Abgestimmt!

Die Inzidenzen steigen: Kontaktbeschränkungen, 2 G oder 2 G plus, auch mehr Impfangebote sollen helfen. Reichen diese Maßnahmen aus?

Foto: dpa

Reicht das aus?

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  • Nein! (50% )
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Die Trauer hat nun einen Platz

Im Wernauer Stadtwald erinnert eine Lindenallee an die Toten, die der Pandemie im Landkreis zum Opfer gefallen sind

Knapp 30 neu gepflanzte Winterlinden säumen den idyllischen Waldweg im Gewann Sulzhau oberhalb von Wernau. Eine Linde steht für 20 Corona-Tote im Landkreis Esslingen. Bisher – denn über der kleinen Gedenkstunde, in deren Verlauf der Esslinger Landrat Heinz Eininger, tatkräftig unterstützt vom Wernauer Bürgermeister Armin Elbl, vergangene Woche die Allee mit der Pflanzung des letzten Baumes komplettierte, schwebte unausgesprochen eine Befürchtung: Das Verhältnis von 1:20 könnte sich, bis die vierte Welle der Pandemie endlich  überstanden sein wird, noch dramatisch verschlechtern.

„Nur selten machen wir uns im Alltag bewusst, dass hinter jedem Todesfall in Folge einer Covid-19-Erkrankung ein Mensch, ein Schicksal steht“, sagte der Kreischef unter Hinweis auf die 594 Menschen, die dem Virus im Landkreis Esslingen bis Ende vergangener Woche  zum Opfer gefallen waren. Ihnen allen zum Gedenken, aber auch in Würdigung all jener, die an vorderster Front gegen das Virus kämpfen, die Sterbende begleitet haben, die Hinterbliebene unterstützen, die unter den Einschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit leiden, deren Seele Schaden genommen hat, die um ihre wirtschaftliche Existenz bangen oder die mit den Folgen einer Infektion zu kämpfen haben, ist die Lindenallee gepflanzt worden.

Am Anfang und am Ende der Baumreihe laden zwei Holzbänke zum Innehalten und Verweilen ein. Zwei Stelen erinnern zudem an die Bestimmung der Gedenkallee. „Der Ort soll Trauer einen Platz geben und Trost spenden in der Natur“, sagte Eininger. Der Landrat nutzte das Gedenken,  um angesichts der sich zuspitzenden Situation in den Krankenhäusern eindringlich an die Impfbereitschaft der Menschen im Landkreis zu appellieren. Die Kapazität an Intensivbetten im Landkreis sei  erschöpft. Meist lägen dort Ungeimpfte. „Lassen Sie sich impfen. Impfen ist mehr denn je eine Bürgerpflicht! Wer sich impft, schützt nicht nur sich selbst, sondern übernimmt auch Verantwortung für andere“, so der Kreischef.

Viel zu viele hätten auf den Intensivstationen um ihr Leben gekämpft und seien gestorben, oftmals einsam. „Sterben in der Pandemie, das ist oft ein Tod ohne Abschied, ohne Beistand, ohne eine letzte Umarmung geliebter Menschen“, erinnerte der Landrat. Aber auch die Angehörigen hätten nicht Abschied nehmen können von ihren geliebten Menschen und seien  ohne ein letztes Wort, einen letzten Wunsch, eine letzte Berührung, einen letzten Gedanken zurückgeblieben. Mit der Allee im Wernauer Stadtwald setze der  Landkreis ein Zeichen der Verbundenheit und der Hoffnung, sagte Eininger: „Ich möchte die Trauernden in unserem Landkreis einladen, hierher nach Wernau zu kommen und die Allee des Gedenkens zu besuchen. Setzen Sie sich auf die Bänke. Verweilen Sie, halten Sie inne. Trauern Sie. Suchen Sie Trost unter den Bäumen.“ 

adt/Foto: Ines Rudel


Die Diskussion dreht sich im Kreis

Der Kreisverkehr in Altbach soll schöner werden – Gemeinde redet geraume Zeit mit der falschen Stelle im Landratsamt

Im Altbacher Gemeinderat hat am Dienstag vergangener Woche der Tagesordnungspunkt 8 für Aufregung gesorgt.  Formulierungen  und Begrifflichkeiten wie  „schlampig“, „unakzeptabel“, „katastrophal“,  „ehrenkäsig“, „trauriges Kapitel“ und „völlig für die Katz“ fielen, als es um den einzigen Kreisverkehr im Ort ging. Den Kreisel, der nicht weit vor dem  Ende der Ortsdurchfahrt in Richtung Plochingen angelegt ist.

