Matthias Klopfer ist der neue OB

SPD-Politiker gewinnt Wahl in Esslingen mit hauchdünnem Vorsprung vor Daniel Töpfer – Wahlbeteiligung bei 38,3 Prozent

Matthias Klopfer heißt der neue Oberbürgermeister von Esslingen. In der zweiten Runde der OB-Wahl hat sich Klopfer am vergangenen Sonntag knapp mit 49,5 Prozent der Stimmen gegen Daniel Töpfer (48,1 Prozent) durchgesetzt. Die zweite Runde war notwendig geworden, weil in der ersten Wahlrunde am 11. Juli kein Kandidat die absolute Mehrheit errungen hatte. Im zweiten Wahlgang reicht die einfache Mehrheit aus. Mit 38,3 Prozent wurde die ohnehin nicht berauschende Wahlbeteiligung aus dem ersten Wahlgang (41,2 Prozent) noch einmal unterboten.

Außer Klopfer, derzeit noch Oberbürgermeister von Schorndorf, und Töpfer war noch die unabhängige Kandidatin Gabriela Letzing angetreten. Sie kam auf 2,2 Prozent der Stimmen. Nicht mehr dabei waren drei Kandidaten aus der ersten Runde: Vittorio Lazaridis (Grüne), Martin Auerbach (Linke) und der parteilose Bewerber  Gebhard Mehrle.  Mehrle und die Grünen empfahlen mit Blick auf den zweiten Wahlgang ausdrücklich Matthias Klopfer. Umso überraschter waren viele, dass die Entscheidung am Ende derart knapp ausging. Klopfer war der Kandidat der SPD, während hinter Töpfer die Freien Wähler, die CDU und die FDP standen.

„Ich bin dankbar, dass ich die Verantwortung übernehmen darf“, sagte der Wahlsieger. Es sei ein Wimpernschlagfinale geworden. Er dankte seinem Vorgänger Jürgen Zieger (SPD), der 23 Jahre lang eine hervorragende Arbeit als Oberbürgermeister geleistet habe. Der künftige OB der Stadt dankte auch seinem Kontrahenten Daniel Töpfer für einen fairen Wahlkampf. Noch am Wahlabend versprach Klopfer, ein Oberbürgermeister „für die ganze Freie Reichsstadt Esslingen“ zu sein. „Ich breite die Arme aus, gemeinsam mit allen und für alle Esslinger, die Zukunft der Kommunalpolitik zu gestalten.“

Als Zweitplatzierter zeigte sich Daniel Töpfer, Bürgermeister   von Weissach, enttäuscht über das knappe Ergebnis. „Mit einem Prozent Rückstand so eine Wahl zu verlieren, ist bitter.“ Er sei aber überzeugt, „dass wir vieles richtig gemacht haben“. Viele Esslinger hätten sich eine Veränderung gewünscht. Das Ergebnis zeige, dass die Stadt gespalten sei, denn es hätten sich zwei Kandidaten gegenübergestanden, die fundamental andere Vorstellungen gehabt hätten, wie es in der Stadt weitergehen soll.

Insgesamt waren knapp 70 000 Wahlberechtigte zur Abstimmung aufgerufen. Die Wahlbeteiligung lag mit 38,3 Prozent noch niedriger als in der ersten Wahlrunde. Der bisherige Oberbürgermeister Jürgen Zieger (SPD) war 23 Jahre im Amt und geht am 30. September in den Ruhestand. Zieger war einer der Ersten, die  Klopfer zum Wahlsieg gratulierten. Seinem Nachfolger wünschte er „Glück und Fortüne“, die man in diesem Amt brauche. Und er vergaß auch Klopfers Ehefrau Anni Betz nicht,    der er eigene Erfahrungen mitgab: „Ein solches Amt hat man nicht allein. Ich weiß, wovon ich rede.“ Besonders dankte Zieger den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Esslinger Stadtverwaltung und den vielen ehrenamtlichen Wahlhelfern, die in diesem Jahr gleich vier Wahlen meistern müssen.

