Um die Ecke einkaufen gehen

CAP-Markt in Denkendorf eröffnet am 28. Mai – Neuhausen sucht weiter nach Lösungen für Laden in der Ortsmitte

Am Donnerstag, 28. Mai, eröffnet in Denkendorf ein Cap-Markt im oberen Ortsteil.  In Neuhausen hingegen sind die Verhandlungen um einen Bonus-Markt als Nahversorger gescheitert.

Der CAP-Markt in Denkendorf wird von der NintegrA Unternehmen für Integration gGmbH betrieben werden.  Eigentlich sollte der Markt in der Berkheimer Straße 1  bereits im April  eröffnet werden. Aber die Corona-Pandemie legte das Vorhaben   auf Eis.   Nun steht  der 28. Mai als Eröffnungstermin fest. Ab 8 Uhr kann im neuen Nahversorger in Denkendorf eingekauft werden.  Allerdings: Die dazu geplante  Eröffnungsfeier soll  im Rahmen eines CAP-Fests zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

„Wir unterstützen das Projekt und freuen uns auf die  Eröffnung“, betont  Denkendorfs Bürgermeister Ralf Barth. Die Gemeinde gewährt  NintegrA für die Eröffnung des Markts einen einmaligen Investitionszuschuss in Höhe von 150 000 Euro und bürgt für weitere 100 000 Euro zur Absicherung eines Darlehens zur Beschaffung der Erstausstattung. Die Betreiberin sichert wiederum zu, den Lebensmittelmarkt zehn Jahre zu betreiben, andernfalls bei vorzeitiger Betriebsaufgabe den Investitionszuschuss anteilig zurückzubezahlen.

Die Öffnungszeiten  des Denkendorfer CAP-Markts sind montags bis freitags von 8 bis 20 Uhr und samstags von 8 bis  18 Uhr. Die Kunden erwartet  ein umfangreiches Lebensmittelvollsortiment mit vielen Frischwaren. CAP wird von Edeka beliefert, führt auch „Gut & Günstig“-Artikel und regionale Produkte. Zum Service gehören begleitetes Einkaufen für gehbehinderte und ältere Menschen, telefonische  Warenbestellung und auf Wunsch ein kostenloser Lieferservice nach Hause ab einem Warenwert von 30 Euro.

Im Markt arbeiten zwölf  Personen, 40 Prozent sind Menschen mit Handicap.  CAP  bildet Verkäuferinnen und Verkäufer aus. Der Markt zieht in die Räume, die zuvor ein Treff-3000-Markt von Edeka Südwest  genutzt hatte. Die Gemeinde hat sich nach dem Wegzug von Treff 3000 im Juli des vergangenen Jahres um einen Nachfolger bemüht, um die wohnortnahe Versorgung mit Lebensmitteln  im oberen Teil  Denkendorfs zu sichern.

Derweil schaut man in Neuhausen neidisch nach  Denkendorf. In der Marktstraße 11  in Neuhausen  steht  das Ladenlokal für den einst geplanten Lebensmittel-Markt   weiter leer. Der Gemeinderat hatte zwar  beschlossen, den dortigen CAP-Markt mit einer Investitionssumme von 300 000 Euro zu unterstützen, dennoch sprang  der Betreiber, der Reha-Verein,  ab. Mit der SBR gGmbH  wurde daraufhin eigentlich ein neuer Betreiber für einen Bonus-Markt gefunden. Allerdings hat sich auch dieser nach kurzer Zeit zurückgezogen, als klar wurde, dass die Immobilie  umfassend saniert werden muss und mit dem Vermieter keine Einigung erzielt wurde.    Derzeit wird saniert. Wie lange dies  dauern wird,  sei der Verwaltung nicht bekannt, so Elke Eberle von der Pressestelle der Gemeinde. 

