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Beim Eurovision Song Contest hat die Band „Lord of the Lost“ den letzten Platz belegt, die deutschen Starter erlebten erneut ein Fiasko. Soll Deutschland aus dem ESC aussteigen?

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Raus aus dem ESC?

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Das Quotenmodell kommt

Die Stadt Esslingen hat ein neues Konzept für geförderte Wohnungen – Sozialwohnungen bleiben länger erhalten

Ein neues Quotenmodell soll in Esslingen dazu führen, dass wieder mehr Sozialwohnungen gebaut und diese dann auch länger gefördert werden als bisher. Bislang hat man auf das sogenannte Wohnraumversorgungskonzept gesetzt. Dieses war aber kompliziert und wegen gesetzlicher Vorgaben kaum noch anwendbar. Mit dem neuen Quotenmodell folgt man nun weitgehend der Mietwohnraumförderung des Landes. Dabei erhalten Investoren eine Förderung, wenn sie einen Teil der entstehenden Wohnfläche für einen festgelegten Zeitraum zu einer reduzierten Miete an Menschen mit Wohnberechtigungsschein vermieten.
Konkret sollen dabei mindestens 50 Prozent der neu entstehenden Wohnflächen als geförderter Wohnraum mit geringeren Mieten angeboten werden – und zwar sowohl auf städtischen als auch auf privaten Grundstücken. Das Quotenmodell greift, sobald durch neues Planungsrecht mehr Wohnraum auf einer Fläche entsteht. Das gilt sowohl für private Grundstücke als auch für städtische Areale, auf denen Geschosswohnungsbau möglich ist. Die neu entstehenden Sozialwohnungen werden künftig 30 Jahre lang gefördert und müssen im Gegenzug zu Mieten angeboten werden, die mindestens ein Drittel unter der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen.
Ursprünglich hatte die Stadt Esslingen eine Sozialbindung von nur 25 Jahren vorgeschlagen – und damit immerhin schon zehn Jahre länger als die bislang geltende Bindung von 15 Jahren. Doch eine knappe Mehrheit im Gemeinderat stimmte in der jüngsten Sitzung für einen Antrag der Grünen auf eine Bindung von 30 Jahren. Ein Antrag der Linken auf 40 Jahre Sozialbindung wurde hingegen abgelehnt. Ebenso die Anträge von Grünen und der Linken, dass die geförderten Wohnungen ausschließlich in den Bauvorhaben angeboten werden, auf die das Quotenmodell angewendet wird – nun gilt, dass dies in der Regel der Fall sein soll, Ausnahmen aber möglich sind.
Zudem scheiterte die Forderung der Grünen, jede dritte Wohnung, die barrierefrei gebaut werden muss, so zu gestalten, dass sie später rollstuhlgerecht aufgerüstet werden kann. Ebenso der Wunsch der Linken, die Stadt möge ihre Flächen künftig nur noch in Erbpacht vergeben. Und auch die Anregung der Gruppe FÜR, 100 Prozent der neu entstehenden Wohnungen als Sozialwohnungen auszuweisen – zumindest bis die Menschen in der Notfallkartei und diejenigen mit Wohnberechtigungsschein mit angemessenem Wohnraum versorgt sind –, fand keine Mehrheit im Gemeinderat.
Insgesamt aber begrüßten die Stadträte das neue Konzept. „Wir halten das Quotenmodell für geeignet“, betonte etwa Carmen Tittel, Fraktionsvorsitzende der Grünen – auch wenn es ihrer Fraktion in manchen Punkten nicht weit genug gehe. Letzteres erklärte Johanna Renz (Linke) auch für ihre Fraktion, aber man begrüße die Überarbeitung des ungeeigneten Wohnraumversorgungskonzepts. Christa Müller (SPD) befand das Quotenmodell zwar für geeignet, gab aber zu bedenken: „Uns ist wichtig, dass die Akzeptanz der Investoren nicht durch zu hohe Auflagen verhindert wird.“
Annette Silberhorn-Hemminger, Fraktionschefin der Freien Wähler, hingegen erklärte: „Egal, welche Quote wir beschließen, damit ist noch kein Quadratmeter Wohnraum geschaffen.“ Ihre Fraktion hätte auch eine Bindungsdauer von 20 Jahren akzeptiert, um Investoren nicht abzuschrecken. FDP und CDU wiederum zeigten sich zufrieden mit den Vorschlägen der Verwaltung – die Änderungsanträge der anderen Fraktionen hingegen gingen ihnen zu weit.
Udo Casper, Vorsitzender des Deutschen Mieterbundes Esslingen-Göppingen, begrüßt es, dass das Esslinger Wohnraumversorgungskonzept ersetzt wird. Denn die einst mit dem Konzept verbundenen Hoffnungen auf mehr Sozialwohnungen, sinkende Mietpreise und mehr Fördermittel vom Land hätten sich nicht erfüllt.

meb / Foto: Roberto Bulgrin


Sauberer Strom vom Schurwald

Die Windkraftanlagen am Goldboden stellen ein Puzzleteil der künftigen Energieversorgung dar

