Wenn der Geimpfte ein anderer ist

Die Daten des Corona-Impfzertifikats und der Ausweisdokumente können voneinander abweichen

Wer mit Nachnamen zum Beispiel Meyer oder Houellebecq heißt, muss wohl damit leben, dass auch mal Meier oder Houllebecq auf dem Paket steht. Dumm nur, wenn die eine Schreibweise streng offiziell im Personalausweis firmiert, die andere im Impfzertifikat und QR-Code hinterlegt ist. Bei misstrauischen Kontrolleuren erwacht dann der Täuschungsverdacht, und der vollständig Geimpfte ist plötzlich der vollkommen Gelackmeierte – und irgendwie nicht mehr er selbst.
Wie kommen solche kleinen Unterschiede mit ihren eventuell großen peinlichen Folgen zustande? Durch Fehler bei der manuellen Eingabe der Daten. Aber auch die automatische Übertragung mittels Krankenkassenkarte birgt ihre vielleicht sogar noch schlimmeren Tücken. Dann nämlich, wenn im Personalausweis zwei oder mehr Vornamen verzeichnet sind, in der Kassenkarte aber wie üblich nur einer, der dann natürlich als einziger ins Impfzertifikat aufgenommen wird. Besonders bei Grenzkontrollen und im Ausland, aber nicht nur dort, könnte dann an der Identität von beispielsweise Hans Müller mit Hans Albert Ernst Müller gezweifelt werden. Gleiches dräut Renate Huber-Hinterstein, die seit ihrer Scheidung nur noch Renate Huber heißt, den Namenswechsel aber nicht ihrer Krankenkasse meldete. Oder Markus Häberle, seit seiner Heirat Markus Pfleiderer. Ferner können fehlende Namenszusätze (etwa das Dr. bei Dr. Luisa Knapp), verkürzte Rufnamen (Manne statt Manfred Lucha) oder unterschiedliche Schreibweisen (Hans-Peter ­ statt Hanspeter) für Irritation sorgen.
Der Esslinger Apotheker Christof Mühlschlegel von der Apotheke am Theater kennt die Probleme gut: „Wir geben aus dem Grund die zu digitalisierenden Daten in der Regel nach den Angaben im Personalausweis von Hand ein.“ Die meisten Arztpraxen und Impfzentren würden hingegen die Krankenkassenkarte verwenden. Doch auch in der löblichen Mühlschlegel’schen Präzision steckt ein Risiko, das der Apotheker ebenfalls gut kennt: Die Identität des Geimpften wird verdoppelt, sein Impfstatus reduziert. Wie das? „Wenn wir die exakten Daten aus dem Personalausweis nehmen und sie in irgendeinem Detail abweichen von älteren Impfeinträgen, wird automatisch ein separater Datensatz angelegt.“ Konkret: Von dem Geimpften wird dann ein zweites Zertifikat hinterlegt, aber mit einer oder mehreren Impfungen weniger. Und damit haben der oder die Betreffende schlechte Karten bei 2G- oder gar 2G-plus-Regeln.
Was tun? „Wir fragen nach“, so Mühlschlegel, „was bei den bisherigen Impfungen eingetragen wurde.“ Und dann geht man entweder den Kompromiss ein, nicht ganz vollständige oder nicht ganz korrekte, aber übereinstimmende Daten zu verwenden. Oder die betroffenen Impfpassinhaber entscheiden sich für den aufwendigeren, aber vom Robert-Koch-Institut (RKI) dringend empfohlenen Weg: sich ein Impfzertifikat mit fehlerfreien und lückenlosen Angaben ausstellen lassen, das alte Zertifikat in der App löschen, das neue einscannen. Ansprechpartner sind die Praxis oder das Impfzentrum, wo das ursprüngliche Zertifikat herstammt, oder eine an der Digitalisierungsaktion teilnehmende Apotheke.
Generell hat das Thema der technischen Handhabung und Problemvermeidung bei digitalen Impfnachweisen durch die 2G-Zugangsregeln offenkundig an Brisanz gewonnen. Presseanfragen werden denn auch vom RKI, dem Herausgeber der CovPass- und der Corona-Warn-App, direkt an das Bundesgesundheitsministerium weitergeleitet. Ein Grund dürfte sein, dass laut Beschluss der EU-Kommission bis zum 1. Februar die Nachweise für Johnson & Johnson-Geimpfte – ein Impfstoff, bei dem eine Dosis für die vollständige Immunisierung ausreicht – und für Genesene geändert werden müssen, wie das Ministerium auf Anfrage mitteilt. Bisher „fehlt“ den Betroffenen scheinbar ein Immunisierungsschritt, wie Mühlschlegel bestätigt: „Da steht dann 2/2 in der App, obwohl sie geboostert sind. Um das zu erkennen, müsste man ganz genau nachsehen. In der Hektik bei Einlasskontrollen macht das niemand.“ Auch kann von einem Genesenennachweis, der älter als 180 Tage ist, nachträglich kein QR-Code mehr erstellt werden.
Beim Bundesgesundheitsministerium gibt man sich problembewusst: Man prüfe derzeit auch im Hinblick auf die EU-Vorgabe, „wie betroffene Personen möglichst schnell und einfach ein Zertifikat erhalten können, welches den neuen Darstellungsanforderungen entspricht“, teilt eine Sprecherin mit. Allerdings weist sie auch darauf hin, dass die Häufigkeit von Impfdurchbrüchen „auf einen mangelhaften primären Impfschutz durch eine einmalige Johnson & Johnson-Impfung“ hinweise. Die Ständige Impfkommission empfehle daher bereits nach vier Wochen eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff.
Immerhin: Richtig gekracht hat es bislang im Raum Esslingen wegen abweichender „Lesarten“ auf Impfzertifikat und Ausweis und daraufhin verweigertem Zugang noch nicht. Zumindest ist nichts dergleichen ans Ohr der Polizei ge­drungen, wie diese auf Anfrage mitteilt.