 Auf Vermieterseite wurde ein Gewerbemakler  beauftragt, Nutzungsmöglichkeiten zu eruieren und einen Nachmieter für das Objekt zu finden. Die Gemeinde dürfe  gerne Vorschläge für eine Folgenutzung machen, sei aber selbst in der Verantwortung, dann auch einen entsprechenden Nutzer dafür zu finden, heißt es weiter.   Vermieterseite und Verwaltung seien   in positiven Gesprächen. In der Verwaltung geht man  jedoch davon aus, dass im Jahr 2020 keine finanziellen Mittel  für einen Laden benötigt werden.  bob / Foto: bob


„In Gegensätzen leben“

Stadtmuseum Nürtingen zeigt Ausstellung „Friedrich Hölderlin. Die letzte Nürtinger Zeit“

Die Stadt Nürtingen hatte geplant, den 250. Geburtstag des Dichters Friedrich Hölderlin mit einem Veranstaltungsreigen über das gesamte Jahr hinweg zu feiern. Die strikten Beschränkungen des öffentlichen und damit auch des kulturellen Lebens haben das Vorhaben jedoch jäh gestoppt. Im Nürtinger Stadtmuseum kann nun zumindest die Sonderausstellung „Friedrich Hölderlin. Die letzte Nürtinger Zeit“ besucht werden.

Friedrich Hölderlin verbrachte einen Großteil seiner Kindheit und Jugend, aber auch drei Jahre seines Erwachsenenlebens in Nürtingen. Die Veranstaltungsreihe anlässlich seines 250. Geburtstags musste allerdings kurz nach dem Auftakt vorläufig gestoppt werden. „Das ist bedauerlich, da Kultur von der analogen Begegnung lebt“, sagt Nürtingens Kulturamtsleiterin Susanne Ackermann. Dass nun Museen wieder besucht werden können, sei daher hoch zu schätzen, zumal die aktuelle Ausstellung „Friedrich Hölderlin. Die letzte Nürtinger Zeit“ seine vielleicht wichtigste Schaffensperiode beleuchte.

Die Ausstellung zeigt Aspekte des Lebens, der Arbeit und der fortschreitenden Zerrüttung Hölderlins zwischen den Jahren 1801 und 1804, der Zeit, in der sich Hölderlin „auf dem Höhepunkt seines Schaffens“ bewegte, wie  Museumsleiterin Angela Wagner-Gnan sagt.

Die Schau präsentiert auf großen, wenngleich recht textlastigen Tafeln einen zwischen vielen Widersprüchen zerrissenen jungen Dichter. Literarisch ambitioniert und ökonomisch erfolglos leidet und zerbricht Hölderlin am Spannungsverhältnis zwischen seinem Lebensentwurf als exaltiertem intellektuellen Bohemien und den gesellschaftlichen Konventionen jener Zeit.

Überspanntes Genie

So werde das „Missverhältnis zwischen überspanntem Genie und der Enge der pietistischen Kleinstadt mit hoher sozialer Kontrolle“ deutlich, erläutert Wagner-Gnan. „Die Ausstellung zeigt das Moderne an Hölderlin: In Gegensätzen denken und in Gegensätzen leben, eine moderne Dialektik.“

Dies erschließt sich auch aus der Schautafel, die Hölderlins Liebesbeziehung mit der verheirateten Susette Godard beschreibt. Diese Beziehung verschärft auch die problematische Spannung zwischen ihm und  seiner Mutter, deren pietistisches Weltbild damit unvereinbar ist.

Nürtingens Stadtarchivar Reinhard Tietzen sieht darin auch einen weiteren  Widerspruch. „Der Aspekt der Heimat ist noch wenig beleuchtet. Es ist aber weniger die Stadt als vielmehr die Familie, die ihm Halt versprach“, beschreibt Tietze. In der Familie freilich erfährt Hölderlin nur noch Befremden, während er sich in der Stadt „dem Pöbel exponiert“ sieht.

