„Es gibt noch eine Menge zu tun“

Ulrich Hempel ist seit Jahrzehnten ehrenamtlich tätig – Künftig mehr Zeit für die Familie – Buchprojekt in Planung

Jahrzehntelang war Ulrich Hempel aus dem Ostfilderner Stadtteil Scharnhausen ehrenamtlich im Vereinsleben, in der evangelischen Kirchengemeinde und in der Kommunalpolitik aktiv. Als Chronist und Bildjournalist publizierte er mehrere Bücher zur Geschichte Scharnhausens und zur Entwicklung der Stadt Ostfildern. Hempel prägte den Schwäbischen Albverein Scharnhausen entscheidend und war 14 Jahre lang Vorsitzender des Albverein-Gaus Esslingen. Seit einiger Zeit tritt der 72-Jährige etwas kürzer, untätig ist er allerdings nicht.

„Ich habe meiner Frau versprochen, dass ich endlich etwas mehr Zeit für sie habe. Deswegen will ich jetzt stark zurückschrauben“, sagt Ulrich Hempel und nickt bekräftigend. Angesichts seiner Vita und bisherigen Umtriebigkeit könnte da allerdings noch reichlich Luft für Aktivitäten bleiben. Hempel gestaltete sein bisheriges Leben stets rastlos, aktiv und vielseitig engagiert. „Mitgestalten und Spaß dabei haben, das hat mich immer angetrieben“, sagt er.

Ulrich Hempel, Jahrgang 1943, stammt ursprünglich aus der Nähe von Düsseldorf. Er studierte Film- und Fernsehtechnik in Berlin, arbeitete dort und in Paris als Kameramann und Fotojournalist. Aus dieser Zeit stammt eine seiner Antriebsfedern, „die Offenheit für Unbekanntes, Interesse an den Menschen und an der Vielfalt des Lebens“, beschreibt er. Nach seinem Umzug mit der Familie nach Scharnhausen im Jahr 1970 bewog ihn eben diese Neugier dazu, sich mit der Geschichte des Orts zu beschäftigen. Dies führte zur Publikation mehrerer Broschüren und einer Chronik des Dorfs Scharnhausen, später begleitete er die Entwicklung der Stadt Ostfildern mit einem Bildband.

„Ich wollte natürlich auch mehr über die Region erfahren“, sagt Hempel. Mit der Schwäbischen Alb fast vor der Haustür war der Schritt in den Schwäbischen Albverein für ihn daher folgerichtig. Dies war allerdings ein Schritt mit Folgen, denn Hempel brachte frischen Wind in die Ortsgruppe Scharnhausen, die ihn im Jahr 1977 zum Vorsitzenden wählte. Dies blieb er 22 Jahre lang. In der Zeit organisierte Hempel die Feiern zum 75- und zum 100-jährigen Bestehen der Ortsgruppe, er war maßgeblich am Umbau des alten Scharnhauser Schulhauses zum Albvereinsheim beteiligt und leistete wesentliche Arbeit bei der Organisation der Feiern zum 100. und zum 125. Geburtstag des Gesamtvereins. Im Jahr 2001 schließlich übernahm er zusätzlich das Amt des Vorsitzenden des Gaus Esslingen des Albvereins, das er bis vor wenigen Monaten innehatte.

Auch in der Kommunalpolitik war Ulrich Hempel aktiv. Zehn Jahre lang war er Vorsitzender der Freien Wähler Ostfildern, genauso lang Mitglied des Gemeinderats, 20 Jahre lang saß er im Kreistag. Zwischen 2003 und 2013 engagierte er sich überdies als ehrenamtlicher Seelsorger am Stuttgarter Flughafen. „Ich bringe mich ein, wo man Hilfe braucht“, beschreibt Ulrich Hempel.

Mittlerweile hat Hempel seine Ehrenämter alle niedergelegt. „40 Jahre sind genug“, stellt er fest, schränkt aber ein, dass er sich „deswegen nicht zur Ruhe begeben“ wolle. So musste er in den vergangenen zwei Jahren noch einmal beim Albverein Scharnhausen einspringen, da niemand Leitungsverantwortung übernehmen wollte. „Mittlerweile ist ein junger Nachfolger da, wir haben 360 Mitglieder, darunter sind 20 Familien. Wir stehen wieder auf gesunden Füßen“, freut sich Hempel. Auch seine Dozententätigkeit an der Heimat- und Wanderakademie, der gemeinsamen Bildungseinrichtung des Schwäbischen Albvereins und des Schwarzwaldvereins, füllt Hempel weiter aus. Dort leitet er Fortbildungsseminare für Ehrenamtliche und schult sie in Sachen Öffentlichkeitsarbeit und Nachwuchsgewinnung. „Bei vielen Ortsgruppen hapert es an neuen Ideen, sie drohen zu überaltern, wenn sie nicht den Mut haben, in die Jugendarbeit zu investieren und zum Beispiel mit attraktiven Angeboten um Familien und Migranten zu werben“, weiß Hempel.

„Es gibt also noch eine ganze Menge zu tun“, sagt Hempel, doch werde sich vieles davon künftig im Privaten abspielen. So soll der Wohnwagen öfter und intensiver genutzt werden. „Ich möchte gerne noch ein bisschen mehr von der Welt sehen“, sagt Hempel. Und endlich soll auch das lange geplante autobiografische Buch verwirklicht werden, das er zusammen mit seiner Frau schreiben möchte. Der Titel stehe bereits: „Wir sind keine Familie für Hausmusik.“      pst

Foto: pst


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