Abgestimmt!

Die Coronaregeln ab Herbst sehen vor, dass man mit bezahlten Tests oder „frisch geimpft“ überall Zutritt hat. Lassen Sie sich neu piksen?

Foto: dpa

Wieder ein Piks?

  • Nein! (99% )
  • Ja! (1% )
Loading ... Loading ...

Gegen Starkregen gewappnet

Schutz kostet Deizisau mindestens 1,6 Millionen Euro – Am Berghof braucht man verpachtete Flächen wieder

Als das Wasser im vergangenen Sommer nach einem Starkregen an einigen Stellen in Deizisau Keller und Garagen überflutet hatte, war für Verwaltung und Gemeinderat klar: Es muss etwas getan werden. Kurz darauf legte die Ratsrunde erste Maßnahmen fest. Nun hat sich das Stuttgarter Ingenieurbüro Winkler und Partner mit dem Thema beschäftigt und untersucht, wo das Risiko am größten ist. Zudem unterfütterten die Ingenieure die elf Einzelvorschläge mit einer Kostenschätzung und einem Zeitplan. Voraussichtlich muss die Gemeinde in den nächsten Jahren mehr als 1,6 Millionen Euro in ihr Starkregenrisikomanagement stecken. Die Deiziauer Gemeinderäte beauftragten die Stuttgarter Ingenieure mit weiteren Planungen.
Ein großes Risiko für Überschwemmungen nach starken Regenfällen sehen die Ingenieure an drei von elf Stellen in Deizisau. Auch am Gsaidweg beim Kinderhaus Arche Noah, wo geplant ist, die Schachteinläufe und den dortigen Graben zu optimieren und möglicherweise kaskadenartig kleine Rückhaltebecken anzulegen. Die Experten gehen davon aus, dass die Gemeinde allein für dieses Projekt, das noch 2022 umgesetzt werden soll, bis zu 110 000 Euro ausgeben muss. Um sofort etwas gegen mögliche Überschwemmungen zu tun, wurden dort bereits wie auch in der Kirchstraße einige normale Schachteinläufe gegen leistungsstärkere, sogenannte Bergeinläufe, ersetzt und oberhalb des Nelkenwegs ein kleiner, etwa 50 Zentimeter hoher Damm aufgeschüttet.
Weil nach starken Regenfällen das Wasser an der Kreuzung der Köngener Straße mit der Hohenstaufenstraße ungehindert in den Ort schießen kann, müssen auch dort die Einläufe in die Kanalisation optimiert und möglicherweise eine Abflussrinne quer über die Straße gezogen werden – Kosten: 70 000 Euro. „Das Problem ist, dass die Straße an dieser Stelle sowohl von Autos, als auch von Radfahrern und Fußgängern genutzt wird“, beschreibt Deizisaus Bürgermeister Thomas Matrohs die Aufgabe, die ebenfalls in diesem Jahr gelöst werden soll.
Einen großen Nutzen im Kampf gegen mögliche Überflutungen verspricht sich der Deiziauer Verwaltungschef auch vom bereits geänderten Einlauf des Gsaidbachs in seine Verdolung, dort wo der Bachwiesenweg in die Kirchstraße einmündet. Im vergangenen Sommer hatte sich der Schmutzfangrechen am Einlauf derart schnell zugesetzt, dass das Wasser ungehindert in die Kirchstraße und die Gutenbergstraße schoss und dort Keller überflutete. Inzwischen wurde der Rechen vergrößert, wodurch er sich nicht mehr so schnell zusetzt. Zusätzlich sind entlang des Gsaidbachs Rückhalteflächen angedacht.
Nicht ganz unproblematisch ist die sogenannte Maßnahme Berghof, für die sich eine Kostenschätzung auf 615 000 Euro beläuft. Zwar stehen genauere Untersuchungen des Ingenieurbüros aus, doch könnten entlang des Betonwegs zwischen Achalmstraße und Köngener Straße ein kleiner Damm oder andere Schutzvorkehrungen notwendig werden. Das Problem: Das dafür benötigte Gelände – ein 15 Meter breiter Streifen entlang des Betonwegs – gehört der Gemeinde, doch hat sie die Flächen an Eigentümer der angrenzenden Wohnhäuser verpachtet.
Obwohl es der Pachtvertrag laut Matrohs untersagt, wurden die Gärten zum Betonweg hin mit Zäunen, Hecken und anderen Pflanzen abgegrenzt, die nun womöglich weg müssen. „Früher war dort die Südumfahrung Deizisaus angedacht“, erklärt Matrohs, weshalb die Grundstücke der Gemeinde gehören. „Die entsprechenden Pläne sind längst in Schubladen verschwunden und werden wohl nie wieder herausgeholt.“ Deshalb müsse der Gemeinderat abwägen, ob und wie die notwendigen Eingriffe finanziell ausgeglichen werden. „In jedem Fall steht der Hochwasserschutz für uns im Vordergrund“, betont der Bürgermeister. Auf die Pächter möchte die Verwaltung dann zugehen, wenn konkretere Planungen für den Hochwasserschutz vorliegen.

