Abgestimmt!

In Freiburger Kitas und Grundschulen gibt es in den Mensen künftig ein Einheitsmenü – ein vegetarisches. Kostengründe werden angegeben. Ein Beispiel für andere Kommunen?

Foto: dpa

Mensa ohne Fleisch?

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Zurück zu den Anfängen

Die Ausstellung „Maßstäbe“ in der Städtischen Galerie Ostfildern zeigt die internationale Baukunst von Jürgen Mayer H.

Karierte Schatten, die über Plätze fliegen, und Wellen an Außenfassaden, die aussehen wie Haifischzähne: Die fließenden Formen der Baukunst von Jürgen Mayer H. ziehen die Blicke auf sich. Die Eröffnung der Ausstellung im Stadthaus im Scharnhauser Park mit Arbeiten von Jürgen Hermann Mayer, der der besseren Erkennbarkeit wegen als Jürgen Mayer H. firmiert, glich am vergangenen Wochenende einem Treffen der Architekturszene. Zu „Maßstäbe“, so der Titel der Schau, strömten nicht nur viele junge Studierende. Weggenossen und Entscheidungsträger, die vor 20 Jahren dabei waren, als das Stadthaus nach den Plänen des Architekten gebaut wurde, waren ebenfalls gekommen.
Auch wenn Mayer einen Allerweltsnamen trägt – seine kühnen Entwürfe, für die er weltbekannt ist, ziehen die Blicke auf sich. Die anspruchsvolle Denk- und Arbeitsweise wird in der großzügigen Präsentation in der Städtischen Galerie deutlich. Schließlich machte ihn das aufsehenerregende Stadthaus so berühmt, dass Galerieleiterin Holle Nann ihn freudig begrüßte: „Zu Hause in aller Welt, zu Gast im eigenen Haus.“
Mayer hat einen hohen gestalterischen Anspruch. Er verknüpft in seinen Arbeiten Architektur, Kunst, Design und Kommunikation. Das zeigt sich deutlich bei der großen Holzskulptur „off.spring“, die in einen spannenden Dialog tritt mit einer großformatigen Aufnahme der freien dynamischen Form des Projekts „Metropol Parasol“ in Sevilla. Das 5000 Quadratmeter große Rasterdach schlingt sich über den Platz. Der komplexe Bau lässt karierte Schatten über die Fläche und über die Treppen fliegen. Stolze 28 Meter hoch, gilt die riesige urbane Skulptur als eine der weltweit höchsten Holzkonstruktionen. Wenn die Sonne durch die Oberlichter der Galerie scheint, korrespondieren die Schatten in Sevilla und im Scharnhauser Park besonders schön.
Ähnlich verschlungen, nur viel kleiner, gestattet die Skulptur in der großen Galerie Einblicke, bewahrt aber gleichzeitig eine gewisse Intimität im tiefen Innern durch verschachtelt angebrachte Holzformen. Umgesetzt wurde die 26-teilige Steckarbeit aus Kiefer-Fichte-Schichtplatten nach Plänen Mayers in 220 Stunden von dem Ostfilderner Künstler Tobias Ruppert.
Auch mit den 19 „Data“-Collagen entsteht ein Wechselspiel durch die organisch-verschlungene Formensprache. Schon früh begann Mayer, sich mit den Datensicherungsmustern – etwa in Innenseiten von Briefkuverts – am Bau, aber auch künstlerisch auseinanderzusetzen. Die wirren Muster sollen private Inhalte wie Abrechnungen oder PINs von außen unlesbar machen. Diese Grenzen von Privatsphäre, Öffentlichkeit und Anonymität werden durch die mäandernden, amorphen Strukturen in den Collagen sichtbar gemacht. Am Bau denkt Mayer die natürliche Grenzlinie der Architektur durch das Anbringen derartiger Informationsflüsse neu und spielt mit den Erwartungen der Betrachter – seine Arbeitsweise ist sehr gut nachvollziehbar anhand zahlreicher Beispiele, die auf drei Monitoren abgespielt werden.
Verwirrend ist das Raumgefühl beim Anblick des riesigen Banners mit einer Fotografie des Zipper-Towers in Düsseldorf. Die 450 Wellenelemente an der Außenfassade des Hochhauses scheinen sich wie gigantische Haifischzähne um eine Frau zu schließen, die auf einer Plattform stehend den Blick über die Dächer der Weltstadt genießt.

