Impftermine für alle über 60

Betriebe zu Schnelltests für Mitarbeiter verpflichtet – Präsenzunterricht an Schulen angesichts hoher Inzidenzzahlen auf wackligen Beinen

Während im Bund und in den Ländern über eine Neujustierung von Zuständigkeiten diskutiert wird, während künftig Regelungen zur Corona-Notbremse bundeseinheitlich umgesetzt werden sollen, werden im Landkreis Esslingen die Verhältnisse bereits von den hohen Infektionszahlen diktiert. So gilt seit einer Woche eine nächtliche Ausgangsbeschränkung  von 21 bis 5 Uhr, nur mit triftigem Grund darf man sich in dieser Zeit außer Haus bewegen. Gastronomen schauen weiter in die Röhre, der Einzelhandel muss sich bis auf die Grundversorger auf einen Abholservice beschränken. Private Kontaktmöglichkeiten? Maximal fünf Personen aus nicht mehr als zwei Haushalten (Kinder bis einschließlich 14 Jahre zählen nicht mit). Wobei diese Regelung verschärft werden könnte (ein Haushalt mit einer weiteren Person). Museen, Theater, auch Zoos bleiben geschlossen. Und die Möglichkeiten, Sport zu treiben, bleiben ausgesprochen übersichtlich.

Zu Beginn der Woche ist an den Schulen im Landkreis wieder Leben eingekehrt, es gibt Präsenzunterunterricht – im Wechsel mit dem Lernen zuhause. Doch steigt die Sieben-Tage-Inzidenzmarke an drei Tagen hintereinander über 200, wird an Schulen und auch in den Kindertagesstätten die Notbremse gezogen. Unterricht gibt es dann wieder nur in der Online-Variante, betreut wird in den eigenen vier Wänden – von einer Notbetreuung abgesehen. Wird in Präsenz unterrichtet, gilt die sogenannte indirekte Testpflicht, das heißt, Zutritt zum Schulgebäude wird nur mit negativem Testergebnis gewährt.

Immerhin: Seit dieser Woche können in Baden-Württemberg alle Über-60-Jährigen einen Termin für die Corona-Schutzimpfung bekommen. Auch im Kreis Esslingen stehen immer mehr Impfdosen zur Verfügung. Und das Testen ist per Verordnung in den Unternehmen angekommen. Einige Betriebe im Kreis Esslingen haben ihren Mitarbeitern zwar schon vor der Verpflichtung Schnelltests angeboten, doch gibt es auch Kritik an der neuen Arbeitsschutzverordnung.

Für Frank Stuhlinger, geschäftsführender Gesellschafter bei der Firma Nägele in Denkendorf, ist es eine Frage des betriebswirtschaftlichen Denkens, ob er seinen Mitarbeitenden regelmäßig Corona-Tests anbietet: Er vergleicht die Kosten für Selbsttests von etwa fünf Euro pro Woche und Person mit der Gefahr, dass ein Mitarbeiter sich mit dem Virus infiziert und womöglich noch Kollegen ansteckt. „Für uns war es keine Frage, ob wir testen“, sagt der Chef des Betriebes für Elektroinstallationen bei Industriekunden mit 75 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ähnlich sehen es andere Unternehmen im Kreis Esslingen, wie die Industrie- und Handelskammer (IHK) und die Kreishandwerkerschaft erklären. Dennoch gibt es eben auch Kritik.

Gründe sind der organisatorische Aufwand und die Kosten,  die die Arbeitgeber tragen müssen. „Natürlich wäre es schön, wenn die Bundesregierung das finanziell unterstützen würde“, sagt etwa Clemens Schwickert, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Esslingen-Nürtingen. Besonders für kleinere Betriebe bedeute die Beschaffung  einen größeren Aufwand und höhere Preise. Froh sind die Vertreter der Wirtschaft aber, dass auch Selbsttests zulässig sind, nicht nur Tests durch geschultes Personal.  „So ist es viel flexibler für alle und angenehmer für die Betriebe“, sagt Christoph Nold, Geschäftsführer der IHK Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen. 

Mit der neuen Arbeitsschutzverordnung des Bundes wird auch die öffentliche Hand als Arbeitgeberin verpflichtet,   Mitarbeitern, die nicht im Homeoffice arbeiten, Tests auf das Coronavirus anzubieten.  Christoph Nold ist aber  überzeugt, dass auch ohne  Verpflichtung der Druck für alle Beteiligten hoch sei, zu testen und auf den Gesundheitsschutz zu achten. 

