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Sparen mit der Maus in der Hand

Der Esslinger Kreisdiakonieverband ersetzt mit neuem Internetportal das „Handbuch für den schmalen Geldbeutel“

Das Rezept für „Arme Ritter“, die Geschenktipps und die Bastelideen haben ausgedient – und mit ihnen die schon mehr als zehn Jahre alte Broschüre „Handbuch für den schmalen Geldbeutel“. Der Wegweiser des Kreisdiakonieverbands (KDV) im Kreis Esslingen für Menschen, die in diesen Zeiten mehr denn je jeden Cent umdrehen müssen, ist ins Internet umgezogen.
„Das Thema Armut ist immer noch schambesetzt. Viele Betroffene scheuen den Gang in die Beratungsstellen. Auf unserer neuen Seite haben wir deshalb alle Informationen leicht verständlich aufbereitet“, erklärt die Sozialarbeiterin Sarah Kindt-Matausch, die den Internetauftritt gemeinsam mit Reinhard Eberst, dem Leiter der Diakonischen Bezirksstelle Kirchheim, entwickelt und diesen Mitte Dezember vorgestellt hat.
Die Seite bietet Menschen mit schmalem Geldbeutel einen niederschwelligen Zugang zu allen für sie wichtigen Themen. Durch ein leicht zu bedienendes Menü gelangt man mit wenigen Mausklicks zu den Antworten auf viele existenzielle Fragen: Welche Sozialleistungen stehen mir zu? Wo kann ich sie beantragen? Welche preiswerten Einkaufsmöglichkeiten gibt es in meiner Nähe? Welche Vergünstigungen kann ich bei Kultur-, Bildungs- und Freizeitangeboten in Anspruch nehmen oder wo finde ich Beratung und Hilfe?
Nicht nur der leichte Zugang, sondern auch die Möglichkeit der ständigen Aktualisierung macht das Internet in diesem Fall zum überlegenen Medium. So verweist der digitale Wegweiser in der Rubrik „Gesundheit“ auf die Möglichkeiten für Corona-Impfungen im Kreis. „Wir haben auch Querverweise integriert, die direkt auf die zuständigen Stellen im Landratsamt, in den Jobcentern, aber auch auf hilfreiche Broschüren verweisen“, sagt Reinhard Eberst. Damit könnten auch Online-Formulare direkt abgerufen werden.
Wie das Handbuch genutzt werden kann, wird am Beispiel „Freizeitangebote“ deutlich. Ausgehend von der Tatsache, dass Kinder und Jugendliche aus einkommensarmen Familien nur schwer einen Zugang zu Vereinen, Kursen und Ferienfreizeiten finden, gibt die Seite einen Überblick über die aktuellen Angebote. Über eine Verlinkung können die auch gleich online gebucht werden. Weil es laut Eberst nicht nur darum geht, die Ausgaben zu verringern, sondern auch das Einkommen zu verbessern, erfahren Nutzer unter dem Menüpunkt „Job Café“, wo sie Hilfe bei Bewerbungen erhalten.
Auch wenn es darum geht, Recht zu bekommen, hilft die Internetseite weiter. Unter dem entsprechenden Menüpunkt wird gezielt aufgezeigt, wo es Unterstützung etwa in Form von kostenloser Rechtsberatung oder Prozesskostenhilfe gibt.
Anders als das über zehn Jahre hinweg unverändert gebliebene Handbuch soll sich der Internetauftritt ständig weiterentwickeln – auch mit Hilfe der Betroffenen. „Arme Menschen sind, weil ihnen gar nichts anderes übrig bleibt, oft genug Experten in eigener Sache“, sagt Reinhard Eberst. Für ergänzende Informationen haben er und Sarah Kindt-Matausch immer ein offenes Ohr. An „Kundschaft“, die auf das Angebot angewiesen sein könnte, dürfte es nicht mangeln. Die Ausgaben für den Lebensunterhalt steigen – und damit auch die Zahl der Hilfesuchenden.
Eberhard Haußmann, der Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands Esslingen, kann die Entwicklung an der täglich wachsenden Schlange vor den Tafelläden der Diakonie ablesen. Er weiß, dass die neue Seite auch nicht mehr sein kann, als ein Tropfen auf dem heißen Stein. „Durch die Seite werden die 426 Euro, die einem Hartz-IV-Empfänger zustehen, auch nicht mehr“, sagt er und erneuert die Forderung der Sozialverbände nach einem Bürgergeld in Höhe von mindestens 600 Euro. 
Info: Die Seite ist im Internet zu finden unter dem Link www.hilfreich-es.de

adt / Foto: Horst Rudel


„Es gibt nur einen Heimatverein“

Vom HSV zur HSG: Handballer Manuel Späth kehrt nach dem Ende seiner langen Profi-Karriere nach Ostfildern zurück

