Abgestimmt!

Vor zehn Jahren wurde über eine Volksabstimmung die Fortführung von Stuttgart 21 geregelt. Wurde mit dem Referendum der Konflikt um das Mammutprojekt befriedet?

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Befriedet?

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41 Jahre im Dienst des Waldes

Helmut Glowania verabschiedet sich als Revierförster von  Baltmannsweiler in den Ruhestand

Die Schlösslesseen mit ihren Wiesen und dem Wald drum herum sind  Helmut Glowanias  Lieblingsplatz in Baltmannsweiler. Zum Genießen dieses geschichtsträchtigen Ortes, wo einst ein Jagdschlösschen im königlichen Wildpark stand, hat der Revierförster  nun mehr Zeit. Nach 41 Jahren im Dienst des  Baltmannsweiler Waldes ist Glowania Ende November  in den Ruhestand gegangen und hat die Jahrhundertaufgabe an  Nachfolger Tobias Huning übergeben.

„Wir denken hier in großen Zeitspannen“, verdeutlicht  Glowania die forstlichen Dimensionen, denn es dauere bis zu 160 Jahre, bevor die Bäume geerntet werden können. In dem gut 1500 Hektar großen Staatswald reiche eine Förstergeneration natürlich nicht aus. „Man übernimmt die Arbeit immer vom Vorgänger“, erklärt der Waldfachmann, der den Beruf von der Pike auf gelernt hat. Mit 15 Jahren meldete  sich Glowania für   einen Waldarbeiterlehrgang, arbeitete dann in Winterbach,  bildetet sich  an forstlichen Bildungszentren weiter, bevor er sich für das Studium der Forstwirtschaft an der Hochschule Rottenburg entschied.

Die Arbeit sei  interessant und abwechslungsreich gewesen – von Anfang an, bekennt der Revierleiter und erzählt   eine Anekdote mit ernstem politischen Hintergrund  aus den  1980er-Jahren: Eines Tages stand er ohne Vorwarnung vor dem  abgesperrten Revier, weil  die amerikanischen Streitkräfte in Baden-Württemberg Baltmannsweiler als vorübergehenden Standort für die mobilen  Pershing-II-Raketen  ausgewählt hatten. In seinen Wald kam Glowania  schließlich  doch noch – mit einem Passierschein.

Neben Verantwortung und viel Arbeit bringe der Beruf des Försters viele   Freiheiten mit sich. Aber er habe auch zig Reformen erlebt, so gesehen könne ihn nichts mehr schrecken, meint Glowania. Sein Revier sei immer  gewachsen, zuletzt 2020, als ihm  stattliche Wälder des Hauses Württemberg in Schanbach, Krummhardt und Baach zugeschlagen wurden.

Viel Freude habe ihm der Waldbau, mit dem die Bestände verjüngt werden, und die Ausweisung von Habitatbaumbeständen   bereitet. Dabei gehe es immer auch ums Thema Gleichgewicht zwischen Ökologie und Ökonomie. Doch die Forstwirtschaft sei keine leichte Aufgabe in Zeiten, in denen Stürme, Hitze und Dürre dem Wald zusetzen, denn Forstwirtschaft verlange immer  auch wirtschaftliches Handeln.  Welche Arten vertragen die zunehmend heißen Sommer und welche kommen mit der Staunässe zurecht, die der Waldboden in manchen Lagen des  Schurwalds bereithält? „Wir brauchen die Mischung“, sagt Glowania  und verweist auf die standorttypischen Buchen, die gemeinsam mit Kiefern, Eichen und Lärchen die bekannte Schurwaldmischung ausmachen.  Der hiesige Forst setze auch auf  Douglasien, Nussbäume, Edelkastanien und   sogar  auf Tulpenbäume, die seit den 1960er-Jahren den  Schurwald artenreicher machen.   Aufgeforstet werde häufig nach Stürmen, von denen Glowania schon viele erlebt hat.  Gut erinnern kann er sich  noch an „Wibke“, „Vivien“ und vor allem „Lothar“ in den 1990er-Jahren. Letzterer habe am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999 immense Schäden hinterlassen.

Seit den 1990er-Jahren habe im  Forst Baden-Württemberg daraufhin ein Umdenken stattgefunden.  Standort- und Bodenuntersuchungen läuteten die Abkehr von der Fichte ein, die als besonders sturmanfällig gilt. Aber wer auf mehr Edelholz wie Eiche setze, müsse auch den Wildverbiss  in den Griff bekommen. So sorgt auch   Glowania, wie viele  seiner Zunft, in der Freizeit als Jäger für das Gleichgewicht im Wald. Außerdem setzt der Förster vermehrt auf Naturverjüngung durch die natürliche Aussaat.  „Da steht der Wald von morgen“, lenkt der Revierleiter den Blick auf die jungen Buchen und Eichen im Unterholz, deren Herbstlaub rund um die Schlösslesseen verheißungsvoll leuchtet. Künftig werde er wieder häufiger  mit Hündin  Bärbel zum Jagen durchs Revier streifen oder ein gutes Buch lesen, reisen oder mit dem Motorrad übers Land fahren, hofft Glowania. 

