Abgestimmt!

In Freiburger Kitas und Grundschulen gibt es in den Mensen künftig ein Einheitsmenü – ein vegetarisches. Kostengründe werden angegeben. Ein Beispiel für andere Kommunen?

Foto: dpa

Mensa ohne Fleisch?

  • Nein! (55% )
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Zurück zu den Anfängen

Die Ausstellung „Maßstäbe“ in der Städtischen Galerie Ostfildern zeigt die internationale Baukunst von Jürgen Mayer H.

Karierte Schatten, die über Plätze fliegen, und Wellen an Außenfassaden, die aussehen wie Haifischzähne: Die fließenden Formen der Baukunst von Jürgen Mayer H. ziehen die Blicke auf sich. Die Eröffnung der Ausstellung im Stadthaus im Scharnhauser Park mit Arbeiten von Jürgen Hermann Mayer, der der besseren Erkennbarkeit wegen als Jürgen Mayer H. firmiert, glich am vergangenen Wochenende einem Treffen der Architekturszene. Zu „Maßstäbe“, so der Titel der Schau, strömten nicht nur viele junge Studierende. Weggenossen und Entscheidungsträger, die vor 20 Jahren dabei waren, als das Stadthaus nach den Plänen des Architekten gebaut wurde, waren ebenfalls gekommen.
Auch wenn Mayer einen Allerweltsnamen trägt – seine kühnen Entwürfe, für die er weltbekannt ist, ziehen die Blicke auf sich. Die anspruchsvolle Denk- und Arbeitsweise wird in der großzügigen Präsentation in der Städtischen Galerie deutlich. Schließlich machte ihn das aufsehenerregende Stadthaus so berühmt, dass Galerieleiterin Holle Nann ihn freudig begrüßte: „Zu Hause in aller Welt, zu Gast im eigenen Haus.“
Mayer hat einen hohen gestalterischen Anspruch. Er verknüpft in seinen Arbeiten Architektur, Kunst, Design und Kommunikation. Das zeigt sich deutlich bei der großen Holzskulptur „off.spring“, die in einen spannenden Dialog tritt mit einer großformatigen Aufnahme der freien dynamischen Form des Projekts „Metropol Parasol“ in Sevilla. Das 5000 Quadratmeter große Rasterdach schlingt sich über den Platz. Der komplexe Bau lässt karierte Schatten über die Fläche und über die Treppen fliegen. Stolze 28 Meter hoch, gilt die riesige urbane Skulptur als eine der weltweit höchsten Holzkonstruktionen. Wenn die Sonne durch die Oberlichter der Galerie scheint, korrespondieren die Schatten in Sevilla und im Scharnhauser Park besonders schön.
Ähnlich verschlungen, nur viel kleiner, gestattet die Skulptur in der großen Galerie Einblicke, bewahrt aber gleichzeitig eine gewisse Intimität im tiefen Innern durch verschachtelt angebrachte Holzformen. Umgesetzt wurde die 26-teilige Steckarbeit aus Kiefer-Fichte-Schichtplatten nach Plänen Mayers in 220 Stunden von dem Ostfilderner Künstler Tobias Ruppert.
Auch mit den 19 „Data“-Collagen entsteht ein Wechselspiel durch die organisch-verschlungene Formensprache. Schon früh begann Mayer, sich mit den Datensicherungsmustern – etwa in Innenseiten von Briefkuverts – am Bau, aber auch künstlerisch auseinanderzusetzen. Die wirren Muster sollen private Inhalte wie Abrechnungen oder PINs von außen unlesbar machen. Diese Grenzen von Privatsphäre, Öffentlichkeit und Anonymität werden durch die mäandernden, amorphen Strukturen in den Collagen sichtbar gemacht. Am Bau denkt Mayer die natürliche Grenzlinie der Architektur durch das Anbringen derartiger Informationsflüsse neu und spielt mit den Erwartungen der Betrachter – seine Arbeitsweise ist sehr gut nachvollziehbar anhand zahlreicher Beispiele, die auf drei Monitoren abgespielt werden.
Verwirrend ist das Raumgefühl beim Anblick des riesigen Banners mit einer Fotografie des Zipper-Towers in Düsseldorf. Die 450 Wellenelemente an der Außenfassade des Hochhauses scheinen sich wie gigantische Haifischzähne um eine Frau zu schließen, die auf einer Plattform stehend den Blick über die Dächer der Weltstadt genießt.

