Der Funke soll überspringen

Mit der Aktion „Sommer-Funkeln“ wollen Esslinger Stadtmarketing und Händlergemeinschaft die Innenstadt beleben

Die lange Einkaufsnacht „ES funkelt“ wird in diesem Jahr coronabedingt nicht stattfinden. Dennoch soll die Esslinger Innenstadt  funkeln.  Mit der  Aktion „Sommer-Funkeln“ wollen die Fachgeschäfte der City Kunden, Gästen und Besuchern aus Esslingen und der Region  den Sommer versüßen. Bei vielen kleinen und feinen Aktionen soll der Funke überspringen.

Von Ende Juli bis in den September hinein gibt es besondere Aktivitäten: Von Kinder-, Spiel- und Sportaktionen über Modenschauen und Fotosessions  bis hin zu Such- und Gewinnspielen in den Schaufenstern oder überraschenden Events vor den Geschäften. Sieben Wochen lang soll die Innenstadt das Ziel zum Schauen, Schlendern, Einkaufen und Schlemmen sein.  „Urlaub in der City“ lautet das Motto, das sich die Esslinger Stadtmarketing und Tourismus  GmbH (EST) und die Händlergemeinschaft City Initiative Esslingen (CIE) gegeben haben.

Handel und Gewerbe  leiden auch nach den Lockerungen noch. „Wir vom  Nonfood-Handel sind noch lange nicht bei unseren normalen Umsätzen, obwohl wir aus den Nachrichten raus sind “, erklärt CIE-Sprecher Alexander Kögel. „Uns fehlen vor allem die Familien-Events in der Stadt wie die verkaufsoffenen Sonntage und die lange Einkaufsnacht.“  Eine Alternative musste her.

 Beim „Sommer-Funkeln“  wolle jeder Teilnehmer jeden Tag etwas anderes anbieten, sodass die Leute gerne in die Stadt kämen. „Wir denken  auch, dass viele  nicht verreisen, und wir hoffen, dass auch Touristen nach Esslingen kommen“, sagt Kögel.   „Wir wollen den Fokus  auf Esslingen als sympathische Stadt mit hoher Aufenthaltsqualität richten“, fügt Citymanager Thomas Müller hinzu.  Es gehe weniger darum, den Besuchern ein „kauft, kauft, kauft“ zuzurufen, als vielmehr zu zeigen, wie sich entspannte Tage in der Innenstadt erleben lassen – unter sicheren Hygiene-Bedingungen. „Und das macht es auch leichter, die Maske überzuziehen und einen Laden zu betreten.“

 Läden dürfen nun auch den Straßenraum vor ihren Geschäften bespielen: Das können Vorführungen  der eigenen Arbeit  sein oder einfach aufgestellte Liegestühle, die  Schlenderer zum Verweilen einladen. Statt der Konzentration an einem zentralen Ort verteilen sich die Angebote in der gesamten City – und zwar über mehrere Wochen. „Ähnlich wie  ‚ES funkelt’, aber eben räumlich und zeitlich gestreckt“, erklärt Müller. Mit dem „Sommer-Funkeln“ sollen auch weitere Akteure der Stadt mit einbezogen werden – wie Kulturschaffende, die  ebenfalls am zurückgenommenen öffentlichen Leben leiden. Dabei sind Musiker, bildende Künstler, Til Maehr als Märkteveranstalter und Hartmut Lies, der  das Heiges-Spieleparadies organisiert. Letzteres soll an vier Samstagen in kleinerer Form am Postmichelbrunnen stattfinden.  Til Maehr wird Stände mit Kunsthandwerk und Upcycling  in der Bahnhofstraße und mit Nützlichem aus zweiter Hand am Blarerplatz  aufbauen. Nicht nur an den Wochenenden, auch unter der Woche zeigen die wechselnden Anbieter aus der Region ihre Angebote.

Fest stehen auch bereits das Open-Air-Stummfilmkonzert „Tom & Bild“ vom Kollektiv „Drei Orangen“ (31. Juli und 28. August, im Maille-Park, siehe Meldung nebenan)   und  das Straßenkunst-Festival Straku vom 24. bis 26. September. Und Thomas Müller kann sich vorstellen, dass zum Ende des „Sommer-Funkelns“ eine Lichtshow mit Peter Krotz inszeniert wird. Der Tübinger Lichtkünstler  ist bei „ES funkelt“ einer der zentralen Akteure.  bob

Info: Über www.sommerfunkeln-es.de und über die Social-Media-Kanäle von Stadtmarketing und Citymanagement wird informiert und berichtet. Jede und jeder ist eingeladen, mit dem Hashtag #sommerfunkeln dazu Bilder und Filme auf Instagram, Facebook und YouTube zu posten. bob / Foto: bul


