Große Sprünge wieder möglich

Jugendliche engagieren sich bei Sanierung der BMX-Anlage in Kemnat – Teile der Strecke können sie selbst modellieren

Schiefe Fahrspuren, zerfurchte Anlauframpen, bröckelige Sprunghügel und ausgewaschene Steilkurven – die etwa 15 Jahre alte BMX-Bahn bei der Sporthalle Kemnat hatte sich nach Jahren intensiver Nutzung in einem eher beklagenswerten Zustand präsentiert, und der Fahrspaß hatte sich entsprechend in engen Grenzen gehalten. In den Osterferien ließ die Stadt nun die Anlage nach Vorschlägen und bei aktiver Mitarbeit engagierter Jugendlicher neu gestalten. Der sanierte Parcours wird mittlerweile eifrig genutzt und animiert dank der neuen Elemente zu großen Sprüngen ebenso wie sanftem Gondeln.

Mehrere Kemnater Jugendliche hatten sich vor einiger Zeit an die Stadt mit dem Vorschlag einer Sanierung der BMX-Bahn bei der Sporthalle gewandt. Bei Beatrix Pfotenhauer vom städtischen Freiflächenmanagement trafen sie auf offene Ohren: „Die ganze Bahn hatte sich gesetzt und war verformt. Es war offensichtlich, dass die Anlage neu gemacht werden musste.“ Nach einem Aufruf im Amtsblatt meldeten sich weitere Jugendliche mit Ideen für die Sanierung und reichten per E-Mail und mit Zeichnungen Verbesserungsvorschläge ein. Bei einem Treffen auf der Bahn wurden schließlich konkrete Absprachen für die Neugestaltung getroffen. „Die Jugendlichen haben uns viele hilfreiche Tipps gegeben und waren schließlich hoch erfreut und stolz, dass sie Bauleiter für das Projekt sein konnten“, erzählt Pfotenhauer. In den Osterferien gestaltete  ein Gartenbau-Unternehmen in Kooperation mit den Nutzern die Bahn um. „Die Jugendlichen fuhren während der Arbeiten mit ihren Rädern immer wieder zur Probe durch das Gelände und korrigierten und verbesserten, und die Arbeiter waren sehr geduldig“, sagt Pfotenhauer.

Dem Grunde nach orientiere sich der Parcours an den teilweise professionell gestalteten und genutzten Bahnen in der Region. Aufgrund der begrenzten Fläche bei der Sporthalle sei freilich nicht alles umsetzbar gewesen, was den Jugendlichen vorgeschwebt hatte. „Insgesamt aber haben wir dank der engagierten Fahrer ein tolles Ergebnis erzielt, eine ideale Bahn für die Kinder und Jugendlichen in Kemnat“, sagt Pfotenhauer.

Wie die Fachfrau erzählt, hat die Stadtverwaltung auf eine Anregung der Jugendlichen hin weiteres Material bereitgestellt, damit die Fahrer künftig kleinere Formen entlang der Strecke selbst modellieren können. So sind derzeit immer wieder Jugendliche auf der Anlage mit Schaufeln zugange, um Sprunghügel und Auslaufflächen nachzubessern. Doch bis auf Kleinigkeiten ist die Bahn fertig und wird entsprechend eifrig genutzt. Jugendliche sausen über die Bahn und üben sich an den Hügeln in großen und akrobatischen Sprüngen, während sich Kleinere auf einer sanft modellierten Nebenstrecke tummeln. Nun sollen noch eine Sitzgelegenheit und ein Papierkorb aufgestellt werden – auch dies eine Anregung der Nutzer.  pst / Foto: Peter Stotz


Mit leerem Schnabel zur Brut

Schwalben und Mauersegler, aber auch die Wildtauben leiden unter Kälte und Regen

Der nasse und kalte Frühling macht den Vögeln zu schaffen. Sie leiden an der anhaltenden Kälte und dem Regen. Die Insektenfresser unter ihnen kehren  allzu häufig mit leerem Schnabel von der Jagd zurück. „Wir können davon ausgehen, dass viele Brutansätze in diesem Frühjahr verloren gehen“, sagt der Kirchheimer Vogelkundler Wulf Gatter.

Er hat die Forschungsstation am Randecker Maar bei Bissingen-Ochsenwang gegründet und beobachtet dort seit mehr als 50 Jahren den jährlichen Zug der Vögel über der Schwäbischen Alb. Nun leidet er mit der gefiederten Kreatur. Er selbst hat auf seiner Obstwiese in Bissingen schon verhungerte Jungmeisen aus dem Nistkasten holen müssen. Die Eltern hatten die Brut verlassen. Nicht viel besser geht es seinen Beobachtungen zufolge den Wildtauben. Die seien zwar vom Insektenflug unabhängig, würden aber auf  der Futtersuche nach  Getreide- und Unkrautsamen  häufig leer ausgehen. Auf den grünenden Feldern und den feucht-zugewachsenen Wiesen sei leicht zu ­pickende Nahrung in diesem Frühjahr Mangelware. Weil die Futtersuche entweder erfolglos sei oder zu lange dauere, leide die Brutpflege. „Bei den Ringel- und Hohltauben geht gerade ein Brutversuch nach dem anderen schief“, sagt Gatter.