Info: Jürgen Hermann Mayers Entwürfe für das Stadthaus im Scharnhauser Park sind im Museum of Modern Art in New York zu sehen. Bei der Ausstellung im Scharnhauser Park sind im Obergeschoss Fotografien zu sehen, die die Menschen im Stadthaus zeigen. Sie sind mit der Lichtbildnergruppe Esslingen entstanden. Die Ausstellung „Maßstäbe“ ist bis zum 24. Januar in der Galerie zu sehen. 

pb / Foto: Petra Bail


Düsterer Blick auf Finanzlage

Die Stadt Esslingen muss heftig sparen – Bürgermeister Ingo Rust schwört auf schwierige Zeiten ein

Der Esslinger Finanzbürgermeister Ingo Rust schlägt Alarm: Rückläufige Einnahmen, steigende Kosten und unkalkulierbare Aufwendungen durch Corona und Ukraine-Krieg machen der Stadt zu schaffen. Deshalb führt für Rust an einem konsequenten Sparkurs kein Weg vorbei. In einer Brandrede hat er Gemeinderat und Bürgerschaft nun auf harte Zeiten eingestimmt. Seine Botschaft ist eindeutig: „Es geht nicht mehr um ein bisschen Kosmetik. Es geht um den kompletten Haushalt.“ Ein Kraftakt stehe bevor, wie ihn Esslingen in der Nachkriegszeit noch nicht gesehen habe. Die Tiefe der Einschnitte werde zunehmen.
Erste Schritte zur Haushaltskonsolidierung hatten Gemeinderat und Verwaltung noch in der Ära Zieger auf den Weg gebracht. Rust machte jedoch deutlich, dass die bisher angepeilten Einsparungen von zunächst fünf Millionen Euro nicht ausreichen werden, um den Stadtsäckel dau­erhaft ins Lot zu bringen. Und auch die nächsten beiden Stufen von jeweils weiteren zwei Millionen Euro, die den Haushalt bis Ende 2026 um insgesamt neun Millionen Euro entlasten sollen, seien noch nicht das Ende der Fahnenstange. „Seither hat sich die Welt in einer Massivität verändert, wie wir es seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt haben“, so Rust. Es werde ein Paradigmenwechsel benötigt.
Rust skizzierte eine ganze Reihe von Faktoren, die den finanziellen Horizont verdüstert haben – allen voran der Ukraine-Krieg, der rund 2000 Flüchtlinge in die Stadt gebracht und die Konjunktur eingetrübt hat. So gab es Zeiten, da die Stadt mehr als 100 Millionen Euro an Gewerbesteuern verbucht hatte – zuletzt ging man nur noch von drei Viertel dieser Summe aus. „Kommen wir jetzt in eine Rezession, müssen wir unsere Zahlen nochmals nach unten korrigieren und stehen womöglich nur noch mit gut der Hälfte unserer früheren Gewerbesteuereinnahmen da“, so der Dezernent. Und das in einer Zeit, in der die Inflation auch bei den kommunalen Ausgaben bereits Wirkung zeige – bis hin zu den Personalkosten.
Schon vor der Ukraine-Krise habe die Stadt geplant, ihre Verschuldung für anstehende Investitionen auf über 120 Millionen Euro zu verdoppeln. Angesichts explodierender Baupreise werde das nicht mehr ausreichen. So soll der Neubau der Zollberg-Realschule 19 Millionen Euro mehr kosten, die neue Realschule Pliensauvorstadt fünf Millionen extra, die Sanierung des Merkelbads drei Millionen, bei der neuen Stadtbücherei werden zusätzliche 37 Millionen Euro geschätzt. All das werde außerdem höhere Abschreibungen nach sich ziehen. Mit Blick auf explodierende Energiekosten fordert der Finanzbürgermeister, dass die Strom- und die Gaspreisbremse nun auch für Kommunen und ihre Einrichtungen gelten müsse.
Oberstes Ziel muss nach Rusts Worten ein genehmigungsfähiger Haushalt sein. Andernfalls könne das Regierungspräsidium „auf eine andauernde Haushaltssperre bestehen“, mit der keine Investition neu begonnen werden dürfe. Im Blick hat Rust nicht die Pflichtaufgaben, die die Kommune zuverlässig erledigen müsse, sondern „Leistungen, die wir auf hohem Niveau freiwillig tun, die wir im Auftrag anderer tun, obwohl wir keine volle Kostenerstattung bekommen, oder die wir einfach für andere erledigen, ohne dafür zuständig zu sein“. Rust denkt beim Verzicht an Dinge, „an die sich die Esslingerinnen und Esslinger gewöhnt haben, die man vielleicht lieb gewonnen hat“.
Den Gemeinderat forderte der oberste Hüter der städtischen Finanzen zu Mut und Gemeinsamkeit auf – „auch wenn einzelne Lobbygruppen anderer Meinung sind. Als Stadträtinnen und Stadträte sind Sie dem Gesamtwohl der Stadt verpflichtet.“ Es gehe um alle Einwohnerinnen und Einwohner.

