Punkthaus kann gebaut werden

Bebauungsplan für Plochinger Bruckenwasen ist rechtskräftig – Gegner haben viele Unterschriften gesammelt

Im Mai hat der Plochinger Gemeinderat den vorhabenbezogenen Bebauungsplan für ein sechsstöckiges „Punkthaus“ im  Bruckenwasen beschlossen. Das Projekt hatte zuvor für Verwerfungen in der Stadt gesorgt, die Väter der Gartenschau 1998  auf den Plan gerufen und für eine Unterschriftensammlung gesorgt.

Neuer Wohnraum wird gebraucht, aber zu hohe Verdichtung oder Vernichtung von Grünflächen tun weh. Auch bei dem geplanten Neubau im Bruckenwasen gingen die Meinungen weit auseinander, obwohl an dieser Stelle eigentlich schon immer ein Gebäude geplant war. Architekt Ivano Gianola und Landschaftsplaner Jörg Stötzer, die in den 90er-Jahren das Gelände als Wohngebiet und Landschaftspark entwickelt haben, sahen von Anfang an mehr Gebäude vor als heute stehen. Im ursprünglichen Bebauungsplan waren generell fünf Stockwerke möglich, errichtet hat man allerdings nur vier. Dafür sollte nun das Punkthaus – in der Art eines „kleinen Ausrufezeichens“, wie Verbandsbaumeister Wolfgang Kissling es einmal formulierte – zunächst auf sieben Stockwerke gehen. Das sah die Planung des Plochinger Architekturbüros Geiselmann + Hauff für den Bauträger, die r:con GmbH, vor. Sie möchte das Grundstück bebauen, das die Stadt ebenso wie ein weiteres, zwischen den bestehenden Häusern im Bruckenwasen liegend, zum Verkauf angeboten hatte.

Doch sieben Stockwerke waren aus Sicht vieler Bürger  zu viel. Das Haus, das diametral zur Alten Spinnerei in der freigebliebenen Ecke entstehen soll, wäre damit rund zehn Meter höher als die Nachbargebäude, wobei der oberste Stock eine etwas zurückgesetzte Penthouse-Etage sein sollte. Die Verfasser der Unterschriftensammlung gegen das Projekt kritisierten diese Höhe, sie verstoße auch gegen den „Eckpfeiler“, dass die Alte Spinnerei das höchste Gebäude bleiben solle. 1400 Personen unterschrieben schließlich Anfang 2019 online oder auf Papier gegen das Projekt. Zu den Wortführern zählten Altbürgermeister Eugen Beck sowie zwei weitere Väter der Plochinger Gartenschau, Hartmut Strobel, damals Kämmerer, und Andreas Sättele, damals Verbandsbaumeister. Weitere Kritikpunkte der Gegner waren die Verschattung der Nachbarwohnungen oder negative Auswirkungen auf das Lokal „Steiner am Fluss“.

Wichtigste Argumente der Befürworter waren der Bau von dringend benötigtem Wohnraum ebenso wie die Tatsache, dass dort von jeher Wohnbebauung vorgesehen war. Verbandsbauamt und Stadtverwaltung beurteilten auch die Qualität des Projektes anders, Bürgermeister Frank Buß sprach von einer städtebaulich absolut vertretbaren Planung. Als Entgegenkommen hat der Bauträger nun das Gebäude um ein Stockwerk reduziert, eine weitergehende Verkleinerung sei aber im Hinblick auf den Grundstückspreis wirtschaftlich nicht tragbar, betont er. Somit bleiben sechs Geschosse, diese jedoch alle komplett – die Penthouse-Etage fällt weg. Damit werden 18 neue Eigentumswohnungen mit Tiefgarage entstehen. Der vorhandene oberirdische, derzeit provisorische Schotterparkplatz soll vergrößert und befestigt werden.

Diesen Plänen stimmte der Gemeinderat nun mehrheitlich mit drei Gegenstimmen und einer Enthaltung zu. Seit Ende vergangener Woche ist der Bebauungsplan rechtskräftig. Einen Bauantrag müssen die Architekten trotzdem noch einreichen, das dürfte aber, da der Bebauungsplan ja darauf abgestimmt ist, reine Formsache sein. Wie schnell gebaut wird, hängt auch davon ab, wie der Verkauf der Wohnungen jetzt anläuft. „Wir gehen zur Zeit davon aus, dass wir nächstes Frühjahr beginnen können“, sagen die Architekten.  aia / Foto: Architekturbüro Geiselmann + Hauf


Bahn darf auf den Fildern bauen

Bundesverwaltungsgericht weist Klagen von Umweltschützern gegen S-21-Planungen ab

Die Bauarbeiten für das Großprojekt Stuttgart 21 im Bereich des Landesflughafens können weitergehen. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig wies vergangene Woche Klagen des Umweltverbands Nabu und der Schutzgemeinschaft Filder gegen die Planungen für das Teilstück zurück. Die Revisionen der Kläger gegen ein vorheriges Urteil des Verwaltungsgerichtshofs (VGH) in Mannheim seien unbegründet, so die Bundesrichter. Der Abschnitt umfasst den Bau eines neuen Tiefbahnhofs am Flughafen und die Südumgehung Plieningen.

