Einfach mal wieder abtauchen

Nach einer umfassenden Sanierung hat das Hallen-Freibad in Berkheim seine Pforten wieder geöffnet

Gute Nachrichten für alle Freunde des Berkheimer Hallen-Freibads: Nach einer fast zweijährigen Schließung ist das frisch sanierte Bad seit vergangenem Freitag wieder geöffnet. Seit September 2019 hat das 1975 eröffnete Bad eine Rundum-Erneuerung bekommen. Rund zehn Millionen Euro nimmt die Stadt Esslingen dafür in die Hand. Der frische Wind weht einem direkt beim Betreten des Bads entgegen: Hell und offen ist der komplett neu gestaltete Eingangsbereich. Gerade in Coronazeiten greift  das kontaktlose Zugangssystem: „Derzeit ist nur eine begrenzte Besucherzahl möglich. Daher ist es nötig, dass die Badegäste ihr Ticket 24 Stunden vorab online buchen“,  sagt Michael Werner, Bäderleiter der Stadtwerke Esslingen.  Mit dem Barcode auf dem Smartphone oder ausgedruckt kommt man dann ins Bad und am Ende auch wieder raus.

Geöffnet hat das Bad täglich von 12  bis 19.30 Uhr, und man kann den ganzen Nachmittag bleiben. Bleibt die Corona-Inzidenz stabil unter 35, ist ein Negativ-Testnachweis  nicht nötig. Die Regeln werden je nach aktuell gültiger Coronaverordnung flexibel angepasst.

Ist die Schranke erst einmal passiert, geht es für die Freibadbesucher den Flur entlang direkt in den Außenbereich. Über das gesamte Gebäude und dessen neuen Umkleide-, Dusch- und Sanitärbereich zieht sich das optisch stimmige Farbkonzept aus Weiß-, Grau- und Rottönen. Barrierefreiheit und ein am Boden farblich hervorgehobenes Leitsystem für sehbehinderte Besucher wurden beim Umbau ebenfalls beachtet.

„Allein schon die Technik zur Wasseraufbereitung war völlig veraltet. Seit den 1970er-Jahren gab es keine größere Sanierung. Für die neue, hochmoderne Filter- und Entlüftungsanlage wurde mehr Platz benötigt, in den Keller hat sie nicht mehr gepasst wie zuvor“, erklärt Michael Werner einen der Hauptpunkte der Sanierung. Der neue großzügige Technikraum liegt nun für die Besucher unsichtbar an der Rückseite des Hallenbads.

Im Hallenbad selbst blickt man durch die große Fensterfront auf das Freibad und dessen Außenanlage. Die Helligkeit wird durch die neuen Boden- und Deckenfliesen optisch verstärkt. „In der Halle wurden zudem die Empore entfernt und ein neues Innenbecken samt verstellbarem Hubboden eingebaut“, so Werner. Das Hallenbad werde voraussichtlich im Herbst in Betrieb gehen und kann dann wie üblich von Vereinen, Schulen und für Schwimmkurse genutzt werden.

Im Freibad wurde  das große Mehrzweck-Außenbecken komplett erneuert und mit modernster Wassertechnik ausgestattet. Für den besonderen Badespaß sorgt ab sofort eine große Rutsche, ein Geschenk der Berkheimer Egon-und-Susann-Eisele-Stiftung, sowie die neue Sprunganlage, bei der man aus einem, drei oder fünf Metern Höhe ins kühle Nass springen kann. Neu und einladend ist jetzt zudem der Bereich für die kleinsten Badegäste und ihre Eltern. Dort wartet ein Kinderbecken mit zwei Ebenen, kleinem Rutschbereich und Wasserspielgeräten. Weichen musste im Zuge der Sanierung der Saunabereich. Dafür gibt es einen neuen Kioskcontainer, für den noch ein Pächter gesucht wird. Alle Becken sind in Berkheim beheizt.

