Abgestimmt!

Die Queen ist tot, es lebe der King. In Großbritannien wird aus dem Prinzen König Charles III. – im Alter von 73 Jahren. Hat Charles das drauf?

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Kann Charles König?

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Auf der Burg gehen die Lichter aus

Stadt und Stadtwerke Esslingen präsentieren Konzept zum Energiesparen – Plan mit Gutschriften für Gassparfüchse

Beim Gedanken an den Winter läuft es manchem eiskalt den Rücken herunter. Diese Bedenken haben ihre Berechtigung, meint Jörg Zou. Der Esslinger Stadtwerke-Chef rechnet mit einer Verdreifachung der Gaspreise. Zudem könne es bei der Energieversorgung zu Engpässen kommen. Gewerbetreibende müssten sich auf Einschränkungen einstellen. Privatleute seien weniger von den Folgen einer möglichen Energieknappheit betroffen. Doch solche Prognosen erfolgten immer unter Vorbehalt: Die Entwicklung hänge auch davon ab, wie kalt oder wie mild der Winter werde. Das Verhalten der Russen könne auch niemand vorhersagen. Dennoch wollen sich Stadtwerke und die Stadt Esslingen auf die Situation einstellen und Energie sparen.
Ohne Opfer geht es nicht, stellte Finanzbürgermeister Ingo Rust klar. Die Stadt tue, was notwendig, aber vor den Bürgern vertret- und zumutbar wäre. Zu den Reaktionen auf die Energiekrise zählte er in den Sporthallen die Absenkung der Raumtemperatur auf 17 Grad, eine niedere Temperatur bei Duschen und Warmwasser sowie eine geringere Heizung von Verkehrsflächen wie Fluren. Die Sporthallen sollen zudem künftig in den Schulferien nur noch für den Leistungs- und Spitzensport geöffnet haben.
Die Esslinger Burg, die Mettinger Kirche und der Turm der Frauenkirche bleiben im Dunkeln, Straßenbeleuchtungen werden eingeschränkt. Sicherheitsbedenken ließ Rust nicht gelten: Die Beleuchtung werde an die Nachtzeiten angepasst. Nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang sei es bis zu eine Stunde hell – in dieser Zeit würden die Laternen ausgeschaltet. Durch diesen Schritt sei das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger nicht beeinträchtigt.
Und noch eine Bemerkung war Rust wichtig: Kinder- und Anfängerschwimmkurse würden nicht gestrichen. Lediglich die Babyschwimmkurse würden entfallen, da sie sehr hohe Wassertemperaturen erfordern. Energie solle in den Bädern aber durch die Absenkung der Wasser- und Raumtemperaturen, die Außerbetriebnahme des Warmsprudlerbeckens und die Anpassung der Saunabetriebszeiten am Vormittag gespart werden.
Kritik übte der Finanzbürgermeister an dem zögerlichen Verhalten des Landes. Für die Kindergärten und Schulen würde es keine Empfehlungen zum Umgang mit der aktuellen Situation geben. Hier bestehe dringend Handlungsbedarf, da die Richtlinien auch umgesetzt werden müssten. Die Regelungen dürften nicht in das Ermessen jeder Kommune gestellt werden, da sonst ein Ungleichgewicht entstehen würde.
Städtische Mitarbeiter müssen sich im Winter aber warm anziehen. In den Büroräumen wird eine Raumtemperatur von 19 Grad festgezurrt. An den Wochenenden und nachts soll die Heizung noch weiter nach unten gedreht werden. Verkehrsflächen wie Flure oder Lagerräume sollen ebenfalls weniger geheizt werden. Vor einer Erkältungswelle und einem hohen Krankenstand fürchtet sich die Stadtspitze nicht. Er gehe nicht davon aus, dass seine Mitarbeitenden ihren Tätigkeiten im Parka nachkommen müssten, meinte Oberbürgermeister Matthias Klopfer. Aber der Dresscode müsste angepasst werden. Mit einem Rolli unterm Anzug seien die Raumtemperaturen kein Problem.
Die Stadtwerke Esslingen (SWE) schnallen ebenfalls den Energiegürtel enger. Der Aufbau von Fotovoltaikanlagen, die vermehrte Nutzung von Wasserstoff sowie der Auf- und Ausbau des Nah- und Fernwärmenetzes der SWE sollen für Einsparungen sorgen, erklärte Jörg Zou. Geplant sei der Ausstieg aus fossilen Erzeugungsanlagen, die Energieberatungen für Verbraucher sollen ausgebaut werden. Ein Bonbon hält der Jörg Zou für Sparfüchse bereit: Wer weniger Gas verbraucht, bekommt Geld zurück (Anmeldung unter www.swe.de). Sinkt der Verbrauch um zwölf Prozent, könnte eine Gutschrift in Höhe von 80 bis 100 Euro erfolgen. Sparen tue not. Die Gasspeicher seien derzeit zu 85 Prozent gefüllt. Gesetzlich seien aber 90 bis 95 Prozent vorgeschrieben.

