Plötzlich ohne Pfarrer

Thomas Amann verlässt nach Reibereien kurzfristig die katholische Kirchengemeinde Baltmannsweiler-Aichwald

Die katholische Kirchengemeinde Baltmannsweiler-Aichwald hat seit wenigen Tagen keinen Pfarrer mehr, seinen letzten Gottesdienst auf dem Schurwald hat Thomas Amann bereits gehalten. Mit  der kurzfristigen Ankündigung seines Weggangs hatte er die ganze Gemeinde überrascht. Vorausgegangen sind Meinungsverschiedenheiten mit dem Kirchengemeinderat.

Elf Jahre lang war Pfarrer Thomas Amann in Baltmannsweiler, am Sonntag, 13. Juni, hat er beim Gottesdienst seinen Abschied angekündigt. „Unter Tränen“, so berichten Gottesdienstbesucher, habe er erklärt, dass er keine Möglichkeit sehe, mit dem aktuellen Kirchengemeinderat zusammen eine Gemeinde zu leiten. Diesen Wortlaut möchte der Theologe zwar der Presse gegenüber nicht bestätigen, aber tatsächlich, sagt er, seien er und der Kirchengemeinderat „über Vorstellungen der Pfarreileitung nicht mehr zusammengekommen“. Der Hintergrund sei kompliziert und habe mit Strukturen zu tun, so Amann, der in Kirchenrecht promoviert hat und bis 2017 auch Privatdozent in diesem Fach war.

Aus dem Kirchengemeinderat heißt es, der Pfarrer habe sich schwergetan, die Rolle und die Befugnisse des gewählten Gremiums zu akzeptieren. Er sei kein Freund des „Rottenburger Modells“, das den Laien in den Gemeinden eine weitergehende Partizipation zuspricht als in anderen Diözesen. So besagt die Kirchengemeindeordnung der Diözese Rottenburg-Stuttgart, dass der Pfarrer und der Kirchengemeinderat gemeinsam die Gemeinde leiten. Die Gleichberechtigung sei mit der Neufassung der Satzung 2019 sogar noch stärker betont worden, erklärt Dekan Paul Magino, indem man neue Begrifflichkeiten („gewählter Vorsitzender“ statt „zweiter Vorsitzender“) eingeführt habe. Dass Thomas Amann das Modell kritisch sah, sei bekannt und von ihm auch öffentlich geäußert worden.

In der Kirchengemeinde führten die unterschiedlichen Haltungen offenbar immer wieder zu Reibereien, unter anderem, als bei der Besetzung eines Ausschusses alle gewählten Vertreter anders abstimmten als der Pfarrer. Der sei gekränkt und verletzt gewesen, sagt ein Mitglied des Gremiums, und habe ein Gespräch mit dem gewählten Vorsitzenden Stefan Hertkorn ausgeschlagen. Dieser legte in der Folge sein Amt nieder.

Aufgrund des Konfliktes empfahl Dekan Magino dem Kirchengemeinderat und dem Pfarrer ein Mediationsgespräch mit Dekanatsreferentin Simone Jäger und einem externen Mediator. Termin war der 12. Juni, der ohnehin als „Tag der Räte“ in der Kirchengemeinde eingeplant war. Die Mitglieder des Gremiums seien dann aus allen Wolken gefallen, als  Amann erklärte, er werde die Pfarrstelle wechseln und eine Pfarrei im Dekanat Biberach übernehmen, berichtet einer: „Wir sind gekommen im Glauben, dass wir hier einen Kompromiss finden.“ Noch am selben Abend habe die Nachricht dann in der Schwäbischen Zeitung gestanden.

Dass ein Pfarrer nach zehn oder mehr Jahren wechselt, sei durchaus üblich und von den Kirchenoberen sogar gewünscht, sagt Magino. Trotzdem war der Vorgang auch aus seiner Sicht schon ungewöhnlich – im Regelfall habe man mehr Zeit, Dinge in der Gemeinde abzuschließen und zu übergeben. Amann betont, dass er die Pfarrei „in einem sehr guten Zustand“ hinterlasse, manche Gemeinderatsmitglieder sehen eher einen Scherbenhaufen. Zumal sie finden, dass der Theologe mit der Art, wie er seinen Abschied in der Kirche verkündet hat, den Gemeinderat zum Sündenbock macht. Dabei habe man ihn zu keinem Zeitpunkt loshaben wollen, sondern immer einen gemeinsamen Weg zum Ziel gehabt. 

