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Angesichts steigender Preise hat der Bund auch Neun-Euro-ÖPNV-Tickets für drei Monate beschlossen. Nun werden Forderungen laut, das Monatsticket kostenlos auszugeben. Soll das Gratis-Ticket kommen?

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Gratis-Ticket für ÖPNV?

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Frühlingserwachen in den Städten

Verkaufsoffene Sonntage am 3. April in Esslingen, Nürtingen, Kirchheim und Plochingen

Am Wochenende 2./3. April gibt es vielerorts Märkte, Feste und verkaufsoffene Sonntage, auch Esslingen, Nürtingen, Kirchheim und Plochingen locken mit besonderen Aktionen und Möglichkeiten des sonntäglichen Einkaufs.

Esslingen
Der Lenz lässt nicht nur die Natur aufblühen, am Wochenende hält er mit dem „Esslinger Frühling“ auch Einzug in die Stadt. Am 2. und 3. April ist mit den Gartentagen, dem Entenrennen, der Mobilitätsschau, dem Spieleparadies und dem verkaufsoffenen Sonntag viel geboten. Die Altstadt erblüht regelrecht.
Die Gartentage laden samstags und sonntags jeweils ab 11 Uhr zum Besuch Esslingens ein. Gartenbetriebe aus der Region und darüber hinaus zeigen Trends, geben Tipps und laden zum entspannten Bummel ein. Auch werden Kunst und Handwerk, Antiquitäten und Osterdekoration präsentiert. Die Stände sind laut Mitteilung des Stadtmarketings über die gesamte Innenstadt verteilt.
Völlig unbeschwert lassen sich diese Tage nicht genießen, das Leid des Kriegs in der Ukraine lässt niemanden unberührt. Die Welle der Hilfsbereitschaft macht auch vor dem „Esslinger Frühling“ nicht halt. Am Postmichelbrunnen werden zugunsten eines Hospitals in Lwiw 1000 blaue und gelbe Frühjahrsblumen verkauft. Zudem gibt es gegen eine Spende Herz-Aufkleber und Blumenkisten.
Auf dem Marktplatz findet sonntags eine Mobilitätsschau statt, mehrere Autohäuser präsentieren Fahrzeuge. Auch Motorräder sind zu sehen, ebenso Fahrräder, E-Bikes und Dreiräder. Organisationen und Vereine präsentieren zudem ihre Ideen und Konzepte für eine menschen-, stadt- und klimafreundliche Mobilität; es geht dabei um Carsharing, Lastenräder, Radwegeplanung und Fußverkehrschecks.
Am verkaufsoffenen Sonntag (3. April) haben die Geschäfte in Esslingen von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Die Händler und Dienstleister haben sich etliche Aktionen einfallen lassen, darunter das Spieleparadies am Hafenmarkt, Modenschauen, Vorführungen und Live-Musik. Natürlich gibt es auch kulinarische Leckerbissen. Im „ES“ haben Kindergärten eine Ostereier-Ausstellung zusammengestellt, am Bahnhofsplatz dreht sich ein Karussell. Zudem startet Round Table Esslingen am 3. April um 12 Uhr wieder ein Entenrennen, tausende gelbe Quietsche-Enten werden von der Maille bis zur Agnesbrücke schwimmen und Spenden sammeln. Enten-Lose gibt es in verschiedenen Geschäften, bei der Stadtinformation und am Samstag in der Fußgängerzone zu kaufen.

Nürtingen
In Nürtingen bildet der Osternestlesmarkt den Anlass zum sonntäglichen Einkaufen am 3. April. Melanie Wägner, die Geschäftsführerin des Citymarketings, freut sich auf Leben in der Stadt: „So kann Nürtingen am besten zeigen, wieso sich ein Besuch bei uns das ganze Jahr über lohnt“.
„So fühlt sich Frühling an“, sagt Frank Schweizer, Vorsitzender des Citymarketings Nürtingen. Der Shopping-Sonntag soll der Saisonauftakt nach all den Einschränkungen der vergangenen Monate sein. Frank Schweizer hat es bildlich vor sich: „Die Menschen genießen das bunte Treiben und die vielen Frühlingsblumen, flanieren in der österlich geschmückten Stadt und genießen einen perfekten Frühlingstag.“ Die Ladentüren sind von 13 bis 18 Uhr geöffnet, ein attraktives Rahmenprogramm sorgt in der ganzen Innenstadt für eine fröhlich bunte Atmosphäre. Die Stände des Osternestlesmarkts werden ihren angestammten Platz rund um das Hölderlinhaus, das derzeit Baustelle ist, verlassen und sich mit dem notwendigen Abstand in den Altstadtgassen verteilen.
Auf dem Osternestlesmarkt gibt es ab 11 Uhr viel zu entdecken. Reich verziertes Kunsthandwerk, bemalte Ostereier, Osterdekorationen und Selbstgebasteltes: Österlich dekorierte Gassen laden zum Verweilen ein. Mit Essen und Getränken an verschiedenen Ständen können sich die Bummler stärken.
Für die Kinder haben die Einzelhändler des Nürtinger Citymarketings wieder ein Karussell und eine Kindereisenbahn in der Innenstadt organisiert. Es gibt eine Osterbastelaktion für Kinder, auch werden Luftballons verteilt.
Verschiedene Geschäfte bieten Wein- und andere Verkostungen an. Besucher der Stadtbücherei Nürtingen in der Marktstraße 7 winkt ein Schnupperausweis für ein dreimonatiges kostenloses Ausleihen. Ab 11 Uhr ist Kinderbuchautor Martin Klein zu Gast.
Die Alte Seegrasspinnerei in der Plochinger Straße 14 mit dem Pächter Trägerverein Freies Kinderhaus nutzt den 3. April zu einem Tag der offenen Tür. Alle Abteilungen des Trägervereins Freies Kinderhaus stellen sich vor – von der Kinderbetreuung und Jugendberufshilfe bis zur psychosozialen Beratung für Geflüchtete. Ein Blick lohnt sich auch auf die neue Nachbarin der Seegrasspinnerei, der Bodelschwigh-Schule, die ebenfalls ein zeitlich begrenztes Angebot macht. Das Programm auf der Bühne und im Innnenhof, auf dem Hartplatz und in der Kinder-Kultur-Werkstatt soll zum Mitmachen einladen. Ab 16 Uhr wird Clown Klikusch auftreten.