Der VGH hatte den Planfeststellungsbeschluss für das Teilstück 2018 zwar für rechtswidrig und nicht vollziehbar erklärt –  allerdings wegen eines formellen Fehlers. Das Eisenbahn-Bundesamt habe die Planungen für den Flughafenbahnhof samt Anbindung an die Schnellfahrstrecke nach Ulm und die Straßenverlegung unzulässig vermengt, urteilte der VGH damals. Es handele sich um zwei selbstständige Projekte.

Danach wurden die Planungen nachgebessert –  und sind nun aus Sicht des Bundesverwaltungsgerichts nicht mehr zu beanstanden. Die Umweltschützer hatten unter anderem die Verkehrsprognose der ergänzten Planungen für den Straßenbau bemängelt, die Genehmigung für die Umgehungsstraße von Plieningen sei nicht ordnungsgemäß zustande gekommen. „Die Abwägung der für und gegen das Straßenbauvorhaben sprechenden Belange ist nicht zu beanstanden“, erklärte jedoch das Bundesverwaltungsgericht (Aktenzeichen: BVerwG 3 C 2.19 und 3 C 3.19). Es hatte schon in diesem März Eilanträge des Nabu Stuttgart und der Schutzgemeinschaft Filder für einen Stopp der Bauarbeiten am Flughafen zurückgewiesen.

Verantwortliche der Bahn begrüßten die Entscheidung. Ronald Pofalla, Vorstand für Infrastruktur, sagte: „Endlich können wir am Flughafen bauen wie geplant.“ Das sei ein entscheidender Schritt zur Inbetriebnahme des gesamten Bahnprojekts. Laut Manfred Leger, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der DB Projekt Stuttgart-Ulm GmbH, soll unverzüglich mit dem Bau des Tunnels zum künftigen Flughafenbahnhof begonnen werden. „Alles ist bereit“, sagte er.

Mit dem Urteil kann nun  am Anschluss des Stuttgarter Flughafens am Schienenfern- und Regionalverkehr  weitergebaut werden. Die Genehmigung des Eisenbahn-Bundesamts hierfür sei nun  nach einem vier Jahre währenden Rechtsstreit abschließend bestätigt, heißt es in einer Pressemitteilung der Bahn. Der S-21-Abschnitt umfasst den fünf Kilometer langen Teil der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm entlang der A 8 zwischen dem Fildertunnel und  Wendlingen, den neuen Fern- und Regionalbahnhof am Flughafen samt zuführendem Tunnel sowie die Verlegung der Landesstraße 1204. Mit vorbereitenden Arbeiten etwa entlang der A 8 war trotz der noch anstehenden Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht bereits begonnen worden. Die Streckenführung der Gäubahn auf den Fildern ist allerdings noch Gegenstand eines laufenden Planfeststellungsverfahrens.

Mit der künftigen Anbindung des Flughafens und der Messe an das Schienennetz entsteht laut Bahn auf den Fildern eine Verkehrsdrehscheibe, von der 250 000 Einwohner alleine im unmittelbaren Einzugsgebiet profitierten. Die Fahrzeit mit der Bahn vom Flughafen zum Stuttgarter Hauptbahnhof verkürze sich künftig von 27 auf acht Minuten.

S 21 und die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm umfassen die komplette Neuordnung des Bahnknotens Stuttgart und die Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen Stuttgart und Ulm. Der Abschnitt am Flughafen ist nur ein Teil des Projekts. Gebaut werden laut Deutscher Bahn insgesamt fünf neue Bahnhöfe, 120 Kilometer Tunnel sowie 81 Brücken.  lsw/ch / Foto: Arnim Kilgus/Deutsche Bahn


Großes Theater vor 99 Zuschauern

WLB stellt Spielplan für die nächste Saison vor – Junge Bühne unter neuer Leitung – Stücketausch wegen Corona

Es hätte ein hervorragendes Jahr für die Württembergische Landesbühne (WLB) in Esslingen werden können, die Besucherzahlen bewegten sich auf einem ausgesprochen hohen Niveau.  Doch Corona beendete im März den Höhenflug. Jetzt hat das Theater  einen eingeschränkten Betrieb aufgenommen – und den neuen Spielplan vorgestellt.

Bis zum 12. März hatte die WLB in dieser Saison 77 663 Besucher gezählt, das waren deutlich mehr als im gleichen Zeitraum in der vorangegangenen Spielzeit (64 823). Doch dann  wurden der  Spielbetrieb eingestellt und  die geplante Freilichtproduktion „Shakespeare in Love“ auf der Maille abgesagt. Diese  findet sich nun in der Spielzeit 2020/2021 als Freilichtstück, „The Black Rider“ rutscht in den Sommer 2022. Verschiebungen können auch noch andere Produktionen betreffen, da vieles  in diesen Zeiten unklar ist. Derzeit darf die WLB vor 99 Zuschauern spielen.

Die WLB wird mit einer Uraufführung (am 25. September im Schauspielhaus) in die neue Saison starten: Bernhard Schlinks „Der Vorleser“ ist von ihm und der Regisseurin Mirjam Neidhart für die Bühne bearbeitet worden. Eine weitere Uraufführung ist mit „Wagner und Fritz“ geplant, ein szenisches Gedankenspiel über den Stuttgarter Massenmörder Ernst August Wagner (27. September im Podium 2). Der Romanautor Robert Seethaler  liefert mit „Heartbreakin’ – die Biene und der Kurt“ Stoff für die Uraufführung im Schauspielhaus am 9. Oktober.