Nach Einschätzung von Benjamin Stein, Geschäftsführer der Gewerkschaft Verdi im Bezirk Fils-Neckar-Alb, achteten aber etwa 20 Prozent der Dienstleistungsbetriebe gar nicht oder nicht ausreichend auf den Arbeitsschutz. Das komme vor allem in mittelgroßen und kleineren Unternehmen ohne Arbeitnehmervertretung vor.  gg/ch / Foto: Ines Rudel


Eine kurze Liaison

Lichtenwalder Gemeinderat  beschließt  Ausstieg aus dem VHS-Verbund  mit Esslingen – Matrohs fordert Solidarität

Vor zwei Jahren ist die Volkshochschule (VHS) Lichtenwald nach 15 Jahren der Selbstständigkeit unter das Dach der VHS Esslingen geschlüpft. Damit sollten die Zahl der Unterrichtsstunden in der Gemeinde erhöht, der Verwaltungsaufwand vor Ort und nicht zuletzt die Kosten verringert werden. Doch nun ist die Liaison bereits wieder vorbei. Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung  mit knapper Mehrheit beschlossen, zum Jahresende aus dem Verbund auszutreten und künftig auf eine eigene VHS zu verzichten.

Zunehmende Kritik am Kursangebot und nicht zuletzt ein jährlicher Zuschussbedarf von mehr als 15 000 Euro hatte den Gemeinderat im Jahr 2019 zur Aufgabe der Selbstständigkeit der VHS bewogen. Der Vertrag, mit dem die VHS Lichtenwald zur Außenstelle der VHS Esslingen wurde, hat eine Laufzeit bis Ende dieses Jahres und sollte nun im Gemeinderat um fünf Jahre verlängert werden. Dabei stand auch eine Erhöhung der Zuschüsse an, die die Gemeinde für den Betrieb der VHS nach Esslingen abführen muss. Waren es bislang 99 Cent pro Einwohner und 4,67 Euro pro Unterrichtseinheit, erhöhen sich die Beträge ab 2022 um etwa zehn Prozent. „Wir zahlen jetzt einen Zuschuss von rund 5000 Euro, ab nächstes Jahr knapp 500 Euro mehr, das ist ein überschaubarer Betrag“, stellte Kämmerer Steffen Mayer fest.

Allerdings seien die bisherigen Besucherzahlen noch nicht aussagekräftig. Die Anfangsphase 2019 sei von Abstimmungen geprägt gewesen, 2020 von Corona. 2019 hätten daher bei 27 geplanten nur neun Kurse stattgefunden. 2020 waren es statt 37 geplanten Kursen mit 395 Unterrichtseinheiten nur fünf Kurse mit 30 Unterrichtseinheiten.

Doch die Räte wollten dies nicht einfach durchwinken. „Es ist gut und richtig, bei der VHS Esslingen zu sein, allerdings sollte geprüft werden, ob die Angebote dem Bedarf in Lichtenwald entsprechen oder ob nicht noch andere Themen angeboten werden können“, sagte Martina Häussermann (CDU). Überdies sei die Werbung für das Kursprogramm im Ort verbesserungswürdig. Beide Punkte kritisierten auch Constanze Pfaff (LBL) und ihr Fraktionskollege Armin Storz, der zudem monierte, dass das Programm entgegen der ursprünglichen Zusagen der VHS Esslingen nicht mit den Vereinen abgestimmt worden sei.

Michael Haueis (LBL) schließlich plädierte für einen Schlussstrich. „Ich habe Zweifel, ob wir in Lichtenwald eine VHS-Außenstelle überhaupt brauchen und schlage vor, auszutreten“, sagte er. „Die Kurse sind nicht Lichtenwald-spezifisch und die Bürger können sie identisch auch in Reichenbach, Plochingen oder Esslingen buchen. Das Geld können wir besser ausgeben oder auch sparen“, argumentierte Haueis.

