Die Glocken läuten wieder

Nach neun Monaten ist der Turm der Aegidiuskirche in Baltmannsweiler saniert

Wie frisch aus dem Ei gepellt zeigt sich der Turm der Aegidiuskirche in Baltmannsweiler. Nach knapp neun Monaten ist seine Sanierung fertiggestellt. Behoben wurden dabei auch Schäden, die fast 400 Jahre alt waren.

Nach außen hin sichtbar ist, dass die Fassade gestrichen, das Ziffernblatt der Turmuhr neu vergoldet und die Schallläden erneuert  wurden. Dafür habe es „viel alte Handwerkskunst“ gebraucht, sagt Pfarrer Jonathan Dörrfuß. Die wichtigsten Arbeiten fanden aber im Inneren des denkmalgeschützten Turms statt, der 1507 erbaut wurde – etwas später als das Kirchenschiff mit Baujahr 1486. Im Jahr 1648, am Ende des 30-jährigen Krieges, haben französische Soldaten ein Feuer in der Kirche gelegt, dessen Flammen auch dem Kirchturm zusetzten. Die damals entstandenen Risse und Brüche waren bis heute nicht fachgerecht saniert und wurden erst 2017 im Zuge von Taubenschutzmaßnahmen entdeckt.

An den Schäden haben die Experten mit viel Aufwand gearbeitet. Teilweise haben sie gebrochene Steine mit Edelstahlnadeln zusammengeschraubt, teils ersetzt. Fugen wurden erneuert, Lücken gefüllt. Außerdem wurden in den 1960er-Jahren aufgebrachte, heute nicht mehr zulässige Holzschutzmittel aus dem Gebälk entfernt. Noch nicht fertig sind die Glocken: Zwei von ihnen bekommen neue hölzerne Joche, deren Lieferung sich verzögert hat. Diese Arbeiten könnten aber problemlos nachträglich durchgeführt werden, erklärt der Pfarrer, der hofft, dass zum ersten Advent nach neun Monaten Schweigen wieder Glockengeläut zu hören sein wird.

Der Naturschutz spielte bei der Sanierung ebenfalls eine wichtige Rolle. Für das regelmäßig im Turm brütende Turmfalken-Paar hat man am Pfarrhaus Ausweichquartiere angebracht, die es leider nicht annahm. Die Vögel seien aber immer wieder im Dorf gesehen worden, berichtet Dörrfuß, sie haben sich wohl an anderer Stelle niedergelassen. „Die Chancen sind sehr gut, dass die Falken nächstes Jahr wieder einziehen“, hat der Pfarrer von der beauftragten Biologin erfahren. Neu entdeckt wurden  Spuren von Fledermäusen, unter anderem vom seltenen Grauen Langohr. Für sie wurden Quartiere im Turm eingerichtet.

Die Kosten für den Naturschutz lagen schließlich deutlich höher als geplant, die Steinmetzarbeiten waren dafür günstiger. Unterm Strich liege man nach aktuellem Stand im Kostenrahmen, sagt Dörrfuß. Die Gesamtkosten für die Sanierung wurden mit rund 340 000 Euro berechnet, die bürgerliche Gemeinde trägt davon 145 000 Euro, die Evangelische Landeskirche und der Kirchenbezirk tragen 76 000 Euro. Bleibt ein Eigenanteil von 118 000 Euro für die Verbundkirchengemeinde Baltmannsweiler. Ihr Ziel, 65 000 Euro durch Spenden aufzubringen, hat sie bereits erfüllt: Momentan beträgt der Spendenstand 67 313 Euro. Seit dem Jahr 2017 war mit verschiedensten Aktionen – von Flohmärkten übers Frühlingsdinner bis zum Sockenstricken – Geld gesammelt worden. Fürs „Kleingeldfasten“, bei dem die Bürger sieben Wochen lang die Münzen aus ihren Geldbeuteln räumten und spendeten, hat die Gemeinde sogar den Fundraisingpreis der Landeskirche und damit auch 1500 Euro Preisgeld gewonnen. Hinzu kamen viele kleine und große Spenden von Einzelpersonen und Firmen.

Eine Baustelle ist geschafft, eine weitere steht der Evangelischen Kirchengemeinde noch bevor: Auch das Dach auf dem Kirchenschiff braucht eine Erneuerung. Dafür müsse man zunächst „durchschnaufen“ und ansparen, sagt Dörrfuß.  aia / Foto: aia

Info: Am ersten Advent wird die Turmsanierung gefeiert:  coronabedingt aber nur mit einem Gottesdienst im Freien. Ab 10 Uhr trifft man sich auf der Kirchstraße, die dafür gesperrt wird.


