Keine Stromtankstellen in Altbach

Gemeinderat gibt erneut einem Energieanbieter einen Korb – Nachbargemeinden gehen einen anderen Weg

Es bleibt beim Nein: Auch das zweite Vertragsangebot eines Energieanbieters für zwei E-Ladesäulen wurde vom Altbacher Gemeinderat mit großer Mehrheit abgelehnt. „Das Ergebnis ist nicht so, wie wir es uns gewünscht hätten“, sagte der Bürgermeister Martin Funk über einen Vertragsentwurf der Esslinger Stadtwerke (SWE). Zuvor hatte der Gemeinderat bereits beschlossen, ein Vertragsmodell der EnBW nicht weiter zu verfolgen. Die Krux bei beiden Verträgen ist, dass die Gemeinde das Geschäftsmodell der Energieversorger finanziell hätte bezuschussen müssen. „Es geht ums Geld“, brachte es Funk auf den Punkt.
Der Vertragsentwurf der SWE sah vor, dass Altbach die Ladesäulen für insgesamt knapp 46 000 Euro kauft. Fördermittel in Höhe von 10 800 Euro je Ladestation waren schon zugesagt. Zusätzlich hätte sich die Gemeinde an den Wartungs- und Instandsetzungskosten beteiligen sollen. Eine Versicherung hätte knapp 178 Euro jährlich gekostet. Unter dem Strich rechnete die Kommune mit einem Zuschussbedarf von 4500 Euro pro Jahr.
Geld aus dem Stromverkauf an den E-Ladesäulen wäre laut Verwaltung im Gegenzug nicht in die Gemeindekasse geflossen. Angesichts dieser Bedingungen lehnte eine große Mehrheit des Gemeinderates das SWE-Angebot ab. „Im Moment bleibt zu viel bei uns als Gemeinde hängen“, meinte der CDU-Fraktionschef Michael Euchenhofer. Die CDU hatte im Jahr 2020 beantragt, das Aufstellen von E-Ladesäulen in Altbach prüfen zu lassen. Falls sich die Bedingungen änderten, könne das Thema in Zukunft erneut aufgegriffen werden, sagte Euchenhofer nun.
In den Nachbarorten Altbachs gibt es bereits öffentliche Ladesäulen. „Für mich sind öffentliche Ladesäulen ein wichtiger Standortfaktor, um durch E-Ladesäulen für die Kunden den Handel und die Gastronomie zu stärken“, sagt der Plochinger Bürgermeister Frank Buß. An sechs Standorten gibt es dort seit dem Jahr 2018 insgesamt zwölf Ladepunkte, deren Nutzung sich bis Oktober 2021 teils mehr als versiebenfacht hat. Die Stadt zahlt eine monatliche Gebühr von 69 Euro an die EnBW, die Einnahmen aus dem Stromverkauf werden geteilt.
In Deizisau erhält die Gemeinde eine Rückvergütung für die Ladevorgänge. Allerdings sei die Rückvergütung nicht kostendeckend, räumt der Bürgermeister Thomas Matrohs ein. Unter dem Strich kosteten die zwei Ladesäulen die Gemeinde in jedem Jahr einen mittleren vierstelligen Betrag für Unterhaltung, Abschreibung und Weiteres. „Dieser Betrag könnte noch minimiert werden, wenn noch mehr Ladevorgänge dazukommen“, sagt Matrohs. Trotz der Bezuschussung stehe das Rathaus hinter der Infrastruktur, die der Elektromobilität einen weiteren „Anschub“ geben solle.
In Esslingen gibt es 21 öffentliche Ladesäulen. „Hauptantrieb des Ausbaus im Jahre 2013 war der Carsharing-Anbieter Car2go. Damit wollte die Stadt Esslingen die Antriebs- und Verkehrswende unterstützen“, erinnert sich Jessica Waibel vom Stadtplanungsamt. Inzwischen bereitet die Stadt die Ausschreibung weiterer Standorte für Ladestationen vor. Nun soll sich der Kostenanteil der Stadt aber auf den Verzicht von Sondernutzungsgebühren beschränken. Alle weiteren Kosten sollen von den Betreibern getragen werden.
In Wernau werden derzeit zwei öffentliche Ladesäulen betrieben, zwei weitere sollen bald in einem Neubaugebiet hinzukommen. Für die vorhandenen Säulen bezahlt die Stadt laut Patrick Klein, Amtsleiter des Stadtbauamtes Fachbereich Tiefbau, 600 Euro jährlich als Betriebskostenpauschale an die Netze BW. Der Stromverkauf-Erlös geht an den Betreiber.
In Hochdorf wird die öffentliche Ladeinfrastruktur weiter ausgebaut. Drei öffentliche Flächen stellt die Gemeinde dafür dem örtlichen Ingenieurbüro für Photovoltaik und Energieeffizienz von Bastian Zinßer als Betreiber der Stationen zur Verfügung. Seit dem Jahreswechsel 2020/2021 betreibt Zinßer bereits zwei öffentlich nutzbare Ladestationen. Dazu plant die Verwaltung zwei zusätzliche kommunale Ladestationen, Partner ist hier die Netze BW/EnBW.

