Aufgeschobene Modernisierung

Auch an Brücken auf Teck- und Tälesbahn besteht Handlungsbedarf – Knapp 1100 baufällige Bahnbrücken in Deutschland

 

Immerhin 1086 marode Bahnbrücken gibt es in Deutschland – das zumindest hat die Grünen-Bundestagsfraktion vor Kurzem vermeldet. Die Deutsche Bahn konterte: Sie unterhalte mehr als 25 000 Eisenbahnbrücken und habe in den vergangenen beiden Jahren schon 200 Brücken erneuert. Und: Laut Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung II zwischen Bahn und Bund fließen von 2015 bis 2019 rund 28 Milliarden Euro ins Schienennetz, allein damit würden 875 Brücken modernisiert. Allerdings fließt in dieser Zeitspanne kein Geld in die Sanierung von Brücken auf Teck- und Tälesbahn. Zwar besteht auch dort Handlungsbedarf, allerdings werden die ersten Schritte noch einige Jahre auf sich warten lassen.
Die 1086 maroden Brücken fallen allesamt in die „Zustandsklasse 4“, kurz ZK4. Das ist der schlechteste Status auf der Skala von 1 bis 4. Doch auch ZK3-Brücken, die von den Grünen nicht mitgezählt wurden, haben umfangreiche Schäden. Eine Instandsetzung ist dort noch möglich, deren Wirtschaftlichkeit aber zu prüfen. Die Teckbahn von Kirchheim nach Oberlenningen hat gleich drei solcher ZK3-Brücken: Es sind die Fachwerkbrücke bei Kilometer 12,9 in Owen sowie die Stahlbrücken bei Kilometer 7,6 südlich vom Haltepunkt Kirchheim-Süd und bei Kilometer 15,0 in Brucken, die letzte Brücke über die Lauter vor dem Endpunkt.
Kurz nach der Abfahrt im Kirchheimer Bahnhof fährt der Zug vor Kilometer 7,0 über das, was das Brückenportal der Deutschen Bahn „Eisenbahnüberführung über anderen Wasserlauf“ nennt. Diese Brücke wird in die ZK4-Kategorie eingestuft. „Bei dieser Zustandskategorie ist eine Instandsetzung nicht mehr wirtschaftlich“, sagt Bahnsprecher Roland Kortz. „In diesen Fällen ist es sinnvoller, die Brücke komplett zu ersetzen.“ Die Erneuerung sei nach heutiger Planung im Jahr 2026 vorgesehen. Wobei die Zustandskategorie nichts über die Betriebssicherheit aussage, selbst Brücken in der schlechtesten Kategorie seien sicher. Auch die drei ZK3-Brücken sollen 2026 erneuert werden, die Bahn will Streckensperrungen bündeln.
„Bei der Auswahl der zu erneuernden Brücken wird auch die Entwicklung des technischen Zustandes berücksichtigt“, sagt Kortz, „dazu die Belastung der Strecke, also die Anzahl der Zugfahrten, die Geschwindigkeit und die Achslast sowie die betrieblichen Belange.“ Die Brücke über die Lauter bei Kilometer 12,9 hat einen direkten Nachbarn, die Betonbrücke über die Schießhüttestraße bei Kilometer 13,0. Sie wurde 2008 erneuert und wird als ZK1 klassifiziert.
Diese Bestnote erreichen laut DB-Brückenkarte auch die beiden Unterführungen von 1981 und 1935 im Bahnhof Nürtingen, am Beginn der Tälesbahn nach Neuffen. Die ersten 500 Meter verkehrt die Tälesbahn auf dem einen Gleis der zweigleisigen Strecke nach Tübingen, auf diesem DB-Abschnitt folgen zwei Brücken. Die Stahlbrücke über die B 297 ist frisch saniert und ZK1. Die Brücke über die Steinach von 1927 ist jedoch ZK3, also sind Instandhaltungsmaßnahmen zu prüfen. Im weiteren Verlauf der von der Württembergischen Eisenbahngesellschaft (WEG) betriebenen Strecke ist die WEG dann selbst zuständig. Auf diesen Kilometern folgt nur noch eine weitere Brücke, nördlich von Frickenhausen über die Steinach. Sie sei 2001 mit der gesamten Strecke umfassend erneuert worden und in Schuss, versichert Jens-Ulrich Beck, Prokurist bei der WEG. Alle drei Jahre gibt es auf der Strecke laut WEG eine Prüfung durch ein externes Ingenieurbüro. Neben den Brücken gebe es auf der Tälesbahnstrecke nur noch kleinere Durchlässe.
Mangelnde Instandhaltung und dadurch sogenannte „Langsamfahrstellen“ könne sich die Tälesbahn nicht leisten, sagt Beck. Der Fahrplan weist auf der Tälesbahn zwischen Nürtingen und Neuffen in der Regel eine Fahrzeit von zwölf Minuten aus, in der Hauptverkehrszeit geht es drei Minuten später schon wieder zurück. Die Teckbahn mit einem Spitzentempo von 60 Kilometern je Stunde schleicht da deutlich hinterher.
Nicht so lange auf eine Modernisierung muss die Fahrzeugflotte der Teckbahn warten. Nach einem Beschluss des Verkehrsausschusses des Verbands Region Stuttgart sollen die drei bisherigen Fahrzeuge bis Dezember 2018 allesamt eine Frischzellenkur erhalten.
Dann gehören Echtzeit-Infos zur Fahrt und zu Umsteigemöglichkeiten, Videoüberwachung und WLAN zur Ausstattung. Statt bisher drei wird es künftig zwölf Stellplätze für Fahrräder geben. Und Dieselpartikelfilter machen die Züge um­weltfreundlicher. Ein Reserve-Fahrzeug soll dann ab dem Jahr 2019 auch diesem S-Bahn-Standard entsprechen. pd/ch / Fotos: pd


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