Phase emsiger Arbeit

So illustriert die Ausstellung eine Phase emsiger Arbeit Hölderlins bei fortschreitendem psychischem Verfall. Er übersetzt das Werk „Antigone“ des griechischen Dramatikers Sophokles und bearbeitet seine „Nachtgesänge“, die im sogenannten „Homburger Folioheft“ niedergelegt sind und schafft damit laut Wagner-Gnan ein „poetisches Gesamtwerk“, das aber auch ein „letztes Aufbäumen seiner dichterischen Kraft“ darstelle.   pst / Foto: pst

Info: „Friedrich Hölderlin. Die letzte Nürtinger Zeit“; Stadtmuseum Nürtingen, Öffnungszeiten der Ausstellung: dienstags, mittwochs und samstags 14.30 bis 17 Uhr, sonntags 11 bis 18 Uhr; mehr unter www.stadtmuseum- nuertingen.de


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Der Bußgeldkatalog für den Straßenverkehr wurde verschärft. Nach Kritik wird überlegt, Strafen für zu schnelles Fahren zu entschärfen. Geht  der Bußgeldkatalog zu weit?

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Millionen für die Brückensubstanz

Plochinger Verkehrsachse wird saniert – Baustart im Sommer oder Herbst

Die Brücken von der B 10 zur Karlstraße sind der Plochinger „Haupteingang“. Hier fließt ein Großteil des Verkehrs in Richtung Innenstadt. Nach der Sanierung des ersten, kleineren Abschnitts vor vier Jahren stehen nun weitere Arbeiten an. Dabei sollen aber immer eine Fahrspur für Autos und eine Fahrradspur befahrbar bleiben.

Genaugenommen fährt man zwischen Plochingen und der Kurve Richtung Deizisau über drei Brücken. Der südlichste Teil wurde von Bund und Land bereits 2016 saniert. Für die aktuellen Arbeiten ist die Stadt Plochingen zuständig. Sie betreffen sowohl die 120 Meter lange Otto-Konz-Brücke über den Neckar und den Hafen als auch die „Verlängerte Hafenbrücke“, also das rund 150 Meter lange Stück über die Bahnschienen bis zum Kreisverkehr. Darüber hinaus soll auch die Rampe zum Nordkai des Hafens ausgebessert werden.

Beton- und Fahrbahnschäden

Nachdem bei einer turnusmäßigen Prüfung verschiedene Schäden an Verschleißteilen festgestellt wurden, hat man die Brücken genauer untersucht. Das Fazit, dass „die Grundsubstanz gut erhalten ist“, so Joachim Kohler vom Tiefbauamt der Stadt, klingt erfreulich. Damit das so bleibt, müssen aber die vorliegenden Schäden an der Fahrbahn und den Übergängen sowie teilweise am Beton behoben werden.

Die Stadt kommt dabei dennoch mit einem blauen Auge davon, denn Betonsanierungen unterhalb der Abdichtung sind noch nicht erforderlich. Sie wären weitaus kostenintensiver als die 4,9 Millionen Euro, die jetzt angesetzt sind. Davon können 1,8 Millionen Euro mit einem Landeszuschuss gedeckt werden. Im vergangenen Jahr hat die Stadt den Bewilligungsbescheid aus dem Programm „Kommunaler Sanierungsfonds Brücken“ erhalten.

Im Januar hat der Gemeinderat nun den Baubeschluss gefasst. Somit wird diese Investition weiter vorangetrieben. Andere Baumaßnahmen, die zwar im Haushalt stehen, bei denen aber der Baubeschluss noch aussteht, sind vorerst aufgrund der Corona-Krise  auf Eis gelegt. Denn wenn die Konjunktur einbricht, brechen auch die Steuereinnahmen der Kommunen ein und das Geld wird knapp.

Die Arbeiten an den Brücken sollen demnächst ausgeschrieben werden und nach der Vergabe zügig – im Sommer oder Herbst – starten. Konkret geht es darum, die Fahrbahnen instandzusetzen, den Oberflächenschutz und die Entwässerung zu verbessern, das Geländer zu erhöhen, die Beleuchtung auf LED umzustellen, Maßnahmen zum Korrosionsschutz und zur Betonsanierung vorzunehmen sowie Leerrohre fürs Breitbandnetz zu verlegen.

