Stadt hält an Großprojekten fest

Im Ostfilderner Haushalt 2021 tut sich ein Loch von 14 Millionen Euro auf – Massive Verschuldung unausweichlich

Die Zeiten von Überschüssen und Schuldenabbau sind in Ostfildern erst einmal vorbei. Wegen massiver Einnahmeverlusten, hervorgerufen durch die coronabedingte Wirtschaftskrise, muss die Stadt in den kommenden Jahren den Gürtel enger schnallen. Bis auf einen gesetzlich vorgeschriebenen Mindestbetrag von rund zwei Millionen Euro werden nach den Plänen der städtischen Kämmerei die Rücklagen, die Anfang dieses Jahres noch 33,3 Millionen Euro betragen haben, 2021 aufgebraucht sein. Gleichzeitig wird man an einer erheblichen Neuverschuldung nicht vorbeikommen. Finanzbürgermeister Rainer Lechner nannte die mächtige Zahl von 30 Millionen Euro, als er vor wenigen Tagen im Gemeinderat den Entwurf für den Haushalt 2021 vorstellte. Ob diese Summe tatsächlich gebraucht wird, steht auf einem anderen Blatt. Trotz dieser schweren Hypothek will die Verwaltung an den geplanten Investitionen für die beiden Großprojekte, den Ersatzbau für die Sporthalle 1 und die Modernisierung der beiden Gymnasien, festhalten.

Wie ist die aktuelle Finanzsituation?

Ganz so schlecht, wie noch im Sommer prognostiziert, ist die Finanzlage der Stadt nicht. Vor allem wegen des dramatischen Einbruchs bei der Gewerbesteuer war man bislang von einem Jahresdefizit von 6,7 Millionen Euro ausgegangen. Jetzt spricht die Kämmerei von einem Minus von 4,2 Millionen Euro. 

Was sind die Eckpunkte des Etats 2021?

Ausgaben von 113,6 Millionen Euro stehen Erträge von lediglich 99,2 Millionen Euro gegenüber. Dieses Loch von 14,4 Millionen Euro will man durch Grundstücksverkäufe im Scharnhau­sener Baugebiet „Ob der Halde“ um 5,3 auf 9,1 Millionen Euro verringern. Zum Vergleich: In der Finanzkrise 2009/2010 hatte der Jahresverlust knapp zwölf Millionen Euro betragen. Das Investitionsvolumen liegt bei 16,6 Millionen Euro, dafür ist eine Kreditaufnahme von zehn Millionen Euro erforderlich.

Mit welchen Einnahmen ist im nächsten Jahr zu rechnen?

Mit 13,5 Millionen Euro sind die Gewerbesteuer-Einnahmen außerordentlich niedrig angesetzt. Dieser Wert liegt um satte 11,7 Millionen Euro unter dem bisherigen Spitzenwert von 25,2 Millionen Euro aus dem Jahr 2019. Während dieses Jahr der Pro-Kopf-Zuschuss des Landes bei 1450 Euro liegt, kalkuliert die Verwaltung für 2021 nur mit 1400 Euro. 2022 dürfte der Wert auf 1380 Euro zurückgehen.

Wie entwickeln sich die Ausgaben?

Den größten Posten bei den Ausgaben in Höhe von 113,6 Millionen Euro machen die Transferaufwendungen, Zahlungen, die die Kommune an andere zu leisten hat, mit 46,4 Millionen Euro aus. Gleich danach kommen mit 38,1 Millionen Euro die Personalkosten. Die Erhöhung um 2,4 Millionen Euro wird auch mit 16 neuen Stellen begründet, wovon zwölf für die Kinderbetreuung sind. Bei den Sachkosten erwägt die Verwaltung eine neuerliche Teilhaushaltssperre von 15 Prozent.

Was sind die größten Investitionen?

Im Bereich Bildung und Betreuung fallen diese Investitionen an: 3,95 Millionen Euro für die Sanierung der Gymnasien, 1,25 Millionen Euro für Sanierung und Brandschutz an der Wasen­äckerschule Scharnhausen, 500 000 Euro für Umbau und Brandschutz an der Schule im Park. Für den Ersatzbau für die Sporthalle 1 wird eine erste Rate von vier Millionen Euro fällig. Weitere größere Investitionen: 940 000 Euro Breitbandausbau, 620 000 Euro Sanierung der Hindenburgstraße in Nellingen, 564 000 Euro Ortskernsanierung Kemnat I, 530 000 Euro  Erneuerung der Senefelder- und der Max-Eyth-Straße, 500 000 Euro Erneuerung des Kunstrasenplatzes in Nellingen.

Wie entwickeln sich die Schulden?

