, um die Situation etwas erträglicher zu machen“, so Bayraktar. Der Leiter des Amts für Bildung, Erziehung und Betreuung, Bernd Berroth, warnte, dass sich das Defizit in den nächsten Jahren durch Tarifabschlüsse, den Rechtsanspruch auf einen Ganztagesplatz im Grundschulbereich und neue Einrichtungen weiter erhöhen wird. Das Land empfehle einen Deckungsbeitrag von 20 Prozent, in Esslingen liege der Anteil der Einnahmen durch Entgelte nur bei rund elf Prozent. Derweil forderte der GEB mehr Transparenz und eine Erklärung dafür, weshalb vergleichbare Städte wie Ludwigsburg deutlich besser dastünden.
Die Vertreter der Verwaltung verteidigten auch die Neugestaltung der Einkommensstufen gegen den Vorwurf, sozial nicht ausgewogen zu sein. Dass die beiden untersten Einkommensstufen wegfallen und es stattdessen mehrere neue Stufen für Besserverdienende gibt, führe zu einer gleichmäßigeren Verteilung. Derzeit seien 43 Prozent aller Eltern in der bislang höchsten Einkommensstufe über 100 000 Euro. Zugleich wird laut Berroth dadurch auch die Schieflage korrigiert, dass wie bisher vor allem bei niedrigen Einkommen der Ganztag oft billiger als ein Angebot mit verlängerten Öffnungszeiten (VÖ) ist, obwohl weniger Betreuungszeiten abgedeckt werden.
Dass Eltern daraufhin zu VÖ wechseln, sei beabsichtigt. Die unteren Einkommensklassen würden auch künftig beim Ganztag nicht durchs Raster fallen. Für Bezieher von Kindergeldzuschlag oder Wohngeld, deren Kreis deutlich ausgeweitet wird, würden die Kosten ohnehin erlassen, so Berroth. Der GEB kritisiert aber, dass innerhalb der Stufen deutlich zugelegt werde. „Diese Erhöhung ist unsozial“, heißt es. Das neue Stufenmodell wurde in einem Arbeitskreis entwickelt, an dem der GEB Kita und die Fraktionen beteiligt waren.
Trotz der Erhöhung scheue Esslingen nicht den Vergleich mit anderen Kommunen in der Region, so Berroth. Alexandra Seiler, beratendes Mitglied des GEB im Ausschuss, erklärte, dass Mütter nun rechnen müssten, ob sie sich Berufstätigkeit leisten könnten.

Ganztag: Eltern müssen ab März 2023 drei Prozent mehr zahlen. Der U-3-Zuschlag erhöht sich von 50 auf 60 Prozent und wird 2025 auf 70 Prozent angehoben. Bei den Einkommensstufen entfällt die bislang höchste (bis 100 000 Euro), stattdessen gibt es vier neue Staffelungen (erste Stufe bis 120 000 Euro. Die bisherigen zwei untersten Stufen fallen weg.

Kindergarten: Die Entgelte steigen um fünf Prozent ab März 2023. Für U3 erhöht sich der Zuschlag auf 60, ab 2025 auf 70 Prozent (bei verlängerten Öffnungszeiten Zuschlag von zehn Prozent).
Grundschulbetreuung: Die Beiträge steigen ab März 2023 um drei Prozent. Für Schüler der Sekundarstufe gibt es einen Zuschlag von fünf Prozent auf das Essensentgelt von 3,90 Euro.

Für alle: 2024 sollen die Entgelte in allen Betreuungsarten nochmals, orientiert an der jeweiligen Landesempfehlung, steigen. pep

pep / Foto: Roberto Bulgrin


Platzt der Traum vom Sportpark?

