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Kritik an Buch und Film über Winnetou und Old Shatterhand: Die Darstellung der Indigenen sei klischeehaft, und damit rassistisch. Finden Sie das auch?

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Ist das rassistisch?

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Wartezeiten sorgen für viel Frust

Ein Besuch des Ausländeramts in Esslingen erfordert viel Geduld – Online-Petition prangert „unzumutbare Situation“ an

Die Situation für Kundinnen und Kunden sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ausländeramtes in Esslingen ist unzumutbar. Unendliche Warte- und Bearbeitungszeiten führen zum Verlust von Arbeitsplätzen unter ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, Absagen von Reisen, Verzögerungen von Familienzusammenführungen und vielem mehr.“ Die Online-Petition, die seit 15. August im Netz steht, bringt die langwierigen Probleme in der Unteren Ausländerbehörde der Stadt Esslingen einmal mehr auf den Punkt: Termine seien nicht zu bekommen oder Monate im Voraus vergeben, Anrufe würden nicht angenommen, Anfragen per E-Mail nicht beantwortet, fasst Initiator Sebastian Sohn die Lage zusammen. Der einzige Ausweg sei es, ohne Termin zu den Sprechzeiten zu kommen. Doch die seien in den vergangenen Wochen sogar noch weiter eingeschränkt worden. An dem nun ausschließlich auf Donnerstag beschränkten sogenannten freien Sprechtag seien schon vor Öffnung alle Termine weg. Mit dem Resultat, dass die Menschen, die um die rechtzeitige Verlängerung ihrer Arbeitserlaubnis, ihres Reiseantrages oder anderer Anliegen bangen, völlig frustriert seien. Er fordert die Verantwortlichen auf, „dass aus Bittstellenden wieder Bürgerinnen und Bürger werden.“
„Viele dieser Beobachtungen beschäftigen uns schon länger“, räumt Kai Grünhaupt vom Amt für Soziales, Integration und Sport ein. Diesem Amt ist die Behörde seit wenigen Wochen als „Bürgerservice Einwanderung“ neu zugeordnet. Zuvor war sie unter dem Dach von Ordnungs- und Standesamt. Wie das Bürgeramt kämpft auch das Ausländeramt mit dem Rückstau aus den Hoch-Zeiten von Corona. Dazu kommt ein Personalmangel, der schon seit der sogenannten Flüchtlingskrise 2015 anhält. Seit einem halben Jahr müssen zudem noch die Zuflucht Suchenden aus der Ukraine betreut werden. Im Juli hat man laut Grünhaupt den Bürgerservice Einwanderung für eine Woche komplett geschlossen, um alle offenen Vorgänge zu erfassen und den Bestandsakten zuzuordnen.
Dann habe man ermittelt, wo der dringendste Bedarf sei und Schwerpunktteams gebildet. Das Rathaus habe zudem sieben zusätzliche Stellen ausgeschrieben, darüber hinaus bereite man gerade die Ausschreibungen für zwei weitere vor. Ein eigenes Team für Fragen mit Bezug zur Arbeitswelt solle dafür sorgen, dass für Fachkräfte und Eingereiste mit einem Visum zur Erwerbstätigkeit „kein Job durch Verzögerung bei unserer Behörde in Gefahr gerät“. Drei Mitarbeitende seien für einfachere Sekretariatsarbeiten abgestellt, um den Sachbearbeitern mehr Luft für die komplexeren Fragestellungen zu verschaffen. Zudem werde der Bürgerservice Einwanderung demnächst aus dem benachbarten Konviktbau in das Bürgeramt in der Beblingerstraße 3 umziehen, in dem mehr Schalterplätze zur Verfügung stünden.
Obwohl die Abteilung wieder über eine zentrale Rufnummer erreichbar ist, bekomme man nicht immer gleich jemanden an den Hörer, so Grünhaupt. „Wir sind noch dabei, den Rückstau der vergangenen Jahre abzuarbeiten.“ Zumal Urlaubszeit und aktuelle Corona-Erkrankungen die Ressourcen weiter einschränkten. Ein digitales Terminbuchungssystem, bei dem im Hintergrund eine Priorisierung erfolge, sei jedoch eingeführt. Zudem gebe es eine Erleichterung für die Ausweispapiere: Wenn die sogenannten Aufenthaltstitel von der Bundesdruckerei zurückkommen, brauchen die Adressaten dank eines Einmalcodes jetzt „nur noch einen Termin mit geringer Wartezeit“. Da der Andrang zur freien Sprechstunde donnerstags sehr hoch sei, würden Tickets vergeben. Wer keines mehr erhalte, dem werde ein neuer Termin innerhalb von vier Wochen angeboten. Und für die Aufnahme biometrischer Daten gab es im August vier Sondertermine.
Grünhaupt: „Unser Ziel ist es, den Bürgerinnen und Bürgern wieder kurzfristig Termine anbieten zu können, sodass die freie Sprechzeit an den Donnerstagen dann vor allem für unvorhersehbare Fälle frei bleibt. Gleichzeitig werben wir um Verständnis, dass eine Bearbeitung von mehr als 100 Fällen pro Donnerstag leider nicht möglich ist.“

