Auf der Schattenseite

Kreis Esslingen hat landesweiten Spitzenplatz bei Wohnungslosigkeit

Im Landkreis Esslingen gibt es nach den jüngsten Zahlen rund 1440 Menschen, die keine eigene Wohnung haben. Damit ist der Kreis Esslingen der Landkreis mit der landesweit höchsten Zahl an Wohnungslosen. Als Hauptgründe gelten die hohen Mieten und fehlender Wohnraum. Die soziale Betreuung für Wohnungslose im Kreis gilt zwar als gut, das Kernproblem bleibt aber bestehen. Die Kreisverwaltung geht davon aus, dass in den kommenden zehn Jahren etwa 6000 bezahlbare Wohnungen fehlen werden.

Die jüngste Studie zur Wohnungslosigkeit in Baden-Württemberg lenkt den Blick auf die Schattenseiten des prosperierenden Landkreises Esslingen und beschreibt eine große Herausforderung. Rund 1100 der 1440 Wohnungslosen sind Menschen, die aus sozialen oder gesundheitlichen Gründen ihre Wohnung verloren haben und in ihren Heimatkommunen im Rahmen der allgemeinen Daseinsvorsorge in Unterkünften untergebracht sind. Etwa 300 Wohnungslose sind kreisweit in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe untergekommen.

Regine Glück, Abteilungsleiterin der Dienste für Menschen in Armut und Wohnungsnot bei der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart, erzählt, dass etwa die Hälfte der Untergebrachten noch weitere Hilfen benötigen. „Armut und Ausgrenzung machen krank, das ist lange bekannt. Dazu beobachten wir, dass sich die Probleme der Menschen in ihrer Komplexität vervielfältigt haben“, erklärt Glück. Die Hilfsangebote in den Beratungsstellen und Tagesstätten in Esslingen, Nürtingen und Plochingen würden jedoch längst nicht mehr alle Bedürftigen erreichen. „Viele muss man aufsuchen“, sagt Glück.

Das Hilfesystem im Kreis ist laut Regine Glück zwar vielfältig, könne das Grundproblem jedoch nicht lösen. „In allererster Linie fehlt Wohnraum“, sagt sie. Nur wenn ausreichend viele bezahlbare Wohnungen zur Verfügung stünden, könne überdies vermieden werden, dass verschiedene Gruppen von Wohnungssuchenden und Bedürftigen gegeneinander ausgespielt werden können. „Unsere wichtigste Forderung an die Politik ist: Wohnraum und Beschäftigungsmöglichkeiten, damit sich noch leistungsfähige Menschen aus ihrer prekären Situation lösen können.“            pst / Archivfoto: dpa

 

Info: Die neue 52-seitige Broschüre „Orte zum leben“ informiert zum Thema und ist kostenlos bei der Fachberatungsstelle Esslingen, t 07 11/39 69 10 14, erhältlich.


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