Großer Wurf

Die Schullandschaft in Esslingen ist in Bewegung – Neue Gebäude in Zell und auf dem Zollberg 

Die Stadt Esslingen  verbessert  ihre Schulinfrastruktur. Es werden neue Gebäude  errichtet, andere werden erweitert oder modernisiert. Dafür investiert die Stadt bis ins Jahr 2025 rund 69 Millionen Euro.

Das größte Paket mit insgesamt 19,14 Millionen Euro betrifft das Projekt Gemeinschaftsschule Innenstadt. Die zukünftig fünfzügige Gemeinschaftsschule an den zwei Standorten Schillerpark und Klaraanlage soll eine dreizügige gymnasiale Oberstufe erhalten. Die endgültige Zusage des Kultusministeriums steht zwar noch aus, trotzdem soll am Gebäude  Blumenstraße 31  das Dach ausgebaut werden. Im Schillerpark ist ein  Anbau geplant. Die Bauarbeiten sollen kommenden Februar  in der Klaraanlage beginnen und mit dem letzten Bauabschnitt am Schillerpark zum Jahresende 2024 abgeschlossen werden.

 14,4 Millionen Euro sind für den Neubau der Grundschule Zell veranschlagt, der voraussichtlich im Januar 2023 fertig sein wird.

Weitere 14 Millionen Euro plant die Stadt für einen neuen Hauptbau an der Zollberg-Realschule  ein, der das  PCB-belastete alte Gebäude ersetzen wird. Derzeit läuft der Unterricht auf dem Zollberg vornehmlich in Containern. Die Planung des Neubaus läuft auf Basis  einer  Dreizügigkeit mit der   Möglichkeit,  auf vier Züge zu erweitern. Der neue Hauptbau soll zum Schuljahr 2024/2025 bezugsfertig sein.

 Seit diesem Schuljahr  gibt es die „Neue Schule Esslingen“, eine Realschule  am Standort der ehemaligen  Adalbert-Stifter-Schule in der  Pliensauvorstadt. Für 10,5 Millionen Euro bekommt diese einen Neubau, zum Schuljahr 2023/2024 soll so eine Dreizügigkeit ermöglicht werden.

9,14 Millionen Euro kostet die Erweiterung der  Grundschule Katharinenschule, um diese von drei auf vier Züge auszubauen. Außerdem erfolgt eine Generalsanierung, das Dachgeschoss wird um 400 Quadratmeter ausgebaut, eine Mensa kommt hinzu. Die Bauarbeiten haben bereits begonnen, sie sollen im Januar 2022 abgeschlossen sein.

Ebenfalls Sanierungsbedarf hat die Grundschule Mettingen. Dort soll das Dachgeschoss ausgebaut werden, um zusätzliche Raumkapazitäten zu schaffen. Kostenpunkt: rund 800 000 Euro.

Ein neues und laut Verwaltung attraktives Konzept für eine Ganztagsschule bekommt das Georgii-Gymnasium. Die bisherige Hausmeisterwohnung wird für den Ganztagsbetrieb ausgebaut. Das Konzept sieht auch vor, die Lern- und Aufenthaltsbereiche besser mit Neubau, Altbau und Mensa zu verbinden. Der Lernbereich soll im Schuljahr 2021/2022, die Aufenthaltsbereiche sollen 2025/2026 umgesetzt sein. Investitionen in Höhe von 780 000 Euro sind dafür notwendig.

Insgesamt will die Stadt mit diesem Plan die schulische In­frastruktur nicht nur erweitern, sondern auch  modernisieren. So sollen meist auch die energetische Bilanz verbessert, Barrierefreiheit geschaffen, Brandschutzvorgaben und  teils recht hohe Denkmalschutzanforderungen  erfüllt werden.

Als gutes Beispiel dafür nennt Esslingens Schulbürgermeister Yalcin Bayraktar die  Katharinenschule und die Gemeinschaftsschule in der Innenstadt  mit insgesamt drei denkmalgeschützten Gebäuden aus der Gründerzeit.