Bei der Auszählung der Wahlbezirke beziehungsweise der Verkündung der Ergebnisse am Sonntag war die Spannung im Neckar Forum nach Schließung der Wahllokale um 18 Uhr mit Händen zu greifen. Es war ein Herzschlagfinale, das viele Zuschauer gebannt verfolgten. Und so lagen  Frust und Freude bei den beiden Kandidaten dicht beieinander, als der Erste Bürgermeister Ingo Rust um 19.17 Uhr das vorläufige amtliche Endergebnis verkündete.  jmf/adi / Foto: Roberto Bulgrin


Erneute Verspätung

S-Bahn-Verlängerung  von Filderstadt nach Neuhausen kommt  frühestens im Mai 2027 – Umsiedlung von Mauereidechsen

Die seit Jahrzehnten geplante Fortsetzung der S-Bahn über Filderstadt-Bernhausen hinaus nach Neuhausen verzögert sich um weitere acht Monate. Das wurde vor Kurzem dem Verwaltungs-und Finanzausschuss des Esslinger Kreistags mitgeteilt. Die Pläne müssen noch einmal neu ausgelegt werden, weil sich auf dem Baugelände am künftigen Neuhausener Endbahnhof eine Population von Mauereidechsen niedergelassen hat. 

Bevor dort der erste Stein bewegt wird, müssen die streng geschützten Tiere erst umgesiedelt werden. Das soll, um den Biorhythmus der Tiere nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen,  im kommenden Frühjahr geschehen.

Ursprünglich gilt das Gelände als Tummelplatz für Zauneidechsen. Die ursprüngliche Heimat der ebenfalls geschützten Mauereidechse ist im Mittelmeerraum.   „Wir vermuten, dass die Eidechsen in den vergangenen Jahren durch Erdtransporte eingeschleppt worden sind“, sagt Volker Christiani, der Chefplaner der federführenden Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) AG, als er der Ratsrunde die schlechte Nachricht überbrachte.

Um es zu keinen weiteren Verzögerungen kommen zu lassen, hat der Ausschuss beschlossen, im Vorgriff auf den Planfeststellungsbeschluss und die als sicher geltende Baufreigabe schon mit der Vergabe der Gebäude-Abrissarbeiten zu beginnen. Parallel dazu soll das Baufeld  so weit vorbereitet werden, dass die Bagger dann unverzüglich mit ihrer Arbeit beginnen können.

Immerhin hat das Regierungspräsidium Stuttgart als Genehmigungsbehörde laut Christiani signalisiert, dass der Planfeststellungsbeschluss für die S-2-Fortführung noch vor Jahresende 2021 erlassen werden könnte Mit dem Baubeschluss wird dann nach dem aktuellen Stand der Dinge im April des kommenden Jahres gerechnet. Wenn Christianis Rechnung aufgeht, könnten die eigentlichen Bauarbeiten Anfang des kommenden Jahres in Angriff genommen werden.  „Das ist immer  noch ein ehrgeiziger Zeitplan.  Bis dahin müssen schließlich noch weit mehr als 100 Vereinbarungen mit betroffenen Eigentümern abgeschlossen werden“, sagt der Chefplaner.  Eine Bauzeit von rund vier Jahren vorausgesetzt, könnte der erste S-Bahnzug zum „kleinen Fahrplanwechsel“ im Mai 2027 im Bahnhof von Neuhausen einlaufen.

„Könnte, dürfte, müsste, sollte . . . “ –  der häufig verwendete Konjunktiv  hat bei den Sprechern der Fraktionen angesichts eines  Planungszeitraums von mehr als 20 Jahren alles andere als Begeisterung ausgelöst. „Das ist ein Trauerspiel“,  befand der CDU-Rat Sieghart Friz und erntete dafür kollektives Kopfnicken im Sitzungssaal. Schließlich handele es sich um einen Schienenstrang von lediglich vier Kilometern Länge, der zudem noch auf einer    Bestandstrasse verläuft. „So kommen wir in Deutschland mit der Verkehrswende nicht voran“, stellte Friz unwidersprochen fest.

„Mit Groll“ stimmte auch der SPD-Sprecher Steffen Weigel dem Verwaltungsantrag  zu, mit den Abbrucharbeiten schon vor dem Baubeschluss zu beginnen. Allerdings warnte er vor einer einseitigen Schuldzuweisung an die Eidechsen oder den Naturschutz, sondern rief dazu auf, die Rahmenbedingungen für derartige Planungen insgesamt zu hinterfragen.

Die  Kosten für die S-2-Verlängerung – bisher sind 209 Millionen Euro im Gespräch – werden von den  Anliegern Neuhausen und Filderstadt, dem Landkreis Esslingen, der Region Stuttgart, dem Land und dem Bund nach einem ausgeklügelten Kostenschlüssel anteilig getragen.  Aufschluss darüber, welche Summe  im Frühjahr 2027 wirklich unterm Strich stehen wird, wird von der parallel zum Baubeschluss vorgenommenen Kostenfortschreibung erwartet.   adt / Foto: Ines Rudel


Filmgenuss mit Impfangebot

Sommernachtskino auf dem Kirchheimer Martinskirchplatz – Karten  im Verkauf – Sicherheitskonzept mit den drei „G“

Das Sommernachtskino in Kirchheim findet in diesem Jahr wieder statt. 25 Filme stehen auf dem Programm, das von Donnerstag, 5. August, bis Sonntag, 29. August, auf dem Martinskirchplatz laufen wird. Karten gibt es bereits im Vorverkauf.