bra/eis / Foto: Ines Rudel


Alte Gebäude müssen weichen

Auf dem Hirsch-Areal in Hochdorf entstehen 20 Wohneinheiten – Differenzen um Ausgestaltung der Mehrfamilienhäuser

Oft wurde debattiert, jetzt ist es beschlossene Sache: Das frühere „Hirsch-Ensemble“ in der Kirchheimer Straße 44 bis 48 in Hochdorf, vis-à-vis der alten Schmiede, des Rathauses und der Martinskirche samt Pfarrhaus und Pfarrscheuer gelegen, wird abgerissen. An seiner Stelle entstehen zwei Mehrfamilienhäuser mit 20 Wohneinheiten samt Tiefgarage mit 19 Stellplätzen und weiteren acht Außenstellplätzen an der Straße. Die zugehörigen Grundstücke sind verkauft.
Neuer Wohnraum wird benötigt. Ob man dafür aber immer neu bauen muss oder doch lieber den Bestand saniert, ist umstritten. Ende November vergangenen Jahres hatte sich ein Experte die Bestandsgebäude angesehen und aufgrund deren Lage direkt an der Landesstraße eine Sanierung ausgeschlossen. Ebenso die Stadtentwicklungsgesellschaft (STEG). Und doch herrscht im aktuellen Fall im Gemeinderat Uneinigkeit, vor allem bei der Frage, ob sich die beiden Neubauten ins historische Ortsbild einfügen.
Bereits 2016 wurde über eine Neubebauung des Areals diskutiert. 2021 legte der jetzige Bauherr, die Hartmut Fischer Planbau GmbH aus Deizisau, eine Bauvoranfrage vor, die sich an der 2016er-Variante mit einer weniger intensiven Nutzung des Grundstücks orientierte. Der Gemeinderat erteilte mehrheitlich das Einvernehmen. Zugestimmt hatte auch die Baurechtsbehörde des Esslinger Landratsamts. Einige Anregungen hat der Bauherr in seinen aktuellen Bauantrag eingearbeitet. So entfallen laut Bürgermeister Gerhard Kuttler die vormals geplanten Gauben zur Straßenseite hin, was das Gebäude weniger wuchtig wirken lasse. An der Fassade wurde im Untergeschoss ein Klinkervorsatz eingeplant, „das lockert die Bebauung auf und sie passt sich dem Bestand an“. Die Ausfahrt aus der Tiefgarage und von den Außen-Stellplätzen auf die Landesstraße sei von der Straßenverkehrsbehörde aufgrund des geltenden Tempo 30 als unbedenklich eingestuft worden.
„Trotz aller Anpassungen und der Tatsache, dass so etwas immer Geschmackssache ist, finden wir als Fraktion nicht, dass die beiden neuen Gebäude in die Ortsmitte passen. Die Parkplätze in der Tiefgarage sind auch schwierig anzufahren“, sagte Beate Schmid (SPD). „Überhaupt nicht gut gelöst“ findet die Parksituation Birgit Wiesenhütter (Die.Mitte). Ihr Fraktionskollege Thomas Zinßer stimmte zu: „Statt der Stellplätze an der Straße sollte man eher den Gehweg aufweiten, begrünen und die ganze Anlage noch weiter nach hinten rücken, um den Blick auf die historische Umgebungsbebauung richtig freizugeben.“ Das sah Kai Liebermeister (Grüne) anders. Beim Thema „Ortsbildprägend“ gehe es nicht nur um die Gebäudeansicht. Statt an der Straße künftig alles mit Autos voll zu stellen, sollte man auch die Neubauten an die Straße anpassen. Karsten Rößler (SPD) erinnerte einmal mehr an die festgelegten Leitbilder im Ortsentwicklungskonzept, mit welchem das historische Ortsbild gesichert und weiterentwickelt werden soll: „Dieses alte Ensemble ist mit der Umgebungsbebauung ortsbildprägend. Wir müssen unsere gesetzten Ziele besser umsetzen.“
CDU, Freie Wähler und Verwaltung standen hingegen zu der geplanten Neubebauung. „Das ist alles schöner, als es aktuell aussieht, und die Stellplätze sind teils durch eine Hecke gar nicht sichtbar,“ bemerkte Markus Krämer (CDU). Als „folgerichtigen Schritt in die Zukunft“ bewertete Bürgermeister Gerhard Kuttler das Bauvorhaben. Mehrheitlich erteilte der Gemeinderat dem Bauantrag letztlich das kommunale Einvernehmen.

eis / Foto: Katja Eisenhardt


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Die Fußball-WM in Katar steht in der Kritik: Korruptionsvorwürfe bei der Vergabe und Menschenrechtsverletzungen werden genannt. Schauen Sie trotzdem WM-Spiele?

