Schotter statt Asphalt

Der Gemeinderat Lichtenwald lehnt eine Vereinbarung mit der Forstverwaltung zur Sanierung des Bannmühletalwegs ab

Auf halbem Weg zwischen Reichenbach und Lichtenwald biegt am Fuß des Schurwaldabhangs der Bannmühletalweg in das Tal des Reichenbachs ab. Das Sträßchen führt zum Gehöft Wagnerwiese, zur Ölmühle und zur weit hinten im Tal gelegenen Bannmühle, die alle drei zur Gemeinde Lichtenwald gehören. Die Straße ist seit vielen Jahren marode. Der Gemeinderat hat nun trotzdem  einen Vertrag zwischen der Gemeinde und dem für den Staatswald zuständigen Landesbetrieb Forst BW über eine Sanierung wegen langfristig nicht abwägbarer Risiken  abgelehnt.

Der Bannmühletalweg erschließt das lang gezogene Tal des Reichenbachs und weiter nach Norden hin des Katzenbachs. Die Straße dient als Forstweg  wie als Fuß- und Radweg für Ausflügler, Erholungssuchende und Wanderer. In den  sieben Gebäuden der Wagnerwiese, der Ölmühle und der Bannmühle leben  rund 20 Lichtenwalder Bürger. Doch die Straße ist  in einem miserablen Zustand. An vielen Stellen ist die Fahrbahndecke aufgeplatzt, tiefe Schlaglöcher wechseln sich mit Strecken von zerbröckeltem Asphalt ab. Mancherorts findet man statt Asphalt nur Schotter und schlammige Stellen vor.

Eigentümer des Bannmühletalwegs ist Forst BW. In den vergangenen zehn Jahren hatte die Gemeinde Lichtenwald immer wieder mit der Forstverwaltung des Landes Baden-Württemberg über eine Neu-Asphaltierung des Wegs verhandelt. Eine Einigung war stets daran gescheitert, dass Forst BW den Weg als Forstweg betrachtet, der keine Asphaltdecke benötigt und auf dem Anlieger nur ausnahmsweise fahren dürfen.

Recherchen der Gemeindeverwaltung hatten zutage gefördert, dass bereits im Jahr 1879 ein Vertrag zwischen dem Forstamt Plochingen und der Gemeinde Hegenlohe regelte, dass das Forstamt den Weg unterhält, der zu der Zeit als Gemeindeverbindungsstraße eingestuft und damit öffentlich war. Zum Privatweg des Staatsforstes wurde der Weg im Jahr 1942.

„Diese Entwidmung geschah aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen“, sagt Bürgermeister Ferdinand Rentschler. Und sie zog Folgekosten nach sich. So zahlte 1967 die Gemeinde Hegenlohe 5000 Mark für die Asphaltierung an das staatliche Forstamt Esslingen und verpflichtete sich, jährlich 165 Mark für Wegeunterhaltung zu überweisen. Genutzt hatte es wenig, denn schon ein Jahr später klagten Anwohner über Schäden am Weg, dessen Ausbau „teuer und doch nutzlos“ gewesen sei.

In den vergangenen Monaten hatte sich nun in Sachen Sanierung ein Verhandlungsergebnis abgezeichnet, das aus Sicht der Verwaltung als „ein sehr guter und gangbarer Kompromiss“ gelten konnte. Demnach hätte die Gemeinde den Bannmühletalweg für 90 000 Euro sanieren und asphaltieren lassen, Forst BW hätte 47 600 Euro übernommen. Laut diesem „Gestattungsvertrag“ wäre „die Nutzung einem beschränkten Personenkreis, insbesondere auch für die Anlieger am Bannmühletalweg einschließlich deren Besucher, gestattet“ worden. Die Gemeinde hätte für die Vertragslaufzeit von 30 Jahren die Verkehrssicherungs- und die Instandhaltungspflicht für den Weg übernehmen müssen.

Dies führte zu einer regen Debatte im Gemeinderat, der den Kompromiss schließlich ablehnte, wobei nicht zuletzt die lange Laufzeit des Vertrags und befürchtete Folgekosten ausschlaggebend waren.

Bürgermeister  Rentschler sagte, der Beschluss sei „sehr bedauerlich für die Anwohner“. Nun bleibe wohl nichts anderes übrig, als die Straße in einen Schotterweg zurück zu versetzen, „damit wenigstens die Kraterlandschaft auf der Strecke ein Ende hat“. 

pst/Foto: Peter Stotz


Mieten steigen moderat

Vom 1. Januar an gilt  in Esslingen ein neuer Mietspiegel –  Im Vergleich zu 2020 gibt es einen Anstieg um vier Prozent

Die Mieten in Esslingen sind in den vergangenen zwei  Jahren um durchschnittlich  vier Prozent teurer geworden. Bezogen auf die vergangenen vier Jahre haben  sie Jahr für Jahr   rund zwei Prozent zugelegt.     Mit dieser Steigerungsrate  liegt die Stadt  günstiger als Stuttgart (plus 3,7 Prozent jährlich), und schlechter als  Ludwigsburg (plus 1,4 Prozent). Die durchschnittliche ortsübliche Vergleichsmiete  (Nettokaltmiete) in Esslingen lag im Mietspiegel 2020 noch bei   8,64 Euro. In dem neuen Zahlenwerk, das ab 1. Januar 2022 gilt, ist sie auf  8,99 Euro gestiegen.  Im Mietspiegel 2018 war sie  mit   8,34 Euro notiert.

