Maske bei der Arbeit?

 

Die Maskenpflicht am Arbeitsplatz könnte die Schließung ganzer Branchen verhindern, sagen Experten. Glauben Sie das auch?

 

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Das Wahrzeichen ist saniert

Schwäbischer Albverein renoviert das Wanderheim und den Turm der Teck für rund 200 000 Euro – Stolze Burg und repräsentative Residenz

Die Burg Teck mit ihrer markanten Silhouette thront weithin sichtbar auf dem 773 Meter hohen Teckberg über dem Kirchheimer Albvorland und dem Eingang in das Lenninger Tal. Anders als bei den anderen noch erhaltenen Burgen und Festungen in der Region wie etwa Reußenstein oder Hohenneuffen sind die Gebäude der Teck nicht mittelalterlich, sondern erst in der Neuzeit errichtet worden. Doch auch neuere Gebäude bröckeln, und so hat der Schwäbische Albverein, dem die Burg Teck gehört, in den vergangenen Monaten den Aussichtsturm und das Dach des Wanderheims für 200 000 Euro saniert.

Einige Wochen lang waren der  Turm der Burg Teck und Teile der Gebäude hinter Gerüsten und Planen verschwunden. Hinter der Hülle waren Fachhandwerker zugange, die das Dachgeschoss des Wanderheims energetisch sanierten, einen Kamin neu aufbauten, das Dach mit neuen Biberschwanz-Ziegeln eindeckten und nicht zuletzt die marode Fassade des 31 Meter hohen Aussichtsturms wieder instand setzten.

Teure Sanierung

Gebäude in derart exponierter Lage, über Jahrzehnte Wind, Wetter und teilweise ex­tremen Temperaturen ausgesetzt, müssen besonders genau kontrolliert werden. So war es zwar Zufall, aber keineswegs überraschend, dass  die Baufachleute des Schwäbischen Albvereins  bei der Sanierung des Wanderheims vor zwei Jahren gravierende Schäden am Dach des Hauses entdeckten. Etliche Ziegel waren geborsten, auf dem obersten Dachboden lag Schnee, Feuchtigkeitsschäden drohten. Zudem stellte sich heraus, dass einer der Kamine völlig marode war und neu aufgebaut werden musste.

In  die fällige Sanierung wurde auch der Turm einbezogen. Dessen Fassade hatte zuletzt im Jahr 2007 einen neuen Anstrich erhalten. Bei einer Begutachtung  war jedoch klar geworden, dass es dieses Mal mit einigen Kübeln Farbe nicht getan war. Das Mauerwerk war in Teilen feucht geworden, Gebüsch und Efeu waren über die Felsen und den Turmfuß gewachsen und hatten weitere Bauwerksschäden verdeckt. Schließlich hatte ein Sturm im vergangenen Herbst einige Ziegel vom Turmhelm gerissen.

An den Gesamtkosten von rund 200 000 Euro für die Sanierung hat sich der Teck-Neuffen-Gau des Albvereins mit 2000 Euro beteiligt. Sie wurden für neue Orientierungstafeln für die Aussichtsplattform oben auf dem Turm verwendet. Auch der Verschönerungsverein Kirchheim steuerte 1000 Euro bei. „Die Burg Teck ist nicht nur ein Wahrzeichen, sondern ein echtes Highlight unserer Region“, hatte Martin Lude, der Vorsitzende des Verschönerungsvereins, die Spende begründet.

Frühe Tourismusförderung

Der Vorgänger des Vereins, der Bezirks-Verschönerungsverein, dem neben Kirchheim etliche Gemeinden angeschlossen waren, hatte im Jahr 1889 begonnen, in einer frühen Form der Tourismusförderung die verfallenen Reste der alten Burg aus dem 11. Jahrhundert für Ausflügler und Wanderer zugänglich zu machen. Auf den Mauerresten des Bergfrieds wurde ein Aussichtsturm gebaut, wenig später folgte eine Schutzhütte. 1933 wurde die Hütte zur Veranstaltungshalle ausgebaut, die den Namen Mörikehalle erhielt. Im Jahr   1941 kaufte der Schwäbische Albverein die Ruine, den Turm und die Mörikehalle.  1954 wurde die Halle zu einem Wanderheim mit Ausflugsgaststätte umgebaut, ein Jahr später wurden der alte, in Fachwerk aufgebaute Turmhelm abgetragen und die historisierende Brüstung der Aussichtsplattform abgebaut, der Aussichtsturm erhielt seine aktuelle Form.