Nun wird ein Administrator für die Pfarrei eingesetzt werden, ein anderer bereits im Dekanat tätiger Pfarrer bekommt diese Aufgabe zusätzlich. Parallel dazu wird die Stelle ausgeschrieben; der Termin für Bewerbungen zum Advent ist aber schon vorbei. Es dürfte folglich etwas länger dauern, bis Baltmannsweiler und Aichwald wieder einen katholischen Pfarrer haben. Das zumindest ist nicht ungewöhnlich.  aia / Foto: Roberto Bulgrin


Nicht mehr als 1000 Seebesucher

Badeseen im Kreis mit guter Wasserqualität – Weiterhin gelten Beschränkungen wegen Corona

Der Sommer ist da, und die Menschen zieht es zu den Seen in der Region, zumal dort eine sehr gute Wasserqualität herrscht.  So auch bei den  Badeseen im Landkreis Esslingen. Aber auch an den Stränden der Seen gelten Coronaregeln.

In Neckartailfingen ist man aktiv geworden, nachdem im vergangenen Jahr Badegäste den Aileswasensee überrannt hatten. Für den Seebesuch gelten die gleichen Regeln wie im vergangenen Jahr.  Eine Allgemeinverfügung wurde aufgesetzt, demnach dürfen nicht mehr als 1000 Menschen  gleichzeitig den See  besuchen.  Der Einlass wird von Security-Mitarbeitern kontrolliert, alle Besucher erhalten ein Einlassbändchen. Die Festlegung auf maximal 1000 Besucher sei notwendig, um die Einhaltung der Corona-Regeln kontrollieren zu können.

Alle  Informationen zum Betrieb des Aileswasensees gibt es täglich über die Neckartailfingen-App per Push-Nachricht. Die App kann unter www.neckartailfingen.de oder in Online-Stores heruntergeladen werden.

Mitarbeiter des Gemeindevollzugsdiensts kontrollieren  den Parkplatz des Sees. Die Parkgebühren betragen zehn Euro  für ein Tagesticket, vier Euro  für das Abendticket ab 17 Uhr und zwei Euro für das Kurzparkticket für 60 Minuten. Seit kurzem  können Autofahrer auf dem Parkplatz am Aileswasensee die Möglichkeit nutzen, ihr Parkticket mit nur einem Klick über die Park-Now- App zu lösen und im Anschluss bargeldlos zu bezahlen.  Bezahlt wird nach den aktuell gültigen Tarifen über eine monatliche Sammelabrechnung oder über den eigenen Mobilfunkanbieter. Mehr dazu findet man unter  https://de.park-now.com.

Da viel „wild“ geparkt wird, auch im Vorort und auch im Halteverbot, kontrolliere der Ordnungsdienst regelmäßig. „Wir schleppen auch ab“, heißt es aus dem Rathaus. 

Beliebt sind auch die Bürgerseen in Kirchheim: Um die dortige Parkplatzsituation zu entspannen, hat die Stadtverwaltung  einen Shuttleservice per Bus eingerichtet. Samstags und sonntags zwischen 10 und 18 Uhr bieten zwei Busse im Pendelverkehr alle 15 Minuten den Transfer zwischen dem Parkplatz Hahnweide und den Bürgerseen an.  Haltepunkte sind  ausgeschildert.

Die Shuttlebusse, in denen Masken vorgeschrieben sind,  bieten Platz für acht Personen und verfügen über Abstellmöglichkeiten für Rollatoren und Kinderwagen.  Der Shuttle fährt  vorerst im Testbetrieb, ein Ticket kostet drei Euro. Die Fahrten werden an Wochenenden mit Badewetter angeboten und ausgewertet – je nach Resonanz soll das Angebot über den Sommer ausgeweitet werden. Die Bürgerseen sind ohne Zugangskontrollen zugänglich, auch die Grillstellen sind offen.  Zwischen  Besuchergruppen muss ein Mindestabstand von 1,5 Metern bestehen. Die maximal erlaubte Personenzahl pro Gruppe ist von Stufen in Verbindung mit der Inzidenzzahl abhängig. 

In diesem Jahr kann man auch  im  Bissinger See baden.  „Da die Verhältnisse  kleinräumig sind und kein beaufsichtigter sowie nicht über Zugangskontrollen gesteuerter Badebetrieb  stattfindet, bedarf es der Rücksicht eines jeden Gastes“, mahnt  Lisa Weiss, die stellvertretende Hauptamtsleiterin an.  Auch das Beachvolleyballfeld ist  frei gegeben. Der Festplatz wurde als Ausweichparkplatz ausgewiesen.

Erneut weisen nahezu alle Badegewässer in Baden-Württemberg eine hervorragende Wasserqualität auf.    bob / Foto: Archivfoto: Horst Rudel

Info: Einen Überblick zu den Badestellen und nähere Informationen bietet die Badegewässerkarte 2021.