Alle vier Jahre werden in Esslingen die Datensätze für einen qualifizierten Mietspiegel neu erhoben, alle zwei Jahre wird er auf der Basis des allgemeinen Preisindexes für die Lebenshaltung fortgeschrieben.  Der  Mietspiegel verschafft Mietern wie Eigentümern Rechtssicherheit. „Er bietet eine Richtschnur für eine angemessene Mietpreisgestaltung. Vor allem bei einem angespannten Wohnungsmarkt wie in unserer Stadt hilft er bei der Vermeidung von unnötigen rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen beiden Parteien“, sagte Oberbürgermeister Matthias Klopfer. „Der Mietspiegel ist für uns  ein wichtiger Orientierungspunkt. Wir wollen zu den ortsüblichen Vergleichsmieten vermieten“, beschrieb   Meike Kriegeskorte von der Esslinger Wohnungsbau (EWB) die Bedeutung dieses Instruments.

Verantwortlich für den Esslinger Mietspiegel zeichnen  die Stadt, das beauftragte Büro ALP –Institut für Wohnen und Stadtentwicklung  aus Hamburg –  und die AG Mietspiegel, in der sich   die Vertreter der Mieter  und Eigentümer sowie die großen Esslinger Wohnungsgesellschaften und der Gutachterausschuss zusammengetan haben.  Während der Mietspiegel 2020 fortgeschrieben wurde, basiert das neue Zahlenwerk auf 1040 Datensätzen, die das Institut ALP von Mai bis Juni 2021 bei zufällig ausgewählten  Haushalten erhoben hat.  Zum ersten Mal wurden  neben den Mietern auch Eigentümer in die freiwillige Datenakquise einbezogen. „Im nächsten Jahr werden die Angaben verpflichtend“, sagte Johannes Promann von ALP.  Der Rücklauf aus den  8000 Wohnungserhebungen sei mit  mehr als 1000 verwertbaren Datensätzen als gut zu bezeichnen. Eingang in den  Mietspiegel fanden  frei finanzierte  Wohnungen, für die in den  vergangenen sechs Jahren die Mieten verändert oder für die  neue Mietverträge abgeschlossen wurden. Die ermittelte Vergleichsmiete von 8,99 Euro hat nichts  mit den Angebotsmieten zu tun, die auf gängigen Portalen verlangt würden,  betonte  Promann. Wer als Erstbezug eine Neubauwohnung mieten wolle,  müsse  zwölf oder gar 14 Euro pro Quadratmeter hinblättern, ergänzte Klopfer. Schon alleine die explodierenden Baukosten führten zu diesen Preisen.

Sowohl Promann als auch Klopfer und Udo Casper vom Deutschen Mieterbund Esslingen-Göppingen bewerteten  den Anstieg der Esslinger Mieten als „moderat“. Dennoch bewegen sie sich auf hohem Niveau.  „Aber die Nachfrage ist nicht mehr so dramatisch wie in den vergangenen Jahren“, sagte     Christian Brokate von der Baugenossenschaft Esslingen.   Gleichwohl wollte der OB keine Entwarnung geben: Für untere Einkommen werde es immer schwieriger, eine Wohnung zu finden. Zumal angesichts der explodierenden  Gas- und  Strompreise die Nebenkosten in die Höhe schnellen. Mietervertreter  Casper betonte, dass der  Mietspiegel trotz moderaten Anstiegs zeige, dass die  Situation  „nach wie vor  angespannt ist“. Bei großen Wohnungen für Familien und ganz kleinen  liege der Anstieg weit über vier Prozent. 

biz/Foto: Roberto Bulgrin 


Abgestimmt!

Die Ministerriege der Ampel-Koalition im Bund steht, Karl Lauterbach wird darin als Gesundheitsminister geführt. Lauterbach gilt als Experte, er polarisiert allerdings auch. Ist er der Richtige für den Posten?

Foto: dpa

Der Richtige?

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Der Einzelhandel funkt SOS

Schärfere Corona-Regeln in Kraft – Testpflicht wird nicht ganz so weit gefasst wie zunächst angedacht – Impfaktionen werden ausgeweitet

Die Menschen in Baden-Württemberg müssen wegen der kritischen Corona-Lage seit vergangenem Wochenende mit mehr Kontrollen, Tests, deutlichen Einschränkungen und Verboten leben. Die  neue Verordnung schränkt nicht nur das Leben ungeimpfter Menschen weiter ein,  auch der Alltag etlicher Geimpfter und Genesener im Südwesten ist so stark betroffen wie bislang in kaum einem anderen Bundesland. Der Hintergrund: Vor allem auf den Intensivstationen sind die Zustände kaum noch tragbar. Die Zahl der Patienten steigt, die der freien Betten nimmt ab. Täglich sterben Dutzende Menschen im Zusammenhang mit dem Coronavirus, Tausende weitere stecken sich neu an. Mit den Maßnahmen will die Landesregierung das Gesundheitssystem entlasten. Die schon gültigen Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte –  ein Haushalt plus eine weitere Person –  bleiben bestehen. Und: Der Verkauf von Böllern und Feuerwerk zu Silvester wird verboten.