Mächtiger Hochadelssitz

Das heutige Aussehen der Burg Teck lässt allerdings nur wenige Rückschlüsse auf die ursprüngliche Gestalt der einst mächtigen Anlage zu. Nach den archäologischen Befunden wurde die Burg wahrscheinlich gegen Ende des 11. Jahrhunderts erbaut. Als „suum castrum silicet Thecche“ wird sie erstmals im Jahr 1152 urkundlich  erwähnt. Erbauer waren die hochadeligen, mit den Zähringern verwandten Grafen von Nellenburg, die aus der Nähe von Stockach stammten und in Schaffhausen und der Stadt Kirchheim Münzrecht besaßen.

   War die Anlage zunächst zur Sicherung des Besitzes  und der Rechte der Nellenburger im Raum Kirchheim gedacht, übernehmen nach deren Aussterben die Zähringer  als Erben die Burg und nutzten sie als  Residenz. 1187 wird Adalbert von Zähringen als Herzog von Teck genannt. Mit dem wirtschaftlichen Niedergang der Herzöge im 14. Jahrhundert wird die Burg abschnittsweise an Österreich und an Württemberg verkauft. Nach der Zerstörung im Bauernkrieg 1525 liegt die Teck als Ruine da, ein württembergischer Versuch im Jahr 1736, dort eine große Festung zu bauen, wird nach nur einem Jahr wieder aufgegeben. Von der einstigen mittelalterlichen Größe zeugen nurmehr Turmstümpfe, Teile der Ringmauer und des Halsgrabens.  pst / Foto: Jean-Luc JACQUES

Info: Informationen zum Burgenbau in der Region gibt es unter www.alt-owen.com.


Hoffnung auf Weihnachtsstimmung

Esslingen plant  „Mittelalter- und Weihnachtszeit 2020“ – Absage immer noch möglich 

In der Esslinger Innenstadt könnte es auch in diesem Jahr eine Weihnachts- und Mittelalterveranstaltung geben, allerdings deutlich abgespeckt und unter  eingeschränkten Bedingungen. Ein  coronakompatibles Konzept hat die Esslinger Markt und Event GmbH (EME) entworfen.  Sicher ist die Veranstaltung jedoch nicht, sie kann auch noch komplett abgesagt werden.

Michael Metzler, der Geschäftsführer der EME,  spricht nicht von „Markt“ –  dafür gibt es coronabedingt keine Genehmigung –  sondern von Veranstaltung. So heißt es, dass nun für die „Esslinger Mittelalter- und Weihnachtszeit 2020“ vom 26. November bis 21. Dezember geplant wird.

„Mit der ‚Mittelalter- und Weihnachtszeit 2020’ wollen wir eine kleine, charmante und coronakonforme Alternative zum traditionellen Mittelalter- und Weihnachtsmarkt anbieten“, sagt der EME-Geschäftsführer . Möglich seien  bis zu 70 Stände in drei thematisch gegliederten und umzäunten Inseln auf dem Marktplatz, Rathausplatz und Hafenmarkt. „In Verbindung mit der traditionellen Weihnachtsbeleuchtung und den liebevoll dekorierten Schaufenstern der Fachgeschäfte ergibt sich ein stimmungsvolles Gesamtbild.“ Metzler sagt, man wolle ein Zeichen für Beständigkeit setzen. „In diesem Jahr ist so etwas bestimmt mehr als Punsch und Glühwein, sondern ein Ausdruck von Tradition und Werten.“ Außerdem benötigten Handel, Gastronomie und auch die Marktbeschicker Unterstützung.

Die meisten Städte haben ihre Märkte bereits abgesagt. Andere wiederum warten auf die von der Landesregierung angekündigte, aber noch nicht vorliegende Corona-Verordnung. Metzler spricht von einem „Dilemma“. Während  traditionelle Weihnachtsmärkte von Anbietern aus der Region beschickt werden und die man auch noch kurzfristig anwerben könnte, kommen die Aussteller auf Mittelaltermärkten von weiter her.   „Wir standen vor der Entscheidung, komplett abzusagen, oder mit den Planungen zu beginnen“, erklärt Metzler.

So  ist  die EME mit ihrem Konzept an ihre potenziellen Aussteller  herangetreten. Rund 400 Aussteller aus dieser Szene haben sich Anfang des Jahres bei der EME beworben.

 „Sie müssen nun  entscheiden, ob sie unsere Auflagen  leisten können“, so Metzler weiter. Er ist auch sicher, dass sich die Szene verkleinert hat. Ohne Märkte und ohne Einkommen habe sich wohl mancher anders aufstellen müssen.

