Die Standort-Debatte hält an

Bürgerinitiative kritisiert Windpark-Ausbeute auf dem Schurwald als zu gering – Betreiber EnBW ist zufrieden

Es ist kein Geheimnis, dass die Propeller häufig still stehen. Die Rede ist von den drei Windkraftanlagen, die die EnBW seit 2017 auf dem Schurwald im Windpark Goldboden-Winterbach (Rems-Murr-Kreis) betreibt. Seit Jahren werden die Anlagen des Typs Nordex N 131 – in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kreis Esslingen gelegen – von Anwohnern und einer Bürgerinitiative beobachtet. Die Gruppierung Pro Schurwald bezeichnet den Standort inzwischen als „Windpark Lahmer Flügel“. Der Betreiber EnBW sieht das anders.
Die Propeller in 164 Meter Nabenhöhe standen zuletzt wieder einige Wochen still. Der Grund: technische Probleme. Das Thema Stillstand der drei Windkraftanlagen dient genauso als Zankapfel wie die grundsätzliche Frage, wie gut sich der Standort überhaupt für die Stromgewinnung eignet. In ihrer jüngsten Stellungnahme erklärt die Bürgerinitiative Pro Schurwald: „Der Windkraftstandort WN-34 Goldboden verfehlt die Planung nachhaltig.“ Begründet wird dies mit der Analyse von Daten, die die EnBW-App geliefert habe. Diese Daten ermöglichen es, die monatlichen und jährlichen Erträge der Anlage zu ermitteln. Anschauen können die Ergebnisse alle, die die kostenlose App E-Cockpit herunterladen.
Die Gruppe hat die Stromausbeute des Windparks mit den Planungen des Betreibers EnBW sowie dem Windatlas des Landes von 2019 verglichen. Nach den Plänen der EnBW sollten am Goldboden 25 Gigawattstunden Strom pro Jahr erzeugt werden, so die Bürgerinitiative. Ein Ertragsziel, das sich beim Blick auf die Projektdetails, die die EnBW veröffentlicht hat, bestätigt.

Ziel deutlich verfehlt
Hier ist von insgesamt 7500 Haushalten die Rede, die die drei Anlagen rechnerisch versorgen können. Legt man einen Drei-Personenhaushalt mit einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 3500 Kilowattstunden pro Jahr zugrunde, müssten die Anlagen gut 26 000 Megawattstunden produzieren. Das ist bisher deutlich verfehlt worden. Das zeigen die Werte, die sowohl die EnBW als auch die Bürgerinitiative für die vergangenen drei Jahre melden – und die fast bis aufs Komma übereinstimmen.
Demnach wurden 2019 und 2020 je rund 19,7 Gigawattstunden sowie im vergangenen Jahr 17,7 Gigawattstunden Strom gewonnen. Für die überdurchschnittlichen Windjahre 2019 und 2020 stellt die Bürgerinitiative ein Minus von 21 bis 29 Prozent fest und folgert: „Wenn in Rekordwindjahren die Planung so deutlich verfehlt wird, muss von einer Fehlplanung ausgegangen werden.“
Und weiter heißt es, die schlechte Leistung des Windkraftstandortes Goldboden zeige, dass der windschwache Schurwald für die Windkraft ungeeignet sei. Der niedrige Stromertrag stehe in keinem Verhältnis zu den Beeinträchtigungen und Nachteilen, die die Anlagen für Landschaft, Natur und Menschen bedeuteten.