Wernauer Vereine streiten um den Namen des neuen Sportvereins – Vom Zusammenschluss würden alle profitieren

Der Turn- und Sportverein Wernau (TSV) und die Wernauer Sportfreunde (WSF) könnten den Weg für einen neuen Sportpark ebnen. Dafür müssen sie sich zusammenschließen. Doch die Fronten sind verhärtet. Durch eine Verschmelzung mit dem Handballclub (HCW) und dem Tennisclub (TCW) könnten TSV und WSF den Grundstein für einen modernen Sportpark im Neckartal legen, ähnlich dem in Esslingen-Weil. Alle würden profitieren. Nur eines hat sich zu einem echten Problem hochgeschaukelt: der Name.
Wenn man so will, geht es um einen Buchstaben. Soll der neue Großverein TSV oder SV Wernau heißen? Eine Lösung scheint nicht in Sicht. Eine Mediation, vom Gemeinderat angestoßen, blieb erfolglos. Die Vertreter des TSV beendeten den Prozess, weil die WSF Angebote komplett ignorierten. „Es hieß nur: TSV, der Name geht gar nicht“, sagt TSV-Vorsitzender Manfred Leutz.
Nun steht einiges auf dem Spiel. Seit 2015 arbeiten die vier Vereine am Projekt Sportpark Neckartal. Dort sollen die bestehenden Anlagen der WSF und des TC saniert und umstrukturiert werden. Außerdem sollen ein neuer Kunstrasenplatz sowie eine Kaltsporthalle errichtet werden. Für jeden der vier Vereine würden die Trainingsbedingungen besser. Auch der Gemeinderat hat dem Kostenrahmen, der aktuell 7,5 Millionen Euro beträgt, zugestimmt: Unter der Voraussetzung, dass die vier Clubs zu einem verschmelzen.
Dass sie für die Sache ihre Namen aufgeben, war den Beteiligten klar. So einigten sie sich Anfang 2020 darauf, sich als TSV zusammenzuschließen, dem mit 2000 Mitgliedern größten Verein der Stadt. Kurzzeitig war alles in trockenen Tüchern. Dann wählten die Sportfreunde einen neuen Vorstand, für den eine Übernahme inakzeptabel ist – bis heute. Das Hauptargument, das die WSF ins Feld führen: „Bliebe es bei TSV, würden die anderen drei Wernauer Sportvereine nur geschluckt und vom Erdboden verschwinden, während der TSV sich alles einverleibt“, sagt der Pressebeauftragte der Sportfreunde, Hagen Stegmüller. Die WSF sind der Meinung, dass durch den Zusammenschluss der Vereine etwas Neues entstehen sollte – mit neuem Namen. Das sei bei 99 Prozent der Fusionen in der Region der Fall, zum Beispiel als sich 1999 die TSF und der VfL Post zur SV 1845 Esslingen zusammenschlossen. „Uns leuchtet nicht ein, warum diese Gesetzmäßigkeit in Wernau außer Kraft gesetzt sein sollte“, sagt Stegmüller.
Beim TSV sorgt dies für Unverständnis. „Wir sind sehr verärgert, dass man so ein Projekt über den Haufen wirft“, sagt Leutz. Der TSV sei bereits viele Kompromisse eingegangen. Wenn der Zusammenschluss und das Projekt Sportpark zustande käme, würde der größte Wernauer Verein seine sportliche Heimat auf dem Kehlenberg aufgeben. Das TSV-Gelände würde an die Stadt verkauft und der Erlös, der auf mehr als eine Million Euro geschätzt wird, in den Sportpark fließen. Müsste der Verein zusätzlich seinen Namen aufgeben, wäre das zu viel, erklärt Leutz. „Wir können uns ja nicht komplett nackt machen.“ Die Stimmung im Verein sei eindeutig: Die Mitgliederversammlung würde einer Namensänderung nicht zustimmen, sagt Leutz.
Und was sagen die anderen beiden Vereine? TC-Vorstand Klaus Hummel teilt mit, dass die Tennisspieler nach wie vor zur Fusion stehen. Es wäre „wirklich schade“, wenn der Sportpark nicht realisiert würde. Dass der Verein in den TSV eingegliedert wird und seinen Namen verliert, da sei der TC „leidenschaftslos“. Auch der Vorstand der Handballer Markus Mangold bedauert die Situation. Beim HC, der sich einst von den WSF abspaltete, seien die Meinungen zwar verschieden. Aber: „Wenn die beiden Vereine sich einigen, sind wir bei allem dabei.“
Dass die Entscheidung drängt, machte Wernaus Bürgermeister Armin Elbl unlängst deutlich. Es gebe zwar kein Ultimatum, aber die Geduld im Gemeinderat schwinde. Aus seiner Sicht „muss bis zum Jahresende eine Einigung her“. Das für den Sportpark vorgesehene Geld könne die Stadt auch an anderer Stelle gebrauchen.