Wasserstoff treibt die Zukunft an

In der Esslinger Weststadt wird eines von bundesweit sechs städteplanerischen Leuchtturmprojekten eröffnet

Auf dem Gelände des ehemaligen Esslinger Güterbahnhofs hält die Zukunft Einzug:  Mit dem sogenannten Klimaquartier in der Neuen Weststadt ist vergangene Woche ein bundesweit einmaliges Leuchtturmprojekt eröffnet worden.  Dort werden neue Energiekonzepte erprobt, die einen Beitrag zur Energiewende leisten sollen. Herzstück des Vorzeigeviertels ist eine Energiezentrale, in der grüner Wasserstoff produziert und sogar  die Abwärme aus dieser Produktion genutzt wird.

Wer auf den Dächern der Wohnhäuser in Block D der Neuen Weststadt steht, kann  nicht nur den Ausblick auf  Stadt und  Weinberge genießen, sondern auch einen zentralen Eckpfeiler des Energiekonzepts in dem Quartier bewundern. Denn die Gebäude sind mit Fotovoltaikanlagen geradezu gepflastert. Kein Wunder: Die Solarenergie wird sowohl für die Stromversorgung der Bewohner gebraucht als auch für  die Wasserstoffproduktion. Letztere entsteht durch Elektrolyse. Dabei fällt Abwärme an, die wiederum rund 50 Prozent der Wärmeversorgung in dem Quartier decken soll. „Das ist absolut innovativ, das gibt es so noch nicht in Deutschland“, betont der Projektleiter Norbert Fisch.

Seit Januar 2019 entsteht auf einer Fläche von rund 100 000 Quadratmetern die „Neue Weststadt“ mit 450 Wohnungen, Büro- und Gewerbeflächen sowie dem Neubau der Hochschule Esslingen. Das als innovativ und nachhaltig geltende Klimaquartier ist  eines von bundesweit sechs städteplanerischen Leuchtturmprojekten, die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert werden.

Das mit rund elf Millionen Euro Bundesmitteln geförderte Quartier integriert  die Nutzung von  „grünem Wasserstoff“ – mit dem Ziel, pro Bewohner einen jährlichen CO2-Ausstoß von unter einer Tonne für Wohnen und Mobilität zu erreichen. Insgesamt soll das Stadtviertel dazu beitragen, dass  die  CO2-Emissionen in Esslingen um ein Viertel  reduziert werden. Damit leiste das innovative Stadtviertel einen echten Beitrag zur Energiewende, ist man im Rathaus überzeugt.

Kernstück des technologisch innovativen Stadtquartiers ist das energetische Versorgungskonzept, das eine Kopplung der Sektoren Strom, Wärme, Kälte und Mobilität vorsieht. Ein Elektrolyseur wandelt überschüssigen erneuerbaren Strom  in  Wasserstoff um und macht die Energie auf diese Weise speicherfähig. Werde später wieder Strom im Quartier benötigt, lasse sich der Wasserstoff klimaneutral in Blockheizkraftwerken wieder rückverstromen, heißt es. Darüber hinaus soll der lokal erzeugte Wasserstoff auch für quartiersfremde Nutzer bereitgestellt werden. Unter anderem sollen die O-Busse des SVE zum Teil damit gespeist werden. Zudem  sind eine Wasserstoff-Abfüllstation, eine Wasserstoff-Tankstelle und eine Gasnetz-Einspeisestation im Quartier geplant. Langfristig will man noch weiter gehen und den grünen Wasserstoff etwa der lokalen Industrie zur Verfügung stellen.  

Oberbürgermeister Jürgen Zieger zeigte sich bei der Eröffnung höchst zufrieden: „Das hässliche Entlein Güterbahnhof hat sich in einen schönen Schwan verwandelt.“  Er sei glücklich und stolz angesichts des innovativen Energiekonzepts in dem Vorzeigeviertel, so Zieger.  Allerdings sei diese Wandlung nicht vom Himmel gefallen, sondern nur mit viel Arbeit erreicht worden. Projektleiter Fisch betonte: „Der Weg zur Klimaneutralität kann nur über solare Wasserstoff-Wirtschaft führen. Im Klimaquartier Neue Weststadt können wir zeigen, dass sich diese Technologie auch auf kommunaler Ebene erfolgreich in Bauprojekte eingliedern lässt und so zur notwendigen Energiewende beitragen kann.“

Zu den geförderten Leuchtturm-Projekten in Deutschland gehören neben der „Neuen Weststadt“ in Esslingen ähnliche  Projekte in Heide,  in Stuttgart (Olgahospital) und Überlingen,  in Kaiserslautern, Zwickau und  Oldenburg. Esslingen sei den anderen aber weit voraus, betonten OB Zieger und Projektleiter  Fisch.  meb / Foto: Roberto Bulgrin


Abgestimmt

Das Bundesarbeitsgericht hat entschieden, dass Pflegekräften in der häuslichen 24-Stunden-Pflege meist alter Menschen der Mindestlohn zusteht. Richtig so?