Es soll ein sicheres Filmfestival werden. Das haben sich die beiden Macher, Raimund Fischer und Joachim Borkowski, auf die Fahnen geschrieben. Auf den Platz an der Martinskirche dürfen nur Getestete, Genesene und Geimpfte. Um es den Besuchern zu erleichtern, gibt es die Möglichkeit eines Tests im benachbarten Kornhaus. „Der Testbetreiber hat wegen uns seine Öffnungszeiten verlängert“,  freut sich Raimund Fischer. 

„Wir wissen, dass unser Hygienekonzept viel weiter geht, als es womöglich im August vorgeschrieben wird“, sagt  Fischer. „Aber wir wollen, dass diese  nunmehr 19-jährige Tradition mit diesem positiven Image genau so erhalten bleibt.“ Mit dem Hygienekonzept haben die Festivalmacher auch noch einen „Puffer“ in der Hinterhand, sollten sich die Inzidenzen so stark nach obene bewegen, dass es Beschränkungen geben würde. Und das ist noch nicht alles: Parallel zum Kino wird es einen Impfstand geben – Film und Piks sozusagen. Fischer und Borkowski wollen damit  „der allgemeinen Impfmüdigkeit etwas entgegensetzen“.

In seuchenfreien Jahren kann  das Sommernachtskino pro Vorstellung bis zu 1100 Besucher unterbringen, in diesem Jahr  sind es rund 600.

Das Programm soll wie üblich die unterschiedlichsten  Interessen bedienen. Blockbuster sind  ebenso dabei wie Dramen, Komödien und Animationsfilme für Kinder.  Drei Filme laufen doppelt, da man mit großem Publikumsinteresse rechnet. „Catweazle“ mit Otto Walkes ist zweimal zu sehen, ebenso wie „Kaiserschmarrndrama“ und „Cruella“. „Wir wissen dass wir bei diesen Filmen schnell ausverkauft sind, deshalb bieten wir sie  doppelt an“, sagt Fischer.

Auch wird es wieder Abende mit Akteuren aus den jeweiligen Filmen geben: zum Film „972 Breakdowns – auf dem Landweg nach New York“ und für „Verplant – wie zwei Typen versuchen mit dem Rad nach Vietnam zu kommen“.  Es gibt wie jedes Jahr Livemusik und Bewirtung durch  Gastronomen, immer  ab 19 Uhr. Das Filmprogramm beginnt jeweils um 21 Uhr.

Das Programm im Überblick

Donnerstag, 5. August: „Der Hochzeitsschneider von Athen“; Freitag, 6. August: „Weißbier im Blut“; Samstag, 7. August: „Catweazle“; Sonntag, 8. August: „Hello again – ein Tag für immer“; Montag, 9. August: „Rosas Hochzeit“; Dienstag, 10. August: „Es ist zu deinem Besten“; Mittwoch, 11. August: „972 Breakdowns – auf dem Landweg nach New York“; Donnerstag, 12. August: „Ich bin dein Mensch“; Freitag, 13. August: „Cruella“; Samstag, 14. August: „Die Croods – alles auf Anfang“; Sonntag, 15. August: „Minari – wo wir Wurzeln schlagen“; Montag, 16. August: „E.O.F.T. Classic Open Air“; Dienstag, 17. August: „Catweazle“; Mittwoch, 18. August: „Dream Horse“; Donnerstag, 19. August: „Kaiserschmarrndrama“; Freitag, 20. August: „Cruella“; Samstag, 21. August: „100 % Wolf“; Sonntag, 22. August: „Der Rosengarten von Madame Vernet“; Montag, 23. August: „Bad Luck Banging or Loony Porn“; Dienstag, 24. August: „Und täglich grüßt die Liebe“; Mittwoch, 25. August: „Verplant – wie zwei Typen versuchen, mit dem Rad nach Vietnam zu fahren“; Donnerstag, 26. August:  „Best of Summer“; Freitag, 27. August: „Kaiserschmarrndrama“; Samstag, 28. August: „Tides“; Sonntag, 29. August: „Parfüm des Lebens“.  bob / Foto: Veranstalter

Info: mehr  unter www.sommernachtskino.com, dort kann man das Programm herunterladen und  Tickets buchen.