Bürgermeister Ferdinand Rentschler warb indes für einen Erhalt der VHS. Eine Bildungseinrichtung für die Bürger vor Ort sei wichtig für eine Gemeinde, sagte er. Auch Martina Häussermann und ihr Fraktionskollege Werner Kiepfer verwiesen auf die „kulturelle und gesellschaftspolitische Bedeutung der Erwachsenenbildung“. Dennoch entschied sich das Gremium mit knapper Mehrheit für ein Ende der VHS Lichtenwald.

Bei Thomas Matrohs, dem Sprecher und koordinierenden Vertreter der acht Außenstellen-Kommunen der VHS Esslingen und Bürgermeister der Gemeinde Deizisau, löste der Beschluss Bestürzung aus: „Ein Bildungsangebot für Bürger in allen Kommunen ist ein Teil der interkommunalen Solidarität, und Solidarität funktioniert, wenn man gemeinsam hinter einer Sache steht. Wenn wir aber damit anfangen, die Bürger dort hin zu schicken, wo gerade etwas angeboten wird, verlassen wir den gemeinsamen kommunalen Weg.“ In der Bürgermeisterrunde der Außenstellenkommunen werde eine angemessene Reaktion auf den Beschluss diskutiert werden. Allerdings sieht  Matrohs  noch Hoffnung: „Ich denke, dieses Ausscheren sollte einfach noch einmal in Ruhe überdacht werden.“  pst / Foto: pst


Erhebliche Schäden

Frostnächte haben der Obstbaumblüte stark zugesetzt – Große Verluste bei frühen Kirschen

Die südlichen Kreiskommunen entlang der Alb sind jährlich im Frühjahr durch die Blütenpracht auf den Streuobstwiesen geprägt. In diesem Jahr allerdings hat das Wetter der Obstblüte stark zugesetzt und den Erzeugern einige Sorgenfalten beschert. So muss etwa in der Gemeinde Neidlingen bei den frühen Kirschen aufgrund einiger Nächte mit starkem Frost mit erheblichen Einbußen gerechnet werden. Dennoch bleiben die Erzeuger positiv gestimmt.

Rund 800 000 Obstbäume stehen nach den Angaben des Vereins Schwäbisches Streuobstparadies auf den insgesamt 9600 Hektar Streuobstwiesen im Landkreis Esslingen.  Besonders im Vorland des Albabhangs im Süden des Kreises findet sich ein breiter Streuobstwiesengürtel, der die Landschaft im Frühjahr mit einem Blütenmeer schmückt. Doch die Baumblüte und damit der zu erwartende Ertrag ist unmittelbar vom Wetter abhängig. Ist es im Februar oder auch Anfang März warm und sonnig, öffnen sich die Knospen früh und die Blüten treiben  aus. Dann reichen wenige Frostnächte aus, um die Blüten zu schädigen und die Hoffnungen auf eine reiche Ernte schwinden zu lassen.

„Die Gefahr durch Frostschäden gibt es immer, auch in der Zeit um Ostern, und mit etwas Verlust muss man in jedem Jahr rechnen“, sagt Roland Kuch, der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) Neidlingen. Im Streuobstgürtel auf der Gemarkung der Gemeinde stehen allein etwa 20 000 Kirschbäume verschiedener Sorten, die aufgrund des für sie günstigen Kleinklimas im Talkessel gute Bedingungen für ihr Gedeihen finden. Zusammen mit dem Weilheimer Teilort Hepsisau bildet das Gebiet des Lindach- und des Zipfelbachtals seit langer Zeit eine der größten Kirschenanbauregionen Deutschlands. Hinzu kommen noch rund 30 000 weitere Obstbäume wie Birnen, Äpfel und Zwetschgen.

Als Erzeuger ist Roland Kuch mit den Wetterkapriolen, die das Frühjahr gewöhnlich mit sich bringt, durchaus vertraut.   So könne man am Fuß der Alb immer wieder erleben, dass der März einige warme Tage und viel Sonne mit sich bringt, auf die dann kühles Wetter und auch der eine oder andere Nachtfrost folgen. „Aber  dieses Mal haben wir ein sehr seltsames Jahr“, sagt er. So massive Wetterumschwünge habe er selten erlebt. „Ab Februar und im März hatten wir ganze Perioden mit tagelang fast 20 Grad, und dann wieder andauernde Minusgrade, das hat den Bäumen nicht gut getan“, erzählt Kuch. Besonders der tagelang  strenge Frost nach Ostern, als die frühen Kirschensorten bereits aufgeblüht waren, und auch danach noch einige klare Nächte mit Minusgraden haben die Blüten geschädigt. „Da ist vieles erfroren“, sagt Kuch und berichtet, dass auch Zwetschgen und Mirabellen gelitten hätten. Es sei davon auszugehen, dass bei den frühen Sorten 50 bis 60 Prozent erfroren sind.