Metzler rechnet damit, bis Anfang Oktober Klarheit zu haben, welche Aussteller dabei sein können. Die  diesjährige Ausgabe des Events  wäre auch deutlich anders als seine Vorgänger. Flächen und  Besucherzahl  würden kontrolliert, es werde 70 statt 180 Stände geben,   Bühne, Vorführungen, Konzerte, der Ball, das Zwergenland  und andere Veranstaltungen mit vielen Menschen würden fehlen, das gastronomische Angebot werde begrenzt sein. Wie die Alternative zum Adventsmarkt in der Ritterstraße im Detail aussehen könnte, ist noch unklar. Veranstalter Til Maehr arbeitet daran.

War der Markt bisher eine  Veranstaltung mit vielen überregionalen Besuchern, so sieht sie Metzler  nun als Event für die Esslinger und ihre Nachbarn. Auch wenn etliche Reiseveranstalter in Esslingen nachfragen, rechnet er nicht mit großen Bustouren.

Sollten sich Auflagen verschärfen, kann  die EME  laut Metzler noch mit bereits ausgearbeiteten Konzepten mitziehen.

„Wir sind zwar für verschiedene Szenarien vorbereitet“ sagt er,  „aber es kann   auch dazu kommen, dass die gesamte Veranstaltung abgesagt werden muss.“  bob / Foto: bulgrin


Zu gut für die Tonne

Die „Foodsharing“-Idee verbreitet sich auch im Landkreis  – Aktionen in Kirchheim, Wendlingen und Esslingen

Insgesamt 27 646 Kilogramm Lebensmittel wurden in 1513 „Rettungseinsätzen“ vor der Tonne bewahrt –  das ist die „Foodsharing“-Bilanz in Kirchheim. Seit dem Jahr 2015 werden dort Lebensmittel gerettet, deren Verpackung beschädigt ist, die zu viel produziert wurden, nicht mehr zu den üblichen Zeiten verkauft werden können oder deren Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Elf Kooperationen mit Supermärkten, Bäckereien, Bioläden oder auch Obst- und Gemüsehändlern gibt es in der Teckstadt; die Lebensmittel werden wöchentlich von sogenannten Foodsavern abgeholt. In Corona-Zeiten natürlich mit Schutzmaske, Handschuhen und dem erforderlichen Abstand.

Foodsaver beziehungsweise Lebensmittelretter wird man, wenn man auf der Homepage der Initiative zunächst ein Quiz besteht, bei dem viel Hintergrundwissen abgefragt wird. Anschließend absolviert man drei „betreute Einführungsabholungen“ bei kooperierenden Betrieben. Erst danach wird ein Ausweis ausgehändigt, mit dem man eigenständig zu den vereinbarten Zeiten Lebensmittel bei den Kooperationspartnern retten darf. Wer Foodsaver werden möchte, muss keine Bedürftigkeit vorweisen.

Die  36-jährige Sozialpädagogin Maria ist bei der Initiative im Bezirk Kirchheim die Botschafterin und Betriebsverantwortliche, sie koordiniert die Abholungen. Maria betont, dass bei den Aktionen der Aspekt der Nachhaltigkeit im Vordergrund stehe. Es gehe darum, noch genießbare Lebensmittel zu verwerten. Seit August gibt es zudem an der Sultan-Ahmet-Moschee einen Schrank, in dem die geretteten Lebensmittel für alle zugänglich aufbewahrt werden. Zudem läuft eine Anfrage an die Stadt bezüglich der Aufstellung eines Kühlschranks, sodass die Lebensmittel in naher Zukunft dort auch kühl gelagert und gratis abgeholt werden können.

An einem Samstag wird in Kirchheim auf dem Markt bei einem Obst- und Gemüsehändler das eingepackt, was bis zum Verkaufsschluss nicht über die Ladentheke ging: Paprika, Schnittlauch, Tomaten, Auberginen und anderes Gemüse. Dann geht es ein paar Schritte weiter zum mobilen Holzbackofen von Familie Müller. Uwe und Gabi Müller geben gerne das her, was nicht verkauft werden konnte; dieses Mal sind es Kümmelbrot, Zwiebelbrot und Speckknautzen. Das Ehepaar ist seit November 2019 überzeugter Foodsharing-Kooperationspartner. Die dahinter steckende Idee sei sehr gut, Müllers loben auch den sozialen Aspekt. Zu viel Produziertes hat das Paar früher selbst als Knödelbrot verarbeitet, in der Nachbarschaft verteilt oder als Futter für Fische verwertet. Doch gerade für Letzteres seien die Lebensmittel  nicht gedacht.

