Abgestimmt!

Sollten angesichts drohender Energieengpässe und stark steigender Energiepreise Atomkraftwerke doch eine Zukunft haben?

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Müssen Kanuten weichen?

Wassersportler zweier Esslinger Vereine bangen um ihre Zukunft, falls der Radschnellweg ans Nordufer kommt

Donnerstagabend am Neckarufer bei Mettingen: Bei der Kanuabteilung der SV 1845 Esslingen wuselt es. Dreimal in der Woche ist Training für alle. Auf dem Neckartalradweg, der das Vereinsgelände und seine drei Bootshäuser vom Fluss trennt, ist auch jede Menge los: Berufspendler, Freizeitradler, Spaziergänger – wer dann noch ein Kanu schultert oder die bis zu elf Meter langen und 120 Kilogramm schweren Canadier über den Weg hievt, muss gewaltig aufpassen, berichtet der Abteilungsleiter Christian Späth. Zumal die Sicht ziemlich eingeschränkt ist mit einem Boot.
Wenige Kilometer flussaufwärts am Färbertörlesweg hat die 1924 gegründete Kanu-Vereinigung Esslingen ihr Vereinsheim, von der sich die Kanuabteilung der SV 1845 Esslingen 1929 im Streit abgespalten hatte. Heute hat man nicht nur ein freundschaftliches Verhältnis, wie die Vorsitzende Sara Elholm betont. Sondern auch das gleiche Problem: Die Vorzugstrasse für den geplanten Radschnellweg Neckartal droht, den insgesamt 450 Mitgliedern und 600 Booten das Wasser abzugraben.
Wird sie tatsächlich – wie bislang vom Regierungspräsidium (RP) favorisiert – zwischen der Markungsgrenze Stuttgart und dem Esslinger Alicensteg auf der Nordseite des Neckars verlaufen, kostet das die Vereine nicht nur eine vier Meter breite Trasse über ihr Gelände. Sie müssten dann auch noch mit ihren Booten die Radautobahn überqueren, für die ein Nutzerpotenzial von rund 6000 Fahrten am Tag vorausgesagt wird. Die Konflikte sind absehbar, so Späth: Gar nicht zu denken an Veranstaltungen wie die Reichsstadt-Regatta, die bis zu 300 Leute auf engstem Raum anziehe und für die man das ganze Vereinsgelände brauche. „Wenn was passiert, sind wir in der Haftung“, befürchtet Elholm, zumal die Kanu-Vereinigung auch mit dem Rohräckerschulzentrum kooperiere.
Die Kanuabteilung der SV 1845 müsste sich zudem von einer ihrer Hallen samt Bootsanleger verabschieden, die am Neckarradweg liegt. Die Immobilien gehören den Vereinen, das Gelände ist größtenteils in Erbbaupacht von der Stadt gemietet. Der Kanuabteilung gehört auch der Grund und Boden für zwei ihrer drei Bootshallen, darunter der am Neckarradweg.
Als man vor ein paar Jahren aus der Presse von der Machbarkeitsstudie für den Radschnellweg erfahren habe, „sind wir gleich aktiv geworden und haben Stadt und RP eingeladen“, so Späth. Aber nach jeder Begegnung hieß es, es sei noch keine Entscheidung gefallen. Das ist auch bis jetzt nicht passiert. Der Gemeinderat hat sich zwar darauf festgelegt, den Radschnellweg ab dem Alicensteg in Richtung Deizisau auf die südliche Neckarseite zu verlegen. Für den Abschnitt zwischen Markungsgrenze Stuttgart und Alicensteg haben die Planer im RP aber bislang die Nordseite des Neckars durch den geplanten Neckaruferpark bevorzugt – weil sie verkehrstechnisch einfacher und mit mehr Nutzerpotenzial verbunden sei als eine Trasse durch die Pliensauvorstadt. Auf Nachhaken der SPD werden derzeit aber beide Varianten noch einmal verglichen.
Die Vereine fordern, das Nordufer und den Neckaruferpark zu verschonen. „Wir brauchen eine Zukunftsperspektive“, betont die SV-1845-Vorsitzende Margot Kemmler. Sollte es bei der Nordtrasse bleiben, könnte die Kanu-Vereinigung notfalls mit einem Stichkanal unter der Trasse hindurch leben, auf dem sie schon auf dem Vereinsgelände ihre Boote wässern könnte, so Elholm. Die Kanuabteilung der SV 1845 würde ihrerseits dafür plädieren, die Trasse auf den Fahrweg vor dem Vereinsheim zu legen und Grundstücke zu erwerben, um das Bootshaus neu zu bauen, so Späth. Er befürchtet eine Zwangsenteignung.
„Mit der Nordvariante kann man die meisten Menschen für den Radschnellweg gewinnen“, meint indes Petra Schulz vom VCD Esslingen. „Da sich die Aktivitäten der Kanuvereine in überschaubaren Zeitfenstern bewegen, halten wir kurze Wartezeiten, etwa mithilfe einer Anforderungsampel, für vertretbar.“ Gebe es keine andere Lösung, sei das eine „gute Interessenabwägung“ zwischen Kanusport und klimafreundlicher Alltagsmobilität.