Neustart

Die Kirchheimer Teck-Realschule zieht auf den Rauner-Campus – „Lernformen der Zukunft“

Für die  Kirchheimer Teck-Realschule beginnt mit dem neuen Schuljahr eine neue Ära. Nach 55 Jahren an ihrem bisherigen Standort in der Aichelbergstraße zieht die Schule auf den Rauner-Campus in der Limburgstraße um. Dort wird sie in einem neuen Schulgebäude, mit neuen Lernformen und eng verknüpft mit der Rauner-Gemeinschaftsschule zeitgemäße pädagogische Möglichkeiten bieten. Die beiden Schulen bilden mit insgesamt etwa 860 Schülern den nach den Gymnasien drittgrößten Schulstandort in städtischer Trägerschaft. Die Kosten für den Campus werden etwa 27,4 Millionen Euro betragen.

In den vergangenen vier Jahren sind auf dem Areal der alten Raunerschule in zwei Abschnitten neue Schulgebäude entstanden. Nachdem die Gemeinschaftsschule bereits 2018 ihre neuen Räume bezogen hatte, nimmt nun auch die Teck-Realschule zum neuen Schuljahr ihren Betrieb auf.

Mit dem neuen Standort werden auch neue Lernformen möglich. Beide Schulen werden  zunächst als eigenständige Einrichtungen weitergeführt, doch die Schüler beider Schulen werden  sowohl die naturwissenschaftlichen als auch die sonstigen Fachräume und die Mensa gemeinsam nutzen. „Die Räume und Lernformen sind so angelegt, dass sie zeitgemäßen Unterricht ermöglichen. Zu den Voraussetzungen für die Lernformen der Zukunft gehören beispielsweise die Differenzierungsräume, die jeweils zwei Klassenzimmern zugeordnet sind. Dort sollen einzelne Schüler oder Gruppen separat außerhalb des Klassenverbunds lernen können. Ein ähnliches Konzept verfolgen die Lernateliers in Klassenzimmergröße, von denen es auf jedem Stockwerk eines gibt“, beschreibt Kirchheims Pressesprecher Robert Berndt das Prinzip. Die neuen Lern- und Raumkonzepte seien vereinzelt bereits im kleinen Rahmen  erprobt worden und hätten sich bewährt.

Die Teck-Realschule will auf dem Campus auch künftig ihr Sportprofil schärfen. Dabei soll mit Kooperationen eine bessere Vernetzung von Schul- und Vereinssport erreicht werden. Hintergrund dabei ist, dass viele Schüler aufgrund des Ganztagsbetriebs an der   Schule  kaum mehr in einem Verein aktiv sind.   „Vereine  sind verstärkt darauf angewiesen, an den Schulen zu arbeiten – das soll hier künftig ermöglicht werden“, sagt Berndt.

Die gesamte Bauzeit sei ohne Verzögerungen über die Bühne gegangen, berichtet der Stadtsprecher. Coronabedingt habe es lediglich einige zeitliche Verschiebungen gegeben. „Bis zum Ende der Sommerferien sind noch Restarbeiten und Mängelbehebungen auszuführen. Einem Schulbeginn im September steht aber nichts im Weg“, sagt Berndt.

Als dritter und letzter Bauabschnitt steht nun noch die Sanierung der alten Mensa an. Sie wird im kommenden Schuljahr vorerst weiter betrieben, die Sanierung soll in den nächsten Wochen beginnen und zum Schuljahr 2021/2022 abgeschlossen sein.

Die Gesamtkosten des Projekts werden mit 27,4 Millionen Euro beziffert, die Stadt rechnet mit einer Förderung in Höhe von etwa 6,8 Millionen Euro. Berndt ist zuversichtlich, dass es finanziell keine bösen Überraschungen geben wird, auch wenn das gesamte Vorhaben noch nicht abgeschlossen ist. „Momentan bewegen wir uns innerhalb dieses Budgetrahmens und halten ihn ein“, sagt er.  
pst / Foto: Stadt Kirchheim


So gelingt der Urlaub auf Terrassien

Buchtipps für den Sommer: Lesestoff für junge und ältere Bücherwürmer

Urlaubszeit ist Reisezeit. So war es zumindest bevor die Corona-Krise dieser Regel die Unbeschwertheit nahm. Aber auch auf Balkonien oder Terrassien lässt sich der Sommer genießen, und günstig sind diese Reiseziele obendrein. Das gesparte Geld könnte in Lesestoff investiert werden. Die Redaktion des Wochenblatts ECHO hat unter den Neuerscheinungen von regionalen Autorinnen und Autoren sowie Verlagen Lesenswertes ausgesucht.

