Abgestimmt!

Sportdirektor Sven Mislintat durch Fabian Wohlgemuth ersetzt, Bruno Labbadia ist der neue, wohlbekannte Trainer: Hat der VfB Stuttgart damit die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt?

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Vollgas auf neuer Strecke

Zwischen Wendlingen und Ulm rollen Züge nun mit bis zu 250 km/h – Stuttgarter Tiefbahnhof erst in drei Jahren fertig

Die Bahn spricht von einem neuen Kapitel, das mit der Neubaustrecke von Wendlingen nach Ulm aufgeschlagen worden sei. Mit viel Brimborium ist die Strecke am vergangenen Wochenende – mit dem Fahrplanwechsel – eröffnet worden, nun rollen die Züge mit Vollgas über die Schienen. Allerdings: Das ganze Buch zum Bahnprojekt Stuttgart-Ulm ist noch lange nicht fertig. Denn erst in drei Jahren wird nach dem bisher gültigen Zeitplan der neue Stuttgarter Tiefbahnhof im Rahmen von Stuttgart 21 fertiggestellt. Und selbst dann werden Teile des Rekordprojekts noch nicht umgesetzt sein.
Bereits jetzt aber soll zwischen Wendlingen und Ulm ein Teil des Versprechens eingelöst werden, das Land, Bahn, Region und Stadt Stuttgart beim S-21-Baubeginn im Jahr 2010 gegeben haben: Mit der Schnellfahrstrecke werden Fahrzeiten teils deutlich verkürzt. „60 Kilometer Strecke mit elf Tunneln und 37 Brücken in nur zehn Jahren zu bauen, ist eine großartige Leistung“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei der Inbetriebnahme. „Mit der neuen Schnellfahrstrecke Wendlingen-Ulm werden völlig neue Verbindungen möglich“, wirbt Bahn-Infrastrukturvorstand Berthold Huber. „Die Fahrzeitverkürzungen gehen deutlich über Stuttgart und Ulm hinaus.“
Profitieren werden etwa Zugreisende zwischen Ulm und Wendlingen. Hier verkehren künftig stündlich Regionalverkehrszüge – über die neue Filstalbrücke, mit Tempo 200 und mit Halt am neuen Bahnhof Merklingen. Zwischen Tübingen, Reutlingen und Ulm verkürzt sich die Fahrzeit über die Neubaustrecke um bis zu 40 Minuten. In beide Richtungen fährt außerdem einmal pro Stunde ein ICE über die Neubaustrecke. Mit ihr gibt es laut Bahn ein verbessertes tägliches Angebot zwischen Stuttgart und München um rund 20 auf 90 Fahrten. Über die neue, recht steile Strecke können Züge bis zu 250 Kilometer je Stunde schnell unterwegs sein. Baustart war 2012. Die Kosten betrugen nach Angaben der Deutschen Bahn knapp vier Milliarden Euro.
Wermutstropfen: Die Trasse deckt nur einen Teil der geplanten Strecke zwischen Stuttgart und Ulm ab. Je nach Fahrtrichtung wird vor oder hinter Wendlingen erst mal noch oder wieder gebremst. Wegen der hohen Streckenbelastung zwischen Wendlingen, Plochingen und Stuttgart können die Regionalzüge laut Bahn nicht direkt nach Stuttgart geleitet werden. In Wendlingen heißt es also „Umsteigen“ für Reisende im Regionalverkehr, sie müssen mit der Neckar-Alb-Bahn weiter. Der Fernverkehr fährt neben der neuen Trasse nach wie vor auch über die bisherige Strecke via Geislingen und Göppingen durch das Filstal.
Zum Auftakt hat es allerdings auf der neuen Strecke Probleme gegeben, eine technische Panne führte zu erheblichen Verzögerungen. Teils mussten Züge Richtung Stuttgart zurück nach Ulm geführt und über die alte, langsamere Strecke über die Alb geleitet werden.
Mit dem Start der Neubaustrecke, die teilweise parallel der Autobahn 8 verläuft, verkürzt sich die Reisezeit im Regionalverkehr zwischen Ulm und Stuttgart zunächst um vier bis sieben Minuten. ICE-Züge brauchen laut Bahn auf dieser Strecke dann rund 15 Minuten weniger. Erstmalig wird zudem der neue Regionalhalt Merklingen angesteuert. Wird schließlich auch der Stuttgarter Tiefbahnhof in Betrieb genommen, soll die Fahrzeit zwischen Stuttgart und Ulm insgesamt rund eine halbe Stunde kürzer sein.
Die Inbetriebnahme des Tiefbahnhofs samt unterirdischer Anbindung an den Flughafen ist für das Jahr 2025 geplant. Doch auch damit ist das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm noch nicht vollendet: Der Filderbahnhof wird wohl frühestens 2027 fertig. Und dann gibt es noch abseits von S 21 die Diskussionen um die Anbindung der Gäubahn über den Pfaffensteigtunnel. Diese wird noch weitere Jahre dauern.
Stuttgart 21 kostet mehr als neun Milliarden Euro. Im Finanzierungsvertrag waren im Jahr 2009 noch 4,5 Milliarden Euro festgelegt worden. 1995 hatten Bahn, Bund, Land und Stadt die Kosten sogar bei „nur“ rund 2,6 Milliarden Euro veranschlagt.