adi / Foto: Roberto Bulgrin


Eltern-Ärger über Busunternehmen

Bei der Beförderung der Schüler zur Rohräckerschule in Esslingen soll es akute Mängel geben – Es fehlt an Personal

Maria Mangold ist ratlos: „Ich weiß nicht, was ich machen soll.“ Über mehrere Wochen habe die Beförderung ihres Sohnes „gar nicht“ funktioniert. „Ich bin Ärztin und muss pünktlich bei der Arbeit sein, und mein Kind wird oft zu spät oder gar nicht abgeholt“, sagt die Mutter des Zehnjährigen, der eine Behinderung hat und die Esslinger Rohräckerschule besucht. Mangold ist unter den zahlreichen Eltern, die dem Busunternehmen Schlienz mit Sitz in Kernen im Remstal Versäumnisse bei der Beförderung vorwerfen. Der Elternbeirat der Schule schreibt in einem Beschwerdebrief: „Selbstverständlich ist uns auch bewusst, dass krankheitsbedingte Ausfälle und Personalmangel auch bei Schlienz vorhanden sind, aber wir sehen das Wohl und die Sicherheit unserer Kinder gefährdet.“
Schlienz bedient im Kreis Esslingen viele Linien, das Unternehmen ist im Auftrag des Landratsamts auch für die Schülerbeförderung an die Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungsstätten verantwortlich. Auch Eltern, deren Kinder die Bodelschwinghschule in Stuttgart-Möhringen besuchen, melden Probleme mit Schlienz. Ein heikles und emotionales Thema, da die individuellen Bedürfnisse der Kinder und deren Eltern auf die komplexe Planung eines Unternehmens treffen.
Der Schlienz-Geschäftsführer Erhard Kiesel sagt zu den Vorwürfen: „Wir wissen, dass es die sensibelste Art der Personenbeförderung ist, die es gibt. Die Planung ist superkomplex. Jedes Kind hat verschiedene Attribute: Beim einen ist eine Rollstuhlmitnahme erforderlich, beim anderen muss ein E-Rollstuhl mit, wofür man ein anderes Fahrzeug braucht.“ Diese und viele weitere Aspekte müssten eingeplant werden. Das Busunternehmen mache diese Arbeit schon seit vielen Jahren. Wieso werden also gerade jetzt Beschwerden laut?
„Es läuft derzeit sehr schlecht, und es ist keine Besserung in Sicht“, sagt Bettina Polanski, Mutter des 16-jährigen Lukas, der ebenfalls die Rohräckerschule besucht. „Es ist eine Schande, wie behinderte Kinder hier behandelt werden.“ Sie fürchte um ihren Arbeitsplatz, da sie als Schulbegleiterin pünktlich sein müsse.
Laut Kiesel ist sich das Unternehmen der Tragweite der Problematik bewusst: „Die aktuelle Krankheitssituation ist zum Super-GAU geworden.“ Teils seien sieben von acht Personen in der zuständigen Fachabteilung krank geworden. „Wir müssen uns jeden Tag mit abwechselnden Fahrerkrankmeldungen durchkämpfen“, sagt Kiesel. „Wir haben den Verkehr aufrecht erhalten, indem wir Personal aus anderen Abteilungen abgezogen haben.“ Zudem seien auch sie vom bundesweiten Fahrermangel betroffen.
Neben mangelnder Zuverlässigkeit beklagt der Elternbeirat der Rohräckerschule auch mangelnde Sicherheit. So soll sich der Sohn von Deborah Schad im März bei einem Bremsvorgang auf der Heimfahrt im Bus den Oberschenkel gebrochen haben. Sein Rollstuhl sei nicht mit dem Fahrzeug verbunden gewesen. Statt den Rettungswagen zu rufen, sei der Fahrer mit dem verletzten Kind, das im Auto gelegen und geschrien habe, weitergefahren bis zu dessen Adresse. Der Fahrer habe erst zwei Wochen später gefragt, wie man den Rollstuhl richtig sichert. Laut Schad erklärte der Fahrer, dass er als Schulung nur ein 20-minütiges Video angeschaut habe. Der Schlienz-Geschäftsführer weist diese Vorwürfe von sich und gibt an, dass jeder Fahrer ausreichend geschult werde. „Teilweise sprechen die Fahrer kein Deutsch, denen kann ich nicht einmal erklären, was ein epileptischer Anfall ist, und die sollen dann in einem Notfall den Rettungsdienst rufen“, sagt Judith Beier.
Mit ihren Anliegen hätten sich die Eltern mehrfach an das Landratsamt gewandt. „Ich verstehe, dass es für die Eltern schwierig ist, mit dieser Situation umzugehen. Wir – und auch das Unternehmen – setzen alle Kräfte dafür ein, dass diese Situation so schnell wie möglich behoben wird“, sagt Johannes Weiß, Leiter des Amts für Kreisschulen im Landratsamt Esslingen. In der Regel sei Schlienz ein verlässlicher Vertragspartner. Und der Elternbeirat der Rohräckerschule sagt: „Wir möchten der Firma Schlienz gerne die Chance geben, das Vertrauen wieder aufzubauen, indem sie uns mit ins Boot nehmen.“