Es sieht nicht gut aus für Johann Haug: Alle Indizien sprechen dafür, dass er seine Pflegemutter Ines Schneider ermordet hat. Zudem gibt es einige Zeugen, die ihn zur Tatzeit in der Nähe der Wohnung des Opfers gesehen haben wollen. Kein einfacher Fall für Linn Geller, die als Pflichtverteidigerin die Unschuld ihres Mandanten beweisen soll. Zumal im Verlauf ihrer Recherchen ein weiterer Fall auftaucht. Haug soll vor 15 Jahren seine damalige Freundin Vanessa auf brutalste Weise ermordet haben, was ihm jedoch nicht nachgewiesen werden konnte. Für die Dorfgemeinschaft in Ochsenwang steht fest: Haug ist schuldig und gehört eingesperrt. Und wer sich für ihn einsetzt, lebt gefährlich. Spannender „Who-done-it“-Fall der Stuttgarter Autorin Julia Hofelich.

Julia Hofelich: Nebeljagd, Bastei-Lübbe

Bodensee-Begeisterte kennen Überlingen als mediterran anmutendes Kleinod mit pittoresker Altstadt. Dass sich hier auch das Zentrum der Literatur am See befand, beweist die Geschichtensammlung „Überlingen literarisch“. Waltraud Liebl und Siegmund Kopetzki haben Texte und Gedanken von renommierten Autorinnen und Autoren zusammengetragen, die der ehemaligen Reichsstadt und der Umgebung Tribut zollen. Anette Droste-Hülshoff, Justinus Kerner, Alfred Düblin, Robert Gernhardt und Martin Walser, um nur einige wenige zu nennen, nehmen ihre Leser und Leserinnen mit auf eine poetische Mentalreise ans Schwäbische Meer. Wenn sich ein Buch als Lesestoff für den nächstens Bodensee-Aufenthalt empfiehlt, dann ist es dieses.

Waltraud Liebl, Siegmund Kopetzki: Überlingen, literarisch, Gmeiner Verlag, Meßkirch

Die freiberufliche Reisereporterin und Krimi-Autorin Lisa Langer wird von dem dänischen Verleger Jens Hoven angeheuert, in einer verzwickten Erbschaftsangelegenheit auf Lolland zu recherchieren. Lisa freut sich auf eine unangestrengte Zeit in beschaulicher Atmosphäre. Doch der Job entpuppt sich als düstere Sache, die in einem Mordkomplott mündet und die Heldin tief in die Kreise von verfeindeten Gangs in Kopenhagen zieht. Die in Stuttgart gebürtige Hanne Holms schickt ihre sympathische Ermittlerin zum vierten Mal auf Reise, um in der Fremde ihr detektivisches Gespür zu beweisen. Spannende Geschichte, leseleicht erzählt.

Hanne Holms: Kriminelles Kopenhagen, Piper-Verlag, München

Gibt es etwas besseres als eine spannende Geschichte, die ihre Leserschaft fesselt? Ja, eine Geschichte, bei der die Lesenden gefordert sind, etliche Rätsel zu lösen, um zu erfahren, wie die Geschichte weitergeht. Das ist das Prinzip der Exit-Buchreihe aus dem Kosmos-Verlag. Im Ferienlager werden Jakob, Nelli und Marek von seltsamen Geräuschen zu einem Piratenmuseum gelockt. Sie beobachten vermummte Gestalten, die offenbar einen Einbruch planen, werden entdeckt und gefangen gehalten. Ob es ihnen gelingen kann, zu entkommen? Und werden sie auch das Rätsel des Piraten Neunauge lösen können? Das wird nicht verraten, nur so viel: Dies gelingt nur, wenn die jungen Hobby-Detektive auf der anderen Seite des Buchs miträtseln.

Baumeister, I. und M. Brand: Exit: Das Geheimnis der Piraten, Kosmos Verlag Stuttgart

Richtig kriminell geht es auch in diesem Werk zu. Allerdings handelt es sich bei Toni Fellers Erzählungen um wahre Geschichten, die er in seiner langen Zeit als Hauptkriminalkommissar erlebt hat. Im unterhaltsamen Plauderton berichtet er über seine spektakulärsten Fälle, die er während seiner Dienstzeit im Polizeipräsidium Karlsruhe zu lösen hatte: Eine Geiselnahme entpuppt sich als unbeholfener Fluchtversuch eines verzweifelten Ehemanns. Ein Mann stirbt durch eine Kugel im Kopf, bei dem jedoch kein Einschussloch zu finden ist. Er erinnert sich aber auch an Fälle, die schonungslos offenbaren, zu welchen unglaublichen Gewalttaten Menschen fähig sind. Feller gibt einen profunden Einblick in die Arbeit eines Kriminalbeamten, dem nichts Menschliches fremd ist, und der weiß, dass nichts mehr trügt als der Schein.