com/Foto: Roberto Bulgrin


Frischekur für ein Wahrzeichen

Ab kommenden Sommer wird die Plochinger Stadtkirche St. Blasius saniert –   Spendenkampagne gestartet

Dass die  Stadtkirche, zuletzt 1961/1962 renoviert, Sanierungsbedarf hat, ist schon lange klar. Seit 15 Jahren hat  man sich darüber hinter den Kulissen Gedanken gemacht. Allerdings hatte die Evangelische Kirche in Plochingen zunächst einige andere „Baustellen“ mit ihren Kindergärten und dem Dietrich-Bonhoeffer-Haus zu bewältigen, wie Pfarrer Gottfried Hengel  sagte. Aber jetzt rückt die Kirchensanierung in den Fokus. Das spätgotische Gotteshaus hat nicht nur für die evangelischen Christen, sondern für die ganze Stadt eine hohe Bedeutung. Weithin sichtbar auf dem Kirchberg stehend, ist es ein Plochinger Wahrzeichen, für zahllose Vorbeifahrende eine Landmarke und für die Plochinger das Signal, dass sie zu Hause angekommen sind. Die Identifikation mit der Stadtkirche sei sehr groß, auch unabhängig von Religion und Konfession, so Hengel.

Eine äußerliche Frischekur, die der Kirche durchaus guttäte, ist vorläufig aber kein Thema. In den kommenden Jahren geht es um den Innenraum, die Orgel und vor allem die Dachkonstruktion. „Im Wesentlichen ist das noch der gotische Dachstuhl von vor 500 Jahren“, berichtete Hengel. Untersuchungen ergaben, dass die Tannenbalken zu großen Teilen in einem guten Zustand sind. Aber einige Schäden haben sie doch. Diese sollen ab Sommer 2022 Stück für Stück behoben werden. Das ist Schritt eins der Sanierung.

Im zweiten Schritt (ab Herbst 2022) soll der Innenraum heller, freundlicher, barrierefrei und flexibler nutzbar werden, erklärte Gerhard Nölle, der gewählte Vorsitzende des Kirchengemeinderats. Die Elektrik und die Medien- und Tontechnik müssen ebenso erneuert werden wie die Heizung. Anstelle der Warmluftgebläse ist eine innovative und umweltfreundliche Luft-Wärme-Pumpe mit elektrischer Zusatzheizung geplant. Für Licht und Weite werden dunkle Holztäfelungen durch hellere Wände ersetzt und die Decke aufgehellt. Um einen durchgängigen Raum auf einer Ebene zu erhalten, senkt man den Chorraum ab und entfernt die Podeste der Kirchenbänke. Statt der fest verbauten Bänke unter der Empore gibt es dort künftig eine flexible Bestuhlung – oder Freiraum zum Zusammenkommen, ob bei neuen Gottesdienstformen, beim Ständerling oder beim Kirchencafé.

Bestehen bleiben die Emporen, die Ausrichtung und die Bildgestaltung der Kirche. Ohnehin entsteht all das in enger Abstimmung mit der Landeskirche und dem  Landesamt für Denkmalpflege. Für die Neuanordnung der historisch bedeutenden Elemente Taufstein, Altar und Kanzel wird  sogar ein Künstlerwettbewerb ausgerufen. Die Orgel zeigt schon seit ihrem Einbau einige Schwächen und soll nicht nur überholt, sondern besser an den Kirchenraum angepasst werden. Die Arbeiten ab Sommer 2022 sind auf eineinhalb Jahre veranschlagt, Weihnachten 2023 hofft man, in der Stadtkirche feiern zu können. Die Orgelsanierung dauert aber deutlich länger.

Unterm Strich stehen für die drei Sanierungsschritte Kosten von 1,9 Millionen Euro zu Buche, wovon der Löwenanteil von knapp 1,4 Millionen Euro auf den Innenraum entfällt. Für diesen muss die Kirchengemeinde 540 000 Euro an Spenden auftreiben. Weitere 200 000 Euro braucht es für die Orgel, die komplett aus Spendengeld zu bezahlen ist. Das sind enorme Beträge, aber die Ausgangslage ist dank der langen Vorlaufzeit eher ermutigend. „Seit 15 Jahren sammeln wir schon“, so Nölle. So kamen für die Innenraumsanierung bereits 320 000 Euro zusammen. Da das mehr als 50 Prozent der geforderten Spendensumme sind, dürfen die Arbeiten schon begonnen werden. Ferner greift die Kirchengemeinde auf Rücklagen (470 000 Euro) zurück und bekommt Zuschüsse von der Landeskirche (650 000 Euro) und vom  Landesdenkmalamt (30 000 Euro). Eine große Spendenkampagne soll helfen, das restliche Geld zusammenzubringen. Dafür hat sich die Kirchengemeinde den Fundraiser Julian Feil ins Boot geholt, der nun mit der Öffentlichkeitsarbeit beginnt. 