„Nachhaltig erzeugt“
Die EnBW erklärt hingegen, sie sei mit dem Windparkstandort Winterbach nach wie vor zufrieden. „Wichtig sind hier die Langfristbetrachtungen über die Laufzeit von 25 Jahren.“ Bei dem Ertrag handle es sich um „nachhaltig erzeugte Strommengen, die letztendlich auch zur Netzstabilität in der Region beitragen.“ Das Windangebot der vergangenen Jahre im Südwesten sei allerdings „leider unterdurchschnittlich“. Und 2021 sei über ganz Deutschland gesehen ein schlechtes Windjahr gewesen. Damit verbundene Stillstände seien bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung aber mit eingerechnet worden.
Die EnBW-Sprecherin Dagmar Jordan erinnert an die Ziele der Klimawende, die gesellschaftlich breiten Konsens fänden, und ergänzt: „Jede Kilowattstunde, die CO2-frei erzeugt wird, ist sinnvoll.“ Die Entlastung der Umwelt vom klimaschädlichen CO2 durch den Windpark Goldboden beziffert die EnBW in den vergangenen drei Jahren auf 7000 bis 7900 Tonnen pro Jahr.
Die Bürgerinitiative Pro Schurwald führt auch die Anzahl der Flautetage als Argument gegen den Windpark ins Feld. Demnach soll im vergangenen Jahr an 180 Tagen am Goldboden Flaute geherrscht haben, wobei Flaute bedeute, die erbrachte Leistung habe weniger als zehn Prozent der Nennleistung erbracht. An 48 Tagen habe sogar totale Windstille geherrscht. Stillstand sei somit „der häufigste Betriebszustand der Wind-Industrieanlagen am Goldboden“. Zur Zahl der Stillstand-Tage will sich die EnBW aus Wettbewerbsgründen nicht äußern. Sie listet aber – nach Häufigkeit – Gründe für Stillstand auf: Fledermausschutz, Schattenwurf, Eisansatz oder Schallschutz, negative Strompreise, Wartungsarbeiten sowie Vorsorge bei hoher Einspeiseleistung, Netzüberlastung und zu viel oder zu wenig Wind.

com / Foto: Roberto Bulgrin


Abschied mit ein wenig Wehmut

Letzte Sitzung des Esslinger Kreistags im alten Landratsamt – Ende 2025 soll Neubau in den Pulverwiesen fertig sein