Es sei ein „schwerer Schlag“ titelte das Hamburger Abendblatt Mitte Dezember, nachdem Manuel Späth bekannt gegeben hatte, dass er am Ende der Saison seine Profi-Karriere beim HSV Hamburg beenden wird. Der Handball-Bundesligist wollte den Vertrag des 36-jährigen Kreisläufers unbedingt verlängern. Für Späth aber ist die Zeit gekommen. Er möchte in die zweite berufliche Karriere starten. Und er möchte, dass seine Töchter Nora und Dahlia daheim in Esslingen eingeschult werden. Zudem endet in einem Jahr die Elternzeit seiner Frau Vanessa. Handball aber will er weiter spielen – und das wird er dort tun, wo er als Kind begonnen hatte: bei der HSG Ostfildern. Es ist eine Entscheidung voller Konsequenz für den bodenständigen, heimatverbundenen Familienmenschen Späth. Und ein Coup für die HSG.
Späths erster Spielerpass trägt das Datum 29. September 1990. Und den Stempel des TB Ruit. Der Verein ist einer der beiden Teile der Handball-Spielgemeinschaft mit dem TSV Scharnhausen, die zurzeit in der Verbandsliga an der Tabellenspitze steht. „Es ist ein schöner Gedanke, wieder dort zu spielen, wo ich mit Handball begonnen habe“, sagt Späth mehr als 31 Jahre später. Er hätte auch zu den höherklassigeren TSV Neuhausen oder TV Plochingen wechseln können – oder zu fast jedem ambitionierten Amateurverein im Umkreis. Letzten Endes seien für ihn nur Neuhausen oder Ostfildern in Frage gekommen, sagt Späth. Zu beiden Clubs hat er eine enge emotionale Bindung. „Es gibt nur einen Heimatverein“, begründet er, warum er bei der HSG einen Zweijahresvertrag unterschrieb. Zudem sei es das passende sportliche Niveau, denn der geringere Aufwand gegenüber der Bundesliga soll schon spürbar sein.
Die Neuhausener unterstützt Späth insofern, als er zu seiner bereits bestehenden Schirmherrschaft auch die Rolle des Leistungssportkoordinators für die A-Jugend der JANO Filder, der Jugendspielgemeinschaft aus Neuhausen und Ostfildern, übernehmen wird. Auch wird er die eine oder andere Trainingseinheit der Jugend leiten.
Im Verbandsliga-, oder wenn es mit dem Aufstieg klappt im Württembergligateam, möchte er sich aber ganz auf seine Rolle als Spieler konzentrieren. Nebenbei wird er die Trainer-C- und -B-Lizenz ablegen. Eine Aufgabe als Chefcoach einer Mannschaft kann er sich erst nach seiner aktiven Zeit vorstellen.
Bei der HSG sind sie natürlich glücklich über den prominenten Zugang. „Für das Gesamtprojekt machen wir den nächsten Schritt, da wird uns Manu sportlich, menschlich und fachlich weiterhelfen. Gerade für unsere Jugend erwarten wir einen Booster von ihm“, erklärt der sportliche Leiter Magnus Gründig. „Ich sehe solche Transfers, einen Spieler aus der Bundesliga zu holen, in der Regel als riskant an. Ich bin aber guter Dinge, weil es der Manu ist.“
Für Trainer Marco Gassmann ist es eine besondere Situation, immerhin ist er zehn Jahre jünger als der mit allen Handballwassern gewaschene Späth. Aber es herrscht bei ihm die pure Freude. „Es ist eine riesen Sache – mega, eine runde Geschichte“, jubelt Gassmann. Sorgen um die Eingewöhnung macht sich der Coach nicht. „In der Defensive kann er sich sofort einbringen, weil er seit Jahren einer der besten deutschen Abwehrspieler ist. Ich glaube, dass er sich auch im Angriff schnell integrieren wird“, sagt er.
„Ich bin immer noch ehrgeizig. Mir war wichtig, zu einem Verein zu gehen, bei dem ein Leistungsgedanke dahinter steht. Das ist in Ostfildern so, natürlich auf einem anderen Niveau“, sagt Späth. Dass ihn die Gegenspieler mit besonderer Härte entgegentreten werden, fürchtet er nicht: „Viel härter als in der Bundesliga kann es da am Kreis nicht zugehen.“
In Manuel Späths Leben gab und gibt es viele Konstanten. Elf Jahre lang war er bei Frisch Auf Göppingen, drei beim TVB Stuttgart. Erst in den vergangenen zwei Jahren genoss er es, in Porto und Hamburg die Welt kennenzulernen. Dass sie ihn beim HSV ungern gehen lassen wollen, freut ihn und bestätigt ihn zugleich in seiner Entscheidung: „Ich wollte meine Karriere in einer guten Zeit beenden.“ Währenddessen nimmt er sich bis zum Sommer Zeit, auch seine berufliche Karriere in neue Bahnen zu lenken. Das Studium des internationalen Managements ist längst abgeschlossen, Kontakte sind geknüpft. „Es gibt ein bis zwei Optionen“, sagt er.