Foto: dpa

Mindestlohn zahlen?

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Die ewige Baustelle

Seit 2014 wird die Nellinger Realschule saniert – Im Streit mit einer Baufirma zeichnet sich nun eine Lösung ab

Warum geht nichts voran an der Realschule in Nellingen? Beim Blick auf die Bauzäune, die seit Jahren das Bild um das Gebäude im Schulzentrum prägen, wird sich so mancher diese Frage stellen. Eine Firmeninsolvenz, wie gelegentlich gemutmaßt wird, steckt nicht dahinter. Dass sich der Abschluss der Rundumsanierung immer wieder hinauszögert, hat einen anderen Grund: Die Stadt Ostfildern als Auftraggeber liegt über Kreuz mit einem Stahlbau-Unternehmen, das die Arbeiten für die Konstruktion der Fassade, die als Fluchtsteg und zugleich als Sonnenschutz dienen soll, nicht in der Weise ausführt, wie es der Bauplan vorsieht. Es geht um die konkrete Umsetzung der planerischen Vorgaben, aber auch um Fragen der eingesetzten Materialien. Und letztlich  natürlich auch um die Kosten.

Anwälte wurden eingeschaltet, unzählige Verhandlungen geführt. Ohne Erfolg. Doch jetzt scheint man einen Weg gefunden zu haben, das Dauerärgernis zu lösen. Wie Peter Heinzmann, Abteilungsleiter für technisches Gebäudemanagement,  berichtet, haben beide Seiten eine Vereinbarung getroffen. Diese sieht vor, dass die verbleibenden Arbeiten bis Ende April 2022 erledigt werden. Über die Mehrkosten, die nun für die Stadt anfallen, will Projektleiter Heinzmann keine konkreten Angaben machen.  Bisher war immer von gut 13 Millionen Euro die Rede, die die Kommune insgesamt für die Komplett-Erneuerung des Schulgebäudes aufbringen muss. 2012 hatte man mit der Planung begonnen, die ersten Arbeiten erfolgten 2014.  Auslöser für die Sanierung war damals  der mangelhafte Brandschutz. Um nicht bald wieder modernisieren zu müssen,  wurden auch elektrische Anlagen, Lüftung, Heizung, Fenster und viele andere wesentliche Bauteile Zug um Zug erneuert. Letztlich wurde die ganze Schule umgemodelt, um auch den veränderten pädagogischen Anforderungen gerecht zu werden.

Der Bauzeitplan sah ursprünglich eine Fertigstellung im Sommer 2019 vor. Doch gab es immer wieder Streit mit der Baufirma, die den Auftrag für den Rettungssteg erhalten hatte. Dabei ging es um die Konstruktionspläne, wie diese technisch umgesetzt werden sollen und um  Veränderungen, auf die die Stadt pocht. Die Westseite der Außenfassade, die in Brandfällen auch als Rettungsweg genutzt werden soll, ist mittlerweile komplett fertig, die Nordseite etwa zur Hälfte. Eine offene Baustelle ist nach wie vor die Südseite. Um in den dort angesiedelten Klassenzimmern überhaupt unterrichten zu können, hat man schon vor längerer Zeit Planen als provisorischen Sonnenschutz aufgehängt. Das Problem: Der eigentliche Sonnenschutz kann erst montiert werden, wenn das Stahlgerüst steht.

Höchst ärgerlich ist die Sache für Oberbürgermeister Christof Bolay. „Die Firma lässt uns hängen“, kritisiert er. Ihm sei bewusst, „dass wir   die Geduld vieler arg strapaziert haben“. Wichtig sei bei allem Ärger, dass die Schule funktioniert. Nun sei jedoch ein Ende der Bauarbeiten abzusehen. Für das Stadtoberhaupt ist der Streit mit der Stahlbau-Firma noch längst nicht ausgestanden. Man werde  sicher prüfen lassen, ob alles rechtmäßig gelaufen sei.

