Aufgeschoben

Bis zu 25 Millionen für Brückenreparaturen in Esslingen – Abbruch und Neubau später

Bis auf die Dieter-Roser-Brücke in Zell sind alle Brücken über den Neckar in Esslingen sanierungsbedürftig. Und nicht nur das: Abbruch und Neubauten sind günstiger als Sanierungen – ein finanzieller Kraftakt in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro kommt dabei auf die Stadt zu. Jetzt hat die Verwaltung ein Konzept vorgelegt, mit dem sie den Abbruch in die Zukunft schiebt und die Brücken mit Reparaturen für die Übergangszeit sicher macht. Das wird geschätzt bis zu 25 Millionen Euro kosten – vorerst.

Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben: Die Abrissbagger werden wahrscheinlich in fünf bis sechs Jahren zuerst an der Hanns-Martin-Schleyer-Brücke zwischen den Stadtteilen Weil und Brühl sowie Mettingen auf der anderen Seite anrücken. Sie ist zwar die kleinste Brücke, aber das größte Sorgenkind der Stadt. Der Spannbeton, mit dem sie 1964 gebaut wurde, ist schadhaft. Bis zum Abbruch wird sie nochmals fit gemacht. Dann kommen die Vogelsang- und die Adenauerbrücke an die Reihe. Alle Neckar-Übergänge sollen so lange es geht sicher befahren werden können. Ab Mitte 2017 werden Sofortmaßnahmen an der Hanns-Martin-Schleyer-Brücke vorgenommen: So erhält das Bauwerk ein Stahlkorsett; außerdem wird ein Monitoringsystem eingebaut, das Verschlechterungen in der Bausub­stanz anzeigt, sodass rechtzeitig reagiert werden kann.

In den Jahren 2018 und 2019 rücken die Vogelsangbrücke und die Adenauerbrücke in den Fokus: Ihre Rampen werden eingeengt, um ihre Statik zu entlasten. Geschwächte Bauteile werden verstärkt, Risse geflickt. Die Stadt will auch Dehnungsmessstreifen an rissgefährdeten Bereichen anbringen. So in Ordnung gebracht, könnte die Vogelsangbrücke noch bis zu zehn Jahre, die Adenauerbrücke bis zu 20 Jahre stehen bleiben. Die Brücken werden auch dringend benötigt: Sie müssen schließlich die Last der jeweils abgebrochenen Brücke tragen. „Die Maßnahmen verschaffen uns Zeit“, erklärte Erster Bürgermeister Wilfried Wallbrecht. Zeit, die die Stadt braucht, um die Planungen für die Brückenneubauten in Ruhe voranzutreiben. Für Wallbrecht ist das auch die wirtschaftlichere Vorgehensweise. „Die Millionen für die Ertüchtigung sind nicht nur gut investiert, sie eröffnen zudem noch ein zeitliches Planungsfenster, um die zukünftigen Verkehrslagen an die neuen Mobilitätsansprüche anzupassen“, sagte Wallbrecht.

Mit dem Start der Bauarbeiten warten auf die Bürger sicherlich erhebliche Verkehrsbelastungen. Die Stadtverwaltung will mit Verkehrslenkungen dagegensteuern und ruft dazu auf, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Und sie setzt auf Kommunikation: Ab Ende März will sie regelmäßig über den Stand der Arbeiten auf einer eigenen Baustellen-Website informieren.                 bob / Foto: bul


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