Toni Feller: Im Dienste der Gerechtigkeit, Gmeiner Verlag, Meßkirch

Anton Goldfall, der in den 90er-Jahren in den deutschen Pop-Charts zuhause war, ist reich, hat eine erfolgreiche Ehefrau, einen Sohn, und lebt mit vielen Angestellten im Palladio, einem prunkvollen Renaissance-Bau. Eigentlich könnte er mit seinem Leben zufrieden sein, wenn da nicht diese innere Zerrissenheit wäre, dieser Wunsch, an kreativere Zeiten anzuknüpfen und die Erkenntnis, dass er diesem Vorhaben selbst im Weg steht. Zu satt, zu träge, zu hoher Anspruch und auch die Angst vor der eigenen Courage machen dem Künstler zu schaffen. Und so verbringt er seine Zeit, wandert durch die Zimmer seiner Wohnung und monologisiert: Über seinen Erfolg, über Freundschaft, über seine Ehe, die Beziehung zu seinem Sohn und das Leben. Am Ende bleibt es den Lesenden überlassen, ob sie mit Goldfall Mitleid haben oder Unverständnis entgegen bringen. Vielschichtiges Werk des Tübinger Autors Peter Ertle.

Peter Ertle: Palladio, klöpfer.narr, Tübingen

Im Auftrag ihres Arbeitgebers, einer Werbeagentur, führt Bea Pelzer eine Gruppe von Verlagsmitarbeitern durch einen Stuttgarter Weinberg und lädt sie im Anschluss in die Laube des Weinguts Keppler auf dem Weindorf ein. Die Verkostung hat es in sich: Drei Männer brechen mit Krämpfen zusammen, einer davon stirbt im Krankenhaus. Tod durch Vergiftung lautet die Diagnose. Kommissar Gabriel begibt sich auf Spurensuche, und Bea Pelzer  gerät in unmittelbaren Verdacht. Denn sie hat das Gebäck, das zum Wein gereicht wurde, hergestellt. Bei dem Versuch, ihre Unschuld zu beweisen, stößt die Werberin auf einige ominöse Konstellationen bei dem Weingut Keppler, die mehr als verdächtig sind. Und das scheint einigen Leuten nicht zu gefallen.  Erfrischendes Krimiwerk mit vielen kunstvoll eingeflochtenen Informationen zur Landeshauptstadt von der in Stuttgart lebenden Badenerin Martina Fiess.

Martina Fiess: Trollingertod, Emons Verlag, Köln

red/Foto: on


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Mehr illegale Autorennen werden angezeigt – oft auf grenznahen Autobahnen. Kann ein generelles Tempolimit die Raser ausbremsen?

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Ausbremsen?

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Grüne Stadt am Fluss

Nürtingen bewirbt sich um Landesgartenschau – Großer Schub für Stadtentwicklung erwartet

Die Bewerbung der Stadt Nürtingen als Austragungsort einer Landesgartenschau in den Jahren 2031 bis 2036 biegt auf die Zielgerade ein. Am Dienstag, 28. Juli, wird eine Fachkommission im Auftrag der Landesregierung die Stadt besuchen und die bisherigen Pläne und die Potenziale begutachten. Die Entscheidung wird das Landeskabinett fällen.

Nürtingen unternimmt mit der Gartenschaubewerbung bereits den dritten Anlauf. 1996 und 2009 scheiterte die Stadt mit ihren Konzepten, in diesem Jahr sehen der Gemeinderat und die Verwaltung hingegen große Chancen. Gleichzeitig ist die Bewerbung mit großen Hoffnungen verknüpft. Denn eine Gartenschau ist weit mehr als eine bloße Blümchen-Ausstellung. Vielmehr haben die Veranstaltungen in der jüngeren Vergangenheit etwa in Ostfildern, in Plochingen oder im Rems-Murr-Kreis gezeigt, dass eine Gartenschau eine enorme Schubkraft für innovative Stadtentwicklungsprojekte entfalten kann.

