Abgestimmt!

Zur Eindämmung der Corona-Pandemie wird eine mögliche Impfpflicht ausgesprochen kontrovers diskutiert. Was meinen Sie, soll eine Impfung verpflichtend werden?

Foto: dpa

Impfpflicht?

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Fortschritt statt Fehlzündungen

Der Landkreis Esslingen zeichnet drei Unternehmen mit dem Innovationspreis aus –  Sieger ist die Firma „Markt-Pilot“

Das Percussionensemble der Musikschule Filderstadt hat mit dem Stück „Transsiberian Railroad“ von Leander Kaiser im großen Sitzungssaal des Landratsamtes in Esslingen vor Kurzem das Rahmenprogramm für eine zugkräftige Veranstaltung geboten – die Verleihung des Innovationspreises 2021. Die mit insgesamt 30 000 Euro dotierte Auszeichnung ging an drei Unternehmen, die mit Pioniergeist, Erfindungsreichtum und Mut zum Fortschritt die Zugkraft der Wirtschaft in der Region erhalten wollen.

Der Preis: Seit 2003 wird der Innovationspreis im Zwei-Jahres-Rhythmus an kleine und mittlere Unternehmen mit Sitz im Landkreis Esslingen verliehen, die sich durch eine besondere Innovationskraft auszeichnen. In diesem Jahr gingen laut dem Landrat Heinz Eininger 44 Bewerbungen ein, 2019 waren es nur 23 Kandidaten gewesen. Aus diesem reichlichen Bewerberpool traf der Innovationsausschuss seine Auswahl. Elf Finalisten wurden bestellt, aus denen die ersten drei Preisträger rekrutiert wurden. Diese drei ausgezeichneten Betriebe, so erklärte Eininger, kreierten „beispielhafte Leistungen bei der Entwicklung neuer Produkte, Verfahren und Dienstleistungen sowie innovative Handelskonzepte“. Sie lieferten als regionale Leistungsträger also „zündende Ideen für morgen“.

Der erste Preisträger: Fehlzündungen gab es keine. Alle 44 Teilnehmenden am Wettbewerb stünden für Qualität und Niveau, so Eininger. Zur Siegerin wurde schließlich die Firma „Markt-Pilot“ aus Esslingen gekürt, sie freut sich über 15 000 Euro Preisgeld. Das  2020 gegründete Start-up-Unternehmen mit seinen 38 Mitarbeitenden hat laut Laudator Heinz Fohrer vom Vorstand der Volksbank Esslingen  die auf Künstlicher Intelligenz basierende Softwarelösung „Price-Radar“ entwickelt. Mit Hilfe des Programms können Maschinenbauunternehmen Tabellen lieferbarer Ersatzteile abrufen, die nicht nach Kostengesichtspunkten, sondern nach einer markt- und faktenorientierten Preisgestaltung aufgelistet werden: „Alleinstellungsmerkmal der Software sind auch Algorithmen, die ausschließlich für maschinenbauspezifische Daten entwickelt wurden und deshalb deutlich bessere Ergebnisse erzielen.“   Die  Software sei „made in Esslingen“ und ein Großteil der Ingenieure des ausgezeichneten Unternehmens stamme  aus dem Umfeld der Hochschule Esslingen.

Der zweite und dritte Platz: Für Sportmuffel und Menschen mit einem gemütlicheren Lebensrhythmus hat der zweite Preisträger (10 000 Euro), die Firma „Sporlastic“ aus Nürtingen,  ein Konzept  entwickelt. Ihre  digitale Knieorthese kann eine Operation vermeiden und setzt  auf eine dynamische Entlastung. Erreicht wird diese durch zwei Bewegungssensoren und ein ausgetüfteltes Trainingsprogramm, wie der Laudator Christoph Nold von der IHK Esslingen-Nürtingen ausführte. Über den dritten Platz und ein Preisgeld von 5000 Euro freut sich die Firma „Premium Robotics“ aus Leinfelden-Echterdingen. Sie hat laut Laudator  Kai Scholze von der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen eine  Aufwälzgreiftechnik entwickelt, mit der Roboter zum Palettieren und Kommissionieren eingesetzt werden.

Der Festredner: Solche Ideen zünden, freute sich Burkhard Wittmacher. Der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen ging als Festredner auf den Transformationsprozess hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft ein. Diese Umwandlung sei der größte soziale und ökonomische Umbruch seit der Industrialisierung. Aber die Chancen auf ein erfolgreiches Gelingen  „könnten nicht besser sein“, meinte der Referent und verwies auf lokale Standortvorteile wie einen  umtriebigen  Mittelstand, Innovationskraft, die hohe Exportquote und eine erfolgreiche Forschungslandschaft.