„Es gab schon Jahre, da war das gesamte Tal weiß, das ist in diesem Jahr eben nicht so“, sagt Kuch. Außerdem sei es für eine Prognose zum Ertrag und zu möglichen Einbußen noch zu früh. „Es gibt einige Sorten, die noch im Knospenstadium sind und später blühen. Und wir haben die Äpfel und die Birnen, die etwas später als die Kirschen blühen. Die sind auch robuster und nicht so frostempfindlich“, sagt er. Es gebe daher keinen Grund für Pessimismus. „Auch in schlechten Jahren gilt für uns: Ein bisschen was gibt es immer.“

Karl Heinrich Wagner, der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) Beuren, blickt mit einiger Sorge auf die Entwicklungen, die er derzeit auf den Streuobstwiesen in der Gemeinde beobachtet. „Die Frühkirschen haben sehr stark gelitten. An vielen Bäumen sind die Blüten braun geworden und die Stempel sind schwarz“, berichtet er von den untrüglichen Zeichen erfrorener Blüten. Neben den Frühkirschen seien auch Aprikosen und Pfirsiche, vereinzelt auch Zwetschgen betroffen. Später blühende Kirschensorten blieben nach Wagners Beobachtungen einigermaßen verschont. Anders als im Lindach- und im Ermstal liegt der Schwerpunkt der Erzeuger am Fuß des Hohenneuffen allerdings nicht auf dem Kirschenanbau. „Wir haben bei uns viele Äpfel und Birnen. Die treiben später aus und wir haben kaum Schäden“, sagt Wagner.

Allerdings präsentiert sich die Obstbaumblüte in Beuren und Neuffen wie auch andernorts nicht in der gewohnten Fülle. Wie Wagner erzählt, ist das auf die außergewöhnlichen Wetterumschwünge der vergangenen Wochen zurückzuführen. Relativ lange Phasen mit recht hohen Temperaturen wechselten sich mit  Perioden mit starkem Frost ab. „Frosteinbrüche gibt es immer wieder, aber so lang anhaltende Kälte während der Blüte ist selten. Das ist auf jeden Fall kein normales Frühjahr“, sagt Wagner.

Albrecht Schützinger, Obst- und Gartenbauberater beim Landratsamt Esslingen, ist derzeit häufig in den Streuobstwiesen im Landkreis unterwegs. Auch er beobachtet die Entwicklungen mit Sorgen. „Langsam wird es mit den Schäden bedenklich“, sagt er mit Blick auf die früh blühenden Sorten. „Die Vegetation ist schon sehr weit voran geschritten, sogar die ersten Apfelblüten sind schon offen“, berichtet Schützinger. Dies deute auf beunruhigende Tendenzen hin. „Die Wetterextreme nehmen zu. Wir haben Wärmeperioden schon früh im Jahr, die sich mit starker Kälte abwechseln. Das heißt auch, dass wir einen immer früheren Austrieb haben und die Schäden zunehmen“, sagt er. Die aktuelle Situation lasse allerdings noch  keine Schlüsse für den Ertrag in diesem  Jahr zu. Dies lasse sich erst abschätzen, wenn die Bäume Früchte tragen. Das sieht auch Karl Heinrich Wagner so. „Für eine Prognose zu  Ernteausfällen ist es noch viel zu früh“, sagt er.   pst / Foto: pst


Freie Sicht für freie Radler

Das neue Geländer auf der Esslinger Pliensaubrücke kommt nicht bei allen gut an

Ein historisches Schmuckstück ist wieder ein Stückchen schmucker geworden. Die Bauzäune auf der im Jahr 1259 aus Stubensandstein  errichteten Pliensaubrücke  in Esslingen sind kurz vor Ostern entfernt worden. Die optisch wenig ansprechenden Gitter waren Anfang September 2020 zum  provisorischen Schutz der Brückenränder errichtet worden. Im  Februar war dann mit der Installation eines neuen  Geländers  zur Verbesserung der Sicherheit  des Radverkehrs begonnen  worden. Mit Abschluss der Arbeiten konnte  der Bauzaun  entfernt werden. Die  Maßnahme und ihre Begleitumstände hatten für heftige Kritik auch seitens des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) sowie der SPD- und Grünen-Fraktion im  Gemeinderat gesorgt.