Seit Dezember 2017 betreibt der Energieversorger EnBW am Goldboden auf dem Schurwald drei Windkraftanlagen. Damit können 2500 Haushalte mit erneuerbarer Energie versorgt werden. Allerdings fanden die Anlagen auf Winterbacher Markung (Rems-Murr-Kreis) nicht nur Freunde. Neben ästhetischen Bedenken zogen Kritiker die Leistungsfähigkeit der Windräder in Zweifel. Bei einer vom Ortsverband Aichwald der Grünen organisierten Besichtigung erhielten die Teilnehmer Informationen zur Rolle der Anlagen bei der Energiewende.
164 Meter hoch, Flügelspannweite 131 Meter – die Maße der Türme der Windräder auf dem Goldboden nördlich von Hohengehren sind beeindruckend. „Diese Anlagen sind ein Teil der Zukunft der Energieerzeugung. Man muss sie nicht schön finden, aber sie helfen uns, mit dem Klimawandel umzugehen“, sagte Sabine Petrasch von der EnBW, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Andreas Faigle rund 20 Teilnehmer einer Besichtigung über technische Details der Windräder und ihre Rolle bei der Energiewende informierte.
Seit Dezember 2017 liefern die Turbinen der Anlagen Strom für etwa 2500 Haushalte. Doch die Rotorflügel drehen sich nicht ständig, was Kritiker dazu veranlasste, die Angaben zur Windstärke auf dem Schurwald im Windatlas der Landesregierung als unrealistisch zu bezeichnen und die Wirtschaftlichkeit der Anlagen insgesamt zu bezweifeln. Überdies würden die Tierwelt bedroht und die Landschaft des Schurwalds ästhetisch beeinträchtigt.
Doch viele Argumente der Gegner beruhen laut Petrasch auf falschen Annahmen. So sind die Anlagen speziell für geringe Windgeschwindigkeiten ausgelegt und schalten sich bei starkem Wind automatisch ab. Zudem werden sowohl die „Gondel“ genannte Turbine als auch die Flügel computergesteuert in den Wind gedreht. Dabei verdrehen sich die Kabel, die den erzeugten Strom im Turminneren nach unten leiten. Wenn wenig Wind weht, fährt die Gondel in ihre Ausgangsposition zurück, auch dann drehen sich die Flügel nicht. Überdies gebe es vorgeschriebene Abschaltzeiten zum Schutz von Vögeln und Fledermäusen.
„All das hat auf die Leistung der Anlage keinen Einfluss“, sagte Faigle. Anders als die Kritiker dies tun, werde bei der Leistung nicht in Jahresbilanzen gerechnet. „Für Windkraftanlagen wird eine Laufzeit von 25 Jahren angenommen. In der Zeit muss der errechnete Ertrag herauskommen“, sagte Faigle. Sabine Petrasch wies auf einen weiteren Aspekt hin: „Wir haben etwa 16,5 Millionen Euro für die drei Anlagen investiert. Als privatwirtschaftliches Unternehmen bauen wir doch keine teuren Anlagen, um kein Geld damit zu verdienen.“
Unbestritten veränderten die Anlagen den Anblick des Waldes am Goldboden. „Doch der Wald geht nicht an der Windkraft kaputt, sondern am CO2-Ausstoß und am Klimawandel“, sagte Petrasch. Es müsse noch viel geschehen: „In Süddeutschland wird die meiste Energie benötigt, aber wir erzeugen am wenigsten sauberen Strom.“ Deshalb müsse einerseits an den Windkraftstandorten in Norddeutschland Windenergie in Wasserstoff umgewandelt werden, der leicht zu speichern und zu transportieren sei. Andererseits müsse so viel Energie wie möglich dort produziert werden, wo sie auch benötigt wird. „Jede noch so kleine Anlage hilft bei der Energiewende“, sagte Petrasch. 

Info: Aufgrund der großen Nachfrage wird am Freitag, 26. Mai, 15 Uhr, ein weiterer Besichtigungstermin angeboten. Anmeldung per E-Mail unter info@gruene-aichwald.de.

pst / Foto: Peter Stotz


Pflanzen für die Vielfalt im Wald

Für Spaziergänger ist der Frühling im Wald eine Wonne – Für den Förster bedeutet die Saison einiges an Arbeit