Kirchheim
Der traditionelle Märzenmarkt mit Vergnügungspark und verkaufsoffenem Sonntag findet in Kirchheim in diesem Jahr vom 1. bis einschließlich 4. April statt. 
Das Märzenmarkt-Wochenende startet am Freitag, 1. April, mit dem Vergnügungspark auf dem Ziegelwasen. Neben den Rundfahrgeschäften „Disco Fieber“ und „Music Shop“ sorgen auch eine Geisterbahn und andere Fahrgeschäfte und Attraktionen für Spaß und Nervenkitzel bei den Gästen. „Star Flyer“, das 80 Meter hohe Kettenkarussell, bekannt vom Cannstatter Wasen, ist zum ersten Mal in Kirchheim zu erleben. Imbiss- und Süßwarenständen runden das Angebot ab.
Am Montag, 4. April, kommt ein Stück Tradition zurück in die Stadt: Von 8 bis 18 Uhr wird der Krämermarkt in der Kirchheimer Innenstadt abgehalten. Am Marktbrunnen und auf dem Marktplatz bieten verschiedene Händler eine abwechslungsreiche Produktpalette an: Vom Allesschneider für den Haushalt über Herren- und Damenbekleidung bis hin zu allerlei Kuriosem gibt es viel zu entdecken.
Passend zum Angebot des Märzenmarktes erwartet die Besucherinnen und Besucher auch kulinarische Qualität: zum Beispiel frisch gebrannte Mandeln, verschiedene Grillwürste, Flammkuchen und Crêpes. Die Wochenmarkthändler runden mit frischem Obst und Gemüse aus teilweise biologischem Anbau, vielerlei Käse, mediterranen Spezialitäten sowie Blumengestecken und Arrangements das umfangreiche Angebot ab. Den Abschluss bildet das große Feuerwerk am Montagabend, 4. April.
Für den ersten verkaufsoffenen Sonntag in diesem Jahr öffnen die Geschäfte in der Kirchheimer Kernstadt und in den Ortsteilen am Sonntag, 3. April, von 12.30 bis 17.30 Uhr ihre Türen. Für die Organisation des Shopping-Sonntags engagieren sich die Kirchheimer Einzelhändler des City Rings. Sie sorgen dafür, dass es neben den aktuellen Modekollektionen für das Frühjahr und den Sommer allerlei Neues zu entdecken und probieren gibt.
„Uns liegt der gute Ruf Kirchheims als Einkaufsstadt mit hervorragendem Service in den Einzelhandelsgeschäften sehr am Herzen. Der verkaufsoffene Sonntag und die anderen Veranstaltungen des City Rings im Jahr sind ausgezeichnete Möglichkeiten, dies unseren Kunden immer wieder zu bestätigen“, erklärt Karl-Michael Bantlin, der Vorsitzender des City Rings.
Im Rahmen der Aktion „Kostenloses Stadtticket“ ist am 3. April in Kirchheim die Nutzung von Bus und Bahn auch ohne Ticket möglich. Dies gilt für Kirchheim inklusive der Ortsteile Jesingen, Lindorf, Nabern und Ötlingen sowie für Dettingen. 