So gründet die Nürtinger Bewerbung auf dem Konzept einer nachhaltigen, ökologischen und sozialen städtebaulichen Entwicklung, die das neue Quartier Bahnstadt jenseits der Bahnlinie im Osten über die Alleenstraße, das Neckarufer an der Westseite der Altstadt mit dem Galgenbergpark jenseits des Neckars verbindet. Dafür denken die Planer an einen grünen Brückenschlag über die trennende Bahnlinie ebenso wie an einen Stadtboulevard anstatt der stark befahrenen Alleenstraße. Der Bereich zwischen der Echazmündung und dem Kreisverkehr bei der Stadtbrücke könnte autofrei und zur Promenade umgestaltet werden. Statt der  Ufermauern könnte eine Treppenanlage im Sinn eines Stadtbalkons einen direkten Bezug der Altstadt zum Neckar herstellen und den Fluss zugänglich machen.

Ein weiterer Brückenschlag mit einem Steg über den Neckar könnte den Galgenbergpark und die westlichen Uferzonen anbinden. Die Idee einer grünen Stadt am Fluss soll sich nach den Vorstellungen der Planer in Nord-Süd-Richtung entlang dem Neckar zwischen Zizishausen und Neckarhausen fortsetzen. Die Uferareale sollen zugänglich sein,  Grünanlagen die Wohngebiete einrahmen; Biotope, Streuobstwiesen, Flachwasserzonen und Rückhalteflächen für Hochwasser könnten entstehen.

Die Nürtinger Hochschule für Wirtschaft und Umwelt war mit  ihrer Expertise in Landschafts- und Stadtplanung sowie Umwelt- und Naturschutz an den Gartenschauplanungen, nicht zuletzt für die Schaffung von ökologisch qualitätvollen Freiflächen, mit hoher Attraktivität beteiligt.

Viele der Konzeptbausteine gehen jedoch auf die Ergebnisse einer intensiven Bürgerbeteiligung im Vorfeld zurück. So sind in die Bewerbung mehr als 600 Anregungen,  Wünsche und Hinweise zur Belebung der Innenstadt, zur  Vernetzung der Stadtbereiche, zur Schaffung eines urbanen Flairs, zur  Aufwertung des öffentlichen Raums und zur Mobilität eingeflossen. Auch die Idee des Brückenschlags über die Bahn und den Fluss sowie eines nicht durch die B 313 behinderten Zugangs zum Galgenberg geht letztlich auf Bürgervorschläge zurück. Oberbürgermeister Johannes Fridrich sprach in diesem Zusammenhang von „Barrieren innerhalb der Stadt“, die es zu überwinden gelte, und hob die  Chance für die Stadtentwicklung hervor, die ein Gartenschaugelände in der Stadt biete: Die Stadt werde „eine Perle am Neckar“. pst / Foto: pst

Info: www.nuertingen.de


Der Hellste seit vielen Jahren

Komet Neowise ist mit bloßem Auge zu sehen – Andreas Philipp von der Schurwaldsternwarte in Aichwald gibt Beobachtungstipps

Nach etlichen Jahren ist wieder ein Komet am Himmel zu sehen, der mit bloßem Auge beobachtet werden kann. Neowise C/2020 F3 heißt der Himmelskörper, der im März dieses Jahres entdeckt wurde.

Seit Anfang Juli erfreuen sich Hobbyastronomen an dem seltenen Schauspiel, so mancher Sternengucker  hat sich  schon mal den Wecker gestellt. Denn in den ersten Tagen seines Erscheinens am Firmament war Neowise ausschließlich in den frühen Morgenstunden, kurz vor Sonnenaufgang, tief am nordöstlichen Horizont zu sehen. Seit einigen Tagen  jedoch kann man ihn  kurz nach Sonnenuntergang im Nordwesten beobachten.

Neowise war erst am 27. März 2020 vom Nasa-Weltraumteleskop „Neowise“ entdeckt worden und trägt die ergänzende Bezeichnung C/2020 F3. Das Neowise-Teles­kop    erforscht Kleinplaneten, die sich in Erdnähe befinden. Im Rahmen dieser permanenten Himmelsdurchmusterung wurde auch der neue Komet entdeckt – ein Zufallsfund also.

 Staub und Eis

Der  benötigt mehrere Jahrtausende für einen Umlauf um die Sonne und ist dieser nur für wenige Monate so nah, dass Gase und Staub freigesetzt werden und einen sichtbaren Schweif bilden können.

Der Schweif entsteht durch die Wärme der Sonne. „Kometen bestehen aus Staub und Eis. Kommen sie in Sonnennähe, erwärmt sich der Komet, Gas tritt aus und bildet eine Koma und später einen Schweif, der immer entgegengesetzt zur Sonne gerichtet ist“, erklärt  Andreas Philipp, der Vorstand der Schurwaldsternwarte im Aichwalder Jugendhaus, das derzeit allerdings wegen der Corona-Pandemie geschlossen ist.

