Abgestimmt!

Der Verband der Verkehrsverbünde schlägt vor, das 9-Euro-Ticket-Prinzip in einem 69-Euro-Ticket weiterlaufen zu lassen. Gut so?

Foto: dpa

69- statt 9-Euro-Ticket?

  • Ja! (0% )
  • Nein! (0% )
Loading ... Loading ...

Kultur, Kunst, Kulinarisches

Am letzten Juli-Wochenende startet rund um den Esslinger Marktplatz die große Sommersause „Estival“

Tassen, T-Shirts, Taschen, Käppis und Kochschürzen mit dem „Estival“-Logo darauf gibt es bereits – die Marketing-Maschine ist voll angelaufen. Und auch das Event selbst wird kräftig beworben. Auf einer Pressekonferenz lobten der Esslinger Oberbürgermeister Matthias Klopfer und Michael Metzler als Geschäftsführer der mitveranstaltenden Esslinger Stadtmarketing- und Tourismus-Gesellschaft (EST) das „Estival“ mit Superlativen und Vorschusslorbeeren. Ab Freitag, 29. Juli, soll die Sommersause als Zwiebelfest-Nachfolgerin und 13-tägiges Stadtfest erstmals rund um den Marktplatz in Esslingen über die Bühne gehen.
Der Plan mit der Standaufteilung erinnert an antike Schlachtpläne. Doch Jörg Schall als verantwortlicher Architekt ist sich sicher, dass er mit dem Konzept die Schlacht um die Gunst der Besucher gewinnen wird. Das „Estival“ wird ringförmig aufgebaut. Ganz im Innern werden die Versorgungsstände platziert, und um sie herum sollen die Lauben gruppiert werden. Sie sind laut der Veranstalter zu 100 Prozent made in Esslingen – von Esslingern entworfen, von Esslingern entwickelt, von Esslingern gebaut, allein für Esslingen gedacht. In der Ausführung wirkten sie schlicht, meint Jörg Schall. Durch Sicherheits- und andere Auflagen hätten sie sich aber von der einfachen Ur-Idee hin zu einer ingenieurtechnischen Meisterleistung weiterentwickelt. Um diese Lauben herum sollen weitere Stände und auch Liegestühle aufgebaut werden.
Unterhaltung gibt es auch. Petra Pfeiffer, die Leiterin des städtischen Veranstaltungsmanagements, ist für den Entertainment-Part zuständig. Eine Hauptbühne werde am Tor der Stadtkirche St. Dionys aufgebaut. Zwei kleinere Podien werden beim Marktplatz 1 und an der Stadtinformation errichtet. Das Kulturangebot sei so konzipiert worden, dass alle, von den Jüngsten bis hin zu den Ältesten, auf ihre Kosten kommen.
Lichtkünstler, Straßenkünstler, Mittelmeerzauber, Jazzkonzerte, Songwriter oder der Kinder- und Familientag am Sonntag, 7. August, sollen Spannung, Spaß und Spiel garantieren. Hinzu kommen täglich drei Führungen durch die Altstadt, durch die Weinberge oder bei Kessler Sekt. Sogar an Wanderer und Pilger auf dem Jakobsweg wurde gedacht: Wer in Esslingen ankomme und sich bei der Stadtinformation einen Stempel abhole, erhalte einen „Estival“-Gutschein im Wert von zehn Euro geschenkt.
Kulturelle Appetithappen sollen durch kulinarische Leckerbissen ergänzt werden. Sieben Wirte kümmern sich darum, dass Internationales, Raffiniertes, schwäbisch Aufgepepptes und Kreatives auf die Teller kommt. Montags bis freitags soll jeweils von 11.30 bis 14.30 Uhr ein Mittagstisch serviert werden. Trotz Klagen seiner Kollegen wegen fehlenden Servicepersonals betont Salvatore Marrazzo, dass die Suche nach gastronomischen Mitstreitern kein Problem gewesen sei. Durch die Absage des Sommerfestes in Stuttgart sei ein personelles Reservoir frei geworden, auf das zurückgegriffen werden könne.
Trotz aller „Estival“-Euphorie – Corona mit steigenden Fallzahlen feiert mit. Besondere Schutzmaßnahmen mit Bändchen oder Einlasskontrollen sind bislang laut Michael Metzler nicht geplant. OB Matthias Klopfer weist zudem darauf hin, dass es sich um eine Open-Air-Veranstaltung handele. Auch den Termin zu Beginn der Sommerferien verteidigt der Stadtchef. Nach mehr als zwei Jahren pandemiebedingter Pause hätten die Menschen alle Zeit und Lust auf das Feiern. Zudem würden viele Leute erst später verreisen.
Der Wochenmarkt wird in diesen Festzeiten in die Bahnhofstraße verlegt. Und das „Estival“ wird zu Einschränkungen beim Parken und im Verkehrsfluss führen. sw