Der 24-jährige Sem Schade ist seit drei Jahren dabei und Foodsharing-Botschafter für den Bereich Wendlingen: „Ich finde, das ist eine Win-Win Situation: Man tut der Umwelt etwas Gutes, rettet Lebensmittel und spart nebenbei Geld.“ In Wendlingen gibt es Kooperationen mit vier Betrieben, unter anderem einem Feinkostladen und einer Tankstelle. „Für uns ist es wichtig, dass wir bei den Abholungen zu 100 Prozent zuverlässig sind und die Kooperationen auch verbindlich einhalten. Leider ist es immer nur die Spitze des Eisbergs, die wir bei den Aktionen retten können“, sagt Schade. Die Lebensmittel landen in einem „Fair-Teiler“, einem öffentlich zugänglichen Schrank in der Brückenstraße. Die Biotonne daneben hat die Stadt kostenfrei zur Verfügung gestellt.

In Esslingen gibt es aktuell 21 Kooperationen, bei denen bisher in 9263 Einsätzen 85 803 Kilogramm Lebensmittel gerettet wurden. In der Friedensstraße und in der Flandernstraße gibt es öffentlich zugängliche „Fair-Teiler“.  aro / foto: aro

Info: Näheres, auch das Quiz für Einsteiger, ist unter www.foodsharing.de zu finden.


„Das ist himmlische Musik“

250 Jahre Beethoven: Steven Walter, der Leiter des Esslinger Podium-Festivals und künftige Leiter des Beethovenfests in Bonn, im Gespräch mit dem Wochenblatt ECHO

In diesem Jahr jährt sich Ludwig van Beethovens Geburtstag zum 250. Mal. Für die Redaktion des Wochenblatts ECHO ist das  Anlass, mit Steven Walter über den Komponisten zu sprechen. Der Macher des  Podium-Festivals in Esslingen wird im nächsten Jahr Leiter des Beethovenfestivals in Bonn.

Herr Walter, nach vielen Jahren der Leitung des Podium-Festivals in Esslingen sind Sie ab dem nächsten Jahr Intendant des Beethovenfests in Bonn, als Nachfolger von Nike Wagner. Ist Beethoven Ihr Lieblingskomponist?

Walter: Lieblingskomponist kann man nicht sagen – ich habe keinen solchen, denn ich liebe sehr viel unterschiedliche Musik, und es kommt auch immer auf den Kontext an und was wir heute damit anstellen. Aber klar: Beethoven ist eine  Ikone der klassischen Musik und ein unglaublich starker, ideenreicher, origineller Komponist.

Was hören Sie denn besonders gern?

Walter: Von Beethoven liebe ich – neben den Sinfonien natürlich – besonders die späten Streichquartette. Das ist himmlische Musik.

Was finden Sie faszinierend an Beethoven? Ist er auch als Mensch interessant?

Walter: Er war eine sehr faszinierende Person, und in seiner Biografie und letztlich auch in der Musik spiegelt sich die bewegte Epoche wider, die er durchlebt hat. Er kam aus einfachen Verhältnissen, hat sich hochgekämpft, war schon zu Lebzeiten eine umstrittene Figur, da er mit so viel Unbedingtheit sein Ding durchgezogen hat. Das ist sehr inspirierend, gerade auch für unsere Gegenwart.

Sie als Musiker nehmen natürlich Musik ganz anders war, aber wie kann man einem normalen Musikhörer das Werk Beethovens nahebringen?

Walter: Man muss nichts wissen – weder über Musik noch über Beethoven –, um seine Musik auf eine sehr körperliche und sinnliche Weise erleben zu können. Mein Job als Veranstalter und Kurator ist es, alle möglichen sozialen, ästhetischen und räumlichen Zugangsbarrieren zur Musik abzubauen. Wenn das gelingt, dann berührt die Musik in der Regel ganz von selbst. Und wenn sie das nicht tut, dann macht das nichts, dann ist nichts am Rezipienten falsch. Die Musik muss nicht jedem gefallen.

Wie kann man insbesondere junge Menschen für einen 250 Jahre alten Komponisten interessieren?

Walter: Siehe oben: alles abbauen, das zwischen der Musik und dieser Zielgruppe in ihrer heutigen Lebensrealität steht. Dann kann es zu echten Begegnungen zwischen jungen Ohren und der Musik kommen. Diese Begegnungen können dann gut oder nicht gut ausgehen – aber zumindest stand kein Klischee oder ein veraltetes Format, das nichts mit der Musik zu tun hat, im Weg.

„Ta Ta Ta Taaa“ – Teile von Beethovens Werk kennt jedes Kind, sie haben „Karriere“ gemacht. Was ist denn so zeitlos und aktuell daran?