Realschul-Direktor Markus Fritz hat sich mittlerweile ein dickes Fell zugelegt. „Wir sind Baustellen schon gewohnt und tragen es mit Fassung“, sagt er. Zum Glück seien wenigstens im Inneren fast alle Arbeiten abgeschlossen. Dass die Schule nun über modernste Medien verfügt, habe geholfen, die Corona-Krise gut zu kompensieren. Probleme gebe es, weil es wegen der Dauerbaustelle keine Wegweiser gebe. „Viele finden uns gar nicht.“  

Was den Abschluss der Arbeiten an der Realschule angeht, zeigt sich Fritz optimistisch: „Jetzt haben wir zumindest mal einen Zielhorizont.“ Der Beliebtheit der Schule hat die fortwährende Bautätigkeit offenbar nicht geschadet. Der Direktor berichtet von mehr als 90 Neuanmeldungen für das kommende Schuljahr. „Ein weit überdurchschnittliches Ergebnis.“ Im Augenblick besuchen rund 640 Mädchen und Jungen die Nellinger Realschule.  hf / Foto: Ines Rudel


Hauptschlagader wieder frei

Die Esslinger Geiselbachstraße ist  nach fast zwei Jahren Sanierung am Freitag  für den Verkehr freigegeben worden

Diesen Moment dürfte so mancher Esslinger sehnlichst herbeigewünscht haben: Vergangenen Freitag sind die Geiselbachstraße und die Mittlere Beutau  wieder beidseitig für den Verkehr geöffnet worden. Nach knapp 15-monatiger Vollsperrung gelten die Sanierungsarbeiten am Geiselbachkanal als abgeschlossen.  Mit der Freigabe der Hauptschlagader aus dem Norden runter in  die Innenstadt geht eine lange und beschwerliche Zeit für  Anwohnerinnen und Anwohner der Baustelle und der Umleitungsstrecken, aber auch für viele Verkehrsteilnehmer zu Ende.

Knapp zwei Jahre hat die Sanierung des Geiselbachkanals insgesamt gedauert.   Und schon davor hatte es erhebliche Verkehrseinschränkungen am Fuße des Kanals gegeben, weil die Augustinerbrücke aufwendig saniert worden war. Die Instandsetzung des zum Teil unter Denkmalschutz stehenden Geiselbachkanals war eine Herkulesaufgabe.  Insgesamt wurden knapp 600 Meter des Kanals, der mittig unter der Geiselbachstraße und der Mittleren Beutau verläuft, umfassend saniert oder gleich ganz  neu gebaut. Dabei wurden gut 172 glasfaserverstärkte Rohrelemente mit Durchmessern von bis zu zwei Metern verlegt, etwa 18 Schächte und ein Schachtbauwerk gebaut sowie über 200 Hausanschlüsse erneuert.

In verschiedenerlei Hinsicht handelte es sich um eine außergewöhnliche Baustelle. So musste wegen  der Kanalsanierung  auch die Ableitung des Abwassers verlegt werden: Dieses wurde vorübergehend durch eine blaue Pipeline auf Stelzen geschickt. Besonders aufwendig war die logistische Organisation der Baustelle, um Anwohnern sowie  Rettungskräften trotz des beengten Raums jederzeit den Zugang zu den Grundstücken zu ermöglichen. Zudem begleiteten archäologische Forschungsarbeiten  die Arbeiten im historischen Kanalverlauf – und zu allem Überfluss wurde die Baustelle  vergangenen Juni von einem  Starkregen geflutet.

Zuletzt wurden Restarbeiten erledigt. So wurde etwa die Asphaltdeckschicht in einem Zug aufgebracht,  Markierungsarbeiten (unter anderem bergaufwärts eine Radspur in der Mittleren Beutau) wurden erledigt und Schilder aufgestellt.

Mit dem Ende der Großbaustelle wird nun auch ein Teil der Änderungen der Verkehrsführungen zurückgenommen. So werden bis Ende Juni  die Bushaltestellen in Uhlbach zurückgebaut, die Halteverbote im Hölderlinweg entfernt und die Parkverbote in der Uhlbacher Straße zurückgenommen. Die verkehrsarme Zeit bis zum Ende der Sommerferien will die Stadt dafür nutzen, sämtliche Abbiegebeziehungen am Hirschlandkopf wieder herzustellen, die Führung der Linksabbieger durch den Goerdelerweg zu entfernen und die Busspur in der Rotenackerstraße zwischen Eugen-Bolz-Straße und Flandernstraße zurückzubauen.

Erhalten bleiben dagegen die Bus- und Radspur in der Mülbergerstraße, die Radspur in der Wielandstraße, die Radquerung am Hölderlinweg, die Abbiegespur am Neckar Forum, die Neuordnung der Spuren an der Bushaltestelle Katharinenstaffel, die Ordnung der Stellplätze in der Sulzgrieser Steige und das Bewohnerparken im Gebiet um die Mülbergerstraße.

