Abgespeckter Budenzauber

Der Esslinger  Mittelalter- und Weihnachtsmarkt findet statt – Zentrale Kontrollen der Corona-Nachweise

Bis vor Kurzem war noch unklar, ob in diesem Jahr  überhaupt Weihnachtsmärkte im Land stattfinden dürfen – und wenn ja, in welcher Form.  Seit Ende September aus Stuttgart grünes Licht für einen Budenzauber unter Auflagen kam, wird in Esslingen auf Hochtouren an einem Konzept gefeilt. Inzwischen hat man sich auf die Eckpfeiler verständigt: Es wird einen offen zugänglichen Mittelalter- und Weihnachtsmarkt geben, bei dem die Kontrolle der 3-G-Nachweise für die Gastrostände zentral geregelt wird.  Während einige Kreiskommunen eine ähnliche Regelung verfolgen, sagen andere ihren Budenzauber endgültig ab.

Das Esslinger Markttreiben soll in diesem Jahr vom 23. November bis zum 22. Dezember stattfinden und auf Marktplatz, Rathausplatz und Postmichelplatz beschränkt bleiben. Auf dem Marktplatz werden mit voraussichtlich etwa 65 Ständen fast so viele Beschicker vertreten sein wie sonst. Allerdings soll die Marktfläche bis zur Stadtkirche erweitert werden, um für mehr Luft zwischen den Ständen zu sorgen. Während die Weihnachtsinsel regulär auf dem Postmichelplatz über die Bühne geht, findet der Mittelaltermarkt dieses Jahr  ausschließlich auf dem Rathausplatz statt. Hier wird das Angebot mit nur rund  35 Ständen   halbiert. Laut Michael Metzler, Geschäftsführer der Esslinger Stadtmarketing und Tourismus-Gesellschaft (EST), liegt das vor allem daran, dass interaktive Angebote wie das Zwergenland, der Badezuber oder das Mäuse-Roulette nicht coronakonform möglich sind. Auch die Kulturangebote auf der Bühne werden gestrichen. Sie wären zwar prinzipiell erlaubt – aber nur mit 3-G-Nachweis. Weil man dafür laut Metzler den Bereich vor der Bühne absperren müsste, verzichte man in diesem Jahr auf Bühnen. Stattdessen erörtere man gerade, ob mit sogenannten Walking Acts mobile Kulturangebote möglich sind. Da die gastronomischen Angebote ebenfalls nur mit 3-G-Nachweis genutzt werden dürfen, hat sich die Stadt ein spezielles  Kontrollsystem überlegt. So soll eigens engagiertes Personal an  sieben Prüfstellen in Zelten   rund um den Marktplatz  die Corona-Nachweise samt Ausweisen der Besucherinnen und Besucher kontrollieren. Unterstützt werden soll es von vier mobilen Zweierteams, die auf dem Markt unterwegs sein werden. Wer die Corona-Auflagen erfüllt, bekommt ein tagesaktuelles Armband, für das Erwachsene angesichts des Aufwands voraussichtlich eine Gebühr von einem Euro zahlen müssen.

Zudem soll gemäß der aktuellen Vorgaben eine Maskenpflicht auf dem Markt gelten – außer während des Verzehrs von Speisen und Getränken.  Metzler hofft allerdings, dass das Land diese Vorgabe noch einmal überdenkt: „Baden-Württemberg hat mit die strengsten Corona-Auflagen“, kritisiert er.  „In Bayern sind Weihnachtsmärkte ganz ohne 3G, 2G und Maskenpflicht erlaubt.“ Gleichwohl stelle man sich auf die Vorgaben ein und hoffe, dass  die Marktbeschicker,  die sich größtenteils bereits vor Monaten für die Veranstaltung beworben haben, angesichts der Umstände bei der Stange bleiben.  Man rechne in der kommenden Woche mit den  finalen Zusagen.

In Plochingen und Altbach plant man momentan noch den Weihnachtsmarkt. In Reichenbach, Wernau und Deizisau sind die Weihnachtsmärkte abgesagt worden. 

meb/gg / Foto: Roberto Bulgrin


Beide Gemeinden sind Gewinner

Statt einen Interimskindergarten mit Containern zu errichten, bringt Altbach  die Kleinen vorübergehend in Deizisau unter

Die Pläne waren bereits weit fortgeschritten: Auf dem Freigelände der ehemaligen neuapostolischen Kirche in Altbach sollte ein Interimskindergarten in Containerbauweise eingerichtet werden. Erst Anfang Juli hatte der Gemeinderat grünes Licht für das Projekt gegeben. Aus Sicht der Gemeinde wurde nun aber eine bessere Lösung gefunden: Im benachbarten Deizisau wird im Februar das neue Kinderhaus „Himmelblau“ eröffnet. Dort gibt es freie Plätze, die bis zu 35 Kinder aus Altbach nutzen können, die drei Jahre oder älter sind.

