Abgestimmt!

Nach Wirbel um Impfstatus und Angaben beim Visumsantrag sowie politischem Streit ist der Tennis-Weltranglisten-Erste Novak Djokovic von den Australian Open ausgeschlossen worden. Der richtige Schritt?

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Richtig so?

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Sparen mit der Maus in der Hand

Der Esslinger Kreisdiakonieverband ersetzt mit neuem Internetportal das „Handbuch für den schmalen Geldbeutel“

Das Rezept für „Arme Ritter“, die Geschenktipps und die Bastelideen haben ausgedient – und mit ihnen die schon mehr als zehn Jahre alte Broschüre „Handbuch für den schmalen Geldbeutel“. Der Wegweiser des Kreisdiakonieverbands (KDV) im Kreis Esslingen für Menschen, die in diesen Zeiten mehr denn je jeden Cent umdrehen müssen, ist ins Internet umgezogen.
„Das Thema Armut ist immer noch schambesetzt. Viele Betroffene scheuen den Gang in die Beratungsstellen. Auf unserer neuen Seite haben wir deshalb alle Informationen leicht verständlich aufbereitet“, erklärt die Sozialarbeiterin Sarah Kindt-Matausch, die den Internetauftritt gemeinsam mit Reinhard Eberst, dem Leiter der Diakonischen Bezirksstelle Kirchheim, entwickelt und diesen Mitte Dezember vorgestellt hat.
Die Seite bietet Menschen mit schmalem Geldbeutel einen niederschwelligen Zugang zu allen für sie wichtigen Themen. Durch ein leicht zu bedienendes Menü gelangt man mit wenigen Mausklicks zu den Antworten auf viele existenzielle Fragen: Welche Sozialleistungen stehen mir zu? Wo kann ich sie beantragen? Welche preiswerten Einkaufsmöglichkeiten gibt es in meiner Nähe? Welche Vergünstigungen kann ich bei Kultur-, Bildungs- und Freizeitangeboten in Anspruch nehmen oder wo finde ich Beratung und Hilfe?
Nicht nur der leichte Zugang, sondern auch die Möglichkeit der ständigen Aktualisierung macht das Internet in diesem Fall zum überlegenen Medium. So verweist der digitale Wegweiser in der Rubrik „Gesundheit“ auf die Möglichkeiten für Corona-Impfungen im Kreis. „Wir haben auch Querverweise integriert, die direkt auf die zuständigen Stellen im Landratsamt, in den Jobcentern, aber auch auf hilfreiche Broschüren verweisen“, sagt Reinhard Eberst. Damit könnten auch Online-Formulare direkt abgerufen werden.
Wie das Handbuch genutzt werden kann, wird am Beispiel „Freizeitangebote“ deutlich. Ausgehend von der Tatsache, dass Kinder und Jugendliche aus einkommensarmen Familien nur schwer einen Zugang zu Vereinen, Kursen und Ferienfreizeiten finden, gibt die Seite einen Überblick über die aktuellen Angebote. Über eine Verlinkung können die auch gleich online gebucht werden. Weil es laut Eberst nicht nur darum geht, die Ausgaben zu verringern, sondern auch das Einkommen zu verbessern, erfahren Nutzer unter dem Menüpunkt „Job Café“, wo sie Hilfe bei Bewerbungen erhalten.
Auch wenn es darum geht, Recht zu bekommen, hilft die Internetseite weiter. Unter dem entsprechenden Menüpunkt wird gezielt aufgezeigt, wo es Unterstützung etwa in Form von kostenloser Rechtsberatung oder Prozesskostenhilfe gibt.
Anders als das über zehn Jahre hinweg unverändert gebliebene Handbuch soll sich der Internetauftritt ständig weiterentwickeln – auch mit Hilfe der Betroffenen. „Arme Menschen sind, weil ihnen gar nichts anderes übrig bleibt, oft genug Experten in eigener Sache“, sagt Reinhard Eberst. Für ergänzende Informationen haben er und Sarah Kindt-Matausch immer ein offenes Ohr. An „Kundschaft“, die auf das Angebot angewiesen sein könnte, dürfte es nicht mangeln. Die Ausgaben für den Lebensunterhalt steigen – und damit auch die Zahl der Hilfesuchenden.
Eberhard Haußmann, der Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands Esslingen, kann die Entwicklung an der täglich wachsenden Schlange vor den Tafelläden der Diakonie ablesen. Er weiß, dass die neue Seite auch nicht mehr sein kann, als ein Tropfen auf dem heißen Stein. „Durch die Seite werden die 426 Euro, die einem Hartz-IV-Empfänger zustehen, auch nicht mehr“, sagt er und erneuert die Forderung der Sozialverbände nach einem Bürgergeld in Höhe von mindestens 600 Euro. 
Info: Die Seite ist im Internet zu finden unter dem Link www.hilfreich-es.de