Foto: dpa

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Esslinger Karstadt im Würgegriff

Situation für das Kaufhaus spitzt sich zu – Konzern kündigt Schließung von 40 Filialen an

Lange hieß es, die Esslinger Karstadt-Filiale zähle zu den umsatzstärksten der Region. An ihr und ihren Mitarbeitenden liegt es also mutmaßlich nicht, wenn der Konzern wieder einmal insolvent ist. Bisher hat Esslingens einziges Warenhaus alle Standortdiskussionen überlebt – ob es nun Hertie, Karstadt oder Galeria hieß. Doch jetzt scheint es so gut wie keine Hoffnung zu geben, dass das Kaufhaus in der Bahnhofstraße nicht zu den 40 Filialen gehört, von denen sich der Konzern Galeria-Karstadt-Kaufhof trennen will.
Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es freilich nicht. „Über einzelne Standorte, die jetzt Gegenstand einer sehr sorgfältigen Einzelfallbetrachtung und Analyse sind, können wir zu diesem Zeitpunkt noch keine Aussagen treffen“, blieb Konzernsprecherin Franziska Linnemann schmallippig. Es bräuchte ein Wunder, wenn der Esslinger Einzelhandel weiterhin auf seinen Kundenmagneten bauen könnte. Die Gefahr für die 80 Mitarbeitenden (Stand Mai 2022) kommt nicht nur aus Essen: Mitte Mai hatte der Eigentümer und Investor BPI Esslingen dem Kaufhaus gekündigt.
Er wolle bei der Weiterentwicklung von Parkhaus und Kaufhausgebäude nicht mehr auf Karstadt setzen, ließ BPI-Geschäftsführer Tom Walsh verlautbaren. Die Gespräche seien gescheitert, Karstadt blockiere die Entwicklung. Was die Esslinger Karstadt-Chefin Gabriele Post bestritt: Der Investor wolle sie aus ihrem Mietvertrag drängen, obwohl der bis Mitte 2026 mit Option bis 2036 laufe. „Wir möchten das Warenhaus nach unserer Strategie Galeria 2.0 ausbauen. Neben einer Verbesserung in der Warenpräsentation würde das Haus modernisiert“, so Post damals. Auch in der Konzernzentrale äußerte man sich „rundum zufrieden“ mit dem Standort. Bis vor wenigen Tagen sah es so aus, als ob die Zukunft des Hauses am 18. November vor Gericht geklärt werden würde, wo der Mietstreit verhandelt werden soll.
Beim jüngsten Versuch, den Karstadt-Parkplatz zu überbauen und das Kaufhausgebäude weiterzuentwickeln, handelt es sich um den dritten Anlauf, das innerstädtische Filetstück zwischen Bahnhof-, Martinstraße und Ehnisgasse weiterzuentwickeln. Lag der Fokus zu Beginn der Planungen vor zwölf Jahren auf dem Einzelhandel und einer Ladenpassage, hat die Investorenseite auf die Entwicklungen im Einzelhandel reagiert und den Schwerpunkt auf Wohnungen verlagert. 160 neue Wohnungen sollen auf dem Parkplatz und in den Obergeschossen des Kaufhauses entstehen, zudem gebe es auf 10 470 Quadratmetern „im Bestandsgebäude“ Platz für Läden und Büros sowie auf 1800 Quadratmetern in den Neubauten, schrieb BPI im Juli in einer Anzeige.
Von Karstadt war keine Rede mehr. Dabei war der Gemeinderat dem Investor beim Bebauungsplanverfahren weit entgegengekommen – obwohl es massive Kritik an der Höhe und Dichte der geplanten Bauten gegeben hatte. Dennoch musste BPI nur kleine Abstriche machen. Mit dem Ja des Gemeinderats hatten die Verwaltungsspitze um den damaligen OB Jürgen Zieger und der Gemeinderat die Erwartungen verbunden, Karstadt vor Ort halten zu können. Rechtlich festgeschrieben war das nicht.
Der Stadt sind die Hände gebunden. Aber es gibt noch keine Baugenehmigung. Das Baugesuch sei „unter anderem wegen Brandschutz und nachbarschaftlichen Einwendungen nicht genehmigungsfähig“, hieß es aus dem Rathaus.

biz / Foto: Roberto Bulgrin


Dicke Luft unter dem Rathausdach

In Lichtenwald streiten Gemeinderat und Bürgermeister – Räte wollen Rechte des Rathauschefs beschneiden