kai / Foto: Andreas Kaier


Altstadtring soll erneuert werden

Die Stadt plant eine umfassende Umgestaltung der Ringstraße rund um die City – Noch fehlt ein Gesamtkonzept

Der Esslinger Altstadtring ist nicht mehr zeitgemäß. Aus heutiger Sicht ist das Konstrukt aus den 1960er Jahren zu einseitig auf den Autoverkehr ausgerichtet, wirkt als massive Schneise und widerspricht dem Wunsch nach Aufenthaltsqualität in der Innenstadt. Deshalb will die Stadt ihre wichtigste Verkehrsader nun grundlegend umgestalten – allerdings nur häppchenweise.
Denn bislang fehlt das große Konzept. Ideen gibt es zwar, doch sie müssen auch umsetzbar sein. Und bis eine Gesamtvision bis ins Detail ausgearbeitet ist, könnten Jahre vergehen. Darauf will man im Rathaus nicht warten. Die Zeit drängt, schließlich hat die Stadt gerade erst ihren Klimamobilitätsplan verabschiedet. Demnach will sie bis 2030 rund 40 Prozent aller CO2-Emissionen des Verkehrssektors gegenüber 2010 einsparen. Ein neu gestalteter Altstadtring soll einen wichtigen Beitrag zur dafür notwendigen Mobilitätswende leisten, kumuliert hier doch ein Großteil des Esslinger Verkehrs. Deshalb hat man sich für ein modulares Konzept entschieden. So könnten erste Bereiche schon bald in Angriff genommen werden, während für andere erst noch überzeugende Lösungen braucht. Dabei sollen nicht nur Verkehrsplanung, sondern auch städtebauliche Aspekte im Fokus stehen.
Langfristig will man den Altstadtring nach Westen erweitern. Statt über die Berliner soll der Verkehr dann unter anderem über die Mettinger Straße um die neue Weststadt herum führen. Hier lassen sich aus Sicht der Stadt schon jetzt erste Vorhaben im westlichen Teil des Rings umsetzen – zumal diese keine erheblichen Auswirkungen auf das Verkehrsnetz hätten. Konkret soll noch in diesem Jahr mit der Aufwertung der Berliner Straße begonnen werden. Auch eine Umgestaltung der Schlachthausstraße, der angesichts des Neubaus der Hochschule sowie der Entwicklung des Stadtwerke- und des Schlachthausareals in Zukunft eine wichtige Bedeutung zukommen soll, könnte schon in den kommenden zwei bis drei Jahren angegangen werden. Erste Überlegungen dazu gilt es jetzt zu überprüfen.
Für die östlichen und nördlichen Bereiche des Altstadtrings hingegen liegen noch keine konkreten Pläne vor. Hier sind Veränderungen laut Stadt besonders knifflig, weil die Straßen stark befahren sind. Deshalb sind nicht alle Vorhaben, die auf den ersten Blick wünschenswert erscheinen, tatsächlich umsetzbar. So sind die bereits beschlossenen Umweltspuren auf der Kiesstraße, die Radlern und Bussen vorbehalten sein sollten, endgültig vom Tisch. Simulationen hatten gezeigt, dass sie vor allem in den Spitzenstunden morgens und abends zu massiven Staus führen würden.
Auch der alternativ angedachte Radweg auf dem östlichen Ring wird nicht uneingeschränkt empfohlen. Für den Weg, der von Radlern in beide Richtungen genutzt werden könnte, müsste dem übrigen Verkehr eine Spur abgezwackt werden. Das aber würde Autos und Busse in den Stau schicken und zum Wegfall einer Bushaltestelle führen. Gleichwohl soll der sogenannte Zweirichtungsradweg noch nicht ad acta gelegt werden. In Kombination mit zusätzlichen Vorhaben könnte er durchaus funktionieren, hofft man im Rathaus.
So will man etwa eine Einbahnregelung auf dem nördlichen Ring prüfen. Eine solche könnte zu weniger Verkehr und damit weniger Stau führen – auch wenn damit eine Autospur wegfallen würde. Zudem will man eine Kombination des Zweirichtungsradwegs mit Wechselspuren auf der Kiesstraße untersuchen. Dabei würden dem Autoverkehr ebenfalls nur drei Spuren zustehen, von denen die mittlere je nach Bedarf der Richtung mit größerem Verkehrsdruck zugeschlagen würde.
Im jüngsten Mobilitätsausschuss zeigte man sich prinzipiell zufrieden mit den Vorschlägen der Stadt, mahnte aber eine frühzeitige Bürgerbeteiligung an. Jürgen Menzel (Grüne) betonte, man sei offen dafür, den Altstadtring „neu zu denken“, der Status quo dürfe allerdings nicht beibehalten werden. Tobias Hardt, Fraktionschef der Linken, betonte, dass es im Sinne der Verkehrswende auch darum gehen müsse, den Autoverkehr zu reduzieren und den Altstadtring zurückzubauen.

