Alicensteg bleibt in der Schwebe

Über das Schicksal der Fußwegverbindung zum Zollberg wird erst in den Etatberatungen entschieden

Der Alicensteg bleibt vorerst unangetastet – der geplante Abriss der Fußgängerverbindung zwischen Maillepark und Zollberg wird auf Eis gelegt. Darauf hat sich der Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) des Esslinger Gemeinderats in seiner jüngsten Sitzung geeinigt.

Während der  Beratungsrunde im März hatte die SPD beantragt, zunächst den Blick aufs ganze Stadtgebiet zu richten und  ein Brücken-, Stege- und Wegekonzept zu erarbeiten, das konkrete Angaben zu Bedeutung, Nutzung, Kosten und möglichen Alternativen  liefert. Erst dann soll sich entscheiden, wie es mit dem Alicensteg weitergeht. Im ATU fand dieses Vorgehen nun Zustimmung: Erst wenn das Gesamtkonzept vorliegt, soll der Gemeinderat in den Beratungen zum Doppelhaushalt 2022/2023 über die Zukunft des Stegs entscheiden.

Seit Monaten wird intensiv über den Alicensteg diskutiert. Nachdem der Abriss beschlossene Sache war, mussten Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht und sein Dezernat zurückrudern, weil die Zweifel an ihrer Argumentation für den Abriss immer deutlicher zutage getreten waren. Mit Blick auf den Abrissbeschluss Ende Januar hatte Andreas Koch (SPD) im März resümiert, der ATU hätte im Januar „gar nicht entscheiden dürfen, weil die Entscheidungsgrundlagen  lückenhaft, falsch und insgesamt tendenziös waren“.  

Verschiedene Varianten liegen nun vor: Neben dem Abriss des Alicenstegs mit der Option auf einen späteren Neubau auf dem bestehenden Unterbau ist eine Instandsetzung der Fußgängerbrücke denkbar, die von Fachleuten auf 3,2 Millionen Euro taxiert wird. Eine Alternative hatte Andreas Fritz (Grüne) ins Gespräch gebracht: Ob nicht eine  „Schmalspursanierung“ anstelle einer „Sanierung deluxe“ möglich wäre? Diese Variante hat die Bauverwaltung geprüft. Das Ergebnis: Eine „Instandsetzung light“, die sich auf die unerlässlichen Reparaturen beschränkt, um den Alicensteg wieder begehbar zu machen, würde 900 000 Euro kosten. Dafür könnten die Geländer und der Brückenbelag erneuert, die Wendeltreppe und die Treppe zum Merkelpark saniert und teilweise Stahlbauinstandsetzungen am Deckblech finanziert werden. Im Gegensatz zur kompletten Instandsetzung würde sich die Stadt bei der „Instandsetzung light“ auf Arbeiten an der Brückenoberseite beschränken, da die Stahlkonstruktion noch relativ standsicher scheint. Auf die Erneuerung des Korrosionsschutzes an der Unterseite müsste verzichtet werden. „Dadurch verschlechtert sich der Zustand an der Brückenunterseite weiter. Es kann aber auf eine aufwendige und sehr teure wechselseitige Verkehrsführung auf der Bundesstraße 10 verzichtet werden“, gab die Bauverwaltung zu bedenken.

Zusätzlich müsste der Treppenweg bis zum Unteren Eisbergweg ertüchtigt werden. Kosten: etwa  250 000 Euro.  Die Fachleute gehen davon aus, dass der Alicensteg mit einer „Instandsetzung light“ maximal für zehn Jahre genutzt werden könnte. Anschließend sei ein Neubau erforderlich.

Baubürgermeister Wilfried  Wallbrecht: „Mehr als eine Million Euro für maximal zehn Jahre weitere Nutzung – das ist keine Perspektive.“ Dagegen fand er den Vorschlag der SPD, ein Gesamtkonzept für Brücken, Wege und Stege abzuwarten, sinnvoll: „Dann können wir klare Prioritäten festlegen.“ Jürgen Menzel (Grüne) möchte vor der Sommerpause über den Alicensteg beraten. Andreas Koch findet es sinnvoll, „erst das große Ganze in den Blick zu nehmen“. Eberhard Scharpf (Freie Wähler) sieht das genauso, Karin Pflüger (CDU) fühlt sich wie Ulrich Fehrlen (FDP) bestätigt, „dass ein Ersatzneubau auf längere Sicht die günstigste Variante ist“. Für Johanna Renz (Linke) ist klar: „Der Alicensteg muss so rasch wie möglich wieder begehbar sein.“  adi / Foto: Roberto Bulgrin


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