Info: Das „Estival“ wird am Freitag, 29. Juli, um 16 Uhr eröffnet. Erich Koslowski von den Galgenstricken moderiert die Vorstellung der Hauptakteure. Von 17.30 Uhr an sorgt das Duo Denise Korger und Wolfgang Fuhr mit Rhythm & Blues für Unterhaltung. Bis zum 10. August hat das „Estival“ auf dem Marktplatz täglich von 11.30 bis 23 Uhr geöffnet, freitags und samstags sogar bis 24 Uhr. Mehr Infos im Internet: www.estival-esslingen.de

red / Foto: Roberto Bulgrin


Bademeister verzweifelt gesucht

Auch im Kreis Esslingen fehlt es an den Fachkräften – Respektlosigkeit von Badegästen ist nur ein Grund dafür

Vorfälle wie dieser steigern gewiss nicht die Attraktivität des Bademeister-Berufs: Im Freibad wird wegen Hochbetriebs im Becken der Sprungturm gesperrt. Eine Gruppe Jugendlicher springt trotzdem. Das Personal weist sie aus dem Bad, ein Teil weigert sich zu gehen. Es kommt zu Rempeleien, einem Polizeieinsatz, Anzeigen. Das Ganze trug sich am 19. Juni in Deizisau zu, es hätte jederzeit auch in jedem anderen Bad passieren können.
Der Respekt vor bademeisterlicher Autorität schwin­det überall, ist von Bäderbetreibern und Verbänden zu hören. Und das ist ein Grund, warum Bademeister zum Mangelberuf wurde. Aber nicht der einzige.
Mindestens 2500 Bademeisterinnen und -meister fehlen in Deutschland, schätzt Peter Harzheim, Präsident des Bundesverbands Deutscher Schwimm­meister – „und von der Tendenz her wird die Lücke noch größer.“ Eine Facette also des umfassenden Themas Fachkräftemangel, die auch im Kreis Esslingen spürbar ist. Auch wenn es hier – anders als in Freiburg, Bad Mergentheim, Friedrichshafen, Mannheim oder einigen bayerischen Kommunen – bisher zu keinen großen Einschränkungen kommt. Lediglich das Kirchheimer Freibad hat den Kassenschluss von 20 Uhr auf 19.30 Uhr vorverlegt, weil „aktuell auch bei uns Bademeister fehlen“, sagt Robert Berndt, Pressesprecher der Stadt Kirchheim. Nicht einen Auszubildenden für den Beruf habe man in dieser Saison finden können. Die Stadtwerke Esslingen (SWE), die die Esslinger Bäder betreiben, werben laut Prokurist Dominik Voelker auf mehreren Kanälen für das „vielseitige Berufsbild“. Reichenbach und Deizisau behelfen sich mit externen Dienstleistern.
Leichter indes wird der Job in Zeiten hitziger Temperaturen und offenbar auch Temperamente nicht. „Der Ton wird rauer“, bestätigt Eleonore Wagner vom DLRG-Landesverband Württemberg. Voelker stellt fest: „Leider ist eine Zunahme von Verstößen gegen die Haus- und Badeordnung oder die Anweisungen des Personals zu verzeichnen.“ Beleidigungen und Beschimpfungen des Schwimmbadpersonals seien „besonders an heißen, gut besuchten Tagen an der Tagesordnung“. In den Esslinger Freibädern komme daher zu solchen Stoßzeiten ein Sicherheitsdienst zum Einsatz. Dasselbe in Kirchheim: Beleidigungen seien häufig, Körperverletzungen oder mutwillige Sachbeschädigungen eher selten. Im Schnitt einmal pro Monat müsse das Freibadpersonal die Polizei rufen. In Deizisau komme dies einmal pro Saison vor, sagt Bürgermeister Thomas Matrohs. Trotz der „ärgerlichen Vorgänge“ vom 19. Juni sei man „ein kleines, familiäres Bad“ und wolle dies bleiben. Deshalb achte das Personal konsequent auf Einhaltung der Regeln, brauche dabei aber „schon ein dickes Fell“, räumt der Bürgermeister ein – auch wenn nicht gleich die Polizei kommen muss.
Das musste sie im Jahr 2019 zu rund 40 Straftaten in Freibädern im Kreisgebiet (2020 und 2021 lag die Zahl coronabedingt deutlich niedriger). Bei aller Problematik der statistischen Auswertung, auf welche die Pressestelle der Polizei ausdrücklich hinweist, geht aus den Zahlen hervor, dass Freibäder relativ sicher und keine Brennpunkte der Kriminalität sind. Anzeigen wegen Körperverletzung, Beleidigung, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch bewegten sich jeweils im einstelligen Bereich – pro Jahr auf den Kreis Esslingen berechnet.
Auch schwere Badeunfälle wie am 14. Mai in Neuhausen, als ein Neunjähriger durch das beherzte Eingreifen einer Bademeisterin vor dem Ertrinken gerettet wurde, sind laut Badbetreibern selten. Einsätze wegen in Not geratener Nichtschwimmer oder unbeaufsichtigter Kleinkinder, so ­Voelker, nehmen jedoch zu. Die Verantwortung im wimmelnden Freibad mag die Attraktivität des Fachberufs zusätzlich zum mangelnden Respekt mindern. Diesen hält Jens Popke, beim Schwimmmeister-Bundesverband zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, auch für die Folge eines veränderten Berufsbilds: „Heute soll der Bademeister nicht mehr der strenge Beckenrandlatscher sein, sondern eine nette Servicekraft. Natürlich geht das mit einem gewissen Autoritätsverlust einher.“ Umso mehr komme es darauf an, freundlich, aber bestimmt Regelverletzungen zu unterbinden.
Ansonsten spielen auch bei der Entscheidung gegen den Bademeister-Beruf die üblichen Verdächtigen des Fachkräftemangels eine wichtige Rolle: Unisono wird auf unattraktive Arbeitszeiten mit Schichten von frühmorgens bis spätabends und besonders am Wochenende verwiesen. Hinzu komme, so Eleonore Wagner von der DLRG, eine Ausbildungslücke wegen der Corona-Lockdowns; beziehungsweise eine „Abwanderung von Kollegen, die jetzt als ungelernte Kraft in der Industrie mehr verdienen wie als Fachkraft im Bad“, sagt Verbandspräsident Harzheim. Ein Faktor dabei, ergänzt Popke, sei die regionale Kaufkraft: „Deshalb ist der Bademeister-Mangel im Süden Deutschlands größer als im Norden.“