Info: Jürgen Hermann Mayers Entwürfe für das Stadthaus im Scharnhauser Park sind im Museum of Modern Art in New York zu sehen. Bei der Ausstellung im Scharnhauser Park sind im Obergeschoss Fotografien zu sehen, die die Menschen im Stadthaus zeigen. Sie sind mit der Lichtbildnergruppe Esslingen entstanden. Die Ausstellung „Maßstäbe“ ist bis zum 24. Januar in der Galerie zu sehen. 

pb / Foto: Petra Bail


Düsterer Blick auf Finanzlage

Die Stadt Esslingen muss heftig sparen – Bürgermeister Ingo Rust schwört auf schwierige Zeiten ein

Der Esslinger Finanzbürgermeister Ingo Rust schlägt Alarm: Rückläufige Einnahmen, steigende Kosten und unkalkulierbare Aufwendungen durch Corona und Ukraine-Krieg machen der Stadt zu schaffen. Deshalb führt für Rust an einem konsequenten Sparkurs kein Weg vorbei. In einer Brandrede hat er Gemeinderat und Bürgerschaft nun auf harte Zeiten eingestimmt. Seine Botschaft ist eindeutig: „Es geht nicht mehr um ein bisschen Kosmetik. Es geht um den kompletten Haushalt.“ Ein Kraftakt stehe bevor, wie ihn Esslingen in der Nachkriegszeit noch nicht gesehen habe. Die Tiefe der Einschnitte werde zunehmen.
Erste Schritte zur Haushaltskonsolidierung hatten Gemeinderat und Verwaltung noch in der Ära Zieger auf den Weg gebracht. Rust machte jedoch deutlich, dass die bisher angepeilten Einsparungen von zunächst fünf Millionen Euro nicht ausreichen werden, um den Stadtsäckel dau­erhaft ins Lot zu bringen. Und auch die nächsten beiden Stufen von jeweils weiteren zwei Millionen Euro, die den Haushalt bis Ende 2026 um insgesamt neun Millionen Euro entlasten sollen, seien noch nicht das Ende der Fahnenstange. „Seither hat sich die Welt in einer Massivität verändert, wie wir es seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt haben“, so Rust. Es werde ein Paradigmenwechsel benötigt.
Rust skizzierte eine ganze Reihe von Faktoren, die den finanziellen Horizont verdüstert haben – allen voran der Ukraine-Krieg, der rund 2000 Flüchtlinge in die Stadt gebracht und die Konjunktur eingetrübt hat. So gab es Zeiten, da die Stadt mehr als 100 Millionen Euro an Gewerbesteuern verbucht hatte – zuletzt ging man nur noch von drei Viertel dieser Summe aus. „Kommen wir jetzt in eine Rezession, müssen wir unsere Zahlen nochmals nach unten korrigieren und stehen womöglich nur noch mit gut der Hälfte unserer früheren Gewerbesteuereinnahmen da“, so der Dezernent. Und das in einer Zeit, in der die Inflation auch bei den kommunalen Ausgaben bereits Wirkung zeige – bis hin zu den Personalkosten.
Schon vor der Ukraine-Krise habe die Stadt geplant, ihre Verschuldung für anstehende Investitionen auf über 120 Millionen Euro zu verdoppeln. Angesichts explodierender Baupreise werde das nicht mehr ausreichen. So soll der Neubau der Zollberg-Realschule 19 Millionen Euro mehr kosten, die neue Realschule Pliensauvorstadt fünf Millionen extra, die Sanierung des Merkelbads drei Millionen, bei der neuen Stadtbücherei werden zusätzliche 37 Millionen Euro geschätzt. All das werde außerdem höhere Abschreibungen nach sich ziehen. Mit Blick auf explodierende Energiekosten fordert der Finanzbürgermeister, dass die Strom- und die Gaspreisbremse nun auch für Kommunen und ihre Einrichtungen gelten müsse.
Oberstes Ziel muss nach Rusts Worten ein genehmigungsfähiger Haushalt sein. Andernfalls könne das Regierungspräsidium „auf eine andauernde Haushaltssperre bestehen“, mit der keine Investition neu begonnen werden dürfe. Im Blick hat Rust nicht die Pflichtaufgaben, die die Kommune zuverlässig erledigen müsse, sondern „Leistungen, die wir auf hohem Niveau freiwillig tun, die wir im Auftrag anderer tun, obwohl wir keine volle Kostenerstattung bekommen, oder die wir einfach für andere erledigen, ohne dafür zuständig zu sein“. Rust denkt beim Verzicht an Dinge, „an die sich die Esslingerinnen und Esslinger gewöhnt haben, die man vielleicht lieb gewonnen hat“.
Den Gemeinderat forderte der oberste Hüter der städtischen Finanzen zu Mut und Gemeinsamkeit auf – „auch wenn einzelne Lobbygruppen anderer Meinung sind. Als Stadträtinnen und Stadträte sind Sie dem Gesamtwohl der Stadt verpflichtet.“ Es gehe um alle Einwohnerinnen und Einwohner.

adi / Foto: Roberto Bulgrin


Eltern-Ärger über Busunternehmen

Bei der Beförderung der Schüler zur Rohräckerschule in Esslingen soll es akute Mängel geben – Es fehlt an Personal