Der Busverkehr  kehrt wieder zum Normalfahrplan zurück. Seit Samstag fährt die Buslinie 109, die während der Sperrung zwischen Sulzgrieser Steige, Rüdern und Obertürkheimer Bahnhof verkehrte,  wieder vom ZOB über Krummenacker bis zur Rüderner Glocke und zurück. Der Hölderlinweg wird nicht mehr befahren, die Linien 110, 112 und N12 kehren  auf die alte Streckenführung über die Mülbergerstraße zurück.

Der Erste Bürgermeister Wilfried Wallbrecht resümiert, dass der marode Kanal schnellstmöglich erneuert worden sei. Damit sei „die Ableitung des Abwassers aus ganz RSKN für die kommenden 100 Jahre“ gesichert. Mit rund 10,9 Millionen Euro wurden die  Gesamtkosten nach Angaben der Stadtverwaltung weitgehend im geplanten Rahmen gehalten.   meb / Foto: Roberto Bulgrin


Rohdiamant wird Schmuckstück

Testphase für Nürtinger Stadtbalkon gestartet – Flaniermeile verbindet den Neckar und die Innenstadt

Die Schauseite der Stadt aufwerten, Fußgängern und Radlern den Vorrang gegenüber  Autos einräumen, die Menschen und den Fluss zusammen bringen – die Stadt Nürtingen hat mit der Eröffnung des Stadtbalkons zwischen dem Hölderlindenkmal am Steinachdreieck und der Stadtbrücke die Testphase für eine Flanier- und Genussmeile gestartet. Wenn die Nürtinger den Stadtbalkon annehmen und nutzen und darüber hinaus die erhoffte Aufwertung des westlichen Stadteingangs eintritt, soll die Flanierzone zur Dauereinrichtung werden.

Zur Eröffnung am vergangenen Freitag erinnerte Nürtingens Oberbürgermeister Johannes Fridrich daran, dass er bereits in der  Phase des Wahlkampfs um das Amt vor mehr als zwei Jahren    das Ziel formuliert hatte, die Alleenstraße für den Autoverkehr zu sperren und so umzugestalten, dass die Straße zu einer Zone entspannten Flanierens, für ungestörten Aufenthalt und Genuss werden kann. Die Schauseite der Stadt sollte damit aufgewertet, die Menschen und der Fluss zusammen gebracht und positive Effekte für die weitere Entwicklung der Innenstadt erzielt werden.

„Der Rohdiamant Neckarufer sollte zum Schmuckstück geschliffen werden“, sagte Fridrich. Die Sperrung der Alleenstraße zwischen dem Steinachdreieck und dem Kreisverkehr an der Stadtbrücke erlaubte schließlich die Umgestaltung zur Flanier- und Genussmeile. Vor etwa einem Jahr begannen die Vorbereitungen durch ein Projektteam unter der Leitung von Fridrichs Assistentin Annelie Frantz. Nach und nach entstanden Sitzmöbel, wurden Hochbeete angelegt, Kübel und Behälter mit Gräsern und bunten Blumen bepflanzt und nahe des Hölderlindenkmals ein Sandstrand mit Liegestühlen und Sonnenschirmen eingerichtet. Wo zuvor Autos parkten, wurden Pflanzkübel mit großen Palmen und Bananenstauden aufgebaut. Die Gastronomen stellten Tische und Stühle auf die Straße und an das von Kindergärten mit Wimpeln bunt geschmückte Geländer zum Neckar hin.

„Wir sind dem Ziel, den Neckar und die Stadt zu verbinden, die Menschen und den Fluss zusammen zu bringen, ein gutes Stück näher gekommen“, sagte Fridrich.

Die  Stadtverwaltung betrachtet die Einrichtung des Stadtbalkons  auch als Auftakt und wichtigen Impuls für die Stadtentwicklung. So verweist etwa die Sperrung der Alleenstraße für den Autoverkehr und ihre Ausweisung als Fahrradstraße auf  die Mobilität der Zukunft in der Innenstadt. Radfahrer finden nahe des Hölderlindenkmals eine Mobilitätsstation mit der Möglichkeit, Akkus zu laden und Räder zu reparieren. Die Testphase des Stadtbalkons  bis zum Ende der Sommerferien soll  auch Aussagen über die Möglichkeit einer dauerhafte Sperrung für den Autoverkehr liefern.