Laut Bürgermeister Bayraktar werden an den drei Standorten all diese genannten Anforderungen an die Infrastruktur erfüllt. „Es entstehen am ganztägigen Lebensort Schule moderne, großzügig erweiterte Schulgebäude mit hoher Aufenthaltsqualität. Sie ermöglichen eine innovative differenzierte Schulpädagogik mit neuesten pädagogischen Raumkonzepten.“  bob/red / Foto: bul


Hoffnung auf Reaktivierung

Studie des Landes sieht große Chancen für die Bahnstrecke Kirchheim–Weilheim – Hohe Zuschüsse winken

Seit vielen Jahren liegen die Bahnstrecken von Kirchheim nach Weilheim sowie von Göppingen nach Bad Boll im Dornröschenschlaf. Immer wieder waren eine Reaktivierung sowie der Neubau eines Verbindungsstücks zwischen Weilheim und Bad Boll diskutiert und wegen fehlender Wirtschaftlichkeit verworfen worden. Nun hat eine Studie des Landes den beiden Strecken und dem Ringschluss Göppingen–Kirchheim ein sehr hohes Potenzial attestiert. Zudem wurden hohe Zuschüsse für Bau- und Betriebskosten angekündigt. Eine  stark geförderte Machbarkeitsstudie soll nun offene Fragen klären.

Im Jahr 1908 eröffneten die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen die Bahnstrecke von Kirchheim-Süd  nach Weilheim.  Der Personenverkehr nach Weilheim wurde 1982 auf Busse umgestellt, bis 1994 gab es noch Güterverkehr  bis Holzmaden, 1995 folgte das  Aus. Ein ähnliches Schicksal ereilte die Strecke Göppingen– Bad Boll. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg in Planung, wurde die Strecke 1926 eröffnet,  1989 fuhr der letzte planmäßige Personenzug. Ein Weiterbau nach Weilheim war bereits zu Anfang geplant, wurde jedoch nie realisiert.

In den vergangenen Jahren waren immer wieder Überlegungen angestellt worden, die beiden Strecken zu reaktivieren und auch die Verbindung Weilheim–Bad Boll zu bauen. Allerdings wurden die Planungen stets wegen hoher Baukosten und mangelnder Rentabilität wegen  als zu niedrig erachteter Fahrgastzahlen wieder verworfen.

Ein aktuelles Gutachten der Landesregierung wirft nun ein neues Licht auf das Projekt und gibt der Hoffnung auf eine Reaktivierung der Strecken und eine durchgehende Linie Göppingen–Kirchheim neuen Auftrieb. Bei dieser Analyse des Fahrgastpotenzials für 42 stillgelegte Bahnstrecken im Land wurde für diese Linie eine sehr hohe Nachfrage attestiert, mindestens 1500 Nutzer täglich wurden errechnet. Eine Reaktivierung könne helfen, die Mobilität mit öffentlichen Verkehrsmitteln im ländlichen Raum attraktiver zu gestalten und somit auch zum Klimaschutz beizutragen. Wie Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) bei der Vorstellung des Gutachtens betonte, sind die Bedingungen für die Streckenreaktivierung äußerst günstig. Das Land beteiligt sich mit Zuschüssen von bis zu 96 Prozent an den Baukosten und übernimmt bei starker Nachfrage auch die Betriebskosten. Allerdings müssen die beteiligten Kommunen initiativ werden und eine Machbarkeitsstudie vorlegen. Diese Studie wiederum fördert das Land mit 75 Prozent der Kosten.

Der Landkreis Esslingen wollte zunächst keine Euphorie aufkommen lassen. „Die positive Einschätzung des Landes zur Reaktivierung dieser Bahnstrecke hat uns überrascht“, sagt Kreissprecherin Andrea Wangner. Der Kreis halte es für wichtig, die Pläne unter den Aspekten der Machbarkeit und der Wirtschaftlichkeit zu betrachten. Der Landkreis Göppingen hat dafür in der vergangenen Woche  zu einer Konferenz von Vertretern der Landkreise und der Anliegerkommunen eingeladen. Wie Clarissa Weber, Sprecherin des Landkreises Göppingen, berichtet, soll nun eine Studie mehr Klarheit schaffen. Göppingens Landrat Edgar Wolff sehe dabei eine „äußerst günstige Perspektive, schon bald Klärungen dieser für die Mobilität der Zukunft wichtigen Fragestellungen zu erzielen“, sagt Weber.  pst / Foto: pst


Abgestimmt

In mancher Stadt wird darüber nachgedacht, Silvester-Feuerwerk zu verbieten – um in Corona-Zeiten größere Menschenansammlungen zu verhindern. Ein gute Idee?

Foto: dpa

Silvester ohne Böller?

  • Ja! (70% )
  • Nein! (30% )
Loading ... Loading ...