„Es ist eine Win-Win-Situation“, sagt Deizisaus Bürgermeister Thomas Matrohs. Für seine Gemeinde besteht der Vorteil der Vereinbarung darin, dass das neue Kinderhaus neben der Gemeindehalle besser ausgelastet ist als es ohne die Kinder aus der Nachbargemeinde der Fall wäre. Deizisau habe das Kinderhaus mit Blick in die Zukunft gebaut. Es wird voraussichtlich erst in den kommenden Jahren vollständig mit Kindern aus Deizisau belegt werden. „Mittelfristig hätte auch ein zweizügiger Kindergarten gereicht“, meint Matrohs. Die Gemeinde rechne aber langfristig durch die  Ausweisung  neuer Baugebiete und innergemeindlicher Nachverdichtung peu à peu mit wachsenden Kindergartenanmeldungen. Zunächst wird das Kinderhaus mit drei Gruppen starten. Platz gibt es aber für bis zu vier Gruppen.

Der Vorteil für Altbach liegt darin, dass die Kinder in einem festen Gebäude statt in Containern betreut werden können. „Es ist eine gute Lösung“, meint der Altbacher Bürgermeister Martin Funk. Die Anbindung aus seiner Gemeinde sei kein großes Problem. „Es sind keine großen Entfernungen“, sagt Funk. Dass der Anfahrtsweg für manche Eltern ein Wermutstropfen sein könnte, ist dem Schultes aber bewusst. Deshalb bekommen Eltern auf Antrag 20 Prozent der Kindergartengebühren von der Gemeinde Altbach rückvergütet. Genauere Informationen sollen Eltern zeitnah mit einem Rundschreiben und bei zwei Informationsabenden erhalten.

Altbach hätte für die Aufstellung der Container voraussichtlich knapp eine Million Euro bezahlen müssen. Für die Belegung von 35 Betreuungsplätzen in Deizisau könnten dagegen „nur“ rund 650 000 Euro bis August 2025 fällig werden.

Ein weiterer Vorteil der  Vereinbarung könnte darin bestehen, dass das Gelände mit der ehemaligen neuapostolischen Kirche in Altbach früher verkauft werden könnte. Der Erlös des Grundstücksverkaufs soll in den Umbau der alten Schule fließen. Die Gemeinde rechnet mit Kosten von mehr als vier Millionen Euro.

Dass die Gemeinde Altbach nun Kinderbetreuungsplätze in Deizisau belegt, liegt an der langen Suche nach einem geeigneten Standort für einen neuen Kindergarten in Altbach. Inzwischen wurde zwar die alte Schule als neuer Kindergartenstandort bestimmt. Bis die  notwendigen Planungen und Umbauten erfolgt sind, wird es aber noch Jahre dauern. In dem neuen Kindergarten sollen einmal bis zu drei Gruppen betreut werden können. Die 35 Plätze in Deizisau hat sich Altbach bis zum Ende der Sommerferien 2025 gesichert. Weitere 35 Plätze wurden in Altbach unlängst im Kindergarten St. Franziskus sowie im Waldkindergarten geschaffen. Insgesamt gibt es damit 249 Plätze. Zuzüglich der Plätze in Deizisau hofft Altbach nun, allen Eltern einen Kindergartenplatz anbieten zu können.

Am Standort des neuen Kinderhauses in Deizisau stand früher ein Wohnhaus mit zwölf Sozialwohnungen. Alle Bewohner hätten eine andere Wohnung bekommen, betont Matrohs. Im dritten Stock des neuen Kinderhauses seien außerdem erneut fünf Wohnungen gebaut worden, die für Menschen mit einem Wohnberechtigungsschein vorgesehen seien. 

Für die beiden Gemeinden ist diese Art der Zusammenarbeit beispielhaft. „So etwas gibt es in der näheren Umgebung nicht“, sagt  Matrohs. Für Altbach und Deizisau reihe sich dieses Projekt in viele andere gemeinsame Unternehmungen ein, etwa zwischen Vereinen, bei der neuen Krankenpflegestation oder im Bereich der Schulen. 

bra / Foto: Philipp Braitinger


Vom Kosovo nach Baltmannsweiler

Ausbildungsprojekt der Diakonie zur Gewinnung von Pflegefachkräften aus Drittstaaten  – Rafaella Markaj ist die 500. Azubi

Seit rund vier Wochen  ist  die bald 19-jährige Rafaella Markaj  in Deutschland. Sie  kommt aus dem Kosovo, hat dort schon drei Jahre in der Pflege in einem  Krankenhaus gearbeitet. Dass sie  im Seniorenzentrum der Zieglerschen in Baltmannsweiler jetzt eine dreijährige Ausbildung zur Altenpflegerin antreten  kann, war ihr großes Ziel. In ihrer Heimat musste sie sich vorher  einem Bewerbungsgespräch unterziehen.  Und sich ein Jahr lang auf ihre Ausbildung in Deutschland vorbereiten.    Dazu gehörte vor allem, noch in ihrem Herkunftsland    Deutsch zu lernen.  Von den Kosten für die Sprachkurse  hat sie  900 Euro selbst übernommen.  Rafaella Markaj ist die  500. Azubi, die an dem internationalen Ausbildungsprojekt der   Diakonie Württemberg teilnimmt. 