Im Lichtenwald herrscht erneut dicke Luft. Bereits seit einigen Monaten verlangt der Gemeinderat von Bürgermeister Ferdinand Rentschler, Beschlüsse zur Änderung der Hauptsatzung sowie zur Neugestaltung der Homepage umzusetzen. Doch der Verwaltungschef weigert sich – weil die Beschlüsse des Gremiums aus seiner Sicht nicht rechtmäßig sind. Bei dieser Einschätzung blieb Rentschler auch, nachdem die Kommunalaufsicht im Esslinger Landratsamt die Sichtweise der Gemeinderäte bestätigt hatte. Die ehrenamtlichen Kommunalpolitiker blockieren nun im Gegenzug die Verabschiedung des Jahresabschlusses der Gemeinde. Der Streit ist festgefahren, neuerdings steht sogar eine Klage im Raum.
Im Kern geht es darum, dass der Gemeinderat die Handlungsspielräume des Bürgermeisters einschränken will. Auf Antrag zweier Fraktionen hatte das Gremium im Frühjahr beschlossen, dem Rathauschef nicht mehr zu erlauben, Vorkaufsrechte für Grundstücke in der Gemeinde bis zu einem Wert von 7500 Euro selbstständig auszuüben. Damit sollten derartige Geschäfte der Kontrolle durch den Rat unterworfen werden. Rentschler widersprach dem Beschluss formell mit dem Hinweis, dass es sich bei diesen Vorgängen um „Geschäfte der laufenden Verwaltung“ handle. Bis dato weigert er sich, den Beschluss umzusetzen.
Ein weiterer Streitpunkt hat weniger grundsätzlichen, dafür aber hohen symbolischen Charakter, weil er die Außendarstellung der Schurwaldgemeinde betrifft. Dabei geht es um den Internetauftritt der Kommune. Nach dem Willen der Räte sollte ein professionelles Büro mit der Entwicklung einer neuen Homepage beauftragt werden, die den gesetzlichen Anforderungen entspricht. Dafür waren 40 000 Euro im Gemeindehaushalt reserviert. Auch gegen diesen Beschluss legte Rentsch­ler Widerspruch ein. Die Verwaltung übertrug auf Betreiben des Bürgermeisters stattdessen einem gemeinnützigen Verein die Aufgabe, die Internetseite kostenlos zu gestalten und einzurichten. Den Rat informierte er darüber zunächst nicht. Rentsch­lers Vorgehen löste Befremden und schwere Verstimmungen aus, Ratsmitglieder sprachen von einer als „unkooperativ und provokativ“ empfundenen Amtsführung. Der Bürgermeister missachte das Gremium und sabotiere die ehrenamtliche Arbeit der Kommunalpolitiker.
Schließlich schalteten die Lichtenwalder Bürger-Liste und die Freien Unabhängigen Wähler die Kommunalaufsicht ein. Das Landratsamt positionierte sich klar: Beide Beschlüsse des Gremiums seien rechtmäßig und von der Verwaltung umzusetzen, die Widersprüche Rentschlers seien ohne Belang. Weil weiterhin nichts geschah, beschloss das Gremium in der September-Sitzung, dem Jahresabschluss für das Haushaltsjahr 2021 die Zustimmung so lange zu verweigern, bis die Beschlüsse umgesetzt sind. Rentschler erklärte daraufhin, die Kenntnisnahme des Jahresabschlusses mit anderen strittigen Punkten zu verknüpfen, sei „völlig sachfremd“. Da Verwaltung und Rechtsbeistand bezüglich der Beschlüsse „eine dezidiert gegenläufige Rechtsauffassung“ hätten, werde „das weitere rechtliche Vorgehen“ geprüft.
In der jüngsten Sitzung wurde die Kenntnisnahme des Haushaltsabschlusses erneut vertagt, denn Rentsch­ler wiederholte, er sei „nicht bereit, die beiden Beschlüsse umzusetzen“. Auf eine Nachfrage aus dem Gremium erklärte er, die Verwaltung wolle „den Rechtsweg beschreiten“, denkbar sei „eine Feststellungsklage gegen den Gemeinderat“. Im Nachgang relativierte Rentschler: „Ob und in welcher Weise wir den Rechtsweg beschreiten, stimmen wir noch mit unserem Rechtsbeistand ab.“ Die Verwaltung bleibe bei ihrer Überzeugung, „dass Grundstücksgeschäfte kleinerer Art Geschäfte der laufenden Verwaltung sind, abhängig von Größe und Wert im Verhältnis zur Größe und Finanzkraft der Gemeinde“. Dies sehe auch der einschlägige Kommentar zur Gemeindeordnung so. „Wir teilen die Rechtseinschätzung des Landratsamts in der Sache nicht – zumal von dort die Widersprüche im Wesentlichen aus formalen Gründen zurückgewiesen wurden.“

pst / Foto: Peter Stotz


Das Publikum bleibt aus

In der Kulturszene grassiert ein massiver Besucherschwund – Vor allem kleinere Einrichtungen sind in Not