Dem besonderen Anlass entsprechend waren die Fahnen vor dem Gebäude gehisst: Am Donnerstag vergangener Woche kam der Esslinger Kreistag zu seiner letzten Sitzung im Landratsamt in den Pulverwiesen zusammen. Von feierlicher Stimmung war wenig zu spüren im großen Saal – was nicht nur daran lag, dass die Volksvertreter zunächst der Opfer des Ukraine-Krieges und der 761 Menschen aus dem Landkreis gedachten, die im vergangenen Jahr an Corona verstorben waren. Für viele der 98 Kreistagsabgeordneten und rund 20 anwesenden ehemaligen Kreisräte war es „ein Abschied mit ein wenig Wehmut“, wie Landrat Heinz Eininger sagte. Viele Erinnerungen würden sie mit diesem Haus verbinden, in dem 44 Jahre lang Politik gestaltet wurde. Kreisarchivar Manfred Waßner blickte auf die Geschichte des Landratsamts zurück.
Rauchende Schlote, klirrende Hämmer: Wo heute rund um das Landratsamt eine planvoll angelegte Parkanlage am Neckar zum Flanieren und Erholen einlädt, sah es noch 1960 ganz anders aus. Eines der ältesten und bedeutendsten Esslinger Industriereviere nutzte die Wasserkraft aus den Kanälen, um Metalle zu verarbeiten oder Wolle zu spinnen und zu färben. Der Standort hatte Tradition: Im 18. Jahrhundert standen unweit des Vogelsangtors fünf Gebäude: zwei Pulvertürme, eine Pulvermühle, eine Tuchbleiche und eine Walkmühle.
In der mit Wasserkraft angetriebenen Pulvermühle wurden Holzkohle, Schwefel und Salpeter gemahlen und zum Schwarzpulver weiterverarbeitet. Wegen der Explosionsgefahr bei dessen Herstellung und Lagerung hatte man Türme und Mühle am Rand der Stadt, auf dem „ Pulverwasen“ errichtet. „Aus dem Pulverwasen wurden, vermutlich im 20. Jahrhundert durch nicht angemessenen sprachlichen Eifer eines städtischen Katasterbeamten, irgendwann die Pulverwiesen“, so Waßner. Im 19. Jahrhundert entstand dort die Metallwarenfabrik Deffner. An ihrer Stelle wurde 1978 das Landratsamt errichtet. Die ersten Überlegungen zum Bau gab es im Altkreis Esslingen bereits Anfang der 1960er- Jahre. „Als Standort war zunächst das Gebiet des Oberen Metzgerbachs vorgesehen“, berichtete Waßner. Mit dem Bau der Vogelsangbrücke wurden diese Pläne aber zu Makulatur.
In Absprache mit der Stadt Esslingen erwarb der Landkreis 1969 mit dem Deffnerschen Anwesen ein geeignetes Grundstück, um die damals auf 14 verschiedene Gebäude in der Innenstadt und zwei weitere in Nürtingen verteilte Kreisverwaltung zu zentralisieren. Bis zum Neubau des Landratsamtes in Esslingen dauerte es aber noch zwei weitere Jahre. Denn hier spielte die Kreisreform, der Zusammenschluss der Kreise Nürtingen und Esslingen und der Streit um den Kreissitz eine entscheidende Rolle, schilderte Waßner.
Die Esslinger Vorarbeit machte ein rasches Vorgehen möglich: 1970 hatte man bereits einen Architektenwettbewerb ausgelobt und den Abbruch der Deffnerschen Fabrikgebäude im Jahr darauf beschlossen. 1975 erfolgte der erste Spatenstich. Der Stahlbetonskelettbau beherbergte 250 Büros, Großraumbüros für die Kfz-Zulassung und die Führerscheinstelle, Kasino, großzügige Sitzungsbereiche und Fraktionszimmer, Zentralregistratur, Hausdruckerei sowie eine Tiefgarage. 47,8 Millionen Mark hat das Gebäude gekostet, das im Februar 1978 bezogen wurde.
Nach 44 Jahren gilt „der grüne Koloss“ am Esslinger Neckarufer nun aber als nicht mehr zeitgemäß. Fast zehn Jahre lang wurde über die Zukunft des Gebäudes gestritten – und die Sanierung schlussendlich verworfen. Die Kosten für das neue Landratsamt inklusive der Mietkosten für die Ausweichquartiere während der knapp vierjährigen Bauzeit sowie die Anschaffung von Mobiliar und Bürotechnik belaufen sich auf insgesamt 144 Millionen Euro. Bis zur Einweihung des Neubaus finden die Sitzungen des Kreistages in verschiedenen Stadthallen statt, die Ausschüsse tagen im Konferenzraum der Medius Klinik Nürtingen.
Für einen Kreisrat schloss sich an diesem Tag der Kreis: Wolfgang Drexler, inzwischen Ehrenbürger Esslingens, war dereinst beim Baubeschluss dabei und ebenso bei der letzten Sitzung des Gremiums in jenem Landratsgebäude. 50 Jahre gehörte er dem Kreistag an. „Für bleibende Verdienste“ erhielt er die goldene Landkreismedaille – und das Recht auf Zwischenrufe von den Zuschauerplätzen aus, fügte Eininger bei der Verleihung augenzwinkernd hinzu. Für langjähriges Ratsengagement wurden auch Solveig Hummel (27 Jahre) und Helmut Schumacher (15 Jahre) geehrt.

eh / Foto: Roberto Bulgrin


Abgestimmt!

Die Maskenpflicht entfällt – weitgehend. Experten raten, sie weiter zu nutzen, zum Beispiel beim Einkauf im Supermarkt. Richtig so?

Foto: dpa

Einkaufen mit Maske?