Als typische Insektenfresser sind auch die Schwalben und die Mauersegler von der Natur in diesen  Tagen auf strenge Diät gesetzt. Allerdings sind laut Gatter die Mauersegler in der Lage, Schlecht­wetterzonen zu umfliegen. „An den Wernauer Baggerseen sind kleinere Trupps beobachtet worden, die schnell weitergezogen sind.“ Wenn das Nahrungsangebot nicht ausreiche, dann  würden Mauersegler ihre angefangenen Bruten verlassen. Weil sowohl die Altvögel als auch ihr Nachwuchs in der Lage seien, den Stoffwechsel und den Herzschlag herunterzufahren, könnten sie längere Kälte- und Hungerphasen überstehen. „Vor Jahren haben wir während eines Kälteeinbruchs im Juni die Totmeldung eines von uns beringten Altvogels aus Florenz bekommen. Das Nest mit den Jungen hatte er hier zurückgelassen“, sagt Gatter.

Es sei davon auszugehen, dass der Altvogel zurückgekommen wäre. „Mauersegler haben ein eingebautes Wetterradar. Sie können vor Gewitterfronten herziehen und die Luftströmung ausnützen. Unter optimalen Bedingungen brauchen sie nur wenige Stunden für eine Alpenüberquerung“, sagt Gatter.

Der Ornithologe denkt mit Schrecken  an den Herbst 1974 zurück, als ein Kälteeinbruch die Mauersegler, sowie die Rauch- und Mehlschwalben überrascht hatte.  Im Zuge einer spontan organisierten Hilfsaktion sammelten Vogelfreunde die geschwächten Tiere von Hausgiebeln, Fluren und Straßen, packten sie in Schuhkartons und transportierten sie zum Stuttgarter Flughafen. Dort wurden die Vögel verladen, über die Alpen geflogen und je nach Destination des Fliegers auf den Kanarischen Inseln, in Rom, in Algerien oder in Ägypten  freigelassen. Millionen von Vögeln entkamen  so dem Kältetod.   Adt /  Foto: Horst Rudel




Maillekreuzung wird saniert

In den Sommerferien wird der Verkehr mehrere Wochen behindert – Belagsarbeiten kosten 700 000 Euro

Unverhofft kommt in Esslingen vor allem oft, wenn es ums Baugeschehen geht: Auf der Maillekreuzung, einer der belebtesten Kreuzungen im gesamten Landkreis, muss der Belag erneuert werden. Damit verbunden ist eine wochenlange Verkehrsbehinderung in den Sommerferien. In einem zweiten Anlauf stimmten die Mitglieder des Ausschusses für Technik und Umwelt (ATU) kürzlich mehrheitlich für die 700 000 Euro teure Sanierung.

Die Maillekreuzung gehört zu den bedeutsamsten Verkehrsknotenpunkten im Stadtgebiet. Sie verbindet die nördlichen und südlichen Stadtteile und führt auf die im Landkreis eminent wichtige und viel befahrene B 10. 45 000 Fahrzeugen fahren täglich über die Kreuzung. Und es werden ständig mehr. Das steigende Verkehrsaufkommen, insbesondere des Lkw-Verkehrs, habe die  Straße zunehmend belastet. Die Schäden seien so groß, dass die Verkehrssicherheit nicht länger gewährleistet werden könne. Eine Instandsetzung des Fahrbahnbelags sei „unumgänglich“, so begründet die Verwaltung den Schritt.

Auch wenn die Entscheidung zum folgenreichen Straßenbauprojekt ein wenig überraschend kommt, ist den Verkehrsteilnehmern schon lange klar, dass es nicht so weitergehen konnte auf dieser Kreuzung. Der Stadtverwaltung war die Dringlichkeit bewusst. Doch wurde die Entscheidung herausgezögert, um nicht – im wahrsten Sinne des Wortes – zu viele Baustellen auf einmal aufzumachen. „Durch die aufwendigen Arbeiten an der Vogelsangbrücke und die dadurch bedingten Verkehrseinschränkungen mussten die dringend notwendigen Arbeiten für die Verkehrssicherheit im Kreuzungsbereich in dieses Jahr verschoben werden“, heißt es in der Beschlussvorlage, die das Rathaus  vorlegte. Die dort aufgelisteten Schäden sind gravierend: Risse, Setzungen, Schlaglöcher, Aufplatzungen, Kanten, tiefe Spurrillen. Letztere sind bis zu sechs Zentimeter tief, was für Motorrad- und Fahrradfahrer gefährlich ist.