adt / Foto: Horst Rudel


„Es gibt nur einen Heimatverein“

Vom HSV zur HSG: Handballer Manuel Späth kehrt nach dem Ende seiner langen Profi-Karriere nach Ostfildern zurück

Es sei ein „schwerer Schlag“ titelte das Hamburger Abendblatt Mitte Dezember, nachdem Manuel Späth bekannt gegeben hatte, dass er am Ende der Saison seine Profi-Karriere beim HSV Hamburg beenden wird. Der Handball-Bundesligist wollte den Vertrag des 36-jährigen Kreisläufers unbedingt verlängern. Für Späth aber ist die Zeit gekommen. Er möchte in die zweite berufliche Karriere starten. Und er möchte, dass seine Töchter Nora und Dahlia daheim in Esslingen eingeschult werden. Zudem endet in einem Jahr die Elternzeit seiner Frau Vanessa. Handball aber will er weiter spielen – und das wird er dort tun, wo er als Kind begonnen hatte: bei der HSG Ostfildern. Es ist eine Entscheidung voller Konsequenz für den bodenständigen, heimatverbundenen Familienmenschen Späth. Und ein Coup für die HSG.
Späths erster Spielerpass trägt das Datum 29. September 1990. Und den Stempel des TB Ruit. Der Verein ist einer der beiden Teile der Handball-Spielgemeinschaft mit dem TSV Scharnhausen, die zurzeit in der Verbandsliga an der Tabellenspitze steht. „Es ist ein schöner Gedanke, wieder dort zu spielen, wo ich mit Handball begonnen habe“, sagt Späth mehr als 31 Jahre später. Er hätte auch zu den höherklassigeren TSV Neuhausen oder TV Plochingen wechseln können – oder zu fast jedem ambitionierten Amateurverein im Umkreis. Letzten Endes seien für ihn nur Neuhausen oder Ostfildern in Frage gekommen, sagt Späth. Zu beiden Clubs hat er eine enge emotionale Bindung. „Es gibt nur einen Heimatverein“, begründet er, warum er bei der HSG einen Zweijahresvertrag unterschrieb. Zudem sei es das passende sportliche Niveau, denn der geringere Aufwand gegenüber der Bundesliga soll schon spürbar sein.
Die Neuhausener unterstützt Späth insofern, als er zu seiner bereits bestehenden Schirmherrschaft auch die Rolle des Leistungssportkoordinators für die A-Jugend der JANO Filder, der Jugendspielgemeinschaft aus Neuhausen und Ostfildern, übernehmen wird. Auch wird er die eine oder andere Trainingseinheit der Jugend leiten.
Im Verbandsliga-, oder wenn es mit dem Aufstieg klappt im Württembergligateam, möchte er sich aber ganz auf seine Rolle als Spieler konzentrieren. Nebenbei wird er die Trainer-C- und -B-Lizenz ablegen. Eine Aufgabe als Chefcoach einer Mannschaft kann er sich erst nach seiner aktiven Zeit vorstellen.
Bei der HSG sind sie natürlich glücklich über den prominenten Zugang. „Für das Gesamtprojekt machen wir den nächsten Schritt, da wird uns Manu sportlich, menschlich und fachlich weiterhelfen. Gerade für unsere Jugend erwarten wir einen Booster von ihm“, erklärt der sportliche Leiter Magnus Gründig. „Ich sehe solche Transfers, einen Spieler aus der Bundesliga zu holen, in der Regel als riskant an. Ich bin aber guter Dinge, weil es der Manu ist.“
Für Trainer Marco Gassmann ist es eine besondere Situation, immerhin ist er zehn Jahre jünger als der mit allen Handballwassern gewaschene Späth. Aber es herrscht bei ihm die pure Freude. „Es ist eine riesen Sache – mega, eine runde Geschichte“, jubelt Gassmann. Sorgen um die Eingewöhnung macht sich der Coach nicht. „In der Defensive kann er sich sofort einbringen, weil er seit Jahren einer der besten deutschen Abwehrspieler ist. Ich glaube, dass er sich auch im Angriff schnell integrieren wird“, sagt er.
„Ich bin immer noch ehrgeizig. Mir war wichtig, zu einem Verein zu gehen, bei dem ein Leistungsgedanke dahinter steht. Das ist in Ostfildern so, natürlich auf einem anderen Niveau“, sagt Späth. Dass ihn die Gegenspieler mit besonderer Härte entgegentreten werden, fürchtet er nicht: „Viel härter als in der Bundesliga kann es da am Kreis nicht zugehen.“
In Manuel Späths Leben gab und gibt es viele Konstanten. Elf Jahre lang war er bei Frisch Auf Göppingen, drei beim TVB Stuttgart. Erst in den vergangenen zwei Jahren genoss er es, in Porto und Hamburg die Welt kennenzulernen. Dass sie ihn beim HSV ungern gehen lassen wollen, freut ihn und bestätigt ihn zugleich in seiner Entscheidung: „Ich wollte meine Karriere in einer guten Zeit beenden.“ Währenddessen nimmt er sich bis zum Sommer Zeit, auch seine berufliche Karriere in neue Bahnen zu lenken. Das Studium des internationalen Managements ist längst abgeschlossen, Kontakte sind geknüpft. „Es gibt ein bis zwei Optionen“, sagt er.