biz / Foto: Roberto Bulgrin


Die „Aichhörnchen“ feiern

Die Waldkindergärten in Aichwald, Lichtenwald und Baltmannsweiler sind fester Bestandteil der Betreuungslandschaft

Der Waldkindergarten „Aichhörnchen“ in Aichwald war der erste seiner Art auf dem Schurwald. Nun wird er 20 Jahre alt und lädt zum Geburtstagsfest ein. Gefeiert wird zudem die Einweihung des neuen Kindergartengeländes und des neuen Bauwagens, der zwar offiziell schon seit Januar in Betrieb ist, aber wegen der Corona-Auflagen vom Frühjahr noch nicht offiziell eingeweiht werden konnte. „Wir wollen unseren Gästen einen Einblick in unsere pädagogische Arbeit geben und was hier im Kindergarten passiert“, sagt Riccarda De Vico vom Trägerverein.
Ihren angestammten Platz mitten im Wald hatten die „Aichhörnchen“ Ende Dezember aus Sicherheitsgründen und wegen geänderter rechtlicher Vorgaben räumen müssen. Bis der neue Platz endlich gefunden war – nur einen Steinwurf vom alten Gelände entfernt und außerhalb des Waldes auf einer privaten Wiese gelegen – hatte es fast zwei Jahre gedauert. Zwischenzeitlich war der sogenannte Gestattungsvertrag mit der Gemeinde Aichwald nur mit teuren Auflagen verlängert worden.
Gefragt, wie der neue Platz bei den Kindern ankomme, runzelt Vereinschefin Melanie Grau etwas die Stirn. Früher sei der Bauwagen Teil des Waldes gewesen, heute sei das anders. Unterm Strich jedoch sind Grau und ihre Mitstreiter sehr zufrieden, vor allem mit der Zusammenarbeit mit der Gemeinde und der finanziellen Situation. Hatte die Schurwaldgemeinde anfangs 60 Prozent der Betriebskosten getragen, so werden inzwischen 90 Prozent des jährlichen Defizits ausgeglichen.
Als vor 20 Jahren einige Eltern die Idee für einen Waldkindergarten hatten, stieß dieses Ansinnen in Aichwald anfangs nicht nur auf Gegenliebe. Es gab Stimmen, die sorgten sich um das Wohl der Kinder, die sie bei Regen, Eis und Schnee nicht in den Wald schicken wollten. Andere hatten befürchtet, der Waldkindergarten könnte den kommunalen Kindergärten Konkurrenz machen. Heute sind die 20 „Aichhörnchen“-Plätze fester Bestandteil des Kindergartenbedarfsplans der Gemeinde, die selbst drei Kindertagesstätten mit zusätzlich zwei Krippengruppen und eine reine Kinderkrippe betreibt. In den zwölf Kitagruppen gibt es Platz für 285 Kinder, in den sechs Krippengruppen stehen 60 Plätze zur Verfügung.
Aichwalds Hauptamtsleiter Stefan Felchle geht davon aus, dass die Gemeinde ohne den Waldkindergarten in einer ihrer Kindertagesstätten noch eine weitere Gruppe eröffnen müsste. Allerdings kommt Aichwald ein Platz im Waldkindergarten keineswegs billiger. Felchle beziffert die Kosten unter Berücksichtigung der Landeszuschüsse, die einen erheblichen Teil der Einnahmen ausmachen, beim kommunalen Kindergarten auf 1555 Euro pro Kind und Jahr und beim Waldkindergarten auf 3950 Euro.
In Lichtenwald hat – anders als in Aichwald – die Gemeinde die Trägerschaft für den Waldkindergarten „Waldkitz“ übernommen. Er steht seit 2017 gleichberechtigt neben den beiden anderen kommunalen Kindergärten in Hegenlohe und in Thomashardt und bietet in einer Gruppe 20 Kindern Platz und zehn Kindern in einer zweiten Gruppe. Die Nachfrage ist laut Bürgermeister Ferdinand Rentschler jedoch so groß, dass die zweite Gruppe schon bald auch 20 Kinder aufnehmen soll. „Der Waldkindergarten ist für uns nicht einfach ein Lückenbüßer, sondern eine tolle Alternative“, sagt Rentschler.
Sebastian Bauer, der stellvertretende Hauptamtsleiter von Baltmannsweiler, verweist auf die 266 Betreuungsplätze, die sich in der Gemeinde auf drei kommunale Einrichtungen sowie auf das „Spatzennest“ der evangelischen Gesamtkirchenpflege Esslingen und den von einem privaten Verein getragenen Waldkindergarten „Schurwaldspatzen“ verteilen. Bauer unterstreicht verschiedene pädagogische Schwerpunkte und die Vielfalt der Betreuungsangebote. Der Waldkindergarten feiere in diesem Jahr zehnjähriges Bestehen und habe sich zu einem wichtigen Bestandteil in der Betreuungslandschaft entwickelt.