Das „bundesweite Leuchtturmprojekt“ für die Gewinnung von Pflegefachkräften hat   Oberkirchenrätin  Annette Noller, Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg,  zusammen mit Vertretern der Träger, Einrichtungen und  jungen Projektteilnehmer  kürzlich im Diakonischen Institut für Soziale Berufe in Esslingen dem Migrationsstaatssekretär  Siegfried Lorek  vorgestellt.  Denn die dreijährige duale Ausbildung „führt zu einer  schnellen beruflichen und gesellschaftlichen Integration und ist ein  erfolgreiches Angebot der legalen und sicheren Migration für junge Menschen aus Drittstaaten“. Und eine von vielen notwendigen Antworten auf den Pflegenotstand.

Mit fünf Trägern und  27 Auszubildenden hat es   2015  begonnen.  Heute wird es von einem   Konsortium von 15 Trägern der Diakonie und drei Trägern der Caritas gelenkt. Angefangen hat es  mit  jungen Menschen  aus dem Kosovo, die man für die Pflegeausbildung in Deutschland gewinnen wollte.   Inzwischen reisen sie auch aus Bosnien und Herzegowina, Albanien und der Ukraine zur Ausbildung in Baden-Württemberg ein.  Seit  diesem Jahr können  auch Interessierte aus Armenien und Georgien zum Zug kommen. 

Zielgruppe sind arbeitssuchende Absolventen von Mittelschulen und Gymnasien im Alter zwischen 19 und 30 Jahren.  „Ich hatte in meiner Heimat keine Chance auf einen Studienplatz. Und meine Eltern konnten mich  finanziell auch nicht unterstützen“, erzählt  Deni Kadric aus Bosnien-Herzegowina, der mit  Markaj und rund 100 weiteren Neuankömmlingen  jetzt  seine Ausbildung begonnen hat. Das Projekt  ist dezentral mit über 120 Einrichtungen und 25 Fachschulen in Baden-Württemberg organisiert. Es finanziert sich ausschließlich über die teilnehmenden Träger und Einrichtungen sowie den einmaligen Eigenbetrag  der Teilnehmenden  für die Deutschkurse.

 Von den bisher 400 Auszubildenden der ersten sechs Jahrgänge haben inzwischen fast 200  die Prüfungen zur Fachkraft geschafft und arbeiten jetzt in der Alten- oder  Krankenpflege. Zuletzt war die Pflegeausbildung bundesweit  mit einer Abbrecherquote von 30 Prozent in die Schlagzeilen gekommen. Bei dem Projekt   liegt sie bei   lediglich plus/minus fünf Prozent.

Dazu trägt   auch ein hohes Engagement der Projektverantwortlichen und  Mitarbeitenden in den Einrichtungen bei: Die jungen Menschen werden  in ihrer neuen Heimat  mindestens vier Monate lang  intensiv begleitet.  „Ich konnte sogar bei meiner Chefin wohnen“, berichtet Vjosa Xhemajli (31) aus dem Kosovo, seit wenigen Tagen examinierte Fachkraft im Seniorenzentrum Baltmannsweiler.  Sie hat  ihre  Arbeitserlaubnis schon in der Tasche.  Florina Brahimi und Florjan Kuqi, die ihre Ausbildung im Palmschen Garten in Deizisau  abgeschlossen haben, hängen indessen noch in der Warteschleife – obwohl auch sie  sämtliche  Unterlagen eingereicht haben. „Kein Zeichen für Willkommen“, ärgert sich Noller. Überhaupt kämpfe das Projekt  immer wieder mit administrativen Hürden.  Und  die Politik  solle nicht nur die Anwerbung von  Fachkräften aus dem Ausland finanziell unterstützen, sondern auch die von Azubis.  Zumal die Projektidee  auch auf  andere Mangelberufe übertragen  werden könnte – etwa in den Erzieherinnen- und Erzieherbereich.

Lorek hat  die Wünsche  nach Stuttgart mitgenommen – auch wenn das Land   nicht immer der entscheidende Ansprechpartner dafür sei. Mit dem   noch jungen  Fachkräfteeinwanderungsgesetz sei die Politik auf dem richtigen Weg –  „der  ist  aber  noch ausbaufähig“. 

biz / Foto: Horst Rudel


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Am 31. Oktober ist Halloween, vielfach laufen verkleidete Kinder dann von Haus zu Haus. Halten Sie  Süßigkeiten bereit, um diese den Kleinen zu geben?