ff / Foto: Horst Rudel


Abgestimmt!

Forderungen werden laut, dass vor allem an Schulen kostenlos Monatshygieneartikel verteilt werden sollen. Sollen Mädchen und Frauen Tampons und Binden gratis bekommen?

Foto: dpa

Tampons gratis?

  • Ja! (59% )
  • Nein! (41% )
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Schub für Stadtbahn-Verlängerung?

Neue Berechnungsgrundlage bringt Hoffnung für das seit 20 Jahren diskutierte Projekt zwischen Nellingen und Esslingen

Aufwand und Nutzen passen nicht überein. Wegen dieser Erkenntnis war es lange still um ein Projekt, das den Verkehr zwischen Filder und Neckartal deutlich entlasten könnte: die seit 20 Jahren diskutierte Verlängerung der Stadtbahn von Nellingen nach Esslingen. Jetzt kommt wieder Fahrt in die Diskussion. Grund dafür ist, dass es für das sogenannte standardisierte Verfahren, mit dem die Wirtschaftlichkeit eines Bahnprojekts geprüft wird, neue Kriterien gibt. Erstmals und nun gleich mit Gewicht werden beispielsweise die Barrierefreiheit, der Klimaschutz und Energiespareffekte durch Verlagerungen auf die Schiene berücksichtigt.
Was so viel heißt, dass das Vorhaben einen neuen Schub bekommen könnte. Bahnexperte Matthias Gastel, der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, gibt sich optimistisch: „Letztlich steigen die Chancen, dass Investitionen in die Schiene aus Bundesmitteln förderfähig und tatsächlich zum Nutzen der Fahrgäste realisiert werden.“
Vor Kurzem abermals aufs Tapet gebracht hatte das Bahnprojekt der Landrat Heinz Eininger. In der Sitzung des Verwaltungs- und Finanzausschusses des Esslinger Kreistags berichtete er über die veränderten Vorzeichen. Gleichzeitig kündigte er an, dass der Landkreis, angestoßen durch die neuen Kriterien, im nächsten Jahr eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben werde. Diese soll ­beleuchten, ob sich das Bahnprojekt nun wirtschaftlich rechnet. Die Kosten für das Gutachten von rund 170 000 Euro übernimmt zu zwei Dritteln der Landkreis, die Restsumme verteilt sich je nach Größe auf die Städte Esslingen und ­Ostfildern.