kai / Foto: Andreas Kaier


Warten auf den Wartungstermin

Wer seine Heizung optimal einstellen lässt, kann viel sparen – Problem: Handwerker sind derzeit völlig ausgebucht

Die Situation bei der Gasversorgung ist ernst. Deshalb appellieren Politiker, den Verbrauch zu reduzieren, wo es nur geht. Der Aufruf von Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, war eindringlich. „Lassen Sie Ihre Gasbrennwertkessel und Ihre Heizkörper überprüfen und effizient einstellen“, sagte er in einem Interview, „das muss jetzt passieren und nicht erst im Herbst.“
Doch Hausbesitzern und Wohnungseigentümern, die damit angesichts dramatisch gestiegener Energiepreise und möglicher Engpässe Ernst machen wollen, sind die Hände gebunden. Auf die Schnelle sind Handwerker nämlich gar nicht zu bekommen. Es kann Monate dauern, bis ein Techniker erscheint, um die Heizung zu warten oder zu modernisieren. „Wir sind bis oben hin voll“, sagt Wolfgang Sauer, Seniorchef des Heizungsbauers Kienle-Roki in Berkheim. Um die fünf Anrufe täglich bekommt er derzeit von Kunden, die ihre Heizung auf Vordermann bringen lassen wollen. Aber selbst seine Stammkunden muss der Esslinger Betrieb vertrösten, neue Kunden haben überhaupt keine Chance.
Nicht viel anders sieht die Situation bei der Firma Gugel in Nürtingen aus. „Wir haben auch vorher schon viele Überstunden gemacht. Aber jetzt hat sich die Situation noch weiter zugespitzt“, sagt Tobias Gugel. „Die Auftragsbücher sind im Moment so gut gefüllt wie selten – für den Sommer ist es ein absoluter Höchststand“, fasst Frank Ebisch vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) die Situation in der Branche zusammen. Im Durchschnitt seien die Firmen für 18 Wochen ausgelastet, wie eine Umfrage unter Mitgliedsunternehmen ergeben habe. Bei Tobias Gugel gibt es häufig nur noch Termine, wenn die Heizperiode schon längst begonnen hat. „Aber lieber spät als nie“, findet der Nürtinger.
Es ist nicht nur die gestiegene Nachfrage, die Probleme bereitet. Zu schaffen macht dem Handwerk auch der Fachkräftemangel. Seit fünf Jahren sucht etwa der Esslinger Betrieb Kienle-Roki neue Mitarbeiter – vergeblich. „Ein bis zwei Kundendienstmonteure und zwei Haustechnik-Installateure zusätzlich wären bei uns gut beschäftigt“, sagt Wolfgang Sauer. Aber es gibt sie auf dem Markt nicht. Die Urlaubszeit und Corona verschärfen den Personalmangel. „Es ist Chaos, es kommt einfach alles zusammen“, beschreibt der Seniorchef die Situation. Dazu kommen Lieferengpässe. Wann Material oder Ersatzteile geliefert werden und ob überhaupt jemals etwas ankommt, sei oft nicht absehbar. Extremen Mangel gebe es derzeit beispielsweise bei Wärmepumpen.
Bei den Menschen wächst die Angst, dass die Wohnung im Winter kalt bleiben könnte. Deshalb steigt die Nachfrage nach zusätzlichen Heizmöglichkeiten. Heizlüfter, Radiatoren oder Konvektoren sind im August normalerweise eher Ladenhüter. Jetzt wird gekauft, was noch zu haben ist. „Dass Ventilatoren und Heizgeräte gleichzeitig so gefragt sind, das gab es wirklich noch nie“, sagt Frank Ernst, Inhaber von Profi Ernst, einem Baumarkt in Esslingen.
„Die Kunden kaufen derzeit alles, was wärmt“, sagt Ernst. Dass er mitten im Sommer nachbestellen muss, sei sehr ungewöhnlich. Es gebe zwar noch genügend Geräte, aber nicht immer bekomme der Kunde genau das, was er sucht. Denn einzelne Produkte sind auch beim Hersteller ausverkauft. Unterdessen raten Verbraucherschützer davon ab, die Wohnung mit strombetriebenen Heizlüftern zu heizen. Das lohne sich trotz hoher Gaspreise nicht, warnen sie vor Kostenfallen. Außerdem könne das Stromnetz überlastet werden.
Gefragt sind auch alle Alternativen zu Gas oder Öl. Bei Profi Ernst in Esslingen sind Briketts teilweise sogar ausverkauft. Ob das daran liegt, dass die Kunden bereits horten oder es Lieferengpässe gibt, das kann Frank Ernst derzeit noch nicht sagen. Auch Holz für den Kamin oder Kachelofen als zusätzliche Wärmequelle sei heiß begehrt.

