Neustart erfolgt im Herbst

Der Eßlinger Zeitung Lauf soll am  7. November stattfinden – In Teilen wird es einen neuen Streckenverlauf geben

Es sind Schritte auf einem nach wie vor unsicheren Terrain, doch die Veranstalter des Eßlinger Zeitung Laufs wagen einen neuen Versuch. Nachdem der Lauf im Zuge der Absage des für Anfang Juli vorgesehenen Bürgerfests gestrichen worden war, wurde nun ein neuer Termin fixiert: Am 7. November dieses Jahres soll wieder durch Esslingens Altstadtgassen gelaufen werden. Und zwar im gewohnten Programm, also mit Bambini- und Schüler-Läufen sowie dem Zehn-Kilometer-Hauptlauf. Von dieser Entscheidung soll auch ein Signal der Zuversicht ausgehen, dass in wenigen Monaten der Alltag wieder als „halbwegs normal“  bezeichnet werden kann.

Beim Neustart im Herbst ziehen nicht nur TSG Esslingen und EZ an einem Strang, ohne die Unterstützung der Stadt wäre dieser undenkbar. Esslingens Oberbürgermeister Jürgen Zieger verweist darauf, dass im Zuge der Pandemie seit mehr als einem Jahr keine größeren Veranstaltungen mehr möglich sind. Auch das Bürgerfest mit EZ-Lauf 2020 wurde abgesagt. Nun sagt Zieger: „Gemeinsam mit den Veranstaltern des EZ-Laufs teile ich die Überzeugung, dass wir im Herbst eine verbesserte Covid-19-Gesamtsituation vorfinden werden.“ Das Stichwort in diesem Zusammenhang lautet Herdenimmunität: Denn ohne eine weit fortgeschrittene Impfkampagne ist es auch im November kaum vorstellbar, einen Volkslauf zu organisieren.

„Vor dem Hintergrund der aktuellen Infektionslage macht die Durchführung eines solchen Events im Sommer keinen Sinn. Das ist zu riskant“, verdeutlicht Gerald Lietzenmayer. Der Vorsitzende der TSG Esslingen macht aber auch klar: „Wir sind heiß darauf, endlich wieder gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Gemeinsam Sport aktiv zu erleben. Wir hoffen, mit dem Eßlinger Zeitung Lauf zeigen zu können, dass der Breitensport noch immer lebt.“ Andreas Heinkel, der Geschäftsführer der Eßlinger Zeitung, pflichtet ihm bei: „Der EZ-Lauf im November könnte wieder eine der ersten Veranstaltungen mit Gemeinschaftscharakter sein. Alle freuen wir uns doch wieder auf sportliche Erlebnisse im Freien.“

Am 7. November lädt die Esslinger Händlergemeinschaft zudem zu einem verkaufsoffenen Sonntag – wenn es die Pandemieregeln denn zulassen. „Wir benötigen konkrete Öffnungsperspektiven für unsere Bürgerinnen und Bürger, aus sozialer und ökonomischer Sicht“, sagt Zieger. Die Verlegung des Laufs in die zweite Jahreshälfte sei die „rationale Antwort auf die schwierige Situation“, sie bringe mehr Verlässlichkeit und Planungssicherheit, auch für die Läuferinnen und Läufer. Geplant ist, wie in den Vorjahren vier Bambini- und drei Schülerläufe zu starten, gefolgt vom Hauptlauf.

Die bei Letzterem viermal zu absolvierende Runde wird dabei in der 21. Auflage des EZ-Laufs modifiziert. Die Ecke Landolinsplatz/Neckar Forum war in der Vergangenheit  für den einen Läufer oder die andere Läuferin in der Streckenführung schwer zu durchschauen, dort wurde zudem eine recht offene Flanke identifiziert, was aus Terrorschutzgründen verbesserungswürdig ist. Der genaue Streckenverlauf wird  in den kommenden Wochen in Zusammenarbeit mit dem Württembergischen Leichtathletikverband festgelegt.

Die Veranstalter wollen mit der Neuansetzung des Laufs nicht nur Hobbyläufern eine Perspektive bieten, sie wollen auch Kinder und Jugendliche wieder ins Laufen bringen. Schließlich haben diese mit dem Wegfall von Sportunterricht und Vereinssport ein akutes Bewegungsdefizit.  TSG und EZ hoffen zudem, mit dem neuen Termin den Schulen ein attraktives Angebot machen zu können, sodass diese in bewährter Form organisatorische Fäden bei der Anmeldung in die Hand nehmen.