mez / Foto: dpa/Stefan Puchner


Tempodrossler

Plochingen, Reichenbach und Ebersbach beantragen für B 10 auch auf ihrer Gemarkung eine Höchstgeschwindigkeit von 80

Ende der 1980er-Jahre wurde das Tempo auf der B 10 zwischen Stuttgart und Esslingen gedrosselt – Anlass war damals der Luftreinhalteplan für die Landeshauptstadt. 20 Jahre später wurde die Geschwindigkeit auch zwischen Esslingen und dem Plochinger Dreieck auf höchstens 80 Kilometer pro Stunde für Autos und 60 für Lastwagen gedeckelt. Wer aber weiter auf der Bundesstraße ins Filstal hineinfährt, kann etwa auf Höhe der Plochinger Hochbrücke wieder auf 100 beschleunigen, hinter der Reichenbacher Querspange bis zur Uhinger Galerie sind sogar 120 erlaubt. In der umgekehrten Fahrtrichtung ist die Beschilderung nahezu identisch.
Das ist der Gemeinde Reichenbach und der Stadt Plochingen schon seit zehn Jahren ein Dorn im Auge. Regelmäßig haben sie im Zuge ihrer Lärmaktionspläne Anträge auf eine Reduzierung auf Tempo 80 in Fahrtrichtung Esslingen gestellt. Bislang vergebens. Die Lärmbelastung gerade an den Hanglagen der Kommunen beeinträchtigt zwar massiv die Lebensqualität ihrer Bürgerinnen und Bürger. Entsprechende Klagen bekommen die Rathauschefs Bernhard Richter (Reichenbach) und Frank Buß (Plochingen) auch immer wieder zu hören. „Aber unserer Lärmwerte reißen die gültigen Schwellenwerte nicht“, bedauert Richter. Ähnlich geht es ihrem Ebersbacher Kollegen Eberhard Keller. Zwar gebe es unten im Tal Lärmschutzwände. Da sich der Krach aber nach oben verteile, würde selbst Rosswälden noch unter der Bundesstraße leiden.
Deshalb hat sich das Trio jetzt zu einer Aktionsgemeinschaft zusammengetan, die ein einheitliches Tempo von maximal 80 Kilometern je Stunde auf dem gesamten Streckenabschnitt zwischen Stuttgart und dem Ende der Markung Ebersbach fordert. „Wir sind davon überzeugt, dass das für den Großteil unserer Bevölkerung signifikante Verbesserungen bringen würde“, betont Frank Buß. Es könne nicht angehen, dass die Kommunen immer wieder ihre Lärmaktionspläne aufstellen müssten, aber die angedachten Maßnahmen im Sande verliefen, sobald andere Baulastträger wie der Bund, das Land oder die Bahn betroffen seien.
„Täglich ist zu beobachten, dass bereits auf Höhe Ebersbach auf der B 10 ein erheblicher Rückstau erfolgt, der oftmals dazu führt, dass Fahrzeuge bereits in Ebersbach, spätestens aber in Reichenbach die B 10 verlassen und den Weg durch die Orte wählen“, heißt es in dem Brief der drei Bürgermeister an das Regierungspräsidium Stuttgart. Damit würden auch die kommunalen Straßen mit Lärm und Abgasen belastet. „Mit Tempo 80 auf der Bundesstraße ist der Verkehrsfluss viel besser“, verweist Bernhard Richter auf die guten Erfahrungen mit dem Tempolimit von Plochingen bis Stuttgart. Und der Zeitverlust sei marginal. Zumal sich die Einfahrt auf die B 10 an der Reichenbacher Querspange zu einem Unfallschwerpunkt entwickelt habe. Mit einer Temporeduzierung auf 80 könne man preisgünstig, schnell und wirksam Lärm und Gefahrenpotenzial reduzieren.
Ebersbachs Bürgermeister Eberhard Keller stellt klar, nur für seine Stadt und nicht für den Landkreis Göppingen zu sprechen. Aber Ebersbach liege an der engsten Stelle des Filstals – womit die Hanglagen über die Trichterwirkung vom Lärm beschallt werden.
Dass die drei Kommunen die formalen Schwellenwerte für eine Tempodrosselung nicht erfüllen, kann aus Sicht ihrer Bürgermeister kein Argument sein. Buß: „Der Lärmschutz hat einen höheren Stellenwert bekommen.“ Man müsse sich auch fragen, ob die Schwellenwerte heute noch zeitgemäß seien, ergänzt Richter. Zumal im verdichteten Neckar- und Filstal mit Bahn- und Flugverkehr weitere Lärmquellen hinzukämen – die aber nie gebündelt gewürdigt würden. Die Argumentation, dass man den Menschen so ein Tempolimit nicht zumuten könne, hält das Trio jedenfalls für fehl am Platz: Durch den Lärm seien sehr viele Menschen objektiv belastet. Die subjektive Einschränkung, die einzelne beim Tritt auf die Bremse empfinden mögen, sei dagegen nur marginal.