Nach dem Neckarfreibad ist das Berkheimer Hallen-Freibad die zweite abgeschlossene Bädersanierung in Esslingen. Nummer drei, ebenfalls mit voraussichtlich rund zehn Millionen Euro Sanierungskosten, ist das Merkel’sche Schwimmbad. „Eigentlich hätte diese Sanierung direkt im Anschluss an Berkheim starten sollen, das ist finanziell derzeit aber nicht möglich. Der Sanierungsstart wurde auf 2023 verschoben, einen genauen Zeitplan gibt es noch nicht“, berichtet Michael Werner. Das Merkelbad wird vermutlich nach der Sommerpause wieder öffnen und soll –  immer unter den jeweils aktuellen Corona-Bedingungen –  auch bis zum tatsächlichen Beginn der Sanierung nutzbar bleiben.  eis / Foto: Katja Eisenhardt


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Mit sinkenden Inzidenzen kommt die Abschaffung der Maskenpflicht ins Gespräch. Was denken Sie: Sind Masken jetzt überflüssig?

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Masken überflüssig?

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Aufrüsten für Wohnmobile

Beuren will auf 58  Stellplätze erweitern – Kohlberg zieht nach – Owen baut am Tennisplatz

Es ist ein relativ junger Trend, und er hat während der Zeit der Pandemie nochmals einen Schub erhalten: Mit dem Wohnmobil zu verreisen, lockt mehr und mehr Menschen. Und die Kommunen rüsten auf, um diese Art von Tourismus zu ermöglichen. Auch in unserer Region.

Ein großes Projekt steht in Beuren an. Dort sollen in nächster Nähe zur Panoramatherme  künftig 58  Stellplätze, sogenannte Premium-Plätze  für Wohnmobil-Touristen, bereitstehen.  Zu den Plätzen soll eine  Infrastruktur entstehen  – vergleichbar mit einem Campingplatz. Dazu gehören ein  Empfangsgebäude mit einer Fläche von rund 180 Quadratmetern, dazu Duschen und Toiletten für Männer und Frauen, ein Wickelraum, Spülmöglichkeiten sowie ein Raum für Waschmaschinen   und Trockner.   Außerdem werden ein barrierefreier  Waschraum und ein barrierefreies WC gebaut. Dieser Waschraum kann auch von Familien genutzt werden.

Eine weiterer Raum soll so angelegt sein, dass er als Büro oder als Shop genutzt werden kann.    Eine Schranke soll die Zufahrt zu den Stellplätzen regeln. Da die Plätze in nächster Nähe zum Panorama-Thermalbad gebaut werden, kann es technische Synergien geben. Die Heizung für das Empfangsgebäude und die sanitären Einrichtungen soll über eine Wasser-Wärmepumpe laufen, die mit dem warmen Wasser  aus der Panorama-Therme versorgt wird.  Die Gemeinde hat einen einen Antrag auf Baugenehmigung erteilt, das Verfahren läuft derzeit.

Den Tourismus ankurbeln möchte auch die Stadt Neuffen. Dort stehen bislang 16 Plätze für die rollenden Hotels zu Verfügung, vor zehn Jahren waren es gerade mal vier. Die 16 Plätze mit Blick auf den Hohenneuffen  reichen aber angesichts der Nachfrage auch nicht mehr aus, die Stadt  will nachrüsten.  Derzeit läuft  der Antrag für den Bau weiterer  acht Plätze, sodass Neuffen im nächsten Sommer 24 Plätze anbieten könnte. 

 Auch in Kohlberg wird geplant. Fünf Stellplätze mit Stromanschluss sollen künftig am Wanderparkplatz Steinernes Brückle zwischen Kohlberg und Neuffen entstehen – allerdings ohne Ver- und Entsorgungsstationen. 

Die Stadt  Owen will in den Tourismus investieren und den  Trend der rollenden Hotels mit bedienen. Auf dem Schotterplatz zwischen Tennisplatz und Fußballstadion könnte eine solche Standard-Anlage entstehen. „Sieben Plätze sind dort vorgesehen“, erklärt Eileen Gerstner, die Tourismusbeauftragte für den Gemeindeverband Lenningen, Erkenbrechtsweiler  und Owen (LEO).  Das Projekt befindet sich derzeit in der Planungsphase. Wann dort die ersten Reisemobile unterhalb der Burg Teck anrollen, ist noch nicht klar. „Es würde uns freuen, wenn es noch in diesem Herbst wäre“, sagt Eileen Gerstner, aber realistischerweise würde man mit Beginn des nächsten Jahres planen. „Wohnmobile könnten künftig  auch in Erkenbrechtsweiler und Lenningen ein Thema werden“, ergänzt Gerstner. 

Acht Stellplätze mitsamt den  Ver- und Entsorgungsleitungen hat die Stadt Weilheim  an der Kalixtenbergstraße unterhalb der Limburghalle  angelegt. Die  Stadt  investiert dort rund 90 000 Euro .