sip / Foto: Jens Wild


„Hirsch“ soll Wohnungen weichen

An der Kirchheimer Straße in Hochdorf will ein Investor zwei Neubauten mit bis zu 20 Wohneinheiten bauen

In Hochdorf zeugen noch einige alte Gebäude von der Historie des Ortes, viele davon sind denkmalgeschützt. An manch einer Stelle musste die Ortshistorie aber Neubauten weichen. Mit dieser Thematik beschäftigt sich der Gemeinderat nun in Hinblick auf das Gebäudeensemble in der Kirchheimer Straße 44 bis 48, direkt an der Hauptstraße schräg gegenüber dem Rathaus gelegen. Wo früher unter anderem die Metzgerei Schippert und das Gasthaus zum Hirsch für ihre Kunden und Gäste da waren, plant das Bauunternehmen Hartmut Fischer Planbau aus Deizisau die Gebäude abzureißen und zwei Mehrfamilienhäuser zu bauen. Je zwei Vollgeschosse sowie ein Dachgeschoss samt Kniestock als weiteres Vollgeschoss mit insgesamt rund 20 Wohneinheiten, Gauben, einer Tiefgarage und Stellplätzen entlang der Kirchheimer Straße stehen zur Debatte.
In der letzten Sitzung des vergangenen Jahres hat sich der Gemeinderat mit der Bauvoranfrage zu diesem Projekt beschäftigt. „Es geht aktuell zunächst einmal um das Grundsätzliche, darum, ob hier ein Abriss und Neubau denkbar wären. Das ist im aktuellen Stadium noch kein Bauantrag“, betonte der Bürgermeister Gerhard Kuttler. Die Verwaltung plädiere dafür, in diesem Zusammenhang das kommunale Einvernehmen in Aussicht zu stellen. Zudem könnte die Gemeinde im Falle der Umsetzung die Flächen erwerben, die für den schon lange auf der Wunschliste stehenden Kreisverkehr an der Rathauskreuzung nötig wären. Für diesen fehlt allerdings bis heute die Zustimmung der übergeordneten Straßenverkehrsbehörde.
Ende November hatte sich ein Experte die Gebäude angesehen und aufgrund deren Lage direkt an der Gehweghinterkante eine Sanierung ausgeschlossen. Die Stadtentwicklungsgesellschaft STEG sieht das genauso. Mehrheitlich – mit Ausnahme der SPD-Fraktion und Birgit Wiesenhütter (Die Mitte) – folgte der Gemeinderat dem Beschlussvorschlag der Verwaltung. Bereits im Jahr 2016 wurde im Gemeinderat über eine Neubebauung auf dem Areal diskutiert. Das Stuttgarter Planungsbüro Schreiberplan hatte damals zwei denkbare Varianten vorgestellt – eine mit einer intensiveren Nutzung des Grundstücks, die zweite etwas abgespeckt. Für beide gab es damals grundsätzlich grünes Licht.
Die nun vorgelegte Bauvoranfrage orientiert sich an der Variante mit einer weniger intensiven Nutzung des Grundstücks und einer weniger massiv wirkenden Bebauung, die von der Kirchheimer Straße etwas nach hinten versetzt vorgesehen ist. Dass an der Stelle grundsätzlich etwas passieren müsse, darüber waren sich alle im Gremium einig. So handle es sich zwar um ein historisches Gebäudeensemble, das aber recht heruntergekommen sei.
An der ein oder anderen Stelle der Bauvoranfrage gibt es noch Klärungsbedarf. Zwei mehrfach angesprochene Punkte betreffen die Verkehrssituation und die direkt an der viel befahrenen Kirchheimer Straße angedachten Stellplätze. Eine ähnliche Problematik ist von der Ortsdurchfahrt bei den zentral gelegenen Geschäften bekannt. Der Unterschied: Dort müssen die Kunden auf eine Hauptstraße mit geltendem Tempo 50 rückwärts einfahren, in der Kirchheimer Straße gilt dagegen bereits Tempo 30. Kritisch angemerkt wurde auch die wegen eines schmalen Fußwegs erschwerte Erreichbarkeit des zweiten, weiter hinten gelegenen Gebäudes, gerade auch was Rettungskräfte angeht.
Die SPD möchte, dass die Gemeindeverwaltung sich beraten lässt, inwieweit für Hochdorf der Erlass einer oder mehrerer Erhaltungs- oder Gestaltungssatzungen denkbar wäre. Ziel sei es, das Mitbestimmungsrecht der Gemeinde bei der städtebaulichen Entwicklung und dem Erhalt des dörflichen Charakters zu stärken. Immer wieder sei der Gemeinderat mit Planungen konfrontiert, die dem nicht gerecht würden, da viele Bauträger die Grundstücke „mit allen Möglichkeiten des Baurechts ausmosten“, sagte Karsten Rößler (SPD). So verschwinde immer mehr ortsbildprägende alte Bausubstanz.