aia/Foto: Karin Ait Atmane


Schulhaus wird bald abgerissen

Die Wärmeversorgung der Zollberg-Realschule wird neu organisiert – Marode Leitungen werden erneuert

Die Zollberg-Realschule bekommt eine neue Nahwärmeversorgung. Mit der Sanierung der höchst maroden Leitungen soll die Schule künftig wieder zuverlässig und gleichmäßig beheizt werden können – und zwar aus regenerativen Energiequellen. Zudem will man den im Frühjahr anstehenden Abriss und anschließenden Neubau des schadstoffbelasteten Hauptgebäudes der Schule nutzen, um die Wärmeversorgung in dem Bereich  neu zu ordnen.

Die Stadtverwaltung macht keinen Hehl daraus, dass   die Leitungen des sogenannten Nahwärmenetzes „Zollberg – Traifelberg“ marode sind. Wegen undichter Stellen und des insgesamt sehr schlechten Zustands der Leitungen komme es immer wieder zu Ausfällen bei der Wärmeversorgung der Zollberg-Realschule, der Rohräckerschule und der nahe gelegenen Außenstelle der Württembergischen Landesbühne (WLB), die ebenfalls an diesem Netz hängt, heißt es  aus dem Rathaus.  Zudem würden die Gebäude nicht immer gleichmäßig warm. Deshalb sei eine Sanierung der Leitungen dringend notwendig.

Schon im Jahr 2018 hatten sich die bisherigen Vertragsparteien  – neben der Stadt Esslingen auch die WLB, die Stadtwerke sowie der Landkreis – zusammengesetzt und beschlossen, den bestehenden gemeinsamen Wärmeliefervertrag aufzuheben und jeweils neue Verträge abzuschließen. Eigentlich war die Sanierung und Neuordnung der Nahwärmeleitungen dann für 2020 und 2021 geplant. Doch als klar wurde, dass das Hauptgebäude der Zollberg-Realschule wegen der Belastung mit dem Schadstoff PCB abgerissen und neu gebaut werden muss, wurde der Sanierungsstart auf das Frühjahr 2022 verschoben.

Unterdessen soll in den kommenden Jahren auch der Ersatzneubau des Hauptgebäudes der Zollberg-Realschule über die Bühne gehen.  Derzeit wird der Abriss des bestehenden Gebäudes geplant. Dieser soll im Frühjahr nächstes Jahr starten und sechs bis sieben Monate dauern.  Gleichzeitig beschäftige man sich zurzeit mit der Vorentwurfsplanung  für den Neubau des Hauptgebäudes. Darüber hinaus sei die Interimsversorgung während der Bauphase mit Strom, Telefon, Wasser und Nahwärme sowie die Entsorgung des Abwassers derzeit Thema. Wenn alles läuft wie geplant, soll das neue Gebäude zum Schuljahr 2024/2025 fertig sein.

Der Neubau wurde notwendig, nachdem vor etwa drei Jahren ans Licht kam, dass das bestehende Hauptgebäude der Realschule so stark mit dem Schadstoff PCB (polychloriertes Biphenylen) belastet ist, dass dort kein Unterricht mehr stattfinden soll.   Der Grenzwert für den Schadstoff, der als krebserregend gilt, wurde bei Messungen in den Schulräumen teilweise um ein Vielfaches überschritten.  Selbst Mobiliar und Unterrichtsmaterialien waren teils so stark kontaminiert, dass sie nicht mehr genutzt werden konnten.  Zwar hatten die zuständigen Gesundheitsämter stets betont, dass trotz der erhöhten Werte keine Gesundheitsgefährdung für die Nutzer der Zollberg-Realschule bestanden hätte.  Dennoch musste die Stadt wegen der Überschreitung der sogenannten Vorsorgewerte reagieren.

Angesichts der massiven Schadstoffbelastung beschloss man im Rathaus, das Hauptgebäude zu räumen und die Schülerinnen und Schüler stattdessen in Containern unterrichten zu lassen.  Seit Herbst 2019 steht das Containerdorf, in dem nicht nur zahlreiche Klassenzimmer, sondern auch die Schulverwaltung untergekommen sind.   Wenn das neue Hauptgebäude der Schule tatsächlich zum Schuljahr 2024/2025 fertig wird, wird der  Interimscampus ganze fünf Jahre lang genutzt worden  sein.

Derzeit beschäftigt Schüler und Lehrer im Containerdorf   aber  wohl noch ein anderes Thema: Offenbar kühlen die Container durch das wegen der Corona-Pandemie notwendige regelmäßige Lüften extrem schnell aus, wie die SPD-Rätin Christa Müller in der jüngsten Sitzung des Betriebsausschusses der Städtische Gebäude Esslingen (SGE) zu berichten wusste. Man werde sich des Themas annehmen und eventuell zusätzliche Heizlüfter aufstellen, versprach die Stadtverwaltung daraufhin. 

meb/Foto: Roberto Bulgrin