Wer den Kometen sehen will, sollte sich einen hohen Aussichtspunkt suchen, der freie Sicht nach Nordwesten erlaubt. Philipp rät, sich am besten  eine „Aufsuchkarte“ aus dem Internet zu besorgen, zum Beispiel auf der Homepage der Vereinigung der Sternenfreunde (www.vds-astro.de), da nicht jeder ihn mit bloßem Auge gleich erspähen könne. Der Komet  ist  am Abendhimmel tief am Horizont zu sehen, in der Folge wird er zirkumpolar, das heißt,  er ist die ganze Nacht Richtung Norden zu sehen. Dabei wandert er täglich ein Stück in Richtung Großer Wagen, erklärt Philipp weiter.    „Neowise hat die Sonne umrundet und  bewegt sich nun wieder von der Sonne weg“, sagt der Leiter der Sternwarte. „Seine Bahn ist aber nicht annähernd kreisförmig, sondern eine stark ausgeprägte Ellipse oder  auch eine Hyperbel.“

Am 23. Juli hat Neowise seinen erdnächsten Punkt erreicht. „Er ist dann mit über 100 Millionen Kilometern etwa 260 Mal weiter entfernt als der Mond.“  Oder anders gesagt: Das entspricht ungefähr zwei Dritteln des mittleren Abstands der Erde zur Sonne. Mit der Entfernung von der Sonne nimmt die Helligkeit des Kometen kontinuierlich ab. Bis in den August hinein soll der Komet zu sehen sein, dann aber laut Philipp nicht mehr  mit bloßem Auge.  Überhaupt sind Kometen  unzuverlässig. Wie hell der leuchtende Punkt mit seinem Schweif bei seiner größten Annäherung an die Erde sein wird, ist   noch  unklar. „Kometen sind immer ein bisschen unberechenbar. Das müssen wir einfach abwarten“, sagt die Wissenschaftlerin Carolin Liefke vom Haus der Astronomie in Heidelberg.

Der Rekordhalter

 Das Warten auf einen hellen Schweifstern hat Sternguckern zuvor viel Geduld abgefordert. Die bislang letzten  von der Nordhalbkugel aus mit freiem Auge gut sichtbaren Kometen waren „Hyakutake“ und „Hale-Bopp“ Mitte der 1990er-Jahre. Hale-Bopp war von 1996 bis 1997 mehr als 18 Monate mit bloßem Auge sichtbar und hält damit den Rekord unter allen bekannten Kometen. Seither erschienene Kometen blieben meist so lichtschwach, dass sie ohne optische Hilfsmittel entweder nicht oder nur mit viel Geduld beobachtet werden konnten. Zuletzt war im Jahr 2013 der Komet „Panstarrs“ mit freiem Auge sichtbar.

Andere angekündigte Kometen enttäuschten – so wie Atlas, der  seinen Vorbeiflug an der Sonne im vergangenen Jahr nicht überlebte und gänzlich zu Staub zerfiel. Auch Komet C/2020 F8 (SWAN) im Mai dieses  Jahres konnte die Helligkeitsentwicklung bei Annäherung an die Sonne nicht durchhalten und war  am Ende auch nicht mehr mit dem Fernglas zu erkennen. bob / Foto: dpa


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Party machen ohne Abstand und Maske am Ballermann und anderswo: Sollen diese Urlauber nach ihrer Rückkehr in Quarantäne? Stimmen Sie ab!

Foto: dpa

In Quarantäne?

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Ein „Dorv“-Zentrum für das Dorf

Innovative Idee könnte das soziale Leben in Schopfloch fördern – „Entscheidend ist, was die Bürger wollen“

Der kleine Lenninger Teilort Schopfloch auf der Schwäbischen Alb mag zwar Ruhe und Beschaulichkeit ausstrahlen, doch ergeht es ihm wie vielen Dörfern in ländlich strukturierten Regionen. Die Infrastruktur ist ausgedünnt, es gibt keine Nahversorgung mit Lebensmitteln und anderen Dingen des täglichen Bedarfs und auch keinen Bürgertreff. Eine Gruppe Schopflocher Bürger hat daher die Initiative ergriffen und ein Projekt angeschoben, das Nahversorgung, Dienstleistung und soziales Leben unter einem Dach bündeln könnte.

Wie in vielen kleinen Ortschaften auf der Alb hat sich auch in Schopfloch das Leben  gewandelt. Viele Einwohner arbeiten im Tal, dort werden die Einkäufe erledigt und viele Dienstleistungen in Anspruch genommen.  Ein Laden etwa mit Lebensmitteln und den Dingen des täglichen Bedarfs ist unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten so nicht mehr zu betreiben. Entsprechend mager ist das Angebot vor Ort. Damit fehlt aber auch ein wichtiger Bezugspunkt für das soziale Leben.