Maria Mangold ist ratlos: „Ich weiß nicht, was ich machen soll.“ Über mehrere Wochen habe die Beförderung ihres Sohnes „gar nicht“ funktioniert. „Ich bin Ärztin und muss pünktlich bei der Arbeit sein, und mein Kind wird oft zu spät oder gar nicht abgeholt“, sagt die Mutter des Zehnjährigen, der eine Behinderung hat und die Esslinger Rohräckerschule besucht. Mangold ist unter den zahlreichen Eltern, die dem Busunternehmen Schlienz mit Sitz in Kernen im Remstal Versäumnisse bei der Beförderung vorwerfen. Der Elternbeirat der Schule schreibt in einem Beschwerdebrief: „Selbstverständlich ist uns auch bewusst, dass krankheitsbedingte Ausfälle und Personalmangel auch bei Schlienz vorhanden sind, aber wir sehen das Wohl und die Sicherheit unserer Kinder gefährdet.“
Schlienz bedient im Kreis Esslingen viele Linien, das Unternehmen ist im Auftrag des Landratsamts auch für die Schülerbeförderung an die Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungsstätten verantwortlich. Auch Eltern, deren Kinder die Bodelschwinghschule in Stuttgart-Möhringen besuchen, melden Probleme mit Schlienz. Ein heikles und emotionales Thema, da die individuellen Bedürfnisse der Kinder und deren Eltern auf die komplexe Planung eines Unternehmens treffen.
Der Schlienz-Geschäftsführer Erhard Kiesel sagt zu den Vorwürfen: „Wir wissen, dass es die sensibelste Art der Personenbeförderung ist, die es gibt. Die Planung ist superkomplex. Jedes Kind hat verschiedene Attribute: Beim einen ist eine Rollstuhlmitnahme erforderlich, beim anderen muss ein E-Rollstuhl mit, wofür man ein anderes Fahrzeug braucht.“ Diese und viele weitere Aspekte müssten eingeplant werden. Das Busunternehmen mache diese Arbeit schon seit vielen Jahren. Wieso werden also gerade jetzt Beschwerden laut?
„Es läuft derzeit sehr schlecht, und es ist keine Besserung in Sicht“, sagt Bettina Polanski, Mutter des 16-jährigen Lukas, der ebenfalls die Rohräckerschule besucht. „Es ist eine Schande, wie behinderte Kinder hier behandelt werden.“ Sie fürchte um ihren Arbeitsplatz, da sie als Schulbegleiterin pünktlich sein müsse.
Laut Kiesel ist sich das Unternehmen der Tragweite der Problematik bewusst: „Die aktuelle Krankheitssituation ist zum Super-GAU geworden.“ Teils seien sieben von acht Personen in der zuständigen Fachabteilung krank geworden. „Wir müssen uns jeden Tag mit abwechselnden Fahrerkrankmeldungen durchkämpfen“, sagt Kiesel. „Wir haben den Verkehr aufrecht erhalten, indem wir Personal aus anderen Abteilungen abgezogen haben.“ Zudem seien auch sie vom bundesweiten Fahrermangel betroffen.
Neben mangelnder Zuverlässigkeit beklagt der Elternbeirat der Rohräckerschule auch mangelnde Sicherheit. So soll sich der Sohn von Deborah Schad im März bei einem Bremsvorgang auf der Heimfahrt im Bus den Oberschenkel gebrochen haben. Sein Rollstuhl sei nicht mit dem Fahrzeug verbunden gewesen. Statt den Rettungswagen zu rufen, sei der Fahrer mit dem verletzten Kind, das im Auto gelegen und geschrien habe, weitergefahren bis zu dessen Adresse. Der Fahrer habe erst zwei Wochen später gefragt, wie man den Rollstuhl richtig sichert. Laut Schad erklärte der Fahrer, dass er als Schulung nur ein 20-minütiges Video angeschaut habe. Der Schlienz-Geschäftsführer weist diese Vorwürfe von sich und gibt an, dass jeder Fahrer ausreichend geschult werde. „Teilweise sprechen die Fahrer kein Deutsch, denen kann ich nicht einmal erklären, was ein epileptischer Anfall ist, und die sollen dann in einem Notfall den Rettungsdienst rufen“, sagt Judith Beier.
Mit ihren Anliegen hätten sich die Eltern mehrfach an das Landratsamt gewandt. „Ich verstehe, dass es für die Eltern schwierig ist, mit dieser Situation umzugehen. Wir – und auch das Unternehmen – setzen alle Kräfte dafür ein, dass diese Situation so schnell wie möglich behoben wird“, sagt Johannes Weiß, Leiter des Amts für Kreisschulen im Landratsamt Esslingen. In der Regel sei Schlienz ein verlässlicher Vertragspartner. Und der Elternbeirat der Rohräckerschule sagt: „Wir möchten der Firma Schlienz gerne die Chance geben, das Vertrauen wieder aufzubauen, indem sie uns mit ins Boot nehmen.“

ff / Foto: Horst Rudel