Plätze für Caravans haben auch die Städte Nürtingen (zwölf) und Kirchheim (drei), an der Landesmesse stehen 42 Plätze zur Verfügung. Dettingen gibt acht Plätze an, Holzmaden drei.  Esslingen hat Platz für zwei Wohnmobile.  bob / Foto: Peter Stotz

Info: Der Flyer des Landratsamts, der die Stellplätze zwischen Filder, Neckar und Alb auflistet,  muss überarbeitet werden. Aktuell sind die Internetportale www.promobil.de, www.womoclick.de/stellplaetze, www.mobilisten.de und  https://stellplatz.info.


Mehr als nur ein Stück Stahl

Der erste Oberleitungsmast des Projekts  Stuttgart 21 auf den Fildern wurde vor dem Tunnel in Denkendorf aufgestellt

Für die einen ist es nur ein Stück Metall, das am Mittwoch der vergangenen Woche auf der S-21-Baustelle  vor dem Tunnel in Denkendorf aufgestellt wurde. Für  die Mitarbeiter und Verantwortlichen von  Stuttgart 21 ist es ein wichtiger Schritt auf der Wegstrecke des umstrittenen milliardenschweren Bahnprojekts. Der Oberleitungsmast, der nun  aufgestellt worden ist, ist der erste seiner Art  auf dem Streckenabschnitt zwischen Wendlingen und Stuttgart. „Heute ist einer dieser Tage, auf die alle, die an einem Großprojekt arbeiten, hinfiebern. Ein neuer Abschnitt beginnt, es geht weiter unter Volldampf in Richtung Inbetriebnahme“, sagte Michael Pradel, der Geschäftsführer der DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH.

Der Rohbau der neuen Eisenbahnstrecke ist nun auch in diesem  Bereich  abgeschlossen. Das Haus stehe, jetzt würden die Möbel kommen, so beschreibt Pradel die nächste Etappe.    Nun werden die übrigen Masten aufgestellt –  das sind ganze 400 Stück in dem  Bereich zwischen dem  Flughafen und Wendlingen.  Für S 21 werden  insgesamt rund 1200 Oberleitungsmasten errichtet.   

Im September beginne dann der Bau der festen Fahrbahn auf den Fildern, und Ende dieses Jahres würden dort die ersten  Zugschienen verlegt, sagt Ralf Hickethier,  der Geschäftsführer der Firma SPL Powerlines Germany GmbH, die für den Bau der Masten verantwortlich ist.  Voraussichtlich ab Ende 2022  wird die Oberleitung an den  Masten auf den Fildern montiert.

Die Neubaustrecke Wendlingen–Ulm ist weiter fortgeschritten. Diese soll laut den Plänen der Bahn Ende 2022 bereits in Betrieb gehen. Die ICE werden dort künftig mit Geschwindigkeiten von bis zu 250 Kilometern je Stunde fahren. Die Fertigstellung des Tiefbahnhofs in Stuttgart und der Drehscheibe auf den Fildern peilt die Bahn für 2025 an – wenn alles gut läuft. Die Anbindung der Gäubahn wird aber auch zu diesem Zeitpunkt noch nicht realisiert sein.

Hickethier ist ein wenig stolz darauf, dass seine Firma  diesen Auftrag an Land ziehen konnte. Der  Mast sei  viel mehr als nur ein Stück Stahl. Er sei ein Baustein in der Strategie der klimaneutralen Schiene, sagt der Geschäftsführer. Die Bundesregierung plant, in den  kommenden fünf Jahren 70 Prozent der Strecken im  Eisenbahnnetz mit elektrischen Oberleitungen auszurüsten. Mit derartiger Technik können die  Züge schneller beschleunigen und sind zügiger unterwegs.   Daher können auf elektrifizierten Strecken auch mehr Bahnen  fahren.    

Corona hat auf der Filder-Baustelle bislang offenbar keine Schwierigkeiten bereitet.  Es seien zwar einzelne Infektionen vorgekommen, berichtet Hickethier, aber insgesamt habe alles gut geklappt. Man habe viel getestet und hoffe nun, durch die Betriebsärzte  das Impfen zu beschleunigen. 