eis / Foto: Katja Eisenhardt


Abgestimmt!

Die EU will Kernenergie als „grüne“ und somit förderwürdige Technologie einstufen, in Deutschland regt sich dagegen heftiger Widerstand. Was meinen Sie, soll Atomkraft das „Grün“-Label bekommen?

Foto: dpa

„Grüne“ Atomkraft?

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Der Lappen muss weg

Am 19. Januar endet für die Geburtsjahrgänge 1953 bis 1958 die Frist zum Führerschein-Umtausch – Erhöhter Andrang

Bald ist der Lappen weg – ganz ohne Alkohol und Raserei. Vielmehr von langer Hand geplant, nämlich bereits 2006 von der EU mit einer Richtlinie, die innerhalb der Union den Umtausch sämtlicher nationaler Führerscheine in die einheitlichen, fälschungssicheren und scheckkartenartigen EU-Dokumente vorschreibt. Die Großaktion, deren erste Frist am 19. Januar fällig ist, betrifft in Deutschland alle vor dem 19. Januar 2013 ausgestellten Exemplare – und das bedeutet gewaltig viel Urkundenmaterial, das allein hierzulande umgewälzt wird: Bundesweit müssen laut ADAC 43 Millionen Führerscheine gewechselt werden, davon 15 Millionen auf Papier, wie sie bis Ende 1998 ausgestellt wurden – die klassischen grauen oder die etwas jüngeren rosafarbenen „Lappen“. Hinzu kommen 28 Millionen zwischen 1. Januar 1999 und 18. Januar 2013 ausgegebene Scheckkarten-Führerscheine.
Weil solche Massen hier wie in anderen europäischen Landen auch die fleißigsten Führerscheinstellen enorm fordern, hat die Europäische Union in weiser Voraussicht die gesamte Aktion auf gut zehn Jahre gestreckt: Bis 19. Januar 2033 muss jede(r), der oder die im öffentlichen Straßenverkehr ein führerscheinpflichtiges Vehikel steuert, das EU-Dokument beantragt haben. Damit nicht alle auf den letzten Drücker kommen, wird der Wechselmarathon zum Staffellauf mit Jahresfristen. Als erste sind die Geburtsjahrgänge 1953 bis 1958 dran, die ihren „Pappendeckel“ bis zum 19. Januar 2022 persönlich umtauschen müssen.
Dass der Termin in eine Corona-Hochphase fällt, die Ämter und Behörden sowieso aufs Äußerste strapaziert, war bei der langfristigen Planung natürlich nicht zu ahnen. Vielerorts wird eine Überlastung der zuständigen Stellen gemeldet.
Auch bei der Führerscheinstelle im Esslinger Landratsamt sowie in den drei Außenstellen in Nürtingen, Bernhausen und Kirchheim verzeichne man „aufgrund des Pflichtumtausches ein erhöhtes Publikumsaufkommen“, sagt auf Anfrage Landkreis-Sprecher Wolf-Dieter Roser. Es gebe aber noch Online-Termine bis zum Stichtag 19. Januar. Roser empfiehlt eine Anmeldung, es sei aber auch möglich, bei der Führerscheinstelle ohne Terminvereinbarung vorzusprechen. Die Wartezeit ohne Anmeldung betrage derzeit im Schnitt rund 20 Minuten.