pep / Foto: dpa


Abgestimmt!

Sollten angesichts drohender Energieengpässe und stark steigender Energiepreise Atomkraftwerke doch eine Zukunft haben?

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Weiterhin Atomkraft?

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Müssen Kanuten weichen?

Wassersportler zweier Esslinger Vereine bangen um ihre Zukunft, falls der Radschnellweg ans Nordufer kommt

Donnerstagabend am Neckarufer bei Mettingen: Bei der Kanuabteilung der SV 1845 Esslingen wuselt es. Dreimal in der Woche ist Training für alle. Auf dem Neckartalradweg, der das Vereinsgelände und seine drei Bootshäuser vom Fluss trennt, ist auch jede Menge los: Berufspendler, Freizeitradler, Spaziergänger – wer dann noch ein Kanu schultert oder die bis zu elf Meter langen und 120 Kilogramm schweren Canadier über den Weg hievt, muss gewaltig aufpassen, berichtet der Abteilungsleiter Christian Späth. Zumal die Sicht ziemlich eingeschränkt ist mit einem Boot.
Wenige Kilometer flussaufwärts am Färbertörlesweg hat die 1924 gegründete Kanu-Vereinigung Esslingen ihr Vereinsheim, von der sich die Kanuabteilung der SV 1845 Esslingen 1929 im Streit abgespalten hatte. Heute hat man nicht nur ein freundschaftliches Verhältnis, wie die Vorsitzende Sara Elholm betont. Sondern auch das gleiche Problem: Die Vorzugstrasse für den geplanten Radschnellweg Neckartal droht, den insgesamt 450 Mitgliedern und 600 Booten das Wasser abzugraben.
Wird sie tatsächlich – wie bislang vom Regierungspräsidium (RP) favorisiert – zwischen der Markungsgrenze Stuttgart und dem Esslinger Alicensteg auf der Nordseite des Neckars verlaufen, kostet das die Vereine nicht nur eine vier Meter breite Trasse über ihr Gelände. Sie müssten dann auch noch mit ihren Booten die Radautobahn überqueren, für die ein Nutzerpotenzial von rund 6000 Fahrten am Tag vorausgesagt wird. Die Konflikte sind absehbar, so Späth: Gar nicht zu denken an Veranstaltungen wie die Reichsstadt-Regatta, die bis zu 300 Leute auf engstem Raum anziehe und für die man das ganze Vereinsgelände brauche. „Wenn was passiert, sind wir in der Haftung“, befürchtet Elholm, zumal die Kanu-Vereinigung auch mit dem Rohräckerschulzentrum kooperiere.