„New York Marathon“, eine deutsche Erstaufführung, ist ab 18. November im Podium 1 zu sehen. Das Stück lief erfolgreich am Broadway und auch im Londoner Westend. Ein Klassiker, Lessings „Minna von Barnhelm oder Das Soldatenglück“,  steht für den 5. Dezember im Schauspielhaus auf dem Programm.  Molnars Vorstadtlegende „Liliom“ läuft am 15. Januar im Schauspielhaus an. Am 11. Februar wird erstmalig „Der Diener zweier Herren“ nach Goldoni im Schauspielhaus gegeben. Die Esslinger Dramaturgin Anna Gubiani hat  gemeinsam mit Stephanie Serles das Stück aus dem Italienischen neu ins Deutsche übersetzt.

„Vom Suchen und Finden der Liebe“ wird am 18. März im Schauspielhaus uraufgeführt. „Das ist ein weiteres Stück von Helmut Dietl,  das wir nach ‚Schtonk’ bearbeiten  durften“, sagt WLB-Intendant Friedrich Schirmer nicht ohne Stolz. Das Thema hat Dietl  mit Patrick Süskind geschrieben. Die Bühnenfassung stammt von Marcus Grube, dem Co-Intendanten an der WLB.  Im Stück „Amsterdam“ (26. März, Podium 2) geht es um das Selbstverständnis einer jungen Israelin, die in  Europa lebt, und die  Aufarbeitung nationalsozialistischer Vergangenheit.

Die Junge WLB hat mit Jan Müller einen neuen Leiter. Fünf Stücke für junge Menschen im Alter ab  vier Jahren bis 14 Jahre aufwärts hat  Müller im Programm, darunter den Shakespeare-Klassiker „Romeo und Julia“ am 27. März (Podium 2). Das Stück (ab zwölf Jahre) lebt von einer „entstaubten, aber dennoch Shakespeare-authentischen Sprache“ und lasse Julia überleben, erklärt Müller. Am 18. Juni findet im Schauspielhaus die Uraufführung von „Was man von hier aus sehen kann“ (ab 14 Jahre)  nach dem Roman von Mariana Leky als Gemeinschaftsproduktion von  Junger WLB und WLB statt, bei der Müller auch Regie führt und die er als Highlight bezeichnet.

Die theaterpädagogische Abteilung der WLB hat Corona-bedingt neue Formate erschaffen, wie der Leitende Theaterpädagoge Tobias Metz erklärt.  Elf Filme und Podcasts seien  entstanden, weitere  folgten. Das Klassenzimmerstück „Die Menschheit ist hier“ steht nach den Ferien den Schulen zur Verfügung. Schulen quer durchs Land  hätten vor Corona Termine gebucht, etliche wurden abgesagt, ebenso wie  Workshops und Veranstaltungen innerhalb des Esslinger „Kulturrucksacks“.  bob / Foto: bul

Info: www.wlb-esslingen.de, dort sind auch kurzfristige Änderungen zu erfahren. 


Abgestimmt

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Foto: dpa

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Bürgerbus bald wieder unterwegs

Aichwald investiert 110 000 Euro in  neues Fahrzeug – Betrieb soll am 6. Juli  aufgenommen werden

Seit dem 16. März steht der neue Bürgerbus auf einem Parkplatz im Aichwalder Ortsteil Aichelberg und wartet auf seinen ersten Einsatz. Der alte Bus war in die Jahre gekommen und musste durch ein neues Fahrzeug ersetzt werden. Voraussichtlich ab 6. Juli wird der neue Bus verkehren.

Während die Gemeinde Aichwald den  Mercedes-Sprinter und dessen Umbau zum behindertengerechten Fahrzeug bezahlte – unterm Strich eine Investition in Höhe von 110 000 Euro   –  übernimmt der Bürgerbusverein mit seinen rund 30 ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrern wieder den Betrieb. Wegen der Corona-Krise fährt der Bürgerbus allerdings seit Mitte März  nicht mehr.

Wie Albert Kamm, der Vorsitzende des Bürgerbusvereins mitteilt, soll der neue Bus am Montag, 6. Juli, zum ersten Mal wieder seine Runden drehen. An diesem Tag soll der reguläre Betrieb nach Fahrplan wieder aufgenommen werden. „Vorher müssen wir aber alle Fahrer neu einweisen“, sagt Kamm, der darauf hofft, dass mindestens 20 der 30 ehrenamtlichen Fahrer mitziehen werden. Immerhin gehören viele von ihnen schon allein altersbedingt zur Risikogruppe, manche haben Vorerkrankungen. „Wenn aber eine zweite Infektionswelle kommt, dann haben wir keine Chance“, sagt Kamm. Wie im Bus der geforderte Mindestabstand eingehalten werden kann, ist derzeit noch offen. „Möglicherweise können vorerst nur vier Fahrgäste mitgenommen werden“, sagt Kamm.