Die Stadt und das mit der Planung beauftragte Ingenieurbüro MSing rechnen mit 18 Monaten Bauzeit. Währenddessen soll durchgehend eine Fahrspur in Richtung Innenstadt bestehen bleiben. Das ist auch wegen des Schwerlastverkehrs in Richtung Hafen wichtig. Der müsste sonst bereits an der Querspange Reichenbach beziehungsweise in Wernau die Bundesstraßen verlassen und den Weg über die Plochinger Innenstadt nehmen, verbunden mit zusätzlichen Belastungen fürs Zentrum.

Mit Stau ist zu rechnen

Staus und Behinderungen dürften während der Bauzeit kaum ausbleiben. Wenn eine Seite der Brücken saniert ist, will man die Fahrbahn verlegen und auf der anderen Seite weitermachen. Aus der Stadt heraus sollen Autofahrer auf einer der anderen Routen geführt werden. Erfahrungsgemäß finde man den Weg aus Städten heraus leichter als in sie hinein, sagt Benjamin Treiber, der in der Plochinger Verwaltung für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Umleitungen würden natürlich trotzdem ausgeschildert.  aia / Foto: aia


„Nachhaltig lebenswert“

Busse mit Elektro-Hybrid-Technik auf drei Esslinger Linien – Ausbau  geplant – 40 Kilometer Laufleistung mit Batterie

Seit Ende April sind sie auf den Straßen Esslingens unterwegs: Die neuen Elektro-Hybrid-Busse des Städtischen Verkehrsbetriebs Esslingen (SVE). Die Oberleitungsbusse sind Teil der Strategie, die Elektromobilität im Esslinger Busverkehr zu stärken. Die Stadt, die Stadtwerke Esslingen (SWE) sowie der SVE haben die Neuen mit den Esslinger  Motiven kürzlich vorgestellt.

Die drei neuen Fahrzeuge der Marke „Solaris Trollino 18“ sind Gelenkbusse mit niedrigem Einstieg. Mitfahren können – zumindest in normalen Zeiten – auf je 45 Sitz- und 66 Stehplätzen bis zu 111 Fahrgäste. Andreas Clemens, kaufmännischer Werkleiter der SVE, ist stolz auf seine Flotte und betont den Komfort für die Fahrgäste: „Die Gelenkbusse haben einen niedrigen Einstieg. Sie sind klimatisiert, leise und mit WLAN ausgestattet.“ Die 25 Tonnen schweren Busse sind mit einem Oberleitungssystem ausgestattet, können  jedoch auch mit Batterie fahren. Vier Batterieblöcke sitzen hinten im Bus, dort wo bei herkömmlichen Bussen der Dieselmotor zu finden ist. Johannes Müller, der Technische Werkleiter des SVE, erklärt, dass darüber Antriebsstrom für bis zu 40 Kilometer bereit gehalten wird. Auch lädt sich die Batterie beim Bergabfahren unter der Oberleitung auf, Bremsenergie wird in Strom umgewandelt. Außergewöhnlich ist auch das Innere der Busse. Ganz neu für die Fahrgäste ist die Darstellung der Energieströme im Fahrzeug auf zwei separaten Monitoren. Auf ihnen wird gezeigt, wie viel Batterieleistung aktuell noch vorhanden ist, ob der Fahrstrom aus der Oberleitung kommt oder der Omnibus auf Batteriebetrieb fährt.

Insgesamt sind mittlerweile zehn Elektro-Hybridbusse auf Esslingens Straßen  unterwegs, und zwar auf den Linien 101, 113 und 118. „Die neuen Busse verstärken die bereits bestehende Elektro-Hybrid-Flotte und ersetzen die bisherigen O-Busse. Sie sind Teil unserer Strategie, den elektrisch gefahrenen Anteil im Busverkehr in den nächsten vier Jahren zu verdreifachen“, sagt Esslingens für den Nahverkehr  zuständiger Bürgermeister Ingo Rust. Den Strom für die Busse liefern die SWE, und dieser stammt aus regenerativer Erzeugung. SWE-Geschäftsführer Jörg Zou weist darauf hin, dass seit  Jahren sämtliche O-Busse in Esslingen  mit Ökostrom der SWE  unterwegs sind.