Einige Schopflocher Bürger mochten  das nicht einfach hinnehmen und machten sich auf die Suche nach Lösungen. Dabei stießen sie  auf eine Initiative, die eine speziell auf kleine ländliche Ortschaften zugeschnittene Idee entwickelt hat: das „Dorv“-Zentrum.

Die Abkürzung „Dorv“ steht für Dienstleistung und ortsnahe Rundumversorgung. In etlichen kleinen Orten in Deutschland haben sich solche Einrichtungen bereits etabliert. Dort sind etwa kleine Läden, Postannahme- und Rezeptsammelstellen,  Café- oder andere Gas­trobetriebe unter einem Dach versammelt. Solch ein moderner Tante-Emma-Laden kann durch Kooperationen auch örtliche Handwerksbetriebe und landwirtschaftliche Erzeuger einbinden, was zum Erhalt und zur Stärkung ländlicher Strukturen, zur regionalen Wertschöpfung und zur Sicherung von  Arbeitsplätzen im Ort beitragen kann.

„Ein Dorfladen  wäre sicher eine gute Sache. Aber wir sind ein kleiner Ort und die wirtschaftliche Chance wäre sehr fraglich. Deswegen denken wir an ein Zentrum mit mehreren Angeboten unter einem Dach“, sagt Sofie Schneeweiß von der Initiativgruppe. Das Konzept stieß sowohl beim Ortschafts- als auch beim Lenninger Gemeinderat auf offene Ohren. Der Gemeinderat bewilligte 2000 Euro, um das Projekt voranzubringen. Zudem erhielt die Gruppe 4000 Euro aus dem Förderprogramm „Gut Beraten“ des Landes Baden-Württemberg. Damit werden Initiativen unterstützt, die Beteiligungsprojekte zur Verbesserung der Infrastruktur sowie des  sozialen und kulturellen Lebens im ländlichen Raum bearbeiten und sich für ihre Projekte  beraten lassen wollen.

Voraussichtlich im September wird nun mit dem Fördergeld eine Strukturanalyse für Schopfloch erstellt. Dazu gehören auch eine Ortsbegehung und eine Bedarfserhebung mittels einer Bürgerbefragung. Erst wenn diese Schritte abgeschlossen sind, wird das Projekt in die nächste Phase gehen. „Es geht  grundsätzlich darum, dass die Bürger entscheiden, was unter dem Dach eines Zentrums zu finden ist“, betont Schneeweiß.  Klar müsse sein, dass es keine Konkurrenzen zu bestehenden Betrieben geben werde. „Es kann nur Kooperationen geben. Vorhandene Strukturen sollen erhalten und gefördert werden. Entscheidend ist, was die Bürger wollen, welchen Bedarf sie haben. Das muss ein Projekt des ganzen Dorfes werden“, sagt sie.  pst / Foto: Geschäftsstelle Biosphärenreservat Schwäbische Alb/Susanne Gessner


Ein Leben für die Kultur

Nürtingen trauert um Hildegard Ruoff, die Grand Dame der Kunstszene

Nürtingen trägt Trauer in diesen Tagen: In der Nacht zum 3. Juli ist die Fotografin Hildegard Ruoff im Alter von 100 Jahren gestorben. Ruoff prägte die Kunstszene der Stadt über viele Jahre. „Mit ihr verlieren wir nicht nur eine große Künstlerin, sondern insbesondere auch eine beeindruckende Persönlichkeit“, sagte Oberbürgermeister Johannes Fridrich.

Wer Hildegard Ruoff kennenlernen durfte, der wird diese Frau mit den wachen Augen, dem scharfen Verstand und ihrem großen Herzen nie vergessen. Voller Energie und nicht selten mit einem kleinen Schalk im Nacken, geradeaus und leidenschaftlich in ihrem Tun, begegnete sie den Menschen stets offen und zugewandt, mit großer Neugierde.

An den Öffnungstagen der Ruoff-Stiftung in der Nürtinger Schellingstraße traf man die gebürtige Stuttgarterin oft auf ihrem Platz in der Fensternische an. Meist ins Gespräch vertieft mit einem der vielen Besucher und Freunde – über das Leben, Musik, Lyrik und vor allem natürlich über die Kunst. Bereichernd ein jedes, für Herz, Geist und Seele.