Stärker noch fällt die Aufwertung der Schauseite der Stadt ins Gewicht. Eines der Häuser entlang der Alleenstraße wurde bereits saniert, und die Verwaltung hofft auf den Domino-Effekt, dass andere Besitzer historischer Häuser am Stadteingang nachziehen, wie Fridrich sagte. „Insgesamt werden wir einen großen Mehrwert für die Stadt erleben“, sagte er. pst / Foto: pst

Info: Sicherheitshinweise und Informationen zu Öffnungszeiten, kulturellen und  gastronomischen Angeboten findet man unter www.nuertiingen.de/stadtbalkon


Abgestimmt

Firmen rufen Mitarbeiter aus dem Homeoffice zurück. Was sagen Sie: Soll  auch weiterhin verstärkt im Homeoffice gearbeitet werden?

Foto: dpa

Weiter Homeoffice?

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Die Kultur ist zurück

Nürtinger Kulturbühne bietet bis Ende August 31 Veranstaltungen – Musik, Kino und Kabarett

Die Kultur kommt in die Stadt zurück. Dank sinkender Infektionszahlen können Musik, Kino und Kabarett wieder live erlebt werden. Bis zum 29. August wird die Nürtinger Kulturbühne auf dem Platz bei der Stadthalle K3N mit insgesamt 31 Veranstaltungen bespielt. Nach dem Hygienekonzept sind jeweils 120  Besucher zugelassen.

„Wir freuen uns, dass es wieder los geht mit Kulturveranstaltungen vor Publikum. Mit der Kulturbühne haben wir dabei die Neuauflage eines Erfolgskonzepts und ein Zeichen der Hoffnung“, sagte Nürtingens Oberbürgermeister Johannes Fridrich bei der Vorstellung der Programms der Kulturbühne. Bereits im vergangenen Jahr hatte sich die Kulturbühne auf dem laut Fridrich „völlig unterschätzten Platz“ neben der Stadthalle als Veranstaltungsort bewährt, sodass das städtische Kulturamt und das Stadthallenmanagement eine Neuauflage zum 1. Mai geplant hatten. Die Infektionslage hatte die Veranstalter dabei allerdings ausgebremst – was dem Vorhaben aber nicht geschadet hat, sagte der Stadthallenmanager Michael Maisch. „Wir hatten viel mehr Zeit, alles vorzubereiten“, erzählte er.

Nürtinger Künstler waren eingeladen worden, sich an der Kulturbühne zu beteiligen, „und alle sind mit Begeisterung dabei. Dazu haben sich Bands und Ensembles von sich aus bei uns gemeldet“, berichtete Maisch. Auch die Verschiebung  des Starts der Kulturbühne um sechs Wochen habe kaum Probleme verursacht, fast alle geplanten Veranstaltungen könnten stattfinden.

Das Veranstaltungsgelände neben der Stadthalle wird durch Sichtschutzplanen mit bunten Nürtinger Motiven abgegrenzt. Um die Hygienevorgaben einhalten zu können, ist die Besucherzahl auf 120 beschränkt. Snacks und Getränke werden am Platz serviert. Bei schlechter Witterung kann in die Stadthalle und in die Kreuzkirche ausgewichen werden.

Die Palette des Veranstaltungsprogramms ist breit gefächert. Neben Kabarettabenden am Sonntag, 20. Juni,  und am Sonntag, 4. Juli, stehen allerdings mit 18 Konzerten die Musik und mit sechs Open-Air-Kinoabenden der Film im Vordergrund. Musikalisch ist eine große Bandbreite von Genres von der Rockmusik über Folk, Klassik, Chanson und Pop erfasst, was auch Nürtinger Konzertveranstaltern zu verdanken ist, die die Kulturbühne bespielen. „Das macht auch  Hoffnung auf weitere Angebote in der Stadt“, sagte Kulturamtsleiterin Susanne Ackermann.

So präsentiert etwa der Club Kuckucksei am Freitag, 18. Juni, ein Konzert mit der Band „Hiss“, am Samstag, 26. Juni, bringt das Theater im Schlosskeller das Ensemble „Les For me-dables“ mit französischen Liedern auf die Kulturbühne, und am Sonntag, 27. Juni, gastieren dort die Stuttgarter Saloniker. Rauere Töne bieten Bands wie „H-Rocks“ oder „The Gents“,  einige Virtuosität am Instrument wird am Samstag, 24. Juli, beim Concerto Piccolo der Stadtkapelle Nürtingen zu hören sein. Von Freitag bis Sonntag, 9. bis 11.:Juli, präsentiert die Stadt Nürtingen unter dem Titel „Wieder präseNT“ ein dreitägiges Musikfestival mit Rock und Pop.