Plochingen
Den Frühling fühlen, gleichzeitig nach Herzenslust bummeln, und dann auch noch Gemeinschaft genießen: Was in Lockdown- und Corona-Zeiten in dieser Kombination kaum möglich war, lässt die Herzen nun wieder höher schlagen. Auch am Neckarknie: Am Sonntag, 3. April, findet der Plochinger Frühling statt – mit verkaufsoffenem Sonntag, Ostermarkt und abwechslungsreichem Programm.
Von 13 bis 18 Uhr am Sonntag öffnen die Plochinger Einzelhändler und Gewerbetreibenden (nicht nur) im Stadtzentrum ihre Türen, vielerorts sind besondere Aktionen vorgesehen. Die ganze Stadt läute gemeinsam den Frühling ein, heißt es in einer Pressemitteilung des Plochinger Stadtmarketings. Von der Fabrikstraße bis zum Marktplatz, im Kulturpark Dettinger, auch auf dem Teckplatz auf dem Stumpenhof wird vieles geboten.
Auf dem Marktplatz und in der Marktstraße präsentieren Kunsthandwerker, Vereine und Kindergärten österliche Dekorationen. Die Landfrauen haben den Osterbrunnen in der Mitte des Marktplatzes mit viel Engagement geschmückt. Auch kulinarisch wird einiges geboten. An der Ottilienkapelle gibt es wie gewohnt ein „Schauschmieden“. Weitere Attraktionen für Kinder sind ein Karussell und Sportaktionen in der Marktstraße sowie der Osterhase, der vor der Plochingen-Info in der Marktstraße kleine Leckereien verteilt.
Weiter unten in der Marktstraße und am Fischbrunnen finden die Besucherinnen und Besucher Infostände und weitere Attraktionen. So gibt es etwa eine Autoschau zu bestaunen, Tanzeinlagen (14, 15 und 16 Uhr) werden als „mitreißend“ angekündigt. Das „Kreissparkassenzügle“ verbindet wieder die Attraktionen in der Fabrikstraße mit der Innenstadt. So könne man bequem dort parken und mit dem „Zügle“ in die Stadtmitte fahren, heißt es in der Mitteilung. Ein Besuch lohnt sich auch im Kulturpark Dettinger. Dort erfreuen die Harmonikafreunde Plochingen mit Musik und Bewirtung.

Nachdem am 2. April in Baden-Württemberg die Corona-Übergangsregelungen auslaufen, treten am 3. April die Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes in Kraft – mit entsprechenden Freiheiten. Und doch ist es angeraten, zum Nächsten ausreichend Abstand zu wahren und auch eine Maske zu tragen.

hin/bob / Foto: Roberto Bulgrin


Eine Saison voller Genüsse

Am 3. April öffnet das Freilichtmuseum Beuren seine Türen – Umfangreiches Programm bis Anfang November

Am Sonntag, 3. April, öffnet das Freilichtmuseum Beuren, das Museum des Landkreises Esslingen für ländliche Kultur, wieder seine Türen. Trotz nach wie vor hoher Inzidenzzahlen steht einer Eröffnung nichts im Weg. Zum 2. April laufen in Baden-Württemberg die Corona-Übergangsregeln aus, die beim Museumsbesuch 3G vorgeben. Am 3. April tritt das Infektionsschutzgesetz in Kraft – mit entsprechenden Freiheiten. Landrat Heinz Eininger verwies bei der Vorstellung des Programms Mitte März darauf, dass es in Beuren bei elf Hektar Museumsfläche auf jeden Fall genügend Platz gebe, um Abstandsregeln einhalten zu können.
„Wir gehen mit einem attraktiven Angebot an den Start, das Bewährtes weiterentwickelt und Neues aufnimmt“, betont Eininger. „Das Museumsteam hat in den zurückliegenden Monaten intensiv gearbeitet, um in der Saison 2022 spannende Themen zu präsentieren, die nicht beim musealen Blick in die Geschichte verharren, sondern wichtige Fragen der Gegenwart aufgreifen und Impulse für die Zukunft setzen.“ Und der Landrat hat eine weitere gute Nachricht: „Die Eintrittspreise bleiben stabil.“

75 000 Gäste in normalen Zeiten
Museumsleiterin Steffi Cornelius und ihr Team hoffen auf ein Stück Normalität – nach zwei Jahren mit pandemiebedingt eingeschränktem Betrieb und reduziertem Programm. 2020 und 2021 hatte das Museumsdorf nur jeweils fünf Monate öffnen dürfen, in denen jeweils 30 000 Besucher begrüßt wurden. Das sind laut Eininger deutlich weniger als sonst, um die 75 000 Gäste pro Saison seien im Freilichtmuseum Beuren üblich.
In diesem Jahr wollen die Museumsmacher „wieder richtig durchstarten“, kündigt Cornelius an. Das dünne Faltblatt, in einer Auflage von 50 000 Stück gedruckt, würde täuschen – es gebe ein sehr umfangreiches Programm mit weit über 100 Aktionen. „Wir haben uns jedoch bewusst gegen die übliche 36-seitige Veranstaltungsbroschüre entschieden“, erläutert die Museumschefin. In Pandemiezeiten habe man gute Erfahrungen damit gemacht, dass sich sehr viele Menschen im Internet informieren. Und so sei nun auf der Homepage des Freilichtmuseums das komplette Programmangebot aufgeführt, darüber hinaus gebe es dort themenorientierte Hintergrundinformationen für die gesamte Saison.