Ein Gespenst geht um in der Kulturszene – und ist natürlich unsichtbar: Es sind die nicht mehr vorhandenen Besucher. Betroffen sind alle Sparten und Genres: große Oper und kleiner Club, Kabarett und Konzert, Theater mit Menschen und Marionetten. Nur geht es bei den Kleinen eher um die Existenz. Die möglichen Gründe für den Publikumsschwund sind vielfältig: Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus; Entwöhnung von Live-Kultur durch lockdown-bedingte Massenmutation zu streamenden Couch-Potatoes; kein „Endlich vorbei“ nach der Pandemie, nur ein „Weiter so“ mit Endemie. Dank Wladimir Putin verbunden mit dem Angsttransfer zu apokalyptischen Atomkriegsszenarien und realistischen Energiepreisexplosionen.
Viele Ursachen, aber immer nur eine Wirkung, die Andreas Weiner vom Esslinger Literarischen Marionettentheater (Lima) unumwunden auf den Punkt bringt: „Die Besucherzahlen sind miserabel.“ Johannes Single vom Nürtinger Kulturclub Kuckucksei spricht von „massiven Einbrüchen“. Maren Weber vom Esslinger Kulturzentrum Dieselstraße rechnet im Vergleich mit der Zeit vor Corona mit 50 bis 70 Prozent weniger Publikum. Florian Pfirrmann von der Halle Reichenbach stellt fest: „Es kommen deutlich weniger Leute, und kaum jemand kauft noch im Vorverkauf.“ Aus Sorge, die Band spiele vor leerem Raum, wurden einzelne Konzerte sogar abgesagt. Ähnliches berichtet Maren Weber. Pfirrmann beschreibt die Situation als Teufelskreis: „Wir haben höhere Nebenkosten und teurere Gagen für die Künstler, weil die zwei Jahre lang nichts verdient haben. Also müssen wir die Eintrittspreise erhöhen. Aber auch die Leute müssen mehr aufs Geld schauen, also bleiben sie weg. Und wir nehmen nichts ein.“
In der vergleichsweise großen Esslinger Landesbühne (WLB) stellt sich das Phänomen als „verhaltener freier Kartenverkauf“ und trotz einiger Neuzugänge unterm Strich als Verlust von rund 20 Prozent der Abonnenten dar, sagt die Verwaltungsdirektorin Vera Antes. Wie bei allen Theatern überwiegen auch bei der WLB die reiferen Semester in der Abonnentenschaft. „Die Kündigungen wurden fast alle mit dem Alter begründet“, sagt Antes. Sie geht aber davon aus, dass auch die Coronapausen als Theaterentwöhnungseffekt der Auslöser waren. „Im April und Mai dieses Jahres hatten wir noch einige ausverkaufte Vorstellungen“, berichtet sie. Doch schon vor den Ferien bröckelte das scheinbar wiedererwachte Interesse. An der WLB deutet man das als Zeichen allgemeiner Verunsicherung.
Aus Sicht des Kuckucksei-Geschäftsführers Single haben die Corona-Lockdowns „die Leute konditioniert, sich daheim Netflix oder Youtube reinzuhauen; und das wirkt jetzt nach“. Nicht einmal eine prominente Band wie „Guru Guru“ ziehe noch: „Früher war da das Ei zweimal voll, jetzt im Mai kamen gerade noch 75 Leute.“ Etwas andere Erfahrungen machte Maren Weber: „Die großen Namen laufen noch gut, bei unbekannteren Künstlern läuft nur noch wenig.“ Doch auch die Dieselstraßen-Geschäftsführerin spricht von einem durch Corona antrainierten „Rückzug ins Private. Vorher ist man zu einem Konzert gegangen, jetzt ist man zufrieden mit dem Spieleabend zuhause.“
Jedenfalls ist die Situation vor und hinter der Bühne mindestens so dramatisch wie auf ihr – in der Realität, nicht als Schauspiel. „Das Finanzierungsgefüge gerät aus dem Lot. Wir werden nicht so weitermachen können wie bisher“, sagt Weber. Sie hofft auf finanzielle Unterstützung, sieht allerdings die Einrichtungen auch in der Pflicht, neue Publikumsgruppen zu erreichen. Andreas Weiner vom Lima kritisiert, dass die Rückzahlung von Coronahilfen die Lage zusätzlich erschwere. Wenig hilfreich sei auch die Umstellung der Landesförderung von Fest- auf Fehlbeträge gewesen: „Da während Corona nicht gespielt wurde, sind die Fehlbeträge natürlich niedriger.“ Derweil graust ihm vor der Gasrechnung. Pfirrmann hofft für die Halle auf das nächste Frühjahr („dann sieht man weiter“), Single ist diese Hoffnung fürs Kuckucksei fast schon abhandengekommen: „Wenn es so weitergeht, haben wir im nächsten Jahr ein gewaltiges Problem.“ Nur im oftmals totgesagten Kino herrscht offenbar wieder heile Welt: ein „zweiter Frühling“, sagt Tobias Mattl von Lochmann Filmtheaterbetriebe, Inhaberfirma der Traumpaläste in Esslingen und Nürtingen. „Wir haben das Gefühl, unsere Gäste wollen im Kino in eine andere Welt abtauchen. Das geht zu Hause nicht.“

mez / Foto: Max Kovalenko


Abgestimmt!