Man kann den Antrag auch über das Bürgermeisteramt des jeweiligen Wohnorts stellen. Dabei spart man Weg, sollte laut Roser aber unbedingt einen Termin vereinbaren. In diesem Fall muss der neue EU-Führerschein drei bis vier Wochen nach Beantragung bei der Führerscheinstelle abgeholt werden. Sonst wird er innerhalb desselben Zeitraums per Post zugeschickt. Auch erhält man bei den Führerscheinstellen für die Zwischenzeit einen nur im Inland gültigen vorläufigen Führerschein, da der alte sofort zur Entwertung gestanzt wird. Wer will, kann ihn mit nach Hause nehmen und einrahmen.
Wohlgemerkt: Die aktuelle und die weiteren Fristen bis 2025 (Stichtag ist jeweils der 19. Januar) gelten tatsächlich nur für Inhaber von Papierführerscheinen – inklusive jenen, die noch in der DDR ausgestellt wurden. 2023 sind die Jahrgänge 1959 bis 1964 dran und so weiter bis 2025 (Jahrgänge 1971 und später). Vor 1953 geborene Fahrerinnen und Fahrer sind erst bei der allerletzten Tranche dabei, ihre Frist endet am 19. Januar 2033.
Bei den von 1999 bis 2013 ausgegebenen Kartenführerscheinen richten sich die Fristen nicht mehr nach dem Geburtsdatum des Inhabers oder der Inhaberin, sondern nach dem Ausstellungsjahr, angefangen mit 1999 bis 2001 in der ersten Umtauschphase, die am 19. Januar 2026 endet.
Im Prinzip ist es möglich, seinen Führerschein bereits umzutauschen, wenn man noch nicht an der Reihe ist. Julian Häußler, Pressesprecher des ADAC Württemberg, rät jedoch davon ab, ebenso Landkreis-Sprecher Roser: Der Gesetzgeber habe nicht ohne Grund eine Staffelung beschlossen, erschwerend komme Corona hinzu. Und: Das neue Führerschein-Dokument – nicht die Fahrerlaubnis selbst – gilt im Unterschied zum alten nur 15 Jahre. Wer früher tauscht, muss früher wieder tauschen.
Und wer gar nicht fristgerecht tauscht, muss pro Kontrolle zehn Euro Strafe zahlen – relativ moderat, denn er fährt ja nicht ohne Fahrerlaubnis, nur ohne gültigen Führerschein. Zudem setzt der deutsche Staat angesichts der Überlastung vieler Führerscheinstellen die Geldbuße bis zum 19. Juli 2022 aus. Häußler warnt aber: „Bei Fahrten ins Ausland könnte es Probleme geben.“ Ist die Umtauschaktion aus Sicht des ADAC überhaupt den ganzen Aufwand wert? Häußler: „Ja. Wir halten die Fälschungssicherheit und Einheitlichkeit für notwendig.“

mez / dpa/Norbert Försterling


Beharren auf neutraler Position

Die Debatte um die geplante Abflugroutenänderung wollen Lärmschutzbeauftragter und Flugsicherung nicht begleiten