Zahlreiche Kooperationspartner
Doch so gut die digitale Wissensvermittlung auch sei, ein Museumsbesuch vor Ort sei doch etwas anderes als im Netz, davon sind Cornelius und Eininger überzeugt. „Uns ist der persönliche Kontakt wichtig.“ Das Freilichtmuseum bietet daher eine Reihe von Führungen für Gruppen und Familien an, es gibt Sonderausstellungen in einzelnen Häusern, exklusive Blicke hinter die Kulissen und auch wieder die beliebten Tierfütterungen. Das Tante-Helene-Lädle ist geöffnet, Besucher können Handwerkern über die Schulter schauen und die kurzen Inszenierungen in der neuen Reihe „Gespielte Geschichte“ laden zu einer Zeitreise ein. „Hier ist immer etwas los“, sagt Cornelius stolz. „Es wird sechs Tage die Woche Programm geben.“
Möglich wird dies vor allem durch die Arbeit des Fördervereins Freilichtmuseum Beuren und seiner zehn ehrenamtlichen Teams. Aber auch dank zahlreicher Kooperationspartner, „die uns trotz der beiden schwierigen Corona-Jahre die Treue gehalten haben“, fügt Eininger hinzu. So unterstützt die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen laut ihrem Vorstandsvorsitzenden Burkhard Wittmacher das Museum im nunmehr 17. Jahr. „Wir haben insgesamt bereits 2,1 Millionen Euro gespendet.“
Thematisch dreht sich in diesem Jahr im Freilichtmuseum Beuren alles um die Ernährung. Die Ausstellung „Mahlzeit, Deutschland“ informiert rund um Herstellung, Haltbarmachung und Verzehr von Lebensmitteln. In der neuen Schauküche des „Erlebnis.Genuss.Zentrums“ – das kaum eingeweiht, coronabedingt bislang nicht genutzt werden konnte – sind Kochvorführungen geplant, zudem Vorträge, Erzählcafés und Mitmachaktionen.
Wieder ein Oldtimertreffen
Sechs Schwerpunktveranstaltungen werden stattfinden. Den Auftakt machen die Schäfertage mit Schäfermarkt (23./24. April). Beim „Garten.Genuss.Markt“ (15. Mai) dreht sich alles um alte Obst- und Gemüsesorten. Beim Oldtimertreffen (20. und 21. August) fahren Traktoren, Autos und Motorräder bis Baujahr 1969 vor. Das Aktionswochenende zum Tag des Handwerks (17./18. September) stellt moderne Handwerksberufe vor. Um Genuss mit regionalen Produkten geht es beim Markt „Arche des guten Geschmacks“ (25. September) und beim Mostfest (9. Oktober).

eh/hin / Foto: Ines Rudel


Reichenbach setzt auf Tempo 30

Gemeinderat will mit einem Lärmaktionsplan die Lebensqualität erhöhen – Neuer Kreisverkehr und Blitzer im Gespräch

Der Lärmaktionsplan für Reichenbach ist beschlossene Sache. Die Gemeinde hofft, auf dieser Basis Tempolimits und vielleicht auch einen weiteren Kreisverkehr genehmigt zu bekommen. Im vergangenen Jahr hatte der Gemeinderat bereits die Entwurfsfassung für den Lärmaktionsplan beschlossen. Inzwischen wurde diese öffentlich ausgelegt, Träger öffentlicher Belange haben sich geäußert, eine Informationsveranstaltung fand statt. Vor Kurzem fasste nun der Gemeinderat den Satzungsbeschluss, in der Hoffnung, dass der Plan kein „Papiertiger“ bleiben möge. Denn mit ihm sind noch keine Maßnahmen beschlossen – sie müssen zunächst beantragt, genehmigt und finanziert werden. Geht es um Straßen, die von weniger als drei Millionen Fahrzeugen im Jahr beziehungsweise 8200 Fahrzeugen pro Tag befahren werden, kann die Straßenverkehrsbehörde nach Ermessen entscheiden.
Das betrifft einen Teil der Maßnahmen, die in Reichenbach zur Debatte stehen. Mehr Verkehr hat zwar die B 10, dort wurden aber bereits ein lärmmindernder Belag aufgebracht und eine Lärmschutzwand installiert. Dennoch haben die Bürgermeister von Reichenbach, Plochingen und Ebersbach kürzlich gefordert, dass auf der Bundesstraße im Bereich ihrer Gemeinden nur noch mit Tempo 80 gefahren werden darf.
Auf mehr als 8200 Fahrzeuge täglich kommt außerdem die Ortsdurchfahrt Stuttgarter Straße. Auch Ulmer und Blumenstraße erreichen in einigen Abschnitten solche Zahlen. Insgesamt sind in Reichenbach mehrere Hundert Einwohner von Lärmpegeln betroffen, die als Gesundheitsrisiko gesehen werden.
Der Lärmaktionsplan schlägt auf verschiedenen Abschnitten der Stuttgarter und der Ulmer Straße sowie der Schiller- und der Blumenstraße ganztägig Tempo 30 vor. Aufsummiert geht es dabei um mehr als zwei Kilometer Strecke. Die Voraussetzungen für Tempo 30 seien zumindest auf einigen Streckenabschnitten gegeben, meinte Dominik Wörn vom beauftragten Büro BS Ingenieure. Mit dem Tempolimit erreiche man eine Lärmreduzierung um zwei bis drei Dezibel, so der Fachmann, das werde ähnlich empfunden wie eine Halbierung des Verkehrs. Der Busverkehr werde davon nur unwesentlich ausgebremst. Damit es tatsächlich eingehalten wird, setzt sich die Gemeinde zudem für verstärkte Verkehrskontrollen ein.
Wo ohnehin Straßenbaumaßnahmen stattfinden, soll geprüft werden, ob ein lärmmindernder Asphalt in Frage kommt. Außerdem hätte die Gemeinde gern einen Mini-Kreisverkehr an Ulmer Straße/Blumenstraße. Davon erhofft man sich einen besseren Verkehrsfluss. Das Regierungspräsidium sieht das anders: es könne sogar zusätzlicher Lärm entstehen, wenn etwa Lastwagen den Innenbereich eines Mini-Kreisels überfahren.
Der Lärmaktionsplan fordert auch stärkere Verkehrskontrollen im Ort. Bisher sind in Reichenbach regelmäßig mobile Tafeln, die das Tempo anzeigen, im Einsatz; Blitzersäulen befindet sich außerdem in der Schorndorfer Straße und der Paulinenstraße. Nun soll eine weitere stationäre Anlage im Bereich des Albrecht-Teichmann-Stifts dazukommen.

