Abgehärtet ins Abenteuer des Lebens

Zwei Schwimmer aus Ludwigsburg wollen (fast) den ganzen Neckar bezwingen – Etappenziele sind auch Neckarhausen und Esslingen

Mehr als 360 Kilometer ist er lang, der Neckar, von der Quelle bis zur Mündung in den Rhein. Volker Heyn und Martin Tschepe sehen dies als Herausforderung und starten am Samstag, 13. Juni, zum Abenteuer ihres Lebens. Die beiden Ludwigsburger wollen den schwimmbaren Teil des Flusses, das sind etwa 300 Kilometer, innerhalb von zehn Tagen bezwingen. Etappenziele sind unter anderem Neckarhausen und Esslingen. Mit der Aktion wollen die beiden Sportler zudem Geld für ein Schwimmprojekt für behinderte Menschen sammeln, das „Bahn9“ betitelt ist.

Der 43-jährige Heyn und der 50 Jahre alte Tschepe werden als „Urgesteine“ des Schwimmvereins Ludwigsburg (SVL) beschrieben. „Aus einer Schnapsidee wird jetzt Ernst“, sagt  Tschepe. Der Redakteur der „Stuttgarter Zeitung“ und sein Trainingspartner, der Architekt und SVL-Vorsitzende Heyn, reden schon lange über das Vorhaben. Nun wollen sie den gesamten Neckar schwimmend bezwingen. Zumindest fast. Denn gestartet wird zwar am Samstag bei der Neckarquelle in Schwenningen. Weil der Fluss in Schwenningen aber kaum mehr als ein Rinnsal ist, müssen die beiden Kumpel die ersten rund 60 Kilometer auf dem Rad zurücklegen. Am Freitagabend wollen Heyn und Tschepe in dem kleinen Tümpel bei der Quelle einen symbolischen Start hinlegen. Dort können die beiden Extremschwimmer aber kaum mehr als 50 Meter kraulen.

Dann aber stehen deutlich längere Distanzen auf dem Programm. Durchschnittlich sind täglich rund 30 Kilometer geplant, etwa acht Stunden werden sie jeden Tag im Wasser sein – mit kleinen Pausen. Essen, schwimmen, essen, schwimmen, essen, schwimmen, essen, schlafen – so ähnlich sieht der Tagesablauf aus. Die beiden ziehen ihr Gepäck in wasserdichten Säcken hinter sich her. Eine Begleitmannschaft gibt es nicht. Die 27 Schleusen auf der Strecke müssen Tschepe und Heyn zwar umlaufen. Alle anderen Abschnitte hingegen sollen möglichst geschwommen werden. Am Abend des 16. Juni wollen sie in Neckarhausen Station machen, am 17. Juni kommen sie dann in Esslingen an. Die Langstreckenschwimmer kommen an den Etappenzielorten überwiegend bei Privatleuten unter. Ein Sponsor will zwar die Übernachtungskosten in Pensionen oder Hotels tragen. „Wer uns aufnimmt, der spendet also indirekt“, sagt Tschepe. Denn übrig bleibende Sponsorengelder werden für das Behindertenschwimmprojekt verwendet.

Heyn und Tschepe haben ihr Projekt „Bahn9“ getauft. Bahn9, so hat der Schwimmmeister im Ludwigsburger Freibad früher den Neckar genannt, der unmittelbar neben dem Sportbecken mit den acht Bahnen fließt. Wenn der Mann in Weiß über die Lautsprecheranlage  abends den Badeschluss verkündet hat, dann hat er oft augenzwinkernd hinzugefügt: „Ihr könnt gerne auf Bahn neun weiter schwimmen.“ Damals haben alle stets abgewinkt. „Aber die Idee war im Kopf“, erzählt Tschepe. Auch weil die Wasserqualität des Flusses mittlerweile deutlich besser ist als damals, wird sie jetzt umgesetzt. Im Jahr 2013 machten die beiden einen 30 Kilometer langen Test im Neckar und ließen auch sonst keine extreme Trainingsmöglichkeit aus. Sie holten sich erfahrene Profis ins Boot, die sich auf die Organisation von Langstreckenschwimmen spezialisiert haben. Und sie gingen zur Abhärtung bei der Ice Swimming German Open in Burghausen an den Start – bei der Tschepe dann auch noch Gold in seiner Altersklasse abräumte. Im Januar dieses Jahres hatte das Wasser des Wöhrsees eine Temperatur von unter 5 Grad Celsius. Auch sonst haben die Schwaben kaum etwas dem Zufall überlassen.

Mehr als 20 Grad Wassertemperatur hat der Neckar auch im Sommer nicht, deshalb werden sich die zwei Abenteurer in Neoprenanzüge zwängen. Zudem gilt es, möglichst nah am Ufer zu schwimmen, um Kollisionen mit Lastkähnen zu vermeiden, auch deren Bugwelle und Sog am Heck bergen noch erhebliche Gefahren.

Nach dem Radauftakt geht es ab Sulz für die beiden schwimmend weiter. Die zehntägige Route verläuft zunächst über Horb, Tübingen, Neckarhausen, Esslingen, Remseck nach Ludwigsburg. Die längste Etappe wird die von Horb nach Tübingen sein, die 45 Kilometer glauben Heyn und Tschepe aber mit der kräftigen Strömung im Rücken an einem Tag bewältigen zu können. Auf dem SVL-Gelände in Ludwigsburg wollen die Extremsportler am 18. Juni „Bergfest“ feiern, ehe es tags darauf über Kirchheim (Neckar), Neckarsulm, Zwingenberg, Hirschhorn und Heidelberg zum Zielort des kräfteraubenden Unterfangens geht. Mannheim soll am 24. Juni erreicht werden.          red / Foto: Martin Tschepe

 

Info: Mehr Informationen über „Bahn9“ sind im Internet unter www.bahn9.de oder auf Facebook unter www.facebook.com/bahn9 zu finden.


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