Zieger betont, dass der Esslinger Sport sich während der Pandemie vorbildhaft verhalten habe. Und er würde sich freuen, wenn traditionsreiche Veranstaltungen wie der EZ-Lauf bald wieder ein Stück Normalität im Alltag bieten könnten. Dies wird wohl  jeder und jede unterstreichen.  ch / Foto: Archivbild Roberto Bulgrin


Alicensteg bleibt in der Schwebe

Über das Schicksal der Fußwegverbindung zum Zollberg wird erst in den Etatberatungen entschieden

Der Alicensteg bleibt vorerst unangetastet – der geplante Abriss der Fußgängerverbindung zwischen Maillepark und Zollberg wird auf Eis gelegt. Darauf hat sich der Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) des Esslinger Gemeinderats in seiner jüngsten Sitzung geeinigt.

Während der  Beratungsrunde im März hatte die SPD beantragt, zunächst den Blick aufs ganze Stadtgebiet zu richten und  ein Brücken-, Stege- und Wegekonzept zu erarbeiten, das konkrete Angaben zu Bedeutung, Nutzung, Kosten und möglichen Alternativen  liefert. Erst dann soll sich entscheiden, wie es mit dem Alicensteg weitergeht. Im ATU fand dieses Vorgehen nun Zustimmung: Erst wenn das Gesamtkonzept vorliegt, soll der Gemeinderat in den Beratungen zum Doppelhaushalt 2022/2023 über die Zukunft des Stegs entscheiden.

Seit Monaten wird intensiv über den Alicensteg diskutiert. Nachdem der Abriss beschlossene Sache war, mussten Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht und sein Dezernat zurückrudern, weil die Zweifel an ihrer Argumentation für den Abriss immer deutlicher zutage getreten waren. Mit Blick auf den Abrissbeschluss Ende Januar hatte Andreas Koch (SPD) im März resümiert, der ATU hätte im Januar „gar nicht entscheiden dürfen, weil die Entscheidungsgrundlagen  lückenhaft, falsch und insgesamt tendenziös waren“.  

Verschiedene Varianten liegen nun vor: Neben dem Abriss des Alicenstegs mit der Option auf einen späteren Neubau auf dem bestehenden Unterbau ist eine Instandsetzung der Fußgängerbrücke denkbar, die von Fachleuten auf 3,2 Millionen Euro taxiert wird. Eine Alternative hatte Andreas Fritz (Grüne) ins Gespräch gebracht: Ob nicht eine  „Schmalspursanierung“ anstelle einer „Sanierung deluxe“ möglich wäre? Diese Variante hat die Bauverwaltung geprüft. Das Ergebnis: Eine „Instandsetzung light“, die sich auf die unerlässlichen Reparaturen beschränkt, um den Alicensteg wieder begehbar zu machen, würde 900 000 Euro kosten. Dafür könnten die Geländer und der Brückenbelag erneuert, die Wendeltreppe und die Treppe zum Merkelpark saniert und teilweise Stahlbauinstandsetzungen am Deckblech finanziert werden. Im Gegensatz zur kompletten Instandsetzung würde sich die Stadt bei der „Instandsetzung light“ auf Arbeiten an der Brückenoberseite beschränken, da die Stahlkonstruktion noch relativ standsicher scheint. Auf die Erneuerung des Korrosionsschutzes an der Unterseite müsste verzichtet werden. „Dadurch verschlechtert sich der Zustand an der Brückenunterseite weiter. Es kann aber auf eine aufwendige und sehr teure wechselseitige Verkehrsführung auf der Bundesstraße 10 verzichtet werden“, gab die Bauverwaltung zu bedenken.

Zusätzlich müsste der Treppenweg bis zum Unteren Eisbergweg ertüchtigt werden. Kosten: etwa  250 000 Euro.  Die Fachleute gehen davon aus, dass der Alicensteg mit einer „Instandsetzung light“ maximal für zehn Jahre genutzt werden könnte. Anschließend sei ein Neubau erforderlich.

Baubürgermeister Wilfried  Wallbrecht: „Mehr als eine Million Euro für maximal zehn Jahre weitere Nutzung – das ist keine Perspektive.“ Dagegen fand er den Vorschlag der SPD, ein Gesamtkonzept für Brücken, Wege und Stege abzuwarten, sinnvoll: „Dann können wir klare Prioritäten festlegen.“ Jürgen Menzel (Grüne) möchte vor der Sommerpause über den Alicensteg beraten. Andreas Koch findet es sinnvoll, „erst das große Ganze in den Blick zu nehmen“. Eberhard Scharpf (Freie Wähler) sieht das genauso, Karin Pflüger (CDU) fühlt sich wie Ulrich Fehrlen (FDP) bestätigt, „dass ein Ersatzneubau auf längere Sicht die günstigste Variante ist“. Für Johanna Renz (Linke) ist klar: „Der Alicensteg muss so rasch wie möglich wieder begehbar sein.“  adi / Foto: Roberto Bulgrin


Erst müssen die Eidechsen weg

Nach der Umsiedlung der Tiere entstehen in der „Parksiedlung Nord-Ost“ 130 neue Wohnungen