Bis zum 6. Juli soll der Bus auch noch mit einer Plexiglasscheibe ausgestattet werden, der die Fahrer zur Minimierung des Infektionsrisikos von den Fahrgästen abschottet. „Es ist niemandem zuzumuten, den ganzen Tag mit einer Maske zu fahren“, sagt der Vereinsvorsitzende, der regelmäßig selbst am Steuer sitzt und im Jahr 2009 in Aichwald den Bürgerbusverein ins Leben gerufen hat. Seither ist Kamm Vorsitzender des Vereins und dessen Betriebsleiter.

Der Bus ergänzt inzwischen seit elf Jahren den öffentlichen Personennahverkehr und verbindet die Ortsteile untereinander. Die feierliche Einweihung des neuen Busses will Kamm übrigens im Oktober auf dem Aichwalder Dorffest nachholen. Um seine Erfahrung an andere weiterzugeben, hat er vor vier Jahren den landesweit tätigen Verein „proBürgerBus“ mitgegründet. Noch heute gehört er dem Vorstand als Beisitzer an.

Der neue Aichwalder Bürgerbus hat gegenüber dem alten Fahrzeug einen entscheidenden Vorteil: Rollstuhlfahrer können leichter einsteigen. Der Bus hat seitlich zwei große Flügeltüren, durch die ein Rolli unkompliziert ins Fahrzeug gehoben werden kann. Der Vorgänger hatte am Heck einen Rollstuhllift, der viel umständlicher zu handhaben war. Anstatt wie früher fünf Minuten, dauert es beim neuen Bus künftig höchstens zwei Minuten, bis ein Rollstuhlfahrer sicher sitzt. Insgesamt können acht Fahrgäste mitfahren, darunter ein Rollstuhlfahrer.

Unverändert kostet eine Fahrt mit dem  Bürgerbus einen Euro. Der Bus fährt  montags bis freitags jeweils zweimal am Vormittag und zweimal am Nachmittag nach einem festen Fahrplan immer in einen der Ortsteile und dann wieder zurück ins Zentrum nach Schanbach. Insgesamt gibt es in Aichwald 35 Haltestellen.

Finanziert wird der Betrieb durch Sponsoren, Werbepartner und öffentliche Zuschüsse. Kinder bis zum sechsten Lebensjahr werden kostenlos mitgenommen, ebenso Fahrgäste mit einem Schwerbehindertenausweis.  Zudem fahren Menschen mit der Aichwald-Card gegen Vorlage des Ausweises bis zu zehnmal im Jahr ebenfalls kostenlos mit. aka / Foto: Kaier


Platz für Entwicklung

Bissingen projektiert ein 4,8 Hektar großes Gewerbegebiet – Neues Gesicht für den Ortseingang

Der Ortseingang der Gemeinde Bissingen könnte in einigen Jahren sein Gesicht verändern. Der Gemeinderat hat kürzlich die ersten Schritte hin zu einem neuen Gewerbegebiet im Gewann Fürhaupten getan. Erstmals seit 26 Jahren könnten damit  auf dem 4,8 Hektar großen Areal westlich   der Kreisstraße 1251 nennenswerte Flächen für die wirtschaftliche Weiterentwicklung ausgewiesen werden.

Die Zahl der Gewerbeflächen in der Gemeinde Bissingen hält sich in überschaubaren Grenzen. Seit der Ausweisung des Gewerbegebiets östlich der K 1251 im Jahr 1994 sind nur noch Flächen im Rahmen der Innenverdichtung hinzugekommen.  Im Zuge der Erstellung eines Gemeindeentwicklungskonzepts im Jahr 2013 wurde daher auch das Ziel formuliert, ein neues Gewerbegebiet auszuweisen. Bei einer Umfrage unter den Bissinger Unternehmen wurde deren Flächenbedarf abgefragt und seitdem laufend aktualisiert. Die Ergebnisse zeigen einen großen Bedarf an neuen gewerblichen Bauflächen auf, Bauplätze für solche  Neuansiedlungen gibt es in der Gemeinde jedoch nicht mehr. Aufgrund der Nachfrage hatte die Gemeinde in den vergangenen Monaten  daher Voruntersuchungen zur Gebietsentwicklung durchgeführt. Dabei konzentrierten sich die Überlegungen auf das Gewann Fürhaupten westlich der K 1251. Dort könnte das bestehende Gewerbegebiet eine direkte Fortsetzung finden.

Derzeit wird das rund 4,8 Hektar große Areal als Ackerland genutzt und liegt somit im sogenannten ungeplanten Außenbereich. Um dort Gewerbebetriebe ansiedeln zu können, muss zunächst ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Damit  sollen die Voraussetzungen für eine geordnete städtebauliche Entwicklung von Gewerbebauplätzen geschaffen und die Bedingungen für die Verkehrsanbindung definiert werden.

Außerdem gibt der Bebauungsplan den Rahmen für die Gestaltung der künftigen Ortseinfahrt vor, da sich das Gesicht des Orts durch Gewerbebetriebe rechts und links der Straße  wandeln wird. Neben städtebaulichen Belangen muss der Bebauungsplan die Auswirkungen auf die Umwelt durch die Versiegelung von Ackerland berücksichtigen.