Forderungen werden laut, dass vor allem an Schulen kostenlos Monatshygieneartikel verteilt werden sollen. Sollen Mädchen und Frauen Tampons und Binden gratis bekommen?

Foto: dpa

Tampons gratis?

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Schub für Stadtbahn-Verlängerung?

Neue Berechnungsgrundlage bringt Hoffnung für das seit 20 Jahren diskutierte Projekt zwischen Nellingen und Esslingen

Aufwand und Nutzen passen nicht überein. Wegen dieser Erkenntnis war es lange still um ein Projekt, das den Verkehr zwischen Filder und Neckartal deutlich entlasten könnte: die seit 20 Jahren diskutierte Verlängerung der Stadtbahn von Nellingen nach Esslingen. Jetzt kommt wieder Fahrt in die Diskussion. Grund dafür ist, dass es für das sogenannte standardisierte Verfahren, mit dem die Wirtschaftlichkeit eines Bahnprojekts geprüft wird, neue Kriterien gibt. Erstmals und nun gleich mit Gewicht werden beispielsweise die Barrierefreiheit, der Klimaschutz und Energiespareffekte durch Verlagerungen auf die Schiene berücksichtigt.
Was so viel heißt, dass das Vorhaben einen neuen Schub bekommen könnte. Bahnexperte Matthias Gastel, der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, gibt sich optimistisch: „Letztlich steigen die Chancen, dass Investitionen in die Schiene aus Bundesmitteln förderfähig und tatsächlich zum Nutzen der Fahrgäste realisiert werden.“
Vor Kurzem abermals aufs Tapet gebracht hatte das Bahnprojekt der Landrat Heinz Eininger. In der Sitzung des Verwaltungs- und Finanzausschusses des Esslinger Kreistags berichtete er über die veränderten Vorzeichen. Gleichzeitig kündigte er an, dass der Landkreis, angestoßen durch die neuen Kriterien, im nächsten Jahr eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben werde. Diese soll ­beleuchten, ob sich das Bahnprojekt nun wirtschaftlich rechnet. Die Kosten für das Gutachten von rund 170 000 Euro übernimmt zu zwei Dritteln der Landkreis, die Restsumme verteilt sich je nach Größe auf die Städte Esslingen und ­Ostfildern.
Es sei richtig, sich das Vorhaben unter den geänderten Bedingungen nochmals anzuschauen und die Wirtschaftlichkeit zu prüfen, sagt Ostfilderns OB Christof Bolay, denn ein Ringschluss zur S-Bahn in Esslingen wäre für alle ein Gewinn. Bolay erinnert daran, dass die Verlängerung der Stadtbahn bis nach Nellingen im Jahr 2000 der Entwicklung Ostfilderns einen erheblichen Schub gegeben habe. Vor allem der Erfolg des Scharnhauser Parks, in dem mittlerweile an die 9000 Menschen leben, wäre ohne den Anschluss an das regionale Bahnnetz nicht in der Form möglich gewesen.
Für Ostfilderns größten Stadtteil Nellingen, in dem die Stadtbahn bislang endet, würde das Bahnprojekt erhebliche bauliche Veränderungen bedeuten. Eine Festlegung auf eine bestimmte Variante habe es im Gemeinderat noch nicht gegeben, so Bolay. Ebenfalls vorsichtig optimistisch gibt man sich im Esslinger Rathaus. „Die Realisierungschancen der Stadtbahn hängen wesentlich von dem Ergebnis einer weiteren Untersuchung und dem daraus resultierenden Nutzen-Kosten-Indikator ab“, erklärt Pressesprecher Niclas Schlecht. In einer ersten Untersuchung habe der Nutzen-Kosten-Indikator unter 1 gelegen. Bei der zweiten Untersuchung im Jahr 2019 habe man mit der niedrigsten Kostenschätzung einen Nutzen-Kosten-Indikator von knapp über 1 erreicht, was eine Rentabilität bedeuten würde.
Daher können man gegenwärtig noch keine konkreten Aussagen zu den Realisierungschancen machen. Klar sei aber, dass die Stadtbahn eine Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs in der Stadt bedeutet, insbesondere die Verbindung Richtung Zollberg/Nellingen. Zudem sei es „ausdrücklich zu begrüßen, wenn die Filderkommunen durch eine Stadtbahn besser an die Kreisstadt Esslingen angebunden werden“, sagt Schlecht. Konkrete Gemeinderatsbeschlüsse zur Stadtbahn-Verlängerung gibt es bislang auch in Esslingen nicht. Doch würden bei den aktuellen Planungen die notwendigen Trassen frei gehalten, versichert Pressesprecher Schlecht. Zu nennen seien da insbesondere die Planungen zur städtebaulichen Neuordnung des Nürk-Areals in der Pliensauvorstadt.
Zuletzt hatten im Jahr 2019 die CDU-Stadtverbände Esslingen und Ostfildern das Thema bei einem Informationsabend in Nellingen aufgegriffen. Damals war von Kosten in Höhe von 178 Millionen Euro die Rede. Egal, welche Variante zum Zug käme: Gut ein Viertel der Strecke müsse man wegen der Höhenunterschiede in Tunneln verlegen.