Der Schuldenberg wird massiv wachsen. Für 2021 und 2022 ist ein Kreditrahmen von jeweils elf Millionen Euro geplant, für die beiden Folgejahre jeweils vier Millionen Euro.  hf / Foto: Ines Rudel


Breit gefächerte Kundschaft

Die Mobile Tafel in Wernau versorgt seit zehn Jahren  Menschen mit kleinem Einkommen mit Lebensmitteln

Seit zehn Jahren öffnet die Mobile Tafel in Wernau immer donnerstags ihre Tür für Menschen mit schmalem Geldbeutel. Sie bekommen dort gute Lebensmittel zum günstigen Preis. Gleichzeitig finden Lebensmittel, die im Supermarkt aussortiert wurden, so noch eine Verwendung.

Im April 2010 öffnete die Mobile Tafel in Wernau zum ersten Mal. Treibende Kräfte waren der damalige katholische Pfarrer Wolfgang Schrenk und die Wern­auerinnen Ulrike Mack-Landhäußer und Gabriele Rauer. Sie fanden im Carisatt-Laden in Esslingen den idealen Partner. Dort werden die Lebensmittel bei verschiedenen Spendern eingesammelt, dann sortiert und für den Verkauf vorbereitet. Immer donnerstags fährt ein Transporter nach Wernau und nach Wendlingen, um die dortigen Ausgabestellen zu bestücken. Einige Stunden später kommt er wieder vorbei und nimmt Übriggebliebenes wieder mit. Ergänzend nehmen die Ehrenamtlichen vor Ort aber auch weitere verpackte und haltbare Lebensmittel von Bürgern an, außerdem steuert die Bäckerei Hunn frische Backwaren bei.

Drei Freiwilligenteams, geleitet von Heike Benske, Helga Krause und Bernhard Boos, wechseln sich mit dem Betrieb der Mobilen Tafel in Wernau ab. Sie wissen nie genau, was der Transporter am jeweiligen Tag mitbringt. Aber kistenweise Gemüse und Obst sind immer dabei, auch Kartoffeln und Brotwaren sowie verpackte Sachen wie Milchprodukte, Reis, Zucker oder Konserven. Die Ware  kostet maximal ein Drittel des handelsüblichen Preises, oft  deutlich weniger. Gelegentlich kaufen die Ehrenamtlichen auch etwas dazu, was nur selten unter den gespendeten Waren ist – das ist dank der Geldspenden, die die Mobile Tafel bekommt, zum Glück möglich. Auch Dinge wie Schulranzen oder -mäppchen oder Schoko-Nikoläuse können die Helferinnen und Helfer immer mal wieder günstig auftreiben.

Ihre Kundschaft ist breit gefächert, Rentenbezieher, Alleinerziehende, Geflüchtete gehören dazu. Rund 60 Personen in der Stadt werden von der Mobilen Tafel versorgt, die Zahl der Bedürftigen und Berechtigten dürfte aber noch deutlich größer sein. Voraussetzung für den Einkauf ist ein Berechtigungsausweis, der gegen den Nachweis des geringen Einkommens direkt vor Ort in der Mobilen Tafel ausgestellt wird. Zur Zeit des großen Flüchtlingszuzugs war der Andrang weitaus größer als aktuell, damals haben die Teams ein System entwickelt, das einen geordneten Ablauf garantiert: Eine halbe Stunde vor Öffnung der Tafel ziehen die Anwesenden Nummern, die nach dem Zufallsprinzip die Einkaufsreihenfolge regeln. Das wird akzeptiert und ist auch jetzt in der Corona-Zeit hilfreich.

Während der Hochphase der Pandemie im Frühjahr musste die Mobile Tafel mehrere Wochen lang schließen. Denn damals wurden die Supermärkte und Discounter nahezu leergekauft, für die Tafeln blieb nicht genug übrig. Mitte Mai konnte dann die Ausgabestelle in Wernau wieder öffnen. Auf ihren 25 Quadratmetern Verkaufsfläche gelten strenge Corona-Regeln: Nur drei Freiwillige sind gleichzeitig im Laden und tragen Mund-Nasen-Schutz, ebenso wie die Kunden, die einzeln eingelassen werden. Das dient auch dem Schutz der Ehrenamtlichen, von denen die meisten zur älteren Generation gehören. Die eingespielten Teams, die den Verkauf vor- und nachbereiten, Berechtigungsausweise ausstellen und den Kontakt zur Kundschaft haben, sind die tragenden Säulen der Tafel – ohne sie gäbe es diese Einrichtung nicht.  aia / Foto: Stadt Wernau


„Kunstwerk in Sachen Bücher“

Stadtbücherei Esslingen: Planungen werden konkret – Bürgerbeteiligung angedacht – Interimslösung auf dem Weg

Weitere Schritte auf dem Weg zur erweiterten und modernisierten Stadtbücherei in Esslingen sind getan.  Der Gemeinderat hat die Beauftragung der Architektenleistungen beschlossen, die Architekten haben ihren Siegerentwurf der Öffentlichkeit vorgestellt und den Prozess der Feinabstimmung angestoßen, zudem ist  die Interimsunterbringung der Bücherei  auf den Weg gebracht.