Walter: Beethoven hat absolut ikonische musikalische Motive geprägt. Diese musikalische Prägnanz verstand er wie kaum ein anderer. Natürlich wurden diese dann auch in der langen Rezeptionsgeschichte nach seinem Tod fortgesponnen, mit allem möglichen vermischt, und sie  haben sich gewissermaßen verselbstständigt. Die Musik wurde gewissermaßen zum Allgemeingut, sozusagen zu Pop.

Stimmt es, dass Beethoven sogar die Länge einer CD beeinflusst hat? Damit man die 9. Sinfonie am Stück hören konnte?

Walter: Ja, das war wohl so: Als man die CD normiert hat, wollte der Chef von Sony, dass Beethovens 9. Sinfonie ganz draufpasst. Deswegen ist die CD so lang und so groß, wie sie ist.

Herr Walter, als Leiter des Podium-Festivals in Esslingen sind Sie auch für das über mehrere Jahre laufende Projekt #bebeethoven verantwortlich. Werden wir davon etwas hören und sehen im Herbst?

Walter: Ja. Wir freuen uns sehr, dass wir im Zeitraum  6. bis 15. Oktober das Podium-Festival nachholen können. Darin präsentieren wir die Ergebnisse des Fellowship-Programms #bebeethoven. Wegen der geltenden Hygiene- und Abstandsvorschriften werden wir leider sehr begrenzte Publikumskapazitäten haben, wollen aber einige Formate auch digital übertragen.  bob

Info: Das Podium-Festival und das Jazz-Festival Esslingen schließen sich im Oktober unter dem Motto Esslinger Festival-Herbst zusammen (mehr  unter www.podium-esslingen.de).

9. Sinfonie ist Weltkulturerbe

Ludwig van Beethoven wurde in Bonn geboren, als genaues Datum steht nur sein Taufdatum am  17. Dezember 1770 fest. Er starb am  26. März 1827 in Wien. Der Komponist und Pianist führte die Wiener Klassik zu ihrer höchsten Entwicklung und bereitete der Musik der Romantik den Weg. Beethoven gilt als einer der bedeutendsten Komponisten schlechthin – und das, obwohl er in den letzten Jahren seines Lebens an Taubheit litt.

Zunächst machte sich Beethoven  als Klaviervirtuose einen Namen. Zu seinen Stärken gehörte das freie Improvisieren und Fantasieren auf dem Instrument. Nach dem Umzug von Bonn nach Wien führte ihn sein Talent  in die höchsten gesellschaftlichen Kreise der habsburgischen Metropole. Ein Gehörleiden, das sich im Laufe der Zeit zur fast völligen Taubheit  verschlimmerte, setzte seiner Karriere als Pianist  ein vorzeitiges Ende.  Mit der Verschlechterung seines Gehörs setzte er mehr und mehr aufs Komponieren. Aus seinem umfangreichen konzertanten Werk stechen insbesondere die neun Sinfonien und seine Klavierwerke hervor, speziell die fünf Klavierkonzerte und 32 Klaviersonaten. Daneben schuf er  ein Violinkonzert, die Oper Fidelio, die Missa solemnis sowie eine Vielzahl kammermusikalischer Werke. Seine 9. Sinfonie gehört als erstes Musikstück zum Weltkulturerbe. 

Am 20. August 1977 brach die Sonde  „Voyager II“ auf ihre Reise  durch das Sonnensystem auf.  Sie transportierte eine „Golden Record“ mit den Daten der Menschheit an den Rand des Sonnensystems, um unser kulturelles Erbe potenziellen außerirdischen Lebensformen vorzustellen. Mit dabei: zwei Stücke von Ludwig van Beethoven.

Im Übrigen soll Beethoven der Mensch sein, nach dem die meisten Straßen auf der ganzen Welt  benannt sind.  wiki/bob, foto: dpa


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Mehr Tempo beim Glasfaserausbau

Der Landkreis Esslingen hat zusammen mit der Gigabit-Region Stuttgart ehrgeizige Ziele

Nicht immer ist das Ländle vorne dran. In Sachen Glasfasernetz hinkt Baden-Württemberg sogar ziemlich hinterher. Das soll sich ändern: Die Region Stuttgart und mit ihr der Landkreis Esslingen haben die Aufholjagd begonnen. „Wir nehmen deutlich Fahrt auf“, sagte Landrat Heinz Eininger bei einem Pressetermin.

Basis für die Offensive ist die Gigabit-Region Stuttgart, in der sich neben der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart und der Landeshauptstadt fünf Landkreise zusammengeschlossen haben. Der Zweckverband Breitbandversorgung Kreis Esslingen ist als Vertreter von 44 Kommunen dabei. Wenn es vorangehen soll – bisher sind gerade mal zwei Prozent aller Anschlüsse in Baden-Württemberg mit Glasfaser versorgt – müssen möglichst alle an einem Strang ziehen, da sind sich die Verantwortlichen einig. Sie haben zudem über einen Kooperationsrahmenvertrag die Telekom mit ins Boot genommen.

