Abstieg beschlossen

TTC Frickenhausen verzichtet aus finanziellen Gründen auf Tischtennis-Bundesliga

Aller Voraussicht wird der TTC Frickenhausen am Ende dieser Saison aus der Tischtennis-Bundesliga absteigen – egal was sportlich zu Buche steht: Das Präsidium des Vereins aus dem Neuffener Tal hat beschlossen, sich aus finanziellen Gründen aus der höchsten deutschen Spielklasse zurückzuziehen. „Wir müssen der Situation Rechnung tragen, dass wir jetzt Sponsoren verloren haben beziehungsweise nach der laufenden Saison verlieren“, sagt Manager Jürgen Veith. Damit findet eine Erfolgsgeschichte zumindest ein vorläufiges Ende. Denn der TTC war nicht nur in der vergangenen Runde Bundesliga-Dritter, er war 2006 und 2007 deutscher Meister sowie 2005 Pokalsieger, auf europäischem Parkett holte er 2006 den ETTU-Pokal. In den zurückliegenden 20 Jahren zählte man – lediglich unterbrochen von einem Jahr zweite Liga – stets zum Oberhaus. In diesem Jahr läuft es aber auch sportlich schlecht, der TTC ist derzeit Tabellenletzter. Trotzdem lassen sich die Verantwortlichen ein Hintertürchen offen und werden wohl bis Ende Januar Meldeunterlagen für die Bundesliga einreichen. So sei man gewappnet, sollte sich doch noch ein potenter Sponsor finden, sagt Veith: „Vielleicht will ja eine Firma mit uns kooperieren, die sich auf dem chinesischen Markt betätigt.“ Der sehr wahrscheinliche Rückzieher würde dann 500 Euro Strafe kosten.

Die missliche finanzielle Lage verdeutlicht Präsident Rolf Wohlhaupter-Hermann: „Auch unser Haupt- und Namenssponsor Matec beendet nach der Runde sein Engagement.“ Ein Bundesliga-Etat zwischen 350 000 und 400 000 Euro ist so nicht mehr zu stemmen. Gleichwohl bedanken sich Wohlhaupter-Hermann und Veith bei der Köngener Maschinenfabrik. Zu dem Matec-Ausstieg kommen erschwerend sehr hohe Beiträge zu Berufsgenossenschaft und Sozialversicherung hinzu. Aus vergangenen teuren Zeiten ist bei der Sozialversicherung zudem noch eine Nachzahlung in Höhe von 35 000 Euro offen. Dass der nominelle Spitzenspieler, der Japaner Koki Niwa, in dieser Saison kein einziges Mal spielte, hängt auch damit zusammen, dass ein Einsatz wegen der hohen Sozialversicherungsbeiträge zu teuer gekommen wäre. „Aber in der nächsten Runde sind dann alle Altlasten getilgt – dann haben wir wieder Luft“, sagt Veith.

Neben einer finanziellen Konsolidierungsmöglichkeit sehen die TTC-Verantwortlichen in der zweiten Liga auch im Spielsystem einen Gewinn. Dort wird nicht mit drei Spielern je Mannschaft, sondern mit den als attraktiver eingestuften Vierer-Teams an zwei Tischen gespielt. Veith hofft, dass so auch wieder mehr Zuschauer in die Halle auf dem Berg gelockt werden. Auch wolle man „die eingeschlagene Philosophie mit jungen Leuten nicht über den Haufen schmeißen“. Um die Brüder Liang und Dang Qiu, den Söhnen von Trainer Jian Xin Qiu, soll ein schlagkräftiges Team geformt werden. Ob bei einem Bundesliga-Rückzug noch eine zweite Mannschaft – eventuell in der dritten Liga – gemeldet wird, steht noch nicht fest. Und ob Trainer Qiu in der zweiten Liga dabei ist, wird auch noch diskutiert. „Wir wollen mit ihm auf jeden Fall weitermachen“, sagt Veith.                          ch / Foto: hr


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