Im Kreis Esslingen seien 14 Weltmarktführer zu Hause. Allerdings gebe es auch Hemmnisse auf dem Weg zu einer klimaneutralen, nachhaltigen Umwandlung: So könne es nicht sein, dass durch Bürgerentscheide Gewerbeflächen verhindert würden, um stattdessen Ackerflächen zu erhalten. Die Politik habe während der Coronakrise einen guten Job gemacht. Nun  sei es zwar Aufgabe des Staates, Rahmenbedingungen zu schaffen, aber dieser könne und dürfe nicht  alles vorgeben und  regeln. Das sei Sache der Wirtschaft.  Passend zu  Aufs und Abs in der Wirtschaft spielte das Percussionensemble aus Filderstadt „African Sketches“ von J. Kent Williams mit einem Wechsel aus sehr ruhigen und sehr dröhnenden Tonpassagen. 

sw/Foto: Roberto Bulgrin


Schotter statt Asphalt

Der Gemeinderat Lichtenwald lehnt eine Vereinbarung mit der Forstverwaltung zur Sanierung des Bannmühletalwegs ab

Auf halbem Weg zwischen Reichenbach und Lichtenwald biegt am Fuß des Schurwaldabhangs der Bannmühletalweg in das Tal des Reichenbachs ab. Das Sträßchen führt zum Gehöft Wagnerwiese, zur Ölmühle und zur weit hinten im Tal gelegenen Bannmühle, die alle drei zur Gemeinde Lichtenwald gehören. Die Straße ist seit vielen Jahren marode. Der Gemeinderat hat nun trotzdem  einen Vertrag zwischen der Gemeinde und dem für den Staatswald zuständigen Landesbetrieb Forst BW über eine Sanierung wegen langfristig nicht abwägbarer Risiken  abgelehnt.

Der Bannmühletalweg erschließt das lang gezogene Tal des Reichenbachs und weiter nach Norden hin des Katzenbachs. Die Straße dient als Forstweg  wie als Fuß- und Radweg für Ausflügler, Erholungssuchende und Wanderer. In den  sieben Gebäuden der Wagnerwiese, der Ölmühle und der Bannmühle leben  rund 20 Lichtenwalder Bürger. Doch die Straße ist  in einem miserablen Zustand. An vielen Stellen ist die Fahrbahndecke aufgeplatzt, tiefe Schlaglöcher wechseln sich mit Strecken von zerbröckeltem Asphalt ab. Mancherorts findet man statt Asphalt nur Schotter und schlammige Stellen vor.

Eigentümer des Bannmühletalwegs ist Forst BW. In den vergangenen zehn Jahren hatte die Gemeinde Lichtenwald immer wieder mit der Forstverwaltung des Landes Baden-Württemberg über eine Neu-Asphaltierung des Wegs verhandelt. Eine Einigung war stets daran gescheitert, dass Forst BW den Weg als Forstweg betrachtet, der keine Asphaltdecke benötigt und auf dem Anlieger nur ausnahmsweise fahren dürfen.

Recherchen der Gemeindeverwaltung hatten zutage gefördert, dass bereits im Jahr 1879 ein Vertrag zwischen dem Forstamt Plochingen und der Gemeinde Hegenlohe regelte, dass das Forstamt den Weg unterhält, der zu der Zeit als Gemeindeverbindungsstraße eingestuft und damit öffentlich war. Zum Privatweg des Staatsforstes wurde der Weg im Jahr 1942.

„Diese Entwidmung geschah aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen“, sagt Bürgermeister Ferdinand Rentschler. Und sie zog Folgekosten nach sich. So zahlte 1967 die Gemeinde Hegenlohe 5000 Mark für die Asphaltierung an das staatliche Forstamt Esslingen und verpflichtete sich, jährlich 165 Mark für Wegeunterhaltung zu überweisen. Genutzt hatte es wenig, denn schon ein Jahr später klagten Anwohner über Schäden am Weg, dessen Ausbau „teuer und doch nutzlos“ gewesen sei.

In den vergangenen Monaten hatte sich nun in Sachen Sanierung ein Verhandlungsergebnis abgezeichnet, das aus Sicht der Verwaltung als „ein sehr guter und gangbarer Kompromiss“ gelten konnte. Demnach hätte die Gemeinde den Bannmühletalweg für 90 000 Euro sanieren und asphaltieren lassen, Forst BW hätte 47 600 Euro übernommen. Laut diesem „Gestattungsvertrag“ wäre „die Nutzung einem beschränkten Personenkreis, insbesondere auch für die Anlieger am Bannmühletalweg einschließlich deren Besucher, gestattet“ worden. Die Gemeinde hätte für die Vertragslaufzeit von 30 Jahren die Verkehrssicherungs- und die Instandhaltungspflicht für den Weg übernehmen müssen.

Dies führte zu einer regen Debatte im Gemeinderat, der den Kompromiss schließlich ablehnte, wobei nicht zuletzt die lange Laufzeit des Vertrags und befürchtete Folgekosten ausschlaggebend waren.