Rein äußerlich sind die Busse ebenfalls Hingucker: Sie sind mit Esslinger Ansichten  designt, die der  Esslinger Illustrator Florian Bayer im Auftrag der SWE gestaltet hat. Zu sehen sind Motive aus Esslingen wie das Alte Rathaus, die Burg und die Neckarkanäle samt den Menschen, die dort leben. „Nachhaltig lebenswert“ lautet das Motto der Motive, die  die lebens- und liebenswerten Seiten  Esslingens zeigen sollen. Nachhaltige Mobilität spielt dabei ebenso eine Rolle wie bewusster Konsum und umweltfreundliche Stromerzeugung: So ist ein Vater mit seinen Kindern mit E-Lastenrad unterwegs, eine Familie geht auf dem Wochenmarkt einkaufen. Auf den Dächern der Neuen Weststadt sind viele Fotovoltaikanlagen zu erkennen.

Ingo Rust erläutert, dass  das Oberleitungssystem in Esslingen weiter  ausgebaut werden soll. Begonnen wird mit dem Altstadtring bis zum Hirschlandkopf sowie in der  Pliensauvorstadt.  Bis in fünf Jahren soll dann der Esslinger Busverkehr komplett elektrisch laufen – „als erster in Deutschland“, sagt Rust. Schon jetzt könnte der Bus nach Obertürkheim dank seiner Batteriekapazität bis Untertürkheim weiterfahren, darüber werde gerade verhandelt. Die Oberleitung reicht nur bis Obertürkheim. 

Florian Bayer ist gebürtiger Esslinger und   arbeitet seit 2007 als freischaffender, preisgekrönter Illustrator und doziert an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Würzburg. Er  arbeitet für das„Süddeutsche Zeitung Magazin“, „Die Zeit“, „Der Spiegel“ und weitere Magazine und Zeitungen aus dem In- und Ausland.  red/bob / Foto: Tom Weller


Kulturgeschichte zum Anfassen

Freilichtmuseum Beuren vor 25 Jahren eröffnet – Dörflicher Alltag in vergangenen Zeiten

Am 12. Mai 1995 wurde das Freilichtmuseum des Landkreises Esslingen in Beuren  als siebtes regionales ländliches Freilichtmuseum in Baden-Württemberg eröffnet. Aus dem Ensemble von anfänglich acht historischen Häusern hat sich in den vergangenen 25 Jahren ein kleines Dorf mit 25 Gebäuden entwickelt, in dem die ländliche Alltagskultur vergangener Jahrhunderte erfahrbar wird.

Die 25 Gebäude des   Museumsdorfs stammen aus verschiedenen Ortschaften der Region, wo sie, teilweise vernachlässigt oder baufällig, vom Abbruch bedroht waren. Für ihre Umsetzung wurden sie in ihre Einzelteile zerlegt und zunächst denkmalgerecht aufgearbeitet. Erst nach ihrem Wiederaufbau in Beuren zeigte sich dem Laien der historische  Wert der Häuser. Die Gebäude stammen aus verschiedenen Jahrhunderten und spiegeln so diverse architektonische und bauhistorische Perioden zwischen dem Spätmittelalter und dem 19. Jahrhundert wieder. Dazu zeigen sie auch die Vielfalt und funktionalen Unterschiede der Bauten in einem Dorf in der Vergangenheit. So finden sich im Freilichtmuseum die Häuser von vermögenden Bauern ebenso wie die ärmlichen Unterkünfte der Tagelöhner und Kleinbauern, Scheunen, Ställe, Werkstätten und ein Backhaus, aber auch ein Tante-Emma-Laden, ein Fotoatelier und als jüngster Zuwachs der Tanzsaal einer ehemaligen Gaststätte.