Die Stadthalle hat von Mittwoch bis Montag, 14. bis 19. Juli, ein Open-Air-Kinoprogramm auf die Beine gestellt. Eine Vorband stimmt jeweils auf den Film ein.  pst / Fot: pst

Info: Nürtinger Kulturbühne bis 29. August; ein Flyer liegt aus. Weitere Infos gibt es unter www.k3n.de


Messung: alles im grünen Bereich

Prüfer haben an 52 Tagen  das Gebiet rund um das Reichenbacher Entsorgungsunternehmen Remondis abgeschnüffelt

Die von der Firma Remondis im Reichenbacher Gewerbegebiet ausgehenden Gerüche sind für die Anwohner zumutbar: Das hat das Entsorgungsunternehmen, das dort Gelbe Säcke dem Recycling zuführt, mittlerweile vom Esslinger Landratsamt bescheinigt bekommen.

Die Temperaturen steigen und mit ihnen die Sorge mancher Reichenbacher, dass im Osten der Gemeinde wieder vermehrt Gestank, Fliegen und sogar Ratten auftreten werden. Darüber hatten im vergangenen Jahr vermehrt die direkten Anwohner, aber auch die Bewohner nahe gelegener Wohngebiete geklagt. Sie sahen den Ursprung der Probleme in den Gelben Säcken bei Remondis.

Aufgrund der Klagen ordnete das Landratsamt Esslingen Geruchsmessungen an, die über einen Zeitraum von rund sechs Monaten durchgeführt wurden – ein ziemlich aufwendiges und für Laien nicht leicht zu verstehendes Verfahren. Denn bislang gibt es keine zugelassenen Geräte, die die Geruchsbelastung messen. Stattdessen kommen nach einem genau definierten Verfahren menschliche Nasen zum Einsatz, nämlich die von geschulten Prüfern. Konkret haben nach Angaben der Kreisbehörde an 52 Messtagen jeweils neun Personen Begehungen im Umfeld von Remondis durchgeführt und dabei 559 Einzelwerte erhoben. Diese wiederum bestehen aus jeweils 60 Riechproben, die zehn Minuten lang alle zehn Sekunden erhoben und direkt digital erfasst werden. So die technischen Angaben zum Vorgehen. Durchgeführt wurden die aufwendigen „Rastermessungen“ von einem spezialisierten Fachbüro. Um die Qualität der Gerüche geht es dabei nicht, lediglich um die Quantität. Sprich, es wird festgehalten, ob ein Geruch wahrnehmbar ist, ganz unabhängig von seinem Charakter. Denn ob etwas gut riecht oder nicht, ist ein Stück weit subjektiv – auch intensiver Parfümduft kann ja durchaus lästig sein.

Die Geruchsimmissionsrichtlinie (GIRL) regelt, wann eine Geruchsbelastung als erheblich einzustufen ist. In Gewerbegebieten wird den Bewohnern mehr zugemutet als in Wohngebieten, die Regel spricht von einer zulässigen Geruchsstundenhäufigkeit von 15 Prozent auf das Jahr bezogen. Was auch immer das genau heißen mag, rund um Remondis wird dieser Wert nach Aussage der Gutachter nicht überschritten. Folglich kann die Firma eigentlich weitermachen wie bisher. Allerdings, schreibt Andrea Wangner, die Pressesprecherin des Landkreises, habe dieser Remondis dennoch aufgefordert, „von dem Gelände ausgehende Geruchsemissionen im Rahmen des betrieblich Möglichen zu minimieren“. Die Firma habe zudem zugesagt, „dass sie den Turnus der Fliegenbekämpfung verkürzen“ werde, berichtete der Bürgermeister Bernhard Richter im Gemeinderat. Richter setzt auch Hoffnung in eine neue Halle, die auf dem Firmengelände gebaut wird. Wenn diese fertig sei, werde sich die Lage weiter verbessern. Er habe auch den Eindruck, dass jetzt verstärkt darauf geachtet werde, die Tore zu schließen: „Die wollen auch nicht negativ in der Presse stehen.“

Man nehme das Ergebnis zur Kenntnis, sagte Sabine Fohler (SPD), allerdings „mit einer gewissen Verwunderung“. Jetzt müsse man weiter beobachten, denn „die warmen Temperaturen kommen ja erst noch“. Auch Andreas Löffler (CDU), der im Vorjahr drastisch eigene Erfahrungen geschildert hatte, klang ziemlich ernüchtert. „Es ist wie es ist“, sagte er. Das vorgelegte Ergebnis sei das eine, die Erfahrungen der Leute, die dort wohnen, das andere. Man werde die Sache im Auge behalten und „neutral beobachten“, versprach der Rathauschef. Gegebenenfalls werde man erneute Messungen einfordern.  aia / Foto: Karin Ait Atmane