Der Zeitpunkt der Sanierung ist absichtlich gewählt: In den Sommerferien ist weniger los auf den Straßen. Auch wenn die Arbeiten verhältnismäßig lange dauern, handelt es sich nicht um eine Großbaustelle. Es geht  um den Asphaltbelag der Maillekreuzung und Teile der Kiesstraße bis zur Obertorstraße, der erneuert werden muss. Das nennt man im Fachjargon „Belagssanierung“. Da man schon mal dabei ist, sollen auch Randsteine abgesenkt werden. Das  hat  Konsequenzen für die Verkehrsteilnehmer. Die Rede ist von einem „aufwendigen Umleitungsverkehr“. Die Hauptfahrtrichtungen sollen allerdings größtenteils aufrecht erhalten bleiben, so verspricht das Rathaus.

Das Thema hatte schon Ende April auf der Tagesordnung des ATU gestanden, war jedoch auf Wunsch der Grünen vertagt worden. Sie wollten  die Auswirkungen einiger Neuerungen wie der Umgestaltung der Ritterstraße in eine Fußgängerzone sowie der Umweltspur auf der Kiesstraße abwarten, bevor eine Sanierung angegangen wird. Nun stand der Beschluss erneut   auf der Tagesordnung. Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht erklärte, dass es lediglich um die Reparatur der Asphaltschicht gehe, unabhängig von der künftigen Organisation der Kreuzung. SPD, Freie Wähler, CDU und FDP waren für eine schnelle Sanierung. Grünen-Rat Jürgen Menzel betonte: „Wir können der Vorlage nur zustimmen, wenn die Verkehrsbeziehungen geklärt sind.“ So argumentierte auch Die Linke und beantragte eine Vertagung.

Bei der neuerlichen Sitzung  waren dann die Bedenken der Grünen zerstreut, nicht die der Linken. „Wir halten nach wie vor eine grundsätzliche Planung für notwendig und meinen, dass man erst den Plan macht und dann Maßnahmen umsetzt“, sagte Tobias Hardt. „Uns geht es vor allem um Fußgängerüberwege und die Radverkehrsführung. Auch eine Verkleinerung des Straßenraums sollte überlegt werden. Weniger Straße bedeutet auch weniger Folgekosten.“  Ein Tempolimit rund um die Maillekreuzung sei als Alternative „sicher vertretbar“.  jmf / Foto: Roberto Bulgrin


Abgestimmt

Foto: dpa

 

Mehr Schwäbisch?

Grün-Schwarz will die Dialekte im Land stärken, für die regionalen Sprachen werben. Was meinen Sie, soll hierzulande wieder mehr Schwäbisch gesprochen werden?

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Neustart erfolgt im Herbst

Der Eßlinger Zeitung Lauf soll am  7. November stattfinden – In Teilen wird es einen neuen Streckenverlauf geben

Es sind Schritte auf einem nach wie vor unsicheren Terrain, doch die Veranstalter des Eßlinger Zeitung Laufs wagen einen neuen Versuch. Nachdem der Lauf im Zuge der Absage des für Anfang Juli vorgesehenen Bürgerfests gestrichen worden war, wurde nun ein neuer Termin fixiert: Am 7. November dieses Jahres soll wieder durch Esslingens Altstadtgassen gelaufen werden. Und zwar im gewohnten Programm, also mit Bambini- und Schüler-Läufen sowie dem Zehn-Kilometer-Hauptlauf. Von dieser Entscheidung soll auch ein Signal der Zuversicht ausgehen, dass in wenigen Monaten der Alltag wieder als „halbwegs normal“  bezeichnet werden kann.

Beim Neustart im Herbst ziehen nicht nur TSG Esslingen und EZ an einem Strang, ohne die Unterstützung der Stadt wäre dieser undenkbar. Esslingens Oberbürgermeister Jürgen Zieger verweist darauf, dass im Zuge der Pandemie seit mehr als einem Jahr keine größeren Veranstaltungen mehr möglich sind. Auch das Bürgerfest mit EZ-Lauf 2020 wurde abgesagt. Nun sagt Zieger: „Gemeinsam mit den Veranstaltern des EZ-Laufs teile ich die Überzeugung, dass wir im Herbst eine verbesserte Covid-19-Gesamtsituation vorfinden werden.“ Das Stichwort in diesem Zusammenhang lautet Herdenimmunität: Denn ohne eine weit fortgeschrittene Impfkampagne ist es auch im November kaum vorstellbar, einen Volkslauf zu organisieren.