dcb / Foto: Ines Rudel


Wald wird zu illegaler Müllhalde

Bei Ausflügen vor der Haustür verhalten sich nicht alle rücksichtsvoll – Selbst Sperrmüll wird im Forst entsorgt

Der Wald hat in der Coronazeit eine Renaissance als Naherholungsgebiet erlebt. Die Menschen zieht es verstärkt in die Natur – um den Kopf freizubekommen, Sport zu treiben oder Ruhe zu genießen. Auch in den Revieren des Landkreises Esslingen ist laut der Kreisforstamtsleiterin Cordula Samuleit ein „erhöhtes Besucheraufkommen“ zu verzeichnen. Doch der Boom hinterlässt Spuren. Das größte Problem sei der Müll. „Es hat während Corona stark zugenommen und ist nicht mehr auf das Vor-Corona-Niveau gekommen.“ Etwa im Bereich von Grillplätzen werde jede Menge Abfall hinterlassen, Reste vom Picknick, Verpackungen, Getränkedosen und Taschentücher. Zudem sei „spürbar mehr Sperrmüll abgeladen“ worden. „Vermutlich, weil die Menschen ihre Haushalte entrümpelt und durchsortiert haben.“ Warum Möbel, Elektrogeräte und andere Dinge aber im Wald, „zum Teil weit abgelegen von Straßen und gerne in tiefen Klingen entsorgt werden, das bleibt uns unverständlich“, sagt Samuleit. Schließlich verfüge jeder Haushalt über Sperrmüllkarten, die eine kostenlose Abgabe ermöglichen. Im Wald könne schon der kleinste Abfall für Tiere lebensgefährlich sein.
Auch mit Zerstörungswut sieht sich die Kreisforstverwaltung konfrontiert. So sei im Wald in Plochingen der Glaskasten einer neuen Informationstafel zerschlagen worden. An einer Grillstelle im Revier Leinfelden-Echterdingen seien neuen Holztische beschädigt worden. Auch Graffiti-Schmierereien an Schildern und Schranken gibt es laut Samuleit immer wieder. Welche Kosten damit verbunden sind, solche Schäden zu beseitigen, weiß das Kreisforstamt nicht, „da der Schaden von den Waldbesitzern, also meist von den Kommunen, getragen wird“. Auch komme es häufiger vor, dass Autos durch den Wald fahren – was zum Schutz von Flora und Fauna verboten ist. Weil nicht überall Schranken stehen und die Einfahrt in die Wälder so einfach ist, sind entlang der Forstwege auch immer wieder abgestellte Autos zu sehen.
Als Begründung würden ertappte Fahrer meist angegeben, sie hätten „im Schatten parken“ wollen, erzählt die Forstamtsleiterin. „Lastwagen fahren gerne mal 300 Meter in den Wald rein.“ Oft seien Fahrten im Wald mit Bequemlichkeit oder Gedankenlosigkeit zu erklären. „Oder mit der illegalen Entsorgung von Müll“, sagt Samuleit. Egal, was der Grund ist: Dieses Fehlverhalten kann teuer werden. Für unberechtigtes Fahren im Wald mit Kraftfahrzeugen jeder Art wird wie für das Abstellen von Autos ein Bußgeld fällig. Ausgenommen sind Waldarbeiter, Förster und Jäger, die vor Ort arbeiten. „In den letzten zwei Jahren wurden Strafen zwischen 30 und 500 Euro verhängt.“
Empfehlungen für das richtige Verhalten hat das Kreisforstamt in einem „Waldknigge“ zusammengefasst. Darin heißt es unter anderem, man solle auf den Wegen bleiben, leise sein, nicht rauchen und die Natur bewahren. 

Info: Blick in den Waldknigge: www.landkreis-esslingen.de

eh / Foto: dpa


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Der Kanzler macht Energiegeschäfte mit arabischen Diktatoren. Steht die deutsche Energieversorgung über den ethischen Grundsätzen?