Das Alltagsleben der früheren Bewohner und Nutzer einiger Gebäude wird durch zeittypische Möbel, Einrichtungen und Gebrauchsgegenstände illustriert. Das Bild vom dörflichen Leben früherer Zeiten wird zudem durch Gärten, Wiesengrundstücke und auch einige Tiere wie Schafe oder Hühner abgerundet.

Damit die Kulturgeschichte des ländlichen Alltags für die mehr als 70 000 Besucher pro Saison fassbar wird, nimmt das Freilichtmuseum darüber hinaus einen  pädagogischen Auftrag wahr. Mit der Unterstützung Ehrenamtlicher aus dem Museums-Förderverein werden mehr als 400 Führungen für Gruppen, Schulklassen und Familien durchgeführt. Bei Thementagen werden einzelne Aspekte des dörflichen Lebens etwa durch handwerkliche Vorführungen, Kurse oder auch durch Backtage im Backhaus vertieft. Überdies kümmert sich das Freilichtmuseum um den Erhalt und die Pflege alter Obstsorten, früher im Albvorland typischen Gemüses und auch die Zucht einer alten und vom Aussterben bedrohten Hühnerrasse.

„Mit seinen begehbaren Originalgebäuden eingebettet in die Kulturlandschaft des Albtraufs, der attraktiven Aufbereitung regionaler ländlicher Alltagsgeschichte und einem ambitionierten Kulturprogramm ist das Freilichtmuseum einzigartig in der Region und genießt einen ausgezeichneten Ruf“, sagte Landrat Heinz Eininger anlässlich des 25. Geburtstags des Museumsdorfs, der aus Infektionsschutzgründen ohne Gäste gefeiert worden war.

Seit dem vergangenen Dienstag kann das Freilichtmuseum wieder besucht werden. Aufgrund der geltenden Abstands- und Kontaktbeschränkungen werden nicht alle Museumsgebäude zugänglich sein. Veranstaltungen dürfen derzeit nicht durchgeführt werden. Geöffnet wird dienstags bis sonntags, jeweils von 11 Uhr bis 18 Uhr.  pst / Foto: Landkreis Esslingen

Info: Freilichtmuseum Beuren, Auskünfte über Angebote oder die Museumsgastronomie unter Telefon 0 70 25/9 11 90-90 (www.freilichtmuseum-beuren.de). =b


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Corona drohte den Deutschen den Urlaub komplett zu verhageln. Nun scheinen Sommer-Reisen zumindest innerhalb Europas möglich. Haben Sie wieder Hoffnung, verreisen zu können?

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Die nächste Baustelle

Neue L 1250 zwischen Wendlingen und Oberboihingen eröffnet – K 1219 nach Unterensingen drei Monate lang gesperrt

Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit und mit einer achtmonatigen Verzögerung ist Ende April die neue Strecke der Landesstraße 1250 zwischen Wendlingen und Oberboihingen eröffnet worden. Direkt im Anschluss wurde auf der anderen Seite des Neckars die Kreisstraße 1219 zwischen Wendlingen und Unterensingen dicht gemacht.  Dort müssen der Hochwasserdamm erhöht  sowie ein Abwasserkanal verlegt werden. Bis Ende Juli ist die Straße voll gesperrt, ab dann halbseitig befahrbar. Zum Jahresende sollen die Arbeiten beendet sein.