„Vor dem Hintergrund der aktuellen Infektionslage macht die Durchführung eines solchen Events im Sommer keinen Sinn. Das ist zu riskant“, verdeutlicht Gerald Lietzenmayer. Der Vorsitzende der TSG Esslingen macht aber auch klar: „Wir sind heiß darauf, endlich wieder gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Gemeinsam Sport aktiv zu erleben. Wir hoffen, mit dem Eßlinger Zeitung Lauf zeigen zu können, dass der Breitensport noch immer lebt.“ Andreas Heinkel, der Geschäftsführer der Eßlinger Zeitung, pflichtet ihm bei: „Der EZ-Lauf im November könnte wieder eine der ersten Veranstaltungen mit Gemeinschaftscharakter sein. Alle freuen wir uns doch wieder auf sportliche Erlebnisse im Freien.“

Am 7. November lädt die Esslinger Händlergemeinschaft zudem zu einem verkaufsoffenen Sonntag – wenn es die Pandemieregeln denn zulassen. „Wir benötigen konkrete Öffnungsperspektiven für unsere Bürgerinnen und Bürger, aus sozialer und ökonomischer Sicht“, sagt Zieger. Die Verlegung des Laufs in die zweite Jahreshälfte sei die „rationale Antwort auf die schwierige Situation“, sie bringe mehr Verlässlichkeit und Planungssicherheit, auch für die Läuferinnen und Läufer. Geplant ist, wie in den Vorjahren vier Bambini- und drei Schülerläufe zu starten, gefolgt vom Hauptlauf.

Die bei Letzterem viermal zu absolvierende Runde wird dabei in der 21. Auflage des EZ-Laufs modifiziert. Die Ecke Landolinsplatz/Neckar Forum war in der Vergangenheit  für den einen Läufer oder die andere Läuferin in der Streckenführung schwer zu durchschauen, dort wurde zudem eine recht offene Flanke identifiziert, was aus Terrorschutzgründen verbesserungswürdig ist. Der genaue Streckenverlauf wird  in den kommenden Wochen in Zusammenarbeit mit dem Württembergischen Leichtathletikverband festgelegt.

Die Veranstalter wollen mit der Neuansetzung des Laufs nicht nur Hobbyläufern eine Perspektive bieten, sie wollen auch Kinder und Jugendliche wieder ins Laufen bringen. Schließlich haben diese mit dem Wegfall von Sportunterricht und Vereinssport ein akutes Bewegungsdefizit.  TSG und EZ hoffen zudem, mit dem neuen Termin den Schulen ein attraktives Angebot machen zu können, sodass diese in bewährter Form organisatorische Fäden bei der Anmeldung in die Hand nehmen.

Zieger betont, dass der Esslinger Sport sich während der Pandemie vorbildhaft verhalten habe. Und er würde sich freuen, wenn traditionsreiche Veranstaltungen wie der EZ-Lauf bald wieder ein Stück Normalität im Alltag bieten könnten. Dies wird wohl  jeder und jede unterstreichen.  ch / Foto: Archivbild Roberto Bulgrin


Alicensteg bleibt in der Schwebe

Über das Schicksal der Fußwegverbindung zum Zollberg wird erst in den Etatberatungen entschieden

Der Alicensteg bleibt vorerst unangetastet – der geplante Abriss der Fußgängerverbindung zwischen Maillepark und Zollberg wird auf Eis gelegt. Darauf hat sich der Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) des Esslinger Gemeinderats in seiner jüngsten Sitzung geeinigt.

Während der  Beratungsrunde im März hatte die SPD beantragt, zunächst den Blick aufs ganze Stadtgebiet zu richten und  ein Brücken-, Stege- und Wegekonzept zu erarbeiten, das konkrete Angaben zu Bedeutung, Nutzung, Kosten und möglichen Alternativen  liefert. Erst dann soll sich entscheiden, wie es mit dem Alicensteg weitergeht. Im ATU fand dieses Vorgehen nun Zustimmung: Erst wenn das Gesamtkonzept vorliegt, soll der Gemeinderat in den Beratungen zum Doppelhaushalt 2022/2023 über die Zukunft des Stegs entscheiden.

Seit Monaten wird intensiv über den Alicensteg diskutiert. Nachdem der Abriss beschlossene Sache war, mussten Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht und sein Dezernat zurückrudern, weil die Zweifel an ihrer Argumentation für den Abriss immer deutlicher zutage getreten waren. Mit Blick auf den Abrissbeschluss Ende Januar hatte Andreas Koch (SPD) im März resümiert, der ATU hätte im Januar „gar nicht entscheiden dürfen, weil die Entscheidungsgrundlagen  lückenhaft, falsch und insgesamt tendenziös waren“.  

Verschiedene Varianten liegen nun vor: Neben dem Abriss des Alicenstegs mit der Option auf einen späteren Neubau auf dem bestehenden Unterbau ist eine Instandsetzung der Fußgängerbrücke denkbar, die von Fachleuten auf 3,2 Millionen Euro taxiert wird. Eine Alternative hatte Andreas Fritz (Grüne) ins Gespräch gebracht: Ob nicht eine  „Schmalspursanierung“ anstelle einer „Sanierung deluxe“ möglich wäre? Diese Variante hat die Bauverwaltung geprüft. Das Ergebnis: Eine „Instandsetzung light“, die sich auf die unerlässlichen Reparaturen beschränkt, um den Alicensteg wieder begehbar zu machen, würde 900 000 Euro kosten. Dafür könnten die Geländer und der Brückenbelag erneuert, die Wendeltreppe und die Treppe zum Merkelpark saniert und teilweise Stahlbauinstandsetzungen am Deckblech finanziert werden. Im Gegensatz zur kompletten Instandsetzung würde sich die Stadt bei der „Instandsetzung light“ auf Arbeiten an der Brückenoberseite beschränken, da die Stahlkonstruktion noch relativ standsicher scheint. Auf die Erneuerung des Korrosionsschutzes an der Unterseite müsste verzichtet werden. „Dadurch verschlechtert sich der Zustand an der Brückenunterseite weiter. Es kann aber auf eine aufwendige und sehr teure wechselseitige Verkehrsführung auf der Bundesstraße 10 verzichtet werden“, gab die Bauverwaltung zu bedenken.