Text/Foto: Karin Ait Atmane


Abgestimmt!

Trotz weitreichender Sanktionen infolge des Ukraine-Kriegs bezieht Europa nach wie vor russisches Gas. Soll Deutschland auf Russland-Gas verzichten, obwohl kalte Wohnungen und Wirtschaftseinbrüche drohen?

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Kein russisches Gas?

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Stau im Bürgeramt hält weiter an

Nach wie vor teils monatelange Wartezeiten beim Esslinger Bürgerservice – Mit Reisewelle droht Verschärfung

Es ist eine geradezu unendliche Geschichte. Immer wieder hat die Esslinger Stadtverwaltung in den vergangenen Monaten beteuert, wirksame Änderungen auf den Weg gebracht zu haben, die für schnellere Abläufe im Bürgeramt sorgen würden. Dennoch müssen die Bürgerinnen und Bürger nach wie vor wochen- oder sogar monatelang auf einen Termin warten. Angesichts der nahenden Reisezeit, für die vermutlich viele noch neue Ausweispapiere beantragen müssen, ist mit einer raschen Entspannung wohl nicht zu rechnen. Zumal der Bürgerservice immer noch eine Bugwelle unbearbeiteter Anfragen vor sich herschiebt.
Eine Statistik aus dem für das Bürgeramt zuständigen Ordnungsamt zeigt zudem, dass man längst noch nicht bei der Schlagzahl der Vor-Corona-Zeit angekommen ist. So wurden im Jahr 2019 meist um die 4000 Anträge pro Monat bearbeitet, manchmal mehr als 4500 oder sogar 4600. Seit Beginn der Pandemie sind es oft nur noch knapp 3000, in manchen Monaten nicht einmal 2000. Und das, obwohl die Stadt betont, alles getan zu haben, um im Bürgeramt wieder Volllast fahren zu können.
Ordnungsamtsleiter Jochen Schilling zeigt sich selbst unzufrieden mit der Situation. „Ich weiß nicht, warum wir noch nicht bei der Höchstleistung sind“, sagte er in der jüngsten Sitzung des Verwaltungsausschusses. Schließlich nutze man alle vorhandenen Kapazitäten und habe alle Prozesse möglichst effizient organisiert. In den vergangenen Monaten seien zahlreiche Maßnahmen umgesetzt worden, die eigentlich zu spürbaren Verbesserungen führen sollten. Doch bei einem internen Praxistest, bei dem seit Anfang des Jahres jeden Donnerstag überprüft wurde, wie viel Wartezeit für bestimmte Leistungen anfällt, hätten sich kaum Veränderungen gezeigt. So betrug die Wartezeit für eine Anmeldung in Esslingen Anfang Januar 115 Tage (ohne Sonn- und Feiertage) und damit fast fünf Monate. Am 10. März waren es sogar 118 Tage. Ähnlich sieht es bei Anträgen für einen Reisepass oder Personalausweis aus. Lediglich auf einen Termin für den Antrag auf ein Führungszeugnis musste man zuletzt deutlich weniger lang warten: nur noch einen Tag statt rund drei Monate.
Das dürfte allerdings wohl darauf zurückzuführen sein, dass die Stadt den Anträgen auf Führungszeugnisse jetzt Priorität eingeräumt hat. Zudem schaltet man pro Woche rund 140 Notfalltermine frei für dringende Anliegen. „Wir können jedem, der das braucht und begründet, einen früheren Termin anbieten“, so Schilling. Darüber hinaus öffne man inzwischen zwei weitere Schalter mit bis zu 120 zusätzlichen Terminen pro Woche, zudem seien am Samstag jetzt vier statt bislang zwei Schalter geöffnet. Angesichts der sich abzeichnenden Fernreisewelle wurde ein separater Schalter für die Beantragung von Ausweispapieren eingerichtet, außerdem ein extra Schalter zum Abholen derselben. Man habe die im System hinterlegte Bearbeitungszeit reduziert und die Schalterzeit der Mitarbeiter von 50 auf 64 Prozent erhöht, um noch mehr Termine anzubieten, berichtet Schilling. Doch bislang fruchtet das nicht wie gewünscht. Zumal das Onlinesystem zur Terminbuchung seine Tücken hat: Die durchaus nicht seltenen Mehrfachbuchungen müssen nach Rücksprache mit dem jeweiligen Kunden manuell gelöscht werden – ein Zeitfresser.
Die immer noch andauernden Probleme sorgten im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats für Unzufriedenheit – auch wenn man sich einig war, dass es langsam in die richtige Richtung gehe. „Es heißt, das Personal sei da, die IT sei so gut wie nie, die Prozesse passten: Woran hakt es dann?“, fragte etwa Annette Silberhorn-Hemminger, Fraktionschefin der Freien Wähler. CDU-Rat Tim Hauser betonte: „Hier muss man besser werden. Punkt.“ Schließlich sei das Bürgeramt das Gesicht der Stadtverwaltung. Ordnungsdezernent Yalcin Bayraktar sah das zwar ähnlich, gab aber zu bedenken: „Wir sind erst seit Januar so aufgestellt wie jetzt, das muss erst noch wirken.“