Bis ein Bebauungsplan und die  Bauvorschriften  als Satzungen beschlossen werden können, ist  allerdings noch ein weiter Weg zu gehen. Da das Gewann Fürhaupten aus einer ganzen Reihe einzelner Flurstücke mit etlichen Grundstückseigentümern besteht, muss zunächst der Zuschnitt der Grundstücke per freiwilliger Vereinbarungen neu geordnet werden. Das sogenannte  Umlegungsverfahren wird vom Gemeinderat beschlossen, der für den Prozess einen  nichtöffentlichen Umlegungsausschuss bildet. Schließlich muss auch die Öffentlichkeit einbezogen werden, von den Planungen betroffene Bürger erhalten die Möglichkeit, ihre Bedenken in den Entscheidungsprozess einzubringen.

Die Gemeinde will angesichts des Umfangs des Projekts  externe fachliche Unterstützung durch einen Erschließungsträger an Bord holen. Über die gesetzlichen Vorgaben  hinaus plant die Gemeindeverwaltung eine weitere Bürgerbeteiligung, etwa in Form einer Informationsveranstaltung. Wie und wann sie durchgeführt werden kann, steht allerdings aufgrund der Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie derzeit noch in den Sternen.   pst / Foto: Jacques


Immer mehr Telefonbetrügereien

Kriminalitätsrate im Landkreis Esslingen liegt trotz Anstiegs unter dem Landesdurchschnitt – Gewalt gegen Polizeibeamte nimmt zu – Weiterhin viele Wohnungseinbrüche

Die Entwicklung hat zwar  ihre negativen Seiten, und doch lebt es sich im Landkreis Esslingen nach wie vor relativ sicher. Das zumindest legen die Zahlen dar, die das Polizeipräsidium Reutlingen in seiner Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2019 vor Kurzem präsentiert hat. Demnach liegt die Kriminalitätsrate unter dem Durchschnitt des Landes Baden-Württemberg, ist aber im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Auffallend: Betrügereien am Telefon, Wohnungseinbrüche und Gewaltdelikte gegen Polizeibeamte haben zugenommen.

Die Polizei hat im Kreis Esslingen im vergangenen Jahr 25 743 Straftaten gezählt, das entspricht einer Häufigkeit von 4822 Straftaten je 100 000 Einwohnern (plus 4,9 Prozent). Zum Vergleich: Im gesamten Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Reutlingen, zu dem neben Esslingen die Landkreise Reutlingen und Tübingen sowie seit Januar dieses Jahres der Zollernalbkreis gehören, wird die Quote mit 4471 Straftaten pro 100 000 Einwohner angegeben. Und dennoch liegt auch der Kreis Esslingen unter dem Landesdurchschnitt (5184 Straftaten je 100 000 Einwohner). Der Landeswert liegt auf dem niedrigsten Stand seit Mitte der 80er-Jahre. „Unsere Bürgerinnen und Bürger leben in einer sehr sicheren Region“, sagte Alexander Pick, Präsident des Polizeireviers Reutlingen. Allerdings sank die Aufklärungsquote laut Polizei „signifikant“ von 60,9 auf 56,8 Prozent.

Verantwortlich für den Anstieg der Straftaten ist insbesondere  der  sprunghafte Anstieg im Bereich Telefonbetrug. Dort hechelt die Polizei zudem den Tätern häufig vergeblich hinterher, was wiederum den Rückgang bei der Aufklärungsquote erklärt. Für  Pick ist dies ein statistischer Effekt und  kein Beinbruch: „Durch unsere intensiven Präventionskampagnen auf diesem Betrugssektor folgen immer mehr Menschen unserer Bitte, der Polizei auch kurze, erfolglose Kontaktversuche der Gauner zu melden. Und das ist gut so.“

Nachdem die Zahl der  Wohnungseinbrüche in den Jahren zuvor zurückgegangen war, ist diese 2019 im Kreis Esslingen um 20,5 Prozent auf 423 gestiegen. Ab Herbst haben Einbrecher wieder vermehrt zugeschlagen. Die Aufklärungsquote sank hier von 17,7 auf 6,4 Prozent. Und das, obwohl die Polizei ihre Kontrollen verstärkt hat. „Die Täter sind teilweise hochprofessionell und reisen zum Teil eigens ins Bundesgebiet ein“, machte Pick klar. Neben der Abschreckung setze man  auf Prävention. In knapp der Hälfte der Fälle seien die Täter beim Einbruchsversuch gescheitert. „Ein Beleg dafür, wie wichtig eine wachsame Nachbarschaft und technischer Einbruchsschutz sind“, sagte Pick. Die Polizei bietet hierzu regelmäßig kostenlose Beratungen an und appelliert an die Bürger, wachsam zu sein. Bei verdächtigen Wahrnehmungen gelte es schnell die 110 zu wählen.

Deutlich mehr Sexualdelikte

In einem anderen Bereich, der das Sicherheitsgefühl der Bürger auch in besonderem Maß beeinflusst, gab es im Kreis Esslingen ebenfalls einen markanten Anstieg: bei den Sexualdelikten. Diese nahmen um 27,3 Prozent auf 382 Fälle zu, was einem Höchststand in der Fünf-Jahres-Betrachtung entspricht. In der Stadt Esslingen stieg die Zahl der Sexualdelikte um 21 auf 79. Dass deren Zahl in Neckartenzlingen von sechs auf 60 stieg, lag vor allem an einem Beschuldigten, dem 44 Fälle  des sexuellen Missbrauchs von Kindern per Internetchat vorgeworfen werden.