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Klassischer Most ist etwas für Liebhaber

In der Region gibt es nach wie vor etliche Mostereien – Das traditionsreiche Getränk ist (fast) in Vergessenheit geraten

Hans-Martin Grammlich bringt eine späte Fuhre, gerade war er noch auf dem Stückle. Kurz vor Sonnenuntergang fährt er mit dem Traktor vor und liefert eine Kiste Äpfel ab. Wie praktisch, dass seine Söhne Benjamin (23) und Silas Grammlich (25) die Moste in Denkendorf betreiben. 2015 ist das Duo in den fruchtigen Nebenerwerb eingestiegen. Eigentlich sind beide in der Industriemontage tätig. Obwohl die große Presse an diesem Abend stillsteht, duftet es in der Halle intensiv nach Äpfeln. Es ist Erntezeit. Etwa 100 000 Liter Saft werden pro Jahr hergestellt, erklärt Benjamin Grammlich. Eigene Produkte gehen in den Verkauf, zudem können sich Privatleute den Saft ihrer Äpfel abfüllen lassen. Nur Most, der ist in der Moste kaum nachgefragt.

„Wir haben letztes Jahr 1000 Liter gemacht – 900 sind noch da“, sagt Hans-Martin Grammlich. Er spricht von einem Versuch, auch aus Nostalgiegründen. „In der Familie hatten wir schon immer Most.“ Das Ergebnis lagere im Holzfass. „Der geht nicht kaputt“, betont der 51-Jährige.

„Der klassische Most ist out.“ Das sagt Hannes Bürckmann, der Leiter der Geschäftsstelle des Vereins Hochstamm Deutschland. Der Geschmack sei herb, das Image altbacken. Laut dem Verein gibt es etwa sieben Millionen Streuobstbäume im Land. Hauptsächlich Mostobst hänge daran. Einen Teil verarbeiteten Kleinbrennereien, das allermeiste Obst werde aber zu Saft. Most trinken demnach fast nur Liebhaber. Oliver Briem, der in Filderstadt-Sielmingen eine Saft- und Most-Manufaktur betreibt, bestätigt dies. Vor allem in den entbehrungsreichen Kriegsjahren habe man Most getrunken, „da gab es nichts anderes“, heute machten sich die Leute lieber ein Fläschchen Wein auf.   Auch Rüdiger Bayer, der Chef der Esslinger Mosterei Bayer, sagt, andere Produkte hätten den Most verdrängt. „Ehemals war das ein günstiges Getränk, heute ist der Kostenvorteil weg.“ 

Doch auch mit der Saftproduktion ist das so eine Sache. Grundsätzlich ist mit Streuobst kaum mehr etwas verdient. Zwar haben in diesem Jahr die Obstpreise wegen der schwächeren Ernte etwas angezogen, dennoch gibt es laut Hannes Bürckmann für 100 Kilogramm Nicht-Bio-Obst aktuell im Schnitt gerade mal sechs bis neun Euro. „Das Bücken lohnt sich definitiv nicht“, sagt er. Wiesen verkommen daher vielerorts, weil sich keiner kümmert. Hannes Bürckmann zitiert eine Studie der Uni Hohenheim, wonach die Streuobst-Flächen im Land seit 2009 um mehr als 20 Prozent zurückgegangen sind.

Es gibt Versuche, den Trend umzukehren. Die Tradition des Streuobstanbaus wurde vor einigen Monaten ins Immaterielle Kulturerbe aufgenommen. Der Verein Hochstamm hatte sich dafür eingesetzt. Vom Land gibt es eine Baumschnittprämie für die, die Grundstücke pflegen.  Bei Briem in Sielmingen  gibt es einen finanziellen Zuschlag für unbehandeltes Obst, das nachweislich aus Filderstadt stammt. Das scheint zu funktionieren. „Letztes Jahr hatte ich über 400 Kunden“, sagt Oliver Briem. Eigener Saft sei in, vor allem junge Familien sammelten gern das Obst auf Wiesen von betagten Eigentümern. „Das macht Sinn und den Leuten Spaß“, sagt er. Allerdings: Die Most-Nachfrage profitiere von dem Trend nicht.

Ganz abgeschrieben ist der Trunk dennoch nicht. Als Mitglied der Interessengemeinschaft Streuobst Ostfildern stellt Steffen Kaiser aus Nellingen Edelmostsorten her – Kombinationen mit Holunder, mit Beeren oder oberösterreichischer Weinbirne.

Auch Bernhard Hahn besetzt die Nische. In Esslingen-Wäldenbronn betreibt er einen Most- und Weinbesen. „Zu mir kommen die Leute gezielt“, sagt er. Seinen Most baue er selbst aus, in den Versionen normal, säurereduziert, rot mit Sauerkirschen und braun mit Trollingertrauben. Beim Stammpublikum komme das an, der 80-Jährige – im Mai 2022 startet sein Besen wieder in die Saison – weiß aber auch: Grundsätzlich ist der Most in Vergessenheit geraten, „weil es niemand mehr macht“.