Abgestimmt

Viele Tote, vernichtete Existenzen, zerstörte Infrastruktur: Das Hochwasser im Westen hatte katastrophale Ausmaße. Was meinen Sie, muss in Deutschland mehr für den Hochwasserschutz getan werden?

Foto: dpa

Mehr Schutz nötig?

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Kein Lockdown für die Gesundheit

Kampagne der Krankenhäuser und Ärzte  im Kreis Esslingen: Patienten sollen Behandlungen nicht aufschieben

Die Coronakrise hat viele Menschen davon abgehalten, Kliniken oder Arztpraxen aufzusuchen – aus Angst vor einer möglichen Ansteckung oder auch aus Rücksichtnahme  auf überlastetes  medizinisches Personal. Die Folge davon sind unbehandelte oder zu spät behandelte Erkrankungen und nicht wahrgenommene Vorsorgetermine. Diesem – insbesondere für die Patienten – gefährlichen Trend  wollen Ärzte und Kliniken im Landkreis Esslingen mit einer gemeinschaftlichen  Sensibilisierungskampagne  entgegen treten.

Mit Zeitungsanzeigen, Großflächenplakaten und Kampagnen in den Social-Media-Kanälen möchten die Initiatoren der Medius-Kliniken in Kirchheim, Nürtingen und Ostfildern-Ruit, dem Klinikum Esslingen und der Kreisärzteschaft  die Menschen dahingehend sensibilisieren, die eigene  Gesundheit nicht in den Lockdown zu schicken, wie es auf einem der Plakate heißt. Zugleich soll den Menschen versichert werden, dass die Kliniken und Praxen sicher sind. „Bei uns ist die Ansteckungsgefahr deutlich  geringer als etwa in der S-Bahn, im Fußballstadion oder bei einer Geburtstagsfeier“, betont Matthias Ziegler, der Geschäftsführer des Klinikums Esslingen.

Sein Kollege Sebastian Grupp, der  Geschäftsführer der Medius-Kliniken, springt ihm bei: „Bei uns in den Klinken herrscht Herdenimmunität, bei der hohen Impfrate, die wir haben.“ Der Nürtinger Mediziner Wolf-Peter Miehre berichtet von seinen Erfahrungen mit Patienten, die ihre Behandlung aufgeschoben haben. Da habe ein Infarktpatient drei Tage abgewartet, bevor er sich behandeln ließ: Er müsse nun mit einer Narbe  am Herzgewebe leben. Eine weitere Patientin hatte Probleme mit der Hüfte. Anstatt den Arzt aufzusuchen, schluckte sie viele starke Schmerztabletten, bis sie einen Magendurchbruch erlitt.

Folgenreich sind auch verschleppte Krebsdiagnosen. Stefan Krämer, der ärztliche Direktor und Chefarzt der Radiologie und Nuklearmedizin in Esslingen, beklagt: „Wir sehen jetzt Krankheiten, die so fortgeschritten sind, wie wir es noch nie gesehen haben, wie beispielsweise ein durchgebrochenes Mammakarzinom.“ Krämer und sein Kollege, Bodo Klump, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Tumormedizin an der Medius-Klinik in Ruit, weisen darauf hin, dass Krebs und viele andere Krankheiten keine Pause wegen Corona machen.

Das machen auch Studien deutlich: Die AOK stellt deutschlandweit einen Rückgang der Krebsdiagnosen um 20 Prozent fest –  als Folge von nicht wahrgenommenen Untersuchungen. Ebenso wurden im Jahr 2020 hunderttausende Vorsorgeuntersuchungen in Deutschland abgesagt. Laut der DAK ist dadurch  ein Rückgang der Krebsvorsorge bis September 2020 um 17 Prozent zu verzeichnen. Auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die Zahlen eindrücklich: Schlaganfälle und Herzinfarkte wurden um 19 beziehungsweise um 31 Prozent weniger stationär behandelt. Klump zitiert eine britische Studie, nach der künftig 15 Prozent mehr Tote durch Darmkrebs zu befürchten seien, da  wirksame Früherkennungsuntersuchungen nicht wahrgenommen worden sind.