Zusätzlich müsste der Treppenweg bis zum Unteren Eisbergweg ertüchtigt werden. Kosten: etwa  250 000 Euro.  Die Fachleute gehen davon aus, dass der Alicensteg mit einer „Instandsetzung light“ maximal für zehn Jahre genutzt werden könnte. Anschließend sei ein Neubau erforderlich.

Baubürgermeister Wilfried  Wallbrecht: „Mehr als eine Million Euro für maximal zehn Jahre weitere Nutzung – das ist keine Perspektive.“ Dagegen fand er den Vorschlag der SPD, ein Gesamtkonzept für Brücken, Wege und Stege abzuwarten, sinnvoll: „Dann können wir klare Prioritäten festlegen.“ Jürgen Menzel (Grüne) möchte vor der Sommerpause über den Alicensteg beraten. Andreas Koch findet es sinnvoll, „erst das große Ganze in den Blick zu nehmen“. Eberhard Scharpf (Freie Wähler) sieht das genauso, Karin Pflüger (CDU) fühlt sich wie Ulrich Fehrlen (FDP) bestätigt, „dass ein Ersatzneubau auf längere Sicht die günstigste Variante ist“. Für Johanna Renz (Linke) ist klar: „Der Alicensteg muss so rasch wie möglich wieder begehbar sein.“  adi / Foto: Roberto Bulgrin


Erst müssen die Eidechsen weg

Nach der Umsiedlung der Tiere entstehen in der „Parksiedlung Nord-Ost“ 130 neue Wohnungen

Geht’s bald los mit den Bauarbeiten? Eine Frage, die sich so mancher Vorbeifahrende schon gestellt haben mag. Das Hanggrundstück oberhalb des früheren Gartenbaubetriebs Raisch in Ostfildern, auf dem sich über Jahre Gestrüpp und Buschwerk ausgebreitet haben, wirkt wie leer geräumt. „Keine Rodung“, betont Achim Geisbauer, Geschäftsführer der Hofkammer Projektentwicklung GmbH (HKPE). „Wir haben  alles oberflächennah zurückschneiden lassen.“ So sei es mit der Naturschutzbehörde abgesprochen worden. Hintergrund: Bevor die Erschließungsarbeiten für  das neue Baugebiet „Parksiedlung Nord-Ost“ beginnen, müssen alle Eidechsen, die auf dem sonnenbestrahlten Areal gute Lebensbedingungen gefunden haben, umgesiedelt werden.

Streng nach Artenschutz

Laut Geisbauer werden den ganzen Sommer über immer wieder Fachleute unterwegs sein, die die Tierchen mit kleinen Schlingen einfangen und auf die andere Seite der Breslauer Straße bringen. Dort hat man sogenannte Ersatzhabitate geschaffen, in denen die Eidechsen eine neue Heimat finden sollen. „Alles streng nach den Vorgaben des Artenschutzes“, betont der HKPE-Geschäftsführer. „So lange dürfen wir auf dem Grundstück nichts machen.“

Auf diese  paar Monate komme es ihm aber auch nicht mehr an. Geisbauer ist froh, dass er das Projekt überhaupt realisieren kann. Elf Jahre ist es her, dass die HKPE das Siedlungsprojekt zusammen mit der Stadt Ostfildern angestoßen hat. Doch das neue „Tor zur Stadt“, wie es angepriesen  wurde, lässt seither auf sich warten. Denn was auf dem Hanggrund vorgesehen ist, weckte   den Widerstand der oberhalb der Danziger Straße lebenden Menschen. Aus mehreren Gründen: Durch die neuen Baukörper werde die Sicht ins Neckartal erheblich eingeschränkt, lautet ein Kritikpunkt. Auch sei ein Verkehrschaos zu befürchten, wenn dort Wohnraum für mehr als 200 Menschen entsteht.  Vor allem wehren sich viele Bewohner der Parksiedlung gegen das Projekt, weil zu viele öffentliche Parkplätze in der Danziger Straße wegfielen.

2017 errangen die Gegner einen Sieg: Der Verwaltungsgerichtshof Mannheim stoppte die Pläne mit der Begründung, dass der Lärmschutz zu wenig berücksichtigt sei. Verwaltung und Gemeinderat ließen dennoch nicht von dem Siedlungsprojekt ab. Man änderte die Pläne in der Weise, dass statt einer vielgliedrigen Bebauung nun lediglich fünf bis zu 17 Meter hohe Baukörpern entstehen sollen, die Platz bieten für  130 Wohnungen. In einer Tiefgarage soll Platz für 150 Fahrzeuge geschaffen werden.