dpa/hin / Foto: DB AG/Volker Emersleben


Begegnungen der nagenden Art

Die Zahl der Ratten scheint in den Städten zuzunehmen – Noch keine Plage – Keine Lebensmittel in Toilette entsorgen

Der ungebetene Gast kam auf unbekannten Wegen. Um weiteren Rattenbesuch zu verhindern, machte die in der Esslinger Altstadt lebende Familie die Schotten an Haustürschlitz und Wandrissen dicht, berichtet eine Nachbarin. Der Klodeckel wird mit schwerem Gerät auf die Brille gepresst, die WC-Spülung nicht nur nach, sondern auch vor der Verrichtung betätigt.
Michael Botsch von der Pressestelle der Stadt Esslingen räumt ein, dass es in Esslingen „wie in allen Städten Ratten in der Kanalisation gibt“. Die Toilettentrutzburg sei aber „aus fachlicher Sicht wenig hilfreich“. Immerhin blieb die Wohnung danach verschont, während nun im dritten Obergeschoss, bei der Nachbarin und ihrer Familie, eine Ratte auftauchte, und zwar wortwörtlich: via Abflussrohr und Kloschüssel. Da ist sich die Frau hundertprozentig sicher.
Von einer Rattenplage in Esslingens historischen Untergründen könne keine Rede sein, versichert Botsch. Ähnliche Entwarnung kommt aus Plochingen (Bürgermeister Frank Buß: Ratten in der Kanalisation werden permanent bekämpft mit Ködern und Fallen), aus Ostfildern (Pressesprecherin Petra Giacopelli: Dieses Jahr noch kein Rattenproblem gemeldet), aus Nürtingen (Stadtsprecher Clint Metzger: Mal mehr, mal weniger, zeitweise treten sie gar nicht in Erscheinung).
Niemand weiß, wie viele Ratten in ganz Deutschland, in einzelnen Landstrichen oder Kommunen leben. Es gibt nicht mal zuverlässige Schätzungen. Allerdings deuten „Erkenntnisse aus größeren Städten allgemein auf eine quantitative Zunahme von Ratten“ in urbaner Umgebung hin, sagt Botsch. Die Gründe liegen zum einen im Klimawandel, zum anderen im menschlichen Verhalten. Milde Winter fördern die Zunahme der Rattenpopulation, da sich die Tiere das ganze Jahr über fortpflanzen – und das mit der Vermehrungsquote eines Schneeballsystems: Ein Rattenweibchen bringt bis zu sechsmal im Jahr im Schnitt je acht Jungtiere zur Welt, die sich nach zwei Monaten selbst fortpflanzen.
Der andere – menschliche – Faktor besteht vor allem in der unsachgemäßen Beseitigung organischer Abfälle. An erster Stelle: Lebensmittelreste, die über den Abfluss oder die Toilette hinuntergespült werden, schaffen ein Schlaraffenland für die Bewohner der Kanalisation. Angezogen werden Ratten auch von Müll, der draußen offen herumsteht oder illegal ausgekippt wird, weiß Clint Metzger. Halb voll weggeworfene Fast-Food-Verpackungen, Küchenreste auf Komposthaufen, Abfalltüten neben den Behältern – alles Festmähler für die Allesfresser. Grenzt dann noch ein Gewässer an und liegt möglichst viel Gerümpel herum, ist der Platz perfekt für die Nager.
Es ist eine unerwiderte Liebe, die die intelligenten Tiere an die Menschheit bindet. Treu folgen sie der Zivilisation. In naturbelassenen Lebensräumen seien sie kaum zu finden, teilt das Umweltbundesamt mit. Umgekehrt hat aber kaum eine Gattung ein dermaßen schlechtes Image. Das hat Gründe, die über subjektive Ekelgefühle hinausreichen. Ratten vernichten nicht nur Lebensmittelvorräte oder – wie vor vier Jahren – rund 200 Regalmeter sozial-, wirtschafts- und rechtswissenschaftlicher Bände in der Stuttgarter Universitätsbibliothek oder nagen die Isolierung vom Kabel und lösen damit Kurzschlüsse aus. Vielmehr übertragen sie etliche Krankheitserreger – im Mittelalter jenen der Pest, heute laut Umweltbundesamt rund 100 andere, darunter Hantaviren, Salmonellen sowie Infektiöses aus Kanal, Stall und Müllhalde. Die Ansteckung erfolgt meist über die Ausscheidungen der Tiere, wobei getrockneter Rattenkot auch als Staub eingeatmet werden kann. Ratsam daher, eine Symbiose zu vermeiden. Neben der Abfallentsorgung in gut geschlossenen, ausreichend hohen Behältnissen – die Tiere sind erstaunliche Hochspringer, sie schaffen bis 1,50 Meter – ist die wichtigste Prävention die Abschottung der Außenwände: Fugen, Ritzen und Löcher stopfen, Kellerfenster stets geschlossen halten, Kabel- und andere Kanäle abdichten.
Wenn aber die Tiere schon im Haus sind? Der Ausflug zu unserer Informantin in die Esslinger Altstadtwohnung endete für die Ratte tödlich in einer Schnappfalle. Giftköder, an denen die Tiere erst mit Verzögerung innerlich verbluten, um den Warneffekt für die Artgenossen auszuschließen, empfehlen sich für Wohnungen nicht, da die Kadaver möglicherweise hinter Mobiliar liegen und stinken. Sie empfehlen sich aus Sicht von Lisa Kainz, Referentin bei der Tierschutzorganisation Peta, auch aus tierethischen Gründen nicht. Sie plädiert für Lebendfallen und Aussiedlung der Eindringlinge.

