Auf der Burg gehen die Lichter aus

Stadt und Stadtwerke Esslingen präsentieren Konzept zum Energiesparen – Plan mit Gutschriften für Gassparfüchse

Beim Gedanken an den Winter läuft es manchem eiskalt den Rücken herunter. Diese Bedenken haben ihre Berechtigung, meint Jörg Zou. Der Esslinger Stadtwerke-Chef rechnet mit einer Verdreifachung der Gaspreise. Zudem könne es bei der Energieversorgung zu Engpässen kommen. Gewerbetreibende müssten sich auf Einschränkungen einstellen. Privatleute seien weniger von den Folgen einer möglichen Energieknappheit betroffen. Doch solche Prognosen erfolgten immer unter Vorbehalt: Die Entwicklung hänge auch davon ab, wie kalt oder wie mild der Winter werde. Das Verhalten der Russen könne auch niemand vorhersagen. Dennoch wollen sich Stadtwerke und die Stadt Esslingen auf die Situation einstellen und Energie sparen.
Ohne Opfer geht es nicht, stellte Finanzbürgermeister Ingo Rust klar. Die Stadt tue, was notwendig, aber vor den Bürgern vertret- und zumutbar wäre. Zu den Reaktionen auf die Energiekrise zählte er in den Sporthallen die Absenkung der Raumtemperatur auf 17 Grad, eine niedere Temperatur bei Duschen und Warmwasser sowie eine geringere Heizung von Verkehrsflächen wie Fluren. Die Sporthallen sollen zudem künftig in den Schulferien nur noch für den Leistungs- und Spitzensport geöffnet haben.
Die Esslinger Burg, die Mettinger Kirche und der Turm der Frauenkirche bleiben im Dunkeln, Straßenbeleuchtungen werden eingeschränkt. Sicherheitsbedenken ließ Rust nicht gelten: Die Beleuchtung werde an die Nachtzeiten angepasst. Nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang sei es bis zu eine Stunde hell – in dieser Zeit würden die Laternen ausgeschaltet. Durch diesen Schritt sei das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger nicht beeinträchtigt.
Und noch eine Bemerkung war Rust wichtig: Kinder- und Anfängerschwimmkurse würden nicht gestrichen. Lediglich die Babyschwimmkurse würden entfallen, da sie sehr hohe Wassertemperaturen erfordern. Energie solle in den Bädern aber durch die Absenkung der Wasser- und Raumtemperaturen, die Außerbetriebnahme des Warmsprudlerbeckens und die Anpassung der Saunabetriebszeiten am Vormittag gespart werden.
Kritik übte der Finanzbürgermeister an dem zögerlichen Verhalten des Landes. Für die Kindergärten und Schulen würde es keine Empfehlungen zum Umgang mit der aktuellen Situation geben. Hier bestehe dringend Handlungsbedarf, da die Richtlinien auch umgesetzt werden müssten. Die Regelungen dürften nicht in das Ermessen jeder Kommune gestellt werden, da sonst ein Ungleichgewicht entstehen würde.
Städtische Mitarbeiter müssen sich im Winter aber warm anziehen. In den Büroräumen wird eine Raumtemperatur von 19 Grad festgezurrt. An den Wochenenden und nachts soll die Heizung noch weiter nach unten gedreht werden. Verkehrsflächen wie Flure oder Lagerräume sollen ebenfalls weniger geheizt werden. Vor einer Erkältungswelle und einem hohen Krankenstand fürchtet sich die Stadtspitze nicht. Er gehe nicht davon aus, dass seine Mitarbeitenden ihren Tätigkeiten im Parka nachkommen müssten, meinte Oberbürgermeister Matthias Klopfer. Aber der Dresscode müsste angepasst werden. Mit einem Rolli unterm Anzug seien die Raumtemperaturen kein Problem.
Die Stadtwerke Esslingen (SWE) schnallen ebenfalls den Energiegürtel enger. Der Aufbau von Fotovoltaikanlagen, die vermehrte Nutzung von Wasserstoff sowie der Auf- und Ausbau des Nah- und Fernwärmenetzes der SWE sollen für Einsparungen sorgen, erklärte Jörg Zou. Geplant sei der Ausstieg aus fossilen Erzeugungsanlagen, die Energieberatungen für Verbraucher sollen ausgebaut werden. Ein Bonbon hält der Jörg Zou für Sparfüchse bereit: Wer weniger Gas verbraucht, bekommt Geld zurück (Anmeldung unter www.swe.de). Sinkt der Verbrauch um zwölf Prozent, könnte eine Gutschrift in Höhe von 80 bis 100 Euro erfolgen. Sparen tue not. Die Gasspeicher seien derzeit zu 85 Prozent gefüllt. Gesetzlich seien aber 90 bis 95 Prozent vorgeschrieben.

sw / Foto: Horst Rudel


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