Insektenparadies „Sirnauer Ohr“

Ökologisch neu gestaltete Grünfläche zwischen B 10 und Möbelhaus  wird mit der „Goldenen Wildbiene“  ausgezeichnet

Selbst ein Baubürgermeister – und vor allem ein Baubürgermeister von Esslingen – muss die freie Fahrt von Radlern auf Radwegen respektieren. Eine Radfahrerin schimpfte daher wie ein Rohrspatz, als Hans-Georg Sigel ihr unwissentlich den Weg an der Sirnauer Brücke versperrte. Doch der Nachfolger von Wilfried Wallbrecht hatte dafür einen triftigen Grund: Das Land Baden-Württemberg zeichnete ein Esslinger Ökologie-Projekt mit der „Goldenen Wildbiene“ aus. Die etwa 11 000 Quadratmeter große Fläche zwischen der B 10 und dem Möbelhaus Rieger am „Sirnauer Ohr“ sei auf vorbildliche Art in eine insektenfreundliche Grünfläche umgewandelt worden, lobte Elke Zimmer,  Staatssekretärin im Verkehrsministerium, bei der Einweihung der neuen Hinweistafel auf der Sirnauer Brücke.

Insektenhotel? Nein. Bei der Bezeichnung schüttelt Martin Weiss den Kopf. Das Büro des Biologen hat der Stadt Esslingen Tipps für die ökologische Neugestaltung der Wiese am „Sirnauer Ohr“ gegeben, und eine Maßnahme hin zu mehr Insektenfreundlichkeit war die Schaffung einer Nistwand für Wildbienen. In den Löchern im  Erdreich der Böschung würden die Insekten beste Bedingungen für ihren Nachwuchs vorfinden.  Außerdem, so ergänzt Karin Weiss als Mitinhaberin des Büros, wurden auf verschiedenen Teilbereichen der Grünfläche  Wiesenpflanzen wie Wilde Möhre oder Margeriten eingepflanzt. Eine Stammpyramide aus Totholz soll weitere Zufluchts- und Nistmöglichkeiten für Insekten schaffen. Doch der Clou der Maßnahmen ist nach Angaben der Biologin die Änderung der Pflegebedingungen der Fläche. Sie müsse nun nicht mehr gemulcht, sondern könne gemäht werden. Dadurch würden sich weniger Nährstoffe anreichern, die vor allem das Wachstum von Brennnesseln fördern würden.

Maßnahmen, die Wirkung zeigen, wie Staatssekretärin Elke Zimmer betonte. Sie enthüllte die Hinweistafel auf der Sirnauer Brücke und erklärte, dass die „Goldene Wildbiene“ für herausragendes Engagement im Insektenschutz überreicht werde. Die Auszeichnung sei Teil des Wettbewerbs „Blühende Verkehrsinseln“ und  werde  für die Umgestaltung von Rastplätzen, Kreisverkehren oder anderen straßennahen Plätzen zu insektenfreundlichen Blühflächen mit heimischen Pflanzen verliehen. Gerade mit Blick auf die verheerenden Waldbrände, Flut- und anderen Naturkatastrophen seien Maßnahmen gegen den Klimawandel ein Gebot der Stunde. Das „Sirnauer Ohr“  sei von einem artenarmen, grasdominierten Grünland durch verschiedene Saatgutmischungen,  blütenreiche Saumstrukturen und einen Gehölzstreifen als Lebensraum und zum Nestbau für Vögel zum Insektenparadies geworden. Eine Vorbildfunktion erhofft sich Hans-Georg Sigel von der Auszeichnung. Städte und Kommunen allein könnten Umwelt- und Insektenfreundlichkeit nicht stemmen. Der Baubürgermeister wünscht sich daher  eine Signalwirkung bei Firmen, Privatpersonen oder Vereinen, die ebenfalls Flächen umgestalten könnten.  Das, so fügt Gebhard Räcke  vom städtischen Grünflächenamt hinzu, muss  nicht teuer sein. Er bezifferte die Investitionen für das Öko-Projekt am „Sirnauer Ohr“ mit 6000 Euro, die Bewirtschaftungskosten pro Quadratmeter würden sich auf 60 Cent belaufen. Durch die Auszeichnung mit der „Goldenen Wildbiene“ jedenfalls haben sich die ökologischen Maßnahmen am „Sirnauer Ohr“ mehr Gehör verschafft.  sw/Foto: Roberto Bulgrin


Gebäude soll Charakter behalten

Auf ehemaligem Electrostar-Gelände in Reichenbach haben Bauarbeiten begonnen –  5000 Quadratmeter neuer Wohnraum

Es wird gebaggert und viele Reichenbacher sind froh, dass die Arbeiten auf dem ehemaligen Electrostar-Gelände endlich begonnen haben.