meb / Foto: Roberto Bulgrin


Ärger über Wohnwagen

In Wohngebieten geparkte Campingmobile und Caravans sorgen vielerorts für Unmut – Wernau verbannt sie nun

Für Anwohner ist es ärgerlich, wenn sie mit dem Auto keinen Parkplatz finden, weil der Straßenrand in der Umgebung mit Wohnwagen und Wohnmobilen zugestellt ist. Doch die sperrigen Fahrzeuge sorgen auf den öffentlichen Parkflächen im Kreis Esslingen nicht nur deshalb für Unmut. Sie bergen auch Gefahrenpotenzial, weil sie deutlich breiter sind als Personenwagen und mancherorts weit in die Straße hineinragen. Zum Teil stellen die Besitzer ihre Campingbusse auch so ab, dass sich der Gehweg verengt.
Klagen kamen zuletzt aus den Wernauer Wohngebieten Adlerstraße Ost I und II. Dort werden offenbar immer häufiger Reisemobile und Caravans abgestellt. „Solche Parksituationen bedeuten für andere Verkehrsteilnehmer ein erhebliches Sicherheitsrisiko, was insbesondere bei ausgewiesenen Schulwegen nicht hinnehmbar ist“, sagt der Wernauer Bürgermeister Armin Elbl. Der Gemeinderat hat nun beschlossen, dass in dem Gebiet keine größeren Wohnmobile und Anhänger mehr parken dürfen.
Die Parkplatzprobleme sind die Kehrseite eines deutschlandweiten Campingtrends. Immer mehr Menschen legen sich ein Reisemobil zu, das belegen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. So stieg der Bestand an Wohnmobilen in Deutschland zwischen 2015 und 2020 um fast 50 Prozent, von 390 000 auf knapp 590 000 Fahrzeuge. In der Coronapandemie nahm die Zahl sogar noch weiter zu. Viele der Neubesitzer stehen nun vor der Frage: Wohin mit dem Wohnmobil oder Caravan, wenn man gerade nicht damit unterwegs ist? Kostenlose Abstellplätze sind rar – bleibt für viele der Straßenrand als nahe liegende Option.
Ein flächendeckendes Problem sind die Stellplätze, die dadurch blockiert werden. „Grundsätzlich dürfen Wohnmobile und Wohnwagen auf öffentlichen Parkplätzen abgestellt werden“, sagt der Pressesprecher der Stadt Ostfildern, Dominique Wehrle. Dabei unterscheidet der Gesetzgeber zwischen Wohnwagen und Reisemobilen: Demnach dürfen abgekoppelte Anhänger maximal zwei Wochen an einer Stelle stehen, dann muss die Fläche frei gemacht werden.