biz / Foto: Roberto Bulgrin


Aderlass für die CDU-Fraktion

Jörn Lingnau und Regina Hemminger schließen sich für viele überraschend der FDP im Esslinger Gemeinderat an

Das neue Jahr beginnt in der Esslinger Kommunalpolitik mit einem Paukenschlag: Der CDU-Fraktionsvorsitzende Jörn Lingnau und seine Stellvertreterin Regina Hemminger haben sich aus der Riege der christdemokratischen Stadträte verabschiedet. Ihre kommunalpolitische Zukunft sehen beide bei der FDP-Fraktion. Mit künftig sechs Sitzen rücken die Freien Demokraten, die 2019 schon Brigitte Häfele von den Grünen hinzugewonnen hatten, zur viertstärksten Kraft im Gemeinderat auf, die CDU muss sich bis zur nächsten Kommunalwahl mit fünf Sitzen begnügen. Während Hemminger und Lingnau von einem konsequenten Schritt sprechen, zeigen sich die verbliebenen CDU-Stadträtinnen und -räte ebenso überrascht wie enttäuscht.
Nachdem sie die übrigen CDU-Ratskollegen informiert hatten, ließen Hemminger und Lingnau, die auch ihr Parteibuch zurückgeben, den Oberbürgermeister Matthias Klopfer und die anderen Fraktionsvorsitzenden wissen: „Mit sofortiger Wirkung verlassen wir die Fraktion der CDU im Gemeinderat Esslingen. Unsere Mandate behalten wir und schließen uns der FDP-Fraktion an.“ Lingnau, der seit 2001 im Gemeinderat sitzt und seit 2014 die CDU-Fraktion führt, erklärte: „Dieser Schritt ist uns nicht leicht gefallen, aber wir werden keine schmutzige Wäsche waschen.“
Für Lingnau ist klar: „Eine Fraktion ist wie eine Mannschaft, alle müssen füreinander spielen. Wenn es ein Spitzenspieler nicht schafft, das Team zusammenzuhalten, muss er Konsequenzen ziehen.“ Das Mandat zurückzugeben, sei keine Option gewesen, weil man bei den Wählerinnen und Wählern im Wort stehe. Der Gedanke, zu zweit als Gruppe im Gemeinderat zu agieren, sei rasch verworfen worden: „Wir können mehr bewirken, wenn wir mit einer Fraktion antreten.“ Der Wechsel zur FDP sei naheliegend: „Uns verbindet viel, es gibt politisch große Überschneidungen.“ Lingnau betont, dass es keinen konkreten Anlass für den Dissens gegeben habe – auch nicht die Entscheidung über den jüngsten Haushalt, bei der sich Lingnau und Hemminger enthalten hatten, während der Rest der Fraktion zugestimmt hatte. Eher werden atmosphärische Störungen genannt: „In der Kommunalpolitik muss diskutiert und darf auch mal gestritten werden. Wenn man keine gemeinsame Linie mehr findet, tritt man auf der Stelle.“ Lingnau hofft, dass nun schnell zur Sacharbeit zurückgekehrt werden kann.
Regina Hemminger, die seit 23 Jahren der CDU und deren Ratsfraktion angehört, hält den Ball ebenfalls flach: „Es hat irgendwann nicht mehr gepasst. Wenn man das feststellt, muss man Konsequenzen ziehen.“ Im Gemeinderat dürfe es nicht um Parteipolitik gehen. „Der Stil hat uns nicht mehr gefallen.“
Die CDU-Fraktion nimmt die Entscheidung „mit großem Bedauern“ zur Kenntnis. Allerdings zeigten sich der erste stellvertretende Fraktionschef Herbert Schrade und Tim Hauser, Stadtrat und Vorsitzender der Esslinger CDU, in einer gemeinsamen Verlautbarung enttäuscht darüber, dass sie die Erklärung der beiden Abtrünnigen so kurzfristig und nur per E-Mail erreicht habe. Für diese Entwicklung habe es im vergangenen Jahr keine Anzeichen gegeben: „Nach unserem Eindruck haben wir engagiert zusammengearbeitet und uns auch menschlich gut verstanden.“ Dass es in einer Fraktion auch mal unterschiedliche Meinungen – etwa bei den Haushaltsberatungen – auszudiskutieren und auszuhalten gebe, sei „ein ganz normaler demokratischer Vorgang“.
Schrade und Hauser weiter: „Ob der Fraktionswechsel fair ist gegenüber Wählern und Partei, deren gemeinsam erstelltes Wahlprogramm im Kommunalwahlkampf mit vertreten wurde, muss jeder Gemeinderat mit sich selbst ausmachen. Für uns ist das Tischtuch jedenfalls nicht zerschnitten, wir pflegen den kollegialen und professionellen Austausch mit allen Kolleginnen und Kollegen.“ Die CDU-Fraktion werde sich neu aufstellen.

adi / Foto: Roberto Bulgrin


Abgestimmt!