Wie ein Skelett wirkt das frühere Produktions- und Verwaltungsgebäude der Firma Electrostar. Hinter Fensterrahmen ohne Scheiben gähnt Leere, trotzdem zeigt der lang gezogene Bau mit den schmalen Fliesenbändern in Querrichtung noch seine Charakteristik. Sie soll sich auch in der künftigen Fassadengestaltung wiederfinden. Zwar ohne Fliesen, weil die in der Regel nicht sehr lang haltbar seien, sagt Stephan Pflumm, Geschäftsführer bei der Projektgesellschaft Phoenix Living. Die Idee sei aber trotzdem, „dass man die Anmutung des bisherigen Gebäudes auch in der neuen Nutzung wiederfindet“ und neu interpretiere, ohne den Charakter grundlegend zu verändern. Schließlich handle es sich um einen markanten, prägenden Bau.

Phoenix Living wird sowohl dieses Gebäude, den sogenannten Querbau, zu 44 Wohnungen umbauen, als auch zwei Neubauten mit insgesamt 22 Wohnungen auf der trapezförmigen Fläche zwischen der Stuttgarter  und der Schillerstraße erstellen. Insgesamt geht es um mehr als 5000 Quadratmeter Wohnraum. Die Gesellschaft überschreibt das Quartier mit dem Titel „Das Domizil“ und ist erst relativ spät in das Vorhaben eingestiegen.

Vorher waren andere Projektentwickler zusammen mit den Eigentümern von Electro­star – beziehungsweise der Algo-Gruppe – am Werk, wobei es zu einigen Verwerfungen kam. Die erste Planung, eine Mischung aus Gewerbe- und Wohnnutzung, bei der auch die Verwaltung der Firma Electrostar mit eingezogen wäre, kam beim Gemeinderat gut an und war genehmigt. Sie wurde von Electrostar aber wieder verworfen, unter anderem, weil das Unternehmen 2018  komplett nach Ebersbach umzog.

Die Folgeplanung mit außen an den Querbau angefügten Balkonen und deutlich intensiverer Wohnnutzung lehnte der Gemeinderat ab. Danach brauchte es noch einige Zwischenschritte bis zum heutigen Ergebnis. Das alte Fabrikgebäude bekommt nun zwar zwei zusätzliche, außen angebaute Treppenhäuser, aber statt außen liegender Balkone lediglich einzelne Loggien nach innen. Seit Anfang April habe man die Baugenehmigung, sagt Stephan Pflumm, und sei direkt in die Vorbereitungen eingestiegen. Er lobt den guten Draht zur Gemeindeverwaltung und ist mit dem Verkauf sehr zufrieden.

Schon in einer Pressemitteilung vom 15. Mai berichtete das Unternehmen, dass innerhalb von vier Wochen alle Einheiten verkauft worden seien. Die Käufer hätten sich überwiegend entschlossen, ihre Wohnungen zu vermieten, erklärt Pflumm. Maklerin Senta Hoffmann aus Reichenbach wird weitervermitteln. Wohnraum ist eine Geldanlage, und attraktiv war in diesem Fall wohl auch die Förderung nach KfW-55-Standard. Ebenso eröffne die Tatsache, dass das Bauprojekt im Sanierungsgebiet Zentrum Nord liegt, interessante Abschreibungsmöglichkeiten.

Einen Eindruck vom Baufortschritt kann man auch über die Webcam auf phoenix-living.de bekommen. Im Querbau ist bereits die gesamte Haustechnik abgebaut, er soll im weiteren Verlauf „bis auf den Rohbau zurückgesetzt und neu wieder aufgebaut“ werden, so Pflumm. Der Zeitplan sieht vor, dass „Das Domizil“ bis zum Ende des ersten Quartals 2023 fertig ist. Damit wird aber nur ein kleiner Teil des Starmix-Geländes neu bebaut sein. Weitaus größer ist die restliche Fläche, auf der sich ehemalige Lager- und Montagehallen, Verwaltungsgebäude, Abstell- und Freiflächen befinden. Auch für dieses Areal  schwebt dem Reichenbacher Gemeinderat zentrumsnahes Wohnen vor. So hat das Gremium bereits vor zwei Jahren die Aufstellung eines Bebauungsplanes beschlossen und kürzlich eine Veränderungssperre verhängt. Die Grundstücke gehören allerdings nach wie vor der Firma Electrostar beziehungsweise ihrer Tochtergesellschaft.  aia/Foto: Karin Ait Atmane


Stichtag für die Kreisimpfzentren

Trotz steigender Nachfrage: Das Landratsamt schließt die  Zentren in Oberesslingen und an der Messe zum 30. September

Sommerzeit – Urlaubszeit – Reisezeit. In Nicht-Corona-Jahren stürzen sich Touristen und Reisende während der großen Ferien liebend gerne in die erfrischenden Wellen und Fluten von Meeren und Freibädern. Doch 2021 ist anders. Die Angst vor  einer neuen Infektionswelle schwappt über die Bevölkerung hinweg. Wie stellt sich der Landkreis Esslingen darauf ein? Er setzt auf eine steigende Zahl von Impfwilligen und plant die Schließung der beiden Kreisimpfzentren (KIZ) zu Ende September, teilte Sarah Panten vom  Esslinger Landratsamt mit.