Bei den ermittelten Tatverdächtigen fällt auf, dass die Zahl der Heranwachsenden im Alter von 18 bis 21 Jahren erneut deutlich abgenommen hat – um 8,7 Prozent auf 956. Bei Kindern und Jugendlichen gab es hingegen Zuwächse. Drei Viertel aller Tatverdächtigen waren Männer, 42,4 Prozent Wiederholungstäter. In 67 Fällen wurden Schusswaffen mitgeführt, zehn Mal wurde tatsächlich geschossen. 11,7 Prozent der Tatverdächtigen im Landkreis Esslingen standen unter Alkoholeinfluss, 4,4 Prozent hatten andere Drogen genommen. Der Anteil der von der Polizei als „nicht deutsch“ bezeichneten Tatverdächtigen liegt im Landkreis Esslingen bei 49,7   Prozent (plus 0,4 Prozent). Allerdings ist hierbei zu berücksichtigen, dass darunter auch die erhebliche Zahl der Verstöße gegen das Aufenthalts-, Asyl- oder Freizügigkeitsgesetz geführt wird, die letztlich nur von Ausländern begangen werden können.

Rechnet man die Verstöße gegen Asylgesetze  heraus, ist die Zahl der tatverdächtigen  Flüchtlinge im Bereich des Reutlinger Polizeipräsidiums rückläufig. Zu körperlichen Übergriffen kam es bei Flüchtlingen überwiegend innerhalb deren Gruppe, was die Polizei teilweise  mit den angespannten Verhältnissen in Sammelunterkünften in Verbindung bringt. Pick bereiten allerdings  Serientäter Sorge: „Der Anteil der ‚nicht deutschen’ Tatverdächtigen unter den sogenannten Mehrfach- und Intensivtätern ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen.“ 

Diebstahlsdelikte bilden mit rund 6198 Fällen (2018: 6541) trotz des Rückgangs immer noch den Großteil aller registrierten Straftaten.

Bei den Betrugsdelikten bildete im vergangenen Jahr vor allem die Bekämpfung des sogenannten Callcenter- beziehungsweise Telefonbetrugs einen polizeilichen Schwerpunkt. Nicht zuletzt, weil die Täter insbesondere älteren Menschen immer häufiger zusetzen. Die Betrüger treten  als Polizeibeamte, verdeckte Ermittler oder  Staatsanwälte auf und versuchen mit Lügengeschichten, an Geld oder Wertsachen der Angerufenen zu gelangen. Daneben treten die meist aus dem Ausland agierenden Täter als angebliche Enkel oder nahe Verwandte auf, die sich in einer  Notlage befänden und dringend Geld  benötigten. Aber auch Gewinnversprechen, für deren Auszahlung zunächst eine hohe Bearbeitungsgebühr verlangt wird, sind eine gängige Masche.

1,6 Millionen Euro  Schaden

Im vergangenen Jahr sind im Bereich des Polizeipräsidiums Reutlingen 3312  Telefonbetrug-Fälle (2018: 1451) registriert worden. Bei 92 vollendeten Taten entstand ein finanzieller Gesamtschaden von  1,6 Millionen Euro (2018:  700 000 Euro).  In über drei Viertel der Fälle gaben sich die Betrüger als Polizeibeamte aus. Für diesen Bereich wurde eine spezielle  Ermittlungsgruppe eingerichtet. Auch wurden gezielt Banken sensibilisiert, beim Abheben hoher Geldbeträge besonders auf ältere Menschen zu achten. Dies habe  in mehreren Fällen die Vollendung der Taten im letzten Moment verhindert. Selbst auf Bäckertüten und in Zusammenarbeit mit Taxizentralen, Busunternehmen, Kirchengemeinden und Pflegeeinrichtungen wurde vor den Betrügern gewarnt. Die Eindämmung dieser Straftaten sei ihm eine Herzensangelegenheit, sagte Pick. „Daher nochmals mein Appell: Die Polizei wird nie bei Ihnen anrufen, um Sie über Ihr Vermögen auszufragen oder Sie zur Übergabe von Geld oder Vermögenswerten auffordern. Hier gilt: Sofort auflegen und den Polizeinotruf über 110 wählen.“

Im Bereich der Gewaltkriminalität, zu dem Mord, Totschlag, Raub, gefährliche und schwere Körperverletzung zählen, gibt es im gesamten Gebiet des Reutlinger Polizeipräsidiums einen  Rückgang um knapp sechs Prozent auf 1757  Fälle. 43 Tötungsdelikte gab es im vergangenen Jahr in den vier Landkreisen (davon im Kreis Esslingen 18), in 36 Fällen blieb es beim Versuch. Mit Ausnahme je eines versuchten Totschlags in Kirchheim,  Tübingen und Albstadt wurden alle Täter ermittelt.