Nach Wirbel um Impfstatus und Angaben beim Visumsantrag sowie politischem Streit ist der Tennis-Weltranglisten-Erste Novak Djokovic von den Australian Open ausgeschlossen worden. Der richtige Schritt?

Foto: dpa

Richtig so?

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Sparen mit der Maus in der Hand

Der Esslinger Kreisdiakonieverband ersetzt mit neuem Internetportal das „Handbuch für den schmalen Geldbeutel“

Das Rezept für „Arme Ritter“, die Geschenktipps und die Bastelideen haben ausgedient – und mit ihnen die schon mehr als zehn Jahre alte Broschüre „Handbuch für den schmalen Geldbeutel“. Der Wegweiser des Kreisdiakonieverbands (KDV) im Kreis Esslingen für Menschen, die in diesen Zeiten mehr denn je jeden Cent umdrehen müssen, ist ins Internet umgezogen.
„Das Thema Armut ist immer noch schambesetzt. Viele Betroffene scheuen den Gang in die Beratungsstellen. Auf unserer neuen Seite haben wir deshalb alle Informationen leicht verständlich aufbereitet“, erklärt die Sozialarbeiterin Sarah Kindt-Matausch, die den Internetauftritt gemeinsam mit Reinhard Eberst, dem Leiter der Diakonischen Bezirksstelle Kirchheim, entwickelt und diesen Mitte Dezember vorgestellt hat.
Die Seite bietet Menschen mit schmalem Geldbeutel einen niederschwelligen Zugang zu allen für sie wichtigen Themen. Durch ein leicht zu bedienendes Menü gelangt man mit wenigen Mausklicks zu den Antworten auf viele existenzielle Fragen: Welche Sozialleistungen stehen mir zu? Wo kann ich sie beantragen? Welche preiswerten Einkaufsmöglichkeiten gibt es in meiner Nähe? Welche Vergünstigungen kann ich bei Kultur-, Bildungs- und Freizeitangeboten in Anspruch nehmen oder wo finde ich Beratung und Hilfe?
Nicht nur der leichte Zugang, sondern auch die Möglichkeit der ständigen Aktualisierung macht das Internet in diesem Fall zum überlegenen Medium. So verweist der digitale Wegweiser in der Rubrik „Gesundheit“ auf die Möglichkeiten für Corona-Impfungen im Kreis. „Wir haben auch Querverweise integriert, die direkt auf die zuständigen Stellen im Landratsamt, in den Jobcentern, aber auch auf hilfreiche Broschüren verweisen“, sagt Reinhard Eberst. Damit könnten auch Online-Formulare direkt abgerufen werden.
Wie das Handbuch genutzt werden kann, wird am Beispiel „Freizeitangebote“ deutlich. Ausgehend von der Tatsache, dass Kinder und Jugendliche aus einkommensarmen Familien nur schwer einen Zugang zu Vereinen, Kursen und Ferienfreizeiten finden, gibt die Seite einen Überblick über die aktuellen Angebote. Über eine Verlinkung können die auch gleich online gebucht werden. Weil es laut Eberst nicht nur darum geht, die Ausgaben zu verringern, sondern auch das Einkommen zu verbessern, erfahren Nutzer unter dem Menüpunkt „Job Café“, wo sie Hilfe bei Bewerbungen erhalten.
Auch wenn es darum geht, Recht zu bekommen, hilft die Internetseite weiter. Unter dem entsprechenden Menüpunkt wird gezielt aufgezeigt, wo es Unterstützung etwa in Form von kostenloser Rechtsberatung oder Prozesskostenhilfe gibt.
Anders als das über zehn Jahre hinweg unverändert gebliebene Handbuch soll sich der Internetauftritt ständig weiterentwickeln – auch mit Hilfe der Betroffenen. „Arme Menschen sind, weil ihnen gar nichts anderes übrig bleibt, oft genug Experten in eigener Sache“, sagt Reinhard Eberst. Für ergänzende Informationen haben er und Sarah Kindt-Matausch immer ein offenes Ohr. An „Kundschaft“, die auf das Angebot angewiesen sein könnte, dürfte es nicht mangeln. Die Ausgaben für den Lebensunterhalt steigen – und damit auch die Zahl der Hilfesuchenden.
Eberhard Haußmann, der Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands Esslingen, kann die Entwicklung an der täglich wachsenden Schlange vor den Tafelläden der Diakonie ablesen. Er weiß, dass die neue Seite auch nicht mehr sein kann, als ein Tropfen auf dem heißen Stein. „Durch die Seite werden die 426 Euro, die einem Hartz-IV-Empfänger zustehen, auch nicht mehr“, sagt er und erneuert die Forderung der Sozialverbände nach einem Bürgergeld in Höhe von mindestens 600 Euro. 
Info: Die Seite ist im Internet zu finden unter dem Link www.hilfreich-es.de

adt / Foto: Horst Rudel


„Es gibt nur einen Heimatverein“

Vom HSV zur HSG: Handballer Manuel Späth kehrt nach dem Ende seiner langen Profi-Karriere nach Ostfildern zurück