Clubs und Discos geschlossen

Nach den neuen Corona-Regeln muss für den Restaurant- und den Zoobesuch, für das Fitnessstudio, den Skilift und vieles mehr ein negativer Corona-Test vorgewiesen werden –  selbst wenn man vor längerer Zeit geimpft wurde oder von Covid-19 genesen ist (2 G plus). Allerdings wurden die neuen Regeln  für Menschen mit einer Auffrischungsimpfung (Booster)  entschärft. Für sie entfällt die Testpflicht an vielen Orten. Das gilt auch für Genesene und Geimpfte, wenn Infektion beziehungsweise Grundimmunisierung nachweislich maximal sechs Monate zurückliegen. Die Landesregierung nimmt von der 2-G-plus-Regel nicht nur  Menschen mit Boosterimpfung, sondern teils auch  Geimpfte und Genesene aus. Letztere müssen nachweisen, dass die Infektion maximal sechs Monate zurückliegt, teilte das Gesundheitsministerium  mit. Weitere Ausnahmen von der 2-G-plus-Regel sind Geimpfte mit höchstens vor sechs Monaten abgeschlossener Grundimmunisierung. Grundlage dieser Abweichungen seien wissenschaftliche Expertisen, so das Ministerium. Die Grundimmunisierung gilt 14 Tage nach der letzten erforderlichen Einzelimpfung als abgeschlossen. Bei Boosterimpfungen gilt die Ausnahme von der Testpflicht sofort. Nicht geimpfte Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren können noch bis zum 31. Januar 2022 über tagesaktuelle Antigen-Schnelltests Zutritt zu allen 2-G-Einrichtungen erhalten. 

Großveranstaltungen sind nun begrenzt, die wenigen bisher noch geöffneten Weihnachtsmärkte wurden verboten, Clubs sowie Diskotheken geschlossen. Für den Einzelhandel gilt landesweit eine 2-G-Regelung (Zutritt nur für Geimpfte und Genesene). Ausgenommen sind Läden, die Produkte für den täglichen Bedarf verkaufen, wie etwa Supermärkte, Apotheken, Bäckereien und Baumärkte, Gartenmärkte, Poststellen, Reformhäuser und Reinigungen.

Das Land ruft die Polizei auf, Verstöße zunächst nicht zu ahnden. „Wir wissen, dass die neue Verordnung sehr kurzfristig kommt“, sagte der Amtschef des Sozial- und Gesundheitsministeriums, Uwe Lahl. „Das ist eine riesige Herausforderung, etwa für Veranstalterinnen und Gastronomen.“ Das sollten die Polizisten der Städte und Gemeinden berücksichtigen, die für die Kontrolle der Corona-Verordnung zuständig sind. Lahl kündigte dennoch Sanktionen an, die es von Ende dieser Woche an geben soll. Die Ordnungsämter stoßen bei den Corona-Kontrollen in vielen Kommunen im Südwesten bereits jetzt an ihre Grenzen. Es fehle an Kapazitäten für die zusätzlichen Aufgaben, sagte Christopher Heck vom Gemeindetag. Außerdem würden die kommunalen Beamten als Kontrolleure nicht so stark akzeptiert wie die Polizei. Auch Sebastian Ritter vom Städtetag Baden-Württemberg sagt: „Menschen in Uniform haben eine ganz andere Wirkung auf Bürgerinnen und Bürger.“

Vergangenen Samstag spielten die Fußball-Bundesligisten bereits vor weitgehend leeren Rängen –  die „Geisterspiele“ in den Stadien sind zurück. Denn nach der neuen Verordnung sind Veranstaltungen jeglicher Art nur noch mit maximal 50 Prozent der möglichen Besucher erlaubt. Für sämtliche Veranstaltungen –  auch etwa in Kultur und Freizeit –  gilt eine „harte Obergrenze“ von 750 Personen.

Der Einzelhandel funkt SOS  –  er fühlt sich durch die landesweite Einschränkung für ungeimpfte Kunden und zusätzliche Kontrollen benachteiligt. „Mit Einführung der 2-G-Regel für den gesamten Einzelhandel muss der Handel in Baden-Württemberg, der in den letzten 20 Monaten bereits zahlreiche Sonderopfer für die Gesellschaft erbracht hat, einen weiteren Schlag ins Gesicht hinnehmen“, sagte Sabine Hagmann, die Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg.

Schulen bleiben offen

Mit seinen scharfen Vorgaben geht das Land deutlich über die jüngsten Beschlüsse von Bund und Ländern hinaus. Es sei wichtig, die vierte Welle zu stoppen, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) über die neue Verordnung. Trotz der verschärften Corona-Lage will das Land die Schulen so lange es geht geöffnet lassen. Schulen würden erst geschlossen, „wenn gar nichts anderes mehr geht, bei Inzidenzen wie wir sie in Sachsen haben, bei etwa 2000“, sagte  Kretschmann. Der Chef-Epidemiologe des Landesgesundheitsamts, Stefan Brockmann, geht davon aus, dass die Schulen im Südwesten ohne Lockdown und Verschärfung der Quarantänemaßnahmen durch die Weihnachtszeit und die Ferien kommen werden. „Es wäre falsch zu sagen, dass mit den Kindern und Jugendlichen die vierte Coronawelle steht oder fällt“, sagte Brockmann. Er erwarte, dass die Schulen im Südwesten regulär in die Weihnachtsferien gehen und mit dem Unterricht im neuen Jahr starten können. 