sip / Foto: Jens Wild


„Hirsch“ soll Wohnungen weichen

An der Kirchheimer Straße in Hochdorf will ein Investor zwei Neubauten mit bis zu 20 Wohneinheiten bauen

In Hochdorf zeugen noch einige alte Gebäude von der Historie des Ortes, viele davon sind denkmalgeschützt. An manch einer Stelle musste die Ortshistorie aber Neubauten weichen. Mit dieser Thematik beschäftigt sich der Gemeinderat nun in Hinblick auf das Gebäudeensemble in der Kirchheimer Straße 44 bis 48, direkt an der Hauptstraße schräg gegenüber dem Rathaus gelegen. Wo früher unter anderem die Metzgerei Schippert und das Gasthaus zum Hirsch für ihre Kunden und Gäste da waren, plant das Bauunternehmen Hartmut Fischer Planbau aus Deizisau die Gebäude abzureißen und zwei Mehrfamilienhäuser zu bauen. Je zwei Vollgeschosse sowie ein Dachgeschoss samt Kniestock als weiteres Vollgeschoss mit insgesamt rund 20 Wohneinheiten, Gauben, einer Tiefgarage und Stellplätzen entlang der Kirchheimer Straße stehen zur Debatte.
In der letzten Sitzung des vergangenen Jahres hat sich der Gemeinderat mit der Bauvoranfrage zu diesem Projekt beschäftigt. „Es geht aktuell zunächst einmal um das Grundsätzliche, darum, ob hier ein Abriss und Neubau denkbar wären. Das ist im aktuellen Stadium noch kein Bauantrag“, betonte der Bürgermeister Gerhard Kuttler. Die Verwaltung plädiere dafür, in diesem Zusammenhang das kommunale Einvernehmen in Aussicht zu stellen. Zudem könnte die Gemeinde im Falle der Umsetzung die Flächen erwerben, die für den schon lange auf der Wunschliste stehenden Kreisverkehr an der Rathauskreuzung nötig wären. Für diesen fehlt allerdings bis heute die Zustimmung der übergeordneten Straßenverkehrsbehörde.
Ende November hatte sich ein Experte die Gebäude angesehen und aufgrund deren Lage direkt an der Gehweghinterkante eine Sanierung ausgeschlossen. Die Stadtentwicklungsgesellschaft STEG sieht das genauso. Mehrheitlich – mit Ausnahme der SPD-Fraktion und Birgit Wiesenhütter (Die Mitte) – folgte der Gemeinderat dem Beschlussvorschlag der Verwaltung. Bereits im Jahr 2016 wurde im Gemeinderat über eine Neubebauung auf dem Areal diskutiert. Das Stuttgarter Planungsbüro Schreiberplan hatte damals zwei denkbare Varianten vorgestellt – eine mit einer intensiveren Nutzung des Grundstücks, die zweite etwas abgespeckt. Für beide gab es damals grundsätzlich grünes Licht.
Die nun vorgelegte Bauvoranfrage orientiert sich an der Variante mit einer weniger intensiven Nutzung des Grundstücks und einer weniger massiv wirkenden Bebauung, die von der Kirchheimer Straße etwas nach hinten versetzt vorgesehen ist. Dass an der Stelle grundsätzlich etwas passieren müsse, darüber waren sich alle im Gremium einig. So handle es sich zwar um ein historisches Gebäudeensemble, das aber recht heruntergekommen sei.
An der ein oder anderen Stelle der Bauvoranfrage gibt es noch Klärungsbedarf. Zwei mehrfach angesprochene Punkte betreffen die Verkehrssituation und die direkt an der viel befahrenen Kirchheimer Straße angedachten Stellplätze. Eine ähnliche Problematik ist von der Ortsdurchfahrt bei den zentral gelegenen Geschäften bekannt. Der Unterschied: Dort müssen die Kunden auf eine Hauptstraße mit geltendem Tempo 50 rückwärts einfahren, in der Kirchheimer Straße gilt dagegen bereits Tempo 30. Kritisch angemerkt wurde auch die wegen eines schmalen Fußwegs erschwerte Erreichbarkeit des zweiten, weiter hinten gelegenen Gebäudes, gerade auch was Rettungskräfte angeht.
Die SPD möchte, dass die Gemeindeverwaltung sich beraten lässt, inwieweit für Hochdorf der Erlass einer oder mehrerer Erhaltungs- oder Gestaltungssatzungen denkbar wäre. Ziel sei es, das Mitbestimmungsrecht der Gemeinde bei der städtebaulichen Entwicklung und dem Erhalt des dörflichen Charakters zu stärken. Immer wieder sei der Gemeinderat mit Planungen konfrontiert, die dem nicht gerecht würden, da viele Bauträger die Grundstücke „mit allen Möglichkeiten des Baurechts ausmosten“, sagte Karsten Rößler (SPD). So verschwinde immer mehr ortsbildprägende alte Bausubstanz.

eis / Foto: Katja Eisenhardt