Es sei ein „schwerer Schlag“ titelte das Hamburger Abendblatt Mitte Dezember, nachdem Manuel Späth bekannt gegeben hatte, dass er am Ende der Saison seine Profi-Karriere beim HSV Hamburg beenden wird. Der Handball-Bundesligist wollte den Vertrag des 36-jährigen Kreisläufers unbedingt verlängern. Für Späth aber ist die Zeit gekommen. Er möchte in die zweite berufliche Karriere starten. Und er möchte, dass seine Töchter Nora und Dahlia daheim in Esslingen eingeschult werden. Zudem endet in einem Jahr die Elternzeit seiner Frau Vanessa. Handball aber will er weiter spielen – und das wird er dort tun, wo er als Kind begonnen hatte: bei der HSG Ostfildern. Es ist eine Entscheidung voller Konsequenz für den bodenständigen, heimatverbundenen Familienmenschen Späth. Und ein Coup für die HSG.
Späths erster Spielerpass trägt das Datum 29. September 1990. Und den Stempel des TB Ruit. Der Verein ist einer der beiden Teile der Handball-Spielgemeinschaft mit dem TSV Scharnhausen, die zurzeit in der Verbandsliga an der Tabellenspitze steht. „Es ist ein schöner Gedanke, wieder dort zu spielen, wo ich mit Handball begonnen habe“, sagt Späth mehr als 31 Jahre später. Er hätte auch zu den höherklassigeren TSV Neuhausen oder TV Plochingen wechseln können – oder zu fast jedem ambitionierten Amateurverein im Umkreis. Letzten Endes seien für ihn nur Neuhausen oder Ostfildern in Frage gekommen, sagt Späth. Zu beiden Clubs hat er eine enge emotionale Bindung. „Es gibt nur einen Heimatverein“, begründet er, warum er bei der HSG einen Zweijahresvertrag unterschrieb. Zudem sei es das passende sportliche Niveau, denn der geringere Aufwand gegenüber der Bundesliga soll schon spürbar sein.
Die Neuhausener unterstützt Späth insofern, als er zu seiner bereits bestehenden Schirmherrschaft auch die Rolle des Leistungssportkoordinators für die A-Jugend der JANO Filder, der Jugendspielgemeinschaft aus Neuhausen und Ostfildern, übernehmen wird. Auch wird er die eine oder andere Trainingseinheit der Jugend leiten.
Im Verbandsliga-, oder wenn es mit dem Aufstieg klappt im Württembergligateam, möchte er sich aber ganz auf seine Rolle als Spieler konzentrieren. Nebenbei wird er die Trainer-C- und -B-Lizenz ablegen. Eine Aufgabe als Chefcoach einer Mannschaft kann er sich erst nach seiner aktiven Zeit vorstellen.
Bei der HSG sind sie natürlich glücklich über den prominenten Zugang. „Für das Gesamtprojekt machen wir den nächsten Schritt, da wird uns Manu sportlich, menschlich und fachlich weiterhelfen. Gerade für unsere Jugend erwarten wir einen Booster von ihm“, erklärt der sportliche Leiter Magnus Gründig. „Ich sehe solche Transfers, einen Spieler aus der Bundesliga zu holen, in der Regel als riskant an. Ich bin aber guter Dinge, weil es der Manu ist.“
Für Trainer Marco Gassmann ist es eine besondere Situation, immerhin ist er zehn Jahre jünger als der mit allen Handballwassern gewaschene Späth. Aber es herrscht bei ihm die pure Freude. „Es ist eine riesen Sache – mega, eine runde Geschichte“, jubelt Gassmann. Sorgen um die Eingewöhnung macht sich der Coach nicht. „In der Defensive kann er sich sofort einbringen, weil er seit Jahren einer der besten deutschen Abwehrspieler ist. Ich glaube, dass er sich auch im Angriff schnell integrieren wird“, sagt er.
„Ich bin immer noch ehrgeizig. Mir war wichtig, zu einem Verein zu gehen, bei dem ein Leistungsgedanke dahinter steht. Das ist in Ostfildern so, natürlich auf einem anderen Niveau“, sagt Späth. Dass ihn die Gegenspieler mit besonderer Härte entgegentreten werden, fürchtet er nicht: „Viel härter als in der Bundesliga kann es da am Kreis nicht zugehen.“
In Manuel Späths Leben gab und gibt es viele Konstanten. Elf Jahre lang war er bei Frisch Auf Göppingen, drei beim TVB Stuttgart. Erst in den vergangenen zwei Jahren genoss er es, in Porto und Hamburg die Welt kennenzulernen. Dass sie ihn beim HSV ungern gehen lassen wollen, freut ihn und bestätigt ihn zugleich in seiner Entscheidung: „Ich wollte meine Karriere in einer guten Zeit beenden.“ Währenddessen nimmt er sich bis zum Sommer Zeit, auch seine berufliche Karriere in neue Bahnen zu lenken. Das Studium des internationalen Managements ist längst abgeschlossen, Kontakte sind geknüpft. „Es gibt ein bis zwei Optionen“, sagt er.