Die Kanuabteilung der SV 1845 müsste sich zudem von einer ihrer Hallen samt Bootsanleger verabschieden, die am Neckarradweg liegt. Die Immobilien gehören den Vereinen, das Gelände ist größtenteils in Erbbaupacht von der Stadt gemietet. Der Kanuabteilung gehört auch der Grund und Boden für zwei ihrer drei Bootshallen, darunter der am Neckarradweg.
Als man vor ein paar Jahren aus der Presse von der Machbarkeitsstudie für den Radschnellweg erfahren habe, „sind wir gleich aktiv geworden und haben Stadt und RP eingeladen“, so Späth. Aber nach jeder Begegnung hieß es, es sei noch keine Entscheidung gefallen. Das ist auch bis jetzt nicht passiert. Der Gemeinderat hat sich zwar darauf festgelegt, den Radschnellweg ab dem Alicensteg in Richtung Deizisau auf die südliche Neckarseite zu verlegen. Für den Abschnitt zwischen Markungsgrenze Stuttgart und Alicensteg haben die Planer im RP aber bislang die Nordseite des Neckars durch den geplanten Neckaruferpark bevorzugt – weil sie verkehrstechnisch einfacher und mit mehr Nutzerpotenzial verbunden sei als eine Trasse durch die Pliensauvorstadt. Auf Nachhaken der SPD werden derzeit aber beide Varianten noch einmal verglichen.
Die Vereine fordern, das Nordufer und den Neckaruferpark zu verschonen. „Wir brauchen eine Zukunftsperspektive“, betont die SV-1845-Vorsitzende Margot Kemmler. Sollte es bei der Nordtrasse bleiben, könnte die Kanu-Vereinigung notfalls mit einem Stichkanal unter der Trasse hindurch leben, auf dem sie schon auf dem Vereinsgelände ihre Boote wässern könnte, so Elholm. Die Kanuabteilung der SV 1845 würde ihrerseits dafür plädieren, die Trasse auf den Fahrweg vor dem Vereinsheim zu legen und Grundstücke zu erwerben, um das Bootshaus neu zu bauen, so Späth. Er befürchtet eine Zwangsenteignung.
„Mit der Nordvariante kann man die meisten Menschen für den Radschnellweg gewinnen“, meint indes Petra Schulz vom VCD Esslingen. „Da sich die Aktivitäten der Kanuvereine in überschaubaren Zeitfenstern bewegen, halten wir kurze Wartezeiten, etwa mithilfe einer Anforderungsampel, für vertretbar.“ Gebe es keine andere Lösung, sei das eine „gute Interessenabwägung“ zwischen Kanusport und klimafreundlicher Alltagsmobilität.

biz / Foto: Roberto Bulgrin


Weniger Fracht, Pegel konstant

Aktuell ist der Neckar nicht vom Niedrigwasser betroffen – Frachtschiffe haben die Ladung an Bord reduziert