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Immer mehr Blitzer am Straßenrand

Der Kreis Esslingen baut die Geschwindigkeitsüberwachung aus – 20 stationäre Anlagen kommen in nächster Zeit hinzu

Achtung, Fuß vom Gas! Viele Autofahrer im Landkreis Esslingen haben wohl schon festgestellt, dass immer mehr Blitzersäulen am Straßenrand stehen. Ob in Aichwald-Schanbach, Erkenbrechtsweiler, Lenningen-Brucken, Owen, Weilheim, Denkendorf oder Bempflingen – überall wurden in jüngerer Vergangenheit solche schwarz-silbernen Hightechgeräte installiert. Die Kreisverwaltung baut eigenen Angaben zufolge die stationäre Geschwindigkeitsüberwachung weiter aus. Hintergrund der Offensive ist unter anderem die wachsende Nachfrage vieler Gemeinden nach Tempokontrollen. Die wenigsten von ihnen blitzen in Eigenregie – anders als die größeren Städte im Kreis, die über eigene Bußgeldstellen verfügen.
„Das Landratsamt Esslingen hat im Jahr 2018 eine Konzeption zur Erneuerung der stationären Geschwindigkeitsmessanlagen im Landkreis Esslingen erarbeitet“, berichtet der Sprecher der Behörde, Wolf-Dieter Roser. „Dem vorausgegangen war die Überlegung, wie mit der damals auslaufenden, alten Technik bei den stationären Messanlagen umgegangen werden sollte.“ Insbesondere die umgangssprachlich als „Starenkästen“ bezeichneten Radarfallen waren in die Jahre gekommen und störanfällig geworden.
Der Landkreis Esslingen hat sich laut Wolf-Dieter Roser für eine technische Neuausstattung entschieden und das neue Konzept den Kommunen vorgestellt. Alle Standorte seien gemeinsam von Polizei, Bürgermeisterämtern sowie der Kreisbehörde festgelegt worden. Die fest installierten Messstationen zur Geschwindigkeitsüberwachung sollen, so lautet das erklärte Ziel, „zu einer angepassten Fahrweise der Verkehrsteilnehmer führen und für mehr Verkehrssicherheit sorgen“.
„Nach der Beendigung eines europaweiten Ausschreibeverfahrens konnten im Jahr 2021 die ersten 23 stationären Anlagen projektiert und in Betrieb genommen werden“, informiert Roser. Die Blitzersäulen wurden bei der Firma Jenoptik beschafft. Doch damit nicht genug: „Aktuell erfolgt die Inbetriebnahme von weiteren zehn Säulen, die im kommenden Jahr nochmals um zehn Anlagen aufgestockt werden“, teilt Roser mit.

Teil des Lärmaktionsplans

So wurde Anfang September in der Ortsdurchfahrt von Holzmaden eine Blitzersäule aufgebaut, um die Einhaltung des Anfang dieses Jahres ausgewiesenen Tempolimits von 30 Kilometern je Stunde überwachen zu können. Die Geschwindigkeitsreduzierung in der Bahnhofstraße, erläutert Bürgermeister Jochen Schepp, sei Teil des Lärmaktionsplans. Laut Gutachten hätten die Pegelwerte bei einer Vielzahl von Wohnhäusern entlang der Strecke über den gesundheitlich bedenklichen Werten gelegen. Schepp stellt aber klar: „Als Gemeinde haben wir hiervon keinen finanziellen Mehrwert. Die potenziellen Bußgelder gehen komplett zugunsten des Landratsamts.“
Die Blitzersäulen sind übrigens nicht die einzigen Messgeräte, die von der Esslinger Landkreisverwaltung betrieben werden. Zusätzlich erfolge die Geschwindigkeitsüberwachung im Kreis Esslingen mit drei mobilen Messeinheiten im Schichtbetrieb, berichtet Roser. „Im Zuge der technischen Neuausstattung wurde in diesem Jahr auch eine semistationäre Anlage, ein sogenannter Blitzeranhänger, beschafft.“ Der Vorteil dieses leicht versetzbaren „Enforcement Trailer“ sei, dass er Tempokontrollen auch an solchen Stellen ermögliche, die nicht mit einer festen Anlage überwacht werden könnten.
Die technische Aufrüstung spült übrigens ordentlich Geld in die Kasse des Kreises. „Es ist festzustellen, dass die Geschwindigkeitsverstöße und damit auch die Bußgeldeinnahmen in den vergangenen Jahren ansteigen“, sagt Roser mit Verweis auf entsprechende Zahlen. Und in dieser Statistik seien Fälle, die die Polizei oder die Städte messen, gar nicht berücksichtigt, merkt er an.
Wurden im Jahr 2020 im Landkreis Esslingen noch 40 119 Tempoüberschreitungen geahndet und insgesamt rund 923 500 Euro eingenommen, stieg die Zahl der vom Landratsamt verschickten Knöllchen im Jahr 2021 auf 44 424 an – und mit ihnen stiegen die Einnahmen auf 1,3 Millionen Euro. Allein in diesem Jahr sind laut Roser bis August bereits 45 523 Tempoverstöße registriert worden, die eingenommenen Verwarnungs- und Bußgelder kletterten bis dato auf 1,8 Millionen Euro. Wobei der deutliche Anstieg dieser Summe auch mit der Verschärfung des Bußgeldkatalogs im vergangenen November in Zusammenhang stehe, fügt Roser erklärend hinzu. Seither gelten bei gravierenden Überschreitungen nämlich höhere Geldstrafen.