Auch an den überarbeiteten Plänen regte sich massive Kritik: wegen der Höhe der Objekte, wegen der nicht minder problematischen Verkehrssituation und des Wegfalls vieler Parkplätze. Trotz aller Versuche von Anwohnern, das Vorhaben erneut zu stoppen, bekannte sich der Gemeinderat im November 2020 zur überarbeiteten  Fassung des Bebauungsplans. Mit 19 zu sieben Stimmen gab das Gremium grünes Licht für die „Parksiedlung Nord-Ost“. Seither ist der Bebauungsplan rechtskräftig.

Weitere Klagen anhängig

Trotzdem hoffen die Anwohner nach    wie vor, dass sie das Siedlungsprojekt noch kippen können. Wie aus dem Rathaus zu hören ist, gibt es erneut eine Normenkontrollklage. Auf diesem Wege soll gerichtlich geprüft werden, ob beim Genehmigungsverfahren formale Fehler gemacht wurden, die einer Bebauung  einen Riegel vorschieben könnten. OB  Christof Bolay ist überzeugt, dass daran nicht zu rütteln ist, weil man diesmal alle Verfahrensschritte penibel geprüft habe. Auch Geisbauer geht davon aus, dass 2022 mit den Arbeiten begonnen werden kann. Zwei Jahre dürften ins Land gehen, bis die Wohntürme fertig sind.  hf / Foto: Ines Rudel


Abgestimmt

Der Tübinger OB und Grüne  Boris Palmer fällt oft mit provokanten Aussagen auf. Jetzt wollen ihn die Grünen aus der Partei  ausschließen. Richtig so?

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Palmer ausschließen?

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Hölle und Hoffnung

Endlich Lockerung statt Lockdown? – Die Württembergische Landesbühne in Esslingen präsentiert ihren Spielplan für die Saison 2021/2022

Gar keine Vorstellung mehr ist gar keine schöne Vorstellung: In „Ewig jung“ ist der Vorhang für alle Ewigkeit gefallen, das Theater hat irgendwann in naher Zukunft den Betrieb eingestellt und dient nur noch als Seniorenresidenz für ehemalige, aber noch überaus agile Schauspieler. Viel Nostalgie-Comedy-Süßstoff also, den Erik Gedeons Singspiel schon seit 2001 am Hamburger Thalia Theater mit großem Erfolg in bitterer Kulturdystopie auflöst. Die aber schmeckt seit Corona noch bitterer. Die Esslinger Landesbühnenintendanten Friedrich Schirmer und Marcus Grube, die „Ewig jung“ auf den Spielplan gesetzt haben, gaben sich bei der Online-Präsentation der neuen Saison 2021/2022 denn auch vorsichtig: was Aufführungsumstände,  aber auch die Zukunft des Theaters schlechthin anbelangt. Dabei sehen sie ihre Württembergische Landesbühne in Esslingen (WLB) noch auf der institutionell einigermaßen sicheren Seite. Frohe Kunde kommt zudem  von  Ulrich Gehmacher, der Verwaltungsdirektorin Vera Antes während ihrer Elternzeit vertritt: Ein reges Interesse an WLB-Gastspielen in der kommenden Saison ist zu vermelden  – und eine treue Abonnentenschaft vor Ort. Es habe nur wenige Kündigungen in der langen Pandemie-Zwangspause gegeben.

In Versenkung verschwunden

In der Versenkung des rabiaten Theater-Lockdowns sind aber etliche Produktionen verschwunden, die im vergangen Herbst noch hoffnungsvoll terminiert waren. Doch den seit gut einem Jahr konzipierten Spielplan 2021/2022 in seiner „geschlossenen dramaturgischen Schönheit“, wie Schirmer sagt, konnte und wollte man nicht wieder aufreißen. Daher sollen die premierenreifen unter den verschobenen  Inszenierungen – „Minna von Barnhelm“ und „Liliom“ – ins neue Programm gemischt werden. Andere – „Der Diener zweier Herren“ und Patrick Süskinds Drehbuch „Vom Suchen und Finden der Liebe“ – wandern nach   2022/2023.

Goldener Mittelweg

Generell  geben sich Schirmer und Grube auf ihrem goldenen Mittelweg jenseits von  „blindem Aktivismus und depressiver Tatenlosigkeit“ (Schirmer) zumindest „teiloptimistisch“: Sie rechnen mit dem Abflachen der dritten Corona-Welle, mit einer endlich in die Gänge kommenden Impfkampagne – „auch wir am Theater werden jetzt alle geimpft“ – und dem Vertrauen des Publikums in die Sicherheits- und Hygienemaßnahmen des Hauses. „Die Nähe wie einst werden wir freilich nicht mehr kriegen, das alte Leben kommt nicht zurück“ , bedauert Schirmer.

