Party zwischen Sonnenblumen

Vom 18. bis 22. August rocken zahlreiche Bands die Bühne beim Goldgelb-Festival in Aichwald – Bereits zum 20. Mal

Vor 20 Jahren hat Hans Hallwachs vom Kulturverein Krummhardt eine Idee aus dem Kärnten-Urlaub mitgebracht: Zwischen Mais und Strohballen stieg dort jährlich vier Wochen lang das Festival „Ackern“. So findet seit 2003 im Zwei-Jahres-Rhythmus das „Goldgelb“ in Aichwald statt. Die zehnte Auflage startet mit einem Jahr Verspätung. Am Ambiente des Goldgelb-Festivals hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten kaum etwas verändert: Bühne, Bands und verschiedene, rustikal gebaute Stände, Strohballen und -figuren gab es immer. „Nur etwas einfacher gehalten“, erinnert sich Anita Geyer vom Vorstandsteam.
Freilich wurde immer wieder an Verbesserungen gefeilt, vor allem an Logistik und Geländestruktur. So ist das Goldgelb ge­wachsen und hat Corona überlebt. Der Grundgedanke eines generationenübergreifenden Festes unter dem Motto „Genieße den Moment“ hat auch 19 Jahre nach dem ersten Festival noch Gültigkeit. Die Preise bleiben familienfreundlich – auch wenn das Fest 2022 erstmals Eintritt kostet, was das Vorstandsteam mit stark gestiegenen Kosten aufgrund von Pandemie und weltpolitischer Lage begründet. Alkoholfreie Getränke gebe es zu den Preisen von vor fünf Jahren, Bier kostet wie 2019.
Der Kulturverein Krummhardt geht stets mit der Zeit: So wird 2022 nur Geschirr ausgegeben, das als „Biomüll“ gilt. Schließlich feiert man mitten in der Natur. Auf der Blumenwiese wachsen besonders bienenfreundliche Arten. „Eigentlich sollten sie 100 Zentimeter hoch werden, aber den Pflanzen fehlt das Wasser, um richtig groß zu werden“, bedauert Anita Geyer. Die Sonnenblumen blühen bereits gelb, orange und dunkelrot und werden pünktlich zum Festival noch mehr blühende Blüten haben.
Das Dekoteam zeichnet wieder für die Gestaltung der Strohpuppen und der restlichen Dekoration auf dem Gelände verantwortlich und das dreiköpfige Kinderprogramm-Team lässt sich tolle Ideen für die jüngsten Besucher einfallen.
Um die 600 Ehrenamtliche engagieren sich während des Fests. Die gesamte Organisation des Goldgelb – und damit die Arbeit für den Vorsitzenden Rolf Doll und das gesamte Vorstands- und Ausschussteam – läuft Monate vor dem Festival im Hintergrund. Bereits ein Jahr im Vorfeld wird das Musikteam aktiv und sucht nach geeigneten Bands. Denn schließlich steht die Musik im Mittelpunkt. Viele Bands durften bei den vergangenen neun Festivals auf der Bühne stehen, die wenigsten mehrfach. Das ist ein Anspruch, den sich das Musikteam auf den Leib geschrieben hat: keine Wiederholungen, wenig bekannte Bands, viele Stilrichtungen und alle Bands auf sehr gutem musikalischen Niveau. Auch in diesem Jahr bietet das Programm für jeden Geschmack etwas: von Folk über Italopop und Rock bis hin zu Reggae und Groove.

Das Programm

Donnerstag, 18.8., 18 Uhr: Guacáyo (Indie-Pop); 20.45 Uhr: Claudia Cane (Rock und Pop)
Freitag, 19.8., 18 Uhr: Birds of a Feather (Folk Pop Duo); 20.45 Uhr: I Dolci Signori (Italopop)
Samstag, 20.8., 18 Uhr: KJ Dallaway and friends (Soul, Pop, Reggae und Calypso); 20.45 Uhr: Paddy Murphy (Irish Folk Rock)
Sonntag, 21.8., 10.30 Uhr: Ökumenischer Gottesdienst und gläserner Bauernhof auf dem Neuwieshof Fetzer; 17.30 Uhr: Funcoustic (Unplugged Groove); 20.30 Uhr: RasgaRasga (Global Pop)
Montag, 22.8., 18 Uhr: Tune Circus (Alternative Rock); 20.45 Uhr: Kontrollverlust (Cover Rock)
Eintritt: Besucher ab 16 Jahren zahlen pro Tag 10 Euro Eintritt; Karten sind nur noch an der Abendkasse erhältlich. Der Familiensonntag ist bis 18 Uhr kostenlos.
Parken ist kostenlos.
Kinderprogramm: Täglich auf der Wiese zwischen Wasserturm und Neuwieshof.

