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„Vier Peh“ hat doch eine Zukunft

Nach monatelanger Hängepartie bekommt die Esslinger Kulturkneipe einen neuen Pachtvertrag – Zunächst wird saniert

Gute Nachrichten für die Freunde der Esslinger Kulturkneipe Vier Peh: Nach monatelangem Tauziehen hat der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats vergangene Woche grünes Licht für einen neuen Pachtvertrag gegeben. Ein Gutachter hatte das Gebäude, das in den 1970er-Jahren neben der Hochschule an der Flandernstraße entstanden war, untersucht und eine Mängelliste notiert. Was moniert wird, müssen die Betreiber zunächst erledigen – dann steht der Vertragsunterzeichnung nichts mehr im Wege. Pächterin Uli Kopp und der Fördervereinsvorsitzende Micha Schauer drücken aufs Tempo, damit das „Vier Peh“ rasch wieder durchstarten kann. Die Wiedereröffnung wollen sie möglichst noch im Juni oder spätestens im Juli feiern.
Zum Jahresende hatte vieles darauf hingedeutet, dass die Tage der Kulturkneipe gezählt sind: Die Stadt wollte sich nicht zur Verlängerung des Pachtvertrags entschließen und verwies auf bauliche Mängel, der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats hatte die Argumente aus dem Rathaus bereits abgenickt. Doch als die Nachricht vom drohenden Ende des Vier Peh publik wurde, regte sich Widerstand: Langjährige Freunde, Gäste und Künstler des Hauses reagierten mit Unverständnis, viele auch mit unverhohlener Verärgerung, dass die Stadt diese Institution im Esslinger Norden so einfach zur Disposition stellt, ohne sich ernsthaft um eine Lösung zu bemühen. Der OB und die Ratsfraktionen machten sich schließlich selbst ein Bild von der Situation vor Ort und schlugen einen konstruktiven Weg ein.
Mittlerweile wurde das Gebäude des Vier Peh aus allen fachlichen Perspektiven begutachtet, und die Betreiber wissen, was die Stadt geändert haben möchte. Was nicht genehmigungspflichtig ist, wurde bereits weitgehend erledigt – nun warten die Macherinnen und Macher der Kulturkneipe auf eine rasche Baugenehmigung für die grundlegenderen Arbeiten.
Die Bedingungen für den neuen Pachtvertrag sind klar formuliert: Die Pächterin muss kurzfristig Arbeiten in einer Größenordnung von rund 47 000 Euro auf eigene Kosten umsetzen und anschließend vom Gutachter kontrollieren lassen. Danach soll der Eigenbetrieb Städtische Gebäude (SGE) das Pachtverhältnis verlängern. Als Zeithorizont sind zunächst fünf Jahre im Gespräch. Die Konditionen sind auch mit Blick auf das kulturelle Engagement des Vier Peh bewusst günstig, damit die Betreiberin die laufende Instandhaltung leichter finanzieren kann.
Im Verwaltungsausschuss war man sich einig, dass es richtig war, die Entscheidung über die Zukunft des Vier Peh zu überdenken. „Wenn wir kein Interesse gehabt hätten, dass es weitergeht, hätten wir uns nicht so bemüht“, betonte OB Matthias Klopfer. Carmen Tittel (Grüne) hofft, dass die Kneipe an der Flandernstraße rasch wieder durchstarten kann. Andreas Koch (SPD) bedankte sich beim OB und der Verwaltung dafür, dass sie „vom zwischenzeitlichen Aufgeben zum Ermöglichen gekommen sind“. Annette Silberhorn-Hemminger (Freie Wähler) fand, die Einschaltung eines externen Gutachters habe sich bewährt. Wo ein Wille ist, habe sich auch ein Weg gefunden. Lobend erwähnte sie, dass sich die Freunde des Vier Peh tatkräftig engagiert hätten. Rena Farquhar (FDP) zeigte sich „sehr einverstanden mit dem gefundenen Weg“. Tim Hauser (CDU) blickte zurück auf einen „holprigen Weg“ bis zur Einigung, zeigte sich aber beeindruckt von der großen Solidarität mit dem Vier Peh: „Gut, dass wir diese Lösung gefunden haben.“ Martin Auerbach (Linke) resümierte: „Es ist ein schönes Zeichen, dass sich Beharrlichkeit auszahlt und dass guter Wille viel bewegt.“

adi / Archivfoto: Roberto Bulgrin


Der Himmel darf wieder funkeln

Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause gibt es im August wieder das Feuerwerksfestival „Flammende Sterne“ in Ostfildern