Zwei Wochen sind erlaubt
Wehrle sagt: „Problematisch ist, dass viele Anhänger über den gesetzlich eingeräumten Zeitraum hinaus parken.“ Um das zu überwachen, kontrollieren Polizei und kommunale Ordnungsdienste den Ventilstand der Räder. „Aber es ist sehr schwierig, diesen Verstößen beizukommen“, sagt Juliane Kunz, Sprecherin der Stadt Nürtingen. Der Kontroll- und Dokumentationsaufwand sei erheblich. Laut Kunz gibt es im Stadtgebiet eine große Anzahl von Anhängern, die länger als zulässig abgestellt werden. „Das Problem ist, dass der ohnehin knappe Parkraum durch unberechtigt parkende Anhänger genutzt wird und somit Parkplätze fehlen.“
Andere Regeln gelten für Campingmobile und Wohnwagen, die an Autos gekoppelt sind. Sie dürfen ohne Zeitbegrenzung abgestellt werden, sofern das nicht durch ein Verkehrsschild verboten ist. Aber: „Dort, wo eine sehr starke Verknappung von Parkplätzen für Personenfahrzeuge stattfindet, kann gegebenenfalls verkehrsrechtlich eingegriffen werden“, sagt Wehrle. Er verweist auf die Sackgassen Nelly-Sachs- und Ricarda-Huch-Straße im Scharnhauser Park. Dort habe man festgestellt, dass vermehrt Wohnwagen und Campingmobile geparkt wurden. Autofahrer hatten so gut wie keine Stellplätze mehr zur Verfügung. „Durch die dortige neue Wohnbebauung ist ein erheblicher Parkdruck entstanden“, sagt der Sprecher der Verwaltung. In Nürtingen gelte dies etwa in der Waldhäuser Straße und der Hauffstraße.
Und seit Kurzem auch in den Wohngebieten Adlerstraße Ost I und II in Wernau. Dort spielt laut der Stadtverwaltung die Sicherheit eine maßgebliche Rolle. Wie der Leiter des Bürgeramts, Fabian Deginus, berichtet, haben die Fahrzeuge eine Breite, mit der sie zum Teil auf die Gehwege ragen. Das sei besonders für Kinder gefährlich. Ihnen ist auf dem Schulweg unter Umständen der Gehweg versperrt. Zudem würden die überbreiten Fahrzeuge Gefahren für den Straßenverkehr bergen. So könne es passieren, dass Autofahrer einen geparkten Wohnwagen beim Abbiegen zu spät bemerkten und hängen blieben. Oder dass das Gefährt die Sicht versperre.
Laut ADAC sind die Campingmobile nicht alleine schuld an dem Parkplatzmangel. Auch immer größer werdende Personenwagen sowie Zweit- und Drittwagen würden das Problem verschärfen. Aber: „Jeder sollte beim Parken seines Fahrzeuges auf ein Miteinander mit anderen Verkehrsteilnehmern achten“, appelliert der Autoclub.

dcb / Foto: Horst Rudel