www.goldgelb.eu

dan / Archivfoto: Andreas Kaier


Beratung nur noch mit Termin

Volksbank Mittlerer Neckar schränkt ab August in zwölf Filialen den Service ein

Die lange Niedrigzinspolitik und immer neue Reglementierungen haben den Banken über viele Jahre die Geschäfte vermasselt. Die Erträge sind deutlich geschmolzen. Deswegen werden mehr und mehr die Strukturen nach Einsparpotenzial durchleuchtet. Zuvorderst das Filialnetz. Die Volksbank Mittlerer Neckar nimmt nun genau dort „Anpassungen“ vor. Weil mittlerweile deutlich weniger Dienstleistungen abgefragt werden, wandelt das Geldinstitut zum 1. August zwölf Filialen in sogenannte Beratungsfilialen um. Das bedeutet: Spontane Besuche sind dort nicht mehr möglich. Für Beratungsgespräche müssen künftig Termine vereinbart werden.
In Esslingen gilt dies für die Filialen Hegensberg, Innere Brücke, Pliensauvorstadt sowie Zell. In Ostfildern ist die Filiale in Kemnat betroffen. Außerdem gilt die Regelung für die Filialen in Bissingen, Ötlingen, Jesingen, Notzingen, Nürtingen-Braike, Neckarhausen und Neckartailfingen.
Immer mehr Kundinnen und Kunden erledigten ihre Bankgeschäfte online, begründet Vorstandssprecher Heinz Fohrer den bereits in der Vertreterversammlung angekündigten Schritt. Seit der Corona-Pandemie habe dieser Trend deutlich zugenommen. In den kleineren Filialen würden Serviceleistungen, für die ein Mitarbeiter benötigt wird, immer weniger nachgefragt. Die Nutzerzahlen bei Online-Banking und Banking-App stiegen rasant. Das Gleiche gelte für mobiles Bezahlen mit dem Smartphone oder bargeldloses Zahlen. Im Supermarkt werde aber auch immer öfter der Bargeldservice an der Kasse genutzt. Einfache Servicetätigkeiten wie Überweisungen, Daueraufträge ändern oder den Kontostand abfragen erledigen die Kunden häufig online oder telefonisch. Beratungen sind laut Fohrer in den genannten Filialen weiterhin von 8 bis 20 Uhr möglich. Auch Fragen wie zum Konto, zur Kreditkarte oder zum Online-Banking beantworten die Mitarbeiter in den Beratungsfilialen.
„Mit unserem neuen Filialkonzept sind wir weiterhin vor Ort und sichern damit die Nähe zu unseren Kunden“, versichert Fohrer. Die Volksbank Mittlerer Neckar betreibt insgesamt 39 Filialen und 14 SB-Standorte. Gleichzeitig trage man aber auch dem geänderten Kundenverhalten Rechnung. Immer mehr Kunden suchten in der komplexer werdenden Finanzwelt intensiven Rat in den Beratungsgesprächen. Für die Post an die Bank gibt es künftig einen einfacheren Service: Mitglieder und Kunden erhalten von der Volksbank frankierte Briefumschläge.
Kritik am neuen Konzept äußerte Hermann Kik, gewählter Vertreter für den Filialbereich Ötlingen/Lindorf. Man nehme zu wenig Rücksicht auf Kunden, die kein Online-Banking betreiben wollen oder können, bemängelt er. Den Trend zur Digitalisierung bezweifle er nicht, „aber es gibt einen gewissen Prozentsatz an Kunden, die nach wie vor ihre Bankgeschäfte auf Papier oder von Angesicht zu Angesicht erledigen wollen“.
Die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, das größte Geldinstitut im Landkreis, hat zuletzt Ende 2021 Veränderungen vorgenommen. „In sehr moderater Weise“, wie Sprecher Martin Turetschek sagt. Beispielsweise sind die Filialen in der Esslinger Innenstadt, angepasst an die Öffnungszeiten der Geschäfte, seither von 9.30 und nicht mehr von 9 Uhr an geöffnet. Alle drei bis vier Jahre prüfe man die internen Strukturen, so Turetschek. An der Philosophie der Bank werde sich nichts ändern. Turetschek: „Nähe ist ein wichtiger Erfolgsfaktor.“ Im Landkreis betreibt die Kreissparkasse 93 Standorte, davon sind 63 mit Personal besetzt. Acht Standorte führe man gemeinsam mit örtlichen Volksbanken.

hf / Foto: Harald Flößer


Abgestimmt!

Die Coronaregeln ab Herbst sehen vor, dass man mit bezahlten Tests oder „frisch geimpft“ überall Zutritt hat. Lassen Sie sich neu piksen?

Foto: dpa

Wieder ein Piks?