Mehr Transparenz beim Entscheidungsprozess zur geplanten Flugroutenänderung am Stuttgarter Flughafen fordern die künftig wohl stärker betroffenen Kommunen Neuhausen, Köngen, Wolfschlugen und Nürtingen. Fast 10 000 Bürgerinnen und Bürger haben eine Online-Petition gegen die Pläne unterzeichnet. Mehr als 15 000 Unterschriften haben Gegner der Route der Lärmschutzbeauftragten der Landesregierung, Elke Zimmer, überreicht. Im März wird die Fluglärmkommission wohl entscheiden. Wird die neue Abflugroute Richtung Osten genehmigt, soll es einen Testbetrieb geben.
Im Krisengipfel mit den Vertretern der Fluglärmkommission hatten Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Verkehrsminister Winfried Hermann eine bessere Kommunikation in Aussicht gestellt. Die neue Abflugroute soll vom Flughafen zunächst nach Süden führen und ist nach dem Luftfahrt-Wegpunkt TEDGO benannt, an dem sie endet. Allerdings läuft das Verfahren nun zunächst wieder nichtöffentlich weiter. Die Debatte schwelt, die Fronten bleiben verhärtet.
Derzeit beschäftigt sich ein Arbeitskreis mit der Machbarkeit eines Lärmgutachtens, das die Situation auf den Fildern wie auch im Neckartal in den Blick nehmen soll. Eingebunden sind auch Vertreter der künftig stärker betroffenen Kommunen. Auf Basis dieser Expertise soll die Fluglärmkommission dann beschließen. Die neue Arbeitsgruppe hat offenbar erstmals am 6. Dezember getagt. An die Öffentlichkeit ist noch nichts gedrungen. Das ärgert Rolf Keck, den Sprecher der Initiativen gegen die Route: „Jeder Straßenbau muss planfestgestellt und mit der Bevölkerung ergebnisoffen diskutiert werden. Eine Flugroute anscheinend nicht.“
Für Kritik in der Debatte hatte gesorgt, dass die Piloten Valentin Reinhardt von der Lufthansa und Oliver Hasenbein von Eurowings die neue Route nicht nur ausgearbeitet haben. Sie stellten die Pläne auch in den Gemeinderäten der Kommunen vor. Viele vermissten eine neutrale Stimme, etwa von einem Vertreter der Deutschen Flugsicherung (DFS) oder von Stefan Köhler, dem vom Regierungspräsidium (RP) beauftragten Lärmschutzbeauftragten für den Flughafen Stuttgart.
Köhlers Rolle sieht das RP allerdings anders. „Der Lärmschutzbeauftragte hat in den Sitzungen der Fluglärmkommission eine beratende Funktion“, erläutert Stefanie Paprotka, Pressesprecherin des RP. Der Lärmschutzbeauftragte könne insbesondere Vorschläge zur Lärmminderung im Benehmen mit der DFS und der Flughafen Stuttgart GmbH erarbeiten. Bei der Änderung eines Flugverfahrens ist nach Paprotkas Worten Folgendes entscheidend: „Flugverfahren werden durch die DFS geplant und vom Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung durch Rechtsverordnung festgelegt.“ Der Lärmschutzbeauftragte nehme in beratender Funktion als Gast an den Sitzungen der Fluglärmkommission teil. Den Prozess der Meinungsbildung in Gemeinderäten zu begleiten, sei nicht Köhlers Aufgabe. Die Teilnahme des Lärmschutzbeauftragten an Gemeinderatssitzungen zu anderen Themen stuft Paprotka hingegen als „sehr sinnvoll“ ein.
Die Aufgaben der DFS liegen nach den Worten der Sprecherin Kristina Kelek nicht in der Kommunikation vor Ort: „Die DFS ist für die Flugverfahrensplanung verantwortlich, und das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung prüft die vorgelegten Routenvarianten genau.“ Bei Abflugverfahren stehe trotz höchster Lärmschutzanforderungen die Sicherheit an erster Stelle. Die harsche Kritik von Seiten etlicher Kommunalpolitiker, dass die neue Flugroute in den Gemeinderäten von Vertretern der Fluggesellschaften und nicht von unabhängiger Seite vorgestellt wurde, kontert Kelek: An solchen Gemeinderatssitzungen teilzunehmen, widerspreche vom Grundsatz her dem Neutralitätsprinzip der DFS.

eli / Foto: Horst Rudel


Bädern steht Wasser bis zum Hals

Eintrittspreise in den Esslinger Schwimmbädern sind um 15 Prozent gestiegen – Trotzdem hohes Defizit