Bürgermeister  Rentschler sagte, der Beschluss sei „sehr bedauerlich für die Anwohner“. Nun bleibe wohl nichts anderes übrig, als die Straße in einen Schotterweg zurück zu versetzen, „damit wenigstens die Kraterlandschaft auf der Strecke ein Ende hat“. 

pst/Foto: Peter Stotz


Mieten steigen moderat

Vom 1. Januar an gilt  in Esslingen ein neuer Mietspiegel –  Im Vergleich zu 2020 gibt es einen Anstieg um vier Prozent

Die Mieten in Esslingen sind in den vergangenen zwei  Jahren um durchschnittlich  vier Prozent teurer geworden. Bezogen auf die vergangenen vier Jahre haben  sie Jahr für Jahr   rund zwei Prozent zugelegt.     Mit dieser Steigerungsrate  liegt die Stadt  günstiger als Stuttgart (plus 3,7 Prozent jährlich), und schlechter als  Ludwigsburg (plus 1,4 Prozent). Die durchschnittliche ortsübliche Vergleichsmiete  (Nettokaltmiete) in Esslingen lag im Mietspiegel 2020 noch bei   8,64 Euro. In dem neuen Zahlenwerk, das ab 1. Januar 2022 gilt, ist sie auf  8,99 Euro gestiegen.  Im Mietspiegel 2018 war sie  mit   8,34 Euro notiert.

Alle vier Jahre werden in Esslingen die Datensätze für einen qualifizierten Mietspiegel neu erhoben, alle zwei Jahre wird er auf der Basis des allgemeinen Preisindexes für die Lebenshaltung fortgeschrieben.  Der  Mietspiegel verschafft Mietern wie Eigentümern Rechtssicherheit. „Er bietet eine Richtschnur für eine angemessene Mietpreisgestaltung. Vor allem bei einem angespannten Wohnungsmarkt wie in unserer Stadt hilft er bei der Vermeidung von unnötigen rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen beiden Parteien“, sagte Oberbürgermeister Matthias Klopfer. „Der Mietspiegel ist für uns  ein wichtiger Orientierungspunkt. Wir wollen zu den ortsüblichen Vergleichsmieten vermieten“, beschrieb   Meike Kriegeskorte von der Esslinger Wohnungsbau (EWB) die Bedeutung dieses Instruments.

Verantwortlich für den Esslinger Mietspiegel zeichnen  die Stadt, das beauftragte Büro ALP –Institut für Wohnen und Stadtentwicklung  aus Hamburg –  und die AG Mietspiegel, in der sich   die Vertreter der Mieter  und Eigentümer sowie die großen Esslinger Wohnungsgesellschaften und der Gutachterausschuss zusammengetan haben.  Während der Mietspiegel 2020 fortgeschrieben wurde, basiert das neue Zahlenwerk auf 1040 Datensätzen, die das Institut ALP von Mai bis Juni 2021 bei zufällig ausgewählten  Haushalten erhoben hat.  Zum ersten Mal wurden  neben den Mietern auch Eigentümer in die freiwillige Datenakquise einbezogen. „Im nächsten Jahr werden die Angaben verpflichtend“, sagte Johannes Promann von ALP.  Der Rücklauf aus den  8000 Wohnungserhebungen sei mit  mehr als 1000 verwertbaren Datensätzen als gut zu bezeichnen. Eingang in den  Mietspiegel fanden  frei finanzierte  Wohnungen, für die in den  vergangenen sechs Jahren die Mieten verändert oder für die  neue Mietverträge abgeschlossen wurden. Die ermittelte Vergleichsmiete von 8,99 Euro hat nichts  mit den Angebotsmieten zu tun, die auf gängigen Portalen verlangt würden,  betonte  Promann. Wer als Erstbezug eine Neubauwohnung mieten wolle,  müsse  zwölf oder gar 14 Euro pro Quadratmeter hinblättern, ergänzte Klopfer. Schon alleine die explodierenden Baukosten führten zu diesen Preisen.

Sowohl Promann als auch Klopfer und Udo Casper vom Deutschen Mieterbund Esslingen-Göppingen bewerteten  den Anstieg der Esslinger Mieten als „moderat“. Dennoch bewegen sie sich auf hohem Niveau.  „Aber die Nachfrage ist nicht mehr so dramatisch wie in den vergangenen Jahren“, sagte     Christian Brokate von der Baugenossenschaft Esslingen.   Gleichwohl wollte der OB keine Entwarnung geben: Für untere Einkommen werde es immer schwieriger, eine Wohnung zu finden. Zumal angesichts der explodierenden  Gas- und  Strompreise die Nebenkosten in die Höhe schnellen. Mietervertreter  Casper betonte, dass der  Mietspiegel trotz moderaten Anstiegs zeige, dass die  Situation  „nach wie vor  angespannt ist“. Bei großen Wohnungen für Familien und ganz kleinen  liege der Anstieg weit über vier Prozent. 

biz/Foto: Roberto Bulgrin