Es sei richtig, sich das Vorhaben unter den geänderten Bedingungen nochmals anzuschauen und die Wirtschaftlichkeit zu prüfen, sagt Ostfilderns OB Christof Bolay, denn ein Ringschluss zur S-Bahn in Esslingen wäre für alle ein Gewinn. Bolay erinnert daran, dass die Verlängerung der Stadtbahn bis nach Nellingen im Jahr 2000 der Entwicklung Ostfilderns einen erheblichen Schub gegeben habe. Vor allem der Erfolg des Scharnhauser Parks, in dem mittlerweile an die 9000 Menschen leben, wäre ohne den Anschluss an das regionale Bahnnetz nicht in der Form möglich gewesen.
Für Ostfilderns größten Stadtteil Nellingen, in dem die Stadtbahn bislang endet, würde das Bahnprojekt erhebliche bauliche Veränderungen bedeuten. Eine Festlegung auf eine bestimmte Variante habe es im Gemeinderat noch nicht gegeben, so Bolay. Ebenfalls vorsichtig optimistisch gibt man sich im Esslinger Rathaus. „Die Realisierungschancen der Stadtbahn hängen wesentlich von dem Ergebnis einer weiteren Untersuchung und dem daraus resultierenden Nutzen-Kosten-Indikator ab“, erklärt Pressesprecher Niclas Schlecht. In einer ersten Untersuchung habe der Nutzen-Kosten-Indikator unter 1 gelegen. Bei der zweiten Untersuchung im Jahr 2019 habe man mit der niedrigsten Kostenschätzung einen Nutzen-Kosten-Indikator von knapp über 1 erreicht, was eine Rentabilität bedeuten würde.
Daher können man gegenwärtig noch keine konkreten Aussagen zu den Realisierungschancen machen. Klar sei aber, dass die Stadtbahn eine Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs in der Stadt bedeutet, insbesondere die Verbindung Richtung Zollberg/Nellingen. Zudem sei es „ausdrücklich zu begrüßen, wenn die Filderkommunen durch eine Stadtbahn besser an die Kreisstadt Esslingen angebunden werden“, sagt Schlecht. Konkrete Gemeinderatsbeschlüsse zur Stadtbahn-Verlängerung gibt es bislang auch in Esslingen nicht. Doch würden bei den aktuellen Planungen die notwendigen Trassen frei gehalten, versichert Pressesprecher Schlecht. Zu nennen seien da insbesondere die Planungen zur städtebaulichen Neuordnung des Nürk-Areals in der Pliensauvorstadt.
Zuletzt hatten im Jahr 2019 die CDU-Stadtverbände Esslingen und Ostfildern das Thema bei einem Informationsabend in Nellingen aufgegriffen. Damals war von Kosten in Höhe von 178 Millionen Euro die Rede. Egal, welche Variante zum Zug käme: Gut ein Viertel der Strecke müsse man wegen der Höhenunterschiede in Tunneln verlegen.

hf / Foto: Stadtarchiv Ostfildern


Park Consul heißt jetzt Leonardo

Nach mehr als zwei Jahren Leerstand soll das Hotel am Neckar Forum im nächsten Sommer wieder eröffnet werden

