Das Beste für jedes Kind

Drei Säulen der Inklusion: Eltern sollen wählen können – Kulturschwerpunkt an Bodelschwinghschule – Ganztagsschulbetrieb wird angestrebt

Der Landkreis Esslingen ist der Träger von drei sonderpädagogischen Einrichtungen, eine weitere Schule dieser Art mit Internat wird vom Land getragen. Neben deren Schulen und Kindergärten sowie den Außenklassen exi­s-tiert seit ein paar Jahren die Betreuung gehandicapter Kinder und Jugendlicher in Regelschulen.

„Das sind die drei Säulen der Inklusion“, betonte kürzlich die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) bei ihrem Besuch des Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums (SBBZ) Rohräcker in Esslingen. Das Wichtigste für Eisenmann ist die Möglichkeit, dass unter den angebotenen Formen der Beschulung gewählt werden kann. „Das Wahlrecht der Eltern ist das zentrale Thema bei der Inklusion“, betonte die Ministerin. Rund 25 Prozent der Eltern mit gehandicapten Kindern im Kreis Esslingen entscheiden sich für eine Betreuung in einer Regelschule, die überwiegende Mehrheit wählt die Sonderschulen. Allerdings hat sich die Zahl der Eltern, die ihre Kinder in die Regelschule schicken, seit dem Jahr 2014 fast verdoppelt. Das stellt nicht nur den Landkreis Esslingen vor Probleme, da die vorgegebene Betreuung durch zusätzliche Pädagogen – das sogenannte Zwei-Pä­dagogen-Prinzip – nicht immer garantiert werden kann: „Da, wo es sinnvoll ist, aber kaum flächendeckend“, sagte die Ministerin: 40 Millionen Euro sollen aber künftig in die Fortbildung von Werkrealschullehrern investiert werden, damit die Lücke von Sonderpädagogen geschlossen werden kann.

Derzeit investiert der Landkreis Esslingen fast 55 Millionen Euro in die Generalsanierung des SBBZ Rohräcker. Die Stadt Esslingen beteiligt sich mit drei Millionen Euro, neun Millionen sollen vom Land kommen.

Der Landkreis arbeitet ebenfalls daran, die drei Sonderschulen im Kreis in Ganztagsschulen umzustrukturieren. Ein Vorhaben, das auch aus der Elternschaft stark nachgefragt und begrüßt wird. Für die Elternbeirätin Cecile Hammer ist die Sonderschule eine unverzichtbare Einrichtung für gehandicapte Kinder: „Für manche Kinder ist die Schule das einzige soziale Umfeld außerhalb der Familie.“

Aber eine Gleichstellung mit Regelschulen in puncto Ganztagesversorgung sehen Eltern dringend geboten: „Mütter von behinderten Kindern können noch nicht einmal halbtags arbeiten gehen“, beklagte Elternbeirätin Ursula Hofmann.

Bei der Umstellung zum Ganztagsbetrieb stößt auch die Bodelschwinghschule in Nürtingen an ihre Grenzen. „Der Schulträger ermittelt gerade den Bedarf“, erklärt  Rektorin Barbara Andreas. Schon jetzt ist die räumliche Enge offensichtlich. Klassenzimmer sind in Containern eingerichtet, seit Ostern steht der fünfte Container am Bodelschwinghweg 15. Ab dem Sommer soll laut Andreas eine Machbarkeitsstudie laufen. „Unsere Schülerzahlen steigen, und die Prog­nosen für die nächsten zehn Jahre gehen ebenfalls von steigenden Zahlen aus.“

Die Bodelschwinghschule, die nun 142 Schüler aufnimmt, käme demnach auf mehr als 160 Kinder. Einen Grund für die Steigerung sieht Andreas zum einen in der verbesserten Diagnostik bei einigen Krankheitsbildern. Vor allem auf dem Gebiet der Autismus-Erkrankungen: „Früher sprach man von schwierigen Schülern, heute erkennen die Ärzte Autismus und wissen, dass diese Kinder eine besondere Behandlung benötigen.“ Die Schulrektorin stellt darüber hinaus fest, dass das „Interesse an unserer Schule ganz allgemein steigt“. Möglicherweise auch deshalb, weil die Schule außergewöhnliche Wege geht. Im Jahr 2016 ist die Bodelschwinghschule Kulturschule geworden – eine Auszeichnung mit finanzieller Förderung durch das Land. Zehn ausgewählte Schulen im Land werden für fünf Jahre darin unterstützt, kulturelle Bildung zu einem noch selbstverständlicheren und breiteren Bestandteil des Schulalltags zu machen. Dafür haben das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport und die Karl Schlecht Stiftung das Modellprojekt „Kulturschule 2020 Baden-Württemberg“ entwickelt. „Die Bodelschwingh­schule Nürtingen gehört als einzige Sonderschule in Baden-Württemberg dazu“, freut sich Andreas. Die Schule erhält ein jährliches Budget von 10 000 Euro, um fächer- und jahrgangsübergreifende Angebote der kulturellen Bildung noch breiter in der Schulpraxis umzusetzen.

„Darin haben wir jahrelange Erfahrung“, erklärt die Rektorin und zählt auf: die Theaterkooperation mit der Albert-Schäffle-Schule Nürtingen, die Musikprojekte mit der Neckarrealschule und der Musikschule in Nürtingen, Kunstausstellungen im Rathaus und im Landratsamt, Konzerte mit dem Plochinger Gymnasium und mit dem Lehrersymphonie-Orchester und die Schulband „Die Coolsten“  sowie zahlreiche Kunstprojekte. Und im Mai steht die nächste Projektwoche an: 18 Schüler bringen ein Theaterstück auf die Bühne.

Die kleinste landkreiseigene Sonderschule steht in Dettingen: Die Verbundschule Dettingen unterrichtet rund 120 Jungen und Mädchen.  Die Konzeption ist im Land einmalig. Die Kinder der Schule für Sprachbehinderte und die Kids der Schule für Körperbehinderte mit dem Bildungs­gang „Geistig behindert“ werden in zwei eigenständigen Abteilung­en nach dem jeweiligen Lehrplan unterrichtet.

In Nürtingen versorgt außerdem die Johannes-Wagner-Schule unter der Trägerschaft des Landes Hörgeschädigte und Sprachbehinderte. Die staatliche Schule mit Kindergarten und Internat erhält nun rund 2,9 Millionen Euro vom Land für einen Sonderbau. Gebäude werden abschnittsweise saniert und umstrukturiert. Dadurch soll die Bausubstanz gesichert und der Schulbetrieb optimiert werden.              bob

Foto: Bodelschnwinghschule

 


Abgestimmt

Es herrscht Lehrermangel, der Fremdsprachenunterricht
in der ersten Klasse steht auf der Kippe. Was sagen Sie?
Sollen mehr Quereinsteiger in den Schuldienst.
Stimmen Sie ab.


Foto: dpa

Quereinsteiger in Schule?

  • Nein! (60% )
  • Ja! (40% )
Loading ... Loading ...