Die Kreisimpfzentren: In den beiden Kreisimpfzentren in der Zeppelinstraße 112 in Oberesslingen und der Halle 9  der Landesmesse können sich Menschen täglich von 7 bis 20 Uhr ohne vorherige Terminabsprache gegen Covid-19 immunisieren lassen. Für die Belegschaften kleiner und mittlerer Betriebe gibt es    montags, mittwochs und ­freitags von 17 bis 20 Uhr Zeitfenster zum „After-Work-Impfen“.  Das Kreisimpfzentrum  in Oberesslingen sei zudem auch für Rollstuhlfahrer geeignet. Eine   Verlängerung  über den 30. September hinaus ist für die Kreisimpfzentren  nicht geplant. Das Land wird laut Landratsamt deren Betrieb zu diesem Stichtag einstellen

Die Impfbereitschaft:  Laut Landratsamt lassen sich wieder mehr Menschen gegen Covid-19 impfen. In den Kreisimpfzentren sei ein spürbarer Anstieg sowohl bei Jugendlichen als auch bei anderen Impflingen zu verzeichnen, berichtet Sarah Panten. Als Gründe dafür nennt sie  die Änderung der Corona-Verordnung sowie die positive Empfehlung der 18-köpfigen Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut (Stiko) zur Immunisierung von Zwölf- bis 17-Jährigen: „Wir rechnen mit einer weiteren Zunahme an Impfwilligen.“ Darauf ist der Landkreis ihren Worten zufolge vorbereitet: Die Kapazitäten, das Personal und die Verfügbarkeit der Vakzine seien gegeben.

Der Impfbus: Ergänzend zu den beiden Kreisimpfzentren ist der Impfbus nach Angaben von Sarah Panten nahezu flächen­deckend im Landkreis Esslingen unterwegs. Das Fahrzeug, das von den Stuttgarter Straßenbahnen  (SSB) gestellt wird,  tourt seit  27. Juli durch die Region und hat zwei  mobile Impfteams   sowie verschiedene Impfstoffe an Bord. Da der Impfbus aber an die Arbeit der Kreisimpfzentren gekoppelt ist, wird auch er Ende September seine Fahrten einstellen: „Der Auftrag des Landes an uns, diesen zu betreiben, endet nach heutigem Stand  zum 30. September.  Inwieweit die Malteser dann womöglich in Eigenregie den Impfbus weiterhin einsetzen, darüber  können wir als Landkreis nichts sagen“, so Panten.

Die Anzahl der Teststationen: An 109 Stationen werden im Kreis  derzeit Tests durchgeführt. Die Betreiber der Teststellen wurden laut Landratsamt im Rahmen  der Coronavirus-Testverordnung vom Gesundheitsamt einzeln zur Durchführung der Tests beauftragt und sind zur Meldung verpflichtet. Tests dürfen laut Landratsamt aber auch in Arztpraxen, Zahnarztpraxen, Apotheken und medizinischen Laboren sowie von Rettungs- und Hilfsorganisationen vorgenommen werden. Auch die von den Kassenärztlichen Vereinigungen betriebenen Testzentren sind zur Testung berechtigt.

Die Anzahl der Tests: In der Woche von Montag, 16. August, bis Sonntag, 22. August, wurden dem Gesundheitsamt Esslingen insgesamt 43 161 Bürgertestungen von 161 der bekannten 242 Stellen gemeldet. Zum Vergleich: In der Woche    zuvor belief sich die Anzahl der gemeldeten Tests auf 29 138. Die tatsächliche Anzahl dürfte nach Schätzung von Sarah Panten  allerdings höher sein, denn nicht alle Betreiber von Teststationen unterliegen einer Registrierungspflicht beim Gesundheitsamt: „Daher ist davon auszugehen, dass die gemeldeten Testzahlen die tatsächlichen Zahlen tendenziell unterschätzen.“

Die Zukunft der Teststationen: Engpässe gibt es in den Testzentren derzeit nach Angaben des Landratsamtes nicht. Es sei von einer ausreichenden, flächendeckenden Teststruktur auszugehen. Zudem könnten laut Gesundheitsamt die beauftragten Anbieter ihre Kapazitäten durch verlängerte Öffnungszeiten oder Angebote an zusätzlichen Wochentagen bei Bedarf erhöhen. „Ebenfalls gaben alle beauftragten Leistungserbringer an, dass aktuell ihrerseits keine Begrenzung der Laufzeit des Testangebots vorgesehen ist“, heißt es.  Bürger hätten also auch in absehbarer Zeit die Möglichkeit, diese engmaschig über den Landkreis verteilten Testzentren in Anspruch zu nehmen.  sw/Foto: Ines Rudel

Info: mehr im Internet unter www.landkreis-esslingen.de.


Abgestimmt

Fünf  U21-Fußball-Europameister stehen im 26-köpfigen Kader für die kommenden  Länderspiele. Hansi Flick setzt auf Junge. Richtig so?

Foto: dpa

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