Indes läuft der Probenbetrieb seit Februar wieder, wenn alles gut geht, finden noch vor der Sommerpause  Premieren statt. Und wenn nicht? Einen digitalen Plan B haben die Intendanten nicht, denn „Theater ist ein Live-Medium“, lautet ihr Credo. Nur die Junge WLB ist mit drei Produktionen vertreten auf www.theater-stream.de, der Online-Bühne baden-württembergischer Kinder- und Jugendtheater. Live geht die Junge WLB noch vor den Ferien an den Start mit „Romeo und Julia“ und dem Verstrickungsdrama „Was man von hier aus sehen kann“ um Liebe, Tod und düstere Ahnung. Das witzige Mutproben-Stück „Leon zeigt Zähne“ wird zu Beginn der neuen Saison nachgereicht, ebenso „Der kleine Nick“. Mit „Kriegerin“ nach David Wnendts Film von 2011 greift Spartenchef Jan Müller einen brisanten Stoff um eine junge Neonazi-Aussteigerin und eine noch jüngere Einsteigerin auf.

Die „große“ WLB wagt im Juni einen weiteren Freilicht-Versuch, nachdem vergangenes Jahr das Virus dazwischenging. Von „Shakespeare in Love“ hat man sich endgültig verabschiedet, denn der Filmstoff verträgt auch keine gelockerte Pandemie-Distanz. Stattdessen gibt es originalen Shakespeare, nämlich just jene Verwechslungskomödie, die der Dichter am Ende der Film-Fiktion schreibt: „Was ihr wollt.“ „The Black Rider“, die „Freischütz“-Version von William S. Burroughs, Tom Waits und Robert Wilson, wird ins kommende Jahr geschoben.

Moderne Klassiker

Signifikante moderne Klassiker   eröffnen die  neue Saison: Sartres „Geschlossene Gesellschaft“, als beklemmendes Kammerspiel über Isolation und Distanz gewissermaßen das Stück der Stunde, mit dem Befund „Die Hölle sind die anderen“; was auch für Albees abgründiges Ehedrama „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ gilt – samt der vagen Hoffnung, durch Einsicht die Teufelskreise zu durchbrechen. Davon kann in  Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ kaum  noch die Rede sein: Da glaubt einer ans Glück des Tüchtigen im Kapitalismus und geht in Wirklichkeit  rettungslos zugrunde in „Moneyland“, wie Marcus Grube sagt.

Mit der Uraufführung der Theaterversion von „Good bye, Lenin!“ setzt die WLB laut Grube ihre „Besichtigung des 20. Jahrhunderts“  in die  Wendezeit fort, als die Filmsatire auf den 79 Quadratmetern einer Ostberliner Wohnung eine imaginäre DDR weiterexistieren lässt. Eine ganz andere Spiegelung kleiner und auch großer Geschichten ist Patrick Süskinds „Kontrabass“, wohl das erfolgreichste, witzigste, skurrilste Solostück des neueren deutschsprachigen Theaters, eine Redepartitur zwischen knarzendem Untergrund und elefantösem Höhenflug.

Herbe Stoffe mit Humor sind vielleicht ein theatralisches Leit- und Leidmotiv in sarkastischen Zeiten: So in „Gehen oder Der zweite April“ über den geplanten Suizid eines alten Ehepaars und das deshalb  versammelte Familientribunal. Oder im Paartherapie- und Trennungsdrama „Und wer nimmt den Hund?“, laut Grube „eine Komödie, aber kein Wohlfühlstück“.

Ein  Uraufführungscoup

Einen  Uraufführungscoup hat Grube seinem Bruder zu verdanken, einem Germanisten. Dieser entdeckte im englischen Cambridge Stefan Heyms 1941 geschriebenes, verschollen geglaubtes Theaterstück „Der große Hanussen“ über den gleichnamigen Berliner Varietéstar der frühen 30er-Jahre: Er trat als Hellseher auf, war Jude und trotzdem Hitler-Verehrer, dem er sich als eine Art Reichsastrologe andienen wollte. Lichte Provinz-Momente in der deutschen Finsternis behandelt  „Die Freibadclique“ nach Oliver Storz’ Roman, eine Geschichte von 15-jährigen Jungs im Sommer 1944, die Wichtigeres im Sinn haben als die Nazis und deren Krieg. Der sie am Ende doch noch holt.