Als ein  Kran den grünen Masten am Denkendorfer Tunnel aufrichtet, fliegt ein Flugzeug über die Baustelle. Ein Symbol, das  Michael Pradels Aussage unterstreicht: Auf den Fildern entstehe mit dem  Zug,  der S-Bahn,  der Stadtbahn,  dem Flughafen und der Autobahn eine   neue Verkehrsdrehscheibe, von der die Menschen hier profitieren werden.  Nur das Schiff fehle noch.  „Wenn die Schnellstrecke zwischen Stuttgart und Ulm fertig ist, ist  das Auto keine Konkurrenz mehr für den  Zug“, sagt Pradel.  

Doch nicht nur bei dieser Strecke würde sich die Fahrt mit der Bahn lohnen. Für die Menschen würden sich neue Möglichkeiten im Fern- und Nahverkehr auftun, sagt der Bauingenieur.  Bei Stuttgart 21 setzt die Bahn auf die  neue Signaltechnik ETCS. Mit dieser Technik  spare man sich nicht nur  die Signalanlagen, sondern würde auch die Leistung steigern. Es sei ein Meilenstein für den geplanten Deutschland-Takt.  Dieser sieht vor, dass bis  2030   die Züge zwischen den größten Städten im Halbstundentakt fahren.  ap/ch / Foto: Roberto Bulgrin


Ärger wegen des Trampelpfads

Bürgerausschuss RSKN und Bezirksbeirat Obertürkheim beleben  Verbindung – Anwohner sind nicht begeistert

Für den Weg aufs Feld, in die Weinberge oder in die Fabrik, aber auch für einen Besuch im Nachbarort bestehen von Alters her Fußwege zwischen den Ortschaften auf den Esslinger Höhen und dem Tal. Mitglieder des Bürgerausschusses Rüdern, Sulzgries, Krummenacker und Neckarhalde (RSKN) sowie  des Bezirksbeirats Obertürkheim haben so einen Weg zwischen Rüdern und Uhlbach wiederbelebt –  und dabei die Erfahrung gemacht, dass nicht jeder diese Tradition zu schätzen weiß.

„Früher sind die Leute zu Fuß und auf dem kürzesten Weg zur Arbeit im Weinberg oder aber in die Fabrik gegangen, und so sind auch die Rüderner zu Fuß nach Uhlbach oder nach Obertürkheim gelaufen“, erzählt Christine Sigg-Sohn vom Bürgerausschuss RSKN. Etliche solcher Fußwege in verschiedenen Ausprägungen –  mal als steile enge Treppen, mal als sanfte Wiesenwege –  verbinden Rüdern und Sulzgries im Esslinger Norden mit Mettingen, Obertürkheim und Uhlbach.

Einen dieser alten, „Wandel“ genannten Wege zwischen Rüdern und Uhlbach wurde im vergangenen Jahr reaktiviert. Wie Christoph Hofrichter, Mitglied im Bezirksbeirat Obertürkheim, berichtet, war dieser Weg lange nicht mehr begangen worden. Er verwilderte, war teilweise mit Dornengestrüpp und Gebüsch überwuchert und zugewachsen.

Unterstützt vom Bürgerausschuss RSKN hatte Hofrichter wesentliche Teile des Wegs freigeschnitten und ihn so aus seinem viele Jahre währenden Dornröschenschlaf geweckt. „Der Weg hatte keinen richtigen Namen. Früher wurde er einfach Indianerpfad genannt. Weil er zum größten Teil direkt an der Gemarkungsgrenze der beiden Städte verläuft, haben wir ihn Grenzwandelweg genannt“, erzählt Hofrichter.

In Rüdern zweigt der Weg von der Uhlbacher Straße etwa 50 Meter nach der Bushaltestelle Glocke links ab und passiert das Gelände des TV Obertürkheim. Dann  führt er  als schmaler Pfad mit gemächlicher Steigung entlang an Zäunen, alten überwachsenen Weinbergmauern und am Rand von Streuobstwiesen nach Uhlbach und mündet dort in die Passeier Straße. Der Weg ist etwa 500 Meter lang und befindet sich  teilweise als Flurstück im Eigentum der Stadt Esslingen. Früher  diente er sowohl zur Grenzmarkierung wie auch als Pfad zwischen privaten Grundstücken zu ihrer Erschließung.