Von der Wasserchemie bis zur Wiederbelebung

Nicht jeder sogenannte Bademeister oder jede Bademeisterin ist „Geprüfte/r Meister/in für Bäderbetriebe“, wie die offizielle Bezeichnung des Meisterberufs heute lautet. Doch auch ohne diesen Meistertitel haben die professionellen Bademeister eine dreijährige Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe absolviert, an die sich die Weiterbildung zum Meister anschließen kann.
Die Ausbildungsinhalte für diesen Beruf sind außergewöhnlich vielseitig und zugleich umfassend. Laut der Heinrich-Lanz-Schule in Mannheim, der zentralen Bademeister-Schmiede Baden-Württembergs, zählt selbstverständlich Schwimm- und Rettungsunterricht dazu, aber auch medizinische Notfallhilfe bis hin zur Wiederbelebung, die an einer Herz-Lungen-Puppe geübt wird.
Hinzu kommen die Fächer Wasserchemie und Bädertechnik für Theorie und Praxis des Schwimmbadbetriebs mit seinen komplexen Anlagen. Auch die Didaktik von Schwimmkursen kann Teil der Ausbildung sein.

Der 1973 gegründete Verband Deutscher Schwimmmeister mit derzeit 3800 Mitgliedern versteht sich als Interessenvertretung des Berufsstands in fachlichen und arbeitsrechtlichen Fragen.

mez / Foto: Ines Rudel


Kritik an verspäteter Genehmigung

S-Bahn-Verlängerung nach Neuhausen geht frühestens im Dezember 2027 in Betrieb – Eidechsen werden umgesiedelt