Auch der Breitensport ist von der Pandemie-Entwicklung betroffen. So ist etwa der Amateurfußball in Baden-Württemberg vorzeitig in die Winterpause gegangen, der Spielbetrieb wurde für den Rest des Jahres ausgesetzt. Denn auch dort gilt nun die 2-G-plus-Regelung –  zumindest in den Umkleideräumen.

Seit dieser Woche werden im Landkreis Esslingen laut Pressemitteilung des Landratsamts „flächendeckend mobile Impfangebote gemacht“. Zehn mobile Impfteams sind im Einsatz, die bis zu 8000 Impfungen pro Woche verabreichen können. Das Konzept soll die Angebote von Ärzten und Betriebsärzten sowie weiteren kommunalen Aktionen flankieren. Die mobilen Impfteams werden von den Maltesern, dem DRK und den Johannitern besetzt. Zuvor waren bereits Impfstützpunkte in den Großen Kreisstädten eingerichtet worden (montags Körschtalhalle Scharnhausen, dienstags Stadthalle Kirchheim,  mittwochs Beutwanghalle Neckarhausen, donnerstags Walter-Schweizer-Kulturforum Echterdingen, freitags Filharmonie Bernhausen, samstags und sonntags Hotel Park Consul Esslingen;  jeweils von 12.30 bis 18 Uhr).

Nun gibt es im Kreisgebiet weitere Impfstützpunkte: montags Limburghalle Weilheim, dienstags Brühlhalle Reichenbach, mittwochs Stadthalle Plochingen, donnerstags Firma Putzmeister in Aichtal, freitags Quadrium in Wernau, samstags Sulzburghalle Unterlenningen, sonntags Erich Scherer Zentrum in Frickenhausen (jeweils 12.30 bis 18 Uhr). Zusätzlich tourt der Impfbus, vor allem nun durch kleinere Ortschaften. Bei den Aktionen  können sich Kinder ab einem Alter von zwölf Jahren, Jugendliche und Erwachsene impfen lassen. Es werden Erst-, Zweit- und Boosterimpfungen gegeben. An den Weihnachtsfeiertagen wird nicht geimpft.

Für die Stützpunkte im Kreisgebiet ist ein Terminbuchungssystem eingerichtet worden (über www.landkreis-esslingen.de und www.malteser-neckar-alb.de), das bald ausgedehnt werden soll. 

dpa/red/Foto: dpa


Bald stehen die Uhren still

Nach 51 Jahren schließt die Uhrmacherin Karin Häfner zum Jahresende ihren Laden in Hochdorf

Die Dame vor der Ladentür sieht nicht mehr besonders gut. Karin Häfner kennt sie. Sie hat ihr kürzlich eine Armbanduhr mit Zeitansage verkauft. Die Kundin benötigt Hilfe bei der Einstellung der Uhr und schaut deshalb bei der Uhrmacherin vorbei. Eigentlich hat sie an diesem Mittwochnachmittag wie immer geschlossen. Dass sie ihrer ratlosen Kundin trotzdem weiterhilft, ist für Karin Häfner gar keine Frage: „Lassen Sie mir die Uhr bis morgen da, dann schaue ich sie mir in Ruhe an und stelle sie  ein.“ 

Diese kurze Episode spiegelt wider, wie wichtig die Uhrmacherin für die Hochdorfer, aber auch für zahlreiche auswärtige Kunden ist. Seit stolzen 51 Jahren übt die 75-Jährige ihren Beruf im Ort aus. Allzu viele Kollegen und Kolleginnen gebe es in der näheren Umgebung nicht mehr, sagt sie. Vor allem keine, die noch aufwendigere Reparaturen übernehmen. Dazu gehören beispielsweise Reparaturen von bis zu 100 Jahre alten Stand- und Wanduhren. 

Bevor sie das Geschäft in der Kirchheimer Straße 5 im Jahr 1970 übernahm, gehörte es seit den 1950er-Jahren bereits ihren Eltern. „Mein Vater konnte seinen Bäckerberuf nach dem Krieg aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben“, erzählt sie. Zunächst hat er einem befreundeten Goldschmied in Stuttgart ausgeholfen. „Schließlich hat er sich in Hochdorf um den An- und Verkauf von Uhren gekümmert.“  Ein weiterer Schwerpunkt habe früher auf dem Verkauf von Schmuck und Haushaltswaren gelegen. Auch heute findet man diese in den Vitrinen und Regalen des Geschäfts. „Als sich bei meinem Vater dann immer mehr Leute nach Reparaturen für ihre Uhren erkundigten, rieten mir meine Eltern zur Uhrmacherlehre. Bis dato gab es im Ort noch keinen Uhrmacher.“

1970 sei dann ein sehr ereignisreiches Jahr gewesen: „Ich hatte meinen Meister, ich habe geheiratet, das Geschäft wurde umgebaut und danach als Uhrmacherladen neu eröffnet.“ Seither steht die Uhrmachermeisterin ihren Kunden  mit Rat und Tat zur Seite,  ob nun die Batterie gewechselt werden muss oder eine komplexe Großreparatur ansteht. Ein besonderes Schmuckstück, eine rund hundertjährige Wanduhr, hat Karin Häfner gemeinsam mit ihrem vier Jahre älteren Mann Emil, einem gelernten Schreiner, aufwendig repariert und restauriert. „Die darf bleiben, die gehört mittlerweile mir. Das ist einfach ein Liebhaberstück“, sagt Karin Häfner.