hf / Foto: Stadtarchiv Ostfildern


Park Consul heißt jetzt Leonardo

Nach mehr als zwei Jahren Leerstand soll das Hotel am Neckar Forum im nächsten Sommer wieder eröffnet werden

Zuletzt war man sich in Esslingen nicht mehr sicher. Angesichts des langen Leerstands fragte manch einer hinter vorgehaltener Hand, ob überhaupt wieder Leben in das ehemalige Hotel Park Consul einziehen würde. Die Zweifel dürften nun obsolet sein: Stadt und Pächter haben vergangene Woche Vollzug gemeldet. Der Pachtvertrag sei unterschrieben, die Wiedereröffnung der Unterkunft neben dem Neckar Forum für spätestens nächsten Sommer anvisiert.
Das Konzept soll sich nicht grundlegend ändern. Die Leonardo-Hotelgruppe als neuer Pächter will auch künftig einen Schwerpunkt auf Geschäftsreisende, Tagungsgäste und Veranstaltungsbesucher legen – allein schon wegen der Nähe zum Kongresszen­trum Neckar Forum. Aber auch für den Freizeittourismus will man attraktiv sein und unter anderem mit guter Gastronomie und modernen Wellnessangeboten punkten. Die kurzen Wege in die Esslinger Altstadt sollen ihr Übriges tun, um Kurzurlauber von einem Aufenthalt im „Leonardo Esslingen“ zu überzeugen.
Zudem soll die Kooperation zwischen Stadt und Pächter intensiviert werden. Man will Veranstaltungen und Übernachtungen verstärkt gemeinsam vermarkten und sich gegenseitig zu neuen Kunden verhelfen. „So war es immer schon gedacht, aber in den vergangenen Jahren hat dieses Prinzip etwas gelitten“, sagt der Erste Bürgermeister Ingo Rust, der auch für die städtische Veranstaltungsgesellschaft Esslingen live zuständig ist. „Wir halten das Hotel an diesem Standort für einen wichtigen Wirtschaftsfaktor.“
Die Wiedereröffnung nach dem Zuschlag für die Leonardo-Gruppe als künftiger Pächter sei zu keinem Zeitpunkt in Gefahr gewesen, so Rust. Dass es so lange dauerte, bis der Pachtvertrag unterzeichnet wurde, habe schlicht daran gelegen, dass man möglichst viel im Vorfeld klären wollte. Die Stadt habe aus der Erfahrung gelernt und bei der Leonardo-Gruppe offene Türen eingerannt mit dem Bestreben, bis ins kleinste Detail festzulegen, wie die Zusammenarbeit in Zukunft aussehen soll. Dabei ist ein dickes Vertragswerk entstanden, das die nächsten 20 Jahre gelten soll.
Jan Heringa, der bei der Leonardo-Hotelgruppe vor allem für die Themen Weiterentwicklung und Innovation zuständig ist, zeigt sich begeistert von dem Standort in Esslingen. Es sei das erste Haus seines Unternehmens in der Region Stuttgart und eins der wenigen in Baden-Württemberg. Nun gelte es aber erst einmal, das Hotel auf Vordermann zu bringen. „Das Haus ist 17 Jahre alt, wir werden es jetzt ins Jahr 2023 katapultieren“, so Heringa. So wolle man etwa die Teppichböden in den Fluren durch nachhaltige Vinylböden ersetzen, statt Badewannen lieber Duschen einbauen und Restaurant, Dachterrasse sowie Wellnessbereich modernisieren. Zudem werde die IT auf den neusten Stand gebracht. Rund drei Millionen Euro will die Hotelkette in die Modernisierung des Hauses mit 150 Zimmern und rund 340 Betten investieren.
Auch die Stadt lässt sich den Neustart der zentralen Unterkunft etwas kosten. Rund 2,5 Millionen Euro werden in das Gebäude investiert, unter anderem in die Technik und den Brandschutz. Allerdings fällt darunter auch die Summe von rund 900 000 Euro für den Einbau einer Klimaanlage für die Zimmer zum Neckar Forum hin, die von Leonardo-Hotels zum großen Teil über die Pacht finanziert wird. Auch wegen des langen Leerstands muss die Stadt tiefer in die Taschen greifen. Schließlich kostet sie die Kontrolle und Instandhaltung des Gebäudes zwischen 20 000 und 25 000 Euro im Monat. Bis zur Eröffnung wird man im Rathaus diesen Posten weiter einkalkulieren müssen.
Trotz Corona und der Konsumzurückhaltung angesichts der Energiekrise macht sich Jan Heringa keine Gedanken über eine mangelnde Auslastung des Esslinger Hotels. „In den vergangenen Monaten haben wir ein wahnsinniges Geschäft gemacht“, berichtet er über die Hotelgruppe.