Fazit der Sitzung: Alle Überlegungen und Bemühungen, die bisher gemacht worden sind, um die Mittelinsel des Kreisels ansprechend zu gestalten, sind offensichtlich Makulatur. Die Vorschläge, die im Rahmen eines Bürgerbeteiligungsprozesses  im  Frühsommer 2020 gesammelt und ausgewählt  worden sind,  sollen  sich, wie es heißt,  aus rechtlichen Gründen nicht umsetzen lassen, weil starre Hindernisse der Verkehrssicherheit zu wider liefen. Dies wurde den Gemeinderäten schon vor einiger Zeit signalisiert, nachdem das örtliche Bauamt mit den Preisträgerentwürfen beim Landratsamt als unterer Verkehrsbehörde vorstellig geworden war.

Erst in der jüngsten Sitzung jedoch haben die konsternierten Kommunalpolitiker erfahren, dass das Rathaus fast  eineinhalb Jahre lang mit der falschen Stelle gesprochen hat. Ortsbaumeister Jens Korff erklärte, dass ihm erst am Nachmittag des Sitzungstags mitgeteilt worden sei, dass in solchen Fallen nicht die untere Verkehrsbehörde, sondern das Straßenbauamt zuständig ist.  Bürgermeister Martin Funk stellte klar, „dass es natürlich  ärgerlich ist, dass man uns das erst jetzt gesagt hat“.  Allerdings seien die geltenden Regeln – unabhängig davon – genau die, die man kundgetan habe.

Der Kreisverkehr ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Gemeinde, täglich fahren dort Tausende Autos vorbei. Früher zierten drei Blauglockenbäume den Kreisel, zwei davon wurden allerdings umgefahren. „Es gab den Wunsch, den Kreisverkehr schön zu gestalten“, sagte Funk. Im vergangenen Jahr fand  ein offener Ideenwettbewerb statt. Beinahe 20 Vorschläge wurden eingereicht. 

Die Idee, die Flächen innerhalb eines Kreisverkehrs zu gestalten, ist nicht neu. Im benachbarten Plochingen legen sich die Mitarbeiter der Stadt beispielsweise regelmäßig bei der Bepflanzung des Kreisels an der Kreuzung der Karl-, Fabrik- und Eisenbahnstraße ins Zeug. Im Frühling und Sommer ist dort eine bunte Blütenpracht in den Stadtfarben zu bewundern. Die Große Kreisstadt Eislingen im Landkreis Göppingen hat sich sogar bundesweit einen Namen als Stadt der Kreisverkehrskunst gemacht. Dort zieren große Kunstwerke die Kreisverkehre.

In Altbach hätte die Verwaltung gerne  Motive aus dem Ideenwettbewerb aufgestellt. Unter den Vorschlägen waren künstlerische Ideen mit der Gestaltung der Ortssilhouette aus Stahl, die Abbildung des Gemeindewappens mit vielen Pflanzen oder die Andeutung der Himmelsrichtungen mit Hinweisen auf den Neckar, Streuobstwiesen, den Schurwald und die Industrie. Bei allen Ideen wurde jedoch bereits früh eine Gefahr für den Straßenverkehr gesehen. Nun soll überlegt werden, welche Ideen aus dem Wettbewerb vielleicht in abgewandelter Form umgesetzt werden können. Laut Ortsbaumeister Korff werden zunächst Stauden im Innern des Kreisels gepflanzt. Einig war man sich in der vergangenen Gemeinderatssitzung letztlich darin, dass an das ­Thema endlich ein Knopf gemacht werden muss. Auf welche Weise dies geschehen soll, wird allerdings erst die nächste Zeit zeigen – und vielleicht das Gespräch mit der richtigen Behörde. 

eas/bra/Foto: Philipp Braitinger


Aus in letzter Minute

Die Stadt Esslingen hat den Mittelalter- und Weihnachtsmarkt einen Tag vor der geplanten Eröffnung abgesagt

Am Dienstag hätte er eröffnet werden sollen: der Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt. Wenn auch in abgespeckter, coronakonformer Form. Einen Tag vor der geplanten Eröffnung hat die Stadt  doch noch die Reißleine gezogen. Grund sei, dass sich die pandemische Lage in Esslingen und der Region zugespitzt habe, heißt es in einer Pressemitteilung.