mez/Foto: privat


Land legt Kehrtwende bei Radtrasse hin

Als Vorzugstrasse für den Radschnellweg zwischen Esslinger Alicensteg und Stuttgart wird nun statt dem nördlichen Neckarufer die Südroute favorisiert

Eigentlich wollte man sich jetzt endlich entscheiden. Nach langem Ringen und endlosen Debatten sollte der Esslinger Mobilitätsausschuss Ende November seinen Favoriten für den Verlauf der Radschnellwegtrasse zwischen Alicensteg und Stuttgarter Gemarkung küren. Doch dazu kam es nicht. Dabei wäre die Diskussion vermutlich überaus interessant gewesen. Denn das Land hat bei seiner Bewertung der Streckenvarianten eine wahre Kehrtwende hingelegt: Statt der Nordvariante empfiehlt es jetzt eine Trasse am Südufer des Neckars.
Der Grund für die Absetzung des Themas war laut Stadtverwaltung rein organisatorischer Natur: Der Referent des Regierungspräsidiums Stuttgart (RP) sei erkrankt, hieß es. Deshalb soll das Thema Radschnellweg erst im nächsten Mobilitätsausschuss am 6. Februar wieder aufs Tapet kommen. Dann aber dürfte es spannend werden. Denn bisher hatte das RP das nördliche Neckarufer als beste Option für den Verlauf des Radschnellwegs zwischen dem Alicensteg in Esslingen und der Stuttgarter Gemarkungsgrenze bezeichnet. Doch bei genauerer Betrachtung ist man nun offenbar zu einem anderen Schluss gekommen. Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Stadt Esslingen und des RP hat die beiden Varianten noch einmal eingehend untersucht und empfiehlt jetzt eine Trasse am Südufer.
Der Hauptgrund für den Schwenk zur Südroute ist für die Arbeitsgruppe die Erkenntnis, dass bei dieser weniger Eingriffe in Natur und Landschaft notwendig seien als für die Nordroute. So geht man davon aus, dass eine Trasse am nördlichen Neckarufer mehr Konflikte mit dem Artenschutz mit sich bringen würde. Zudem würde die Nordtrasse die wertvolle Flora und Fauna am Neckarufer stärker beeinträchtigen als die Südroute. Gleichzeitig müsste für die Strecke am südlichen Ufer weniger neue Fläche versiegelt werden – und sie würde laut Arbeitsgruppe kaum Naherholungsgebiete beeinträchtigen.
Anders die Nordtrasse, die unter anderem durch den viel frequentierten Merkelpark sowie den geplanten Neckaruferpark führen würde und den Betrieb der zwei Kanuvereine am Neckar nachhaltig stören könnte. Aus Sicht der Arbeitsgruppe könnte es vor allem wegen der Konflikte mit dem Artenschutz schwierig werden, die Nordvariante überhaupt umzusetzen.