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Gegen Starkregen gewappnet

Schutz kostet Deizisau mindestens 1,6 Millionen Euro – Am Berghof braucht man verpachtete Flächen wieder

Als das Wasser im vergangenen Sommer nach einem Starkregen an einigen Stellen in Deizisau Keller und Garagen überflutet hatte, war für Verwaltung und Gemeinderat klar: Es muss etwas getan werden. Kurz darauf legte die Ratsrunde erste Maßnahmen fest. Nun hat sich das Stuttgarter Ingenieurbüro Winkler und Partner mit dem Thema beschäftigt und untersucht, wo das Risiko am größten ist. Zudem unterfütterten die Ingenieure die elf Einzelvorschläge mit einer Kostenschätzung und einem Zeitplan. Voraussichtlich muss die Gemeinde in den nächsten Jahren mehr als 1,6 Millionen Euro in ihr Starkregenrisikomanagement stecken. Die Deiziauer Gemeinderäte beauftragten die Stuttgarter Ingenieure mit weiteren Planungen.
Ein großes Risiko für Überschwemmungen nach starken Regenfällen sehen die Ingenieure an drei von elf Stellen in Deizisau. Auch am Gsaidweg beim Kinderhaus Arche Noah, wo geplant ist, die Schachteinläufe und den dortigen Graben zu optimieren und möglicherweise kaskadenartig kleine Rückhaltebecken anzulegen. Die Experten gehen davon aus, dass die Gemeinde allein für dieses Projekt, das noch 2022 umgesetzt werden soll, bis zu 110 000 Euro ausgeben muss. Um sofort etwas gegen mögliche Überschwemmungen zu tun, wurden dort bereits wie auch in der Kirchstraße einige normale Schachteinläufe gegen leistungsstärkere, sogenannte Bergeinläufe, ersetzt und oberhalb des Nelkenwegs ein kleiner, etwa 50 Zentimeter hoher Damm aufgeschüttet.
Weil nach starken Regenfällen das Wasser an der Kreuzung der Köngener Straße mit der Hohenstaufenstraße ungehindert in den Ort schießen kann, müssen auch dort die Einläufe in die Kanalisation optimiert und möglicherweise eine Abflussrinne quer über die Straße gezogen werden – Kosten: 70 000 Euro. „Das Problem ist, dass die Straße an dieser Stelle sowohl von Autos, als auch von Radfahrern und Fußgängern genutzt wird“, beschreibt Deizisaus Bürgermeister Thomas Matrohs die Aufgabe, die ebenfalls in diesem Jahr gelöst werden soll.
Einen großen Nutzen im Kampf gegen mögliche Überflutungen verspricht sich der Deiziauer Verwaltungschef auch vom bereits geänderten Einlauf des Gsaidbachs in seine Verdolung, dort wo der Bachwiesenweg in die Kirchstraße einmündet. Im vergangenen Sommer hatte sich der Schmutzfangrechen am Einlauf derart schnell zugesetzt, dass das Wasser ungehindert in die Kirchstraße und die Gutenbergstraße schoss und dort Keller überflutete. Inzwischen wurde der Rechen vergrößert, wodurch er sich nicht mehr so schnell zusetzt. Zusätzlich sind entlang des Gsaidbachs Rückhalteflächen angedacht.
Nicht ganz unproblematisch ist die sogenannte Maßnahme Berghof, für die sich eine Kostenschätzung auf 615 000 Euro beläuft. Zwar stehen genauere Untersuchungen des Ingenieurbüros aus, doch könnten entlang des Betonwegs zwischen Achalmstraße und Köngener Straße ein kleiner Damm oder andere Schutzvorkehrungen notwendig werden. Das Problem: Das dafür benötigte Gelände – ein 15 Meter breiter Streifen entlang des Betonwegs – gehört der Gemeinde, doch hat sie die Flächen an Eigentümer der angrenzenden Wohnhäuser verpachtet.
Obwohl es der Pachtvertrag laut Matrohs untersagt, wurden die Gärten zum Betonweg hin mit Zäunen, Hecken und anderen Pflanzen abgegrenzt, die nun womöglich weg müssen. „Früher war dort die Südumfahrung Deizisaus angedacht“, erklärt Matrohs, weshalb die Grundstücke der Gemeinde gehören. „Die entsprechenden Pläne sind längst in Schubladen verschwunden und werden wohl nie wieder herausgeholt.“ Deshalb müsse der Gemeinderat abwägen, ob und wie die notwendigen Eingriffe finanziell ausgeglichen werden. „In jedem Fall steht der Hochwasserschutz für uns im Vordergrund“, betont der Bürgermeister. Auf die Pächter möchte die Verwaltung dann zugehen, wenn konkretere Planungen für den Hochwasserschutz vorliegen.

kai / Foto: Andreas Kaier


Altstadtring soll erneuert werden

Die Stadt plant eine umfassende Umgestaltung der Ringstraße rund um die City – Noch fehlt ein Gesamtkonzept