Aussicht auf ruhigere Zeiten

Lärmbelastung für die Bürger der Stadt Owen soll sinken – Tempo 30 in absehbarer Zeit möglich

Die Bürger der Stadt Owen leiden seit Jahren unter dem Lärm des starken Verkehrs auf der B 465 und der L 1210. Im Jahr 2014 wurde ein   Lärmaktionsplan erstellt, der 2018 fortgeschrieben wurde. Laut dem Gutachten sind Hunderte von Einwohnern dauerhaft gesundheitsschädlichen Lärmpegeln ausgesetzt. Damit sind Bund und Land verpflichtet zu handeln. Owens Bürgermeisterin Verena Grötzinger geht davon aus, dass nun in absehbarer Zeit auf den Durchgangsstraßen die erlaubte Geschwindigkeit auf 30 Kilometer je Stunde gedrosselt werden kann.

Die Verkehrslast auf der B 465 und einem Teilstück der L 1210 in Owen bringt enorme gesundheitliche Gefahren für die Anwohner mit sich. Nach den  Berechnungen des Fachbüros Soundplan, die die Grundlage für die aktuelle Fortschreibung des Lärmaktionsplans der Stadt bilden, sind in den Nachtstunden 255 Einwohner einer Lärmbelastung von mehr als 60 dB(A) und damit  Gesundheitsgefahren ausgesetzt. Außerdem leben 138 Einwohner im gesundheitskritischen Bereich zwischen 55  und 60 dB(A). Am Tag  leben 184 Menschen mit einer gesundheitsgefährdenden Lärmbelastung von mehr als 70 dB(A). Zudem leben 193 Einwohner im gesundheitskritischen Bereich zwischen 65  und 70 dB(A).

Angesichts dieser Werte sind die Fachbehörden in der Pflicht zu handeln. Mit  dem Beschluss des Lärmaktionsplans 2014 durch den Gemeinderat hatte die Stadt bereits eine Geschwindigkeitsreduzierung auf Tempo 30 bei Nacht beantragt und dazu selbst einiges zur Lärmminderung getan. So wurde etwa der Fahrbahnbelag der B 465 saniert. „Dabei kann die Stadt Owen  Maßnahmen zur Lärmminderung  in so gut wie allen Bereichen nicht in eigener Zuständigkeit umsetzen, sondern ist von anderen Verantwortungs- und Entscheidungsträgern, etwa Fachbehörden und Straßenbaulastträgern abhängig“, sagt Grötzinger. Die Fortschreibung des Lärmaktionsplans,  mit der sich der Gemeinderat in Kürze beschäftigen wird, habe  bestätigt, „dass Tempo 30 bei Nacht umgesetzt werden muss. Die Lärmwerte ergeben ebenfalls, dass auch eine Überschreitung bei Tag vorliegt, weshalb eine dauerhafte Reduzierung der Geschwindigkeit zu empfehlen wäre“, betont die Bürgermeisterin.

Derzeit befindet sich der Entwurf der Fortschreibung des Lärmaktionsplans in der öffentlichen Auslegung und wird danach vom Gemeinderat   beschlossen. Diese Fassung stelle auch die von den Fachbehörden geforderte Ergänzung der Unterlagen zur beantragten Geschwindigkeitsreduzierung auf Tempo 30 bei Nacht dar. Sollte der Antrag positiv beschieden werden, könne mit einer  Verbesserung der Situation gerechnet werden, ist Grötzinger überzeugt. Die Stadt rechne mit einer Zeitspanne von etwa sechs Monaten bis zur Entscheidung über den Antrag auf Tempo 30.

Allerdings hält Grötzinger es  für „zwingend erforderlich“, zudem die Anzahl der Fahrzeuge in der Ortsdurchfahrt zu reduzieren. „Einige Maßnahmen, wie auch das 24-Stunden-Durchfahrtsverbot für Lkw, wurden allerdings von der zuständigen Fachbehörde abgelehnt“, beklagt Grötzinger. Der große Wurf indes, die Verbannung des Durchgangsverkehrs aus der Stadt mittels einer Umgehungsstraße, wird weiter auf sich warten lassen. Als Vorhaben aus dem Bundesverkehrswegeplan werde frühestens 2025 in die Planungen dafür eingestiegen, sagt Verena Grötzinger.   pst / Foto: pst


Teuerstes Projekt für die Stadt

Neubau der Sporthalle Nellingen startet – 950 Zuschauerplätze maximal – Für Leistungs- und Schulsport

Für die Stadt Ostfildern startet mit dem Neubau der Sporthalle in Nellingen die größte Investition der Stadtgeschichte. Für 12,65 Millionen Euro baut Ostfildern eine Sporthalle für Schul- und Leistungssport, die die Sporthalle 1 ersetzt. Ab Dezember soll das Baufeld freigemacht werden.