Wie Raser ausgebremst werden

Blitzer: Die neuen Geschwindigkeitsüberwachungsgeräte der Firma Jenoptik haben ein schwarz-silbernes Design. Das Messsystem mit modernsten Lasersensoren liefert präzise Messergebnisse und hochauflösende, beweissichere Bilder – auch bei Dunkelheit oder wetterbedingt schlechteren Sichtverhältnissen. Sie können Geschwindigkeiten in beiden Fahrtrichtungen und auf mehreren Spuren gleichzeitig messen.
Tempoverstöße: Seit dem 9. November 2021 gilt der neue Bußgeldkatalog. Unter anderem sind Tempoverstöße teurer geworden: Die Verwarnungsgelder für Überschreitungen ab 16 bis 20 km/h wurden verdoppelt – von 35 auf 70 Euro, außerorts von 30 auf 60 Euro. Punkte in Flensburg gibt es aber erst ab 21 km/h zu schnell. Härter bestraft werden Raser: Wer etwa mit 91 km/h statt der erlaubten 50 km/h in der Stadt fährt, zahlt jetzt mindestens 400 statt wie davor 200 Euro.

eh / Foto: Gemeinde Holzmaden


Kein Strom zum Festpreis mehr

Die Eisstadien in Esslingen und Wernau starten in die Saison – Sorgen wegen Kostensteigerungen

