Altstadtring soll erneuert werden

Die Stadt plant eine umfassende Umgestaltung der Ringstraße rund um die City – Noch fehlt ein Gesamtkonzept

Der Esslinger Altstadtring ist nicht mehr zeitgemäß. Aus heutiger Sicht ist das Konstrukt aus den 1960er Jahren zu einseitig auf den Autoverkehr ausgerichtet, wirkt als massive Schneise und widerspricht dem Wunsch nach Aufenthaltsqualität in der Innenstadt. Deshalb will die Stadt ihre wichtigste Verkehrsader nun grundlegend umgestalten – allerdings nur häppchenweise.
Denn bislang fehlt das große Konzept. Ideen gibt es zwar, doch sie müssen auch umsetzbar sein. Und bis eine Gesamtvision bis ins Detail ausgearbeitet ist, könnten Jahre vergehen. Darauf will man im Rathaus nicht warten. Die Zeit drängt, schließlich hat die Stadt gerade erst ihren Klimamobilitätsplan verabschiedet. Demnach will sie bis 2030 rund 40 Prozent aller CO2-Emissionen des Verkehrssektors gegenüber 2010 einsparen. Ein neu gestalteter Altstadtring soll einen wichtigen Beitrag zur dafür notwendigen Mobilitätswende leisten, kumuliert hier doch ein Großteil des Esslinger Verkehrs. Deshalb hat man sich für ein modulares Konzept entschieden. So könnten erste Bereiche schon bald in Angriff genommen werden, während für andere erst noch überzeugende Lösungen braucht. Dabei sollen nicht nur Verkehrsplanung, sondern auch städtebauliche Aspekte im Fokus stehen.
Langfristig will man den Altstadtring nach Westen erweitern. Statt über die Berliner soll der Verkehr dann unter anderem über die Mettinger Straße um die neue Weststadt herum führen. Hier lassen sich aus Sicht der Stadt schon jetzt erste Vorhaben im westlichen Teil des Rings umsetzen – zumal diese keine erheblichen Auswirkungen auf das Verkehrsnetz hätten. Konkret soll noch in diesem Jahr mit der Aufwertung der Berliner Straße begonnen werden. Auch eine Umgestaltung der Schlachthausstraße, der angesichts des Neubaus der Hochschule sowie der Entwicklung des Stadtwerke- und des Schlachthausareals in Zukunft eine wichtige Bedeutung zukommen soll, könnte schon in den kommenden zwei bis drei Jahren angegangen werden. Erste Überlegungen dazu gilt es jetzt zu überprüfen.
Für die östlichen und nördlichen Bereiche des Altstadtrings hingegen liegen noch keine konkreten Pläne vor. Hier sind Veränderungen laut Stadt besonders knifflig, weil die Straßen stark befahren sind. Deshalb sind nicht alle Vorhaben, die auf den ersten Blick wünschenswert erscheinen, tatsächlich umsetzbar. So sind die bereits beschlossenen Umweltspuren auf der Kiesstraße, die Radlern und Bussen vorbehalten sein sollten, endgültig vom Tisch. Simulationen hatten gezeigt, dass sie vor allem in den Spitzenstunden morgens und abends zu massiven Staus führen würden.
Auch der alternativ angedachte Radweg auf dem östlichen Ring wird nicht uneingeschränkt empfohlen. Für den Weg, der von Radlern in beide Richtungen genutzt werden könnte, müsste dem übrigen Verkehr eine Spur abgezwackt werden. Das aber würde Autos und Busse in den Stau schicken und zum Wegfall einer Bushaltestelle führen. Gleichwohl soll der sogenannte Zweirichtungsradweg noch nicht ad acta gelegt werden. In Kombination mit zusätzlichen Vorhaben könnte er durchaus funktionieren, hofft man im Rathaus.
So will man etwa eine Einbahnregelung auf dem nördlichen Ring prüfen. Eine solche könnte zu weniger Verkehr und damit weniger Stau führen – auch wenn damit eine Autospur wegfallen würde. Zudem will man eine Kombination des Zweirichtungsradwegs mit Wechselspuren auf der Kiesstraße untersuchen. Dabei würden dem Autoverkehr ebenfalls nur drei Spuren zustehen, von denen die mittlere je nach Bedarf der Richtung mit größerem Verkehrsdruck zugeschlagen würde.
Im jüngsten Mobilitätsausschuss zeigte man sich prinzipiell zufrieden mit den Vorschlägen der Stadt, mahnte aber eine frühzeitige Bürgerbeteiligung an. Jürgen Menzel (Grüne) betonte, man sei offen dafür, den Altstadtring „neu zu denken“, der Status quo dürfe allerdings nicht beibehalten werden. Tobias Hardt, Fraktionschef der Linken, betonte, dass es im Sinne der Verkehrswende auch darum gehen müsse, den Autoverkehr zu reduzieren und den Altstadtring zurückzubauen.

meb / Foto: Roberto Bulgrin


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.