Vor zwei Jahren setzte die Pandemie einer Traditionsveranstaltung in Ostfildern ein vorläufiges Ende: Die für August 2020 vorgesehene 18. Auflage des Feuerwerksfestivals „Flammende Sterne“ musste abgesagt werden. Mittlerweile sind die meisten Corona-Beschränkungen aufgehoben. Großveranstaltungen wie das Frühlingsfest auf dem Cannstatter Wasen dürfen wieder stattfinden. Das gilt auch für die „Flammenden Sterne“. Im Augenblick steht einem Neubeginn nichts im Wege. Deshalb hat die MCE Ideenschmiede, die das Festival organisiert, bereits mit dem Ticketverkauf begonnen. „Die Lust der Leute auf spektakuläre Inszenierungen ist groß“, sagt Gesellschafter Jürgen Wünsche. „Viele scharren schon mit den Füßen und fragen nach Karten.“ Wie früher wird es wieder drei Feuerwerksabende geben. Und zwar von Freitag, 19. August, bis Sonntag, 21. August.
Vor der Coronakrise hatte es Diskussionen um die Zukunft der Veranstaltung gegeben. Ausgelöst wurden diese, nachdem die Stadt Konstanz als erste deutsche Kommune den Klimanotstand ausgerufen hatte. Wegen der vermeintlich hohen Umweltbelastung durch die Feuerwerkskörper plante man im Rathaus der Bodenseestadt, das Seenachtsfest künftig ohne Feuerwerk über die Bühne gehen zu lassen. Doch kam man von diesem Vorhaben wieder ab. Bei einer Online-Befragung votierte eine große Mehrheit dafür, an der spektakulären Inszenierung am Himmel über dem See festzuhalten.
Auch in und um Ostfildern meldeten sich damals viele Kritiker zu Wort und forderten, aus Gründen des Umwelt- und Klimaschutzes auf die „Flammenden Sterne“ zu verzichten. Jürgen Wünsche hatte schon damals darauf verwiesen, dass von den Feuerwerkskörpern an den drei Tagen nur eine verschwindend geringe Belastung durch Feinstaub und Kohlendioxid ausgehe. Das habe sich längst durch Untersuchungen bestätigt, sagt er. Der Verband der Pyrotechniker hätte das Thema von Anfang an viel offensiver angehen sollen.
Im Ostfilderner Rathaus ist von der damaligen Skepsis augenblicklich nichts mehr zu spüren. Weil der bis 2023 laufende Fünf-Jahres-Vertrag mit dem Veranstalter wegen Corona nicht eingehalten werden konnte, habe man im Jahr 2020 einen neuen Kontrakt geschlossen, berichtet Erster Bürgermeister Rainer Lechner. Den dort getroffenen Vereinbarungen für zwei weitere Veranstaltungen komme man nun nach. Wenn die Pandemie den Veranstaltern keinen Strich durch die Rechnung macht, werden diese 2022 und 2023 stattfinden. Lechner selbst steht auch aus einem anderen Grund hinter dem Feuerwerksfestival. Die Veranstaltung habe für Ostfildern einen „besonderen Wert“, sagt er. Die „Flammenden Sterne“ seien ein großer Werbeträger für die Stadt.
Um eine Überfüllung des Geländes zu verhindern, werden die Tickets erstmals an einen bestimmten Veranstaltungstag gebunden sein. Bisher konnte man das individuell entscheiden. Die Folge: An Abenden mit gutem Wetter war der Ansturm wesentlich stärker als an Abenden mit niedrigen Temperaturen und Regen. „Mit der neuen Regelung können wir die Besucherströme selbst besser steuern“, sagt Jürgen Wünsche. Rainer Lechner ist ebenfalls überzeugt, dass diese Neuerung sinnvoll ist. In den vergangenen Jahren habe man das Sicherheitskonzept für die Großveranstaltung stetig verbessert. Ziel sei es, maximal 25 000 Menschen an einem Abend auf die Festwiese am Rande des Scharnhauser Parks zu lassen. „Mit der neuen Regelung bleiben wir sowieso unter dieser Marke“, ist er überzeugt.
In der Vergangenheit pilgerten bei schönem Wetter schon mal 50 000 Gäste und mehr an einem Wochenende zu den „Flammenden Sternen“. Doch die Veranstalter erlebten auch so manche Pleite, wenn das komplette Wochenende verregnet und kühl war.

hf / Foto: Hubert Hartmann


Ein gefährliches Vergnügen

Vor dem Start in die neue Motorradsaison warnt die Polizei vor Selbstüberschätzung