Schwimmen, planschen und im Wasser entspannen ist teurer geworden: Die Esslinger Bäder haben ihre Eintrittspreise zum Jahreswechsel um 15 Prozent erhöht. Die Beckenmieten für Vereine und die Schulpauschalen wurden ebenfalls angehoben. Die Tarifänderung beschloss der Esslinger Gemeinderat in seiner letzten Sitzung vor der Weihnachtspause. Begründet wird der Schritt mit den hohen Ausgaben, dem steigenden Defizit, der Sanierung des Merkel’schen Schwimmbades und einer generellen Kostenunterdeckung.
Die Schwimm- und Freibäder sind nach Darstellung der Stadtverwaltung in ein unruhiges Fahrwasser geraten. Die Verwaltung rechnet vor, dass die Einrichtungen nicht kostendeckend betrieben werden könnten. Das Ergebnis für 2019 wird mit einem Minus von 2,39 Millionen Euro angegeben. Für 2022 wird sogar ein Defizit von 2,84 Millionen Euro vorhergesagt. Das Minus muss von der Stadt getragen werden. Durch die Erhöhung der Eintrittspreise könnten in diesem Jahr aber Mehreinnahmen von etwa 300 000 Euro erzielt werden. Unter Berücksichtigung der ­Sanierungsarbeiten im Merkel’schen Bad würden 2023 Mehreinnahmen von 160 000 Euro in die Kassen gespült. Für 2024 wird der Betrag mit 80 000 Euro angegeben. Ab dem Jahr 2025 erwartet die Verwaltung dann wieder Mehrerlöse von rund 300 000 Euro.
Zur Begründung der Tariferhöhung werden zudem die Preise in Einrichtungen in den Nachbargemeinden herangezogen. Ein Vergleich zeige, dass eine Tariferhöhung unter Berücksichtigung des Wettbewerbs vertretbar sei. Finanzbürgermeister Ingo Rust betonte, als Orientierungshilfe hätten nicht nur die Preise im Umland, sondern auch die Lohn- und Gehaltssteigerungen vergangener Jahre gedient. In der Sitzungsvorlage wird auf die Preisstabilität der vergangenen Jahre verwiesen. Der Eintritt in die Esslinger Bäder sei zuletzt mit Beschluss des Aufsichtsrates vom 15. November 2016 angepasst worden. Die Beckenmieten für Vereine und die Schulpauschale seien 2014 festgezurrt worden.
Der Gemeinderat stimmte dem Vorschlag der Verwaltung mit fünf Gegenstimmen von der Linken und FÜR Esslingen zu. Rust zerstreute in der Sitzung alle Illusionen über eine finanzielle Gesundung der städtischen Finanzen durch die höheren Eintrittspreise: „Die Bäder bleiben Zuschussbetriebe.“ Auch nach der Anhebung der Tarife werde nur ein Kostendeckungsgrad von 42 Prozent erreicht. Die Stadt müsse also immer noch 58 Prozent der Ausgaben tragen: „Daran wird deutlich, dass die Bäder weiterhin einen hohen Stellenwert für uns haben.“
Rusts Statement führte zu Diskussionen im Gremium. Martin Auerbach (Die Linke) positionierte sich gegen die Tarifanhebung: „Wir werden der Preiserhöhung nicht zustimmen. Bei explodierenden Energiepreisen und der hohen Inflation wollen wir die Kosten nicht an Bürgerinnen und Bürger mit kleinem Geldbeutel weiterreichen.“ Rena Farquhar (FDP) stellte den Zeitpunkt der Maßnahme in Frage. Coronabedingt seien die Leistungen in den Bädern reduziert worden. Karin Pflüger (CDU) schlug vor, den Eintritt für die Sauna im Merkel’schen Bad zu reduzieren. Coronabedingt könne nur ein Drittel der Einrichtung genutzt werden.
Doch Rust winkte ab: Man habe sehr viel über die Zeitmodelle diskutiert. Ziel sei es gewesen, möglichst vielen Menschen einen Bäderbesuch zu ermöglichen. Und natürlich wolle man wieder zu den normalen Öffnungszeiten zurückkehren. Es seien zusätzliche Angebote ins Programm aufgenommen worden. Er rate dazu, nicht zu sehr die Einzeleintritte im Blick zu haben, sondern lieber die besonders günstigen Saisonangebote: „In Coronazeiten die Preise zu senken, halte ich für schwierig. Schließlich steigt das Defizit, wenn weniger Besucher kommen.“ Vor allem im Wellnessbereich seien die Kosten sehr hoch.

meb/sw / Foto: Roberto Bulgrin


Abgestimmt!