Eisstadien haben einen hohen Stromverbrauch. „Es gibt für uns Großkunden seit Juli keine Angebote mit Festpreis mehr“, sagt Heike Mack, die Geschäftsführerin des Wernauer Eisstadions. Sie ist heilfroh, dass ihr Zwei-Jahres-Stromvertrag noch bis 31. Dezember läuft. Damit hat sie drei Monate Planungssicherheit, aber wie es danach weitergeht, ist ungewiss. Die EnBW als Grundversorger in der Region habe sie auf das Portal „Smart energy“ verwiesen, mit dem Unternehmen selbst ihren Strom bei der Pariser Börse einkaufen können. Wie das genau funktioniert, weiß Mack noch nicht. Sie muss sich in das Thema reinknien und dann am Jahresende entscheiden, ob und wie sie die Saison zu Ende bringen kann.
Im Esslinger Richard-Hirschmann-Stadion ist man schon mittendrin in der Strombeschaffung – zwangsläufig: Der bisherige Vertrag lief zum 31. August aus, der Anbieter wollte ihn nicht verlängern. Und es fand sich auch kein anderer Stromlieferant, berichtet Dirk Sihling, der stellvertretende Vorsitzende der ESG Esslingen. Ein Mehraufwand sei das natürlich, jetzt auch noch selbst den Strom einzukaufen, sagt Sihling. Aber Corona sei schließlich die beste Schule für Herausforderungen aller Art gewesen. Die Eissportgemeinschaft geht davon aus, dass sie trotz der Energiepreise über die aktuelle Saison kommt. Ihre Rücklagen werden dabei aber stark schrumpfen.
Im Esslinger Richard-Hirschmann-Stadion ist die „Vorsaison“ bereits gestartet, ab 8. Oktober läuft der Betrieb regulär. Zum Auftakt in Wernau gibt es am 29. September einen Tag der offenen Tür.
In Esslingen wie in Wernau ist es der Strom, der den größten Teil des Energieverbrauchs ausmacht. Er wird für die Kältetechnik gebraucht: für die Kühlung der Eisfläche von unten, aber auch beim Aufbringen der frischen Schicht an der Oberfläche. Dafür erwärme man das Wasser sogar, sonst verbinde es sich nicht mit dem bestehenden Eis, erklärt die Chefin des Wernauer Eisstadions. In Wernau habe man aber schon vor Jahren die Wassertemperatur von 60 auf 22 Grad senken können, dieses Jahr wolle man versuchen, mit der Temperatur aus der Leitung klarzukommen.
Beide Eishallen haben Photovoltaikanlagen auf dem Dach, speisen den gewonnenen Strom aber ins Netz ein. Alles andere wäre nicht sinnvoll, denn sie liefern ja den meisten Strom im Sommer.
Gas brauchen die Eisstadien nur für die Heizung und für Warmwasser. Man wolle aber davon „ziemlich runterkommen“, sagt Heike Mack. Das heißt in Wernau: keine Warmwasserbereitung und somit auch kein Duschen in diesem Winter. Das Publikum aus dem offenen Betrieb hat ohnehin nie vor Ort geduscht, betroffen sind aber die Gruppen, die zwischen den Laufzeiten trainieren. Geheizt werden nur noch die Personalräume und die Gaststätte, was in erster Linie über Abwärme aus der Kälteerzeugung funktioniert. In Esslingen bleiben die Duschen in Betrieb, denn bei der Eissportgemeinschaft hat der Vereinssport eine hohe Bedeutung. Aber auch hier hofft man, mithilfe der Abwärme den Gasverbrauch zu drosseln.
In beiden Einrichtungen steigen die Preise zur neuen Saison leicht an. Das sei unabhängig von der Energiekrise ohnehin geplant gewesen, versichern die Betreiber. Schließlich steigen auch die Personal- und andere Kosten. Die Energiekosten komplett auf die Kunden umzulegen, halten sie für nicht möglich, das würde mindestens eine Verdoppelung bedeuten. „Wir wollen ja, dass weiterhin Leute kommen“, sagt Dirk Sihling. Die Öffnungszeiten bleiben wie gehabt, was in Wernau aber auch heißt: Wie schon seit den Coronabeschränkungen öffnet das Eisstadion vormittags nur für angemeldete Schulklassen.
Trotz aller Ungewissheiten freuen sich die Betreiber, dass es jetzt wieder losgeht. „Wir versuchen, das Ganze optimistisch anzugehen, und freuen uns über jeden, der kommt“, sagt Dirk Sihling.

aia / Foto: Ait Atmane


Feiertage für die Jazzstadt

Maximilian Merkles Festival präsentiert vom 1. bis 22. Oktober internationale Stars und junge Musiker der Szene