Dabei war am Freitag noch bekräftigt worden, der Budenzauber werde stattfinden –  mit einem verschärften Hygienekonzept, das eine Umzäunung und den Einlass nur für Geimpfte und Genesene vorsah. Was sich übers Wochenende geändert habe? Die Belegung der Intensivstationen am Klinikum Esslingen, teilt die Stadt mit.  „Die Auslastung war schon vorher hoch“, räumt Niclas Schlecht, Sprecher der Stadtverwaltung, auf Nachfrage ein. Aber nun seien die Kapazitäten ausgelastet. Sollte es zu einem Unfall auf der B 10 kommen mit drei Schwerverletzten, dann könne nur noch einer von ihnen im Esslinger Krankenhaus versorgt werden.  „Wir sind dringend darauf angewiesen, dass sich die Anzahl der Covid-Patienten nicht noch weiter erhöht und müssen die medizinischen Versorgungs­kapazitäten sicherstellen“, wird der Geschäftsführer des Klinikums, Matthias Ziegler, in der Mitteilung zitiert.

Die Entscheidung ist in Absprache mit der Stadt Ludwigsburg gefallen, die zeitgleich ihren Weihnachtsmarkt abgesagt hat. „Ludwigsburg und Esslingen haben gemeinsam entschieden, dass ihre Weihnachtsmärkte nicht stattfinden“, sagte Oberbürgermeister Matthias Klopfer in der Gemeinderatssitzung am Montag. „Angesichts der sich dramatisch entwickelnden Situation in den Kliniken können wir es nicht mehr vertreten, die Märkte stattfinden zu lassen. Wir sind überzeugt, dass das die richtige und leider notwendige Entscheidung ist. Wir haben eine gesundheitliche Fürsorgepflicht und wissen, dass das Personal in den Kliniken mit dem Rücken zur Wand steht, das hat uns zu diesem Schritt bewogen.“

Die Absprache mit Ludwigsburg sei auch deswegen erfolgt, weil bei einseitiger Absage der Druck von steigenden Besucherzahlen auf den anderen Weihnachtsmarkt groß gewesen wäre, so Schlecht. Als weiteren Grund für die Absage nennt der Pressesprecher die verschärften 2-G-Plus-Regeln, die das Land Baden-Württemberg für Weihnachtsmärkte einführt. Der Zutritt soll nur für Geimpfte und Genesene möglich sein, die zusätzlich einen negativen Test vorweisen können. Damit lohne sich der Betrieb für die Händler jedoch vermutlich nicht mehr.

In die Entscheidung involviert waren neben der Rathausspitze  und der Esslingen Markt und Event GmbH (EME) auch der Gemeinderat und Vertreter der Marktbeschicker. Die Marktbeschicker wurden am Montag in E-Mails und in persönlichen Gesprächen über die Absage informiert. „Wer uns kennt, weiß, dass der Weihnachtsmarkt eine echte Herzenssache für uns ist“, sagte Michael Metzler, Geschäftsführer der EME, in der Gemeinderatssitzung am Montag. „Es tut uns von Herzen weh, diese Entscheidung jetzt so treffen zu müssen, wo der Aufbau in vollem Gange ist.“

„Seit Februar arbeite ich auf die Eröffnung des Weihnachtsmarkts zu. Fünf Tage habe ich aufgebaut. Und jetzt baue ich wieder ab“, verdeutlicht  Marktbeschicker Gerald Ritter, der  seit 25 Jahren seine kleinen Tonhäuser auf dem Marktplatz verkauft, das Dilemma. Auch   in Ludwigsburg und Leipzig wäre er dabei gewesen – aber auch diese Märkte  sind abgesagt. Und auch die EME  hat  schon gewaltig in die Vorbereitungen investiert.

Im Zuge der zunehmenden Absagen in der Region und im gesamten Bundesgebiet appelliert Michael Metzler an die Verantwortlichen von Bund und Land, für die Händler und Betroffenen der Weihnachtsmärkte wirtschaftliche Hilfsprogramme aufzulegen, zumal es sich vornehmlich um Familien- und Einzelunternehmen handelt. 

gg/meb/biz/Foto: Roberto Bulgrin