Der Esslinger Altstadtring ist nicht mehr zeitgemäß. Aus heutiger Sicht ist das Konstrukt aus den 1960er Jahren zu einseitig auf den Autoverkehr ausgerichtet, wirkt als massive Schneise und widerspricht dem Wunsch nach Aufenthaltsqualität in der Innenstadt. Deshalb will die Stadt ihre wichtigste Verkehrsader nun grundlegend umgestalten – allerdings nur häppchenweise.
Denn bislang fehlt das große Konzept. Ideen gibt es zwar, doch sie müssen auch umsetzbar sein. Und bis eine Gesamtvision bis ins Detail ausgearbeitet ist, könnten Jahre vergehen. Darauf will man im Rathaus nicht warten. Die Zeit drängt, schließlich hat die Stadt gerade erst ihren Klimamobilitätsplan verabschiedet. Demnach will sie bis 2030 rund 40 Prozent aller CO2-Emissionen des Verkehrssektors gegenüber 2010 einsparen. Ein neu gestalteter Altstadtring soll einen wichtigen Beitrag zur dafür notwendigen Mobilitätswende leisten, kumuliert hier doch ein Großteil des Esslinger Verkehrs. Deshalb hat man sich für ein modulares Konzept entschieden. So könnten erste Bereiche schon bald in Angriff genommen werden, während für andere erst noch überzeugende Lösungen braucht. Dabei sollen nicht nur Verkehrsplanung, sondern auch städtebauliche Aspekte im Fokus stehen.
Langfristig will man den Altstadtring nach Westen erweitern. Statt über die Berliner soll der Verkehr dann unter anderem über die Mettinger Straße um die neue Weststadt herum führen. Hier lassen sich aus Sicht der Stadt schon jetzt erste Vorhaben im westlichen Teil des Rings umsetzen – zumal diese keine erheblichen Auswirkungen auf das Verkehrsnetz hätten. Konkret soll noch in diesem Jahr mit der Aufwertung der Berliner Straße begonnen werden. Auch eine Umgestaltung der Schlachthausstraße, der angesichts des Neubaus der Hochschule sowie der Entwicklung des Stadtwerke- und des Schlachthausareals in Zukunft eine wichtige Bedeutung zukommen soll, könnte schon in den kommenden zwei bis drei Jahren angegangen werden. Erste Überlegungen dazu gilt es jetzt zu überprüfen.
Für die östlichen und nördlichen Bereiche des Altstadtrings hingegen liegen noch keine konkreten Pläne vor. Hier sind Veränderungen laut Stadt besonders knifflig, weil die Straßen stark befahren sind. Deshalb sind nicht alle Vorhaben, die auf den ersten Blick wünschenswert erscheinen, tatsächlich umsetzbar. So sind die bereits beschlossenen Umweltspuren auf der Kiesstraße, die Radlern und Bussen vorbehalten sein sollten, endgültig vom Tisch. Simulationen hatten gezeigt, dass sie vor allem in den Spitzenstunden morgens und abends zu massiven Staus führen würden.
Auch der alternativ angedachte Radweg auf dem östlichen Ring wird nicht uneingeschränkt empfohlen. Für den Weg, der von Radlern in beide Richtungen genutzt werden könnte, müsste dem übrigen Verkehr eine Spur abgezwackt werden. Das aber würde Autos und Busse in den Stau schicken und zum Wegfall einer Bushaltestelle führen. Gleichwohl soll der sogenannte Zweirichtungsradweg noch nicht ad acta gelegt werden. In Kombination mit zusätzlichen Vorhaben könnte er durchaus funktionieren, hofft man im Rathaus.
So will man etwa eine Einbahnregelung auf dem nördlichen Ring prüfen. Eine solche könnte zu weniger Verkehr und damit weniger Stau führen – auch wenn damit eine Autospur wegfallen würde. Zudem will man eine Kombination des Zweirichtungsradwegs mit Wechselspuren auf der Kiesstraße untersuchen. Dabei würden dem Autoverkehr ebenfalls nur drei Spuren zustehen, von denen die mittlere je nach Bedarf der Richtung mit größerem Verkehrsdruck zugeschlagen würde.
Im jüngsten Mobilitätsausschuss zeigte man sich prinzipiell zufrieden mit den Vorschlägen der Stadt, mahnte aber eine frühzeitige Bürgerbeteiligung an. Jürgen Menzel (Grüne) betonte, man sei offen dafür, den Altstadtring „neu zu denken“, der Status quo dürfe allerdings nicht beibehalten werden. Tobias Hardt, Fraktionschef der Linken, betonte, dass es im Sinne der Verkehrswende auch darum gehen müsse, den Autoverkehr zu reduzieren und den Altstadtring zurückzubauen.

meb / Foto: Roberto Bulgrin


Ärger über Wohnwagen

In Wohngebieten geparkte Campingmobile und Caravans sorgen vielerorts für Unmut – Wernau verbannt sie nun