meb / Foto: Roberto Bulgrin


Die Eßlinger Zeitung verbindet

Das Internetportal EZ-verbindet hilft Menschen aus der Ukraine dabei, eine Bleibe im Kreis und in der Region zu finden

Viele Menschen fliehen in diesen Tagen aus dem Kriegsgebiet in der Ukraine ins sichere Deutschland. Neben Kleidung und Lebensmitteln benötigen sie hierzulande vor allem Quartiere, um sich von der Flucht zu erholen. Deshalb stellt die Eßlinger Zeitung mit „EZ-verbindet“ ein Portal bereit, das Geflüchtete mit Privatpersonen im Kreis Esslingen zusammenbringt, die bereit sind, den Menschen ein Dach über dem Kopf zu geben. „Mit dem Portal wollen wir unseren Teil dazu beitragen, dass Menschen, die aus der Ukraine fliehen mussten, eine Unterbringung im Kreis Esslingen finden können“, sagt Andreas Heinkel, der Geschäftsführer der Eßlinger Zeitung.
Auf der Internetseite können Menschen aus Esslingen und Umgebung, die freien Wohnraum zur Verfügung haben, diesen den geflüchteten Menschen aus der Ukraine anbieten. Geflüchtete wiederum können die Angebote einsehen und über die hinterlassenen Daten mit den Anbietern in Kontakt treten. Die Seite ist unkompliziert in der Handhabung und lässt sich mit wenigen Eingaben bedienen. Das Portal EZ-verbindet ist in vier Sprachen verfügbar. Neben Deutsch und Englisch sind die Inhalte auch in der ukrainischen und russischen Sprache aufrufbar. Zwischen den Sprachen kann per Mausklick hin- und hergeschaltet werden.
Die Plattform sei der richtige Weg, damit sich das Medienhaus an dieser Situation beteilige und im Sinne der Gesellschaft und der Menschlichkeit einsetze, sagt Heinkel. Bereits zu Beginn der Corona-Pandemie brachte die Eßlinger Zeitung mit einem ähnlichen Portal Hilfsbereite und Menschen aus Risikogruppen zusammen, sodass einfache Aufgaben wie der Einkauf von freiwilligen Helfern übernommen werden konnten. Auf diesem bewährten Prinzip baut auch die neue Plattform auf.
Auch in Baden-Württemberg werden immer mehr Geflüchtete offiziell registriert. Es ist aber davon auszugehen, dass darüber hinaus viele nicht registrierte Menschen in kommunalen Einrichtungen oder bei Privatpersonen unterkommen konnten.
Dabei können auch Mieter Geflüchtete in ihrer Wohnung aufnehmen, wie der Deutsche Mieterbund mitteilt. Als erlaubnisfreier Besuch gilt demnach eine Unterbringung für sechs bis acht Wochen. Nur unter gewissen Umständen müsse der Vermieter um Erlaubnis gebeten werden, etwa wenn die Unterbringung länger als acht Wochen dauert, als Gegenleistung Geld verlangt wird oder wenn die gesamte Wohnung überlassen wird. Für enge Familienangehörige – Ehe- oder Lebenspartner, Kinder oder Eltern – gelte die zeitliche Beschränkung von acht Wochen nicht. Sie können ohne Zustimmung und dauerhaft aufgenommen werden. Bei anderen Personen braucht es die Zustimmung des Eigentümers. Diese können Vermieter aber nur dann verweigern, wenn es einen Grund gibt oder etwa der Wohnraum dauerhaft überbelegt würde – kurzfristig sei dies laut Mieterbund erlaubt. Grundsätzlich rät der Mieterbund in jedem Fall zu einem Gespräch mit dem Wohnungseigentümer. Wer selbst eine Wohnung besitzt, muss keine Erlaubnis einholen, um Geflüchtete dort aufzunehmen. Die Ukrainerinnen und Ukrainer, die privat unterkommen, sollten sich früher oder später beim Bürgeramt melden und ihren Wohnsitz anmelden.
Neben den Anlaufstellen in Städten und Kreisen bieten zahlreiche Organisationen Hilfestellungen für Geflüchtete an, etwa im Hinblick auf rechtliche Fragen oder Antragstellungen bei den Behörden. Als Beispiele sind die Diakonie Württemberg, Pro Asyl, Caritas oder der Flüchtlingsrat Baden-Württemberg zu nennen.