In Denkendorf wird jedenfalls bald wieder Most ausgeschenkt. Sofern Corona es zulässt, wird in der Moste am 13. November der Saisonabschluss mit einem Fest gefeiert. „Da gibt es auf jeden Fall Most“, verspricht Benjamin Grammlich. Liebhaber werden sich sicherlich finden, mindestens bei den älteren Gästen. Das weiß auch Benjamin Grammlich. „Von meinem Opa weiß ich, der hatte immer Sprudel und Most.“ 

car / Foto: Caroline  Holowiecki


Das Miteinander funktioniert

Der TSV Denkendorf wird 125 Jahre alt und blickt auf eine interessante Geschichte zurück

Die Geburtsstunde des TSV Denkendorf schlug im Gasthaus „Lamm“. Rund 30 Bürger trafen sich dort am 20. August 1896, um einen Turnverein aus der Taufe zu heben. „Der Verein wurde als Arbeitersportverein gegründet“, erinnert sich der frühere Denkendorfer Bürgermeister Walter Dieterich in der Jubiläumschronik. Anfangs wurde vor allem Handball gespielt und geturnt – auf primitiven, selbst gebauten Geräten aus Holz. Geturnt wurde ab 1911 im Winter im Saal des Gasthauses „Krone“, im Sommer wurde der Garten der „Germania“ genutzt, weiß Peter Nester, der heutige TSV-Vorsitzende. Gefeiert wird das Jubiläum voraussichtlich erst im kommenden Jahr.

Dem Fußballboom nach dem Ersten Weltkrieg trug 1922 die Gründung eines zweiten Sportvereins in Denkendorf Rechnung. Im selben Jahr wurde eine Leichtathletikabteilung gegründet. Der SV Denkendorf war laut Dieterich eher bürgerlich geprägt, Vorsitzender war Gottlieb Krinn. Der Verein hatte einen Sportplatz mit selbst gebauter Vereinshütte im „Klingen­äckerle“.

Als 1933 die Arbeiterturnvereine und damit auch der TV von den Nazis verboten wurden, spielte man im SV auch Handball und turnte. Zwar konnte man im Zweiten Weltkrieg fast bis zuletzt Sport treiben. „Der Sportplatz war allerdings im letzten Kriegsjahr zu Ackerland umgepflügt worden“, so Nester. Mit Hilfe des Bauunternehmers Gottlob Müller wurde das Sportgelände nach dem Krieg wieder hergerichtet: „Er war ein Glücksfall für den Verein. Er hatte die Kenntnisse vom Bau und die Geräte.“

Der Wunsch nach angemessenen Sportstätten wurde in den 50er-Jahren laut. Gottlob Müller habe den Bau eines Stadions mit Fußballfeldern und Leichtathletikanlagen angeregt, erinnert sich Dieterich: „Für mich war klar, dass nur ein gemeinsamer Weg der Vereine den Wunsch nach einem Stadion erfüllen könnte.“ Im Juni 1956 erfolgte im Saal der „Krone“ der offizielle Zusammenschluss von TV und SV zum TSV Denkendorf. Zum Vorsitzenden wurde Gottlieb Krinn  gewählt. Stellvertreter wurde der TV-Vorsitzende Wilhelm Oßwald.

 Die Gemeinde war dann bereit, für ein Stadion tief in die Tasche zu greifen. Gottlob Müller übernahm kostenlos die Erdarbeiten und den Rohbau des Vereinsheims. Dort gab es später zeitweise am Samstagabend sogar ein Tanzcafé. Die Vereinsmitglieder erbrachten unzählige Arbeitsstunden. 1960 wurde das Stadion als eines der ersten im Kreis Esslingen eingeweiht. 1971 wurde die Tennisabteilung gegründet, und im Laufe der Jahre wurden sieben Tennisplätze angelegt. 1984 folgte die Tennishalle. Die Gemeinde baute zwei große Sporthallen. „Heute verfügen wir in Denkendorf über tolle Sportstätten“, sagt Christine Schäfer, zweite Vorsitzende und Leiterin der TSV-Geschäftsstelle.

Kontinuierlich wurde das Sportangebot für alle Altersklassen auf heute zehn Abteilungen ausgebaut, die Mitgliederzahl wuchs stetig. Das Ehrenamt steht weiter hoch im Kurs. Im vergangenen Jahr wurde die Tennisanlage mit tatkräftiger Hilfe der Mitglieder saniert. „Wir haben keine Nachwuchssorgen“, freut sich Nester. Viele seien bereit, Verantwortung zu übernehmen. Dazu trage bei, dass die Geschäftsstelle mit Schäfer als hauptamtlicher Kraft den Ehrenamtlichen viel Administratives abnimmt. Damit das Miteinander der verschiedenen Abteilungen gut funktioniert, hat man vor einiger Zeit Klausurtagungen eingeführt. Auch wenn die Verbundenheit vielleicht nicht mehr so groß sei wie in den Anfangsjahrzehnten: Dass Mitglieder und Übungsleiter ihrem Verein auch während der Corona-Pandemie treu blieben, wertet Schäfer als klares Bekenntnis zum TSV.