Für Anwohner ist es ärgerlich, wenn sie mit dem Auto keinen Parkplatz finden, weil der Straßenrand in der Umgebung mit Wohnwagen und Wohnmobilen zugestellt ist. Doch die sperrigen Fahrzeuge sorgen auf den öffentlichen Parkflächen im Kreis Esslingen nicht nur deshalb für Unmut. Sie bergen auch Gefahrenpotenzial, weil sie deutlich breiter sind als Personenwagen und mancherorts weit in die Straße hineinragen. Zum Teil stellen die Besitzer ihre Campingbusse auch so ab, dass sich der Gehweg verengt.
Klagen kamen zuletzt aus den Wernauer Wohngebieten Adlerstraße Ost I und II. Dort werden offenbar immer häufiger Reisemobile und Caravans abgestellt. „Solche Parksituationen bedeuten für andere Verkehrsteilnehmer ein erhebliches Sicherheitsrisiko, was insbesondere bei ausgewiesenen Schulwegen nicht hinnehmbar ist“, sagt der Wernauer Bürgermeister Armin Elbl. Der Gemeinderat hat nun beschlossen, dass in dem Gebiet keine größeren Wohnmobile und Anhänger mehr parken dürfen.
Die Parkplatzprobleme sind die Kehrseite eines deutschlandweiten Campingtrends. Immer mehr Menschen legen sich ein Reisemobil zu, das belegen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. So stieg der Bestand an Wohnmobilen in Deutschland zwischen 2015 und 2020 um fast 50 Prozent, von 390 000 auf knapp 590 000 Fahrzeuge. In der Coronapandemie nahm die Zahl sogar noch weiter zu. Viele der Neubesitzer stehen nun vor der Frage: Wohin mit dem Wohnmobil oder Caravan, wenn man gerade nicht damit unterwegs ist? Kostenlose Abstellplätze sind rar – bleibt für viele der Straßenrand als nahe liegende Option.
Ein flächendeckendes Problem sind die Stellplätze, die dadurch blockiert werden. „Grundsätzlich dürfen Wohnmobile und Wohnwagen auf öffentlichen Parkplätzen abgestellt werden“, sagt der Pressesprecher der Stadt Ostfildern, Dominique Wehrle. Dabei unterscheidet der Gesetzgeber zwischen Wohnwagen und Reisemobilen: Demnach dürfen abgekoppelte Anhänger maximal zwei Wochen an einer Stelle stehen, dann muss die Fläche frei gemacht werden.


Zwei Wochen sind erlaubt
Wehrle sagt: „Problematisch ist, dass viele Anhänger über den gesetzlich eingeräumten Zeitraum hinaus parken.“ Um das zu überwachen, kontrollieren Polizei und kommunale Ordnungsdienste den Ventilstand der Räder. „Aber es ist sehr schwierig, diesen Verstößen beizukommen“, sagt Juliane Kunz, Sprecherin der Stadt Nürtingen. Der Kontroll- und Dokumentationsaufwand sei erheblich. Laut Kunz gibt es im Stadtgebiet eine große Anzahl von Anhängern, die länger als zulässig abgestellt werden. „Das Problem ist, dass der ohnehin knappe Parkraum durch unberechtigt parkende Anhänger genutzt wird und somit Parkplätze fehlen.“
Andere Regeln gelten für Campingmobile und Wohnwagen, die an Autos gekoppelt sind. Sie dürfen ohne Zeitbegrenzung abgestellt werden, sofern das nicht durch ein Verkehrsschild verboten ist. Aber: „Dort, wo eine sehr starke Verknappung von Parkplätzen für Personenfahrzeuge stattfindet, kann gegebenenfalls verkehrsrechtlich eingegriffen werden“, sagt Wehrle. Er verweist auf die Sackgassen Nelly-Sachs- und Ricarda-Huch-Straße im Scharnhauser Park. Dort habe man festgestellt, dass vermehrt Wohnwagen und Campingmobile geparkt wurden. Autofahrer hatten so gut wie keine Stellplätze mehr zur Verfügung. „Durch die dortige neue Wohnbebauung ist ein erheblicher Parkdruck entstanden“, sagt der Sprecher der Verwaltung. In Nürtingen gelte dies etwa in der Waldhäuser Straße und der Hauffstraße.
Und seit Kurzem auch in den Wohngebieten Adlerstraße Ost I und II in Wernau. Dort spielt laut der Stadtverwaltung die Sicherheit eine maßgebliche Rolle. Wie der Leiter des Bürgeramts, Fabian Deginus, berichtet, haben die Fahrzeuge eine Breite, mit der sie zum Teil auf die Gehwege ragen. Das sei besonders für Kinder gefährlich. Ihnen ist auf dem Schulweg unter Umständen der Gehweg versperrt. Zudem würden die überbreiten Fahrzeuge Gefahren für den Straßenverkehr bergen. So könne es passieren, dass Autofahrer einen geparkten Wohnwagen beim Abbiegen zu spät bemerkten und hängen blieben. Oder dass das Gefährt die Sicht versperre.
Laut ADAC sind die Campingmobile nicht alleine schuld an dem Parkplatzmangel. Auch immer größer werdende Personenwagen sowie Zweit- und Drittwagen würden das Problem verschärfen. Aber: „Jeder sollte beim Parken seines Fahrzeuges auf ein Miteinander mit anderen Verkehrsteilnehmern achten“, appelliert der Autoclub.

dcb / Foto: Horst Rudel


Abgestimmt!

Es war ein großes EM-Finale, aber ohne Titel für die deutschen Fußball-Frauen. Sind sie trotzdem ein Vorbild für die Männer?

Foto: dpa

Frauen ein Vorbild?