Internationale Stars und junge Musiker geben sich vom 1. bis 22. Oktober beim internationalen Jazzfestival in Esslingen die Ehre. An unterschiedlichen Veranstaltungsorten von der Württembergischen Landesbühne (WLB) über die Stadtkirche St. Dionys und das Kulturzentrum Dieselstraße bis hin zum Neckar Forum und dem Jazzkeller in der Webergasse werden Musikerinnen und Musiker ein facettenreiches Bild ihres Genres zeichnen. Dass dabei auch der Nachwuchs zum Zuge kommen wird, ist Teil des Konzepts von Veranstalter Maximilian Merkle, der verrät: „Die Planung des Festival-Programms ist wie ein Puzzle. Und das Schöne ist: Es geht am Ende immer auf.“
Mit dem Saxofonisten Sandi Kuhn und dem Pianisten Volker Engelberth bestreiten zwei baden-württembergische Jazzpreisträger am 1. Oktober in der WLB den Auftakt. Gemeinsam mit dem Bassisten Jens Loh und dem Schlagzeuger Daniel Mudrack versprechen sie zarte Klänge von geradezu magischer Sogkraft. Im zweiten Teil des Konzerts setzt ein US-Quartett ein erstes Highlight: Schlagzeug-Legende Billy Hart, Ethan Iverson am Klavier, der Saxofonist Mark Turner und der Bassist Ben Street zählen zur Elite der New Yorker Jazzszene.
Das zweite Festivalwochenende steht zunächst im Zeichen des Klaviers, wenn am 7. Oktober der unlängst von der Jazz Journalists Association zum Pianisten des Jahres gekürte Vijay Iyer in der Stadtkirche St. Dionys zu hören sein wird. Iyer hat sein Können schon in unterschiedlichsten Besetzungen bewiesen – nun zeigt er in Esslingen, dass er auch solo eine Klasse für sich ist. Und am 8. Oktober erklingen kubanische Klänge in St. Dionys, wo sich der Pianist Gonzalo Rubalcaba und die Sängerin Aymée Nuviola als kongeniales Duo präsentieren.
Mit Enrico Pieranunzi hat sich ein Pianist angesagt, der am 13. Oktober nicht zum ersten Mal im Jazzkeller Akzente setzt – diesmal ist er solo zu hören. Die 23-jährige Pianistin Katherine Zyabluk eröffnet am 14. Oktober in der Württembergischen Landesbühne den Abend. „Ihre Eigenkompositionen bewegen sich zwischen Debussy und Monk, aber seit Beginn des Krieges adaptiert sie auch verstärkt ukrainische Volkslieder“, weiß Maximilian Merkle. Dieses Konzert beschließt das Quarteto Afro-Cubano des kubanischen Pianisten Omar Sosa. Klassische kubanische Musikstile wie Danzon und Cha-Cha-Cha verschmelzen mit Traditionen afrikanischer Musik.
Abdullah Ibrahim, der große Mann des afrikanischen Jazz, wird am 15. Oktober in der Stadtkirche St. Dionys auftreten. Neben der Zusammenarbeit mit John Coltrane, Ornette Coleman, Duke Ellington, Elvin Jones und Don Cherry in verschiedenen Besetzungen trat der südafrikanische Pianist – wie nun in Esslingen – immer wieder auch solo auf. Den Abschluss des dritten Wochenendes wird am 16. Oktober das Trio des tunesischen Oudspielers Dhafer Youssef gestalten, der für eine Fusion aus nordafrikanischer Musik und Jazz steht und sein Projekt „Sounds of Mirrors“ ins Neckar Forum mitbringt. Im Vorprogramm spielt die Festivalband – junge Jazzerinnen und Jazzer, die bereits beim renommierten Jazzfestival in Vienne in einem Workshop zusammengearbeitet haben und die nun in Esslingen ihr Programm perfektionieren.
Das Kulturzentrum Dieselstraße setzt dann am 22. Oktober den Schlusspunkt, wenn die französische Sängerin Leïla Martial mit ihrem Trio „BAA BOX“ eine charmante und komödiantische Performance von außergewöhnlicher Spannung verspricht.

adi / Foto: Veranstalter


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Noch kein Sieg in dieser Saison, wieder Heimspiel verloren, Platz im Tabellenkeller: Machen Sie sich schon (wieder) Sorgen um den VfB Stuttgart?

 

Foto: dpa

Sorgen um den VfB?

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  • Nein! (33% )
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Reha-Zentrum zieht ins QBUS

Die Nanz-medico-Gruppe wird auf gut 2000 Quadratmetern auch in Esslingen eine ZAR-Dependance eröffnen