In der vergangenen Woche hat der Gemeinderat Ostfildern einen Knopf an die Sache gemacht: Er stimmte einstimmig   dafür, den Stuttgarter Bauunternehmer Rommel und die Zoll Architekten aus Stuttgart mit dem Bau der Halle zu beauftragen. Damit setzten die Gemeinderäte auch den Schlusspunkt unter    gut zehn Jahre andauernde Planungen.

Die neue Halle, die im Dezember 2022 fertig sein soll, wird neben dem Anlagensee errichtet. Der zweigeschossige barrierefreie Bau wird sowohl leistungs- als auch schulsporttauglich geplant.   950 Zuschauerplätze sind vorgesehen, aufgeteilt  auf 750 Sitzplätze auf einer Tribüne und einer bei Bedarf aufgebauten Teleskoptribüne sowie weiteren 200 Stehplätzen. Die  Halle  ist dreigeteilt, es gibt einen teilbaren Multifunktionsraum mit Anbindung an eine der beiden Theken, der auch als sogenannter VIP-Raum genutzt werden kann.

Ein zusätzlicher Raum ist als Besprechungs- und Dopingkontrollraum ausgewiesen. Dieser innovative Raum kann dann außerhalb des Leistungssportbetriebs  vom Schulsport genutzt werden – als Theorieraum für Lehrer und Schüler beim Sport-Abitur beispielsweise. „Die Baumaterialien sind Holz, Beton, Sichtbeton und Linoleum“, erklärt Peter Heinzmann,  der Leiter der Abteilung Technisches Gebäudemanagement im Fachbereich 4 der Stadtverwaltung (Bauen, Immobilien). Eine blendfreie helle Außenfassade werde überdies viel Licht ins Innere fluten lassen. Technisch ist die Halle auf Energieersparnis konzipiert. Das Dach wird mit Fotovoltaik ausgestattet. Vier Lüftungsanlagen sorgen für Frischluft. Mehrere Heiztechniken wärmen das Gebäude: Es werden klassische Heizkörper sowie Fußbodenheizungen und auch Deckenstrahlplatten verbaut.

„Das Gebäude ist nahezu CO2-neutral“, erklärt Heinzmann. „Energetisch eine gute Halle.“

Ein Übriges tut die Anbindung an die Nahwärmeversorgung des  Hallenbads Nellingen. Die Fotovoltaik-Anlage wird künftig  in Kooperation mit der Bürgerenergie betrieben –  wie bei der Grundschule in Ruit. Die gute energetische Bilanz war denn auch ausschlaggebend für die günstigen Konditionen bei der KfW-Bank. „Wir bekommen einen Kredit zu 0,01 Prozent Zinsen“, sagt Oberbürgermeister Christof Bolay.  Noch besser wäre es, würden   Fördergelder aus dem Bundestopf fließen. Dafür habe sich die Stadt nun zum dritten Mal beworben, sagt Bolay. Das erste Mal vor fünf Jahren erhielt die Stadt Esslingen die Fördersumme für den Sportpark Weil. Beim zweiten Versuch flossen die Gelder nach Filderstadt. Große Chancen auf  Förderung sieht Bolay auch jetzt nicht. Das Projekt sei aber nicht mehr aufschiebbar, da die alte Sporthalle 1  aufgrund ihrer Mängel nicht mehr lange betrieben werden könne.

Mit den Baunebenkosten und dem Abbruch der alten Sporthalle rechnet Bolay mit insgesamt 14 Millionen Euro.  bob / Foto: Visualisierung Reinraum


Abgestimmt

Ein Impfstoff gegen Covid 19 könnte in Kürze zur Verfügung stehen. Würden Sie sich gleich impfen lassen? Stimmen Sie hier ab.

Foto: dpa

Gleich impfen lassen?

  • Nein! (83% )
  • Ja! (17% )
Loading ... Loading ...


Viel Verbesserungspotenzial

Die Diskussionen zur Entwicklung des Plochinger Bahnhofs drehen sich um Vorplatz, Busbahnhof und Verkehrsführung

Der  Plochinger Bahnhof soll zur Mobilitätsdrehscheibe werden, die öffentliche und private Verkehrsmittel miteinander verknüpft. Er soll attraktiver und barriereärmer werden, ebenso wie sein Vorplatz und der Busbahnhof. Und dann ist noch die entscheidende Frage zu klären, die Plochingens Bürgermeister Frank Buß so formuliert: „Welcher Verkehr soll künftig in diesem Bereich fließen?“ In ihrer Entscheidungsfindung wurde die Stadt gerade zum zweiten Mal durch Corona ausgebremst.