  • Ja! (86% )
  • Nein! (14% )
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Tafelläden ächzen unter dem Ansturm

Geflüchtete aus der Ukraine machen derzeit die Hälfte der Kundschaft aus – Ehrenamtliche gesucht

Die Folgen des Ukraine-Krieges fegen wie ein Tsunami über Deutschland und spülen allerhand Probleme in die Gesellschaft. Auch den Tafelmitarbeitern im Landkreis Esslingen steht das Wasser derzeit bis zum Hals. Sie müssen sich einer Flut von Neukunden stellen. Ungefähr 50 Prozent der Besucher sind derzeit Ukrainer. „Ab 8.30 Uhr stehen bereits die ersten Leute vor dem Geschäft – also drei Stunden vor Ladenöffnung“, sagt Roswitha Marin, die stellvertretende Leiterin der Caritas-Tafel Esslingen.
Es ist absurd, aber es gilt: Jeder will der Erste sein. Bei Ladenöffnung werden aufsteigende Nummern verteilt. Damit können Kunden abschätzen, wann sie ungefähr dran sein werden. Die Eins kauft zuerst ein und hat die freie Auswahl, die Nummer 120 kommt zuletzt und muss schauen, was noch übrig ist. „Wir versuchen natürlich, unsere Waren so zu verteilen, dass auch für die hinteren Nummern etwas übrig bleibt“, sagt Roswitha Marin.

Mehr Kunden, weniger Personal
„Vor sechs Monaten kamen zwischen 50 und 70 Kunden in die Esslinger Tafel, jetzt sind es zwischen 100 und 120 Kunden täglich“, sagt Helga Rütten, die Fachleiterin der Abteilung Solidarität der Caritas Fils-Neckar-Alb. Auch in Nürtingen stieg der Zahl der Kunden zuletzt stark an. Dort habe man Mitte Juni sogar das Tafelkonzept ändern müssen. Eine Notmaßnahme, da die Tafel ihr Limit erreicht hatte.
Früher konnten die Kunden dort täglich einkaufen, jetzt darf nur noch einmal in der Woche eingekauft werden. „Vor einem halben Jahr kamen in Nürtingen 50 bis 60 Menschen täglich. Bevor wir auf einmal wöchentlich umgestellt haben, waren es 90 bis 100“, sagt Helga Rütten. Besonders prekär mache die Situation, dass der Kundenzuwachs mit einem Personalmangel einhergehe.

Der „ältere Nachwuchs“ fehlt
„Nürtingen sucht ganz dringend Unterstützung von Ehrenamtlichen“, sagt Helga Rütten. Vor Kurzem sei man sogar kurz davor gestanden, den Nürtinger Laden gar nicht erst zu eröffnen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten aber Doppelschichten eingelegt, um das zu verhindern: morgens Waren sortieren und mittags verkaufen.
Der Personalmangel sei auch eine Folge der Coronapandemie. „Während Corona sind uns einige Ehrenamtliche weggebrochen. Viele waren über 70 und gehörten zur Hochrisikogruppe, weshalb sie nicht mehr gekommen sind“, sagt Patricia Heidke, die sozialpädagogische Begleitung des Ehrenamts und der berufsbegleitenden Maßnahmen der Esslinger Tafel.

Dramatische Lage in Nürtingen
In Esslingen sei die Situation noch nicht so dramatisch wie in Nürtingen. Dies liegt laut Patricia Heidke daran, dass Esslingen mit 13 Mitarbeitern in sogenannten Arbeitsgelegenheiten arbeitet. Dabei handle es sich um ein Instrument des Jobcenters, das schwer Vermittelbaren und Langzeitarbeitslosen helfen soll, wieder Fuß auf dem Arbeitsmarkt zu fassen.
In Nürtingen ginge das allerdings nicht. Dort arbeiten ausschließlich ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Trotzdem würden in Esslingen dringend Fahrer gesucht, die mit einem Sprinter die Lebensmittel abholen und zur Tafel bringen. Die Zahl der Tafelmitarbeiter sei zwar dank jüngerer Mitarbeiter ungefähr konstant geblieben, sagt Marin. Das Problem sei, dass die Jüngeren – im Vergleich zu den Älteren – oft nur stundenweise Zeit hätten. Rentner und Pensionäre hätten oft mehrere Tage in der Woche geholfen.

Neukunden verdrängen Altkunden
Ein weiteres Problem sei, dass durch den großen Andrang ukrainischer Flüchtlinge viele ältere Tafelkunden fernblieben. „Im Prinzip können wir die Gründe dafür nicht genau benennen. Die kommen einfach nicht mehr“, sagt Roswitha Marin. „Vermutlich hat es viel mit der Hitze und den langen Wartezeiten zu tun. Die Kunden müssen bis zu zwei Stunden in der Sonne stehen.“ Dies sei auch ein Problem der Räumlichkeiten.
Die Esslinger Tafel kann ihren Kunden keinen überdachten Warteraum mit Sitzmöglichkeiten anbieten. Nur sieben Kunden können derzeit in den Verkaufsraum. Der Rest wartet draußen. Schon seit Längerem sucht man eine neue und geeignetere Örtlichkeit für den Laden. Dies sei aber nicht so einfach: Laut Patricia Heidke hat es schon öfters Absagen gegeben, weil Vermieter die Tafel nicht im Haus haben möchten.