biz / Foto: Roberto Bulgrin


Weniger Fracht, Pegel konstant

Aktuell ist der Neckar nicht vom Niedrigwasser betroffen – Frachtschiffe haben die Ladung an Bord reduziert

Wegen der Trockenheit sinken seit Wochen die Wasserpegel der Flüsse und Seen in Baden-Württemberg. Zuletzt veröffentlichte die Landesanstalt für Umwelt eine besorgniserregende Mitteilung. Demnach liege der Wasserstand bei 80 Prozent der Flüsse und Seen im Land auf einem Niveau, das unter dem niedrigsten Wasserstand eines durchschnittlichen Jahres liegt. Besonders hart hat es Deutschlands wichtigste Wasserstraße getroffen – den Rhein. Aber auch im Kreis Esslingen macht sich das Niedrigwasser bemerkbar. Die Frachtschiffe, die über den Neckar wichtige Rohstoffe anliefern, können nämlich nicht so viel laden wie sonst.
Das liegt nicht daran, dass der Neckar zu wenig Wasser hat, erklärt der Geschäftsführer des Plochinger Hafens, Gerhard Straub. Denn: „Der Neckar wird so stark staugeregelt, dass uns das nicht so sehr betrifft.“ Die zahlreichen Stauanlagen, wie jene hinter dem Gebäude des Esslinger Landratsamtes oder die Staustufe in Oberesslingen, regeln, dass der Wasserpegel konstant bleibt und eine Fahrrinne von 2,80 Meter gewährleistet werden kann. Das Problem liegt woanders.
Nur, weil der Pegel im Neckar konstant ist, bedeutet das nicht, dass das landesweite Niedrigwasserproblem an den Unternehmen in der Region spurlos vorbeigeht. Die wenigsten Frachtschiffe verkehren ausschließlich auf dem Neckar. Die Mehrzahl legt weite Distanzen zurück und muss den Rhein passieren, um den Plochinger Hafen anzusteuern. Deshalb gibt es einige Kähne, die weniger Fracht laden können und somit auch weniger Waren in den Neckarhäfen abliefern.
Rohstoffe und Güter, die vor ein paar Wochen auf ein einziges Schiff gepasst haben, müssten teilweise auf drei verteilt werden, erklärt Straub. Das stellt einige Logistiker vor große Herausforderungen. So bezieht das EnBW-Kraftwerk Altbach/Deizisau einen Teil seiner Kohle über den Fluss. In Anbetracht der derzeitigen Lage bedeutet das, „dass sich sowohl die Anzahl ,einsatzfähiger Schiffe‘ als auch die möglichen Lademengen in unterschiedlicher Größenordnung reduzieren“, sagt Unternehmenssprecherin Ricarda Bohn. Und das führt dazu, dass die Transport- und Einsatzkosten der Kraftwerke steigen.
Allerdings habe sich die EnBW in den vergangenen Monaten Vorräte angelegt. Die Kraftwerke – also auch das in Altbach/Deizisau – verfügen laut Bohn derzeit über einen „hohen Bestand“. Neben dem Weg über den Neckar hat das Kohlekraftwerk in Altbach aber auch eine Schienenanbindung. Die Kohle kann also auch per Zug angeliefert werden.
Doch weil die Frachter weniger Ladung aufnehmen können, verlagern viele Unternehmen ihre Lieferungen auf den Schienenweg. „Die Situation ist bei allen Bahntransportdienstleistern angespannt“, erklärt EnBW-Sprecherin Bohn. Das Energieunternehmen begrüße deshalb die „Bestrebungen, den Bahntransporten von Energierohstoffen Priorität einzuräumen“, sagt sie. Inwieweit das Niedrigwasser die Energiekrise verschärfen könnte, bleibt fraglich. Fest steht, dass sich die EnBW derzeit „mit Hochdruck“ auf den Winter vorbereitet und weiter ihre Vorräte aufstockt.
Wenn es also in der Anlieferung hakt, kann man sich vorstellen, dass das nicht spurlos an der Versorgung vorbeigeht. Auch aus ökologischer Sicht ist das Niedrigwasser in der Region Stuttgart und im ganzen Land problematisch. Denn wenn die Loks keine Kapazitäten mehr haben, müssen die Schiffsgüter mit Lastern ausgeliefert werden. Das würde nicht nur die Preise weiter in die Höhe treiben, sondern wäre auch für Natur und Umwelt eine Belastung. Wie ernst die Lage im Plochinger Hafen ist, lässt sich schwer beziffern.
Im Juli gab es zwei Wochen Wartungsarbeiten an Schleusen, die Umschlagszahlen waren also ohnehin geringer. Laut Straub betrage der Umschlag derzeit etwa 40 Prozent von dem, was sonst üblich ist. Trotzdem bleibt er optimistisch. Zu Niedrigwasser komme es immer wieder, die Dürre 2018 sei deutlich extremer gewesen. Und auch wenn es derzeit mehr sein könnte: „Es ist noch Umschlag da.“