Wegen der Trockenheit sinken seit Wochen die Wasserpegel der Flüsse und Seen in Baden-Württemberg. Zuletzt veröffentlichte die Landesanstalt für Umwelt eine besorgniserregende Mitteilung. Demnach liege der Wasserstand bei 80 Prozent der Flüsse und Seen im Land auf einem Niveau, das unter dem niedrigsten Wasserstand eines durchschnittlichen Jahres liegt. Besonders hart hat es Deutschlands wichtigste Wasserstraße getroffen – den Rhein. Aber auch im Kreis Esslingen macht sich das Niedrigwasser bemerkbar. Die Frachtschiffe, die über den Neckar wichtige Rohstoffe anliefern, können nämlich nicht so viel laden wie sonst.
Das liegt nicht daran, dass der Neckar zu wenig Wasser hat, erklärt der Geschäftsführer des Plochinger Hafens, Gerhard Straub. Denn: „Der Neckar wird so stark staugeregelt, dass uns das nicht so sehr betrifft.“ Die zahlreichen Stauanlagen, wie jene hinter dem Gebäude des Esslinger Landratsamtes oder die Staustufe in Oberesslingen, regeln, dass der Wasserpegel konstant bleibt und eine Fahrrinne von 2,80 Meter gewährleistet werden kann. Das Problem liegt woanders.
Nur, weil der Pegel im Neckar konstant ist, bedeutet das nicht, dass das landesweite Niedrigwasserproblem an den Unternehmen in der Region spurlos vorbeigeht. Die wenigsten Frachtschiffe verkehren ausschließlich auf dem Neckar. Die Mehrzahl legt weite Distanzen zurück und muss den Rhein passieren, um den Plochinger Hafen anzusteuern. Deshalb gibt es einige Kähne, die weniger Fracht laden können und somit auch weniger Waren in den Neckarhäfen abliefern.
Rohstoffe und Güter, die vor ein paar Wochen auf ein einziges Schiff gepasst haben, müssten teilweise auf drei verteilt werden, erklärt Straub. Das stellt einige Logistiker vor große Herausforderungen. So bezieht das EnBW-Kraftwerk Altbach/Deizisau einen Teil seiner Kohle über den Fluss. In Anbetracht der derzeitigen Lage bedeutet das, „dass sich sowohl die Anzahl ,einsatzfähiger Schiffe‘ als auch die möglichen Lademengen in unterschiedlicher Größenordnung reduzieren“, sagt Unternehmenssprecherin Ricarda Bohn. Und das führt dazu, dass die Transport- und Einsatzkosten der Kraftwerke steigen.
Allerdings habe sich die EnBW in den vergangenen Monaten Vorräte angelegt. Die Kraftwerke – also auch das in Altbach/Deizisau – verfügen laut Bohn derzeit über einen „hohen Bestand“. Neben dem Weg über den Neckar hat das Kohlekraftwerk in Altbach aber auch eine Schienenanbindung. Die Kohle kann also auch per Zug angeliefert werden.
Doch weil die Frachter weniger Ladung aufnehmen können, verlagern viele Unternehmen ihre Lieferungen auf den Schienenweg. „Die Situation ist bei allen Bahntransportdienstleistern angespannt“, erklärt EnBW-Sprecherin Bohn. Das Energieunternehmen begrüße deshalb die „Bestrebungen, den Bahntransporten von Energierohstoffen Priorität einzuräumen“, sagt sie. Inwieweit das Niedrigwasser die Energiekrise verschärfen könnte, bleibt fraglich. Fest steht, dass sich die EnBW derzeit „mit Hochdruck“ auf den Winter vorbereitet und weiter ihre Vorräte aufstockt.
Wenn es also in der Anlieferung hakt, kann man sich vorstellen, dass das nicht spurlos an der Versorgung vorbeigeht. Auch aus ökologischer Sicht ist das Niedrigwasser in der Region Stuttgart und im ganzen Land problematisch. Denn wenn die Loks keine Kapazitäten mehr haben, müssen die Schiffsgüter mit Lastern ausgeliefert werden. Das würde nicht nur die Preise weiter in die Höhe treiben, sondern wäre auch für Natur und Umwelt eine Belastung. Wie ernst die Lage im Plochinger Hafen ist, lässt sich schwer beziffern.
Im Juli gab es zwei Wochen Wartungsarbeiten an Schleusen, die Umschlagszahlen waren also ohnehin geringer. Laut Straub betrage der Umschlag derzeit etwa 40 Prozent von dem, was sonst üblich ist. Trotzdem bleibt er optimistisch. Zu Niedrigwasser komme es immer wieder, die Dürre 2018 sei deutlich extremer gewesen. Und auch wenn es derzeit mehr sein könnte: „Es ist noch Umschlag da.“