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Schnelles Internet für zwei Orte

Firma GVG möchte in Altbach und Deizisau ein Glasfasernetz aufbauen – Hürde ist eine Mindestbeteiligung der Haushalte

Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Den Gemeinden Altbach und Deizisau flatterte jüngst das Angebot einer norddeutschen Firma zum eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau ins Haus. Der Vorteil: Beiden Kommunen entstehen keine Kosten für das blitzschnelle Internet. „Das ist natürlich sehr positiv“, sagte Altbachs Bürgermeister Martin Funk jüngst im Gemeinderat, als dem Gremium das Konzept der in Kiel ansässigen Firma GVG Glasfaser vorgestellt wurde. Nachdem von der Deutschen Telekom bislang kein Signal in Deizisau angekommen ist, das Glasfasernetz auszubauen, wollen Bürgermeister Thomas Matrohs und der Gemeinderat ebenfalls mit GVG kooperieren. Ziel ist es, bis in drei Jahren 98 Prozent aller Haushalte einen schnellen Internetanschluss anbieten zu können.
Altbach ist wie alle Kommunen in der Region fast ausschließlich durch die Netze der Telekom und durch das Kabelnetz von Vodafone ans Internet angeschlossen. Diese beiden Netze basieren jedoch fast ausschließlich auf dem klassischen Kupferkabel, was sich wohl nicht so schnell ändern wird. Besagte Kupferkabel schränken aber auf den letzten Metern ins Haus die Übertragungsrate spürbar ein – je länger das Kupferkabel bis zum Hausanschluss ist, desto stärker sinkt die Rate. Und die Datenmengen werden immer größer. Die Alternative ist eine Glasfaserleitung bis zum Endverbraucher – dadurch können Daten mit Lichtgeschwindigkeit übertragen werden.
Bislang hat sich in Altbach und in Deizisau kein Telekommunikationsunternehmen mit einer Ausbauplanung für eine flächendeckende Glasfaserinfrastruktur blicken lassen. Bis jetzt. GVG Glasfaser gibt an, dass der Ausbau flächendeckend und für die Kommunen kostenfrei erfolge. Die Erschließung soll in einem Cluster, also gemeinsam in Deizisau und Altbach, erfolgen, sonst lohnt es sich für die GVG nicht. Hierzu müssten die beiden Kommunen einen Kooperationsvertrag schließen.
Voraussetzung für das Angebot ist allerdings, dass bei der Vorvermarktung genügend Haushalte – mindestens 40 Prozent der Bürger und Gewerbetreibenden im gesamten Ausbaugebiet – einen entsprechenden Anschluss bestellen. Die Kosten liegen je nach gewünschter Schnelligkeit des Internets zwischen 30 und 60 Euro im Monat. Das Glasfasernetz der GVG-Marke „teranet“ würde völlig getrennt vom klassischen Telefonnetz aus Kupferleitungen eingerichtet. Während die Straßen zur Verlegung der Kabel aufgegraben werden müssen, sollen für die Hausanschlüsse zwei Schächte ausreichen, zwischen denen die Kabel unterirdisch hindurchgepresst werden.
Alle Haushalte, die sich während der Vermarktungsphase für einen Glasfaseranschluss entscheiden, erhalten laut GVG ihren Hausanschluss kostenfrei – natürlich nur im Fall einer positiven Ausbauentscheidung nach erreichter Vermarktungsquote. Die GVG peilt nach dem Abschluss des Kooperationsvertrag den Vermarktungsstart in der zweiten Jahreshälfte an. Ausgenommen von dem Angebot sind das Gewerbegebiet und die Gewerbetreibenden auf der Neckarinsel, hierfür erhält Altbach eine Förderung von 90 Prozent durch Bund und Land.
Im Norden der Republik gehört das Kieler Unternehmen zu den Topvermarktern, auch in Bayern und in Hessen wurden einige Regionen mit dessen schnellem Netz versorgt. „Hier im Süden wäre Altbach/Deizisau unser Pilotprojekt“, sagte Miguel Gutierrez Prieto von GVG Glasfaser. Für die Versorgung der beiden Kommunen veranschlagt er rund zweieinhalb Jahre– ein halbes Jahr für die Vorvermarktung und zwei Jahre für die Baumaßnahmen. Das gesamte Ausbaugebiet umfasst rund 13 500 Einwohner mit rund 6100 Wohneinheiten.
Auch Infrastrukturmanager Oliver Bauer vom Zweckverband Breitbandversorgung im Landkreis Esslingen steht dem Angebot positiv gegenüber. Angesichts der Tatsache, dass sich das Datenvolumen etwa alle eineinhalb Jahre verdopple, sei der Umstieg auf Glasfaser die einzige Lösung: „Wir haben zwar einen Vertrag mit der Telekom, aber ein Exklusivrecht hat die Telekom nicht.“ In beiden Gemeinderäten fand das GVG-Angebot Anklang. Nun gilt es, einen Vertrag auszuarbeiten und den Gremien zur Beschlussfassung vorzulegen.