In dem Kämmerlein hinter dem Verkaufsraum hat sie sich vor 51 Jahren ihren Arbeitsplatz eingerichtet. Viel ist es nicht, was die Uhrmacherin für ihre oft filigrane Arbeit braucht. Neben einem guten Licht sind dies vor allem ihre Werkzeuge,  darunter Lupe, Pinzetten, verschiedene Schraubendreher oder Zangen aller Art. „Als Uhrmacher braucht man gute Augen, ruhige Hände, Geduld und viel Licht“, sagt  Häfner.  Dass einmal der Tag kommen würde, an dem sie ihre Ladentür für immer schließt, hat die Uhrmacherin  in den vergangenen Jahren immer im Hinterkopf gehabt. „Man lässt im Alter ja auch irgendwann nach, die Hände werden zittriger, die Augen schlechter“, sagt Karin Häfner. Dass nun die Entscheidung gefallen sei, Ende des Jahres in den Ruhestand zu gehen, sei dennoch ein komisches Gefühl: „Das ist nicht leicht, nach so langer Zeit aufzuhören. Aber es ist jetzt gut so.“

Am meisten werde ihr der Kundenkontakt  fehlen, zumal viele Stammkunden über die Jahrzehnte hinweg den Weg bis heute in ihr Geschäft finden. Anfang Oktober startete der Ausverkauf. „Bis zum Jahresende habe ich ja auf jeden Fall noch geöffnet“, sagt Karin Häfner.

Und was kommt  nach dem letzten Arbeitstag? Sie lese sehr gern und viel. Auch könne ein bisschen mehr Bewegung als bisher sicher nicht schaden, sagt sie. Und dann sei da ja noch der familieneigene Gemüsegarten ergänzt Emil Häfner. Seit fast 50 Jahren sind die Häfners Mitglied bei den Hochdorfer Gartenfreunden und haben ihr Grundstück in deren Anlage: „Da gibt es immer was zu tun“, sagt Emil Häfner. Das sieht seine Frau genauso.  „Langweilig wird es mir sicher nicht.“ 

eis/Foto: Katja Eisenhardt


Grundstein für gute Bildung

In der Esslinger Weststadt entsteht ein neuer Hochschulcampus – Nachhaltige Bauweise

Auf dem ehemaligen Güterbahnhofareal wird ordentlich geschafft. Riesige Kräne ragen in die Luft, man hört Hämmern, Bohren und Sägen, und in der tiefen Baugrube sind  Bauarbeiter geschäftig unterwegs. Seit mehr als einem Jahr laufen hier die Arbeiten für den Campus Neue Weststadt der Hochschule Esslingen, der in einigen Jahren den Standort in der Flandernstraße ersetzen soll. Nun wurde in einem offiziellen Akt mit Vertreterinnen und Vertretern von Stadt, Land und Hochschule der Grundstein gelegt.

Bei der symbolischen Zeremonie wurden verschiedene Glücksbringer in eine Zeitkapsel gelegt, die wiederum in einem der neuen Gebäude eingemauert werden soll. Unter anderem befinden sich eine aktuelle Eßlinger Zeitung, eine Liste aller Professorinnen und Professoren sowie Beschäftigten der Esslinger Hochschule und  eine Urkunde über die Grundsteinlegung in der Plombe. „Die Grundsteinlegung soll dafür sorgen, dass auch der weitere Bauablauf unfallfrei vorangeht“, erklärte Finanzstaatssekretärin Gisela Splett.

Bislang läuft demnach alles nach Plan, finanziell und zeitlich.  Wenn nichts dazwischen kommt, können im  Jahr 2025 alle Fakultäten auf den neuen Campus ziehen, die bislang am Standort Flandernhöhe untergebracht sind.  Dazu gehören neben der Fakultät Soziale Arbeit, Bildung und Pflege auch die Informatik und Informationstechnik sowie der Esslinger Teil der Fakultät Wirtschaft und Technik.   Auch das Lehrerseminar und die zentrale wissenschaftliche Einrichtung „International Centre and Graduate School“ sollen umziehen. Die technischen Bereiche  bleiben weiterhin am Campus Stadtmitte.

Auf dem 1,7 Hektar großen Grundstück zwischen Bahngleisen und Stadtwerke entstehen im ersten Bauabschnitt  vier fünfgeschossige Gebäude, die sich um einen Innenhof gruppieren. Die Fläche des zweiten Bauabschnitts steht für eine spätere Erweiterung zur Verfügung, soll aber zunächst als Erholungsfläche genutzt werden. Bauherr des auf 146  Millionen Euro taxierten  Hochschulprojekts ist das Land. Im Rahmen eines Grundstückstauschs wurde es zum Eigentümer der Flächen in der Neuen Weststadt und trat im Gegenzug das frei werdende Areal an der Flandernstraße an die Stadt ab. Diese will dort ein nachhaltiges Stadtquartier für Wohnen und Arbeiten entwickeln.  Im kommenden Jahr werde man sich intensiv mit der Planung dafür beschäftigen, versprach Oberbürgermeister Matthias Klopfer. Das passe zum Thema Klimaneutralität, das man für 2022 ganz oben auf der Agenda habe.