Eine Brückenbauerin

Als Brückenbauerin, als eine Gastgeberin mit leuchtenden Augen, hat sie Nürtingens Altbürgermeister Alfred Bachofer anlässlich der Feierlichkeiten zu ihrem 100. Geburtstag im vergangenen Oktober so treffend beschrieben. Eine Fähigkeit, die Hildegard Ruoff zeitlebens nutzte, um der Kunst und der Kultur viele Türen zu öffnen – in Nürtingen und weit darüber hinaus. „Hildegard Ruoff war eine der prägendsten Figuren der Nürtinger Kunstszene und wird dies auch auf lange Zeit bleiben“, würdigte  OB Johannes Fridrich die Grande Dame der Nürtinger Kunstszene.

Offen und mit scheinbar unstillbarer Energie – so gestaltete Hildegard Ruoff auch die Stiftung, die ihren und den Namen ihres 1986 verstorbenen Mannes Fritz trägt. Kein Elfenbeinturm, nein, ein Ort der Begegnung, der Vielfalt und des Austauschs. Ein lebendiger, pulsierender Ort, der seit seiner Eröffnung im Jahr 2004 immer wieder neue Perspektiven eröffnet, der neugierig macht und neugierig bleiben lässt.

Mit Hildegard Ruoff als Herz und Kopf bietet die Stiftung seither neben der Dauerausstellung von Fritz Ruoffs Werken jährlich vier Sonderausstellungen mit namhaften Künstlern wie Barlach, Stankowski oder Morandi. Zudem nutzte Hildegard Ruoff als Kuratorin das Renommee der Stiftung, um Nachwuchskünstlern Aufmerksamkeit zu verschaffen. Immer wieder auch, um die Arbeiten ihres verstorbenen Mannes in einen neuen Kontext zu setzen.

An seiner Seite kommt Hildegard Ruoff 1947 nach Nürtingen. Begegnet sind sie sich, die gebürtige Stuttgarterin, und er, der junge Künstler, im Kunsthaus Schaller, wo Hildegard Ruoff eine Ausbildung zur Kunsthändlerin machte. Wie gerne hätte sie dabei selbst Kunst studiert, erzählte sie einmal. Der Krieg macht die Pläne zunichte.

Härtling ist häufig zu Gast

In Nürtingen beginnt sie bald, sich auf vielfältige Weise zu engagieren. Setzt sich in den Nachkriegsjahren dafür ein, dass trotz Not Literatur und Kunst ihren Raum haben. Sie baut eine Leihbücherei auf, sammelt und beschafft mit ungeheurem Aufwand immer wieder neue Bücher. Einer, der hier einen Hafen findet, ist Peter Härtling, der später oft im Hause Ruoff zu Gast sein wird. Verbunden bleibt er der Hausherrin bis zu seinem Tod 2017.

In den 60er-Jahren folgen große Kunstausstellungen, die Hildegard Ruoff zusammen mit der Kunstsammlerin Auguste Pfänder regelmäßig in der Nürtinger Stadthalle organisiert. Der Motor: Hildegard Ruoff mit ihrem stetig wachsenden Netzwerk in der Kunstszene. In ihrem Wirken gilt ihr Blick besonders jungen Menschen. Sie an die Kunst und das Zeitgeschehen heranzuführen, in ihnen Begeisterung zu wecken, an ihrem unverstellten Blick teilzuhaben, auch das zeichnet Hildegard Ruoff zeitlebens aus. 2014 übernimmt sie die Patenschaft für den Kunstzweig des Nürtinger Peter-Härtling-Gymnasiums.

Ihre eigene künstlerische Arbeit rückt die Trägerin der goldenen Bürgermedaille, der Staufermedaille und des Daniel-Pfisterer-Preises in den Hintergrund. Zeichnen, skizzieren – das tut sie nur, um das Werk ihres Mannes zu dokumentieren. Akribisch ordnet sie die Arbeiten, verwaltet und katalogisiert sie. Ihre Aufzeichnungen bilden heute den Schlüssel zum Verständnis des künstlerischen Werks Fritz Ruoffs.

Blick für das Besondere

Erst zum 100. Geburtstag gehörten die Wände der Ausstellungsräume in der Schellingstraße den fotografischen Arbeiten von Hildegard Ruoff selbst. Dabei erweist sie sich auch hier als eine hervorragende Beobachterin mit dem Blick für das Besondere.

Nun bleibt ihr Platz in der Nische leer, das Herz der Stiftung hat aufgehört zu schlagen. Ihr Wirken wird jedoch noch lange nachklingen.  mo / Foto: Ralf Just


Abgestimmt

Die neue Wehrbeauftragte Eva Högl will die Wehrpflicht wieder einführen, auch um Rechtsextremismus bei der Bundeswehr zu bekämpfen. Was denken Sie, soll es eine Neuauflage der Wehrpflicht geben?

Foto: dpa

Wieder Wehrpflicht?

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