„Der Grenzwandelweg führt uns in eine Zeit zurück, als der Fußverkehr zwischen den beiden Ortschaften die erste Wahl war. Es ist ein naturnaher, unbefestigter Weg, der zur Erkundung der näheren Umgebung einlädt“, sagt Christine Sigg-Sohn.

Allerdings scheinen nicht alle Zeitgenossen vom Reiz der Fortbewegung zu Fuß überzeugt zu sein. Bereits einige Zeit nach dem Freischnitt waren Hinweisschilder auf den Wegverlauf, die der Bürgerausschuss angebracht hatte, wieder verschwunden. Wegmarkierungen wurden überpinselt, und an einigen Stellen wurden „Betreten verboten“-Schilder aufgehängt. „Es scheint einige Leute zu geben, die etwas dagegen haben, dass jemand an ihrem Zaun vorbei geht. Das ist doch schlimm“, findet  Sigg-Sohn.

Wie  Hofrichter erzählt, gibt es nun von Uhlbacher Seite aus massiven Widerstand einiger Grundstücksbesitzer, die ein kurzes Wegstück als Privatgrund reklamieren. So wurde ein Schild aufgestellt, das die Nutzung des Wegs bei Strafandrohung untersagt. Zudem wurden einzelne Spaziergänger verbal angegangen. Dies sei Nötigung und strafbar, sagt Hofrichter. Spaziergänger hätten dort ein grundsätzliches Wegerecht: „Das ergibt sich auch aus dem Bundesnaturschutzgesetz. Es gibt ein Betretungsrecht der freien Landschaft, das schränkt das Eigentumsrecht ein.“

Hofrichter berichtet, dass die Causa bereits im Bezirksbeirat Obertürkheim thematisiert wurde. Dort werde auf eine gütliche Einigung gesetzt. Und auch Sigg-Sohn betont, dass die Uhlbacher Grundstücksbesitzer bestimmt keinen Massenansturm an Besuchern  zu befürchten haben.   pst / Foto: Peter Stotz


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Am 11. Juni startet die Fußball-Europameisterschaft. Es ist für Joachim Löw das letzte Turnier als Bundestrainer. Was meinen Sie: Hat die deutsche Nationalmannschaft Titelchancen?

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Titelchancen?

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Investition in neuen Geschäftsbereich

Die  Index-Werke erholen sich von der Coronadelle und stellen sich neu auf – Beteiligung an Start-up

Es war ein schwieriges Jahr für den Maschinenbau weltweit und die Index-Werke: Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Umsatz der Esslinger Firma 2020 um 40 Prozent verringert. Mittlerweile geht es wieder bergauf, wie Dirk Prust, Vorsitzender der Geschäftsführung,  erläutert. „Der Auftragseingang kommt deutlich stärker zurück als im Planansatz erwartet“, sagt er. Das Geschäftsjahr 2021 wird besser, darin ist sich Prust sicher. Die Index-Werke setzen  auf Diversifizierung und investieren in ein neues Geschäftsfeld: den Metall-3-D-Druck.

Die Fallhöhe im Coronajahr war hoch für die Hersteller von Drehmaschinen der Marken Index und Traub. 2019 hatte die Index-Gruppe mit 605 Millionen Euro einen Rekordumsatz in ihrer Firmengeschichte verzeichnet. Während sich bereits die sich weltweit anbahnende Konjunkturdelle  in den Auftragseingängen bemerkbar machte, profitierte das Unternehmen noch von Aufträgen der Vorjahre. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China und die Transformation im Automobilsektor führten bei den Kunden zu  Zurückhaltung in  ihrer Investitionstätigkeit. Das verstärkte sich mit den coronabedingten  Einschränkungen im Reise- und Warenverkehr und der allgemein großen Unsicherheit. Nicht nur die Pandemie an sich, sondern diese Gemengelage und die Krisenstimmung hätten zu Vorsicht bei den Kunden  geführt, erklärt sich Prust den Geschäftsverlauf im Jahr 2020. „Wir haben 50 Prozent weniger Auftragseingänge verzeichnet“, sagt der Firmenchef.