sip / Foto: Jens Wild


„Hirsch“ soll Wohnungen weichen

An der Kirchheimer Straße in Hochdorf will ein Investor zwei Neubauten mit bis zu 20 Wohneinheiten bauen

In Hochdorf zeugen noch einige alte Gebäude von der Historie des Ortes, viele davon sind denkmalgeschützt. An manch einer Stelle musste die Ortshistorie aber Neubauten weichen. Mit dieser Thematik beschäftigt sich der Gemeinderat nun in Hinblick auf das Gebäudeensemble in der Kirchheimer Straße 44 bis 48, direkt an der Hauptstraße schräg gegenüber dem Rathaus gelegen. Wo früher unter anderem die Metzgerei Schippert und das Gasthaus zum Hirsch für ihre Kunden und Gäste da waren, plant das Bauunternehmen Hartmut Fischer Planbau aus Deizisau die Gebäude abzureißen und zwei Mehrfamilienhäuser zu bauen. Je zwei Vollgeschosse sowie ein Dachgeschoss samt Kniestock als weiteres Vollgeschoss mit insgesamt rund 20 Wohneinheiten, Gauben, einer Tiefgarage und Stellplätzen entlang der Kirchheimer Straße stehen zur Debatte.
In der letzten Sitzung des vergangenen Jahres hat sich der Gemeinderat mit der Bauvoranfrage zu diesem Projekt beschäftigt. „Es geht aktuell zunächst einmal um das Grundsätzliche, darum, ob hier ein Abriss und Neubau denkbar wären. Das ist im aktuellen Stadium noch kein Bauantrag“, betonte der Bürgermeister Gerhard Kuttler. Die Verwaltung plädiere dafür, in diesem Zusammenhang das kommunale Einvernehmen in Aussicht zu stellen. Zudem könnte die Gemeinde im Falle der Umsetzung die Flächen erwerben, die für den schon lange auf der Wunschliste stehenden Kreisverkehr an der Rathauskreuzung nötig wären. Für diesen fehlt allerdings bis heute die Zustimmung der übergeordneten Straßenverkehrsbehörde.
Ende November hatte sich ein Experte die Gebäude angesehen und aufgrund deren Lage direkt an der Gehweghinterkante eine Sanierung ausgeschlossen. Die Stadtentwicklungsgesellschaft STEG sieht das genauso. Mehrheitlich – mit Ausnahme der SPD-Fraktion und Birgit Wiesenhütter (Die Mitte) – folgte der Gemeinderat dem Beschlussvorschlag der Verwaltung. Bereits im Jahr 2016 wurde im Gemeinderat über eine Neubebauung auf dem Areal diskutiert. Das Stuttgarter Planungsbüro Schreiberplan hatte damals zwei denkbare Varianten vorgestellt – eine mit einer intensiveren Nutzung des Grundstücks, die zweite etwas abgespeckt. Für beide gab es damals grundsätzlich grünes Licht.
Die nun vorgelegte Bauvoranfrage orientiert sich an der Variante mit einer weniger intensiven Nutzung des Grundstücks und einer weniger massiv wirkenden Bebauung, die von der Kirchheimer Straße etwas nach hinten versetzt vorgesehen ist. Dass an der Stelle grundsätzlich etwas passieren müsse, darüber waren sich alle im Gremium einig. So handle es sich zwar um ein historisches Gebäudeensemble, das aber recht heruntergekommen sei.
An der ein oder anderen Stelle der Bauvoranfrage gibt es noch Klärungsbedarf. Zwei mehrfach angesprochene Punkte betreffen die Verkehrssituation und die direkt an der viel befahrenen Kirchheimer Straße angedachten Stellplätze. Eine ähnliche Problematik ist von der Ortsdurchfahrt bei den zentral gelegenen Geschäften bekannt. Der Unterschied: Dort müssen die Kunden auf eine Hauptstraße mit geltendem Tempo 50 rückwärts einfahren, in der Kirchheimer Straße gilt dagegen bereits Tempo 30. Kritisch angemerkt wurde auch die wegen eines schmalen Fußwegs erschwerte Erreichbarkeit des zweiten, weiter hinten gelegenen Gebäudes, gerade auch was Rettungskräfte angeht.
Die SPD möchte, dass die Gemeindeverwaltung sich beraten lässt, inwieweit für Hochdorf der Erlass einer oder mehrerer Erhaltungs- oder Gestaltungssatzungen denkbar wäre. Ziel sei es, das Mitbestimmungsrecht der Gemeinde bei der städtebaulichen Entwicklung und dem Erhalt des dörflichen Charakters zu stärken. Immer wieder sei der Gemeinderat mit Planungen konfrontiert, die dem nicht gerecht würden, da viele Bauträger die Grundstücke „mit allen Möglichkeiten des Baurechts ausmosten“, sagte Karsten Rößler (SPD). So verschwinde immer mehr ortsbildprägende alte Bausubstanz.

eis / Foto: Katja Eisenhardt


Abgestimmt!

Die EU will Kernenergie als „grüne“ und somit förderwürdige Technologie einstufen, in Deutschland regt sich dagegen heftiger Widerstand. Was meinen Sie, soll Atomkraft das „Grün“-Label bekommen?

Foto: dpa

„Grüne“ Atomkraft?