kd/kai / Foto: dpa


Die Karriere startet – auf der Messe

Fast 50 Unternehmen und Organisationen stellen sich am 8. und 9. April live im Esslinger Neckar Forum und online vor – Umfassender Überblick zu Ausbildungsmöglichkeiten – Virtuelle Ausgabe vom 10. bis 12. April

Beinahe 40 Prozent der Ausbildungsplätze sind im laufenden Lehrjahr in Deutschland unbesetzt geblieben. Laut einer Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung trifft dieser Umstand vor allem kleine Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitenden. Die Coronapandemie habe die Situation noch verschlimmert – vor allem, weil es kaum oder keine Berufsorientierung und Praktika gab. Viele Schülerinnen und Schüler haben auch falsche Vorstellungen von Berufsbildern und derzeit wenig Gelegenheit, sich direkt zu informieren, schreiben die Autoren der Studie.
Ein Tag für die Schüler
Dies zeigt, wie wichtig es ist, dass sich Schüler orientieren können. Und umgekehrt Unternehmen die Möglichkeit erhalten, sich potenziellen Bewerbern zu präsentieren. Genau das geschieht bei der Ausbildungsmesse Karriere 2022 der Eßlinger Zeitung. Am Freitag, 8. April, und am Samstag, 9. April, werden sich fast 50 namhafte Firmen und Organisationen im Neckar Forum in Esslingen vorstellen.
Neu ist in diesem Jahr das Freitagsprogramm, bei dem vor allem Schulklassen von 9 bis 14.30 Uhr die Gelegenheit haben, erste Kontakte zu knüpfen. Die Eßlinger Zeitung organisiert dafür einen kostenlosen Shuttle-Service, der die Schülerinnen und Schüler an der Schule abholt und auch wieder dorthin zurückbringt. Angemeldet sind fast 500 Schülerinnen und Schüler.
Bereits im Vorfeld konnten die Schulklassen einen Orientierungstest machen, der den Jugendlichen zeigt, in welchem Berufsfeld sie vermutlich richtig sind. Entsprechend gibt es eine Tour zu ausgewählten Messeständen. Dafür werden die Aussteller eingeteilt – je nach Ausbildungsangebot in kaufmännische, handwerkliche, kreative, soziale, IT- oder Verwaltungsberufsfelder.
Am Samstag, 9. April, haben schließlich all diejenigen die Möglichkeit, die sich privat über ihre Zukunftschancen informieren wollen. Von 10 bis 16 Uhr sind die Messetore geöffnet.
Online in die Zukunft klicken
Wer weder am Freitag noch am Samstag vorbeikommen kann, verpasst dennoch nichts. Von Sonntag, 10. April, ab 9 Uhr, bis Dienstag, 12. April, schließt sich eine virtuelle Karrieremesse an. Dort kann man sich ohne Registrierung durch die Stände klicken, sich einen Eindruck verschaffen oder sich nochmals gezielt über einen Aussteller informieren, den man vor Ort kennengelernt hat. Online gibt es einen Orientierungstest und die Gruppierung der Aussteller nach Berufsfeldern. Über einen Live-Chat können sich die Messebesucher mit Personalverantwortlichen und Auszubildenden unterhalten.
Sowohl die Präsenzmesse als auch die virtuelle Ausgabe werden von Zusatzangeboten begleitet. So gibt es Vorträge und einen Bewerbungsmappencheck der Agentur für Arbeit. Und wer bei seinem potenziellen künftigen Arbeitgeber mit einem tollen Foto glänzen will, kann bei der Fotobox vorbeischauen.
Die Betriebe geben Einblicke in zahlreiche Ausbildungsberufe. Von Personalverantwortlichen und Auszubildenden gibt es Infos aus erster Hand. Die jungen Mitarbeiter erzählen von ihren ersten Erfahrungen im Beruf und von ihrem Alltag im Betrieb oder der Berufsschule.