Derzeit wird die Fassade des Bahnhofs renoviert. Im Rahmen des Bahnhofsmodernisierungsprogramms II geht es aber auch um Wegebeziehungen, Barrierefreiheit und eine generelle Modernisierung. Ein weiterer Baustein betrifft die Übergänge zu anderen Verkehrsmitteln, also beispielsweise Park- und Halteplätze, Elektroladesäulen oder Fahrradstellflächen. Die Stadt müsste sich bei diesem Programm finanziell beteiligen, bekäme aber auch Fördermittel in erheblichem Umfang. Weil diese bis Ende Oktober 2021 beantragt sein müssen, muss sie sich sputen.

Weiterentwickelt werden soll aber auch das Bahnhofsumfeld, wobei die Verkehrsführung die zentrale Frage ist. Schon vor Jahren hat der Gemeinderat die Idee diskutiert, die Verkehrsachse aus der Esslinger Straße hierher zu verschieben, und zwar ab der ehemaligen Gaststätte Lamm. Vom Bahnhofsparkhaus bis zur Robert-Bosch-Straße ist die Eisenbahnstraße bereits entsprechend ausgebaut, und auch der aktuelle Umbau der Kreuzung zur Wilhelmstraße geht von einem Hauptverkehrsstrom in dieser Richtung aus. Zudem wird eine Abbiegespur eingerichtet, die Parkhauszufahrt ist bereits verlegt – beides soll einem reibungslosen Busverkehr dienen.

In ihrem westlichsten Teil müsste die Eisenbahnstraße noch ausgebaut werden, vor allem aber im östlichen Teil, der jetzt eine Einbahnstraße ist. Dort hat die Stadt nach langwierigen Verhandlungen die Grundstücke zwischen Fahrbahn und Gleis eins von der Bahn erworben  und im Sommer die nicht mehr genutzten Gebäude abgebrochen. Lediglich ein Haus ist noch im Privatbesitz. Dieses wäre einem zweispurigen Ausbau im Weg, aktuell steht aber ohnehin nur eine Interimsnutzung der freigeräumten Flächen an: Sie sollen für Pkw- und Bus-Stellplätze und für ein Fahrradparkhaus hergerichtet werden.

Die Verlagerung des Verkehrs in die Eisenbahnstraße würde die dort wohnenden Menschen stärker belasten. Es sind aber weitaus weniger als in der Esslinger Straße entlastet würden. Das Zentrum hätte weniger Verkehr, die Esslinger Straße könnte zur attraktiven Fahrradroute werden. Aber zu einem Bahnhofsvorplatz mit Aufenthaltsqualität passt diese Verkehrsführung wiederum nicht. Die Offene Grüne Liste hat deshalb eine andere Idee ins Gespräch gebracht: die Esslinger Straße als Einbahnstraße in Richtung Altbach auszuweisen, die Eisenbahnstraße als Einbahn in der Gegenrichtung. Damit habe man lediglich eine Fahrspur vor dem Bahnhof und mehr Gestaltungsspielraum.

Um das abwägen zu können, hätten Verwaltung und Gemeinderäte gerne Zahlen, die sie sich vom bereits begonnenen Verkehrskonzept MOVE erhoffen. Dieses soll unter anderem ein Rechenmodell liefern, mit dem verschiedene Szenarien durchgespielt werden können. Bürgermeister Frank Buß bedauert deshalb sehr, „dass wir die Bürgerbeteiligung für MOVE zweimal verschieben mussten“. Zwingend ist sie zwar nicht, aber bei „so einer wichtigen Zukunftsfrage“ einfach angemessen, meint er. Jetzt ist die Stadtverwaltung gerade dabei, eine alternative Form der Bürgerbefragung, online oder auf Papier, vorzubereiten.  aia / Foto: aia


Insektensterben äußerst dramatisch

Eine Langzeitstudie am Randecker Maar bringt laut Forschern niederschmetternde Ergebnisse – „Völlig verfehlte Agrarpolitik“

Das Insektensterben hat weit größere Dimensionen erreicht, als das Experten bislang angenommen haben. Das belegt eine Studie, die Wulf Gatter, der langjährige Leiter der Forschungsstation für Vogel- und Insektenzug am Randecker Maar (Landkreis Esslingen), vor Kurzem  vorgestellt hat. Sie weist bei den  Schwebfliegen-Arten, deren Larven sich von Blattläusen sowie weiteren kleinen Insekten und Milben ernähren, seit dem Jahr 1970 einen Rückgang von 97 Prozent nach. Bei den ebenfalls erfassten Waffenfliegen und den parasitischen Schlupfwespen ist das Minus mit 84 beziehungsweise 86 Prozent nicht viel geringer.