Gesünder essen, mehr Sport treiben, anderen mehr zuhören: Gute Vorsätze gehören zum Jahresbeginn. Haben Sie auch welche?

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Gute Vorsätze?

  • Ja! (67% )
  • Nein! (33% )
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Auch Notärzte und Sanitäter arbeiten am Anschlag

Die Pandemie bringt nicht nur Kliniken an ihre Grenzen – Auch Rettungsdienste im Kreis stöhnen über Mehrbelastung

Die Rettungsdienste sind sich einig: Das System werde eine dauerhafte Belastung wie in diesen Tagen und Wochen nicht verkraften. „Extrem angespannt“ sei die Situation, sagte die Sprecherin der Johanniter im Regionalverband Ostwürttemberg, Mareen Kupka, Ende des vergangenen Jahres. „Jeder Transport eines infizierten Patienten erfordert Sorgfalt, ist aufwendig und anstrengend“, sagt sie. Die Einschätzung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) ist ähnlich. „Die körperliche Belastung hat sich verdoppelt“, sagt Michael Wucherer, Rettungsdienstleiter des DRK Esslingen-Nürtingen.
Die Rettungsdienstmitarbeiter arbeiten in einem Zwölf-Stunden-Schichtsystem. Eigentlich gibt es bei diesem Schichtsystem stets auch Bereitschaftszeiten, die einer kurzen Erholung zwischen den Einsätzen dienen sollen. Die Bereitschaftszeiten fallen aber derzeit weitgehend weg. Die Rettungsdienstmitarbeiter arbeiten durch, an manchen Tagen ohne Pause, so Wucherer. Hinzu kommt, dass die Arbeit wegen des Virus oft in Schutzanzügen gemacht wird.
„Wir haben die Grenze der Belastbarkeit unserer Mitarbeiter eigentlich überschritten“, sagt der Rettungsdienstleiter. Überstunden werden aufgebaut, die nicht zeitnah abgebaut werden können, und Urlaubsanträge können beim DRK teils nicht genehmigt werden. Bei den Johannitern ist es ähnlich. Von einer strikten Urlaubssperre sieht man aber ab – wohlwissend, dass die Mitarbeiter die Urlaubstage dringen zu Erholung benötigen.
Die Hygienemaßnahmen nach einem Einsatz mit einem Coronapatienten sind umfangreich. So müssen die Fahrzeuge in Schutzanzügen desinfiziert werden. Anschließend werden die Schutzanzüge entsorgt. Wer ohne Schutzanzug Kontakt zu einem Coronapatienten hatte, muss sich komplett umziehen und duschen. Die möglicherweise mit Viren belastete Kleidung wird in einem speziellen Kunststoffsack verschlossen. Die Kleidung kommt samt Sack in die Waschmaschine, wo dieser sich auflöst. Das Prozedere kostet Zeit und zehrt an den Nerven der Rettungsdienstmitarbeiter.
„Irgendwann müssen wir wieder in ruhigeres Fahrwasser kommen“, sagt Wucherer. Wann das sein wird, kann er aber nicht sagen. Die vorgeschriebenen Hilfsfristen könnten trotz der Belastung weiterhin eingehalten werden, betont er. Für die Mitarbeiter bedeute es allerdings erhöhten Stress, wenn sie beispielsweise während der Patientenübergabe in einem Krankenhaus direkt in den nächsten Einsatz gerufen werden. Dass die Einsatzzeiten und die Notversorgung auch unter den Pandemiebedingungen aufrecht erhalten werden, versprechen auch die Johanniter. „Jeder Einsatz wird mit der gewohnten gleichbleibenden Qualität abgearbeitet“, sagt Kupka.
Coronabedingte Ausfälle unter den Rettungskräften gebe es dank einer hohen Impfquote und den beschriebenen Schutzmaßnahmen bei der Arbeit nicht allzu häufig. „Der Rettungsdienst ist mit einer sehr hohen, im Vergleich zu anderen Diensten herausragenden Impfquote vergleichsweise gut auf die Virusvariante vorbereitet“, so die Johanniter-Sprecherin Kupka.

bra / Foto: Philipp Braitinger