  • Ja! (60% )
  • Nein! (40% )
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Der Lappen muss weg

Am 19. Januar endet für die Geburtsjahrgänge 1953 bis 1958 die Frist zum Führerschein-Umtausch – Erhöhter Andrang

Bald ist der Lappen weg – ganz ohne Alkohol und Raserei. Vielmehr von langer Hand geplant, nämlich bereits 2006 von der EU mit einer Richtlinie, die innerhalb der Union den Umtausch sämtlicher nationaler Führerscheine in die einheitlichen, fälschungssicheren und scheckkartenartigen EU-Dokumente vorschreibt. Die Großaktion, deren erste Frist am 19. Januar fällig ist, betrifft in Deutschland alle vor dem 19. Januar 2013 ausgestellten Exemplare – und das bedeutet gewaltig viel Urkundenmaterial, das allein hierzulande umgewälzt wird: Bundesweit müssen laut ADAC 43 Millionen Führerscheine gewechselt werden, davon 15 Millionen auf Papier, wie sie bis Ende 1998 ausgestellt wurden – die klassischen grauen oder die etwas jüngeren rosafarbenen „Lappen“. Hinzu kommen 28 Millionen zwischen 1. Januar 1999 und 18. Januar 2013 ausgegebene Scheckkarten-Führerscheine.
Weil solche Massen hier wie in anderen europäischen Landen auch die fleißigsten Führerscheinstellen enorm fordern, hat die Europäische Union in weiser Voraussicht die gesamte Aktion auf gut zehn Jahre gestreckt: Bis 19. Januar 2033 muss jede(r), der oder die im öffentlichen Straßenverkehr ein führerscheinpflichtiges Vehikel steuert, das EU-Dokument beantragt haben. Damit nicht alle auf den letzten Drücker kommen, wird der Wechselmarathon zum Staffellauf mit Jahresfristen. Als erste sind die Geburtsjahrgänge 1953 bis 1958 dran, die ihren „Pappendeckel“ bis zum 19. Januar 2022 persönlich umtauschen müssen.
Dass der Termin in eine Corona-Hochphase fällt, die Ämter und Behörden sowieso aufs Äußerste strapaziert, war bei der langfristigen Planung natürlich nicht zu ahnen. Vielerorts wird eine Überlastung der zuständigen Stellen gemeldet.
Auch bei der Führerscheinstelle im Esslinger Landratsamt sowie in den drei Außenstellen in Nürtingen, Bernhausen und Kirchheim verzeichne man „aufgrund des Pflichtumtausches ein erhöhtes Publikumsaufkommen“, sagt auf Anfrage Landkreis-Sprecher Wolf-Dieter Roser. Es gebe aber noch Online-Termine bis zum Stichtag 19. Januar. Roser empfiehlt eine Anmeldung, es sei aber auch möglich, bei der Führerscheinstelle ohne Terminvereinbarung vorzusprechen. Die Wartezeit ohne Anmeldung betrage derzeit im Schnitt rund 20 Minuten.
Man kann den Antrag auch über das Bürgermeisteramt des jeweiligen Wohnorts stellen. Dabei spart man Weg, sollte laut Roser aber unbedingt einen Termin vereinbaren. In diesem Fall muss der neue EU-Führerschein drei bis vier Wochen nach Beantragung bei der Führerscheinstelle abgeholt werden. Sonst wird er innerhalb desselben Zeitraums per Post zugeschickt. Auch erhält man bei den Führerscheinstellen für die Zwischenzeit einen nur im Inland gültigen vorläufigen Führerschein, da der alte sofort zur Entwertung gestanzt wird. Wer will, kann ihn mit nach Hause nehmen und einrahmen.
Wohlgemerkt: Die aktuelle und die weiteren Fristen bis 2025 (Stichtag ist jeweils der 19. Januar) gelten tatsächlich nur für Inhaber von Papierführerscheinen – inklusive jenen, die noch in der DDR ausgestellt wurden. 2023 sind die Jahrgänge 1959 bis 1964 dran und so weiter bis 2025 (Jahrgänge 1971 und später). Vor 1953 geborene Fahrerinnen und Fahrer sind erst bei der allerletzten Tranche dabei, ihre Frist endet am 19. Januar 2033.
Bei den von 1999 bis 2013 ausgegebenen Kartenführerscheinen richten sich die Fristen nicht mehr nach dem Geburtsdatum des Inhabers oder der Inhaberin, sondern nach dem Ausstellungsjahr, angefangen mit 1999 bis 2001 in der ersten Umtauschphase, die am 19. Januar 2026 endet.
Im Prinzip ist es möglich, seinen Führerschein bereits umzutauschen, wenn man noch nicht an der Reihe ist. Julian Häußler, Pressesprecher des ADAC Württemberg, rät jedoch davon ab, ebenso Landkreis-Sprecher Roser: Der Gesetzgeber habe nicht ohne Grund eine Staffelung beschlossen, erschwerend komme Corona hinzu. Und: Das neue Führerschein-Dokument – nicht die Fahrerlaubnis selbst – gilt im Unterschied zum alten nur 15 Jahre. Wer früher tauscht, muss früher wieder tauschen.
Und wer gar nicht fristgerecht tauscht, muss pro Kontrolle zehn Euro Strafe zahlen – relativ moderat, denn er fährt ja nicht ohne Fahrerlaubnis, nur ohne gültigen Führerschein. Zudem setzt der deutsche Staat angesichts der Überlastung vieler Führerscheinstellen die Geldbuße bis zum 19. Juli 2022 aus. Häußler warnt aber: „Bei Fahrten ins Ausland könnte es Probleme geben.“ Ist die Umtauschaktion aus Sicht des ADAC überhaupt den ganzen Aufwand wert? Häußler: „Ja. Wir halten die Fälschungssicherheit und Einheitlichkeit für notwendig.“