Dieses Thema habe man auch beim neuen Hochschulcampus im Blick, sagte Staatssekretärin Splett: „Wir setzen bei einem der größten Bauprojekte des Landes auf eine nachhaltige Bauweise.“ So solle der Wärmebedarf des neuen Hochschulareals aus regenerativen Quellen gedeckt sowie  das rund 7000 Quadratmeter große Dach der Hochschule mit einer Fotovoltaikanlage  ausgestattet und begrünt werden.  Der Ministerialdirektor im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Hans J. Reiter, sagte: „Wir freuen uns, dass die Hochschule im Stadtzentrum zusammenrückt.“ Das sieht man auch in Esslingen so.   OB Klopfer betonte: „Die Ansiedlung der Hochschule ist für die Stadt ein weiterer Meilenstein in der Transformation der alten Weststadt als historisches, gründerzeitliches Gewerbegebiet hin zum urbanen, lebendigen Stadtquartier.“ Christof Wolfmaier, Rektor der Hochschule Esslingen, erklärte: „Das Bauprojekt ist ein Bekenntnis des Landes zum Hochschulstandort Esslingen.“ Mit dem neuen Campus könne seine Einrichtung ihrem Bildungsauftrag noch besser nachkommen.    Das sei wichtig: „Nur mit den besten Köpfen lassen sich akademische Fachkräfte ausbilden, die den Herausforderungen unserer Zeit gewachsen sind.“   

meb/Foto: Roberto Bulgrin


Abgestimmt!

Vor zehn Jahren wurde über eine Volksabstimmung die Fortführung von Stuttgart 21 geregelt. Wurde mit dem Referendum der Konflikt um das Mammutprojekt befriedet?

Foto: dpa

Befriedet?

  • Ja! (50% )
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41 Jahre im Dienst des Waldes

Helmut Glowania verabschiedet sich als Revierförster von  Baltmannsweiler in den Ruhestand

Die Schlösslesseen mit ihren Wiesen und dem Wald drum herum sind  Helmut Glowanias  Lieblingsplatz in Baltmannsweiler. Zum Genießen dieses geschichtsträchtigen Ortes, wo einst ein Jagdschlösschen im königlichen Wildpark stand, hat der Revierförster  nun mehr Zeit. Nach 41 Jahren im Dienst des  Baltmannsweiler Waldes ist Glowania Ende November  in den Ruhestand gegangen und hat die Jahrhundertaufgabe an  Nachfolger Tobias Huning übergeben.

„Wir denken hier in großen Zeitspannen“, verdeutlicht  Glowania die forstlichen Dimensionen, denn es dauere bis zu 160 Jahre, bevor die Bäume geerntet werden können. In dem gut 1500 Hektar großen Staatswald reiche eine Förstergeneration natürlich nicht aus. „Man übernimmt die Arbeit immer vom Vorgänger“, erklärt der Waldfachmann, der den Beruf von der Pike auf gelernt hat. Mit 15 Jahren meldete  sich Glowania für   einen Waldarbeiterlehrgang, arbeitete dann in Winterbach,  bildetet sich  an forstlichen Bildungszentren weiter, bevor er sich für das Studium der Forstwirtschaft an der Hochschule Rottenburg entschied.

Die Arbeit sei  interessant und abwechslungsreich gewesen – von Anfang an, bekennt der Revierleiter und erzählt   eine Anekdote mit ernstem politischen Hintergrund  aus den  1980er-Jahren: Eines Tages stand er ohne Vorwarnung vor dem  abgesperrten Revier, weil  die amerikanischen Streitkräfte in Baden-Württemberg Baltmannsweiler als vorübergehenden Standort für die mobilen  Pershing-II-Raketen  ausgewählt hatten. In seinen Wald kam Glowania  schließlich  doch noch – mit einem Passierschein.

Neben Verantwortung und viel Arbeit bringe der Beruf des Försters viele   Freiheiten mit sich. Aber er habe auch zig Reformen erlebt, so gesehen könne ihn nichts mehr schrecken, meint Glowania. Sein Revier sei immer  gewachsen, zuletzt 2020, als ihm  stattliche Wälder des Hauses Württemberg in Schanbach, Krummhardt und Baach zugeschlagen wurden.

Viel Freude habe ihm der Waldbau, mit dem die Bestände verjüngt werden, und die Ausweisung von Habitatbaumbeständen   bereitet. Dabei gehe es immer auch ums Thema Gleichgewicht zwischen Ökologie und Ökonomie. Doch die Forstwirtschaft sei keine leichte Aufgabe in Zeiten, in denen Stürme, Hitze und Dürre dem Wald zusetzen, denn Forstwirtschaft verlange immer  auch wirtschaftliches Handeln.  Welche Arten vertragen die zunehmend heißen Sommer und welche kommen mit der Staunässe zurecht, die der Waldboden in manchen Lagen des  Schurwalds bereithält? „Wir brauchen die Mischung“, sagt Glowania  und verweist auf die standorttypischen Buchen, die gemeinsam mit Kiefern, Eichen und Lärchen die bekannte Schurwaldmischung ausmachen.  Der hiesige Forst setze auch auf  Douglasien, Nussbäume, Edelkastanien und   sogar  auf Tulpenbäume, die seit den 1960er-Jahren den  Schurwald artenreicher machen.   Aufgeforstet werde häufig nach Stürmen, von denen Glowania schon viele erlebt hat.  Gut erinnern kann er sich  noch an „Wibke“, „Vivien“ und vor allem „Lothar“ in den 1990er-Jahren. Letzterer habe am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999 immense Schäden hinterlassen.