Fazit und aktueller Spielstand: Die WLB ist reif fürs Licht am Ende des Pandemie-Tunnels. Wie düster der ist, belegen Zahlen: In der Saison 2019/2020 besuchten knapp 80 000 Zuschauer die Vorstellungen – über 40 000 in Esslingen, über 39 000 in den Gastspielorten, davon insgesamt fast 78 000 vor dem ersten Lockdown am 12. März 2020, rund 13 000 mehr als im Vorjahreszeitraum. In der Saison  2020/2021 waren es bislang  5136 Zuschauer –  sensationell für eine Anderthalb-Monate-Spielzeit (am 31. Oktober fiel der Vorhang) mit drastisch reduziertem Platzangebot.  mez / Foto: Roberto Bulgrin


Im Zentrum steht der Klimaschutz

Grün-Schwarz stellt Koalitionsvertrag vor – Vorhaben stehen angesichts klammer Kassen  unter  Haushaltsvorbehalt

Es waren offenbar recht harmonische Gespräche, die Grüne und CDU in den vergangenen Wochen geführt haben. Nachdem die beiden Partner nach der Landtagswahl im März den Willen zur Fortsetzung der Koalition bekräftigt hatten, haben sie in der vergangenen Woche das Vertragswerk präsentiert. „Jetzt für morgen. Der Erneuerungsvertrag für Baden-Württemberg“ ist dieses überschrieben. Dem Klimaschutz wird im Koalitionsvertrag oberste Prämisse eingeräumt. Doch nicht nur dort zu setzende Akzente stehen unter einem Finanzierungsvorbehalt. Die in Corona-Zeiten leer gefegte Landeskasse schränkt den Handlungsspielraum gewaltig ein und birgt in der Folge bereits jetzt Zündstoff für die neue Koalition – trotz aller zur Schau gestellten Harmonie.

Winfried Kretschmann ist sich der Problematik bewusst. „Regieren ist halt kein Ponyhof“, sagte der Grünen-Ministerpräsident bei der Vorstellung des Koalitionsvertrags auf dem Campus Vaihingen der Uni Stuttgart vergangenen Mittwoch. Nach den jüngsten Prognosen fehlen in den nächsten drei Jahren jeweils etwa vier Milliarden Euro im Haushalt. Trotzdem soll vom Schmieden des Regierungsbündnisses ein Signal des Aufbruchs ausgehen. So soll sich der  Südwesten zum „Klimaschutzland Nummer eins in Deutschland und Europa“ entwickeln. Manches wird dabei den Haushalt nicht belasten, etwa die Pflicht zu Fotovoltaikanlagen beim Neubau von Privathäusern oder der grundlegenden Sanierung von Dächern. Grün-Schwarz will, dass in Baden-Württemberg künftig insgesamt ökologischer gebaut wird. Mit der Nahverkehrsabgabe wird Kommunen die Möglichkeit eingeräumt, von Autofahrern oder allen Bürgern Einnahmen zu erzielen, die in  den ÖPNV fließen. Bundesweit will sich Grün-Schwarz für eine Lkw-Maut auch auf Landes- und Kreisstraßen einsetzen.  Landeseigene Flächen sollen als Windkraftstandorte angeboten werden. Spätestens im Jahr 2040 soll Baden-Württemberg klimaneutral sein. Laut CDU-Landeschef Thomas Strobl will die Koalition in den kommenden  fünf Jahren eine „enkelgerechte“ Politik machen. Es gehe darum, Ökonomie und Ökologie zu versöhnen.

Auch den Ausbau des schnellen Internets zählt die Koalition zu ihren vordringlichen Aufgaben. Besonders von der Coronakrise betroffenen Branchen soll schnell wieder auf die Beine geholfen werden. Die Landwirtschaft soll nachhaltiger werden, etwa mit einer Reduktion beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und mit verstärktem Tierschutz. Auch soll mehr bezahlbarer Wohnraum entstehen. Zudem ist ein verpflichtender Hundeführerschein für  die Besitzer der Vierbeiner geplant.

Die Haushaltslage hat auch Folgen für das Personal. Im Koalitionsvertrag heißt es, dass „in Summe hinsichtlich Anzahl und Kosten keine Neustellen in der Landesverwaltung zu schaffen“ seien. Allerdings: Die Polizei soll personell und technisch „weiter kräftig“ gestärkt werden.

Trotz klammer Kassen schafft Grün-Schwarz ein zusätzliches Ministerium für Wohnen und Landesentwicklung. Das neue Ressort soll von der CDU geführt werden. „Wohnen gehört zu den ganz zentralen Aufgaben der Zukunft“, rechtfertigte Kretschmann die Entscheidung. Insgesamt führen die Grünen sechs Ministerien – darunter erstmals das  Kultusministerium –, die CDU wird an der Spitze von fünf  Ressorts stehen.

Die finanziellen Schwierigkeiten würden aber keinen politischen Stillstand verursachen, sagte Kretschmann: „Es ist ja nicht so, dass wir kein Geld haben.“ Das Land verfüge nach wie vor über einen Haushalt von 50 Milliarden Euro. Beim Thema Nachhaltigkeit gehe es auch um das Thema Finanzen, sagte Strobl.

Am Samstag haben Grüne wie CDU auf Parteitagen den Koalitionsvertrag gebilligt. An diesem Mittwoch soll  der 72-jährige Kretschmann zum dritten Mal zum Regierungschef gewählt werden.  ch / Foto: Universität Stuttgart/Max Kovalenko