Zuletzt war man sich in Esslingen nicht mehr sicher. Angesichts des langen Leerstands fragte manch einer hinter vorgehaltener Hand, ob überhaupt wieder Leben in das ehemalige Hotel Park Consul einziehen würde. Die Zweifel dürften nun obsolet sein: Stadt und Pächter haben vergangene Woche Vollzug gemeldet. Der Pachtvertrag sei unterschrieben, die Wiedereröffnung der Unterkunft neben dem Neckar Forum für spätestens nächsten Sommer anvisiert.
Das Konzept soll sich nicht grundlegend ändern. Die Leonardo-Hotelgruppe als neuer Pächter will auch künftig einen Schwerpunkt auf Geschäftsreisende, Tagungsgäste und Veranstaltungsbesucher legen – allein schon wegen der Nähe zum Kongresszen­trum Neckar Forum. Aber auch für den Freizeittourismus will man attraktiv sein und unter anderem mit guter Gastronomie und modernen Wellnessangeboten punkten. Die kurzen Wege in die Esslinger Altstadt sollen ihr Übriges tun, um Kurzurlauber von einem Aufenthalt im „Leonardo Esslingen“ zu überzeugen.
Zudem soll die Kooperation zwischen Stadt und Pächter intensiviert werden. Man will Veranstaltungen und Übernachtungen verstärkt gemeinsam vermarkten und sich gegenseitig zu neuen Kunden verhelfen. „So war es immer schon gedacht, aber in den vergangenen Jahren hat dieses Prinzip etwas gelitten“, sagt der Erste Bürgermeister Ingo Rust, der auch für die städtische Veranstaltungsgesellschaft Esslingen live zuständig ist. „Wir halten das Hotel an diesem Standort für einen wichtigen Wirtschaftsfaktor.“
Die Wiedereröffnung nach dem Zuschlag für die Leonardo-Gruppe als künftiger Pächter sei zu keinem Zeitpunkt in Gefahr gewesen, so Rust. Dass es so lange dauerte, bis der Pachtvertrag unterzeichnet wurde, habe schlicht daran gelegen, dass man möglichst viel im Vorfeld klären wollte. Die Stadt habe aus der Erfahrung gelernt und bei der Leonardo-Gruppe offene Türen eingerannt mit dem Bestreben, bis ins kleinste Detail festzulegen, wie die Zusammenarbeit in Zukunft aussehen soll. Dabei ist ein dickes Vertragswerk entstanden, das die nächsten 20 Jahre gelten soll.
Jan Heringa, der bei der Leonardo-Hotelgruppe vor allem für die Themen Weiterentwicklung und Innovation zuständig ist, zeigt sich begeistert von dem Standort in Esslingen. Es sei das erste Haus seines Unternehmens in der Region Stuttgart und eins der wenigen in Baden-Württemberg. Nun gelte es aber erst einmal, das Hotel auf Vordermann zu bringen. „Das Haus ist 17 Jahre alt, wir werden es jetzt ins Jahr 2023 katapultieren“, so Heringa. So wolle man etwa die Teppichböden in den Fluren durch nachhaltige Vinylböden ersetzen, statt Badewannen lieber Duschen einbauen und Restaurant, Dachterrasse sowie Wellnessbereich modernisieren. Zudem werde die IT auf den neusten Stand gebracht. Rund drei Millionen Euro will die Hotelkette in die Modernisierung des Hauses mit 150 Zimmern und rund 340 Betten investieren.
Auch die Stadt lässt sich den Neustart der zentralen Unterkunft etwas kosten. Rund 2,5 Millionen Euro werden in das Gebäude investiert, unter anderem in die Technik und den Brandschutz. Allerdings fällt darunter auch die Summe von rund 900 000 Euro für den Einbau einer Klimaanlage für die Zimmer zum Neckar Forum hin, die von Leonardo-Hotels zum großen Teil über die Pacht finanziert wird. Auch wegen des langen Leerstands muss die Stadt tiefer in die Taschen greifen. Schließlich kostet sie die Kontrolle und Instandhaltung des Gebäudes zwischen 20 000 und 25 000 Euro im Monat. Bis zur Eröffnung wird man im Rathaus diesen Posten weiter einkalkulieren müssen.
Trotz Corona und der Konsumzurückhaltung angesichts der Energiekrise macht sich Jan Heringa keine Gedanken über eine mangelnde Auslastung des Esslinger Hotels. „In den vergangenen Monaten haben wir ein wahnsinniges Geschäft gemacht“, berichtet er über die Hotelgruppe.

meb / Foto: Ines Rudel


Hausbaupläne häufig auf Eis gelegt

Steigende Zinsen, unkalkulierbare Kosten: Banken registrieren große Verunsicherung bei ihren Kunden