Die Messe im Überblick

Wann vor Ort?
Freitag, 8. April, 9 bis 14.30 Uhr
Samstag, 9. April, 9 bis 16 Uhr
Neckar Forum, Esslingen
Eintritt frei

Wer stellt aus?
Fast 50 Firmen aus Industrie,
Handwerk, Pflege und Dienstleistung sowie Bildungseinrichtungen

Zugangs- und Hygieneregeln
• Es gelten die Bedingungen der aktuellen Corona-Verordnung (siehe Messe-Webseite).
• Durch die Messe führt ein Rundweg, damit sich die Besucher nicht in die Quere kommen, trotzdem aber die Gelegenheit haben, an jedem Ausstellungsstand einen Stop einzulegen.
• Im Ein- und Ausgangsbereich wird es Desinfektionsstationen geben.

Wann virtuell?
Sonntag, 10. April, bis Dienstag, 12. April
www.karrieremesse- esslingen.de

Kooperationspartner
• Agentur für Arbeit Göppingen
• IHK Esslingen-Nürtingen
• Landkreis Esslingen
• Kreishandwerkerschaft
Esslingen-Nürtingen dan

dan / Archivfoto: Rainer Hauenschild


Leben und leben lassen in der City

Überarbeitete Gestaltungsrichtlinien für Esslinger Innenstadt räumen mehr Spielräume für Handel und Gastronomie ein