Seit gut einem Jahr wird in diesem Rahmen der Breitbandausbau vorangetrieben. Der Schwerpunkt lag zunächst auf Gewerbegebieten: In Kirchheim, Dettingen, Neuhausen und Esslingen ist schon einiges passiert; in Deizisau und Ostfildern wird gerade gebaut, in Weilheim und Denkendorf geplant. Ebenfalls angeschlossen sind sämtliche beruflichen Schulen im Kreis Esslingen wie auch die Medius-Kliniken.

Doch auch Privathaushalte rücken  verstärkt in den Fokus. Die Corona-Pandemie habe dabei „nicht nur im Bewusstsein einen Schub gebracht“, ist Eininger überzeugt. Sie habe gezeigt, wie wichtig digitale Anbindung ist, und wie schnell auch zu Hause das Datennetz überlastet ist, wenn mehrere Nutzer es brauchen. Der Landrat hofft deshalb, dass viele Privathaushalte die Glasfaseranbindung nicht nur fordern, sondern auch selbst einen Anschluss buchen. Das ist nach wie vor Bedingung für den Ausbau, der sich nur dann lohnt, wenn eine bestimmte Quote erreicht wird. Je nach Aufwand vor Ort kann diese unterschiedlich ausfallen, im Durchschnitt liegt sie bei rund 30 Prozent der Anschlüsse. Ist das Interesse geringer, wird der Ausbau an dieser Stelle nicht angepackt.

Pilotkommune in der Gigabit-Region war Bempflingen, das nun nach Kornwestheim am zweitbesten im Ländle versorgt ist. Nahezu alle Haushalte dort haben einen Glasfaseranschluss erhalten. Nächster Leuchtturm soll Lichtenwald werden, wo der Ausbau bereits läuft. In weiteren Gemeinden und Städten sind die Planungen abgeschlossen, unter anderem in Plochingen, Wendlingen und Wolfschlugen rollt die Umsetzung an. „Wir konzentrieren uns nicht nur auf die urbanen Gebiete, sondern auch auf ländliche Randbereiche“, betont Hans-Jürgen Bahde, der Geschäftsführer der Gigabit-Region Stuttgart.

Im Kreis Esslingen wurden innerhalb des ersten Jahres der Offensive mehr als 280 Kilometer Glasfaser verlegt und rund 4700 Haushalte und Unternehmen angeschlossen. Das Ziel sind mehr als 50 000 Anschlüsse bis Ende 2021. Selbst dann bleibt noch Potenzial, denn der Landkreis Esslingen zählt rund 225 000 Haushalte.

Die Region insgesamt strebt eine 90-prozentige Abdeckung bis 2030 an. Dafür sollen 1,6 Milliarden Euro investiert werden. Die Telekom hatte ohnehin ein Engagement über 600 Millionen Euro in der Region geplant und im Zug des Kooperationsrahmenvertrages weitere 500 Millionen zugesagt – vorausgesetzt, die Gemeinden vor Ort tragen die Finanzierung mit.

Das halten nicht alle Kommunen für richtig, doch aus Sicht der beteiligten Partner liegt hierin die Chance, voranzukommen. Man habe lange darauf gesetzt, dass die freie Marktwirtschaft die Sache regelt, sagt Eininger: „Dass dem nicht so ist, wissen wir inzwischen.“ Trotz der Partnerschaft mit der Telekom wird der Netzausbau jeweils ausgeschrieben, sodass auch andere Bieter zum Zug kommen können. Für die Kunden spielt das längerfristig ohnehin keine Rolle, nach zwei Jahren  haben sie freie Anbieterwahl.  aia / Foto: Max Kovalenko/Gigabit-Region Stuttgart


Die ersten Züge sollen Ende 2022 rollen

Mit ihrer neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Wendlingen und Ulm kommt die Bahn voran – Filstalbrücke nimmt Gestalt an

Sie schreiten voran, die Arbeiten an der Strecke, über die die Bahn künftig ihre schnellen Züge von und nach Ulm schicken will. Erst kürzlich hat Olaf Drescher, der neue Chef der DB-Projektgesellschaft Stuttgart – Ulm, bekräftigt, dass die Neubaustrecke Wendlingen – Ulm Ende 2022 in Betrieb genommen werden soll. Ein wichtiger Bestandteil dabei: die Filstalbrücke zwischen Mühlhausen im Täle und Wiesensteig. Genau genommen sind es dort zwei Brücken – für jede Richtung eine, eine davon steht mittlerweile im Rohbau. Aber auch bei der Anbindung der Schnellbahntrasse an den neuen Verkehrsknoten in Stuttgart kommt Bewegung, ungeachtet der Diskussionen, ob die Gäubahn am Flughafen nun doch noch über einen Tunnel einschwenken kann. Allerdings wird diese Inbetriebnahme noch weitere Jahre auf sich warten lassen. Die Fertigstellung des Tiefbahnhofs in Stuttgart und der Drehscheibe auf den Fildern peilt die Bahn für 2025 an – wenn alles gut läuft.