Um der Krise zu begegnen, reagierte die Geschäftsführung bereits Ende 2019. Arbeitszeitkonten und  die Zahl der Leiharbeitskräfte wurden abgebaut, ab Ostern 2020 waren weite Teile des Betriebs über mehrere Monate in Kurzarbeit. Kosten und Ausgaben wurden begrenzt, der Materialzulauf reduziert. „Im Wesentlichen haben wir nur das produziert, was akut gebraucht wurde“, so Prust. In Gesprächen mit dem Betriebsrat einigte sich das Unternehmen auf einen Plan zur Überbrückung der Krise. Die Belegschaft verzichtete auf ihr Urlaubs- und Weihnachtsgeld, das in besseren Zeiten nachträglich weitgehend ausgezahlt werden soll. Betriebsbedingte Kündigungen wurden zwar nicht ausgesprochen, aber befristete Verträge  liefen aus, es gab keine Neueinstellungen und für ältere  Mitarbeitende gibt es die Möglichkeit, freiwillig früher in den Ruhestand zu gehen. Die Belegschaft in Deutschland sei im Rahmen der normalen Fluktuation um 30 bis 40 Personen reduziert worden auf nun etwa 1800. Die Index-Werke haben im Kreis Esslingen neben der Zentrale in Oberesslingen Standorte in Deizisau und Reichenbach.

Die Geschäfte laufen 2021 wieder besser, mit Blick auf den Auftragseingang sogar über der „sportlichen Planung“, mit der Index in das Jahr  gestartet sei. „Insofern denken wir, dass wir unseren Planansatz erreichen werden, eventuell sogar übertreffen“, sagt Prust. Ihm zufolge rechnet das Unternehmen mit einer Umsatzsteigerung von 20 Prozent im Vergleich zu 2020. Allerdings trüben auch bei Index gestiegene Rohstoffpreise und Materialknappheit die gute Stimmung, beispielsweise in Bezug auf Blechteile und Elektronikkomponenten.

Etwa die Hälfte des Umsatzes macht die Index-Gruppe im Automotive-Bereich. Mit einer Ausweitung des Produktportfolios will man sich ein Stück unabhängiger machen, unter anderem mit Maschinen zur Herstellung großer Bauteile –  für Land- und Bergbau, Energiebranche oder Luftfahrt –,  aber auch zur Produktion besonders kleiner Stücke, etwa für die Medizintechnik. „Wobei die Auftragseingänge aus dem Automobilbereich doch die Treiber unseres Geschäfts sind“, sagt Prust. Er verweist darauf, dass der Ablösungsprozess des Verbrennungsmotors noch eine Weile dauern wird und der Anteil der Hybride, die viele Bauteile erfordern, wächst. Außerdem stellen Index- und Traub-Maschinen auch Werkstücke her, die an anderen Stellen der Autos verbaut werden: „Innerhalb unseres Marktanteils Automobil sind  nur 20 bis 25 Prozent des Umsatzes tatsächlich an den Verbrennungsmotor gebunden“, sagt Prust.

Zukunftsträchtige Investition

Um sich für die Zukunft zu rüsten, haben sich die Index-Werke außerdem in einen neuen Geschäftsbereich eingekauft: den 3D-Metalldruck. Seit März halten sie 50,1 Prozent des Start-up One Click Metal in Tamm, einer Ausgründung des Werkzeugmaschinen-Herstellers Trumpf, der Mitgesellschafter bleibt.  One Click Metal entwickelt mit rund 20 Mitarbeitenden ganzheitliche Lösungen im Bereich des 3D-Metalldrucks für kleine und mittlere Bauteilgrößen.  „Es ist noch ein sehr kleines Unternehmen, aber eine Investition in eine neue Fertigungstechnologie, von der erwartet wird, dass sie in den nächsten zehn Jahren einen Teil der etablierten Technologie ersetzen wird“, sagt Prust. Ein Teil der bislang gedrehten Produkte werde in Zukunft zumindest in kleinen Serien gedruckt. Die Esslinger wollen an diesem Wandel direkt beteiligt sein.  gg / Foto: Ines Rudel


Manche reden von Taubenplage

Rund um die Endhaltestelle in Nellingen tummeln sich häufig Vogelschwärme –  Bewohner  fühlen sich massiv belästigt

Ein Gurren dringt aus der Baustelle. Irgendwo in dem Gerüst, das die Realschule in Nellingen umschließt, tummeln sich deutlich hörbar Tauben. Einige der Vögel trippeln auf dem Gehweg vor dem Gebäude herum und suchen nach Essbarem, andere flattern umher und machen es sich auf dem Dach und auf Fenstersimsen am Haus gegenüber gemütlich. Alles in allem ist vielleicht ein Dutzend Tauben sichtbar. Aber die Anwohnerin Rose Wiedmann versichert: Da sind noch mehr. „Die sind überall“, sagt sie.