Die  Mediziner betonen, dass die Zustände in den Krankenhäusern nicht zu vergleichen seien mit temporären Zuständen während der ersten und der zweiten Welle. „Es gibt keinen Grund, eine notwendige Behandlung oder eine Vorsorgeuntersuchung auszulassen“, sagt Matthias Ziegler. Die Mediziner schauen auch ziemlich gelassen in die Zukunft: Derzeit liegen keine Corona-Patienten auf den Stationen, und für kommende eventuelle Verschärfungen sei man gut vorbereitet.  bob  / Foto: Ines Rudel


Die Reihen haben sich gelichtet

Bei der OB-Wahl in Esslingen läuft es auf einen Zweikampf Töpfer gegen Klopfer hinaus – Auch Letzing macht weiter

Die erste Runde der Esslinger Oberbürgermeisterwahl ist gelaufen – und mittlerweile haben sich die Reihen gelichtet: Der parteilose Bewerber Gebhard Mehrle hatte schon kurz nach Auszählung der Stimmen am 11. Juli erklärt, dass er im zweiten Wahlgang am 25. Juli nicht mehr antreten werde. Tags darauf hatte Vittorio Lazaridis (Grüne) seine Kandidatur zurückgezogen, nachdem sein Ergebnis deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben war. Wiederum einen Tag später hat Martin Auerbach (Linke) seinen Rückzug erklärt. Damit hat sich das Bewerberfeld von sechs auf drei Namen reduziert: Neben Daniel Töpfer  und Matthias Klopfer, die sich im ersten Wahlgang ein  Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert hatten, macht auch Gabriela Letzing weiter.

Die beiden Erstplatzierten des ersten Wahlgangs haben sich in den vergangenen Tagen gemeinsam mit ihren Unterstützern nochmals mächtig ins Zeug gelegt, um das Rennen für sich zu entscheiden. Während Daniel Töpfer von Anfang an die Unterstützung von CDU, Freien Wählern und FDP hatte, darf SPD-Kandidat Matthias Klopfer nun mit zusätzlichem Rückenwind rechnen, nachdem Vittorio Lazaridis zurückgezogen hatte und die Grünen erkennen ließen, dass sie inhaltlich mit Klopfer und seinem Wahlprogramm die größte Schnittmenge sehen. Auch Gebhard Mehrle, der am 11. Juli mit fast zehn Prozent der Stimmen einen Achtungserfolg erzielt hatte, hat sich mittlerweile positioniert. Der parteilose Bewerber spricht davon, dass sich die beiden führenden Kandidaten in den zurückliegenden Wochen als faire und freundliche Gesprächspartner erwiesen hätten. Aufgrund seiner Erkenntnisse und persönlichen Erfahrungen im Wahlkampf empfehle er im zweiten Wahlgang aber die Wahl von Matthias Klopfer: „In den zentralen Bereichen hat er das klarere Angebot an uns“, begründet Mehrle seine Entscheidung.

Mit 1,9 Prozent der Stimmen war Gabriela Letzing im ersten Wahlgang nur Platz sechs geblieben. Die parteilose Bewerberin war mit unkonventionellen Positionen im Wahlkampf angetreten. Ihre zentrale Botschaft – „Wollen wir nicht alle gut und in Frieden, Harmonie und Liebe leben?“ – möchte  Letzing nun auch in den zweiten Wahlgang tragen. „Ich mache weiter, schließlich habe ich nichts zu verlieren“, erklärt sie.

Eine gewisse Enttäuschung konnte Martin Auerbach (4,2 Prozent der Stimmen) am Abend des ersten Wahlgangs nicht verbergen:  Der OB-Kandidat der Linken hatte auf seine Erfahrung als Gemeinderat, auf lokale Detailkenntnis und auf pointierte Kommentare gesetzt. Seine Kandidatur habe sich aber  gelohnt: „Unser Ziel war es, im OB-Wahlkampf möglichst viele linke Themen zu positionieren.“ Eine Empfehlung für einen anderen Bewerber mochte Auerbach nicht abgeben.   adi/ch / Foto: Roberto Bulgrin


Kindergarten in der Alten Schule

Bis zur Fertigstellung sollen neben der ehemaligen neuapostolischen Kirche in Altbach Container aufgestellt werden

Der Bedarf an Betreuungsplätzen wächst. In Altbach soll deshalb ein neuer Kindergarten in der Alten Schule eröffnet werden. Für den Umbau des Schulhauses an der Ecke Hof- und Schillerstraße möchte die Gemeinde mehr als vier Millionen Euro in die Hand nehmen. Der Gemeinderat gab während seiner jüngsten Sitzung grünes Licht für das Vorhaben. Nun werden die Vergaben für die Architektenleistungen vorbereitet. „Wir sind ganz am Anfang des Prozesses“, betonte der Ortsbaumeister Jens Korff. Bis der neue Kindergarten bezugsfertig ist, könnte es noch   drei Jahre dauern.