dcb / Foto: Roberto Bulgrin


Klimaschutz im eigenen Garten

Heimische Bäume und Blumen dienen Tieren als Futterquelle und Unterschlupf

Wie wichtig grüne Oasen sind, zeigen die Herausforderungen des Klimawandels. Dessen Folgen abzumildern, haben sich Umweltverbände und Verbände der Landschaftsgärtner auf die Fahnen geschrieben. Sie sagen, Klimaschutz fängt bereits im eigenen Garten an.
Bäume sind Alleskönner, sie spenden Schatten und schützen vor Lärm, Abgasen und Wind, erklärt der Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Sie erfreuen mit ihrer Blütenpracht und einem grünen Blätterdach und im Herbst mit ihren Früchten. Bäume begünstigen das Klima, indem sie Sauerstoff produzieren, CO2 speichern und Feuchtigkeit verdunsten. Das schafft ein angenehmes Mikroklima. Für den Garten eignen sich heimische Obstbaumarten sowie Vogelkirsche, Linde oder Holzapfel. Bevor ein Baum in den Garten kommt, sollte der Platzbedarf bedacht werden, denn aus einem kleinen Setzling entwickelt sich mit den Jahren ein raumgreifender Baum.
Bäume und Sträucher sind wichtiger Lebensraum für Insekten, und diese zählen neben den Gartenfrüchten zu den wichtigsten Nahrungsquellen für Gartenvögel. Besonders reich decken heimische und laubabwerfende Arten den Tisch für Insekten. Rolf Frey vom Kreisverband Esslingen des Nabu wirbt für die richtige Wahl beispielsweise beim Kauf einer Linde. Während Sommer- und Winterlinde eine gute Wahl seien, drohten Insekten bei der Krimlinde zu verhungern, weil sie weniger Pollen und Nektar biete.
Immergrüne oder exotische Bäume und Sträucher wie Forsythie, Rhododendron oder Thuja eignen sich nicht für einen vogelfreundlichen Garten. Sie dienen höchstens als Nistplatz für Brutvogelarten, die gerne in dichtem Gehölz nisten, das ihnen Schutz vor Fressfeinden bietet. Holunder oder Schwarzdorn eignen sich dagegen gut, erklärt der Nabu-Sprecher, und die Früchte des hei­mischen Weißdorns werden von 32 Vogelarten gefressen.
Weil viele Tierarten auf ganz bestimmte Früchte spezialisiert sind, eignet sich beispielsweise gut eine Mischhecke aus Hasel, Rotem Hartriegel, Holunder, Brombeere oder Wildrosen. Früh brütende Arten nutzen für ihre erste Aufzucht übrigens gerne immergrüne Pflanzen wie Efeu oder Stechpalme.
Je weiter der Sommer voran schreitet, umso weniger ungefüllte Blüten finden Insekten im Garten. Der Nabu rät, deshalb im Rasen ein paar Quadratmeter stehen zu lassen, damit Klee und andere Wiesenblumen als Nahrungsangebot dienen können. Auch wer den Rasen nicht so kurz abmäht, lässt Raum für kleinere Wildblumenarten.
Viele Tiere finden Unterschlupf und Lebensraum unter abgestorbenen Ästen, Stubben und modernden Stämmen im Garten, die man zum Beispiel als brom­beerüberwachsenen Reisighaufen anlegen kann. Neben zahlreichen Insektenarten finden im und am toten Holz zum Beispiel ­Kröten, Spitzmäuse, Igel und Wiesel und ­andere Kleintiere Nahrung und einen Unterschlupf.
Wer Zauneidechsen etwas Gutes tun will, legt im Garten einen Steinhaufen oder Natursteinmauern an, denn diese Tiere lieben es sonnig und warm. Selbst mit einem einfachen Steinhaufen in einer sonnigen Ecke des eigenen Gartens nehmen sie vorlieb.

com / Foto: dpa


Abgestimmt!

Finanzminister Christian Lindner will angesichts der hohen Inflation Bürger um zehn Milliarden Euro entlasten. Kommt die Finanzspritze zum falschen Zeitpunkt?

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Steuern runter?