rk / Foto: Roberto Bulgrin


Busfahren wird billiger

Durch die Verlegung Neuhausens in die Zonen 2 und 3 kosten Fahrten nach Wolfschlugen und Nürtingen weniger

Eine kleine Tarifänderung soll mehr Menschen zum Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr bewegen. Ab dem 1. April liegt die Fildergemeinde Neuhausen auf der Zonengrenze 2/3 – bisher war die Kommune der Zone 2 zugeordnet. Dadurch werden insbesondere Fahrten zwischen Neuhausen und Wolfschlugen günstiger. Statt wie bisher 3,40 Euro zahlen die Fahrgäste künftig nur noch 2,80 Euro. Das Tagesticket kostet mehr als einen Euro weniger. Das soll mehr Autofahrer zum Umstieg bewegen. Beim Pressegespräch gaben die Bürgermeister dem Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS), Horst Stammler, dennoch einige offene Wünsche mit auf den Weg.
Auch Nürtingens Oberbürgermeister Johannes Fridrich nahm an der kleinen Runde teil. „Wir freuen uns, dass die Fahrt von Nürtingen nach Neuhausen nun eine Zone günstiger wird und statt 4,50 Euro nur noch 3,40 Euro kostet.“ Der OB hofft, dass sich mittelfristig auch direkte Verbindungen realisieren lassen. Das sieht auch Wolfschlugens Bürgermeister Matthias Ruckh so. Er hat vehement dafür gekämpft, dass Neuhausen auf die Zonengrenze verlegt wird. „Durch die gelungene interkommunale Zusammenarbeit kann ein kleiner Beitrag zur Steigerung des Öffentlichen Personennahverkehrs geleistet werden“, sagte Ruckh. Jeder Umstieg auf Bus und Bahn trage zum Klimaschutz bei. „Dass so was geht, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen, darüber freue ich mich sehr.“ Durch die Verlegung auf die Zonengrenze nimmt der VVS jedes Jahr rund 7300 Euro weniger ein. Diesen Betrag werden die Gemeinden Neuhausen und Wolfschlugen dauerhaft gemeinsam finanzieren.
„Nun wachsen die beiden Kommunen noch enger zusammen“, freute sich Neuhausens Bürgermeister Ingo Hacker über die Verlegung auf die Zonengrenze. Weil Jungen und Mädchen aus Wolfschlugen die Schiller-Gemeinschaftsschule in Neuhausen besuchen, kooperiere man schon lange intensiv. Gerade für die Schulkinder seien gute Busverbindungen unabdingbar. Denn im Winter lässt sich die rund drei Kilometer lange Strecke über die Felder kaum mit dem Fahrrad bewältigen.
Und auch die Verbindungen zu Nürtingen würden immer enger, ist Hacker überzeugt. Nicht zuletzt verwies er auf die beruflichen Gymnasien, die es dort gibt. „Bei der Diskussion um die neue Flugroute in Richtung Süden sehen wir, dass wir viele gemeinsame Themen haben“, sagte Hacker. Da Nürtingen nun voraussichtlich sogar Ende des Jahres 2025 und damit deutlich früher als Neuhausen einen S-Bahn-Anschluss bekommt, wünscht sich der Neuhausener Bürgermeister auch bessere Busverbindungen in die Hölderlinstadt. Dass die S-Bahn-Verlängerung nach Neuhausen nun wohl erst 2028 kommt, bedauert Hacker sehr. Er habe gehofft, den ersehnten Anschluss noch in seiner Amtszeit eröffnen zu dürfen, die Ende des Jahres 2027 endet. Langfristig könne man Menschen nur zum Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr bewegen, wenn die Angebote verlässlich und attraktiv seien.
Einen großen Wunsch hat auch Wolfschlugens Bürgermeister Matthias Ruckh. Das Gewerbegebiet sollte an die Buslinie angebunden werden, um die Busse auch für Berufspendler zu einer echten Alternative zu machen. „Ich nehme den Wunsch gerne mit“, versprach VVS-Geschäftsführer Stammler. Allerdings verwies er darauf, dass das Verkehrssystem auch im Kreis Esslingen extrem eng getaktet sei. Verschiebungen seien schwer zu realisieren. Als Kreisräte der Freien Wähler wissen Hacker und Ruckh, wie komplex die Planung des Verkehrsnetzes ist. Ruckh freut sich deshalb über jeden kleinen Baustein: „Damit tragen wir Schritt für Schritt zum Klimaschutz bei.“ Auch Straßenlärm in der Ortsdurchfahrt lasse sich damit reduzieren.

eli / Foto: Ines Rudel


Abgestimmt!

 

Der Ukraine-Krieg zeigt unsere Abhängigkeit von russischen Energielieferungen. Angesichts steigender Preise ist Energiesparen angesagt. Ein autofreier Sonntag kommt dabei ins Spiel. Eine gute Idee?