Gleichwohl hält die Arbeitsgruppe die Trasse am Nordufer aus verkehrstechnischer Sicht für geeigneter als die Südvariante. Denn am Nordufer könnten die Anforderungen an einen Radschnellweg wie Fahrbahnbreite und Verkehrssicherheit besser erfüllt werden, die Strecke sei kürzer und besser an die Esslinger Innenstadt angebunden. Die Südroute habe zudem den Nachteil, dass sie zahlreiche Autostraßen kreuze, was nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Geschwindigkeit der Radler beeinträchtige. Diese Punkte hatte das RP bisher als Argumente für einen Radschnellweg am Neckarnordufer vorgebracht.
Für die Stadt Esslingen hätte eine Entscheidung für eine Trassenführung am Südufer noch ganz andere Auswirkungen. Denn das könnte gleichzeitig das Aus für den Alicen­steg bedeuten. Wenn der vom Land geplante Radschnellweg nämlich über diesen vom Süd- ans Nordufer wechseln würde, würde das Land die Ertüchtigung des maroden und seit geraumer Zeit gesperrten Stegs zu großen Teilen mitfinanzieren. Zur Erinnerung: In einer ersten Version hatte das RP den Radschnellweg auf Esslinger Gemarkung komplett auf der nördlichen Seite des Neckarufers gesehen. Die Nordtrasse galt als wirtschaftlichste Route mit dem höchsten Nutzerpotenzial.
Doch die Stadt, Umweltschutzverbände und Bürgerausschüsse hatten die damit verbundenen Eingriffe in Grünflächen kritisiert. Nach einem Vergleich von Nord- und Südvariante im Bereich zwischen Alicensteg und Altbach beziehungsweise Deizisau hatte eine Arbeitsgruppe von Stadt und RP dann die Südroute empfohlen.
Ob der Alicensteg dann noch eine Zukunft hat, ist fraglich. Der Esslinger Baubürgermeister Hans-Georg Sigel, der sich überrascht zeigt über die Kehrtwende des RP, erklärt: „Der Alicen­steg hängt unmittelbar mit dem Thema Radschnellweg zusammen und somit voraussichtlich auch seine Zukunft. Eine Komplettfinanzierung kann sich die Stadt Esslingen derzeit schlichtweg nicht leisten.“ Der am Nordufer geplante Neckaruferpark hingegen könnte durch eine Südtrasse gewinnen: Dann gäbe es mehr Platz für Grün und Erholung. Zumal eines klar sei: „Beim Neckaruferpark gibt es kein Zurück“, so Sigel.

Vergleich der Varianten

Trassenführung: Im Dezember des vergangenen Jahres hatte sich der Esslinger Mobilitätsausschuss für die Führung des Radschnellwegs am südlichen Neckarufer zwischen Deizisau und Alicensteg ausgesprochen. Über den Alicensteg sollte der Radweg dann ans Nordufer queren. Doch es gab Zweifel daran, ob die Nordroute besser geeignet sei als eine Fortführung am Südufer in Richtung Stuttgart. Deshalb wurde ein Vergleich der Varianten vorgenommen, dessen Ergebnis nun vorliegt.

Radschnellweg: Der Radschnellweg RS 4, der künftig von Reichenbach über Plochingen und Esslingen bis nach Stuttgart führen soll, ist eines von drei großen Leuchtturmprojekten des Landes für den Radverkehr. Zwischen Reichenbach und Ebersbach ist ein „Demonstrationsteilstück“ des Radschnellwegs angelegt.

meb/hin / Foto: Bulgrin