Geht’s bald los mit den Bauarbeiten? Eine Frage, die sich so mancher Vorbeifahrende schon gestellt haben mag. Das Hanggrundstück oberhalb des früheren Gartenbaubetriebs Raisch in Ostfildern, auf dem sich über Jahre Gestrüpp und Buschwerk ausgebreitet haben, wirkt wie leer geräumt. „Keine Rodung“, betont Achim Geisbauer, Geschäftsführer der Hofkammer Projektentwicklung GmbH (HKPE). „Wir haben  alles oberflächennah zurückschneiden lassen.“ So sei es mit der Naturschutzbehörde abgesprochen worden. Hintergrund: Bevor die Erschließungsarbeiten für  das neue Baugebiet „Parksiedlung Nord-Ost“ beginnen, müssen alle Eidechsen, die auf dem sonnenbestrahlten Areal gute Lebensbedingungen gefunden haben, umgesiedelt werden.

Streng nach Artenschutz

Laut Geisbauer werden den ganzen Sommer über immer wieder Fachleute unterwegs sein, die die Tierchen mit kleinen Schlingen einfangen und auf die andere Seite der Breslauer Straße bringen. Dort hat man sogenannte Ersatzhabitate geschaffen, in denen die Eidechsen eine neue Heimat finden sollen. „Alles streng nach den Vorgaben des Artenschutzes“, betont der HKPE-Geschäftsführer. „So lange dürfen wir auf dem Grundstück nichts machen.“

Auf diese  paar Monate komme es ihm aber auch nicht mehr an. Geisbauer ist froh, dass er das Projekt überhaupt realisieren kann. Elf Jahre ist es her, dass die HKPE das Siedlungsprojekt zusammen mit der Stadt Ostfildern angestoßen hat. Doch das neue „Tor zur Stadt“, wie es angepriesen  wurde, lässt seither auf sich warten. Denn was auf dem Hanggrund vorgesehen ist, weckte   den Widerstand der oberhalb der Danziger Straße lebenden Menschen. Aus mehreren Gründen: Durch die neuen Baukörper werde die Sicht ins Neckartal erheblich eingeschränkt, lautet ein Kritikpunkt. Auch sei ein Verkehrschaos zu befürchten, wenn dort Wohnraum für mehr als 200 Menschen entsteht.  Vor allem wehren sich viele Bewohner der Parksiedlung gegen das Projekt, weil zu viele öffentliche Parkplätze in der Danziger Straße wegfielen.

2017 errangen die Gegner einen Sieg: Der Verwaltungsgerichtshof Mannheim stoppte die Pläne mit der Begründung, dass der Lärmschutz zu wenig berücksichtigt sei. Verwaltung und Gemeinderat ließen dennoch nicht von dem Siedlungsprojekt ab. Man änderte die Pläne in der Weise, dass statt einer vielgliedrigen Bebauung nun lediglich fünf bis zu 17 Meter hohe Baukörpern entstehen sollen, die Platz bieten für  130 Wohnungen. In einer Tiefgarage soll Platz für 150 Fahrzeuge geschaffen werden.

Auch an den überarbeiteten Plänen regte sich massive Kritik: wegen der Höhe der Objekte, wegen der nicht minder problematischen Verkehrssituation und des Wegfalls vieler Parkplätze. Trotz aller Versuche von Anwohnern, das Vorhaben erneut zu stoppen, bekannte sich der Gemeinderat im November 2020 zur überarbeiteten  Fassung des Bebauungsplans. Mit 19 zu sieben Stimmen gab das Gremium grünes Licht für die „Parksiedlung Nord-Ost“. Seither ist der Bebauungsplan rechtskräftig.

Weitere Klagen anhängig

Trotzdem hoffen die Anwohner nach    wie vor, dass sie das Siedlungsprojekt noch kippen können. Wie aus dem Rathaus zu hören ist, gibt es erneut eine Normenkontrollklage. Auf diesem Wege soll gerichtlich geprüft werden, ob beim Genehmigungsverfahren formale Fehler gemacht wurden, die einer Bebauung  einen Riegel vorschieben könnten. OB  Christof Bolay ist überzeugt, dass daran nicht zu rütteln ist, weil man diesmal alle Verfahrensschritte penibel geprüft habe. Auch Geisbauer geht davon aus, dass 2022 mit den Arbeiten begonnen werden kann. Zwei Jahre dürften ins Land gehen, bis die Wohntürme fertig sind.  hf / Foto: Ines Rudel


Abgestimmt

Der Tübinger OB und Grüne  Boris Palmer fällt oft mit provokanten Aussagen auf. Jetzt wollen ihn die Grünen aus der Partei  ausschließen. Richtig so?

Foto: dpa

Palmer ausschließen?

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