Wo künftig die S-Bahn von Bernhausen nach Neuhausen fahren soll, sind derzeit noch Artenschützer zugange: Sie sammeln geschützte Eidechsen ein, um sie anderswo wieder freizulassen. Diese Umsiedlung „wird voraussichtlich noch bis August dauern“, sagt Daniel Kohler, der die Strecke als Projektleiter für die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) betreut. Danach wird ein Team des Landesamts für Denkmalpflege nach Funden aus der Römerzeit graben.
Dass sich nun etwas tut und die lang ersehnte S-Bahn-Verlängerung endlich genehmigt ist, sorgt bei den beteiligten Kommunen für große Erleichterung. Gleichwohl hat das Warten noch kein Ende, etwa auf dem eingezäunten Bahnhofsareal in Neuhausen. Bereits vor einem Jahr haben die Vereine dort ihre Lagerräume räumen müssen, doch gebaut wird immer noch nicht. Auf dem Areal wird das Projekt aber laut Kohler schon vorbereitet. Es werden Habitate für die Eidechsen angelegt, damit diese bei den Bauarbeiten nicht in Gefahr geraten. Ein Teil der Tiere ist ins Egelseegebiet am Ortsende von Neuhausen umgesiedelt worden.
Das Stuttgarter Regierungspräsidium hat die S-Bahn-Verlängerung Anfang Juli genehmigt und den Planfeststellungsbeschluss erlassen. Auch der Landkreis Esslingen – neben dem Verband Region Stuttgart sowie den Kommunen Filderstadt und Neuhausen Mitfinanzierer des Projekts – hat dem derzeit auf 210 Millionen Euro taxierten Schienenbauprojekt zugestimmt. Ebenso der Neuhausener Gemeinderat – einstimmig, gleichwohl unter heftiger Kritik an dem langen Genehmigungsprozess.
Da die Strecke genehmigt ist, sei es jetzt möglich, die Förderanträge zu stellen – dann könnten im Frühjahr 2023 die Vergaben für den 3,9 Kilometer langen neuen Abschnitt der S2 beginnen, sagt Daniel Kohler. Der Baubeginn werde derzeit für das dritte Quartal 2023 angepeilt. „Wenn alles nach Plan läuft, wird die Strecke zum Fahrplanwechsel im Dezember 2027 in Betrieb gehen.“ Da gebe es allerdings viele Risiken, sodass ein späterer Starttermin nicht ausgeschlossen sei.
Die wiederholten Verzögerungen bei dem Infrastrukturprojekt stellen die Gemeinde Neuhausen und die Stadt Filderstadt vor Probleme, denn die städtebauliche Entwicklung wurde behindert. „Es war eine sehr lange Genehmigungszeit, mehr als fünf Jahre. Die Baugenehmigung jetzt ist für uns und alle Beteiligten die Grundlage für die ‚Meilensteinentscheidung Baubeschluss‘“, sagt der Neuhausener Bürgermeister Ingo Hacker. „Jetzt nehmen die konkreten Planungen Fahrt auf. Und wir können mit dem Prozess zum neuen Flächennutzungsplan fortfahren.“ Scharf kritisiert Hacker die Dauer des Verfahrens: „Die Genehmigungsprozesse müssen sich dringend verkürzen, wenn wir die Mobilitätswende hinbekommen wollen.“ In Neuhausen musste nach seinen Worten ein neues Artenschutzgutachten erstellt werden, weil das vorhergehende nach einer gewissen Zeit seine Gültigkeit verloren hatte. Auch Landrat Heinz Eininger monierte die Planungsdauer, dies sei „eine Geschwindigkeit, die man sich nicht leisten kann“.
Der Neuhausener Gemeinderat ist intensiv in die Gestaltung des Bahnhofareals eingebunden. „Die Arbeit in der Projektgruppe wurde von allen als sehr erfolgreich und befruchtend bewertet, sie wird fortgeführt und intensiviert“, sagt Hacker, der die Zusammenarbeit mit den SSB lobt.
Froh ist auch Filderstadts Oberbürgermeister Christoph Traub, dass es nun endlich weitergeht. Dass sich der S-Bahn-Bau so lange verzögert hat, kritisiert auch er. „Die S-Bahn-Verlängerung ist für uns ein wichtiges Infrastrukturprojekt“, stellt er klar. Entlang der Strecke sieht Traub Chancen für neue Gewerbeflächen. Nun könne der Bahnhof geplant werden, und Filderstadt insgesamt werde gewinnen. Dennoch sieht Traub darin nur einen Baustein für die weitere Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs in Filderstadt: „Was uns fehlt, ist ein Anschluss in die Kreisstadt Esslingen.“ Und zwar über eine Schienenverbindung, bei diesem Thema dürfe es keine Denkverbote geben, sagt Traub: „Eine Stadtbahn nach Esslingen, die es ja schon gab, könnte einen Ring schließen.“

eli/red / Foto: Ines Rudel