An der Endhaltestelle der Stadtbahn in Nellingen gibt es offenbar ein Taubenproblem. Zwar sind an diesem sonnigen Vormittag nur einzelne der grauen Vögel zu sehen, aber die Balkone der Seniorenwohnanlage an der Ludwig-Jahn-Straße sprechen eine andere Sprache. Überall an den Geländern hängen Folienstreifen und flatternde Bänder. Die Anwohner haben Windrädchen, Luftballons und Krähen-Attrappen angebracht. „Rascheln und Glitzern mögen die Tauben nicht“, sagt Rose Wiedmann. Auch die 86-Jährige hat auf ihrem Balkon aufgerüstet, denn sie fühlt sich stark belästigt. Überall liege der Kot der Vögel, eine 97-jährige Nachbarin habe dieser Tage bereits das zweite Ei entfernt. „Es ist eine Katastrophe. Es ist schon unerträglich“, klagt Rose Wiedmann. Sie spricht von einer Plage, „sonst würden sich die alten Leute keine Mühe machen, das Raschelzeug anzubringen“.

Die Schwärme sind laut ihrer Beobachtung immer auf der Wanderschaft. Mal seien sie da, dann sei wieder für ein paar Stunden oder Tage Ruhe. Bisweilen seien es aber Hunderte. Seit etwa drei, vier Jahren würden es immer mehr. Eine junge Frau beim örtlichen Bäcker bestätigt das. „Es ist schon übel geworden in den letzten Jahren“, sagt Rose Wiedmann.

Warum rund um die Ludwig-Jahn-Straße so viele Tauben sind, da kann Rose Wiedmann nur mutmaßen. Die Tiere seien wohl auf die Krümel aus, die auf den Boden fallen, wenn Bäckerei-Kunden ihr frisch erworbenes Gebäck auf dem Bahnhofsvorplatz verzehren. „Es gibt auch junge Eltern, die zeigen ihren Kindern, wie man Tauben füttert. Das ist der größte Quatsch.“

Der Stadtverwaltung Ostfildern ist das Problem bekannt, bestätigt der Sprecher Dominique Wehrle auf Nachfrage. Und nicht nur rund um die Stadtbahn-Haltestelle in Nellingen tummeln sich demnach immer wieder viele der Stadtvögel. Nahrungsangebote lockten die Tiere beispielsweise auch im Scharnhauser Park und auf dem Campus-Gelände an. Wehrle betont: Auf öffentlichen Flächen dürfen Tauben gemäß der städtischen Polizeiverordnung nicht gefüttert werden.

Bei der Stadtverwaltung will man die Angelegenheit nun mit Nachdruck angehen. „Wir sind derzeit im Austausch mit bürgerschaftlich Engagierten und Mitgliedern des Nabu, um dieses Thema gemeinsam zu bearbeiten“, lässt sich Bürgermeisterin Monika Bader in einer Stellungnahme der Stadt zitieren. Im Rahmen der Sanierungsarbeiten werde der Taubenschutz auf dem Campus-Gelände ausgebaut. Am Gerüst an der Realschule könne indes aufgrund der Baumaßnahmen nichts dergleichen angebracht werden. Rose Wiedmann ist froh, dass sich endlich jemand der Sache annimmt. „Wir atmen alle auf.“    car / Foto: Caroline Holowiecki                                


Rechtssicherheit für alle

Dank einer Gemeinschaftsaktion haben Plochingen, Altbach und Deizisau jetzt ihre eigenen qualifizierten Mietspiegel

Wenn es um die Frage geht, was eine Wohnung in Plochingen, Altbach oder Deizisau  kosten darf, haben sich   die Mieter und Vermieter  bislang  am Esslinger Mietspiegel orientiert.  „Dabei tauchte auch immer wieder die Frage auf, ob wir zu der ortsüblichen Esslinger Vergleichsmiete für  Deizisau     einen Zu- oder einen Abschlag   einkalkulieren sollen“, hat der Deizisauer Bürgermeister Thomas Matrohs noch manche Diskussion im Ohr.  Solche Unschärfen haben sich  zuletzt auch bemerkbar gemacht,  als das Esslinger Amtsgericht die Anwendungen des Esslinger Mietspiegels auf  Mietstreitigkeiten in Plochingen, Altbach oder Deizisau nicht mehr anerkannt hatte.