Diese Nachricht könnte für eine gesunde Entwicklung des neuen, aber in der Bürgerschaft noch ungeliebten QBUS auf dem alten ZOB sorgen: Die Nanz-medico-Gruppe wird mit einem Zentrum für ambulante Rehabilitation (ZAR) mehrere Etagen in dem neuen Wohn-, Gewerbe-, Einzelhandels- und Gastrokomplex am Esslinger Bahnhof belegen. Das Familienunternehmen mit Sitz in Stuttgart betreibt eigenen Angaben zufolge unter dem Namen ZAR bereits mehr als 30 Zentren für ambulante Rehabilitation in ganz Deutschland – darunter auch in Stuttgart und Tübingen. Und es ist auf Expansionskurs: Auch im künftigen Einkaufszentrum Nürtinger Tor in der Hölderlinstadt soll ein ZAR entstehen.
Für die Eigentümerfamilie Nanz sei das Engagement in Esslingen eine Rückkehr zu den Wurzeln, heißt es in einer Pressemitteilung der LBBW. Schließlich habe Vorfahre Theodor Nanz einst unweit des QBUS vor rund 120 Jahren sein allererstes Geschäft gegründet – einen Kolonialwarenhandel. Hans-Udo Baku, Mitarbeiter der LBBW-lmmobilien-Gruppe und Projektleiter des QBUS, freut sich über den langfristigen Mietvertrag. Das neue Reha-Zentrum mitten in der Stadt sei sowohl für die Stadt als auch für die Patienten ein „absoluter Gewinn“. Zudem würden damit in größerem Umfang Arbeitsplätze geschaffen. ZAR stehe seit 1996 für Rehabilitation, Therapie und Gesundheitsleistungen, heißt es in der Mitteilung der LBBW. Mittlerweile habe sich Nanz medico zum größten Anbieter für ambulante Rehabilitationsleistungen in Deutschland entwickelt. Das Spektrum reiche von der mehrwöchigen Rehabilitation im Heilverfahren über Anschlussbehandlungen nach dem Krankenhaus bis hin zur medizinisch-beruflich orientierten Reha. Darüber hinaus biete man Nachsorgeprogramme, Therapie auf Rezept, Rehasport oder Präventionsprogramme an.
„Wir wollen Reha, Therapie und Gesundheitsleistungen dorthin bringen, wo die Menschen sie benötigen“, so Geschäftsführer Markus Frenzer über den neuen Standort in Esslingen. Der bringt mit seiner zentralen Lage direkt bei dem Bahnhof, dem Ärztezentrum im Einkaufszentrum Das ES und den Krankenhäusern in Stadt und Nachbarschaft auch für die Anbieter beträchtliche Vorteile. „Die gute Erreichbarkeit, unsere Vernetzung zu Kliniken und Ärzten der Region und aufeinander abgestimmte Angebote sind beste Voraussetzungen für eine nachhaltige Therapie“, erhofft sich Frenzer auch von dem neuen ZAR-Ableger, an dem die Patienten nach ihrem Programm jeden Tag wieder in ihr gewohntes Umfeld nach Hause gehen können.
„Wir gehen davon aus, dass ein erheblicher Teil der rund 25 000 Patienten, die wir jährlich stationär behandeln, die Möglichkeit einer ambulanten Weiterbehandlung in Esslingen gerne in Anspruch nehmen werden“, kommentiert denn auch Matthias Ziegler, Geschäftsführer des Klinikums Esslingen, die Nachricht.
Der Neubau soll im ersten Halbjahr 2023 fertig sein. Der Rewe-Markt im Erdgeschoss des dahinterliegenden Parkhauses, das ebenfalls zu der Immobilie gehört, wird bis zur Berliner Straße erweitert. Zudem entstehen im QBUS eine Mobilitätsstation sowie 1650 Quadratmeter für gastronomische Einrichtungen. Mit der Vermietung der mehr als 2000 Quadratmeter für das ZAR sind noch 500 Quadratmeter Büroflächen im ersten Obergeschoss frei. Weiterhin beherbergt der fünfgeschossige Komplex 132 Mikroapartments und 19 Penthouse-Wohnungen.
Die Stadt will das Umfeld des Neubaus aufwerten, der von den Bürgern vor allem wegen seiner Massivität kritisiert wird. Auf der Berliner Straße soll eine Fahrspur dem Gehwegbereich vor dem QBUS zugeschlagen werden, sodass die Gastronomie die Möglichkeit zur Außenbewirtschaftung hat. Zudem will die Stadt den Bahnhofsplatz über die Berliner Straße hinweg erweitern.

biz / Foto: Ines Rudel