Die neuen Kinderbetreuungsplätze werden allerdings schon früher benötigt. Deshalb soll ein zweigruppiger Kindergarten in Containerbauweise auf dem gemeindeeigenen Grundstück neben der ehemaligen neuapostolischen Kirche an der Esslinger Straße im Osten Altbachs gebaut werden. Ab März 2022 sollen die neuen Kindergartenplätze dort zur Verfügung stehen.

Die Interimslösung soll für etwa 2,5 Jahre bestehen. Vorgesehen ist ein einstöckiger Bau aus gemieteten Containern mit Gruppen und Nebenräumen, Sanitärbereich und Küche. Ebenfalls in der Containeranlage sollen ein Büro für die Kindergartenleitung, ein Elternsprechzimmer, Garderoben, ein behindertengerechtes WC und ein Putzraum eingerichtet werden.

Das ehemalige Kirchengebäude soll bei Bedarf genutzt werden. Dort sollen die bestehenden Toiletten saniert und ein Materialraum eingerichtet werden. Außerdem sollen dort ein Pausen- und Besprechungsraum, ein Personalbüro und eine Teeküche zur Verfügung stehen. Die Kosten für den Interimskindergarten beziffert die Gemeinde auf 955 500 Euro. Einen großen Teil davon kostet allein die Miete der Container, nämlich 430 000 Euro.

Dass nun ein Interimskindergarten eingerichtet werden muss, liegt laut Gemeindeverwaltung an der langen Suche nach einem geeigneten Standort für einen neuen Kindergarten. Eine Überraschung waren die zu betreuenden Kinder nicht. Die Gemeindeverwaltung hätte gerne bereits Anfang 2020 eine Machbarkeitsstudie für die Alte Schule in Auftrag gegeben, dafür im Gemeinderat aber keine Mehrheit gefunden, erklärt der Bürgermeister Martin Funk. Die Mehrheit des Gemeinderates wollte zunächst nach freien Grundstücken für einen Neubau suchen. Diese Suche sei aber bislang nicht erfolgreich verlaufen.

Nun soll für den neuen Kindergarten die Alte Schule umgebaut werden, und sie soll einen Anbau bekommen. Derzeit wird das Gebäude unter anderem als Lager für die Feuerwehr genutzt. Auch das DRK hat dort derzeit  einen Vereinsraum, die VHS nutzt ebenfalls einige Räume. Nach dem Umbau soll der Kindergarten  drei Gruppen aufnehmen können.

Ob der neue Kindergarten nun tatsächlich in der Alten Schule eingerichtet wird, dahinter machte  Funk während der jüngsten Sitzung des Gemeinderates allerdings trotz des nun gefassten Beschlusses noch ein Fragezeichen. Es gebe noch laufende Grundstücksverhandlungen, sagte er. Falls diese erfolgreich verlaufen sollten, könne wieder über einen Neubau nachgedacht werden.

Wie die Gesamtkosten von mehr als fünf Millionen Euro für den Interimskindergarten plus Umbau der Alten Schule in den kommenden Jahren gestemmt werden könnten, dazu machte die Gemeindeverwaltung einige Vorschläge. Demnach könnte sich die Finanzierung durch drei Bausteine zusammensetzen: Einmal könnte ein Darlehen über einen bestehenden Bausparvertrag beantragt werden. Hinzu könnte ein Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) kommen. Und zuletzt könnte die Gemeinde noch in den Genuss eines KfW-Zuschusses kommen.

Die nötigen Darlehen könnten nach der Fertigstellung des Kindergartens zumindest teilweise durch den Erlös des Verkaufs des Grundstücks der ehemaligen neuapostolischen Kirche wieder getilgt werden.  Was in Zukunft auf dem Kirchengelände geschehen soll, wird der Gemeinderat zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden.  bra / Foto: Philipp Braitinger


Abgestimmt

Mehr Infektionen, geringere Impfbereitschaft: eine Impfpflicht zumindest für einzelne Berufsgruppen kommt ins Spiel. Richtig so?

Foto: dpa

Impfpflicht?