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Ein Himmel voller Funken

Vom 19. bis 21. August gibt es wieder Flammende Sterne – Pyrotechniker aus Österreich, Deutschland und Italien

Feuerwerk ist nicht gleich Feuerwerk – zumindest nicht, wenn man – wie bei Flammende Sterne in Ostfildern – gestandene Pyrotechniker-Profis zu Gast hat. Die weltbesten Feuerwerker treffen sich hier seit mittlerweile 20 Jahren zu einem besonderen Wettkampf: „Drei Tage, drei Feuerwerke – ein Sieger“ heißt das Motto vom 19. bis 21. August bei den Flammenden Sternen.
An dem Festivalwochenende erwartet das Publikum im Scharnhauser Park „das Spektakulärste, was man aus Feuer und Musik machen kann“, wie es in der Pressemitteilung der Veranstalter heißt. Ein Superlativ, der durchaus seine Berechtigung hat. Denn, wenn die Feuerwerker um 22.15 Uhr loslegen, tanzen wieder Millionen von Funken über den nächtlichen Himmel, präzise abgestimmt auf den Takt der Musik, ändern von einem Moment zum anderen ihre Farbe und Form und verglühen wie auf Knopfdruck, wenn ihr Part in der himmlischen Choreografie vorüber ist.
Die Jury entscheidet
2022 treten nach zweijähriger Coronapause wieder drei Meister der explosiven Kunst gegeneinander an: Pyrotechniker aus Österreich, Italien und Deutschland präsentieren eine spektakuläre Mischung aus Feuer und Musik. Welches Feuerwerk am Ende überzeugt, entscheidet eine Jury. Flankiert werden die Flammenden Sterne von einem abendfüllenden Festivalprogramm mit Livemusik, Lasershow, Artisten, Feuershows, dem Flammenden Sterne-Markt und einer bis ins kleinste Detail durchdachten Illumination des Veranstaltungsgeländes. Schon der Feuerwerksauftakt am Festival-Freitag verspricht Ungewöhnliches: Mit „Feuerwerke Jost“ aus Österreich tritt ein äußerst experimentierfreudiges Team zum Wettkampf an, das seit mehr als 25 Jahren professionelle Feuerwerke umsetzt.
Heimspiel am Samstag
Am Samstag gibt es ein Heimspiel, denn dann steigt „Innovative Pyrotechnik“ aus Stuttgart in den Ring – für Flammende Sterne-Fans ein Highlight, ist das Stuttgarter Team doch zweifacher Feuerwerks-Weltmeister. Das dritte Musikfeuerwerk am Sonntag verspricht leidenschaftliches Temperament: Enrico Pagano Pirotecnica reisen aus Neapel, quasi direkt vom Fuß des Vesuvs, nach Ostfildern. Dabei begeistern die Pyrotechnik-Teams die Besucherinnen und Besucher nicht nur mit ihren spektakulären Shows, sondern bringen auch immer ihre Traditionen und Besonderheiten mit zu den Flammenden Sternen.
Um die große Flammende Sterne-Fangemeinde schon vor den Feuerwerken auf Betriebstemperatur zu bringen, gibt es an allen drei Festivaltagen traditionell ein Aufwärmprogramm mit Countdown. Dieses beginnt mit der Vorstellung des jeweiligen Feuerwerksteams und der Nationalhymne und gipfelt in einer bunten Lasershow. Sie hat sich in den vergangenen Jahren als rasanter Einheizer vor den Feuerwerken etabliert. Für die Lasershow ist dieses Jahr die Firma Bam Bam FX aus Rottweil zuständig. Die Rottweiler Künstler – denn als solche verstehen sie sich – sind seit knapp 20 Jahren im Geschäft.
Ein großes Fest
Die Flammenden Sterne versprühen allerdings an allen drei Tagen schon lange vor den Feuerwerken sommerliches Festivalflair. Auf verschiedenen Bühnen können die Festivalgäste ab 18 Uhr Livemusik erleben, im Parkgelände sind Feuerkünstler, Comedy-Artisten und Streetdancer unterwegs. Und nicht zuletzt bietet die Gastronomie in weißen Pagodenzelten und Foodtrucks eine große Auswahl an Speisen und Getränken. Ausgelassene Festivalstimmung und Achtsamkeit gehen bei den Flammenden Sternen Hand in Hand. So legen die Veranstalter Wert auf regionale Produkte und Anbieter.

red / Archivfoto: Roberto Bulgrin