ff / Foto: Roberto Bulgrin


Der Fahrplan hat ausgedient

Nachtschwärmer können in Wernau ab sofort den Bus auf Zuruf bestellen – Kreis Esslingen Vorreiter im VVS-Gebiet

Der Nahverkehr der Zukunft wird in Wernau getestet: Ab sofort kommt der Bus in den Abendstunden auf Zuruf. „On-Demand-Ridepooling“ heißt dieses Modell im Fachjargon. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet es: Mobilität bei Bedarf – ohne festen Fahrplan, ohne bestimmte Haltestellen und ohne vorgegebene Fahrtroute. Das sei, so hob Horst Stammler, Geschäftsführer des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS), beim Start des Pilotprojekts hervor, „eine kleine Revolution im Nahverkehr“. Der App-basierte Fahrdienst „Flex Mobil“ sei die digitale Weiterentwicklung des bewährten Anrufsammeltaxis. Und mit diesem innovativen Angebot sei der Landkreis Esslingen Vorreiter im Verbundgebiet.
Die Firma Schlienz-Tours bietet Fahrten innerhalb des Stadtgebietes in den ruhigeren Tageszeiten an – ab 20 Uhr, wenn der reguläre Stadtbus nicht mehr fährt. Der Rufbus soll den klassischen öffentlichen Nahverkehr schließlich sinnvoll ergänzen und ihm nicht die Fahrgäste streitig machen. Zum Einsatz kommt ein Kleinbus mit bis zu sieben Sitzplätzen, der bei Bedarf per App oder telefonisch angefordert wird. Den Bus kann man an reguläre Haltestellen bestellen oder an virtuelle Haltepunkte, die auf elektronischem Weg passgenau ermittelt werden. Laut Erhard Kiesel, dem Geschäftsführer von Schlienz-Tours, gebe es mehrere hundert Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten im Stadtgebiet.
Der Shuttledienst zum VVS-Tarif ist jedoch nicht exklusiv: Unterwegs können weitere Fahrgäste zu- oder aussteigen. Fahrtwünsche in ähnliche Richtungen werden über einen Algorithmus automatisch gebündelt, um den Besetzungsgrad zu erhöhen und die Wartezeiten zu minimieren. Wie lange es dauert, bis der Bus kommt, teilt die App dem Nutzer mit. Der kann ebenso die Anfahrt des Fahrzeugs live verfolgen. „Auch das Kennzeichen wird mitgeteilt und sogar der Name des Fahrers“, sagt Kiesel.

Besser als das Ruftaxi
Wenn gerade kein Fahrtwunsch vorliegt, wartet der Kleinbus in der Nähe jener Punkte, an denen das meiste Fahrgastaufkommen erwartet wird. Beispielsweise am Wernauer Bahnhof, der durch das On-Demand-Angebot besser angebunden ist als vorher mit dem Ruftaxi. Auch bisher nicht an den ­öffentlichen Nahverkehr angebundene Wohngebiete werden durch den Shuttle erschlossen. „Das ist ein enormer Komfortzuwachs für alle Bürgerinnen und Bürger“, sagte Wernaus Bürgermeister Armin Elbl. „Wir wünschen uns, dass viele Menschen dieses tolle Angebot nutzen“, fügte die Erste Landesbeamtin Marion Leuze-Mohr hinzu.
Das Wernauer Pilotprojekt ist zeitlich nicht befristet – vom Erfolg sind alle Partner jetzt schon überzeugt. Zunächst gelte es, Erfahrungen zu sammeln, von denen weitere Kommunen in der Region profitieren sollen. „Gerade der ländliche Raum ist prädestiniert für ein solches ÖPNV-Angebot“, sagte Stammler. „Ich bin zuversichtlich, dass wir On-Demand-Verkehre in den nächsten Jahren überall haben werden.“ Noch gebe es in keinem anderen Verbundlandkreis etwas Vergleichbares. Aber auch dort strebe man die Einführung von Pilotprojekten an, so Stammler. In Besigheim und Bietigheim (Kreis Ludwigsburg), im Bereich Schwäbischer Wald und Winnenden (Rems-Murr-Kreis), in Geislingen (Kreis Göppingen) sowie in Waldenbuch, Steinenbronn und Schönaich (Kreis Böblingen) werden sie voraussichtlich im Laufe des nächsten Jahres umgesetzt, heißt es beim VVS.
In der Landeshauptstadt hat man bereits entsprechende Erfahrungen mit dem Rufbus gesammelt: Im Juni 2018 ging „SSB Flex“ in Teilen Stuttgarts an den Start – ab August 2019 dann flächendeckend. Die Stuttgarter Straßenbahnengesellschaft (SSB) spricht von einem Erfolgsmodell, „obwohl die Rahmenbedingungen durch die Coronapandemie nicht optimal waren“, sagt Roland Kraus von der SSB-Stabsstelle Planung. Im Stuttgarter Stadtgebiet werden 6000 Haltepunkte angefahren, inzwischen sind laut Kraus 19 Fahrzeuge im Einsatz. Die stärkste Nachfrage verzeichne man zwischen 23 und 1 Uhr.