Die Zahl der Unentwegten, die das ganze Jahr über auf ihrem Bike sitzen, ist überschaubar. Doch sobald im Frühjahr die Temperaturen in angenehme Zonen steigen, holen viele ihre Maschinen wieder aus der Garage. Motorradfahren ist Vergnügen, bedeutet aber auch zusätzliche Gefahren auf den Straßen. Vor allem dann, wenn Raser unterwegs sind oder Biker, die ihr Fahrkönnen überschätzen. „Gerade zu Saisonbeginn, wenn die Übung schlicht noch fehlt, besteht ein erhöhtes Unfallrisiko“, sagt Martin Raff, Sprecher des Polizeipräsidiums Reutlingen.
Seine Warnung kommt nicht von Ungefähr. In den vier Landkreisen Esslingen, Reutlingen, Tübingen und Zollernalb, die das Präsidium umfasst, gab es 2021 insgesamt 446 Unfälle, an denen Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer beteiligt waren. Sechs ließen dabei ihr Leben, vier mehr als im Jahr zuvor. 108 erlitten schwere Verletzungen, 254 wurden leicht verletzt.
„In 72 Fällen war die Geschwindigkeit die Hauptunfallursache bei den von Motorradfahrern verursachten Unfällen“, berichtet Raff. Bei insgesamt 235 Unfällen dieser Art sei das eine Quote von 30,6 Prozent. Nicht immer sei dabei die zulässige Geschwindigkeit überschritten worden. Oft sei „nicht angepasste Geschwindigkeit“, wie es dann im Polizeibericht heißt, ursächlich gewesen. „Nicht angepasst“ beziehe sich vor allem auf das eigene Fahrvermögen, die Straßenverhältnisse oder den Straßenverlauf.
Bei speziellen Kontrollaktionen auf den beliebten Ausflugsstrecken im Bereich des Polizeipräsidiums wurden in der Motorradsaison 2021 rund 800 Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer kontrolliert. Dabei wurden 500 Verstöße registriert, 290 davon wegen überhöhter Geschwindigkeit. Rund 130 Mal stellten Polizeibeamte technische Mängel an den Maschinen fest.
Gerade zu Beginn der Motorradsaison, wenn man noch nicht wieder richtig vertraut sei mit dem Gefährt und die Übung noch fehle, bestehe ein erhöhtes Unfallrisiko, erklärt Polizeisprecher Raff. Um dieses so weit wie möglich zu reduzieren, müsse man ein paar Dinge beachten.

Routine besonders wichtig
„Ein Motorrad hat keine Knautschzone. Bei Unfällen sind die Fahrerinnen und Fahrer gegenüber Pkw oder Lkw immer im Nachteil.“ Eigentlich eine Binsenweisheit, aber das müsse man sich immer wieder bewusst machen. „Wer mit diesem Bewusstsein unterwegs ist und seine Fahrweise entsprechend anpasst, der trägt viel dazu bei, seine Touren möglichst unfallfrei genießen zu können“, so Raff.
Auch die Beschaffenheit der Straße spiele für Motorradfahrer eine wichtige Rolle. Immerhin beschränke sich der Bodenkontakt der beiden Räder mit dem Asphalt zusammengenommen in der Regel auf ein DIN-A5-Blatt.
Überbleibsel vom Winter wie Salz und Splitt oder vom Frost aufgerissene Schlaglöcher stellten besondere Gefahren dar. Ebenso schattige Kurven, Strecken in Waldstücken oder sonst verunreinigte Straßen, auf denen es schnell glatt werden kann. Um auf solche Straßenverhältnisse möglichst gut vorbereitet zu sein, sei Routine besonders wichtig. Und die müsse nach einer monatelangen Zweirad-Abstinenz zu Beginn der neuen Saison erst wieder neu eingeübt werden. „Das langsame Herantasten an die Geschwindigkeit und die Schräglage sind gerade am Anfang für Bikerinnen und Biker unerlässlich – nicht nur praktisch, sondern auch mental“, erklärt der Polizeisprecher. Sich gedanklich bereits vor Fahrtantritt auf kritische Situationen vorzubereiten, sei ebenso empfehlenswert.
Nicht zuletzt sollte das Bike nach seiner oft halbjährigen Standzeit auf Herz und Nieren überprüft werden. „Der technische Zustand, also unter anderem die Profiltiefe, der Reifendruck, die Bremswirkung oder die Füllstände der Betriebsflüssigkeiten verdienen zwingend besondere Aufmerksamkeit“, erklärt Raff.
Damit die Zahl der Motorradunfälle möglichst gering bleibt, setze das Polizeipräsidium Reutlingen auch in diesem Jahr wieder verstärkt auf Prävention. Im Vordergrund stünden dabei der persönliche Austausch und die Aufklärung.
Ein Aktionstag, wie es ihn schon vor der Coronapandemie regelmäßig gab, ist für den 22. Mai in Hülben geplant. „Wir wissen, dass die überwiegende Mehrheit der Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer überlegt auf den Straßen unterwegs ist und sich an die Verkehrsregeln hält“, betont der Polizeisprecher. Dennoch werde man in den kommenden Monaten wieder zahlreiche Kontrollen ansetzen, vor allem entlang der unter Motorradfahrern besonders beliebten Ausflugsstrecken.

hf / Foto: dpa