Anhaltend hoch ist das Niveau bei den Fällen von Gewalt gegen Polizeibeamte. Im gesamten Präsidiumsbereich stieg deren Zahl um 42 auf 466, damit setzt sich der seit Jahren anhaltende Trend fort. Bei den Übergriffen wurden 207 Polizisten verletzt, in einem Fall schwer. 78 Prozent der Tatverdächtigen  standen unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen. „Tätliche Angriffe auf unsere Einsatzkräfte sind nicht akzeptabel“, verdeutlichte Pick. Aber auch Übergriffe auf Feuerwehrleute, Rettungssanitäter und Angehörige anderer Hilfsorganisationen würden konsequent verfolgt. „Diejenigen, die sich tagtäglich, rund um die Uhr für unsere Sicherheit und Gesundheit einsetzen, verdienen Respekt und Anerkennung“, sagte der Polizeipräsident.  Ch / Foto: dpa

Die Kriminalität im Landkreis Esslingen in Zahlen (Bilanz fürs Jahr 2019):

Straftaten gesamt: 25 743 (gegenüber 2018 plus 5,2 Prozent).

Aufklärungsquote: 56,8 Prozent (minus 4,1 Punkte).

Straftaten gegen das Leben: 18 (plus drei).

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung: 382 (plus 82).

Diebstahl: 9198 (minus 343).

Wohnungseinbrüche: 423 (plus 20,5 Prozent).

Betrug: 4613 (plus 36,3 Prozent).

Rauschgiftkriminalität: 1461 Straftaten (plus 1,4 Prozent).

Tatverdächtige gesamt: 11 378 (minus 2,5 Prozent); davon  unter 21 Jahren 2365 und von der Polizei als „nicht deutsch“ bezeichnete Tatverdächtige 5652 (plus 0,4 Prozent).

Gemessen am Verhältnis der Straftaten zur Einwohnerzahl lebt es sich landkreisweit in Neidlingen am sichersten, gefolgt von Lichtenwald und Altdorf.

Die höchste Kriminalitätsbelastung im Kreis weist erneut Leinfelden-Echterdingen auf, was aber daran liegt, dass darin Delikte am Flughafen und auf der Landesmesse mitgezählt werden. Rechnet man diese heraus, landet die Stadt im unteren Mittelfeld (hochgerechnet 3604 Straftaten je 100 000 Einwohner).


Holpriger Start

Seit 14. Juni bedient das Unternehmen Abellio die Bahnstrecke Stuttgart-Tübingen – Unmut in Nürtingen

Am Sonntag, 14. Juni, hat das Verkehrsunternehmen Abellio den Betrieb auf der Bahnstrecke Stuttgart-Tübingen von der Deutschen Bahn übernommen.  Doch der Start  gestaltet sich holprig. Zu wenig Fahrzeuge  und keine Tickets für den Fernverkehr in Nürtingen sorgen für Ärger. Dem gegenüber steht eine Taktverbesserung mit  modernen Fahrzeugen. Oberboihingen erhält zudem eine für Pendler akzeptable Anbindung.

Das Verkehrsunternehmen Abellio hatte  bei der Neuausschreibung der Netze in der Region Stuttgart durch das Land Baden-Württemberg den Zuschlag für die Strecke Stuttgart-Tübingen erhalten. Abellio hatte sich gegen den bisherigen Betreiber DB Regio  mit dem Versprechen durchgesetzt, neue Fahrzeuge einzusetzen und den Takt wesentlich zu verdichten. Die Verbesserung  beinhaltet unter anderem eine stündliche IRE-Verbindung zwischen Stuttgart und Tübingen, die die stark nachgefragte Strecke mit nur wenigen Zwischenhalten in 45 Minuten zurücklegt. Zudem wird der Regionalexpress, der bisher nur zur Hauptverkehrszeit halbstündlich verkehrt, nun an allen Werktagen durchgehend bis 20 Uhr  und an Samstagen bis 18 Uhr im 30-Minuten-Takt angeboten. Auch kleine Bahnstationen profitieren. So wird der bisherige Regionalbahn-Halt in Oberboihingen nun stündlich bedient. Pendler erhalten so eine gute Verbindung  nach Tübingen oder Stuttgart.

Die Freude im Landesverkehrsministerium  ist derzeit noch verhalten.  Der Hersteller  Bombardier, bei dem Abellio 45 Fahrzeuge für den Einsatz auf der Strecke bestellt hatte, hatte bis zum Start am vergangenen Sonntag nur die Hälfte der  Züge geliefert.

„Leider sind durch den Fahrzeughersteller Bombardier bisher nicht alle Fahrzeuge geliefert worden, um alle Linien von Abellio vollständig mit Neufahrzeugen bedienen zu können“, teilten Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und Rolf Schafferath, Geschäftsführer von Abellio Baden-Württemberg,  mit. Bombardier hat demnach erst 27 Fahrzeuge an Abellio übergeben, davon waren 23 abgenommen und damit einsatzfähig.  Abellio muss daher zunächst mit Leihfahrzeugen fahren, einzelne Verbindungen sind sogar an Subunternehmen vergeben worden. Für die Gemeinde  Bempflingen bedeutet das in nächster Zeit eine erhebliche Einschränkung. Die Ersatzfahrzeuge können an den dortigen kurzen Bahnsteigen nicht halten, da sich bei ihnen das Öffnen der Türen nicht auf  einzelne Zugteile beschränken lässt. Bempflingen wird daher  außer bei einzelnen Fahrten morgens und abends   bis Herbst mit Bussen bedient.