Anfang September vergangenen Jahres hatte ein Rechtsgutachten Sicherheitsmängel auf der damals frisch sanierten Pliensaubrücke aufgedeckt: Die bestehende Brüstung sei nicht hoch genug für den Fahrradverkehr,  die Stadt werde bei entsprechenden Unfällen in Haftung genommen. Die Führung des Radverkehrs auf der Brückenmitte stelle  keinen ausreichenden Schutz dar.  Aufwendige Planungen folgten, denn neben den Anforderungen des Denkmalschutzes mussten  gestalterische Vorgaben, technische und konstruktive Besonderheiten  beachtet werden.

Montiert wurde nach Angaben des Pressereferats der Stadt Esslingen  eine Spezialkonstruktion, die Form und Struktur der Natursteine berücksichtige. Zudem sei ein Geländer installiert worden, „das einerseits den rechtlichen und technischen Anforderungen entspricht und andererseits die historische Ansicht der Brücke bestmöglich erhält“. Vorausgegangen war eine enge Abstimmung  mit dem Landesamt für Denkmalpflege, erklärt das Pressereferat. Das neue Geländer ist nach Angaben von Pressesprecher Roland Karpentier auch in technischer und konstruktiver Hinsicht eine Herausforderung gewesen. Durch eine Höhe von mindestens 1,30 Metern sollen die Radfahrer besser geschützt werden, und die Konstruktion müsse aus Sicherheitsgründen und Vorschriften von  DIN EN 1991 einer Anpralllast von 120 Kilogramm standhalten: „Entsprechend stabil müssen Pfosten und Verankerung gestaltet sein.“

Schwierig  war bei der Umgestaltung des Geländers  laut Karpentier  auch die Beschaffenheit der Steinbrüstung: „Sie  besteht nicht aus massiven Steinen, sondern ist vielmehr eine Steinverblendung um einen Betonkern aus den 50er-Jahren.“ Das habe die Befestigungsmöglichkeiten zusätzlich eingeschränkt. Entscheidend für eine langfristige Stabilität des Geländers sei zudem der Abstand zwischen den  Pfosten. Er muss groß genug sein, um  ein Verbiegen des Handlaufs – auch durch Vandalismus –  zu verhindern.

SPD, Grüne und der ADFC waren gegen die Art des Geländeraufbaus Sturm gelaufen. Sie hatten  das aus ihrer Sicht zu massive optische Erscheinungsbild, die hohe Verletzungsgefahr bei Stürzen von Radfahrern oder Kindern, zu starke  Eingriffe in die historische Substanz, eine negative Beeinträchtigung des Stadtbilds  und die Nichteinbeziehung des Gemeinderats in die Gestaltung kritisiert. Im Ausschuss für Technik und Umwelt des Gemeinderats hatten die Kommunalpolitiker ihrem Ärger Anfang März Luft gemacht.  Die Pliensaubrücke sehe aus, als müsste sie gegen Panzer und Gewehre geschützt werden, hatte etwa  Stadträtin Heidi Bär (SPD) gewettert.

Baubürgermeister Wilfried Wallbecht hatte auf technische Vorgaben, Anforderungen des Denkmalschutzes und historische Gegebenheiten verwiesen. Die Sicherheit von Radfahrern und Kindern sei durch die Breite der Brücke, den abgeflachten Belag in ihrer Mitte und die nach unten abgeschrägten Pfosten gewährleistet, hatte Uwe Heinemann vom Tiefbauamt erklärt. Mit der Entfernung der Bauzäune ist zumindest das Panorama der Pliensaubrücke wieder verbessert worden.  sw / Foto: Roberto Bulgrin


Abgestimmt

Bund und Länder haben sich  auf höhere Geldbußen für Raser geeinigt – teils sind sie doppelt so hoch als bisher. Richtig so?

Foto: dpa

Raser härter strafen?

  • Ja! (54% )
  • Nein! (46% )
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