 

 

Foto: dpa

Autofreier Sonntag?

  • Nein! (77% )
  • Ja! (23% )
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Unterschiedliche Interpretationen

Das Lärmgutachten zur geplanten Abflugroute am Flughafen sollte den Streit zwischen den Kommunen befrieden

Die Rathauschefs im Landkreis Esslingen bewerten die Ergebnisse des unabhängigen Lärmgutachtens, das vergangene Woche in der Fluglärmkommission für den Flughafen Stuttgart vorgestellt worden ist, unterschiedlich. Der Gutachter Markus Petz vom Büro Accon hatte die Expertise zur neuen geplanten Abflugroute erläutert. Ostfilderns Oberbürgermeister Christof Bolay, der in der Sitzung für zwei weitere Jahre in seinem Amt als Vorsitzender der Fluglärmkommission bestätigt wurde, lobte die konstruktive Atmosphäre während der Diskussionen.
Entschieden wird über die neue Route erst am 4. Juli. Das liegt daran, dass diese nun bei Simulationsflügen getestet wird. Wegen der Coronapandemie und des Kriegs in der Ukraine seien die Kapazitäten im Simulator jedoch knapp, hieß es. Bolay hatte sich für einen einjährigen Probebetrieb ausgesprochen, der evaluiert werden soll. „Das haben wir uns in Düsseldorf abgeschaut, dort wurde die neue Route im Probebetrieb getestet.“ Außerdem sprach er sich dafür aus, die Flüge über den neuen Wegpunkt „Tedgo“ in Richtung Süden auf zwei pro Stunde zu deckeln.
Neu als feste Mitglieder in der Fluglärmkommission sind die Gemeinden Altbach und Deizisau. „Unsere Gemeinde ist extrem vom Fluglärm belastet“, sagte Altbachs Bürgermeister Martin Funk. Auch der Bahnlärm und der Lärm von der Bundesstraße belasteten die Kommune schwer. „Es ist längst überfällig, dass unsere Stimme gehört wird“, sagte Funk. Ähnlich äußerte sich Deizisaus Bürgermeister Thomas Matrohs. Beide Bürgermeister betonten, in der Sitzung seien keine Fragen offen geblieben. Sie erhoffen sich durch die neue Route mehr Gerechtigkeit bei der Verteilung der Belastungen.
Matrohs zeigte sich verärgert über den Aufschrei seiner Bürgermeisterkollegen auf den Fildern und in Nürtingen. Auch die Proteste der Bürgerinitiativen könne er nicht nachvollziehen, nachdem das Gutachten nun ergeben habe, dass die Verschiebungen „minimal“ seien. Matrohs ist froh, dass die Neckartalkommunen nun in der Fluglärmkommission vertreten sind: „Ich möchte aber die Belange aller betroffenen Städte und Gemeinden im Blick behalten.“
Klar gegen die neue Route spricht sich Neuhausens Bürgermeister Ingo Hacker aus. „Nach wie vor bin ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen aus Nürtingen, Wolfschlugen, Denkendorf, Köngen, Waldenbuch, Aichtal und allen anderen neu betroffenen Kommunen gegen eine Verlegung der Flugroute, da ‚Tedgo’ viele Menschen zusätzlich mit Lärm belasten würde.“ Hacker findet es gut, „dass wir nun ausreichend Zeit haben, um in den Gremien und der Bürgerschaft das Lärmgutachten öffentlich zu diskutieren“. In Neuhausen wird das Gutachten in der Gemeinderatssitzung am 12. April öffentlich vorgestellt. Neuhausen hat die neuen Wohngebiete Akademiegärten und Östliche Ziegelei bewusst abseits des damaligen Lärmkorridors geplant. Das bringt die Kommunalpolitiker jetzt in Schwierigkeiten.
Viele offene Fragen haben auch die Bürgermeister Otto Ruppaner aus Köngen und Ralf Barth aus Denkendorf. „Mir ist die Motivation für die Routenänderung nach Vorlage des Gutachtens nicht mehr ganz klar“, sagte Otto Ruppaner. Die Expertise habe klar ergeben, dass sich die Verschiebungen im Promillebereich bewegen: „Weshalb braucht man dann überhaupt eine so aufwendige Routenänderung?“ Ralf Barth sieht das ebenso: „Es kommen viele neu Betroffene dazu.“ Barth hält die nun anstehenden Flüge im Simulator für unverzichtbar, um das Thema abschließend beurteilen zu können. Denn je nach der Variante, die umgesetzt wird, wäre Denkendorf unterschiedlich stark betroffen. „Offen sind weiter die Fragen hinsichtlich der Flugsicherheit, also der Abweichung von ICAO-Vorschriften.“ Hierzu liegen aus Sicht des Nürtinger Oberbürgermeisters Johannes Fridrich – entgegen der ursprünglichen Ankündigung – noch keine Ergebnisse vor. Aus Fridrichs Sicht scheiden Fluglärm und Klimaschutz nun als Gründe für die Routenänderung aus.

eli / Foto: Horst Rudel