Der TSV bringt sich auf vielfältige Weise ins Gemeindeleben ein. Und er versteht sich als Verein des Breitensports. Dennoch ist Nester stolz, dass der Verein unter anderem deutsche Meister in der Leichtathletik oder Weltmeister der Kegler hervorgebracht hat. 

urh / Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger


Die LesART startet wieder durch

Nach einjähriger Coronapause finden die Esslinger Literaturtage vom 7. November bis 2. Dezember statt

Bücher bringen die Menschen ins Gespräch, machen nachdenklich, lassen sie streiten im allerbesten Sinne und Übereinstimmungen finden, setzen Gedanken und Gefühle in Gang und wecken Assoziationen.“ Für EZ-Chefredakteur Johannes M. Fischer gibt es jede Menge guter Gründe, ein Buch zur Hand zu nehmen. Und viele Literatur-Fans dürfen sich auf einen spannenden Lese-Herbst freuen, wenn die Esslinger Literaturtage LesART zum 27. Mal zu Ausflügen in die Welt der Bücher einladen. Vom 7. November bis zum 2. Dezember präsentieren Stadtbücherei und Eßlinger Zeitung ein Festival, das weit über die Stadtgrenzen hinaus strahl. Nun haben die LesARTisten ihr Programm vorgestellt. Am 23. Oktober startet der Vorverkauf.

Für Kulturbürgermeister Yalcin Bayraktar zählen die Esslinger Literaturtage zu den arrivierten Literaturfestivals im Lande: „Die LesART zeichnet sich durch eine stringente konzeptionelle Linie und einen hohen kulturpädagogischen Wert mit vielen Lesungen für Kinder und Jugendliche aus. Sie ist ein Ort, an dem aktuelle Strömungen deutschsprachiger Literatur und gesellschaftspolitisch relevante Themen vorgestellt und diskutiert werden.“ Das sei neben Büchereileiterin Gudrun Fuchs und ihren Kolleginnen Bettina Lan­genheim und Renate Luxemburger auch den langjährigen Unterstützern zu danken: der Stiftung der Kreissparkasse, dem örtlichen Buchhandel und dem Mitveranstalter Eßlinger Zeitung.

EZ-Chefredakteur Johannes M. Fischer bescheinigt der LesART, sie sei immer hochaktuell, vereine dauerhaft leuchtende und neue Sterne am Literaturhimmel – und sie sei gut für die Stadt.

Nachdem die Literaturtage 2020 coronabedingt abgesagt werden mussten, freut sich Kulturamtsleiterin Alexa Heyder umso mehr auf das kommende Festival – auch wenn es in Zeiten einer Pandemie aufwendiger ist, ein Literaturfestival zu veranstalten: „Die Pandemie hat uns gezeigt, wie stark wir auf Kultur und Sozialkontakte angewiesen sind. Wir schätzen jetzt noch mehr die Qualität der Begegnung, des Gesprächs, der Debatte, die uns Kultur und Literatur schenken.“ Das gelte besonders fürs junge Publikum: „Ohne die Vielfalt und Kraft der Literatur wäre es für viele Kinder und Jugendliche noch schwerer gewesen, das letzte Jahr zu überstehen.“ Das sieht Felix von Heißen, Regionaldirektor der Kreissparkasse, genauso: „Es ist wichtig, Signale zu setzen. In stürmischen Zeiten müssen wir Kunst und Kultur noch mehr Raum geben.“

25 Literaturveranstaltungen mit 15 Autorinnen und Autoren stehen während der 27. LesART auf dem Programm. Manche der Autorinnen und Autoren für Erwachsene waren schon für 2020 eingeplant. „Wir mussten damals absagen, wollten aber auf die Begegnungen nicht verzichten und haben diese Gäste wieder eingeladen. Ihre Werke haben keineswegs an Aktualität verloren“, sagt Gudrun Fuchs und denkt dabei etwa an Ilija Trojanow, Joachim Zelter, Ingo Schulze oder Markus Orths. Eröffnet wird das Festival von einem hochkarätigen Gast: der israelischen Autorin Zeruya Shalev.

Dass die LesART am verkaufsoffenen Sonntag startet, fügt sich für Bayraktar vorzüglich: „Wir haben bei ‚Stadt im Fluss’ gesehen, wie wichtig die Kultur für eine lebendige Innenstadt sein kann.“ Für Kinderbücherei-Leiterin Bettina Lan­genheim sind die Literaturtage nicht zuletzt ein wichtiger Beitrag zur Leseförderung. Deshalb hat sie ein hochwertiges Programm für Kinder und Jugendliche zusammengestellt – mit Autorinnen und Autoren, die die Sprache der Jüngeren treffen. 

Info: Für Personen ab 18 Jahren gilt die 2G-Regel – geimpft oder genesen. Der Vorverkauf beginnt am 23. Oktober um 11 Uhr. Karten gibt es bei der EZ in der Küferstraße 1, der Stadtinfo und unter www.reservix.de

adi / Foto: Roberto Bulgrin


Abgestimmt

Die Preise steigen, getrieben durch Energiekosten. Rund vier Prozent beträgt die Inflation. Experten erwarten im kommenden Jahr aber eine Beruhigung. Haben Sie Inflationsangst?