sw / Foto: Horst Rudel


Hochprozentiger Einsatz für die Natur

Die vier Obst- und Gartenbauvereine in Ostfildern wollen weg vom angestaubten Image – Eigener Schnaps ist ein Anfang

Wettbewerbe für den schönsten Blumenschmuck im Ort und Baumschneidekurse im Winter – das fällt einem normalerweise zur Arbeit der Obst- und Gartenbauvereine (OGV) ein. Doch das war gestern. In Ostfildern mit gleich vier eigenständigen Vereinen hat sich in den vergangenen Jahren ein grundsätzlicher Wandel vollzogen. „Weg vom angestaubten Image“, so lautet die Devise. „Wir sind heute ein äußerst motivierter, lebendiger Verein“, sagt Oliver Galle, der Vorsitzende des OGV Kemnat. „Unser Ziel ist, die Natur zum Erlebnis zu machen.“ Mit Erfolg, wie sich an den steigenden Mitgliederzahlen, gerade unter jungen Familien, ablesen lässt.
Der Jahreskalender ist voll mit Aktionen und Veranstaltungen. „Vor allem mit den Schulen und Kitas machen wir sehr viel“, erklärt Galle. Saft pressen, auf Wiesen die Welt der Insekten erkunden, einen Imker besuchen, Kartoffelernte, Betreuung des Schulgartens – den pädagogischen Auftrag nehme man im Verein sehr ernst. Aber auch junge Familien möchte man gezielt ansprechen. Mit den Kollegen aus den benachbarten Vereinen wolle man ein 8100 Quadratmeter großes Grundstück bei Ruit pachten, das Familien für gemeinsame Veranstaltungen nutzen können. Überhaupt peile man unter den Obst- und Gartenbauvereinen ein verstärktes Miteinander an. Der Oberbürgermeister Christof Bolay habe dafür seine Unterstützung zugesagt, so Galle.
Was aus einer solchen Kooperation erwachsen kann, zeigte sich Ende Juni beim „Gartentraum“ auf dem früheren Gartenschaugelände im Scharnhauser Park. Viele Besucherinnen und Besucher genossen bei traumhaftem Wetter das vom Amt für Kultur und Vereine der Stadt Ostfildern angestoßene neue Format: Begegnung, Markt und Austausch zu allen Themen des Gärtnerns. An mehr als 30 Ständen wurden Pflanzen, Dekoration, Obst und Gemüse angeboten. Eine tragende Rolle spielten dabei die heimischen Obst- und Gartenbauvereine. „Das war für uns alle eine tolle Sache“, findet Matthias Noske, der beim Verein in Kemnat aktiv mitmischt. Für den „Gartentraum“ konstruierte er ein Smoothie-Fahrrad. Mit einem Bike aus Schrottteilen konnte jeder Besucher einen Küchenmixer antreiben, der Obst und Gemüse für einen leckeren Trunk verarbeitete. Der Upcycling-Gag kam gut an, genauso wie die anderen Angebote der Vereine, zum Beispiel das beliebte Schlürferle, ein Gemisch aus Apfelsaft, Sekt und Most, das schon bei der Landesgartenschau 2002 ein Renner war.
Und natürlich der eigene Schnaps, der 2018 erstmals gebrannt wurde. Die gute Obsternte damals habe den Anstoß gegeben für eine Gemeinschaftsaktion der besonderen Art, berichtet Harald Eggert, der stellvertretende Vorsitzende des OGV Ruit, Parksiedlung und Scharnhauser Park. Bei einem Kennenlerntreffen der Vereinsvorstände habe man vereinbart, erstmals miteinander etwas auf die Beine zu stellen. Warum nicht einen Schnaps aus Ostfilderner Streuobst? Gesagt, getan. Mit 400 Liter Maische haben die Hobbybrenner vor vier Jahren angefangen. Das ergab etwa 40 Liter Hochprozentiges. 2019 waren es schon 1100 Liter Maische. Geld verdienen wollen die Vereine mit ihrem Schnaps-Projekt nicht. „Kommerz ist nicht unser Ziel“, sagt Oliver Galle. Viel mehr gehe es um Gemeinschaftsgefühl und das Bewusstsein, miteinander das Kulturgut Streuobst zu pflegen.
Das schätzen viele Menschen, nicht nur in Ostfildern. Wenn die Schnäpse etwa bei der Kirbe angeboten werden, sind sie schnell vergriffen. Zur Schnapsgruppe in Ruit zählt auch Kai Libich. Der Physiker war mit seiner Frau nach zehn Berufsjahren in München wieder zurückgekehrt in die alte Heimat, auch der Natur wegen. Bei der Suche nach einem Gütle stieß er auf Harald Eggert. Und der konnte Libich schnell für die Arbeit im Verein begeistern. Für solche Naturschätze müsse man die Menschen viel mehr sensibilisieren, sagt Matthias Noske. Genau das wollten die Obst- und Gartenbauvereine erreichen. Ihm tue es in der Seele weh, wenn Lebensmittel vergammeln. Was Obst angehe, biete die Natur hier einen reich gedeckten Tisch.

hf / Foto: Horst Rudel


Nur Bewässerung rettet die Ernte

Die Hitze und Trockenheit der vergangenen Monate haben der Landwirtschaft auch im Kreis Esslingen zugesetzt