Die Esslinger Innenstadt soll sich so attraktiv wie möglich präsentieren. Doch Geschmäcker sind verschieden – die Frage, was ins Stadtbild passt, kann ganz unterschiedlich beantwortet werden. Damit bei Werbung, Außengastronomie und Stadtmöblierung nichts aus dem Ruder läuft und ein angemessenes Flair gewahrt bleibt, haben Gemeinderat und Verwaltung vor Jahren Gestaltungsrichtlinien formuliert. Die regeln, was bei Möblierung, Schirmen und Markisen, aber auch bei der Bepflanzung und Werbung möglich ist. Doch diese Vorgaben waren nie unumstritten. Händler und Gastronomen haben immer wieder moniert, dass die Gestaltungsrichtlinien oft zu streng ausgelegt und dass ihre Möglichkeiten damit zu stark beschnitten würden. Deshalb hat die Stadt die Vorgaben für „private Sondernutzungen auf öffentlicher Fläche“ überarbeitet. Ziel war es, „die Gestaltungsrichtlinien um weitere Möglichkeiten für moderneres und zeitgemäßes Handeln zu erweitern und dennoch das bewährte Grundgerüst aufrechtzuerhalten“.
Wer durch die Esslinger Innenstadt geht, kann den Wandel allenthalben beobachten. Manches, was bei der Formulierung der Gestaltungsrichtlinien 2008 im Fokus stand, hat an Bedeutung verloren, dafür sind andere Bedürfnisse in den Vordergrund gerückt. Um der Gastronomie angesichts der Einbußen der Coronazeit unter die Arme zu greifen, hatte die Stadt die Regeln für die Außenbewirtschaftung zuletzt großzügiger ausgelegt. Weil sich das nach Einschätzung vieler positiv auf die Belebung der Innenstadt ausgewirkt hatte, haben die Grünen in den Etatberatungen den Stein ins Rollen gebracht und gefordert, die Gestaltungsrichtlinien zu überarbeiten, die Spielregeln weniger eng zu fassen und die großzügigere Außenbestuhlung der Coronasommer 2020 und 2021 beizubehalten. Im Rathaus rannten die Grünen offene Türen ein, zumal sich der Oberbürgermeister Matthias Klopfer dafür ausgesprochen hat, durch eine liberalere Haltung zur Belebung der Innenstadt beizutragen. Sein Motto: „Leben und leben lassen. Es kommt auf den Geist an, mit dem man die Richtlinien lebt.“
Die Ratsfraktionen gaben im Gemeinderat grünes Licht für das überarbeitete Regelwerk. Zahlreiche Details wurden neu formuliert, die Spielräume für Handel und Gastronomie wurden erweitert. So gibt es künftig mit Blick auf Größe und Anzahl der Sitzplätze weitere Optionen zur Erweiterung der sogenannten Sondernutzungsflächen – die alte Regelung, dass die Außengastronomie nicht mehr Sitzplätze haben durfte, als im Innenbereich genehmigt sind, entfällt. Die Bestuhlung vor den Geschäften kann individueller gestellt werden, die Außengastronomie kann besser durch Schirme beschattet werden, außerdem wird mehr Bepflanzung möglich.
Stadtrat Jörg Freitag (Grüne) begrüßt die zusätzlichen Möglichkeiten: „Es ist gut, dass die Stadt künftig mehr auf die individuellen Bedürfnisse eingeht. Die überarbeiteten Regelungen könnten Gastronomie und Einzelhandel stärken und dennoch helfen, ein ästhetisches Stadtbild zu wahren.“ Andreas Koch (SPD) findet die neuen Vorgaben „wirklichkeitsnäher, flexibler und kundenfreundlicher“. Dennoch sieht er weiterhin Korrekturbedarf. Als Beispiele nannte er, dass Bänke weiterhin als Sitzplätze in der Gastronomie nicht zulässig seien, dass die Zahl der Heizpilze nicht mehr reglementiert sei und dass die Vorgaben für Werbebeschriftung viel zu detailliert seien. Freie-Wähler-Fraktionschefin Annette Silberhorn-Hemminger sieht die Kommune mit den großzügigeren Regelungen auf dem richtigen Weg: „Der vergangene Sommer hat gezeigt, dass noch viel mehr möglich ist. Trotz Corona hatten wir ein tolles Leben in der Stadt.“ Brigitte Häfele (FDP) freut sich über „Gestaltungsrichtlinien mit echten Gestaltungsmöglichkeiten“. Tim Hauser (CDU) legt Wert auf eine Entbürokratisierung: „Es geht darum, flexibler zu werden und trotzdem geordnet zu bleiben.“ Martin Auerbach (Linke) fordert, sich nicht nur auf die Gestaltung zu konzentrieren, sondern auch über längere Öffnungszeiten für die Gastronomie nachzudenken.

adi / Foto: Ines Rudel


Weniger Radler verunglückt

Unfall- und Verletztenzahlen auf Straßen im Kreis sind laut Polizeistatistik zurückgegangen – Es gibt auch Grund zur Sorge

Die Zahl der Unfälle auf den Straßen im Landkreis Esslingen ist weiter gesunken. Nach einem deutlichen Rückgang 2020 ist sie im vergangenen Jahr nochmals leicht zurückgegangen. Allerdings verloren sieben Menschen ihr Leben auf den Straßen. Und im Vergleich zu den Nachbarkreisen hat Esslingen eine auffällig hohe Zahl an Unfällen unter Drogeneinfluss zu verzeichnen.

Eckpunkte: Die Zahl der Verkehrsunfälle im Landkreis Esslingen ist im vergangenen Jahr um 0,9 Prozent auf 12 658 zurückgegangen. Sie liegt damit deutlich unter dem Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019 (15 815). Signifikante Rückgänge gab es vor allem bei Unfällen mit Verletzten und Toten (minus 3,6 Prozent) und mit Sachschäden (minus 4,5 Prozent). Lediglich bei den Kleinst­unfällen gab es einen leichten Anstieg.