Foto: dpa

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Das Gedächtnis des Landkreises ist umgezogen

Das Kreisarchiv wird von Esslingen in das  ehemalige Krankenhaus auf dem Plochinger Stumpenhof verlagert

Das Gedächtnis des Landkreises Esslingen reicht zurück bis ins Jahr 1404 und füllt mehr als 1000 Umzugswagen.  Die Urkunden, Akten, Bücher, Karten, Pläne und Zeichnungen des bisher im Esslinger Landratsamt untergebrachten Kreisarchivs sind in den vergangenen Wochen in ihr neues Domizil  nach Plochingen gebracht worden.   4500 laufende Meter umfasst das Archiv- und Bibliotheksgut. Es wurde in  die  Regale im umgebauten Untergeschoss des ehemaligen Krankenhausgebäudes auf dem Stumpenhof einsortiert. Darunter ist  auch die älteste im Kreisbesitz befindliche  Pergamenturkunde aus der Regierungszeit von Graf Eberhard IV  von Württemberg. 

Ausgeklügeltes Umzugskonzept

„Der Auszug des Kreisarchivs aus dem Gebäude in den Pulverwiesen markiert den Startpunkt zu einem ausgeklügelten Umzugskonzept“, sagte der Esslinger Landrat Heinz Eininger zu Beginn der Aktion vor wenigen Wochen. Bis zum kommenden Frühjahr sollen alle Dezernate und Ämter aus dem dem Abbruch geweihten Esslinger Verwaltungsaltbau  ausgezogen sein – entweder in den kurz vor der Fertigstellung stehenden Neubau nach Plochingen oder in Interimsunterkünfte in Esslingen. Verläuft alles nach Plan, werden Ende März  die Abrissbagger anrollen. Der 130 Millionen Euro teure Neubau soll dann bis zum Juli 2026 bezogen sein.

Das Kreisarchiv allerdings wird dauerhaft in Plochingen unterkommen. „Wir haben hier optimale Bedingungen für ein Archiv geschaffen“,  sagt der Esslinger Kreisarchivar, Manfred Waßmer. Vor allem die großzügigen Seminar- und Leseräume haben es ihm  angetan. „Hier haben wir endlich  genügend Platz, um  künftig auch Schulklassen zu betreuen“, sagt er. Zudem dürfte der Blick des Kreisarchivars weniger häufig besorgt gen Himmel gehen, als in der Vergangenheit. „Im Landratsamt mussten wir ständig mit der Hochwassergefahr leben. Das sollte auf dem Stumpenhof kein Thema mehr  sein“, sagt  Waßmer. Bis das letzte wertvolle Dokument in trockenen Tüchern war, hieß es für ihn und sein Team   noch einmal kräftig in die Hände zu spucken.

Für den Transport selbst ist zwar eine Umzugsspedition verpflichtet worden, das Aus- und Einräumen der Kisten  machen die 18 Archivmitarbeiterinnen und -mitarbeiter jedoch selbst. „Jeder Vorgang wird sowohl beim Ausräumen in Esslingen, als auch beim Einräumen in Plochingen   akribisch festgehalten. Nur so können wir verhindern, dass die Unikate unauffindbar an der falschen Stelle landen“, sagt Waßmer.

In die neuen Archivräume darf kein Tageslicht fallen. Im Keller herrscht eine konstante  Temperatur von 18 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent. Nur so ist den Archivalien, wie den Regierungsblättern des Königreichs Württemberg  aus dem Jahr 1880, die unter anderem Rechenschaft ablegen über die Handels- und Schifffahrtsvereinbarung mit den Vereinigten Staaten von Mexiko, ein langes Leben garantiert.

Führend in Deutschland

Insgesamt dauerte der Archivumzug drei Wochen. Vergangene Woche wurde der reguläre Archivbetrieb in den neuen Räumen wieder aufgenommen.  Das Esslinger Kreisarchiv zählt im Bereich der digitalen Langzeitarchivierung zu den führenden Kommunalarchiven in Deutschland. Am neuen Standort berät und betreut es im Rahmen der kommunalen Archivpflege zudem 38 Stadt-und Gemeindearchive im Landkreis. Es fördert und unterstützt die Erforschung der Heimatgeschichte durch eigene wissenschaftliche und heimatkundliche Projekte.