Der Traum von den eigenen vier Wänden ist für viele Menschen erst einmal ausgeträumt. Deutlich gestiegene Zinsen für Hypotheken-Darlehen, die anhaltend hohe Inflationsrate und zu viele Unwägbarkeiten bei der Entwicklung der Kosten zwingen mehr und mehr Bauinteressenten, ihre Pläne bis auf Weiteres zu begraben. Selbst Bauwillige, die bereits ein Grundstück besitzen, warten zumindest erst einmal ab. Das bestätigen regionale Geldinstitute auf Anfrage.
Mit genauen Zahlen tut man sich schwer. Aber der Trend ist überall eindeutig. Es herrsche große Verunsicherung, berichtet Volker Schmelzle vom Vorstand der Volksbank Plochingen. Das lasse sich auch daran festmachen, dass die Zahl der Beratungsgespräche für eine anstehende Immobilienfinanzierung seit Juni um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen sei. Und beim Großteil der übrigen Interessenten stelle sich heraus, dass sich das von ihnen angepeilte Vorhaben bei den aktuellen Gegebenheiten und mit ihren finanziellen Mitteln nicht realisieren lässt. „Die Unsicherheit ist mit Händen zu greifen“, sagt Schmelzle. Und was die Vermarktung bereits bestehender Immobilien angeht, ziehe sich der Verkaufsprozess heute viel länger hin als noch zu Jahresbeginn.
Martin Turetschek, Sprecher der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, zeigt an einem Beispiel, wie sich der Kapitaldienst für Baufinanzierungen innerhalb nur eines Jahres verändert hat. „Wer vor einem Jahr für ein Baudarlehen in Höhe von 300 000 Euro bei einem Zinssatz von 1,25 Prozent monatlich rund 312 Euro Zinsen zahlte, müsste jetzt für dieselbe Kreditsumme bei einem Zinssatz von 3,8 Prozent eine Zinsbelastung von 950 Euro pro Monat einplanen.“
Für Heinz Fohrer, den Vorstandssprecher der Volksbank Mittlerer Neckar, resultiert die gegenwärtige Zurückhaltung bei den Immobiliengeschäften aus einer „wachsenden Unsicherheit bei der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung, die sich auf den eigenen Arbeitsplatz und damit das langfristige Einkommen auswirkt“. Hinzu komme in der Region Stuttgart ein überdurchschnittliches Preisniveau bei den Immobilien, sowohl beim Kauf als auch bei den Baukosten. Coronakrise, der russische Angriffskrieg in der Ukraine, Rohstoff- und Energiekostenkrise, hohe Inflation und viele andere Probleme sorgten für eine „ungeheure Unsicherheit“.
Eine andere Beobachtung macht man bei der Volksbank Filder. „Teilweise haben Kunden die höheren Baukosten oder auch das höhere Zinsniveau noch gar nicht realisiert“, berichtet Banksprecherin Sabine Kristen. „Kalkulationen und Berechnungen der Kunden gehen noch von einem niedrigeren Zinsniveau aus.“ Die Schere, wer sich eine eigene Immobilie leisten kann und wer nicht, sei durch die aktuellen Entwicklungen weiter auseinander gegangen.
Dass die Nachfrage nach Finanzierungen zuletzt stärker zurückgegangen ist, habe sich durch die gestiegenen Verbraucherpreise noch verstärkt, sagt Kreissparkassen-Sprecher Turetschek. „In dieser Konstellation können sich viele Menschen derzeit eine Investition dieser Größe nicht oder nicht mehr leisten.“ Trotz der aktuellen Zurückhaltung sei das Eigenheim für viele Kunden nach wie vor das Lebensziel. Mehr denn je müsse man sich als privater Investor fragen, ob die finanzielle Verpflichtung auf Dauer realistisch tragbar sei, so Turetschek. Deshalb sein Rat: „Das Finanzierungskorsett für die eigenen vier Wände auf keinen Fall zu eng schnüren.“ Zinssicherungssysteme wie das Bausparen spielten bei der Finanzierung von Immobilien künftig wieder eine stärkere Rolle.
Mehr denn je ist in diesen Zeiten eine solide Finanzierung notwendig. Volker Schmelzle verweist auf eine alte, nach wie vor gültige Regel: Mit einem Viertel bis einem Drittel Eigenkapital an den Start gehen. Angesichts der aktuellen Unwägbarkeiten mit zum Teil völlig unkalkulierbaren Preisen empfehlen die Bankfachleute, auf jeden Fall einen Puffer einzukalkulieren.

hf / Foto: Ines Rudel


Abgestimmt!

Offenbar wird die Infrastruktur in Deutschland attackiert, am Samstag wurde der Bahnverkehr in Norddeutschland lahmgelegt. Haben Sie Angst vor weiterer Sabotage?

Foto: dpa

Angst vor Sabotage?

  • Ja! (100% )
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Die Linksabbiegespur kommt

Autofahrer sollen künftig aus der Schorndorfer Straße direkt in die Plochinger Straße Richtung Zell abbiegen können