Seit den 1990er-Jahren habe im  Forst Baden-Württemberg daraufhin ein Umdenken stattgefunden.  Standort- und Bodenuntersuchungen läuteten die Abkehr von der Fichte ein, die als besonders sturmanfällig gilt. Aber wer auf mehr Edelholz wie Eiche setze, müsse auch den Wildverbiss  in den Griff bekommen. So sorgt auch   Glowania, wie viele  seiner Zunft, in der Freizeit als Jäger für das Gleichgewicht im Wald. Außerdem setzt der Förster vermehrt auf Naturverjüngung durch die natürliche Aussaat.  „Da steht der Wald von morgen“, lenkt der Revierleiter den Blick auf die jungen Buchen und Eichen im Unterholz, deren Herbstlaub rund um die Schlösslesseen verheißungsvoll leuchtet. Künftig werde er wieder häufiger  mit Hündin  Bärbel zum Jagen durchs Revier streifen oder ein gutes Buch lesen, reisen oder mit dem Motorrad übers Land fahren, hofft Glowania. 

com/Foto: Roberto Bulgrin


Frischekur für ein Wahrzeichen

Ab kommenden Sommer wird die Plochinger Stadtkirche St. Blasius saniert –   Spendenkampagne gestartet

Dass die  Stadtkirche, zuletzt 1961/1962 renoviert, Sanierungsbedarf hat, ist schon lange klar. Seit 15 Jahren hat  man sich darüber hinter den Kulissen Gedanken gemacht. Allerdings hatte die Evangelische Kirche in Plochingen zunächst einige andere „Baustellen“ mit ihren Kindergärten und dem Dietrich-Bonhoeffer-Haus zu bewältigen, wie Pfarrer Gottfried Hengel  sagte. Aber jetzt rückt die Kirchensanierung in den Fokus. Das spätgotische Gotteshaus hat nicht nur für die evangelischen Christen, sondern für die ganze Stadt eine hohe Bedeutung. Weithin sichtbar auf dem Kirchberg stehend, ist es ein Plochinger Wahrzeichen, für zahllose Vorbeifahrende eine Landmarke und für die Plochinger das Signal, dass sie zu Hause angekommen sind. Die Identifikation mit der Stadtkirche sei sehr groß, auch unabhängig von Religion und Konfession, so Hengel.

Eine äußerliche Frischekur, die der Kirche durchaus guttäte, ist vorläufig aber kein Thema. In den kommenden Jahren geht es um den Innenraum, die Orgel und vor allem die Dachkonstruktion. „Im Wesentlichen ist das noch der gotische Dachstuhl von vor 500 Jahren“, berichtete Hengel. Untersuchungen ergaben, dass die Tannenbalken zu großen Teilen in einem guten Zustand sind. Aber einige Schäden haben sie doch. Diese sollen ab Sommer 2022 Stück für Stück behoben werden. Das ist Schritt eins der Sanierung.

Im zweiten Schritt (ab Herbst 2022) soll der Innenraum heller, freundlicher, barrierefrei und flexibler nutzbar werden, erklärte Gerhard Nölle, der gewählte Vorsitzende des Kirchengemeinderats. Die Elektrik und die Medien- und Tontechnik müssen ebenso erneuert werden wie die Heizung. Anstelle der Warmluftgebläse ist eine innovative und umweltfreundliche Luft-Wärme-Pumpe mit elektrischer Zusatzheizung geplant. Für Licht und Weite werden dunkle Holztäfelungen durch hellere Wände ersetzt und die Decke aufgehellt. Um einen durchgängigen Raum auf einer Ebene zu erhalten, senkt man den Chorraum ab und entfernt die Podeste der Kirchenbänke. Statt der fest verbauten Bänke unter der Empore gibt es dort künftig eine flexible Bestuhlung – oder Freiraum zum Zusammenkommen, ob bei neuen Gottesdienstformen, beim Ständerling oder beim Kirchencafé.

Bestehen bleiben die Emporen, die Ausrichtung und die Bildgestaltung der Kirche. Ohnehin entsteht all das in enger Abstimmung mit der Landeskirche und dem  Landesamt für Denkmalpflege. Für die Neuanordnung der historisch bedeutenden Elemente Taufstein, Altar und Kanzel wird  sogar ein Künstlerwettbewerb ausgerufen. Die Orgel zeigt schon seit ihrem Einbau einige Schwächen und soll nicht nur überholt, sondern besser an den Kirchenraum angepasst werden. Die Arbeiten ab Sommer 2022 sind auf eineinhalb Jahre veranschlagt, Weihnachten 2023 hofft man, in der Stadtkirche feiern zu können. Die Orgelsanierung dauert aber deutlich länger.