Für die Pendler, die die direkte Straßenverbindung zwischen Wendlingen und Oberboihingen nutzen, geht eine lange Durststrecke mit weiten und stauträchtigen Umwegen zu Ende.  Zweieinhalb Jahre lang wurde an der Verlegung der K 1250 auf die westliche Seite der Bahnstrecke in Richtung Tübingen gearbeitet. Auslöser des Projekts waren die Bauarbeiten für die Schnellbahnstrecke Stuttgart-Ulm, die am südlichen Stadtrand von Wendlingen verläuft. Dort wird auch die sogenannte Kleine Wendlinger Kurve gebaut, die beide Bahnstrecken verknüpft. Dieser Anbindung war allerdings die L 1250 im Weg, sodass eine neue, 800 Meter lange Streckenführung über die Heinrich-Otto-Straße bis zum Otto-Werksgelände ausgebaut wurde. Dort verläuft die Straße nun über eine  Brücke über die Bahnlinie und schwenkt dahinter in die alte Strecke ein. Um den Höhenunterschied von 13 Metern zu überwinden, musste eine Rampe konstruiert werden.

Wie Regierungspräsident Wolfgang Reimer anlässlich der Eröffnung der Straße erklärte, seien die lange Bauzeit und vor allem die achtmonatige Verzögerung bei der Fertigstellung der „Komplexität der Maßnahme“ geschuldet. So habe vor allem der Bau der Brücke und von Stützwänden bei laufendem Bahnbetrieb in streng eingetakteten Zeitfenstern stattfinden müssen. Hinzu kamen zusätzlich notwendige Untersuchungen des Baugrunds, die zu weiteren statisch gebotenen Absicherungen und damit Bauverzögerungen führten. „Wir wissen, dass wir den Bürgern viel Geduld abverlangt haben“, sagte Reimers. Die Kosten für das Gesamtprojekt liegen bei rund zwölf Millionen Euro.

Mit dem Abschluss der Bauarbeiten an der L 1250 geht es auf der anderen Seite des Neckars weiter. Dort wird der Hochwasserschutzdamm  zwischen Wendlingen und Unterensingen verstärkt und um einen Meter erhöht. Damit soll das Gebiet Wert besser gegen eine Überflutung geschützt werden. Die Arbeiten sind Teil des auf etwa zehn Millionen Euro veranschlagten Gesamtvorhabens, das  Wendlinger Stadtgebiet gegen ein Hochwasser zu schützen, das im statistischen Mittel einmal pro 100 Jahre vorkommt.

Bevor der Damm verstärkt werden kann, muss zuvor noch eine Abwasserleitung, die dort verläuft, verlegt werden. Dafür muss die K 1219 für drei Monate voll gesperrt werden, der Verkehr wird in der Zeit über die neue L 1250 umgeleitet. Ab August ist die Straße dann in Fahrtrichtung Unterensingen wieder nutzbar, Richtung Wendlingen wird weiter über die L 1250 umgeleitet. Der Neckartal-Radweg, der auf dem Damm verläuft, wird durchgängig auf 2,50 Meter verbreitert. Auch der Radverkehr wird während der Bauarbeiten  auf die rechte Neckarseite umgeleitet. Im Dezember sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.  pst / Foto: Holzwarth


Die Busse läuteten das Ende ein

Vor 100 Jahren wurde mit der Filderbahn der  Schienenverkehr vor den Toren Stuttgarts neu geordnet

Die  Filder lagen Ende des 19. Jahrhunderts im Verkehrsschatten der von Stuttgart ausgehenden Schienenstrecken der Königlich Württembergischen Staatseisenbahnen. Da aber enge wirtschaftliche Beziehungen zwischen der Residenzstadt Stuttgart und den Fildergemeinden bestanden, war eine Bahnverbindung dringend erforderlich. So wurde die Filderbahn zwischen den Jahren 1884 und 1897 von einer privaten Aktiengesellschaft gebaut. Gründer und Initiator der Filderbahn AG war nach Recherchen von Filderstadts Stadtarchivar Nikolaus Back Emil von Keßler junior, der Inhaber der Maschinenfabrik Esslingen. Die Bezeichnung Filderbahn stand für  mehrere Strecken, nämlich die Stuttgarter Zahnradbahn, die als Keimzelle des Filderbahn-Netzes gilt, die Strecke Degerloch–Möhringen–Hohenheim, die Linie Möhringen–Echterdingen–Bernhausen–Neuhausen und schließlich die Strecke Vaihingen–Möhringen.