Regional-Halt in Merklingen

Die Strecke Wendlingen – Ulm ist im Rohbau zu 90 Prozent fertiggestellt. Der Vortrieb für alle Tunnelröhren ist abgeschlossen. Auch die Ausrüstung der Strecke mit  Eisenbahntechnik kommt  voran: 37 Kilometer Gleise sind  verlegt, 800 Oberleitungsmasten wurden bislang aufgestellt. Anfang 2022 sollen erste Testfahrten auf der Neubaustrecke erfolgen. Später werden dort nicht nur ICE-, sondern auch Regionalzüge verkehren. Daher wird auch noch ein Regional-Halt in Merklingen ermöglicht. Es bleibt also noch einiges zu tun, doch Drescher sagt mit Blick auf die geplante Inbetriebnahme Ende 2022: „Ich gehe davon aus, dass alle Risiken beherrschbar sind.“

Die Arbeiten an der 55 Millionen Euro teuren Filstalbrücke bezeichnet Drescher als herausfordernd. Zwischen Boßler- und Steinbühltunnel werden Reisende später  für kurze Zeit die Sonne sehen, ein ICE rast in nur sieben Sekunden über die Brücke. Da die Tunnel mit zwei Röhren gebohrt wurden, sind auch zur Talüberquerung zwei jeweils 485 Meter lange Einzelbauwerke nötig. Über das eine war es vor einigen Tagen erstmals möglich, von Röhre zu Röhre zu gehen. Bei der zweiten Brücke sind mittlerweile 100 Meter betoniert, im Sommer des kommenden Jahres soll auch diese die andere Talseite erreichen.

Über die alte Neckartalstrecke

Drescher, der mit Übernahme seiner neuen Aufgabe im Bahn-Konzern alle für die Inbetriebnahme  relevanten Bereiche des Großprojekts Stuttgart – Ulm verantwortet, spricht bei der Fils­talbrücke von einer neuen, zukunftsweisenden Bauweise. Die Architektur sei „filigran“, die mit 85 Meter dritthöchste Eisenbahnbrücke in Deutschland werde künftig als ein „Wahrzeichen“ wahrgenommen werden – auch von den Autofahrern, die über den Drackensteiner Hang die Albhochfläche erklimmen. Derzeit arbeiten rund 200 Arbeiter im  Dreischichtbetrieb an der Brücke.

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2022 sollen zwei bis drei ICE pro Stunde und auch einige Regionalzüge auf der  neuen, digitalisierten und ohne klassische Signalanlagen auskommenden  Strecke verkehren. Bis zur Fertigstellung des großen Stuttgarter Bahnknotens werden die Züge aber ab  Wendlingen auf der alten Neckartalstrecke über Plochingen, Esslingen und Bad Cannstatt in die Landeshauptstadt geführt. Drescher bedauert diese vorübergehende „Trödelei in den Hauptbahnhof“.

Drescher versäumt nicht, die Vorzüge der Neubaustrecke in Bezug auf die Reisezeit zu erwähnen. Mit der Inbetriebnahme ab Wendlingen werde die Fahrzeit von Stuttgart nach Ulm um eine Viertelstunde verkürzt, ab voraussichtlich 2025 wird die Fahrt nochmals um eine Viertelstunde schneller vonstatten gehen. „Stuttgart 21 und die Neubaustrecke sind die Voraussetzung für die Verkehrswende im Südwesten“, betont Drescher.

Derweil nimmt der künftige Stuttgarter Hauptbahnhof  zusehends Gestalt an: So ist dort Ende Juni die zehnte von 28 Kelchstützen betoniert worden. Die einzigartige Dachkonstruktion wird später die Bahnsteighalle des künftigen Durchgangsbahnhofs überspannen.