Unterm Strich stehen für die drei Sanierungsschritte Kosten von 1,9 Millionen Euro zu Buche, wovon der Löwenanteil von knapp 1,4 Millionen Euro auf den Innenraum entfällt. Für diesen muss die Kirchengemeinde 540 000 Euro an Spenden auftreiben. Weitere 200 000 Euro braucht es für die Orgel, die komplett aus Spendengeld zu bezahlen ist. Das sind enorme Beträge, aber die Ausgangslage ist dank der langen Vorlaufzeit eher ermutigend. „Seit 15 Jahren sammeln wir schon“, so Nölle. So kamen für die Innenraumsanierung bereits 320 000 Euro zusammen. Da das mehr als 50 Prozent der geforderten Spendensumme sind, dürfen die Arbeiten schon begonnen werden. Ferner greift die Kirchengemeinde auf Rücklagen (470 000 Euro) zurück und bekommt Zuschüsse von der Landeskirche (650 000 Euro) und vom  Landesdenkmalamt (30 000 Euro). Eine große Spendenkampagne soll helfen, das restliche Geld zusammenzubringen. Dafür hat sich die Kirchengemeinde den Fundraiser Julian Feil ins Boot geholt, der nun mit der Öffentlichkeitsarbeit beginnt. 

aia/Foto: Karin Ait Atmane


Schulhaus wird bald abgerissen

Die Wärmeversorgung der Zollberg-Realschule wird neu organisiert – Marode Leitungen werden erneuert

Die Zollberg-Realschule bekommt eine neue Nahwärmeversorgung. Mit der Sanierung der höchst maroden Leitungen soll die Schule künftig wieder zuverlässig und gleichmäßig beheizt werden können – und zwar aus regenerativen Energiequellen. Zudem will man den im Frühjahr anstehenden Abriss und anschließenden Neubau des schadstoffbelasteten Hauptgebäudes der Schule nutzen, um die Wärmeversorgung in dem Bereich  neu zu ordnen.

Die Stadtverwaltung macht keinen Hehl daraus, dass   die Leitungen des sogenannten Nahwärmenetzes „Zollberg – Traifelberg“ marode sind. Wegen undichter Stellen und des insgesamt sehr schlechten Zustands der Leitungen komme es immer wieder zu Ausfällen bei der Wärmeversorgung der Zollberg-Realschule, der Rohräckerschule und der nahe gelegenen Außenstelle der Württembergischen Landesbühne (WLB), die ebenfalls an diesem Netz hängt, heißt es  aus dem Rathaus.  Zudem würden die Gebäude nicht immer gleichmäßig warm. Deshalb sei eine Sanierung der Leitungen dringend notwendig.

Schon im Jahr 2018 hatten sich die bisherigen Vertragsparteien  – neben der Stadt Esslingen auch die WLB, die Stadtwerke sowie der Landkreis – zusammengesetzt und beschlossen, den bestehenden gemeinsamen Wärmeliefervertrag aufzuheben und jeweils neue Verträge abzuschließen. Eigentlich war die Sanierung und Neuordnung der Nahwärmeleitungen dann für 2020 und 2021 geplant. Doch als klar wurde, dass das Hauptgebäude der Zollberg-Realschule wegen der Belastung mit dem Schadstoff PCB abgerissen und neu gebaut werden muss, wurde der Sanierungsstart auf das Frühjahr 2022 verschoben.

Unterdessen soll in den kommenden Jahren auch der Ersatzneubau des Hauptgebäudes der Zollberg-Realschule über die Bühne gehen.  Derzeit wird der Abriss des bestehenden Gebäudes geplant. Dieser soll im Frühjahr nächstes Jahr starten und sechs bis sieben Monate dauern.  Gleichzeitig beschäftige man sich zurzeit mit der Vorentwurfsplanung  für den Neubau des Hauptgebäudes. Darüber hinaus sei die Interimsversorgung während der Bauphase mit Strom, Telefon, Wasser und Nahwärme sowie die Entsorgung des Abwassers derzeit Thema. Wenn alles läuft wie geplant, soll das neue Gebäude zum Schuljahr 2024/2025 fertig sein.

Der Neubau wurde notwendig, nachdem vor etwa drei Jahren ans Licht kam, dass das bestehende Hauptgebäude der Realschule so stark mit dem Schadstoff PCB (polychloriertes Biphenylen) belastet ist, dass dort kein Unterricht mehr stattfinden soll.   Der Grenzwert für den Schadstoff, der als krebserregend gilt, wurde bei Messungen in den Schulräumen teilweise um ein Vielfaches überschritten.  Selbst Mobiliar und Unterrichtsmaterialien waren teils so stark kontaminiert, dass sie nicht mehr genutzt werden konnten.  Zwar hatten die zuständigen Gesundheitsämter stets betont, dass trotz der erhöhten Werte keine Gesundheitsgefährdung für die Nutzer der Zollberg-Realschule bestanden hätte.  Dennoch musste die Stadt wegen der Überschreitung der sogenannten Vorsorgewerte reagieren.

Angesichts der massiven Schadstoffbelastung beschloss man im Rathaus, das Hauptgebäude zu räumen und die Schülerinnen und Schüler stattdessen in Containern unterrichten zu lassen.  Seit Herbst 2019 steht das Containerdorf, in dem nicht nur zahlreiche Klassenzimmer, sondern auch die Schulverwaltung untergekommen sind.   Wenn das neue Hauptgebäude der Schule tatsächlich zum Schuljahr 2024/2025 fertig wird, wird der  Interimscampus ganze fünf Jahre lang genutzt worden  sein.

Derzeit beschäftigt Schüler und Lehrer im Containerdorf   aber  wohl noch ein anderes Thema: Offenbar kühlen die Container durch das wegen der Corona-Pandemie notwendige regelmäßige Lüften extrem schnell aus, wie die SPD-Rätin Christa Müller in der jüngsten Sitzung des Betriebsausschusses der Städtische Gebäude Esslingen (SGE) zu berichten wusste. Man werde sich des Themas annehmen und eventuell zusätzliche Heizlüfter aufstellen, versprach die Stadtverwaltung daraufhin. 

meb/Foto: Roberto Bulgrin