„Was wir heute noch sehen ist niederschmetternd“, sagte Gatter  bei der Landespressekonferenz im baden-württembergischen Landtag in Stuttgart. „Eigentlich lohnt es sich gar nicht mehr, Fangreusen für Insekten aufzustellen, weil  es so wenige sind.“ Wo noch vor 40 oder 50 Jahren mit Tausenden nach Süden ziehender Schwebfliegen  die Luft regelrecht flimmerte, stoße man  heute nur noch auf wenige Exemplare, sagt der 76-Jährige, der für seine Verdienste Anfang des Jahres zusammen mit seiner Frau Dorothea mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden war.

Große Aussagekraft

Für Professor Lars Krogmann vom Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart hat die europaweit einmalige Langzeitstudie, die auf einem standardisierten Zählverfahren basiert und Vergleiche zwischen den 1970er- und den 2010er-Jahren zieht, große Aussagekraft. Die Ergebnisse repräsentierten nicht nur die lokale Insektenwelt rund um die Forschungsstation und nicht nur wenige dort vorkommende Lebensraumtypen. Sie zeigten vielmehr, dass es sich bei den drastischen Rückgängen um ein großräumiges Phänomen handele. Krogmann sprach von einer „dramatischen Verarmung der Insektenfauna“. In Deutschland gibt es nach seinen Angaben rund 33 000 Insektenarten. Diese seien „enorm wichtig für unser Ökosystem und damit für unser aller Überleben“. Das Verhältnis der Menschen zu den Insekten sei zwiespältig, meist würden die Tiere, beispielsweise Wespen, als ausgesprochen lästig empfunden.

2017 hatte die sogenannte Krefeldstudie nicht nur die Fachwelt, sondern die ganze Öffentlichkeit aufgeschreckt. Sie zeigte damals auf, dass die Insekten-Biomasse in nur 27 Jahren um 75 Prozent zurückgegangen sei. Die Politik habe zwar gleich im  Jahr darauf begonnen, mit Gesetzen und Förderprogrammen gegenzusteuern, berichtete Krogmann. Doch die jetzige Studie belege: „Nichts ist auf einem guten Weg.“ Ursache des Übels ist für den Insekten-Fachmann, der als Experte für parasitische Wespen auch an der Universität Hohenheim tätig ist, eine „völlig verfehlte Agrarpolitik“, die intensive Nutzung fördere statt bremse.

Als „einen katastrophalen Spiegel unseres menschlichen Umgangs mit der Natur“ bezeichnet Markus Rösler die Studie. Er gehörte früher selbst zu den mittlerweile rund 600 Ehrenamtlichen, die seit den 1970er-Jahren in der Forschungsstation Randecker Maar mithelfen, Vögel und Insekten zu erfassen. Heute ist er als naturschutzpolitischer Sprecher der Grünen im baden-württembergischen Landtag tätig. Die Studie über  Schwebfliegen sei exemplarisch für den Verlust von Quantität und Vielfalt der Insekten zu werten. Das  auf der Albhochfläche gelegene Maar wirke wie ein Trichter.

Die dramatischen Verluste sind nach seiner Überzeugung Spiegel für die „großflächige Artenverarmung in unseren Kulturlandschaften über Tausende von Quadratkilometern“. Als wesentliche Ursache dafür sieht Rösler, dass die Streuobstflächen als wichtiger Lebensraum für die Insekten seit den 1950er-Jahren um etwa 80 Prozent zurückgegangen seien. Problem Nummer zwei sei die zunehmende Überdüngung der Böden.

Artenreiche Blumenwiesen

Baden-Württemberg habe die artenreichsten Blumenwiesen in ganz Deutschland und trage damit für deren Erhalt europaweit eine hohe Verantwortung. Rösler hält es für unabdingbar, sich stärker denn je für den Ausbau des Bio-Landbaus und den Verzicht auf Pestizide einzusetzen. Auch das Förderprogramm für biologische Vielfalt müsse fortgeführt werden.