Und wie erwähnt kommen die Arbeiten auf den Fildern in Schwung. Bei der Anbindung des Flughafens an die Neubaustrecke  ist unlängst mit dem Tunnelvortrieb begonnen worden (siehe Info-Kasten nebenan). Und am Autobahn-Anschluss Esslingen tun sich neue Gräben auf. Denn der muss neu geordnet werden, damit die Züge dort später ungestört vorbeirauschen können. Zunächst aber werden die ICE erst ab Wendlingen Fahrt aufnehmen.  ch / Fotos: oben: ch, unten: ir


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Kontrollierter Andrang

Die Badeseen im Landkreis Esslingen ziehen in Corona-Zeiten (zu) viele Besucher an

Der Aileswasensee hat es  zu landesweiter Berühmtheit gebracht: Dem Badesee in Neckartailfingen drohte  kurzzeitig die Schließung, weil das Besucheraufkommen jegliche Corona-Abstandsvorschriften über den Haufen warf.  Die anderen Badegewässer im Landkreis Esslingen sind kaum weniger beliebt.  Fazit: Die Gemeinden müssen ihre Badeseen dieses Jahr sorgfältig  im Auge behalten.

Es war zu erwarten: Das Wetter ist sommerlich warm, der Besuch im Freibad nicht so einfach wie sonst. Da locken die Badeseen mehr noch als in den coronafreien Jahren. Zumal dem Aileswasensee, dem Bissinger  See und  dem Unteren See der Bürgerseen in Kirchheim jährlich eine gute bis sehr gute Wasserqualität bescheinigt wird. 

Vor wenigen Tagen ist der Gemeinderat Neckartailfingen in einer Sondersitzung zusammengekommen: Am Wochenende zuvor war der Aileswasensee  völlig überlaufen, es wurde außerdem wild geparkt, Autoschlangen schoben sich durch den Ort. Das ist für die Bürger von Neckartailfingen zwar ein bekanntes Problem, aber in diesem Jahr wurde die Situation dadurch verschärft, dass Abstandsregelungen nicht mehr eingehalten werden konnten. Nach der mehrheitlichen Entscheidung  des Gemeinderats und dem Erlass einer Allgemeinverfügung dürfen nun nur noch 1000 Besucher täglich an den See. Werden es mehr, werden die Zufahrten gesperrt. 

Ziel sei,  die aktuelle Überfüllung des Sees zu beenden, heißt es in einer Presseerklärung. Die Durchsetzung und Kontrolle der Hygienemaßnahmen seien  bei einem solchen Massenandrang auch mit Unterstützung der Polizei nicht mehr leistbar gewesen. Mit der Entscheidung des Gemeinderats  ist der See vorerst nur knapp einer Schließung entgangen.  Sollten sich die Besucher aber nicht an die Regeln halten, wird der See bis auf Weiteres komplett gesperrt und der Betrieb eingestellt, heißt es weiter aus dem Rathaus.

Auch in der Kirchheimer Verwaltung   hat man ein wachsames Auge auf das Badetreiben. Am  Unteren See der   Bürgerseen war an den vergangenen heißen Wochenenden auch sehr viel los. „Bisher ist die Situation noch beherrschbar“, sagt Robert Berndt, der Pressesprecher der Teckstadt. Noch setze man auf die Eigenverantwortung der Besucher, werde sich aber Maßnahmen vorbehalten. Berndt berichtet von überfüllten Parkplätzen. In der Folge würden die Besucher in den Feldwegen parken. „Der Vollzugsdienst und das örtliche Polizeirevier werden  öfter die Zustände an den Bürgerseen kontrollieren“, kündigt Berndt an.

Der See in Bissingen ist seit dem 25. Juni geöffnet. „In der Tat haben wir ja aktuell eine Schönwetterperiode“, sagt Bissingens Bürgermeister Marcel Musolf.  „Wir  können  aber feststellen, dass der Badebetrieb überwiegend gut läuft.“ Sowohl auf der Liegewiese als auch im See und in den Parkbereichen funktioniere der Ablauf ordentlich. Großer Andrang an den Wochenenden sei  ein jährliches Phänomen, so Musolf. „Dann werden sicherlich die Abstandsregeln zumindest zeitweise auch mal unterschritten.“  Besondere Vorkommnisse hat es  nach Musolfs und polizeilichen Erkenntnissen nicht gegeben. Auch dass die Parkplatzinfrastruktur an ihre Grenzen kommt, ist in Bissingen nicht neu. Der Bürgermeister verweist auf die Parkmöglichkeiten in der Ortsmitte, von wo es nur ein kleiner Fußweg zum See ist. „Wir appellieren seit der Öffnung des Sees  an die Einhaltung der allgemeinen Abstandsvorgaben und die gegenseitige Rücksichtnahme aller Besucherinnen und Besucher“, sagt Musolf. „Die weitere Entwicklung müssen und werden wir dabei natürlich im Blick behalten.“  bob / Foto: Holzwarth