Das Thema steht schon länger auf der kommunalpolitischen Agenda – nun hat der Mobilitätsausschuss des Esslinger Gemeinderats grünes Licht für eine Linksabbiegespur von der Schorndorfer Straße in die Plochinger Straße gegeben, die die stark frequentierte Verbindung zwischen dem Neckartal und dem Schurwald entlasten soll. Eigentlich sollte die Entscheidung bereits im Frühjahr fallen. Weil es damals im Ausschuss Zweifel gab, ließ man das Konzept nochmals von einem Gutachter untersuchen. Der kam nun zu dem Schluss, dass eine Linksabbiegespur an dieser Stelle nicht nur Vorteile bringt, aber „machbar ist und eine weitestgehende gute Verkehrsqualität aufweist“. CDU und FDP sehen ihre Bedenken bestätigt. Dennoch wurde das Projekt im Mobilitätsausschuss durchgewunken.
Als das Projekt im März aufs Tapet kam, hatte der städtische Verkehrsplaner Jasdeep Singh es so beschrieben: „Eine Linksabbiege-Möglichkeit aus der Schorndorfer Straße in die Plochinger Straße ist aktuell nicht gegeben. Dies führt dazu, dass die bestehende Linksabbiege-Möglichkeit aus der Schorndorfer Straße den überörtlichen Verkehr in die Hindenburgstraße leitet.“ Die Linksabbiegespur aus der Schorndorfer Straße in die Hirschlandstraße reiche in abendlichen Spitzenzeiten nicht aus. Wartende Fahrzeuge bilden „eine Stauschlange, die sich über die verfügbare Spur hinaus erstreckt und folglich die Geradeausspur in Richtung Oberhof blockiert“.
Die Ergebnisse externer Verkehrsplaner fasst die Stadt so zusammen: „Die Einrichtung eines Linksabbiegers aus der Schorndorfer Straße in die Plochinger Straße ist aus verkehrstechnischer Sicht leistungsfähig. In den höchstbelasteten Spitzenstunden ist mit einer Zunahme der Verlustzeiten für den Streckenabschnitt zwischen Hirschlandstraße und Ulmer Straße von knapp zehn Sekunden zu rechnen, was angesichts der städtebaulichen und verkehrsplanerischen Vorteile zumutbar erscheint.“ Nach der mehrheitlichen Zustimmung im Mobilitätsausschuss zur Variante 1 soll nun am Knotenpunkt Schorndorfer Straße und Plochinger Straße bergabwärts eine Linksabbiegespur entstehen – Kostenpunkt 200 000 Euro.
Im Ausschuss blieb das Projekt umstritten. Jürgen Menzel (Grüne) sah „keine großartige Verschlechterung für den Kraftfahrzeugverkehr, dafür Verbesserungen für den Rad- und Schulwegverkehr“. Heidi Bär (SPD) erklärte, man habe „eine Lösung für eine ganz komplexe Situation“ gefunden. Ein Wermutstropfen sei die Verlegung der Bushaltestelle an den Lammgarten. Hermann Falch (Freie Wähler) sah „nur graduelle Verbesserungen, aber gewisse Verschlechterungen in der Hauptverkehrszeit“. Dennoch stimme seine Fraktion zu. Tobias Hardt (Linke) fand die Lösung gut, weil sie den Menschen in der Hindenburgstraße und der Keplerstraße eine Verbesserung bringe.
Kritik kam von Sven Kobbelt (FDP): „Ich lese aus dem Gutachten der Verkehrsplaner keine nennenswerten Verbesserungen heraus, sondern nur Verschlechterungen an einigen neuralgischen Punkten. Mein Fazit lautet: Es ist betrieblich zwar machbar, aber nicht sinnvoll. Bei Kosten von 200 000 Euro sehe ich ein klares Einsparpotenzial.“ Diese Einschätzung teilte Tim Hauser (CDU): „Die Entscheidung für die Linksabbiegespur ist weder ökologisch noch ökonomisch. Es ist uns absolut unverständlich, warum hier hohe Finanzmittel eingesetzt werden, um im Ergebnis eine Verschlechterung für den Busverkehr, aber auch für Personen mit körperlichen Einschränkungen zu erreichen.“ Durch die Verlegung der Bushaltestelle müssten längere Fußwege in Kauf genommen werden. „Wenn es nur geringfügige Verbesserun­gen gibt, rechtfertigt das die Kosten nicht“, fand Hauser.
Baubürgermeister Hans-Georg Sigel sah das Anliegen, auch mit Blick auf die Herderschule „Autoverkehr aus der Hindenburgstraße rauszunehmen“. Verkehrsplaner Jasdeep Singh betonte: „Ziel dieser Maßnahme ist es nicht, den Autoverkehr schneller zu machen, sondern die Hindenburgstraße als Fahrradstraße zu stärken. Eine Bushaltestelle am Lammgarten ist ein Gewinn.“ Fazit: „Mehr können wir nicht anbieten.“

adi / Foto: Roberto Bulgrin