  • Nein! (87% )
  • Ja! (13% )
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OB-Wahl ohne Entscheidung

Töpfer gewinnt in Esslingen die erste Runde knapp vor Klopfer – Lazaridis zieht zurück – Zweiter Wahlgang am 25. Juli

Bei  der Oberbürgermeisterwahl in Esslingen konnte sich in der ersten Runde am vergangenen Sonntag  niemand durchsetzen. Es hätte einer absoluten Mehrheit bedurft, doch der Wahlsieger der ersten Runde, Daniel Töpfer, erreichte mit 31,8    Prozent der Stimmen nicht diese Mehrheit. Er wird von einem Bündnis aus Freien Wählern, CDU und FDP unterstützt. Knapp dahinter landete mit 30,7 Prozent der Stimmen Matthias Klopfer, der für die SPD antrat. Vittorio Lazaridis (Grüne) konnte 21,6  Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Der enttäuschte Lazaridis kündigte dann am Montag an, dass er zum zweiten Wahlgang am 25. Juli nicht mehr antreten werde. Er sei gestartet, um zu gewinnen. Da er hierfür keine Chancen mehr sehe, ziehe er seine Kandidatur zurück.

Einen Achtungserfolg errang der unabhängige Kandidat Gebhard Mehrle mit 9,8 Prozent. Der Kandidat der Linken, Martin Auerbach, kam auf 4,2 Prozent, die unabhängige Kandidatin Gabriela Letzing schaffte 1,9  Prozent. Insgesamt waren etwa 70 000  Wahlberechtigte aufgerufen, abzustimmen. Die Wahlbeteiligung lag mit 41,2  Prozent eher niedrig. Beim zweiten Wahlgang am 25. Juli reicht dem Sieger eine einfache Mehrheit.

Die beiden Erstplatzierten Töpfer und Klopfer zeigten sich zufrieden und erklärten, auch in der zweiten Runde antreten zu wollen. Lazaridis und die Esslinger Grünen machten nach dem eigenen Rückzug zumindest indirekte Wahlwerbung für SPD-Bewerber Klopfer. Mit ihm und seinem Wahlprogramm gebe es die größte inhaltliche Schnittmenge, sagte Carmen Tittel. Die Grünen-Fraktionssprecherin im Esslinger Gemeinderat erkennt eine „starke ökosoziale Mehrheit“. 

„Sehr zufrieden“ äußerte sich Mehrle, der im zweiten Wahlgang ebenfalls nicht mehr antreten wird. Eine angekündigte Wahlempfehlung hatte Mehrle  bis Redaktionsschluss noch nicht abgegeben.

Töpfer  sieht in dem Ergebnis ein klares Signal in Richtung Aufbruch. „Ein großer Teil der Esslinger will kein ‚Weiter so’.“ Das Ergebnis sei für ihn ein klarer Auftrag, nun mit Vollgas weiter zu machen, um in zwei Wochen den Sieg davonzutragen, sagte der 32-Jährige, der seit 2014 Bürgermeister in Weissach (Kreis Böblingen) ist und sich dort einen Ruf als „Aufräumer“ erarbeitet hat. Das bürgerliche Lager  verspricht sich von dem dynamisch-forschen Jungpolitiker mehr Bewegung in dem von vielen als wenig bürgernah empfundenen  Verwaltungsapparat.

„Ich mache keine Jubelsprünge, aber das Ergebnis ist okay“, sagte  Klopfer am Abend des Wahl-Sonntags. „Da ist noch viel drin“, erklärte er  mit Blick auf den  zweiten Wahlgang. Der amtierende Oberbürgermeister von Schorndorf, der in der Daimler-Stadt viele Erfolge vorzuweisen hat, hatte als Erster seinen Hut in den Ring geworfen.   Die Strategie seines Wahlkampfteams, vor allem auf seine 15-jährige Erfahrung als  Rathauschef und seine Vernetzung in der Regionalpolitik zu setzen, scheint nur bedingt aufgegangen zu sein. Vermutlich auch deshalb, weil er für viele dem Noch-OB zu nahe steht.

Mehrle, der 51-jährige Jurist, der mit Kommunalpolitik bislang nichts am Hut hatte, konnte mit Sachverstand und   Unabhängigkeit manchen Kritiker überzeugen. „Ein zweistelliges Ergebnis wäre klasse gewesen“, sagte er. Doch auch so „kann ich mich blicken lassen“.  Mehrle will der Kommunalpolitik nun treu bleiben. Mit mehr als seinen 4,2  Prozent hatte   Auerbach nicht rechnen können. Der 44-jährige Linke sammelte mit  seiner direkten Art Sympathiepunkte. Dass die Wenigsten bei  Gabriela Letzing (55, parteilos) ihr Kreuzchen machten, verwundert nicht. Ihre Vorstellungen wurden von vielen als zu  wolkig wahrgenommen. Auerbach und Letzing hatten sich bis Redaktionsschluss noch nicht entschieden, ob sie nochmals antreten.