eh / Foto: Ines Rudel


Ein Klima-Vorzeigeprojekt

Der Gewerbepark „Scharnhausen West“ bietet nachhaltige Lösungen – Potenzial für gut 2200 Arbeitsplätze

Nachhaltiges Infrastruktur- und Mobilitätskonzept, zu einem hohen Grad energieautark – von modernen Wohngebieten wie der Weststadt in Esslingen kennt man diesen Ansatz. In Ostfildern will man diesen Weg auch im neuen Gewerbepark „Scharnhausen West“ gehen. Klimaneutral arbeiten und mobil sein, heißt dort die Losung. Auf der gut elf Hektar großen Fläche werde man pro Jahr rund 5000 Tonnen weniger CO2-Emissionen haben als bei vergleichbaren konventionellen Gewerbegebieten, erklärt der Erste Bürgermeister Rainer Lechner. Mehr als 2200 Arbeitsplätze könnten auf der verkehrsgünstig gelegenen Fläche entstehen. Zusammen mit der EnBW als Partner will man Fotovoltaikanlagen auf Dächern und Fassaden platzieren. Außerdem plane man das größte Erdwärmesondenfeld in Deutschland. „Wir setzen uns damit an die Spitze der Bewegung“, sagt Lechner.
Für die Stadt Ostfildern ist das neue Gewerbegebiet am Ortsrand von Scharnhausen Richtung Plieningen eine sehr kostspielige Sache. Unter anderem mussten zwei Starkstrommasten abgebaut und die Kabel in die Erde verlegt werden. Allein dafür habe man sechs Millionen Euro aufbringen müssen, so Lechner. Jedoch gehe man davon aus, dass sich das Projekt durch den Verkauf der Gewerbeflächen selbst finanziere. Mehrere große Firmen hätten schon vor Jahren signalisiert, dass sie an Erweiterungsflächen interessiert seien.

Wertvoller Filderboden
Es gehe darum, die Wirtschaftskraft der Kommune zu erhöhen, erklärt Lechner. Bei der Zahl der Arbeitsplätze liege man im Vergleich zu den anderen Großen Kreisstädten im Kreis Esslingen im hinteren Bereich. Was deutlich weniger Gewerbesteuereinnahmen bedeutet. Laut Lechner hat Ostfildern einen jährlichen Pro-Kopf-Ertrag von 585 Euro aus der Gewerbesteuer. Bei den anderen Großen Kreisstädten liege der Satz im Schnitt bei 764 Euro.
Der Stadt sei es ein Anliegen, die Fläche sehr nachhaltig zu nutzen. Auch, weil der Filderboden zu den wertvollsten in Deutschland zähle. Deshalb habe man sich für eine hohe Baudichte entschieden. Die neuen Gewerbebetriebe könnten bis zu 18 Meter hoch werden. Die obersten 50 Zentimeter des Bodens, insgesamt 70 000 Kubikmeter, werden dafür genutzt, andernorts minderwertige Agrarflächen zu verbessern. Geplanter Baustart ist Ende 2022. Die Hochbauarbeiten beginnen 2024.
Erst vor Kurzem hatten die Stadt und die EnBW einen Kooperationsvertrag geschlossen. Neben der Planung und Optimierung der Infrastrukturgewerke übernimmt die EnBW später auch die Betriebsführung und Medienversorgung der künftigen Nutzer.
„Quartiere müssen ganzheitlich gedacht sein. Mit unserem Konzept für den Gewerbepark ‚Scharnhausen West‘ zeigen wir, wie Mobilität, Arbeiten und Nachhaltigkeit in Zukunft funktionieren“, sagt Nils Blume, Leiter Urbane Infrastruktur EnBW. Zum Energiekonzept gehören auch 370 Erdwärmesonden, die 130 Meter unter den zentralen Gebäuden platziert werden. In Summe sei dies das größte Erdwärmesondenfeld in Deutschland, so Blume. Es liefert im Winter Wärme und ermöglicht im Sommer die Kühlung der Gebäude. Zur thermischen Energieversorgung des Quartiers gehören außerdem ein sogenanntes kaltes Nahwärmenetz, dezentrale Sole-Wasser-Wärmepumpen in jedem Gebäude und eine dezentrale elektrische Warmwasserbereitung. Für die elektrische Versorgung sind ein zentraler Batteriespeicher bei der Quartiersgarage und Fotovoltaikanlagen auf Dächern und Fassaden geplant.
Neben der Energieversorgung ist der Mobilitätshub das zentrale Element des Konzeptes. Die vollständig mit erneuerbarer Energie betriebene Garage bietet Platz für rund 950 Fahrzeuge und stellt 200 Ladepunkte sowie zwei Schnellladepunkte öffentlich zur Verfügung. Über eine Mobilitätsplattform buchen Firmen zudem Stellflächen nach Bedarf oder reservieren Mietwagen. Das spart auf dem Gelände Platz, reduziert den Verkehr und senkt die Kosten für Firmen. Ebenso vorgesehen sind Fahrradstellplätze, Sharing-Lösungen und eine gute Anbindung ans öffentliche Nahverkehrsnetz.

hf / Foto: Ines Rudel