Reichlich Unmut gibt es  in Nürtingen. Mit dem Start von Abellio hat das Reisezentrum im Bahnhof dicht gemacht. Während Nahverkehrstickets noch im Presseladen im Bahnhof gekauft werden können, sieht es für Fernverkehrstickets oder gar Beratung finster aus. Kunden werden  dafür auf das Internet verwiesen. „Unzumutbar“ findet das Nürtingens Oberbürgermeister Johannes Fridrich und hat in einem offenen Brief an die Nürtinger Bundestagsabgeordneten um Hilfe gebeten. Nürtingen werde in den nächsten Jahren  an Bedeutung im ÖPNV-Netz gewinnen. „Wir wollen die Menschen dazu bewegen, häufiger auf das Auto zu verzichten und den ÖPNV zu nutzen. Dann müssen wir ihnen den Umstieg aber auch erleichtern und dürfen keine unnötigen Hürden aufbauen“, sagt er. pst / Foto: Abellio


Abgestimmt

Die Corona-Warn-App geht an den Start. Damit sie funktioniert, müssen sie möglichst viele  nutzen. Werden auch Sie die  App herunterladen?

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Bei Starkregen Klappen dicht

Damm im Reichenbachtal ist fertig – Die Regelungstechnik wartet auf den Probelauf

Einen kräftigen, lang anhaltenden Regen würde sich Matthias Häke vom Ortsbauamt in Reichenbach wünschen. Denn dann könnte man den Probelauf am neuen Rückhaltebecken im Reichenbachtal, genauer an dessen Steuer- und Regelungstechnik, durchführen. Was schwierig zu planen ist. „Da müssen wir kurzfristig agieren“, sagt Häke.

Nach zwei Jahren Bauzeit ist der zehn Meter hohe Damm mit seinen technischen Anlagen und dem Betriebsgebäude fertig. Den Reichenbach, vor dessen Hochwassern der Damm den Ortskern schützen soll, muss man am Boden beinahe suchen. Er läuft als kleines Bächlein durch den großen Betondurchlass. Dieser ist zweigeteilt: Auf der einen Seite wurde ein naturnah gestaltetes Bachbett mit einer Sohle aus Substrat und Steinen angelegt, das sogenannte Öko-Gerinne. Bei Hochwasser und entsprechendem Druck wird diese Öffnung geschlossen, damit seine Struktur nicht zerstört wird. Dann öffnet sich der Durchlass daneben, der Betriebsauslass. Geregelt wird das alles automatisch über eine Pegelstrecke direkt nach dem Damm und weitere Messpunkte.

Die Regelungstechnik soll für einen konstanten Wasserstand nach dem Staudamm sorgen. Kommt dort zu viel Wasser an, werden die Klappen geschlossen und der Bach aufgestaut. Er füllt dabei kein Becken im engeren Sinn, sondern der Bereich oberhalb des Damms dient als Überschwemmungsfläche. Aus diesem Grund musste auch der Hundetrainingsplatz in diesem Bereich aufgegeben werden. Rund 95 000 Kubikmeter Wasser sollen bei Bedarf zurückgehalten werden. Die Fläche besteht größtenteils aus Wiesen und Grünland, auch einzelne Bäume wachsen auf ihr.

In der Vergangenheit hat der Reichenbach immer wieder die Ortsmitte unter Wasser gesetzt, zuletzt 2008. Das liegt daran, dass bei lokalem Starkregen viel Wasser in seinem Tal zusammenläuft und er in kürzester Zeit gewaltig anschwellen kann. Das Hochwasserbecken ist auf ein HQ100 ausgelegt, also ein Hochwasser, wie es statistisch gesehen nur alle 100 Jahre vorkommt – allerdings geht man davon aus, dass wegen des Klimawandels zunehmend solche Extremwetterlagen eintreten werden.

Auch andere Gewässer bringen in Reichenbach immer wieder mehr Wasser als gewünscht und werden im Rahmen des Hochwasserkonzeptes entsprechend umgestaltet, so zum Beispiel der Probstbach im Osten der Gemeinde. Sein Einlaufbereich wurde kürzlich vergrößert, eine neue Rechenkonstruktion angebracht und auch das Gelände verändert. Fertiggestellt sind dieses Arbeiten seit Mitte März. Auch am Hannestobelbach im Westen von Reichenbach sind Maßnahmen zum Hochwasserschutz geplant.

Für Ersatzpflanzungen sorgen

Beim Damm im Reichenbachtal wird derzeit nur noch an der EMSR (Elektrische Mess-, Steuer- und Regelungstechnik) gearbeitet. Sie muss sich noch im „Realbetrieb“ im Zuge eines Probelaufs mit zumindest teilweise gefülltem Becken beweisen, und zwar innerhalb von fünf Jahren nach Fertigstellung des Bauwerks. Das schreiben die Förderrichtlinien Wasserwirtschaft vor, die der Gemeinde einen kräftigen Zuschuss beschert haben: Drei Millionen Euro bekam sie aus diesem Landesprogramm; die Gesamtkosten für den Dammbau samt Zufahrt und Betriebsgebäude liegen bei rund 4,5 Millionen Euro.

Restarbeiten stehen nun noch im Umfeld an: Weil für den Dammbau einige Bäume gefällt wurden, muss die Gemeinde für Ersatzpflanzungen sorgen. Unter anderem sollen im Herbst Erlen, Silber-Weiden, Hainbuchen und Berg-Ahorne gepflanzt werden.  aia / Foto: Karin Ait Atmane