Daran erinnerten Plochingens Bürgermeister Frank Buß und sein Beigeordneter Michael Hanus bei der Vorstellung des jüngsten interkommunalen Gemeinschaftsprojekts.  Auf Initiative Plochingens   haben sich die drei Kommunen einen eigenen qualifizierten Mietspiegel erstellen lassen. Genauer gesagt sind es drei separate Exemplare für jede einzelne Kommune, sagt Altbachs Bürgermeister Martin Funk. Dass kleine Gemeinden wie Altbach oder Deizisau  ein eigenes  transparentes  Instrument  für Mieter und Vermieter vorhalten können, ist ungewöhnlich. Die Zahlenwerke gelten seit 1. Juni zwei Jahre lang  und wurden in Zusammenarbeit mit dem EMA-Institut für empirische Marktanalysen  erstellt. Die 35 000 Euro Gesamtkosten  teilen sich die Kommunen – nach  Abzug eines  Landeszuschusses von  14 000 Euro.

 Zwischen den drei Kommunen unterscheidet sich  das Mietpreisniveau  nur unwesentlich. Beispiel: Für eine durchschnittliche Wohnung zwischen 60 und 69 Quadratmeter liegt  man in Plochingen  bei 9,01 Euro, in Altbach bei 9 Euro und in Deizisau bei 9,12 Euro pro Quadratmeter.   Die  durchschnittliche Nettomiete – unabhängig von Wohnwertmerkmalen – beträgt bei allen  drei Kommunen  8,98 Euro. Damit liegt sie    über dem  Esslinger  Mietspiegel, der es auf eine  durchschnittliche Nettokaltmiete von  8,64 Euro pro Quadratmeter bringt. Dieser   basiert jedoch auf Daten von   2017 und ist  zwei Jahre später – wie üblich – auf Basis der allgemeinen Preissteigerungsrate  fortgeschrieben worden. Oliver Trinkaus,  EMA-Projektleiter, geht davon aus, dass der Quadratmeterpreis   in Esslingen auf über neun Euro klettern wird, wenn 2022 wieder    Daten erhoben werden.  „Die Mietpreise  steigen deutschlandweit. Es gibt nicht genug Wohnungen und einen hohen Leerstand.“

Der Mietspiegel gibt eine Übersicht über die in einer Kommune gezahlten Mieten für Wohnungen vergleichbarer Art, Größe, Ausstattung, Beschaffenheit und Lage. Er  berücksichtigt nur Bestandsmieten, also Mietverträge, die in den vergangenen sechs Jahren neu vereinbart oder abgeändert worden sind. Wer einen neuen Mietvertrag für eine    Neubauwohnung abschließen will, muss mit deutlich  höheren Preisen rechnen. Ausgenommen vom Mietspiegel ist auch der preisgebundene Wohnungsbestand.  Trinkaus verweist darauf, dass qualifizierte Mietspiegel von Interessensvertretern anerkannt seien. So waren auch  in diesem Fall der Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer-Verein Plochingen und Umgebung sowie der Mieterschutzbund Esslingen-Göppingen beteiligt.

In einem ersten Schritt wurden 7100 per Zufall ausgewählte Eigentümer und Mieter in den Kommunen angeschrieben. Von 948 Rückmeldungen erfüllten  578 alle  Kriterien. Der Rücklauf von neun Prozent in  Plochingen und je fünf in  Altbach und Deizisau  ist laut Trinkaus gut genug, um    rechtsfeste  Aussagen möglich zu machen.

  Wichtigstes Kriterium für die Miete einer Wohnung ist ihre  Größe. Im Mietspiegel sind daher die Basis-Nettomieten je nach Wohnfläche für die jeweilige Kommune aufgelistet. Für  Baujahr, Modernisierungen,  Ausstattung oder Wohnlage gibt es entsprechende Zu- oder Abschläge.  biz / Foto: Ines Rudel

Info: Der Mietspiegel mit Online-Rechner ist auf der Homepage der Stadt Plochingen verfügbar. Printexemplare sind in den Rathäusern erhältlich.


Abgestimmt

Ab  dem 7. Juni sollen Kinder ab einem Alter von zwölf Jahren geimpft werden können. Das ist nicht unumstritten. Soll man  Kinder impfen lassen?

Foto: dpa

Kinder impfen lassen?

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