„Ich bin davon überzeugt, dass wir uns für den besten Entwurf entschieden haben“, sagte  Esslingens Baubürgermeister  Wilfried Wallbrecht. „Er besticht durch Ideenreichtum und Sensibilität.“ Die   Architekten Kai Bierich und Urs Klipfel vom Büro agn Niederberghaus und Partner GmbH aus Ibbenbüren waren in der vergangenen Woche eingeladen,  ihre Ideen der Öffentlichkeit vorzustellen und Bürgerfragen zu beantworten.

Der Entwurf des Büros aus Ibbenbüren, das auch eine Niederlassung in Ludwigsburg hat,  hatte zu Beginn des Jahres das 15-köpfige Preisgericht überzeugt, da der Spagat zwischen Tradition und Moderne gelungen sei, dem Denkmalschutz Rechnung getragen werde und eine, wie es damals hieß, überraschend einfache Lösung angeboten werde. „Bei uns überwiegt die Lust am Denkmal“, stellte Klipfel klar. Das Büro hat sich auf die Sanierung und Gestaltung von  denkmalgeschützten Gebäuden spezialisiert. Als ein  Beispiel verwies  Klipfel auf das Stuttgarter Stadtarchiv in Bad Cannstatt, das sein Büro ebenfalls saniert hat. Sein Kollege Kai Bierich sieht   Bibliotheken nicht als einen „reinen  Ort zur Aufbewahrung von Schriften“, sondern eher als ein „Gesamtkunstwerk in Sachen Bücher“.

Der  Entwurf  des Büros agn sieht zwei klar strukturierte Baukörper vor, die sich im engen Bereich zwischen Heugasse und  Webergasse entlangschmiegen und Raum für  den gestiegenen Flächenbedarf der neuen Stadtbücherei schaffen. Das Gebäude, in dem die Kinderbücherei untergebracht ist, die sogenannte Nanzhalle, wird  abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. Dessen Dach soll aus Kupfer sein und damit die ursprüngliche Ziegelfarbe aufnehmen.

Der Innenhof der Stadtbücherei  soll frei von Bebauung und weiter der beliebte Aufenthaltsort bleiben.  

Im Innern besticht der Entwurf durch lichte, leichte und moderne Verbindungen mit Sichtbezügen von und zu den einzelnen Ebenen. Auf jeder Ebene sollen die Besucher barrierefrei rundherum laufen können. Foyer und Café bleiben die zentralen Anlaufstellen, um die Stadtbücherei zum „   Dritten Ort“ nach Wohnung und Arbeitsplatz  zu machen.

Spielzonen für Kinder sind geplant, ebenso wie Einzelplätze und Gruppenplätze – sie heißen Makerspace  – zum Lernen. Eine breite Treppe verbindet Ebenen und lädt zum Sitzen und Lesen ein. Ein Veranstaltungsraum ist im Dachgeschoss untergebracht,  er kann knapp unter 200 Personen beherbergen.

Spannend werden die Grabungen im Untergeschoss, wo Historiker die Reste einer Jesuitenkapelle verorten. Über die möglichen Funde wollen Bierich und Klipfel  eine gläserne Brücke spannen und so die Relikte der Vergangenheit in die Gegenwart transportieren.

Bürger regten bei der Vorstellung der Pläne im Neckar Forum an, Betonflächen zu vermeiden und auch die Verhältnisse vor der Bücherei barrierefrei zu gestalten. Weiter geht die Bürgerbeteiligung mit einem  Expertengremium aus mehreren Bereichen,  Lesern und Nutzern der Bibliothek. Ende 2022 sollen die Bauarbeiten beginnen. Wallbrecht rechnet mit einer Bauzeit von rund vier Jahren, abhängig auch von den  Funden im Untergeschoss.

Die temporäre Unterbringung der Bücherei ist geregelt: Sie zieht ins Gebäude der Stadtwerke Esslingen in der Weststadt, sobald deren Neubau in der Fritz-Müller-Straße  fertig ist. Bürgermeister Wallbrecht stellte noch eine innerstädtische „Filiale“ der Bücherei mit einem kleinen Café in Aussicht. Man sei dabei, sich in der Altstadt nach geeigneten Räumen umzusehen.  bob / Foto: bul


Saison mit vielen Fragezeichen

Die Zweitliga-Basketballer der Kirchheim Knights stehen in Corona-Zeiten vor einer außergewöhnlichen Runde

Es sind herausfordernde Zeiten, auch oder gerade im Spitzensport. Dies lässt sich etwa im Basketball ablesen. Nach Auftreten der Corona-Pandemie wurde in Deutschland die Zweitliga-Saison abgebrochen. Nach einigen Turbulenzen schicken sich Liga und Vereine nun an, in eine neue Runde zu starten. Es ist  ein Experiment. Wie es ausgeht? Unsicher. Und doch sind sie auch bei den Kirchheim Knights wieder heiß auf Sport – unter ungewohnten Bedingungen, mit zusätzlichen finanziellen Risiken, aber mit Zuversicht und Ehrgeiz.