Extrem heiß, extrem trocken, extrem anstrengend: Dieser Sommer mit seinen Rekordtemperaturen und der wochenlangen Trockenheit hat nicht nur vielen Menschen zugesetzt. Sondern auch der Landwirtschaft im Kreis Esslingen – wenn auch nicht überall in gleichem Maße. Besonders hart getroffen hat es feuchtigkeitsliebende Kulturen wie Kartoffeln. Auch bei manch anderem Gemüse wäre die Ernte ohne Bewässerung wohl ein Totalausfall gewesen.
Andreas Rapp, der auf seinem Weilerhof in Esslingen Gemüse und Wein anbaut, hat bei den Kartoffeln rund 30 Prozent Ernteausfall zu beklagen. Den Pflanzen habe schlicht das Wasser gefehlt, sagt der Landwirt. Dadurch seien die einzelnen Knollen klein geblieben und der Ertrag gering. Allerdings habe er die Kartoffelfelder auch nicht bewässert, denn das wäre zu aufwendig gewesen. Bei anderen Kulturen hingegen ist er ums Beregnen gar nicht herumgekommen, etwa beim Salat oder empfindlichen Gemüsesorten. „Die Pflanzen wären sonst sofort verdorrt.“ Dennoch seien angesichts des Wassermangels viele Kulturen auffällig klein geblieben, etwa Sellerie, Rosenkohl oder auch Kürbis. Im vergangenen Jahr habe er teils wochenlang nicht bewässern müssen, in diesem Sommer sei das bald alle drei Tage nötig gewesen.
Für Rapp ist das ganz klar ein Zeichen für den Klimawandel. „Wir merken einfach, dass solche Extreme häufiger werden“, sagt er. Damit müsse man umgehen. „Wir Landwirte arbeiten immer schon mit der Natur und müssen uns immer wieder neu arrangieren.“ Er überlege jetzt, ob es sinnvoll sei, die Kartoffeln früher im Jahr zu setzen, wenn Niederschläge wahrscheinlicher sind. Aber dann müssten sie vielleicht im Hochsommer bei Temperaturen jenseits der 30 Grad geerntet werden – auch nicht gerade ideal. Sicher aber müsse man sich künftig auf andere Sorten konzentrieren, die resistenter gegen Hitze und Trockenheit seien. Im Weinbau sehe man das deutlich: Während der heimische Trollinger inzwischen oft zu kämpfen habe, gedeihe etwa der Syrah mittlerweile prächtig.
Auch Tobias Briem, Vorsitzender des Esslinger Kreisbauernverbandes, spricht von einem sehr ungewöhnlichen Sommer: „Ohne Bewässerung wäre die Landwirtschaft in diesem Jahr nicht denkbar gewesen.“ Selbst der Kohl, der so tief wurzele, dass er eigentlich nie gegossen werden müsse, habe zusätzliches Wasser gebraucht, ebenso wie fast die gesamte Palette der Gemüsesorten. Generell habe wohl jeder hier unter der Trockenheit gelitten – aber je nach Standort in sehr unterschiedlichem Ausmaß.
Denn es habe durchaus Regen gegeben, allerdings nur sehr punktuell und eigentlich nur im Zusammenhang mit Gewittern. Dabei sei zwar teils recht viel Niederschlag heruntergekommen, aber in so kurzer Zeit, dass der Boden die Feuchtigkeit auf die Schnelle gar nicht habe aufnehmen können. Zudem seien die Unwetter so lokal begrenzt gewesen, dass die Bedingungen für die Landwirtschaft teils im Abstand von wenigen hundert Metern extrem unterschiedlich gewesen seien. So habe man in manchen Bereichen mit bis zu 50 Prozent Ernteausfall zu kämpfen, in anderen mit gar keinem. Das kann der Esslinger Landwirt Rapp nur bestätigen: „Wir haben dieses Jahr das Gefühl, der Regen vergisst uns: Er fällt entweder auf den Fildern oder im Remstal.“ Unterdessen habe der mehrtägige, flächendeckende Landregen, den die Pflanzen so dringend gebraucht hätten, komplett gefehlt, so Briem.
Der Mais sei wegen der Hitze rund drei Wochen früher geerntet worden als üblich – und weise teils deutliche Trockenschäden auf, was für diese robuste Kultur sehr ungewöhnlich sei. Beim Getreide wiederum liege die Erntemenge zwar nur geringfügig unter dem Durchschnitt früherer Jahre. Doch wegen der Trockenheit sei der Eiweißgehalt im Korn geringer und die Qualität damit schlechter.
Gleichwohl sei der Kreis Esslingen nach wie vor ein „Gunst-Standort“ im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands, etwa in Hessen oder Thüringen, betont Tobias Briem. Hier wachse alles noch deutlich üppiger als anderswo. Doch die Landwirte müssten sich darauf einstellen, immer mehr mit dem Klimawandel zu tun zu haben – und etwa mit dem Pflanzen hitzeresistenter Sorten vorbeugen.

meb / Foto: Roberto Bulgrin