Die Filderbahn AG entwickelte sich  in der Folge wirtschaftlich sehr erfolgreich, weitere Strecken kamen hinzu. Im Ersten Weltkrieg geriet die Filderbahn jedoch aufs Abstellgleis: Ein Drittel der Beschäftigten wurde zum Militär eingezogen. Wegen Personalmangels konnte nur eingeschränkt gefahren werden, so dass die Fahrgastzahlen zurückgingen. Die Württembergische Nebenbahnen AG, wie sie ab 1905 hieß, beschloss 1919, die Filderbahn als den verlustreichsten Teil ihres Unternehmens an die Staatsbahn zu verkaufen.

Allerdings fand sich kein Käufer für das gesamte Netz. Am 1. März 1920 erfolgte schließlich die verkehrspolitische Weichenstellung, die den Schienenverkehr auf den Fildern für Jahrzehnte maßgeblich bestimmte. Die Stadt Stuttgart erwarb die Zahnradbahn sowie die Strecke Degerloch–Möhringen–Hohenheim. Die Staatsbahn (seit 1. April 1920 Reichsbahn) kaufte den Abschnitt Echterdingen–Neuhausen. Der Kaufpreis betrug sechs Millionen Mark, eine stattliche Summe, angesichts der beginnenden Inflation. Der Erwerb erwies  sich für die beiden Käufer jedoch als kluge Investition.

Für die Staatsbahn war das Stück Echterdingen–Neuhausen ohne eine Verbindung zur Gäubahn wertlos. Aus diesem Grund wurde zwischen Rohr und Echterdingen ein Verbindungsstück gebaut. Damit konnten nun Personenzüge von Neuhausen über Vaihingen/Rohr bis Stuttgart fahren, teilweise sogar bis zum Hauptbahnhof. Allerdings verlängerte sich die Fahrzeit in die Landeshauptstadt dadurch erheblich.

Für Vaihingen, Möhringen und Plieningen brachte die städtische Filderbahn hingegen große Vorteile, die Stuttgarter Straßenbahnen AG  tätigte umfangreiche Investitionen. Sämtliche Strecken wurden elektrifiziert, das Netz wurde beträchtlich erweitert. Die Filderbahn  entwickelte sich zu einer Erfolgsgeschichte.

Während der gesamten 20er-Jahre gab es jedoch ständig Klagen über die Strecke Neuhausen–Vaihingen. Erschwerend kam für die Pendler in Plattenhardt, Bonlanden und Harthausen hinzu, dass sie erst noch drei Kilometer zu Fuß  zum Bahnhof Bernhausen zurücklegen mussten.

Findige Geschäftsleute bauten daher einen Lastwagen um, indem sie auf die Pritsche Bänke montierten und so einen privaten Busverkehr aufzogen, der die Arbeiter direkt nach Stuttgart fuhr. Die Verbindungen boomten. Nach wenigen Jahren wurden richtige Busse angeschafft. In den 20er-Jahren entstanden in den fünf Filderstädter Stadtteilen fünf Busunternehmen; eine hat sich bis heute erhalten: die Firma Omnibus Briem in Bernhausen. 1927 gab’s Konkurrenz von einer öffentlichen Buslinie – der Linie N, die heutige Linie 74.

In der Folge verlor die Filderbahn immer mehr Fahrgäste, 1955 wurde sie im Personenverkehr eingestellt. Am 28. Mai 1983 rollte der letzte Güterzug von Neuhausen nach Echterdingen; die Bahn wurde endgültig stillgelegt. Heute wird ein Radweg über die ehemalige Bahntrasse geführt, bald jedoch soll darauf die S-Bahn verkehren.  pb / Foto: Stadt Filderstadt


Abgestimmt

Fußball-Bundesliga und 2. Liga dürfen mit Hygiene- und Infektionsschutzkonzept sowie Geisterspielen wieder loslegen. Halten Sie diese Regelung für gerechtfertigt?

Foto: dpa

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