Der Grünen-Politiker fordert deshalb, den Naturschutzetat des Landes von  100 auf 150 Millionen Euro aufzustocken. Das seien gerade mal 0,3 Prozent des Haushalts. „Der Stopp des Artenschwundes wird eine der zentralen Aufgaben für die nächste Landesregierung sein müssen, sagte Markus Rösler. Als „unsäglich“ bezeichnete er die aktuelle EU-Agrarreform. Seiner Ansicht nach müssten mindestens 30 Prozent der Fördergelder aus dem Agrarhaushalt der EU an Umweltleistungen gebunden sein.  hf / Foto: Wulf Gatter


„Sterben gehört zum Leben“

Arbeitsgemeinschaft Hospiz Kirchheim bietet Begleitung und Unterstützung – „Letzte Hilfe“-Kurs für Angehörige

Seit 26 Jahren begleiten Ehrenamtliche der Kirchheimer Arbeitsgemeinschaft Hospiz Menschen am Ende ihres Lebens, ob im Pflegeheim, im Krankenhaus oder aber zuhause. Für die ausgebildeten Begleiter steht im Vordergrund, sterbenden Menschen einen würdevollen Abschied zu ermöglichen. Daneben bietet die AG Hospiz Unterstützung und Beratung für Trauernde, Kurse für Pflegekräfte und nun auch Seminare für „Letzte Hilfe“. Dabei können Angehörige das Basiswissen für die Sterbebegleitung zuhause erwerben

„Unsere Arbeit will   Menschen  am Ende ihres Lebens  ein würdevolles Sterben ermöglichen, im Pflegeheim oder im Krankenhaus und möglichst in der vertrauten Umgebung zuhause.  Sterben gehört zum Leben, und wir müssen lernen, damit umzugehen“, sagt San­dra Beck,  die gemeinsam mit ihrer Kollegin Angelika Bauer als hauptamtliche Koordinatorin  der AG Hospiz arbeitet.

Die AG ist im Raum Kirchheim, Weilheim, Wendlingen und Lenninger Tal im Einsatz. Neben den beiden ausgebildeten Palliativfachkräften engagieren sich 35 ehrenamtliche Sterbebegleiter für die AG Hospiz. Sie besuchen und begleiten Sterbende in Pflegeheimen, Kliniken und zuhause, schulen Pflegekräfte, bieten  Spaziergänge und Gesprächsgruppen sowie ein Café für Trauernde, aber auch Beratung zu Vorsorgepapieren an. „Wir arbeiten eng mit zwölf Pflegeheimen zusammen, sie können auf uns zurückgreifen und sie informieren Angehörige, dass es uns gibt und dass wir sie ein wenig entlasten können“, sagt Beck.

Um den Menschen die Angst vor dem nahenden Tod eines Angehörigen zu nehmen und damit auch das Abschiednehmen zuhause zu erleichtern, bietet die AG Hospiz nun auch „Letzte Hilfe“-Kurse an.  Analog zu Erste-Hilfe-Kursen stehen dabei die Vermittlung von Basiswissen über das Sterben und den Tod sowie einfache Hilfestellungen im Umgang mit dem Sterben im Vordergrund. Damit sollen Angehörige schwerstkranke und sterbende Menschen in ihren letzten Stunden zuhause in der gewohnten Umgebung angstfrei begleiten können.

Sterbebegleitung sei „keine Wissenschaft, sondern praktizierte Mitmenschlichkeit“, für die man kein Krankenhaus benötige, sondern die  mit dem entsprechenden Grundwissen auch in der Familie möglich sei, weiß Beck. „Dazu kann man lernen, was auf einen zukommen kann. So ein Kurs kann es vorstellbar machen, was es heißt, einen geliebten Menschen in den Tod zu begleiten“, sagt die Fachfrau. Zu einem Lebensende gehöre auch der Lernprozess für die Angehörigen, dass das Sterben und der Tod eines Menschen „eine wertvolle Zeit für die Familie ist und der Angehörige ein Teil davon ist“, sagt Beck.

 Angehörige könnten lernen,  dass der Prozess des Sterbens emotional positiv besetzt ist. „Das bedeutet auch, Wertschätzung für den Sterbenden auszudrücken“, betont Beck. „Die Menschen können lernen, mit der Trauer umzugehen und zu verstehen, dass das Sterben dazugehört und dass jemand eines Tages nicht mehr da ist. Der Abschiedsprozess gehört zum Begreifen, und das kann man bewusst gestalten“, sagt Sandra Beck.  pst / Foto: Archivfoto „AG Hospiz Kirchheim“

Info: AG Hospiz Kirchheim, Telefon 0 70 21/9 20 92 27; Bereitschaftsdienst, Telefon 01 72/7 45 52 94, täglich 9 bis 18 Uhr; das Trauer-Café ist aus Infektionsschutzgründen derzeit geschlossen, der nächste „Letzte Hilfe“-Kurs kann erst im Frühjahr stattfinden (www.hospiz-kirchheim.de).