Unfallfolgen: Zum wiederholten Mal ist ein Rückgang bei den Schwerverletzten zu verzeichnen. Im vergangenen Jahr verringerte sich die Zahl um 7,4 Prozent auf 200. Die Zahl der Leichtverletzten betrug 1178 (minus 3,4 Prozent). Nachdem 2020 neun Menschen tödlich verunglückten, waren es im vergangenen Jahr sieben. Drei Pkw-Fahrer, zwei Radfahrer, ein Motorradfahrer und ein Fußgänger verloren 2021 im Kreis Esslingen ihr Leben.

Unfallursachen: In 1209 Fällen krachte es bei Abbiege-, Wende- oder Rückwärtsfahrten. 732 Mal wurden die Vorfahrtsregeln auf der Straße nicht beachtet. Deutlich weniger Unfälle passierten aufgrund von zu geringem Abstand (375). Die Unfälle wegen Geschwindigkeitsübertretungen stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 31,7 Prozent auf 220. Damit liegt die Zahl allerdings noch unter dem Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019 (255).
Von den 236 Unfällen wegen mangelnder Verkehrstüchtigkeit, nahezu der Stand des Vorjahrs, wurden 168 unter Alkoholeinfluss verursacht – immerhin zwölf Prozent mehr als im Jahr zuvor. 71 Personen wurden bei Alkoholfahrten leicht verletzt, das waren 28 mehr als zuvor und vier mehr als durchschnittlich 2017 bis 2019. Sieben Menschen wurden dabei schwer verletzt und zwei Personen starben. Im Vergleich mit den Nachbarlandkreisen gab es außerdem deutlich mehr Unfälle mit Sachschäden und Leichtverletzten, bei denen Drogen eine Rolle gespielt haben: Bei 35 solcher Unfälle wurden 20 Menschen leicht verletzt.


Unfallflucht: „Unverändert wie in den vergangenen Jahren ist festzustellen, dass bei jedem fünften Unfall ein Beteiligter – meist der Verursacher – vom Unfallort flieht. Etwa jede dritte dieser Straftaten konnte aufgeklärt werden“, vermeldet die Pressestelle der Polizei Reutlingen. 2847 Beteiligte flohen von der Unfallstelle. In zwei dieser Fälle wurden Menschen schwer verletzt.

Motorräder: Die Zahl der Unfälle mit Rollern und Motorrädern sank um 12,3 Prozent auf 243. Der Statistik zufolge ist hier ein konstanter Rückgang in den vergangenen Jahren zu verzeichnen. Hauptgrund für Unfälle, die durch Biker verursacht wurden, ist nach Angaben eines Polizeisprechers die Geschwindigkeit. Nicht immer handle es sich um Überschreitung der zulässigen Geschwindigkeit, vielmehr spiele oft die „nicht angepasste Geschwindigkeit“ – also eine Fehleinschätzung über das eigene Fahrvermögen, die Straßenverhältnisse oder den Straßenverlauf – eine Rolle.

Fahrradfahrer: Nach einem Höchststand der Unfälle mit Fahrradfahrern 2020, ging die Zahl im vergangenen Jahr um 16,4 Prozent auf 509 zurück. Zwei Radfahrer starben vergangenes Jahr (2020 waren es drei, alle E-Bike-Fahrer). 78 Radfahrer – 20 weniger als im Vorjahr – wurden schwer verletzt. Während die Fahrradunfälle im Jahr 2021 insgesamt zurückgingen, stieg die Zahl der Unfälle mit E-Bikes, auch Pedelecs genannt, um 3,3 Prozent leicht an. Am stärksten stieg in diesem Zusammenhang die Zahl der Leichtverletzten: Um 20,9 Prozent klettert sie auf 110. „Die wachsende Beliebtheit der Pedelecs schlägt sich bereits seit vielen Jahren mit teils massiven Steigerungen in der Unfallbilanz nieder“, teilt die Polizei mit.

Fußgänger: Etwas mehr Fußgänger im Kreis Esslingen als noch im Vorjahr waren 2021 in Unfälle verwickelt. 128 waren es 2020, und 136 im Jahr 2021. Die Zahl der Leichtverletzten stieg entsprechend ebenfalls – um 16 auf 93.

ff / Foto: Roberto Bulgrin