Langsam rollt der Geländewagen von Förster Steffen Grätsch über einen der zahlreichen Waldwege in Lichtenwald. Einige Sonnenstrahlen kämpfen sich durch das dichte Blätterdach und verleihen diesem Ort einen magischen Glanz. War der Wald vor Kurzem noch grau und vom Winter gezeichnet, fängt nun alles an zu blühen. Die Bäume seien gerade im Saft, erklärt der 34-Jährige. Die Temperaturen sind noch mild. In dieser Jahreszeit mache die Arbeit besonders viel Spaß, sagt Grätsch.
Mit ihm im Auto sitzt Jürgen Sistermans-Wehmeyer, sein Kollege von Forst BW. Er kümmert sich im Bezirk Schurwald, der auch den Kreis Esslingen abdeckt, um die Öffentlichkeitsarbeit. Die beiden Waldexperten wollen zeigen, welche Aufgaben zum Beruf des Försters gehören. Gerade jetzt im Frühjahr komme da vieles zusammen, sagt Grätsch, der das Revier Lichtenwald leitet. Da wäre zum einen die Planung für das kommende Forstjahr, das im Juli beginnt. Zwar könne man einiges nicht planen, das hat die Arbeit in der Natur so an sich. Aber: „Ich weiß zum Beispiel jetzt schon, wann wir als Nächstes Holz machen“, sagt Grätsch.
Unter den Reifen des Fahrzeugs knirscht der Kies. Der ganze Weg sei erst kürzlich neu gemacht worden, erzählen die beiden Männer. Auch das ist eine wichtige Aufgabe: das Richten der Infrastruktur. Denn die Pfade werden durch die tonnenschweren Zugmaschinen, die im Winter beim Holzmachen eingesetzt werden, in Mitleidenschaft gezogen. Nun werden die Spuren beseitigt. Es gibt aber noch eine andere Aufgabe, der die Förster momentan nachgehen. Sie wird vermutlich in Zukunft noch viel wichtiger werden: das Pflanzen neuer Bäume.
Etwa eine Stunde vor der Fahrt durch den Wald stapfen Grätsch und Sistermans-Wehmeyer einen steilen Weg hinaus, der hinter ihrem Arbeitsplatz nahe der Reichenbacher Bannmühle einen Hügel hinaufführt. Nach wenigen Minuten, die Kuppe ist in Sichtweite, sieht man sie schon: die ersten Setzlinge. Kurz zuvor hatten Mitarbeiter von Grätsch die Bäume an diesem Hang gepflanzt, an dessen Fuß eine recht große Lichtung liegt. Steffen Grätsch erklärt, dass es sich um Wildkirsche- und Holzapfelbäume handele. Der Biodiversität wegen.
Um sie zu schützen, sind leichte, hölzerne Gitter um die jungen Bäume befestigt. Gäbe es sie nicht, würden die Pflanzen von Tieren angefressen werden. „Ohne die Wuchshüllen wäre das so, wie wenn man in einem Kindergarten Schokolade auf den Tisch legt und hofft, dass es keiner isst“, erklärt Grätsch. Von diesen Hüllen gibt es verschiedene Varianten, häufig werden Rohre aus Kunststoff verwendet. Nicht so im Revier Lichtenwald. „Wir sind ein plastikfreier Betrieb“, erklärt der 34-Jährige. Das schlägt sich in den Kosten nieder, die Holzhüllen sind etwa fünfmal so teuer wie die Alternative aus Plastik. Bei rund 1700 Setzlingen, die im Revier gepflanzt werden, summiert sich das.
Doch wieso müssen überhaupt Bäume gepflanzt werden? Damit keine Monokulturen entstehen. Es ist ein mittlerweile offenes Geheimnis, dass viele heimische Baumarten mit den sich verändernden klimatischen Bedingungen nicht zurechtkommen. Dürren, Trockenstress und Schädlinge führen dazu, dass zum Beispiel viele Nadelbäume absterben. Würden Grätsch und seine Kollegen nicht eingreifen, indem sie robustere, nicht heimische Arten wie die Douglasie pflanzen, dann würden die Wälder der Region vermutlich von starken Arten wie der Buche dominiert werden. „Aber das ist nicht das, was wir als Betrieb wollen, und auch nicht das, was der Naturschutz will“, sagt Grätsch. „Weil wir eben viele Arten haben – Insekten zum Beispiel brauchen verschiedene Strukturen.“
Pflanzen hilft also dabei, den Wald zukunftsfähig zu machen. Unterstützung bekommen sie dabei von Wissenschaftlern, die für Forst BW arbeiten und spezielle Karten anfertigen. Auf diesen ist eingezeichnet, wo sich welche Kultur am besten eignen würde.
Doch es gibt auch Nachteile. Jahrzehntelang war man laut Grätsch der Meinung: „Wir müssen mehr Waldumbau machen.“ Die vergangenen 30 Jahren wurde dies aber zurückgefahren. Das hat auch einen wirtschaftlichen Grund: Zum einen sind Setzlinge und Materialien sehr teuer, zum anderen ist der Aufwand sehr groß. Damit die jungen Bäume besser wachsen, muss nämlich jahrelang Unkraut entfernt werden. „Das erste Jahr ist das wichtigste“, sagt Grätsch.
Außerdem sei die natürliche Fortpflanzung der Bäume noch immer der beste Weg – allein deshalb, weil der Mensch zahlenmäßig kaum mithalten könnte. Die Wurzeln entwickeln sich aber auch besser bei der natürlichen Verjüngung. „Nur weil man eine Kultur pflanzt, heißt das nicht, dass sie zum Bestand wird“, erklärt der Revierförster mit Blick auf die zahlreichen Setzlinge am Hang. „Daher versuchen wir das nur dort zu machen, wo es nötig ist.“ Zum Beispiel an Stellen, wo Trockenheit und Naturgewalten ihre Spuren hinterlassen haben.

dcb / Foto: Roberto Bulgrin