Knights-Geschäftsführer Chris Schmidt macht sich nichts vor: „Wir müssen uns auf eine unruhige Saison einstellen.“ Dies bezieht er auf die Rahmenbedingungen in Corona-Zeiten, selbst ein Saisonabbruch sei nicht auszuschließen.  Zunächst darf aber wahrscheinlich mit Zuschauern gestartet werden. Für die Knights geht es am Samstag, 17. Oktober, mit einem Heimspiel gegen Science City Jena  los (19 Uhr). 300 bis 350 Zuschauer dürften mit gebührendem Abstand und bei Einhaltung des Hygienekonzepts in die Sporthalle Stadtmitte – etwa ein Fünftel der eigentlichen Kapazität. Angesichts der aktuellen Entwicklung könnte es sogar Spiele ohne Zuschauer geben. Da sich der Kirchheimer Zweitligist in wesentlichem Umfang über Ticketerlöse finanziert, wird die Krux klar. Auch die Einnahmen aus dem Catering werden fehlen. „Wir haben wirtschaftlich sehr konservativ agiert und gehen davon aus, einigermaßen durchzukommen“, sagt  Schmidt.

Nach dem Abbruch der vergangenen Saison war der Verein auf staatliche Corona-Soforthilfe angewiesen, Geschäftsstellen-Mitarbeiter und die Trainer  mussten in Kurzarbeit. Die hat zum Saisonstart nun ein Ende. Und auch die Mannschaft ist gleich voll gefordert, schließlich zählt Schmidt Jena neben Rostock und Bremerhaven zum Favoritenkreis. Wobei auch hier Unsicherheit mitschwingt. „Die Kräfteverhältnisse haben sich wegen Corona verschoben.“

Auf ein konkretes Saisonziel der Knights will sich der Geschäftsführer nicht festlegen, doch Zuversicht ist zu erkennen: „Wir haben ein richtig starkes Team auf die Beine gestellt.“ Wobei bei Redaktionsschluss noch eine Position vakant war. Nachdem Spielmacher Nico Brauner nach einem Mittelfußbruch wohl noch bis Anfang Dezember ausfallen wird, sind die Knights  auf der Suche nach einem Ersatz. Laut Schmidt wird es ein junger, talentierter, deutscher Spieler.

Nicht nur im Kader gab es viel Bewegung, auch an der Seitenlinie steht ein Neuer: Trainer Igor Perovic kam aus Elchingen und hat Bundesligaerfahrung. „Er hat einen exzellenten Ruf, Spieler individuell weiterzubringen“, sagt Schmidt. Perovic zur Seite steht Co-Trainer Brian Wenzel.

Mit Brauner, Tim Koch, An dreas Nicklaus, Till Pape, Mirsad Haziri, Kevin Wohlrath und Andreas Kronhardt stehen einige bekannte Gesichter im Kirchheimer Kader. Neu dabei sind Kyle    Leufroy, Karlo Miksic, Jalen Fouda und Tidjan Keita. Kurzfristig ist auch Max Mahoney zum Team gestoßen. Der Center ersetzt den eigentlich für diese Position vorgesehenen Ed Morrow, der nach diagnostizierter schwerer Knieverletzung wieder in die USA zurückgekehrt ist.

15 Mannschaften treten in der zweiten Basketball-Bundesliga an – eine unter der Sollstärke und zwei weniger als in der Vorsaison. Während Chemnitz aufgestiegen ist, gab es aus der Bundesliga keine Absteiger. Und Schalke 04 hat sein Team wegen finanzieller Probleme zurückgezogen. Nun rechnet Schmidt mit nur einem Zweitliga-Absteiger. Doch mit dem Abstieg wollen die Knights nichts zu tun haben. Trotz aller Zurückhaltung: Ein Play-off-Platz ist im Bereich des Möglichen. Doch im sportlichen Wettstreit galt schon immer: Ausgang ungewiss.  ch / Foto: Tanja Spindler


Abgestimmt

Um die Corona-Infektionszahlen zu senken, werden mancherorts Gaststätten früher geschlossen und der Alkoholausschank verboten. Kann das helfen?

Foto: dpa

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