mez / dpa/Norbert Försterling


Beharren auf neutraler Position

Die Debatte um die geplante Abflugroutenänderung wollen Lärmschutzbeauftragter und Flugsicherung nicht begleiten

Mehr Transparenz beim Entscheidungsprozess zur geplanten Flugroutenänderung am Stuttgarter Flughafen fordern die künftig wohl stärker betroffenen Kommunen Neuhausen, Köngen, Wolfschlugen und Nürtingen. Fast 10 000 Bürgerinnen und Bürger haben eine Online-Petition gegen die Pläne unterzeichnet. Mehr als 15 000 Unterschriften haben Gegner der Route der Lärmschutzbeauftragten der Landesregierung, Elke Zimmer, überreicht. Im März wird die Fluglärmkommission wohl entscheiden. Wird die neue Abflugroute Richtung Osten genehmigt, soll es einen Testbetrieb geben.
Im Krisengipfel mit den Vertretern der Fluglärmkommission hatten Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Verkehrsminister Winfried Hermann eine bessere Kommunikation in Aussicht gestellt. Die neue Abflugroute soll vom Flughafen zunächst nach Süden führen und ist nach dem Luftfahrt-Wegpunkt TEDGO benannt, an dem sie endet. Allerdings läuft das Verfahren nun zunächst wieder nichtöffentlich weiter. Die Debatte schwelt, die Fronten bleiben verhärtet.
Derzeit beschäftigt sich ein Arbeitskreis mit der Machbarkeit eines Lärmgutachtens, das die Situation auf den Fildern wie auch im Neckartal in den Blick nehmen soll. Eingebunden sind auch Vertreter der künftig stärker betroffenen Kommunen. Auf Basis dieser Expertise soll die Fluglärmkommission dann beschließen. Die neue Arbeitsgruppe hat offenbar erstmals am 6. Dezember getagt. An die Öffentlichkeit ist noch nichts gedrungen. Das ärgert Rolf Keck, den Sprecher der Initiativen gegen die Route: „Jeder Straßenbau muss planfestgestellt und mit der Bevölkerung ergebnisoffen diskutiert werden. Eine Flugroute anscheinend nicht.“
Für Kritik in der Debatte hatte gesorgt, dass die Piloten Valentin Reinhardt von der Lufthansa und Oliver Hasenbein von Eurowings die neue Route nicht nur ausgearbeitet haben. Sie stellten die Pläne auch in den Gemeinderäten der Kommunen vor. Viele vermissten eine neutrale Stimme, etwa von einem Vertreter der Deutschen Flugsicherung (DFS) oder von Stefan Köhler, dem vom Regierungspräsidium (RP) beauftragten Lärmschutzbeauftragten für den Flughafen Stuttgart.
Köhlers Rolle sieht das RP allerdings anders. „Der Lärmschutzbeauftragte hat in den Sitzungen der Fluglärmkommission eine beratende Funktion“, erläutert Stefanie Paprotka, Pressesprecherin des RP. Der Lärmschutzbeauftragte könne insbesondere Vorschläge zur Lärmminderung im Benehmen mit der DFS und der Flughafen Stuttgart GmbH erarbeiten. Bei der Änderung eines Flugverfahrens ist nach Paprotkas Worten Folgendes entscheidend: „Flugverfahren werden durch die DFS geplant und vom Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung durch Rechtsverordnung festgelegt.“ Der Lärmschutzbeauftragte nehme in beratender Funktion als Gast an den Sitzungen der Fluglärmkommission teil. Den Prozess der Meinungsbildung in Gemeinderäten zu begleiten, sei nicht Köhlers Aufgabe. Die Teilnahme des Lärmschutzbeauftragten an Gemeinderatssitzungen zu anderen Themen stuft Paprotka hingegen als „sehr sinnvoll“ ein.
Die Aufgaben der DFS liegen nach den Worten der Sprecherin Kristina Kelek nicht in der Kommunikation vor Ort: „Die DFS ist für die Flugverfahrensplanung verantwortlich, und das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung prüft die vorgelegten Routenvarianten genau.“ Bei Abflugverfahren stehe trotz höchster Lärmschutzanforderungen die Sicherheit an erster Stelle. Die harsche Kritik von Seiten etlicher Kommunalpolitiker, dass die neue Flugroute in den Gemeinderäten von Vertretern der Fluggesellschaften und nicht von unabhängiger Seite vorgestellt wurde, kontert Kelek: An solchen Gemeinderatssitzungen teilzunehmen, widerspreche vom Grundsatz her dem Neutralitätsprinzip der DFS.

eli / Foto: Horst Rudel