Der Bestand der öffentlichen Bibliothek kann von allen Bürgerinnen und Bürgern eingesehen und genutzt werden. Eine zentrale gesetzliche Aufgabe des Kreisarchivs ist es zudem, die Akten der Kreisverwaltung nach Ablauf der Aufbewahrungsfristen auf Archivwürdigkeit zu prüfen und gegebenenfalls ins Archiv zu übernehmen. „Schätzungsweise fünf Prozent des Aktenbestands überführen wir  in die rund drei Meter hohen Regale und damit dauerhaft in  das Gedächtnis des Landkreises. Der Rest wird vernichtet“, sagt Waßmer. 

adt / Foto: Roberto Bulgrin


Freie Fahrt auf den Fildern

Nach zweieinhalb Jahren ist die neue Autobahn-Anschlussstelle zwischen Neuhausen und Nellingen fertig

Die alte Anschlussstelle ist komplett weg“, erklärte der zuständige DB-Projektingenieur Sebastian Antritt kurz vor der Freigabe der letzten neuen Straßen in der vergangenen Woche. Dort, wo es einst zur A 8 beziehungsweise runter von der Autobahn ging, ist inzwischen ein großer Haufen Erde, gespickt mit Steinen und Schutt. Im Zuge der Bauarbeiten für die neue Bahnverbindung zwischen Stuttgart und Ulm wurde die nördliche A-8-Anschlussstelle zwischen Nellingen und Neuhausen umfassend neu gestaltet. Auf einem Teil der neuen Straßen konnten Autos bereits geraume Zeit fahren, nun sind alle Wege wieder offen. Zuletzt war noch die Strecke von Nellingen nach Neuhausen über die L 1202 nicht befahrbar.

Der neue Autobahnanschluss liegt etwas weiter im Westen. Er ist bereits seit Juli dieses Jahres in Betrieb. Dorthin führt eine neue Straße, diese ist allerdings ein wenig verschlungen. Die S-förmige Auffahrt führt, vorbei an einem großen Schweinestall, zunächst unter dem Gleisbett hindurch, bevor sie bergauf zur Autobahn Richtung Flughafen geführt wird. An dieser Stelle ist auch die neue Abfahrt. Wer nicht auf die Autobahn möchte, kann über die neue Straße entweder parallel zur Autobahn weiter Richtung Stuttgart-Plieningen oder nach Süden Richtung Bernhausen und Neuhausen sowie in der Gegenrichtung nach Nellingen oder Plieningen fahren. Ebenfalls neu wurden zwei Regenrückhaltebecken und zwei Pumpwerke für Regenwasser neben der neuen Landstraße gebaut.

An dieser Stelle zeigt sich, wie umfassend sich das Projekt S 21 und die neue Schnellbahntrasse nicht allein auf den direkten Bahnverkehr zwischen Stuttgart und Ulm auswirken. Vielmehr krempelt die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke zahlreiche Verkehrsadern in der gesamten Region Stuttgart um. So wird sich unter anderem der Verkehr, der sich bislang an der nördlichen Siedlungsgrenze von Neuhausen parallel zur Autobahn entlanggequält hat, verringern. „Die neue Strecke ist viel schneller, wir haben weniger Ampeln“, erklärt der Ingenieur Antritt.

Wer aus Richtung Nellingen über die Körschtalbrücke kommt und ein Ziel in Neuhausen ansteuert, kann aber zukünftig weiter die gewohnten Wege fahren. Aus Richtung Plieningen können Ziele in Denkendorf oder das Körschtal ebenfalls über die neue Umfahrung von Neuhausen angesteuert werden. Die Ab- und Auffahrt von beziehungsweise zur A 8 in Richtung München haben sich nicht verändert. Was entfällt, sind die Ampeln, die es bisher dort gab.

75 Millionen Euro haben Bahn und Regierungspräsidium Stuttgart während einer zweieinhalbjährigen Bauzeit in die neuen Verkehrswege investiert. „Es ist die wirtschaftlichste Lösung“, meint Antritt. Denn ohne den neuen Autobahnanschluss hätte die Bahn ihre neue Brücke für die S-21-Stecke am alten Anschluss 120 statt 60 Meter lang bauen müssen. Insgesamt gibt es auf dem Abschnitt zwischen der alten und der neuen Anschlussstelle drei Bahnbrücken: eine an der alten Anschlussstelle, eine an der neuen und eine für einen Wirtschaftsweg dazwischen.

Noch sind die Bauarbeiten an dieser Stelle aber  nicht ganz beendet. Neben den Gleisen wird die Erde noch begrünt. Hinzu kommen die Arbeiten auf dem Gleisbett. Dort werden noch die Oberleitungen errichtet und die Gleise verlegt. Etwas östlich der alten Anschlussstelle führen die Gleise in einem Tunnel bei Denkendorf  768 Meter unter der Autobahn hindurch, bevor sie weiter nach Wendlingen parallel und südlich der Autobahn verlaufen. 

 Der aktuelle Zeitplan der Bahn sieht vor, dass die Strecke zwischen Wendlingen und Ulm Ende kommenden Jahres fertig ist. Auf der Stecke sollen Züge dann mit einer Geschwindigkeit von bis zu 250 Kilometern je Stunde fahren können. S 21 und die Gesamtstrecke zwischen Stuttgart und Ulm werden nach derzeitigem Plan allerdings erst Ende 2025 in Betrieb genommen werden. 

bra / Foto: Philipp Braitinger