meb / Foto: Ines Rudel


Hausbaupläne häufig auf Eis gelegt

Steigende Zinsen, unkalkulierbare Kosten: Banken registrieren große Verunsicherung bei ihren Kunden

Der Traum von den eigenen vier Wänden ist für viele Menschen erst einmal ausgeträumt. Deutlich gestiegene Zinsen für Hypotheken-Darlehen, die anhaltend hohe Inflationsrate und zu viele Unwägbarkeiten bei der Entwicklung der Kosten zwingen mehr und mehr Bauinteressenten, ihre Pläne bis auf Weiteres zu begraben. Selbst Bauwillige, die bereits ein Grundstück besitzen, warten zumindest erst einmal ab. Das bestätigen regionale Geldinstitute auf Anfrage.
Mit genauen Zahlen tut man sich schwer. Aber der Trend ist überall eindeutig. Es herrsche große Verunsicherung, berichtet Volker Schmelzle vom Vorstand der Volksbank Plochingen. Das lasse sich auch daran festmachen, dass die Zahl der Beratungsgespräche für eine anstehende Immobilienfinanzierung seit Juni um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen sei. Und beim Großteil der übrigen Interessenten stelle sich heraus, dass sich das von ihnen angepeilte Vorhaben bei den aktuellen Gegebenheiten und mit ihren finanziellen Mitteln nicht realisieren lässt. „Die Unsicherheit ist mit Händen zu greifen“, sagt Schmelzle. Und was die Vermarktung bereits bestehender Immobilien angeht, ziehe sich der Verkaufsprozess heute viel länger hin als noch zu Jahresbeginn.
Martin Turetschek, Sprecher der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, zeigt an einem Beispiel, wie sich der Kapitaldienst für Baufinanzierungen innerhalb nur eines Jahres verändert hat. „Wer vor einem Jahr für ein Baudarlehen in Höhe von 300 000 Euro bei einem Zinssatz von 1,25 Prozent monatlich rund 312 Euro Zinsen zahlte, müsste jetzt für dieselbe Kreditsumme bei einem Zinssatz von 3,8 Prozent eine Zinsbelastung von 950 Euro pro Monat einplanen.“
Für Heinz Fohrer, den Vorstandssprecher der Volksbank Mittlerer Neckar, resultiert die gegenwärtige Zurückhaltung bei den Immobiliengeschäften aus einer „wachsenden Unsicherheit bei der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung, die sich auf den eigenen Arbeitsplatz und damit das langfristige Einkommen auswirkt“. Hinzu komme in der Region Stuttgart ein überdurchschnittliches Preisniveau bei den Immobilien, sowohl beim Kauf als auch bei den Baukosten. Coronakrise, der russische Angriffskrieg in der Ukraine, Rohstoff- und Energiekostenkrise, hohe Inflation und viele andere Probleme sorgten für eine „ungeheure Unsicherheit“.
Eine andere Beobachtung macht man bei der Volksbank Filder. „Teilweise haben Kunden die höheren Baukosten oder auch das höhere Zinsniveau noch gar nicht realisiert“, berichtet Banksprecherin Sabine Kristen. „Kalkulationen und Berechnungen der Kunden gehen noch von einem niedrigeren Zinsniveau aus.“ Die Schere, wer sich eine eigene Immobilie leisten kann und wer nicht, sei durch die aktuellen Entwicklungen weiter auseinander gegangen.
Dass die Nachfrage nach Finanzierungen zuletzt stärker zurückgegangen ist, habe sich durch die gestiegenen Verbraucherpreise noch verstärkt, sagt Kreissparkassen-Sprecher Turetschek. „In dieser Konstellation können sich viele Menschen derzeit eine Investition dieser Größe nicht oder nicht mehr leisten.“ Trotz der aktuellen Zurückhaltung sei das Eigenheim für viele Kunden nach wie vor das Lebensziel. Mehr denn je müsse man sich als privater Investor fragen, ob die finanzielle Verpflichtung auf Dauer realistisch tragbar sei, so Turetschek. Deshalb sein Rat: „Das Finanzierungskorsett für die eigenen vier Wände auf keinen Fall zu eng schnüren.“ Zinssicherungssysteme wie das Bausparen spielten bei der Finanzierung von Immobilien künftig wieder eine stärkere Rolle.
Mehr denn je ist in diesen Zeiten eine solide Finanzierung notwendig. Volker Schmelzle verweist auf eine alte, nach wie vor gültige Regel: Mit einem Viertel bis einem Drittel Eigenkapital an den Start gehen. Angesichts der aktuellen Unwägbarkeiten mit zum Teil völlig unkalkulierbaren Preisen empfehlen die Bankfachleute, auf jeden Fall einen Puffer einzukalkulieren.

hf / Foto: Ines Rudel