Notwendig geworden war die Wahl in Esslingen, weil der jetzige OB Jürgen Zieger (SPD) im März seinen Abschied verkündet hatte. Seine Amtszeit endet am 30. September mit seiner Versetzung in den Ruhestand. Zieger stand   23 Jahre lang an der Spitze des Esslinger Rathauses.  jmf/hf / Foto: Roberto Bulgrin


Kunst, Krimis und Konzerte

Stadt Nürtingen stellt ein vielfältiges Kulturprogramm vor – Planungen unter Pandemie-Bedingungen

Die Kulturszene der Stadt Nürtingen geht wieder an den Start. Trotz der Einschränkungen und sehr vielen Unwägbarkeiten durch die Corona-Pandemie hat das Kulturamt der Stadt Nürtingen in den vergangenen Monaten ein vielfältiges und anspruchsvolles Kulturprogramm mit Theater und Ausstellungen, Krimizeit und Musiknacht, Meisterkonzerten und den Kinder- und Jugendkulturwochen ausgearbeitet.

„Wir sind froh, dass die lange Zwangspause langsam zu Ende geht. Sowohl beim Publikum wie auch bei den Künstlern ist ein wahrer Hunger nach Kultur spürbar“, sagte die Nürtinger Kulturamtsleiterin Susanne Ackermann kürzlich bei der Vorstellung des Kulturprogramms der Stadt. Hinter den Kulissen hatten Ackermann und ihre Mitarbeiter lange geplant, Programme und Engagements ausgetüftelt und immer wieder aufgrund veränderter Bedingungen verschieben müssen. „Es war eine große Kraftanstrengung für alle Beteiligten“, sagte Ackermann.

Die Hoffnungen auf einen Neustart des Kulturlebens haben sich dank der sinkenden Inzidenzzahlen nun erfüllt. In den kommenden Wochen und Monaten wird die Reihe Meisterkonzerte ebenso wieder aufgenommen wie die Kunstausstellungen in der Kreuzkirche, auch die Kinder- und Jugendkultur-Wochen sollen wieder laufen, Gastspiele hochkarätiger Theaterensembles, die Nürtinger Krimizeit, die Musiknacht und nicht zuletzt einige bereits verschobene Programmpunkte zum Hölderlin-Jahr sind geplant.

Die Theatersaison bietet sechs Vorstellungen und wird  am 18. Oktober mit einem Gastspiel der Württembergischen Landesbühne Esslingen und dem Klassiker „Antigone“ gestartet. Den Abschluss bildet im Mai 2022 „Unser Mann in Havanna“ nach Graham Greene mit der Badischen Landesbühne Bruchsal und kubanischer Live-Musik.  „Unsere Abonnenten sind uns treu geblieben, das ist ein gutes Zeichen für die Wertschätzung, für unser Programm, und so freuen wir uns auf ein volles Haus“, berichtete Ackermann. Die Kinder- und Jugendkultur-Wochen werden vom 23. Oktober bis 7. November mit einem umfangreichen Programm laufen, für Kinder kommen überdies „Der Grüffelo“, eine Weihnachtsgeschichte und „Die kleine Hexe“ auf die Bühne.

Für die Meisterkonzert-Reihe hat das Kulturamt  preisgekrönte  Ensembles für fünf Konzerte verpflichtet.  Den Auftakt  bestreitet am 11. Oktober das Vokalensemble Octavians,   zum Abschluss gastiert im Frühjahr das Pablo Barragán Trio. Beim „Forum junger Künstler“ werden sich Nürtinger Nachwuchsmusiker präsentieren, die Musiknacht ist für den 14. Mai 2022 geplant. Im Frühjahr 2022 wird eine weitere Ausgabe der Nürtinger Krimizeit mit Lesungen, Konzerten und einem Krimispaziergang für kurzweilige Unterhaltung sorgen. In der Kreuzkirche sind mehrere Ausstellungen zeitgenössischer bildender Künstler vorgesehen.

„Wir gehen davon aus, dass wir alles wie geplant durchführen können. Aber wir planen die Veranstaltungen auch parallel unter Corona-Bedingungen. Doch wir hoffen, dass die breite Bevölkerungsmehrheit bald geimpft ist und uns die Infektionsszenarien nach der Fußball-EM und der Urlaubszeit nicht noch einholen“, sagte Ackermann.  pst / Foto: Mario Marzo

Info: Das vollständige Programm und aktuelle Regelungen werden unter www.nuertingen.de veröffentlicht.