dcb / Foto: Roberto Bulgrin


Klimaschutz im eigenen Garten

Heimische Bäume und Blumen dienen Tieren als Futterquelle und Unterschlupf

Wie wichtig grüne Oasen sind, zeigen die Herausforderungen des Klimawandels. Dessen Folgen abzumildern, haben sich Umweltverbände und Verbände der Landschaftsgärtner auf die Fahnen geschrieben. Sie sagen, Klimaschutz fängt bereits im eigenen Garten an.
Bäume sind Alleskönner, sie spenden Schatten und schützen vor Lärm, Abgasen und Wind, erklärt der Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Sie erfreuen mit ihrer Blütenpracht und einem grünen Blätterdach und im Herbst mit ihren Früchten. Bäume begünstigen das Klima, indem sie Sauerstoff produzieren, CO2 speichern und Feuchtigkeit verdunsten. Das schafft ein angenehmes Mikroklima. Für den Garten eignen sich heimische Obstbaumarten sowie Vogelkirsche, Linde oder Holzapfel. Bevor ein Baum in den Garten kommt, sollte der Platzbedarf bedacht werden, denn aus einem kleinen Setzling entwickelt sich mit den Jahren ein raumgreifender Baum.
Bäume und Sträucher sind wichtiger Lebensraum für Insekten, und diese zählen neben den Gartenfrüchten zu den wichtigsten Nahrungsquellen für Gartenvögel. Besonders reich decken heimische und laubabwerfende Arten den Tisch für Insekten. Rolf Frey vom Kreisverband Esslingen des Nabu wirbt für die richtige Wahl beispielsweise beim Kauf einer Linde. Während Sommer- und Winterlinde eine gute Wahl seien, drohten Insekten bei der Krimlinde zu verhungern, weil sie weniger Pollen und Nektar biete.
Immergrüne oder exotische Bäume und Sträucher wie Forsythie, Rhododendron oder Thuja eignen sich nicht für einen vogelfreundlichen Garten. Sie dienen höchstens als Nistplatz für Brutvogelarten, die gerne in dichtem Gehölz nisten, das ihnen Schutz vor Fressfeinden bietet. Holunder oder Schwarzdorn eignen sich dagegen gut, erklärt der Nabu-Sprecher, und die Früchte des hei­mischen Weißdorns werden von 32 Vogelarten gefressen.
Weil viele Tierarten auf ganz bestimmte Früchte spezialisiert sind, eignet sich beispielsweise gut eine Mischhecke aus Hasel, Rotem Hartriegel, Holunder, Brombeere oder Wildrosen. Früh brütende Arten nutzen für ihre erste Aufzucht übrigens gerne immergrüne Pflanzen wie Efeu oder Stechpalme.
Je weiter der Sommer voran schreitet, umso weniger ungefüllte Blüten finden Insekten im Garten. Der Nabu rät, deshalb im Rasen ein paar Quadratmeter stehen zu lassen, damit Klee und andere Wiesenblumen als Nahrungsangebot dienen können. Auch wer den Rasen nicht so kurz abmäht, lässt Raum für kleinere Wildblumenarten.
Viele Tiere finden Unterschlupf und Lebensraum unter abgestorbenen Ästen, Stubben und modernden Stämmen im Garten, die man zum Beispiel als brom­beerüberwachsenen Reisighaufen anlegen kann. Neben zahlreichen Insektenarten finden im und am toten Holz zum Beispiel ­Kröten, Spitzmäuse, Igel und Wiesel und ­andere Kleintiere Nahrung und einen Unterschlupf.
Wer Zauneidechsen etwas Gutes tun will, legt im Garten einen Steinhaufen oder Natursteinmauern an, denn diese Tiere lieben es sonnig und warm. Selbst mit einem einfachen Steinhaufen in einer sonnigen Ecke des eigenen Gartens nehmen sie vorlieb.

com / Foto: dpa